Ausgabe 
28.8.1897
 
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Gießen, Somabend, den 28. Angust

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

undeszeitung

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

* Kreuzplatz Nr. 4. 5

Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen t 10 Pfg.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 27. Aug. Nach einer Statistik über das Sparkassenwesen im Großherzog

tum Hessen haben sich die Einlagen in den letzten zwanzig Jahren von 50 auf 159 Millionen mit

13 Millionen Reservefonds vermehrt. Rheinhessen zeigt die größte Vermehrung, sie stieg per Kopf bon 41,58 /. auf 174,38., in Starkenburg bon 72,43 1 auf 173,54, in Oberhessen von 48,59. auf 97,06. Die Sparkasse in Mainz hat einen Bestand von 39, Darmstadt 18, Offenbach 15, Groß⸗Gerau 12, Worms 9 und Gießen 6 Millionen.

* Gießen, 27. August. In einem Teil der gestrigen Auflage unserer Zeitung wurde in der Notiz aus Langs dorf, Bürgermeisterwahl betr., mitgeteilt, daß ein Protest gegen die Gültigkeit der Wahl Köhlers bis gestern nicht eingereicht worden sei. Zur Zeit, als wir diese Mitteilung erhielten, war bereits eine Protestschrift unterwegs, und erst dann,

als mit der Drucklegung unserer Zeitung be⸗ gonnen wurde, erhielten wir davon Kenntnis. Wir teilen nochmals mit, daß die Anhänger des

Gegenkandidaten Schiel ihren Protest damit be⸗ gründet haben, Köhler sei überhaupt nicht wählbar, da er noch keine volle zwei Jahre in Langsdorf wohne. Wir sind heute in der Lage, mitteilen zu können, daß Köhler am 12. September d. J. zwei volle Jahre ununterbrochen in Langsdorf wohnt. Wir glauben nicht, daß der Protest der Gegner bon Erfolg sein wird, schon aus dem Grunde, weil unterlassen worden ist, gegen die Gültig⸗ leit der Wählerliste, in welcher Köhler als wahlberechtigter Bürger aufgeführt war, Protest zu erheben.

* Gießen, 27. August. Die Oktroi⸗Er⸗ hebestelle an der Neustadt, welche sich seither im Thorhaus links der Rodheimerstraße befand, wird vom 1. September d. J. ab in das gegen⸗ überliegende Thorhaus verlegt. Das seitherige Oktroihaus wird an die Kleinbahngesellschaft ab⸗ getreten, welche dasselbe zum Stationsge⸗ bäude der Eisenbahn Gießen⸗Bieb er einrichten läßt.

Gießen, 27. August. Nicht Jeder dürfte Appetit zu einem Hasenbraten verspüren, wenn er in den Besitz eines solchen gelangt wie der hiesige Tagelöhner Fritz Fenner. Auf der Bichlerschen Besitzung an der Hardt fand derselbe boe einiger Zeit einen verendeten Feld⸗ hasen, welcher bei der gegenwärtigen Schonzeit sicherlich eines anderen Todes gestorben war, als durch das Blei eines Nimrods.

eute wegen Jagdvergehen vor

6. erkannte.

* Lollar, 26. August. Der gestern Abend Uhr von Cassel einfahrende Güterzug

Nichtsdesto⸗ weniger hatte er dem Finder vortrefflich gemundet. Aber F. war wegen des Hasenbratens von einer 5 denunziert worden, und so stand er 9915

e m Schöffengericht, das in anbetracht der ob⸗ walterden Umstände nur auf eine Geldstrafe von

Nr. 1082 a streifte den auf einer Kurve noch stehenden Teil eines anderen Zuges. Von diesem wurden zwei Wagen zertrümmert, von dem ein⸗ fahrenden Zug die Maschine und 13 Wagen leicht beschädigt. Betriebstörungen traten, da die Geleise rasch freigelegt werden konnten, nicht ein. Von Gießen ging ein Werkstättewagen mit Per⸗ sonal nach Lollar ab.

d. Grünberg, 26. August. Der heutige Ludwigsmarkt, mit dem eine Faselschau verbunden war, ist trotz des regnerischen Wetters gut besucht gewesen. Der Handel war aber im allgemeinen gedrückt. Auf dem Viehmarkte waren aufgetrieben: 96 Stück Rindvieh und 837 Schweine. Der Krämermarkt wurde stark be einträchtigt durch das herrschende Regenwetter; die Kauflust war hier eine sehr geringe. Aufge⸗ stellt waren incl. des Schuhmarkts 48 Verkaufs- stände. Gegen früheren Jahren zeigte der heutige Markt für die hiesige Geschäftswelt einen merklichen Rückgang.

* Butzbach, 26. Aug. Der Wetterauer e e e beabsichtigt am 30. September bis 3. Oktober ds. Is. in hiesiger Markthalle eine Geflügel⸗Ausstellung ab⸗ zuhalten, die täglich von 95 Uhr geöffnet sein wird. Nichtmitglieder des Vereins sind nur ausstellungsberechtigt, wenn sie vor der Aus⸗ stellung noch ihren Beitritt zum Verein erklären. Die Anmeldungen seitens der Besitzer ausstel⸗ lungsfähiger Tiere haben bis spätestens 15. Sep⸗ tember an Herrn Lehrer J. Knaup in Helden⸗ bergen zu erfolgen; sämtliche angemeldeten Tiere müssen bis spätestens 29. September, mittags 12 Uhr, hier eingetroffen sein. Zur Ausstellung können kommen Gänse, Enten, Truthühner, Hühner, Fasanen, Pfauen und Tauben. Von Preisen werden etwa 20 Ehrenpreise auf Jung⸗ geflügel eigener Zucht, etwa 20 erste, 30 zweite, 4050 dritte und eine gleiche Anzahl vierte Preise vergeben.

* Friedberg, 26. August. Bei der Ent⸗ lassungsfeier im evangelischen Prediger⸗ semininar im Herbst 1896, zugleich Abschieds⸗ feier des Herrn Geh. Kirchenrats D. Diegel, wurde der Vorschlag gemacht und freudig auf⸗ genommen, es möchten je bei einer Herbst-Ent⸗ lassungsfeier diejenigen evang. Geistlichen, bezw. Theologen, ein Stelldichein in Friedberg geben, die jedesmal gerade vor 19 Jahren vom Predigerseminar abgegangen sind. Hoffentlich bleibt dieser sinnige Vorschlag nicht ein flüchtiger, schöner Gedanke, sondern kommt er, mit diesem Herbst beginnend, zur erfreulichen Verwirklichung; die in Rede stehende Entlassungsfeier ist am 1. September er., vormittags 11 Uhr beginnend. Die Herren, welche im Herbst, und zwar am 16. September 1887, das Seminar verlassen haben, sind: Ernst Büchner aus Gießen, jetzt Pfarrer in Selters, Jakob Christmann aus Nordheim, jetzt Pfarrer in Framersheim, Wilh. Dittmar aus Darmstadt, jetzt Pfarrer in Wall⸗ dorf, Karl Haacke aus Lüneburg, jetzt Pfarrer in Wenings, Jakob Jaudt aus Gundersheim, jetzt Pfarrer in Maulbach, Hermann Illert aus Leeheim, jetzt Pfarrer in Wolfsheim, Christian

Melior aus Vonhausen; aus dem Pfarrstande

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Bspaltige Pet

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Jung aus Gronau, jetzt Pfarrer in Ober-Ohmen, Jakob Partenheimer aus Volxheim, jetzt Real⸗ lehrer in Alzey, Theodor Römheld aus Eichen, jetzt Pfarrer in Güttersbach. Gestorben sind: Adam Beckenhaub aus Ginsheim und Hermann

ausgetreten ist Adam Schaich aus Bischofsheim. * Friedberg, 26. Aug. Das Ortsbau⸗ statut für unsere Stadt vom 7. Oktober 1869 und die Baupolizeiorduung vom 5. Juli 1890 sind aufgehoben und ist an deren Stelle aufgrund des Artikels 2 der allgemeinen Bauordnung vom 30. April 1881, bezw. der Ausführungsverord nung vom 1. Februar 1892 durch Beschluß des Gemeinderates nach Anhörung des Kreisaus⸗ schusses und mit Genehmigung großh. Mini⸗ steriums des Innern und der Justiz ein neues Ortsbaustatut getreten.

* Darmstadt, 26. Aug. Die südwestdeutschen Detaillistenvereine haben an den Reichstag eine Eingabe gemacht, in der es heißt:

Der Antrag der Budgetkommission des hohen Reichstags:Die Paketbeförderung an Sonn⸗ und Festtagen auf Eilsendungen zu be⸗ schränken, hat in den beteiligten Handelskreisen zu lebhaften Erörterungen geführt und ist auf der am 28. März cr. stattgehabten Konferenz der südwestdeutschen Detaillistenvereine Gegen⸗ stand eingehender Beratungen gewesen. In diesen Beratungen kam einmütig zum Ausdruck, daß eine Beschränkung in der Paketbestellung, wie von der Budgetkommission beantragt, den De⸗ tailgeschäften eine empfindliche Schädigung be⸗ reiten würde, weil eine große Anzahl von Ge⸗ schäftszweigen auf den Empfang der Pakete an Sonntagen geradezu angewiesen sind. Daher hat die Konferenz südwestdeutscher Detaillisten vereine einstimmig beschlossen, an den hohen Reichstag die Bitte zu richten: dem Antrag der Budgetkommission:die Beförderung der Post⸗ pakete an Sonn- und Festtagen auf Eilsendungen zu beschränken, die Zustimmung zu versagen.

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Neueste Telegram Hd. Berlin, 27. Aug. Die Dele⸗ giertenwahl zu der sozialdemo⸗ kratischen Bran denburgischen Parteikonferenz wurde gestern Abend in 6 öffentlichen Parteiversamm⸗ lungen vorgenommen. Man gab den Delegierten ein gebundenes Mandat mit auf den Weg, doch sprachen sich die meisten Redner für die Beteiligung an den Landtagswahlen aus. 8 Hd. Berlin, 27. August. Der König von Siam ist gestern Abend 7 Uhr in Pots dam eing e⸗ troffen und wurde vom Kafser und vielen Fürst⸗ lichkeiten am Bahnhofe empfangen. Hierauf begab man sich in das Stadtschloß, wo das Souper eingenom⸗ men wurde.

Hd. Berlin, 27. Aug. Für die ueberschwemmten sind bis gestern Nachmittag bei der Hauptstiftungskasse ca. 690000 Mark eingegangen.

Hd. London, 27. Aug. DieTimes

formell verkündet worden und der Dreibund verliere jetzt an Solidität, da auch der Zweibund die Aufrecht⸗ erhaltung des Friedens bezwecke. Da durch dürfte der Diktatur, welche Deutschland seit 25 Jahren ausgeübt habe, ein Ende gemacht werden.

Hd. Athen, 27. Aug. Nach authentischer Quelle hat die griechische Regierung den Vorschlag Englands bezüglich der Räumung Thessaliens zurückgewiesen und sich für die von Deutschland vorgeschlagene Kontrolle der Finanzen ausgesprochen. Hierdurch wäre ein Zusammengehen mit England gesichert.

N Kirchliche Anzeigen.

Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 29. August, 11. nach Trinitatis. Gottesdienst.

In der Johanneskirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heil. Abendmahl für alle vier Gemeinden. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Jo⸗ hannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.

In der Friedhofskapelle.

Vormittags Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Nach dem Gottesdienst Versammlung der Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde in der Friedhofskapelle.

Im Konsirmandensaal, Neustadt 61: Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Gottesdienst mit Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde in der Friedhofskapelle.

Sterbefälle.

Am 26. August. Wilhelm Noll, 40 Jahre alt, Kaufmann dahier, Ederstraße Nr. 1. Die Beerdigung findet Sonntag von der Leichen⸗ halle des Friedhofs aus statt.

Am 26. Aug. Willy Noll, 8 Jahre alt, Sohn des Kaufmanns Wilhelm Noll dahier, Eder⸗ straße Nr. 1. Die Beerdigung findet Sonntag von der Leichenhalle des Friedhofs aus statt.

Am 27. Aug. Minna Henriette Noll, 10 Jahre alt, Tochter des Kaufmanns Wilhelm Noll dahier, Ederstraße Nr. 1. Die Beerdigung findet Sonntag von der Leichenhalle des Fried⸗ hofs aus statt.

Am 27. Aug. Adolf Noll, 5 Jahre alt, Sohn des Kaufmanns Wilhelm Noll dahier, Eder⸗ straße Nr. 1. Die Beerdigung findet Sonntag von der Leichenhalle des Friedhofs aus statt.

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Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Dru der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13

schreibt: Der Zweibund sei nunmehr

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Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.)

Wohnen Sie hier aber schön! meinte Frau

Puhlmann. Und sich mit einem Lächeln zu Frau O darum hat er's mir nicht gegeben! ee setzte sie hinzu:Sehr meinte Frau von gürzen, etwas unangenehm

Ihr Mann fand offenbar, daß man sich dunch We mal, Röschen meine Dochter allzu großes Lob etwas vergebe. Er sagte daher intressiert sich ooch so für Malerei wie zu Herrn von Jürgen etwas kühler:Recht hübsches natürlich!

Auwesen! und steckte dabei die andere Hand auch

noch in die Hosentasche.

Im Zimmer der Hausfrau ließ man sich zu⸗ Das Gespräch wollte nicht recht in

nächst nieder. Fluß kommen.

Ein schöner Sommertag, nicht wahr? sagte

Herr von Jürgen zu Herrn Puhlmann. Dat Wetter is jut, entgegnete dieser. Möchten Sie nicht doch manchmal Ihre Beruf wieder ausüben können, wenn Sie so auf

Land kommen und sehen, wie alles gedeiht in der herrlichen Natur durch Gottes Macht und durch

den Fleiß der Menschen?

Näch in de Hand, erwiderte Herr Puhlman und reckte sich, die Hände noch immer in de Taschen, auf seinem Sessel hintenüber.

Frau Puhlmann hatte an den Wänden umgeblickt.Schöne Teure Bilder! sprach sie ehrfurchtsvoll. hat denn das da jemalen? Sie zeigte auf ei Seestück in ziemlicher Größe.

Bilder

sich inzwischen auch hier Wer

Das ist von einem Maler aus München, den wir auf Reisen kennen lernten. Er hat es mir zum Geschenk gemacht, antwortete mir Frau von Jürgen.

Das is aber'n geschenk! Nobel! Da mußte doch ooch wat Feines widderjeschenkt sein, nich wahr?

Röschen stand auf und betrachtete sich das Bild. Hellmuth trat zu ihr. Die Farbe des Meeres nicht wahr? sagte

er zu ihr. Ja. sieht. 5 Hellmuth bekam einen kleinen das nicht etwas unpassend gewesen? Frau von Jürgen sah auf das junge Mädchen. Ein freundliches Lächeln zog über ihr Gesicht. Herr von Jürgen trat mit seinem Gaste ans Fenster und erklärte ihm die Gebäude auf dem ofe. 5 8 Puhlmann war jetzt in die Betrachtung einer weiblichen Figur versunken, einer Nachbildung nach antikem Muster. Sie stand auf und trat an die fast nackte Gestalt heran. Frau von Jürgen und ihr Sohn warteten mit etwas ver⸗ legener Spannung auf das Kunsturteil, das jetzt

Man möchte sich baden, wenn mans Schreck. War

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Und nun wandte Frau Puhlmann sich zur Hausfrau um.Seh'n Se, meinte sie, indem sie auf den Armansatz der Finger zeigte,da wo dat dicke Fleisch sitzt, hab' ich immer dat Reißen.

Hellmuth drehte sich den Schnurrbart und wandte sich um, er konnte sich das Lachen kaum verhalten. Seine Mutter besaß mehr Selbstbe⸗ herrschung und nickte der Frau mit ganz ernster Miene zu, hinter der nur ein Kenner den Spott zu lesen vermocht hätte.

Röschen suchte das Gespräch möglichst schnell auf ein anderes Thema zu bringen. Sie fragte Hellmuth, ob er gestern, wie er vorgehabt, im Opernhaus gewesen sei und die Meisterfinger ge hört habe?

Und nun entspann sich ein Gespräch über Musik und Opern, bei dem Röschen bald ganz

Tagewerk macht. Das ist doch wohl alles, was ein gewöhnliches Menschenkind verlangen kann.

Mit ihren lachenden braunen Augen sah Röschen auf Frau von Jürgen, und diese nickte ihr mit un verhohlenem Wohlwollen zu.

Gott sei Dank! dachte Hellmuth. Die Scharte ist wieder ausgewetzt. Wenn nur die Alte nicht wieder anfängt! Nachher geht's zu Tisch, und da hat sie ja weniger Gelegenheit, zu reden. Aber Frau Puhlmann ließ der Ehrgeiz nicht ruhen. Sie wollte zeigen, daß auch sie Kunst und Bildung zu schätzen wisse.

Ich war neulich mit meine Tochter in Carnem oder Carmen, wie't heißt, dat hat mir nich so jut iefallen. Die Melodieen spielen se ja uf alle Leier⸗ kästen. So wat dürfen se doch in't Opernhaus nich jeben. Aber für Lesen bin ich nu sehr.

Feuer und Flamme war, denn sie war keineswegs immer einer Meinung mit dem jungen Offizier, und mehrmals war wie es Frau von Jürgen schien die ihrige besser begründet.

Sie gehen wohl viel in die Oper? fragte Frau von Jürgen,

Nein, nicht viel, erwiderte Röschen,ich war nur dreimal im letzten Winter dort. Es giebt doch im Hause so mancherlei zu thun, was ich nicht ver nachlässigen darf. Und dann ist mir auch so, als ob man durch gewohnheitsmäßigen Kunstgenuß die Empfänglichkeit verlieren müßte. Wenigstens mir würde es, glaub' ich, so gehen. Jetzt ist mir jeder derartige Genuß ein hohes Fest, das mich für lange

zu Tage treten würde.

Neulich hab' ich'ne wunnerschöne geschichte jelesen. Nee, die war doch zu schön! Im Solde des Teufels hieß se. Die handelte von'n jungen Off zier, un war en sehr tücht'ger Mensch, aber er konnte nich beibleiben, weil die Mutter arm war un der Vater war tot. Wie dat so is. Un da wurd' er Haus⸗ lehrer un kam in Stellung uf'n Jut bei dem einzigsten Sohn, denn die Dochter war in Pennsion in der Stadt. Un da hatt' er's nu sehr schwer, der arme Mensch, denn der Jutsbesitzer war schlecht. Aber der Sohn wußt' et noch nich, blos, er hatt' immer so'ne Ahnung, dat et nich richtig war mit 'n Ollen. (Fortsetzung folgt.)

hinaus erhebt und beglückt und freudiger zu meinem