Ausgabe 
26.1.1897
 
Einzelbild herunterladen

ar:

Tests

hr. Ende? 5

h neeballwerfen. burg eine Eskimo⸗.

rn und 10 der schen Tler- 1

ihr wahrscheinliches i zum Fahren mit ch zum allerletzten 1

ektregen.

preis- Jury. Die he, die originelle schützer.

u. s. w. tberübmten, müber⸗

Die Ballmusil wird 1 wechselnd Blas- und

geg für Heger, on sind im 110

3* Zichn/ 2 U g 910 fl Ade 1 Marktplotz 20, 5

Toll, Marlistraße 3 9

9 4(Hef Landes gig

1 ten

errenkar

ilbauer 20 da

Oberf tert an die Oberfech 6 derobe* ctschmar,*

el.

1.

e en, ung) 1 ache) geile 0 essen wen gelnttwel, 1. deere 12 0,50. and

vorste gru

r huge

Nr. 21

Gießen, Dienstag, den 26. Jannar

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe Gießen.

2

Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4. 2

.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Metitzeile.

0 Expedition

2 Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 25. Jan. Nach der Berufs⸗ zählung im Großherzogtum Hessen am 14. Juni 1895 betrug am Zahltag die ortsanwesende Bevölkerung 1032 144 Personen, darunter 512 596 männliche und 519 548 weibliche, also eine Zunahme gegen die Zählung vom 1. Dez. 1890 um 39 261 Personen. Erheblich ist die Zunahme der Erwerbsthätigen, geringer die Zu⸗ nahme der dienenden und relativ bet ächtlich die Verminderung der Angehörigen. Der Gesamt⸗ überblick der Zählung, verglichen mit dem Er⸗ gebnis von 1882, zeigt folgendes: die Landwirt- schaft, Gärtnerei, Tierzucht, Forstwirtschaft und Fischerei treibende Bevölkerung hat sich um 14 441 Personen vermindert, während alle an⸗ deren Berufsarten einen Bevölkerungszuwachs aufweisen. Die Zunahme beträgt bei Bergbau und Hüttenwesen, Industrie und Bauwesen 54 482, bei Handel und Verkehr 24 781, bei häuslichen Diensten 1501, bei Militär-, Hof⸗, bürgerlichem und kirchlichem Dienst, auch sogen. freien Berufsarten 12 242, ohne Beruf und Berufsangabe 23 822 Personen.

* Gießen, 25. Jau. Das am vergangenen Samstag stattgehabte Winterfest des hiesigen Turnvereins verlief in schönster Weise. Die turnerischen Uebungen waren vorzüglich. Be⸗ sonders hervorzuheben sind die Leistungen der Gesangsriege, welche erst seit kurzem ge⸗ gründet ist. stücke, sowie die Uebungen am Seitenpferd ernteten ebenfalls reichen Beifall.

* Gießen, 25. Januar. Das gestrige Krauße⸗Konzert in Steins Saalbau war ziemlich gut besucht.

* Gießen, 25. Jan. Gestern Abend boten unsere Straßen zum erstenmal in dieser Saison das Bild des Faschings. Nach Steins Saalbau und nach dem Café Leib strömten die Masken nur, so. Am humorvollsten soll es bei der Floresei hergegangen sein, wo der Besuch ein guter gewesen ist.

* Gießen, 25. Jan. Wir machen auch an dieser Stelle auf den vom Hess. Fechtverein Waisenschutz am kommenden Sonntag im Cafe Leib veranstalteten großen Wiener Masken⸗ ball aufmerksam. Die Veranstalter desselben haben alles aufgeboten, um die Teilnehmer aufs beste zu unterhalten. Die Eintritts⸗Karten für die Mitglieder werden beim Friseur H. Rühl, Marktstraße, verausgabt und müssen vorher dort in Empfang genommen werden.

* Gießen, 25. Januar. Bei der herrlichen Schneebahn ist alles, was Schlitten besitzt, seit gestern unterwegs, und munter ertönt das Schellengeläute in den Straßen unserer Stadt. Auch einen Schlittenunfall, der aber harmlos verlief, können wir von gestern melden. In einen Geschäftsschlitten stiegen in der Grünberger straße vier Marssöhne. Der Eigentümer des Schlittens saß hinten auf dem Dienersitz und trieb die Gäule durch Knallen zur Eile an. Da, der Schlitten sauste nur so in der Richtung nach der Stadt zu, plötzlich ein kurzer Ruck, da flog

Die Aufführungen der Theater- z

weiche Schneebett der Straße, hinter ihm her die vier Einjährig⸗Freiwilligen, und einige Schritte weiter rutschte der Schlittenkasten, in welchem die Passagiere gesessen, zur Erde, während die klugen Pferde wenige Schritte von der Stelle des Unglücks stehen blieben. Die Partie endete, bevor sie kaum begonnen, mit zerrissenen Bein kleidern und einigen leichten Hautabschürfungen.

* Gießen, 23. Januar.(Uni versitäts⸗ Frauen⸗Klinik.) In der Gynägologischen Klinik sind im Jahre 1896 407 Geburten bei einer Thätigkeit von ca. 20 Praktikanten, gegen 340 Entbindungen im Vorjahre zu verzeichnen. Es steht somit dieses Institut betreffs seiner Frequenz in Rücksicht auf die Zahl der dabei thätigen angehenden Aerzte an erster Stelle unter den gleichen Anstalten aller deutschen Hoch⸗ schulen.

* Gießen, 25. Jan. schaufelte heute Vormittag unsere städtische Straßenreinigungs⸗Kompagnie am Kreuzplatz die Schneeanhäufungen die dieselbe am Samstag und gestern Morgen mit vieler Sorgfalt zu⸗ sam men geschafft hatte wieder sorgfältig aus⸗ einander. Was hat das zu bedeuten?

Gießen, 25. Januar. Nach dem üblichen Verfahren der Schätzung des Bevölke⸗ rungs zuwachses muß für das laufende Jahr, und zwar in der Berechnung auf die Jahres⸗ mitte, die Einwohnerzahl der Stadt Mainz zu 78 500, in Darmstadt zu 66 100, in Offenbach u 40800, in Worms zu 29600 und in Gießen zu 23700 angenommen werden. Es wird da⸗ bei vorausgesetzt, daß die Zahl der hierunter inbegriffenen aktiven Militärpersonen neuer⸗ 10 5 erhebliche Veränderungen nicht erfahren habe.

Bad Nauheim, 24. Januar, Während bisher durch den Hudwäschebetrieb dahier zahl⸗ reiche Personen Verdienst fanden, wird dies jetzt anders. Zwei Dampfwäschereien werden gleichzeitig ins Leben treten; eine am Platze, eine im benachbarten Schwalheim. Die Bade⸗ anstalt wird der einen ihre Kundschaft zu⸗ wenden.

* Aus dem Ohmthal, 24. Januar. Der diesjährige Winter zeigt dem Landwirt, wie ungünstig schlechtes Dörrfutter die Milchproduktion beeinflußt. gemachte Heu und das noch viel schlechter heim⸗ gebrachte Grummet haben die normale Milch⸗ ergiebigkeit der Kühe um 25 bis 50 Prozent heruntergehen lassen. Kraftfuttermittel verhelfen allerdings wieder zu besserem Ertrage, ver⸗ mögen aber doch nicht den vollständigen Mangel an erstklassigem Dörrfutter zu ersetzen. Auch das Futterstroh ist nicht reichlich vorhanden und das vorhandene ebenfalls nicht von bester Qua⸗ lität; wuchs doch nicht selten die Frucht nach

schlechte Milchergebnis entgeht namentlich dem kleinen Landwirt ein Teil seiner gewohnten Ein⸗ nahmen, deren Ausfall pfindet. keiner hohen Stufe. Der geringe Vorrat an Dörrfutter, sowie die den Handel lähmende

zuerst der Eigentümer in kühnem Bogen in das

Maul⸗ und Klauenseuche, die gar nicht mehr

Sonderbarer Weise die Verfolgung aufgenommen und der Kirche n⸗

Das schlecht

ihrer Einerntung in den Scheuern. Durch das

er mehr als sonst em⸗ Die Viehpreise stehen zur Zeit auf

verschwinden will, mögen die Ursache der Preis⸗ verhältnisse sein. Namentlich sind letzthin die Preise für Kälber ganz bemerkenswert zurück gegangen. Der frühere Preis für das Pfund Lebendgewicht soll fast dem jetzigen des Schlacht⸗ gewichtes gleichkommen.

* Sprendlingen, 24. Jan. Am Donners⸗ tag Nachmittag kam der hiesige Kirchendiener in die Kirche, um die kurz vorher gebrauchten Taufgefäße wieder an ihren Ort zu bringen. Beim Eintreten gewahrte er einen Mann vor dem Altar. Auf Befragen erklärte der Fremde, er wolle seine Andacht verrichten. Der Kirchen diener veranlaßte ihn jedoch, die Kirche zu ver⸗ lassen, was er auch ohne Zögern that. Gleich hierauf hegte man Verdacht und sah nach dem Opferstock. Dieser war erbrochen und seines Inhaltes beraubt. Vom Kirchendiener, der ein junger und kräftiger Mann ist, wurde alsbald

räuber zwischen hier und Dreieichenhain ge⸗ stellt. Es gelang ihm jedoch, wieder loszu⸗ kommen, und jetzt nahm er seinen Weg quer übers Feld in der Richtung auf die Straße nach Langen. Auf dieser holte ihn ein Radfahrer ein, und da die Gendarmen in Langen alsbald von der Sache verständigt worden waren, konnte der Kirchendieb schließlich doch festgenommen werden.

* Lindheim, 23. Jan. Die Witwe des vor 10 Monaten hier verstorbenen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch hat dahier eine Geflügelzüchterei nebst Brut⸗ und Mast⸗ anstalt unter der FirmaH. v. Sacher⸗Masoch eröffnet. Ein Korsortium beabstchtigt in Nidda die Errichtung eines Elektrizitäts- werkes.

* Mainz, 24. Januar. In der geheimen Sitzung des Kreisausschusses wurde das von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Statut eines städtischen Arbeitsamtes be⸗ raten; die anwesenden Mitglieder des Kreisaus⸗- schusses sprachen sich einstimmig für die Annahme aus. Nunmehr bedarf das Statut noch der Bestätigung des Ministeriums.

* Mainz, 23. Jan. Das Anzeigeblatt für den Dienst der Hessischen Ludwigseisen⸗ bahn enthält in Bezug auf die zukünftige Dienst⸗Kleidung nachstehende Verordnung: Die Ausgabe der zum 1. Januar d. J. fällig gewesenen und seither zurückgehaltenen Uniform⸗ stücke nach dem Schnitt der Dienstkleider der Hessischen Ludwigseisenbahn⸗Beamten hat alsbald zu geschehen. Vom 1. Februar d. J. an werden nur Dienstkleider nach dem Muster der Staats⸗ eisenbahn⸗Uniformen, jedoch vorläufig mit Knöpfen ohne Aufschrift und Wappen und an der Mütze ein einfaches und geflügeltes Rad verabfolgt werden. Wegen des nach dem 1. April 1897 zu bewirkenden Ersatzes der blanken Knöpfe durch solche mit Hoheitsabzeichen und wegen Anbringung der Kokarden bleibt Bestimmung vorbehalten. Die alten Uniformen nach dem Schnitt der Hessischen Ludwigsbahndienstkleider können noch bis zu Ablauf der bestimmungs mäßigen Tragezeit derselben, bezw. bis zum 1. Februar 1899, demnächst jedoch nach An⸗

legung der neuen besonderen Abzeigen getragen.

werden. Vermischtes.

Die indische Pest. Nach einem von der Triestiner ZeitungPiccolo veröffentlichten Briefe aus Massaua schiffte das österreichische KriegsschiffKalser Franz Josef, aus Bombay kommend, am 7. Januar in Massaua zwei erkrankte Matrosen aus, die wenige Stunden nach der Ausschiffung an Beulenpest starben. Die Aerzte konstatierten das Vorhandensein furchtbarer Beulen. Die Körper der Erkrankten waren violett gefärbt. In; Bombay sind bis 17. Januar 3636 Erkrankungen und 2592 Todesfälle vorgekommen. Die Lage hat sich ver⸗ schlimmert. Die Auswanderung dauert fort. Dle Krankheit selbst wird von Dr. Persin, einem Schüler von Pasteur und Roux, der 1894 im Auftrag des französischen Kolonialamts die Peulenpest in Hongkong studierte, wie folgt geschildert:Die Krankheit zeigte die klinischen Kenn⸗ zeichen der alten Beulenpest des Mittelalters. Plötzlicher Ausbruch nach einer Inkubation von bis 6 Tagen, Mattigkeit, Niedergeschlagenheit. Der Kranke wird rasch von heftigem Fieber ergriffen, das oft mit Irrereden ver⸗ bunden ist. Vom ersten Tage an tritt gewöhnlich eine einzige Beule auf, die in 75 Fällen unter 100 ihren Sitz in der Lendengegend, in 10 Fällen in der Achsel⸗ höhle, selten im Nacken oder an anderen Körperteilen hat. Die Geschwulst erreicht sehr schnell den Umfang eines Hühnereis. Der Tod tritt gewöhnlich nach Verlauf von 5 48 Stunden ein, nicht selten aber früher. Wird das Leben über 5 bis 6 Tage erhalten, so ist bessere Aussicht. Die Geschwulst ist dann weich geworden. Man kann sie schneiden, um dem Eiter den Austritt zu öffnen. In einigen Fällen hat die Beule nicht Zeit, sich auszubilden. Dann beobachtet man nur Blutergüsse aus den Schleim⸗ häuten oder einen fleckigen Ausschlag auf der Hand. Die Sterblichkeit ist sehr hoch. Sie beträgt sogar in den Hospitälern fast 95 Prozent. Der weiche Geschwürsinhalt besteht in allen Fällen aus einem Brei von kurzen, dicken Bazillen mit abgerundeten Enden. Manchmal scheinen die Bazillen eingekapselt zu sein. In allen Geschwüren der Kranken finden sie sich in großen Mengen, hin und wieder auch im Blut, hier jedoch in weit geringerer Zahl und nur bei sehr schweren, zum Tode führenden Fällen. Meine Beobachtungen haben mich überzeugt, daß Injek⸗ tionen gewisser Kulturen oder Varietäten dieses spezifischen Bazillus, die wenig oder keine Giftigkeit mehr besitzen, den geimpften Tieren eine unzweifelhafte Immunität gegen die Pest verleihen.

Die Mutter von 32 Kindern. Ueber einen fast ganz alleinstehenden Fall von Kindersegen berichtet in einer Publikation Professor Dr. Alois v. Valenta in Laibach. Maria Anna Helm, Gattin eines armen Arbeiters in Neulerchenfeld, hatte elfmal geboren, und zwar dreimal Zwillinge, sechsmal Dril⸗ linge und zweimal Vierlinge, das waren also im ganzen 32 lebende Kinder! Die Frau, jetzt schon seit vielen Jahren tot, hatte schon im 14. Lebensjahre ge⸗ heiratet und während ihrer zwanzigjährigen Ehe ihren Gatten mit den 32 Kindern beglückt. Es wurde damals in Neulerchenfeld ein Aufruf zur Unterstützung der armen, kinderreichen Familie erlassen, der auch Erfolg hatte. Von den 32 Kindern waren 26 männlichen und 6 weiblichen Geschlechts. Zehn Knaben und zwei Mädchen sind noch am Leben. Aeußerst merkwürdig ist noch der Umstand, daß ihr Mann ein Zwilling und sie ein Kind von Vier⸗ lingen ist, und daß ihre Mutter 38, sage achtund⸗ dreißig Kinder gehabt hatte. Und nicht minder bemerkenswert ist der Umstand, daß die Mutter der 32 Kinder, Frau Helm, an Epilepsie litt, während kein einziges ihrer 32 Kinder von dieser Krankheit befallen wurde. Wenn man bedenkt, daß nach statistischen Be⸗

4

Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Fortsetzung.)

Sie wollten ein paar Tage in Dresden bleiben, diesem echten Flitterwochenparadies, ehe sie der Heimat zueilten. Beide kannten Elb-Florenz noch nicht, beide genossen den Aufenthalt dort mit vollen Zügen. Droben auf der Terrasse bei Fiebiger saßen sie und schlürften die unvergleichlich köstliche Cho⸗ kolade. Drunten rauschte die Elbe durch die schön geschwungenen Bogen der Sandsteinbrücken, die Sonne ließ die grünen Kupferdächer leuchten; aus den Gärten der Neustadt klang gedämpfte Militär⸗ musik über den Strom, zahlreiche Vergnügungs⸗ dampfer fuhren den Loschwitzer Hügeln zu, die fern am Horizonte im blauen Dufte verschwammen aber das alles sah eigentlich nur Regine; ihr Gatte hatte nur Augen für sie.

Er war bis über die Ohren verliebt, der gute Felix, und dieser Zustand hatte etwas Ansteckendes. Wenn er sie so mit strahlenden Augen ansah, ihr immer wieder verstohlen die Hand drückte, ihr jeden Wunsch von den Lippen las dann strömte etwas von dem Sonnenschein, der ihn erfüllte, auch auf sie über. Das Bewußtsein zu beglücken, macht zuletzt immer selbst glücklich. Es war so ange nehm, sich von ihm anbeten zu lassen; nach der bitteren Erfahrung, die sie gemacht, goß es Balsam in ihre Wunden. Sie hing sich gerne an seinen Arm, fand, daß er doch viel mehr von der Welt und ihrem Treiben wußte, als sie geahnt hatte, be⸗

wunderte seinen köstlichen Humor, suchte ihr Bild in der Pupille seiner prächtigen Augensterne zu er⸗ spähen, und war zuletzt eben so übermütig fröhlich, als er. Ja, sie hatte wirklich vergessen, daß es noch einen anderen Mann auf der Erde gab, als ihren Felix. Er ergänzte sie eigentlich wundervoll. Die sprudelnde Frische, die Zufriedenheit, das ver⸗ nünftige Bedenken und Ueberlegen, alles was ihr fehlte, hatte er für beide. So ließ sie ihn denn behaglich für sie sorgen, verfolgte vergnügt mit den Augen seine Bemühungen für ihre Bequemlichkeit und fand, daß die Welt schöner sei, denn 1155

Alles war hier aber auch vereint, sie zu ent⸗ zücken, Natur und Kunst in lieblichster Weise ver⸗ schmolzen. Im Großen Garten war Felix in seinem Elemente. Von jedem Baume wußte er den lateinischen Namen, kannte die verschiedenen Rosen⸗ arten, die das Rondel vor dem Schlößchen schmückten, erzählte ihr, wie eine jede gepflegt sein wolle. In der Bilder⸗Gallerie verstummten zuerst beide im Schauen. Regine verschlang die herrlichen Werke des Murillo, Rafael, Tizian, Rembrandt förmlich mit den Augen! dann aber begann sie, ihrem Manne jeden in seiner Eigenart zu deuten! er mußte nun doch alles mit ihr teilen, und ihre Lieb⸗ linge sollten ihm ebenso vertraut werden wie ihr. Felix hörte ihr mit Vergnügen zu. Es stand ihr reizend, wenn sie so lebhaft sprach, erhöhte ihre Farbe und vermehrte den Glanz ihrer Augen. Er war ganz in der Stimmung, alles zu bewundern, was sie ihm anpries. Ein kühlerer Beobachter, als

Regine hätte wohl bemerkt, daß ihm der Beifall vor Kießlings Bilde der drei schönen Schwestern mehr von Herzen kam, als vor der göttlichen Sixtina.

Den letzten Abend verlebte man im Theater. GoethesFaust wurde gegeben. Er war für Regine stets die herrlichste Offenbarung menschlichen Geistes gewesen. Sie kannte ihn fast auswendig! aber auf der Bühne hatte sie ihn noch nie gesehen. Wie viel packender, gewaltiger trat er ihr nun hier entgegen! Bald hatte sie alles um sich her ver⸗ gessen. Weit vorgebeugt mit fliegendem Atem folgte sie der Darstellung. Wie ergreifend natürlich wußte aber auch der denFaust spielende Künstler die Seelenkämpfe des immer vergeblich nach Erkenntnis und Befriedigung Dürstenden zu gestalten! Gespannt beobachtete sie jede Nüance seines ausdrucksvollen Geberdespieles, sog sie die herrlichen Worte ein, die nun getragen von seinem mächtig tönenden Organe, voll Kraft und Leben ihr entgegen klangen, als etwas ganz Neues, das sie doch vertraut berührte. Nun kam ihre Lieblingsstelle. Faust sah der sinkenden Sonne nach, und sehnsüchtig wünschte er, ihrem Laufe folgen zu können.

Ach, zu des Geistes Flügeln wird so leicht

Kein körperlicher Flügel sich gesellen!

O wie sie das verstand! Schon als kleines Kind hatte sie die Vögel beneidet, und ihre Sehnsucht nach körperlichen Schwingen wuchs mit den Jahren. Sie hätte rastlos wandern mögen, alles zu sehen, alles verstehen zu lernen. Oft packte es sie mit gewaltiger Trauer, wenn sie dachte, daß es Länder

voll ungeahnter Schönheit, gab, und daß sie sterben würde, ohne diese Wunder geschaut zu haben. Ein ewiges Dürsten trieb sie vorwärts, aufwärts. Nie war sie mit Errungenem zufrieden, immer strebte sie der Sonne der Wahrheit nach, die sie doch nimmer völlig entschleiern konnte. Ein wunder⸗ barer Schauer durchrieselte sie nun, als sie die Worte vernahm, die zdiesen dunklen Drang in ihr zu gestalten schienen. Unwillkürlich suchte ihre Hand die des Gatten. Sie mußte ihm durch. die Berüh⸗ rung verraten, was in ihr vorging, mußte sich ver gewissern, daß er mit ihr empfand.

Aber Felix war von solchen Trieben nichts be wußt; eigentlich hatte er garnichtägenau hingehört. Seinenkindlich dumpfen Sinnen lagz alles Himmelstürmende fern. Vielleicht hatte ihn ein gütiges Geschick ohne Seelenkämpfe auf jenen Stand⸗ punkt geführt, den Faust erst am Ende seiner Lauf⸗ bahn gewinnt:

Nur der verdient, sich Freiheit, wie das Leben,

der täglich sie erobern muß.

geder Morgen brachte ihm sein bestimmtes Tagewerk. Freudig schritt er an die Arbeit, und im emsigen Schaffen behielt er keine Zeit, über die Anzahl der Seelen in seiner Brust zu grübeln. Seinen Grund und Boden fruchtbar zu gestalten; seine Untergebenen zufrieden, wohl versorgt zu sehen; darauf richtete sich sein Bestreben. Was galten ihm fremde Länder? Reisen erschien ihm wie Zeit totschlagen. Wie viel Nützliches konnte er in⸗ zwischen daheim leisten!(Fortsetzung folgt.)