Ausgabe 
24.9.1897
 
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Kinde,

Gießen, Freitag, den 24. September

1897.

Postztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4..

r Dane Lokales und Provinzielles 9 Gießen, 23. Sept. Billige Fahr⸗ karten für die Landes bevölkerung. In

ö der letzten Handelskammersitzung zu Mainz

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ward die sehr beachtenswerte id

darauf hinzuwirken, daß für den Ausfall, welchen die städtischen Geschäfte nach Einführung der

4 Seagenuge durch das Ausbleiben eines großen ö Teils der i entsprechender Ersatz an bestimmten Wochentagen

andkundschaft erfahren haben, ein gegeben werde. Dieser Ersatz soll darin bestehen, daß an einem bestimmten Wochentag jeden Monats einfache Fahrkarten von einem Landort bach Mainz ohne weiteren Zuschlag(entsprechend den jetzigen Sonntagsfahrten) auch für die Rück⸗ fohrt Gültigkeit erhalten. Die Kammer beschloß wegen dieser Anregung mit der Eisenbahn⸗ direktion Mainz in Verbindung zu setzen mit dem duneus et daß als geeigneter Tag etwa der erste Mittwoch jeden Monats angesehen werden könne.

Gießen, 23. Sept. Der Landtagsabg. Dr. Schmitt hat in der Zweiten Kammer enen dringlichen Antrag dahingehend einge⸗ kracht: Die Regierung zu ersuchen, noch vor Peratung des Beamtenbesoldungsgesetzes eine genaue Zusammenstellung aller derjenigen Ge⸗ porteln und dergl. der Kammer vor⸗ zulegen, welche einzelne Beamte oder Beamten⸗ Aategorieen für ihre Thätigkeit neben ihrem sesten Gehalt jährlich beziehen.

Gießen, 23. September. Am kommenden Samstag begeht der Kaufmännische Verein ein Stiftungsfest durch Theater und Hall. Der theatralische Teil wird von den

Ritgliedern des hiesigen Stadttheaters übernommen.

Gießen, 23. Sept. Ein Gutes hat die Maul⸗ und Klauenseuche für unsere Gießener

Märkte gehabt, und zwar provitiert dabei MNensch und Vieh. Wegen der durch die Seuche bedingten tierärztlichen Untersuchung der Tiere bevor dieselben den Marktplatz betraten) war nämlich angeordnet, daß der Auftrieb zum Markt bor 6 Uhr morgens nicht beginnen durfte, und damit wurde der früheren Gepflogenheit, das ieh schon um 3 oder 4 Uhr aufzutreiben, ein Ende gemacht. Diese Anordnung hat sich für alle Beteiligten sehr gut bewährt, nur haben Käufer und Verkäufer den Wunsch, daß die Mintermärkte nicht um 6 Uhr, sondern eine Stunde später beginnen mögen. Wir bringen desen Wunsch der Beteiligten zur Kenntnis der Bürgermeisterei, weil wir der Meinung sind, daß eine Verlegung der Marktstunden in den Winter⸗ monaten, wo es um 6 Uhr beinahe noch dunkel ist, zu wünschen wäre. 5 Gießen, 23. Sept. Auf dem gestrigen Ochsenmarkt waren etwa 200 Stück Fahrvieh in durchschnittlich sehr schöner Qualität auf⸗

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. Der Handel stockte jedoch mangels klektanten vollständig. Es fehlten eben die auswärtigen Käufer am Markt, die das Geschäft 8 in Fahrvieh machen, vollständig. Trotz er besonderen Flauheit des Marktes gaben die Verkäufer die Tiere nicht billig ab und nahmen

diese lieber mit fort. Es wurden gehandelt:

.11. Qualität Ochsen mit 800-850 l, 2. Qual.

mit 700750 pro Paar. Der Markt blieb bedeutend überständig. Auf dem Schweine⸗ markt, wo etwa 500600 Tiere vorhanden waren, machte sich das Geschäft so leidlich. Die Preise hielten sich in gleicher Höhe wie bei den letzten Märkten. Spanferkel wurden lebhaft ge⸗ handelt und zwischen 68% das Stück an Liebhaber flott verkauft.

* Darmstadt, 22. Sept. Dem Schreiner Josef Martin Y in Viernheim sind in kurzer Zeit zwei Kinder gestorben. Mit Bezug darauf, ging in dem katholischen Ort das Gerücht, die Witwe Hofmann habe die Kinder eher Als nun in diesem Jahr das dritte Kind des Martin krank lag und die Witwe Hofmann, um eine Bestellung zu machen, bei Martin erschien, sagte er: Du hast mir zwei Kinder geliefert (d. h. geraubt, zu Tode gebracht), Du wirst mir auch das Dritte noch liefern, faßte sie ohne weiteres an der Gurgel und würgte ste, sodaß ihr der Atem ausging. Zu einem anderen Mann äußerte Martin später, er glaube an Hexerei, werde es aber nicht verraten, woher er seine Weisheit habe; seit er die Hofmann gewürgt habe, gehe es seinem Kind besser. Vor dem Schöffengericht Lorsch hatte sich Martin heute wegen Körperverletzung mittelst einer das Leben gefährdenden Handlung im Sinne des§ 223 a des Strafgesetzbuches zu verantworten. Das Gericht erkannte entsprechend dem auf zwei Wochen Gefängnis lautenden Strafantrag, indem es als mildernden Umstand erachtete, daß, wie thatsächlich festgestellt wurde, am Schluß des 19. Jahrhunderts an Hexerei geglaubt werde, und der Angeklagte ein Opfer dieses Aber glaubens sei.

* Offenbach, 21. Sept. Der Anwalt des All⸗ gemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften Geheimer Regierungsrat Haas⸗Ossenbach schreibt derFrkf. Ztg.: Ueber die bedeutungsvollen Neubildungen auf dem Gebiet des landwirtschaft⸗ lichen Vereins- und Genossenschaftswesens, die der letzte Monat geschaffen hat, sind vielfach ungenaue und mißverständliche Nachrichten in die Oeffentlichkeit ge⸗ drungen, die eine Klarstellung erwünscht machen. Es handelt sich um zwei große Organisationen.

Am 23. August ist zu Berlin dieBezugsver⸗ einigung der deutschen Landwirte ins Leben getreten, der sich ziemlich alle großen land wirtschaftlichen Vereinigungen anschlossen, die den Ankauf land wirtschaft⸗ licher Rohstoffe für ihre Mitglieder betreiben. Dieser Organisation sagten sofort den Beitritt zu außer dem Allgemeinen Verband der deutschen land wirtschaftlichen Genossenschaften zu Offenbach a. M. der Generalanwalt⸗ schaftsverband ländlicher Genossenschaften zu Neuwied, die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, die Bauernvereine für Westfalen, für Rheinland und für Baden, der Bund der Landwirte und der bapyerische Landesverband der land⸗ wirtschaftlichen Darlehnskassen⸗ Vereine mit zusammen 1 050 000 Landwirten als Mitgliedern, also beinahe der dreifachen Mitgliederzahl gegenüber der augenblicklichen des Allgemeinen Verbandes. Von einigen anderen, in der Versammlung nicht vertretenen Verbänden liegen schon Aufnahmegesuche vor. Der Zweck der Vereinigung ist die Feststellung gemeinsamer Kaufbedingungen gegenüber den Ringen der Düngerfabrikanten. Der allgemeinen Einsicht, daß einem festen erfolgsicheren Widerstand gegen

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Fetertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige PMetitzeile,

edition: Kreuzplatz Nr. 4.

Anmaßungen der Fabrikanten die Einigung der deutschen Landwirte auf diesem Gebiet, die Beseitigung jeder Kon⸗ kurrenz zwischen ihnen vorangehen müssen, verdankt die Vereinigung ihr Entstehen. Die Anregung dazu ging vom Westfälischen Bauernverein aus. Die Vorbereitungen übernahm der Allgemeine Verband als diejenige Korpo⸗ ration, die den größten Bedarf an Düngstoffen hat.

Weiter dem Thätigkeitsgebiet nach und enger der Be⸗ teiligung nach ist der Wirkungskreis derGroßhandels- Gesellschaft der deutschen landwirtschaftlichen Ein⸗ und Verkaufsgenossenschaften, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht mit dem Sitz in Hamburg, die in Dresden am 25. August gegründet wurde. Sie be⸗ bezweckt: 1. den gemeinsamen Einkauf von landwirtschaft⸗ lichen Betriebsstoffen, namentlich von Import ⸗Artikeln; 2. den gemeinsamen Verkauf landwirtschaftlicher Erzeug⸗ nisse, insbesondere auf dem Wege des Exports; 3. das Speditionsgeschäft für die Genossen. Diese ist nur von den dem Allgemeinen Verbande zugehörigen Geschäftsver⸗ bänden und Zentral⸗Ein⸗ und Verkaufsgenossenschaften vorbereitet und gegründet worden. Sie will im Gegensatz zu der ersten Vereinigung nicht nur ein gemeinsames, gleichmäßiges Vorgehen vereinbaren und rechtlich sicher⸗ stellen, sondern will eigene Geschäfte betreiben und die⸗ jenigen Branchen von den provinziellen Organisationen übernehmen, die zweckmäßiger und vorteilhafter gemeinsam betrieben werden, und die speziell in Hamburg, dem Haupt⸗Ein⸗ und Ausfuhrplatz Deutschsands am besten wahrgenommen werden können. Ihre Geschäfte werden sich nach den bisher vorliegenden Beitrittserklärungen zunächst erstrecken über Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesten, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hannover, Oldenburg, Kurhessen, Hessen⸗Darmstadt und Baden. Der Anschluß weiterer Provinzen und Länder ist bereits in die Wege geleitet. In den Vorstand wurden gewählt: 1. Biernatzki⸗Voorde, Geschäftsführer des Verbandes zu Kiel, 2. Hildebrand, Geschäftsführer der Hauptgenossenschaft zu Hannover, und 3. Broberg, Direktor der pommerschen Hauptgenossenschaft zu Stettin.

Beide Organisationen so meint Herr Haas sind wichtige und bemerkenswerte Fortschritte in dem Bestreben der deutschen Landwirte, ihre geschäftlichen Ein⸗ richtungen zu vervollkommnen und sich den Anforderungen des vielgestaltigen, modernen Wirtschaftslebens anzupassen, den Ansprüchen von Industrie und Handel an die Organt⸗ sation ihrer Kontrahenten gerecht und den Anstrengungen der industriellen und Handels⸗Koalstionen gewachsen zu werden. Mögen sie ihren Zweck erreichen und der deutschen Landwirtschaft auf einem Gebiete nützen, wo sie der Stärkung gewiß bedarf.

* Mainz, 22. Sept. Die vor einem Jahr dahier gegründete Bau- und Sparbank zur Erbauung billiger und gesunder Woh⸗ nungen hat ihren ersten Neubau vollendet. Der Bau befindet sich auf einem Gebiet der tsraelitischen Gemeinde und gehört zu ihrem alten Friedhof. Das Haus ist ein sogenannter Zwillingsbau, der 20 Wohnungen von 3 und 2 Zimmern nebst Zubehör faßt.

* Mainz, 21. Sept. Seit längerer Zeit besteht hier das Projekt, die Dampfstraßen- und Pferdebahn in elektrischen Betrieb um⸗ zuwandeln. Die Süddeutsche Eisenbahngesell⸗ schaft ist dazu bereit, will jedoch das Hochleitungs system anwenden, während die Stadt darauf besteht, daß in den engen Straßen der Altstadt Akkumulatorenbetrieb angewendet wird, während sie damit einverstanden ist, wenn in den breiten Straßen der Neustadt und außerhalb der Stadt das Hochleitungssystem zur Anwendung kommt.

schaft ist gegen das sogenannte gemischte System. Neuerdings hat sie sich an die Bür ger meisterei gewendet, mit dem Ersuchen, wenn die Stadt die Umwandlung in elektrischen Betrieb haben wolle, dann möge sie sich entscheiden. In einer heute Abend stattgehabten Sitzung der städtischen Elektrizitäts⸗ und Straßenbahnkommission wurde beschlossen, auf der Forderung des gemischten Systems bestehen zu bleiben und sich in weitere Verhandlungen nicht einzulassen.

Vermischtes.

Die Statistik der Berliner Ehe⸗ scheidungen, deren Tabellen soeben für das Jahrzehnt 1885/94 veröffentlicht werden, ist nach verschledenen Rich⸗ tungen interessant. Man kann da merkwürdige Dinge zwischen den anscheinend trockenen Zahlen lesen. Die 10 Jahre brachten insgesamt 8476 Scheidungen. Von diesen Ehen waren 4666, also mehr als die Hälfte, kinderlos; 1766 von den geschiedenen Ehepaaren hatte je ein Kind, 1042 hatten je 2 Kinder, 514 je 3, 259 je 4, 117 je 57 38 je 6, 17 je 7, 11 je 8, 2 je 9, 2 je 10, 2 je 11 Kinder, und ein Paar sogar ein volles Dutzend! Man kann aus den Taballen konstatieren, daß die Mutter in diesem Falle erst 36 Jahre war.. Die 3 jüngsten geschiedenen Frauen hatten erst das 18. Lebensjahr vollendet; unter 20 waren im ganzen 11 Frauen. Von den ältesten unter denSeparierten waren 25, darunter 18 kinderlose Frauen über 65 Jahre. Einige Fälle sind hervorzuheben: Da wurden zwei 66⸗ jährige geschieden, von denen die eine mit einem 32jäh⸗ rigen, die andere mit einem 72jährigen Manne verheiratet war; eine 69jährigeSeparierte besaß ebenfalls noch einen Mann von 32 Jahren, eine 70jährige einen solchen von 84 Jahren. Die Seniorin unter den getrennten Frauen zählte 76 Lenze, ihr Gatte 40. Der jüngste ge⸗ schiedene Mann war 20, der älteste volle 85 Jahre, seine Frau a. D. erst 291... Die Nichtigkeit der Ehe wurbe in 14 Fällen ausgesprochen. Auch über die Dauer der 8476 getrennten Ehen lassen sich interessante Zusammen⸗ stellungen machen. Es hatten 35 Ehen noch nicht ein Jahr gedauert, 316 weniger als 2, 497 weniger als 3 Jahre. Hingegen hatten 265 getrennte Paare schon die Silberhochzeit gefeiert, 4 waren über 39 Jahre vereint gewesen. In 1917 Fällen betrug die Ehedauer bis zu 5 Jahren, in 2775 bis zu 10, in 1930 war sie 10 bis 15 Jahre, in 1089 Fällen 15 20, in 500 endlich 20 bis 25 Jahre. Von den 4 Paaren, die über 39 Jahre verheiratet waren, ließen sich 2 wegen Ehebruchs schelden, je 1 Paar wegen böslicher Verlassung und gegenseitiger Einwilligung. Als Scheidungsgründe sind in den 8476 Fällen angegeben: 2979 mal Ehebruch, und zwar 1561 mal auf seiten des Mannes, 1222 bei der Frau, in 196 Fällen auf beiden Seiten. Bösliche Verlassung lag 1926 mal vor, 1201 beim Manne, 723 mal bei der Frau, 2 mal auf beiden Seiten. Versagung der ehe⸗ lichen Pflicht war 7⸗, bezw. 15 mal der Scheidungsgrund, Gebrechen je 7 und 7 mal, Wahnsinn in 44, bezw. 98 Fällen. Mißhandlung, Nachstellung, Ehrenkränkung 462 Männer, 75 Frauen und in 23 Fällen beide Teile. Ver⸗ urtellung des Mannes lag 282, Verurteilung der Frau 49 Scheidungen zu Grunde. An Trunksucht litten 38 geschiedene Männer und 12 Frauen, darunter eine unter 30 Jahren und 2 andere zwischen 60 und 70. Un⸗ ordentlicher Wirtschaft führte in 24, bezw. 2 Fällen zur Trennung. In 187 Fällen war der Mann verarmt oder versagte den Unterhalt. Abneigung war bei 100 Män⸗

nern, 84 Frauen und 245 mal auf beiden Seiten der Grund der Scheidung. In 7 Fällen gegenseitiger Ab⸗

Die stets sparsame Süddeutsche Eisenbahngesell⸗

neigung hatten die Paare schon das silberne Ehejubiläum

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Eine reiche Partie.

Erzählung v li von Stenglin. r(Nachdruck 88 110

(Fortsetzung.)

ö Und mit doppeltem Eifer war sie nun dabei, zu

ihrem alten

on ausgedacht. Ich

Gunsten des Geliebten weiteres mit Freunde zu besprechen.

Etwas hab' ich mir sch 8 werde seinem Vater schreiben, daß er Hellmuth die Inspektorstelle in Frauensee anbieten möchte. Er will seinen Haushalt aus eigenen Mitteln bestreiten, nun, da kann er es ja und kann mich zu sich nehmen. Was meinen Sie?

Der Gedanke schien auch Grünebohm vor⸗ trefflich, und er riet, Röschen möge Herrn von Jürgen noch heute schreiben.

Ich bin so froh! sagte Röschen.Ich glaube cher, daß der Plan gelingen wird. Aber nun noch klwas, lieber Herr Grünebohm, und etwas sehr Schwieriges! Der Herr von Warnshagen mit seinen hunderttausend Markt.

Der alte Preuße schlug mit der Faust auf den Tisch.Ich begreifs nich, wie se sich haben von den se belämmern lassen! sagte er dann.Aber man ruhig, gnädige Frau. Mit dem nehm ich's auf. Warten Se mal. Heut' kann ich nich, morgen auch nich, übermorgen is heil'ger Abend, macht lichte, übermorgen wird er gepreßt, denn das is u frommes Werk und kein Festtag zu gut dazu! K Als am nächsten Tage Herr von Jürgen den def Röschens empfing, schüttelte er mit dem

Kopf. 135 spät! sagte er vor sich hin und legte ihn bei Seite. 1

Der alte Preuße hatte sich den Winterpaletot mit dem Sametkragen hervorgesucht, der zwar an einigen Stellen schon recht abgestoßen war, aber doch immerhin von einstiger Eleganz zeugte. Dazu der Cylinder, schwarze Handschuhe, Regenschirm. An der Vase 110 5 kleine Nachbildung

6 eisernen Kreuzes befestigt. f e 70 trat er bel Frau Möhrchen an. Mit dem Eindruck, den er machte, durfte er zufrieden sein, denn die korpulente Frau, knixte, als wenn sie einen

i vor sich hätte. f l 5 lobe Frau. Sagen Sie mal, liebe Frau, hier soll jawoll ein gewisser von Warns⸗

wohnen? w e Wen darf ich melden? 5

Na sagem Sie man, der alte Preuße, wär' da. Im übrigen ist mein Name Grünebohm. f

Weniger ehrerbietig verschwand Frau Möhrchen im Zimmer ihres Mieters.

Gleich darauf steckte Warnshagen den Kopf zur Thür heraus und rief erfreut:Ah, Herr Grünebohm? Bitte kommen Sie herein. 0

Die Thür schloß sich hinter Beiden. Höflich bekomplimentierte Warnshagen den Besucher bis zum Sopha und klopfte ihn vertraulich auf die

. Preuße blieb aber bombenfest und mit

dußerst ernster Miene stehen.

Zunächst eine Frage, mein Herr, begann er dann.Sind Sie kapabel, mir ein Stücker zehn bis fünfzehn Minuten hier Stand zu halten?

Warnshagen sperrte den Mund auf.

Wie meinen Sie das, werter Krieger 22

Ich meine, ob Sie nich auskratzen, wenn ich Ihnen mit aller Höflichkeit und mit barbarischer Deutlichkeit die Wahrheit sage?

Warnshagen lächelte. Wie sollte er die Sache auffassen? War das Ernst oder Scherz? Und was wollte der Mann?

Sprechen Sie immerhin, meinte Warnshag en mit äußerer Ruhe.Als alter Soldat weiß ich die Offenheit zu schätzen.

Das sind Fisematenten! entgegnete Grüne⸗ bohm.Damit fangen Sie mir nich!

Und was haben Sie mir also zu sagen?

Vor allen Dingen hab' ich Ihnen zu bemerken, daß Sie'n Mensch ohne jede militär'sche Ge⸗ sinnung sind

So!

Ja, und daß ich einen Wucherer bedeutend mehr estimiere

Oho!

Denn das is dem sein Beruf und er kann nich anders, wogegen Sie durch Familien⸗Erziehung und Abstammung mit gutem Beispiel vorangehen sollten. Darum kommen Sie mir also nich mit alten Soldat und so was. Wo der Soldatenstand blüht, da is auch Zivelisation, hingegen gehören Sie eher in das Land wo der Pfeffer wächst und

wo die Kannibalen ob rote oder weiße, das is piepe, das prä haben. Und was die Unverschämt⸗ heit betrifft, mit der Sie für'ne einfache Fisite hunderttausend Mark verlangen, wo Sie doch die bare Unmöglichkeit einsehen und dadurch die schönsten Familienbande von denen Sie natürlich nich die blasse Ahnung haben aus'nander reißen,

Ah 5 so!

So haben Sie woll mittlerweile kapiert, daß hier nichts zu wollen is und daß es blos d'rauf ankommt, daß Sie mir mit einigem Anstand alles Schriftliche retuhr geben, was Sie über die Sache besitzen. Und darum bin ich hier, daß Sies wissen.

Auf Warnshagens Lippen war wieder sein etwas moquantes Lächeln getreten.

Ihrer so liebenswürdigen Aufforderung zu widerstehen, sagte er,ist schwer. Sie haben'ne eigene Gabe, zum Herzen zu reden. Aber Geschäft ist Geschäft, in das dritte Personen sich am besten nicht hineinmischen.

So. Und mir betrachten Sie also woll hier als'ne dritte Person! Na's soll mir egal sein. Jedenfalls möchte ich bemerken, daß'n anständiger Mensch solche Geschäfte nich macht!

Daß Sie diese Art von Geschäften nicht kennen, Herr Grünebohm, will ich Ihnen gern glauben. Und was man nicht kennt, das achtet man nicht

Ist auch nicht dazwischen.

nötig! warf Grünebohm

(Fortsetzung folgt.)