Ausgabe 
24.7.1897
 
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Gießen, Somabend,

den 24. Juli

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ische Landeszeilung.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

*

Abg. Köhler ls Bürgermeisterei⸗Kandidat.

Ein ländliches Wahl⸗Idyll.

l- Philipp Köhler VI., früher in Betten⸗ ausen, jetzt in Langsdorf, hat schwer zu tragen u Leben. Die höchsten Ehrenämter sind auf In gefallen, er weiß sicher selbst nicht, wie es

schah. Er ist Reichstagsabgeordneter

ir den Wahlkreis Gießen, was allerdings schts einbringt, ihn aber auch wenig kostet, da I sichals Franke so gut wie nie in der berüfsischen Hauptstadt sehen läßt. Daneben ist

u Mandatsinhaber für den hessischen Land⸗ ag, was ihm täglich während der Sitzungs⸗ uuldde neun Mark trägt, die in Darmstadt auch gohl drauf gehen werden. Nicht genug damit, t ihm für Langsdorf bekanntlich die Post⸗ igentur übertragen und er als ehemalsfreier auer in die Liste der abhängigen Reichs⸗ eamten übernommen worden. Da das Alles mmer noch nicht seine Arbeitskraft erschöpfte, machte er sich vor Jahresfrist zum Ren⸗ anten der von ihm in Langsdorf gegründeten Spar- und Darlehnskasse, die im Gegensatz u der alten l Kasse, deren Verwal⸗ ung in den Händen seines verstorbenen Vaters hte,allen Kapitalisten neuerdings lebhaft ie Anlagestätte empfohlen wird. Zu guterletzt , wenn wir von kleinen Vereins⸗ und Orts⸗ kuppen⸗Aemterchen absehen, die aufzuzählen icht der Mühe lohnt, Köhler auch noch Zei⸗ sungsverleger, Herausgeber der in Offenbach uscheinendenDeutschen Volkswacht.

Bei und trotz Allem ist Köhler noch rühriger landwirt, der in jedem Winkel seines Hofes zu der Stunde genau Bescheid weiß.

Mancher mag glauben, nun wär's genug der aber an irgend einer Stelle müßte der getrieb wegen Ueberbürdung Schaden erleiden. Der das annimmt, irrt sich. Philipp Köhler lehrt ihn wenigstens eines Besseren. Ihm enügt nicht das Reichstagsmandat, das Land⸗ ügsmandat, die Postagentur, die Rendantur, er Zeitungsverlag, die Verwaltung des Mittel⸗ eutschen Bauernvereins und der Betrieb seiner dundwirtschaft, er will auch noch Bürger- geister von Langsdorff werden.

Man könnte annehmen, daß die Langsdorfer lücklich wären, wenn ein so vielbeschäftigter und twandter Mann sich nur herabließe, seine Wahl

u gestatten. Aber der Prophet wird im Vater⸗

ande nicht geehrt. So betrübend es ist, es muß

ur Wahrheit gemäß gemeldet werden, daß

Ihilipp Köhler VI. auch in Langsdorf nicht ohne

sumpf zum Sieg gelangen kann. Langsdorf

iat sich im Herbst v. J. bei der letzten Reichs-

Igsersatzwahl schon zur Hälfte gegen seinen

Mitbürger gestellt; wie viel stärker wird die

selbung, nun es sich um das einflußreichste Amt

. Dorfe selbst handelt.

In dieser Not hat Philipp Köhler zur Feder Aoriffen und ein geharnischtes Flugblatt worfen, das in Offenbach gedruckt und den 0 Wählern vor länger als acht Tagen gestellt worden ist. Es trägt den Titel: Zur Bürgermeisterwahl in Langs dorf.

n freies und offenes Wort an die

Wähler!

uud ist prompt vor einer Woche auf unseren

Jedaktionstisch geflogen. Der Inhalt ist inter⸗ ant genug, um in dieser sommerlichen Stille ir einige Minuten unsere Leser zu erheitern.

Gegen Köhler stehen in der Bürgermeister⸗ sandidatur zwei Mitbürger im Felde, Schiel ud Kneipp. Köhler sagt über seine Kon⸗ krrenten das Folgende:

Zwel Kandidaten stehen mir entgegen. Zwar der Eine derselben(Schiel) steht in allgemein⸗ politischer Beziehung mit mir auf gleichem Standpunkt; er ist Mitglied und Mitbegründer unserer Ortsgruppe des Bauernbundes. Der Andere Eneipp), von sozialdemokratischen Prin⸗ Apten ausgehend, steht in allgemeinpolitischer Be⸗ 115 zur Zeit der freisinnigen Volkspartei ahe.

Ras untef ist der Rede Sinn, Herr Köhler. bas muß das für ein merkwürdiger Mensch

der von sozialdemokratischen Prinzipien Far Prinzipien ausgehend zum Anhänger zun Fugen Richter, des letzten Apostels ber Aanchestertheorie, werden kann! Wir kennen Frrn Kneipp nicht, aber wir kennen zur Genüge ern Köhler, und so dürfen wir ruhig an⸗

hmen, daß nicht Kneipp der vollendete Wirr⸗

10 sst, als welchen Köhler ihn hinstellt, sondern sütedieser die polttische Stellung seines Kon⸗ renten nicht hat begrifflich klein kriegen können.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

kann er noch überblicken seine wirklich lobenswerte Thätigkeit im Land⸗ tag, aber für die wirtschaftlichen und poli⸗ tischen Verhältuisse im großen deutschen Reich ist weder sein Urteil scharf noch für seine Kennt⸗ nisse ausreichend genug. Ansonst könnte er nicht alsfreier Franke mit dem preußischen Junker Liebermann von Sonnenberg und dem sächsischen Phrasenmeister Zimmermann Hand in Hand an der Karrosse des deutschen Junkerbundes, vulgo Bund der Landwirte, ziehen. Daß er es doch thut beweist zur Genüge, daß Köhler sich die politischen Kinderschuhe noch nicht ausge treten hat.

Einen weiteren Beweis für seine böllige Un⸗ klarheit liefern gleich die nachfolgenden Sätze. Köhler sagt ganz richtig, man solle vermeinen, daß er und seinParteigenosse Schiel gegen Kneipp zusammenstehen müßten.

Das ist hier nicht der Fall, fährt Köhler

fort,denn die allgemein⸗politische Parteistellung fällt nicht zusammen mit der dorfpolitischen Stellung. Ortspolitik ist keine Staatspolitik. Von wem hat Herr Köhler diese Weisheit gelernt? Etwa von den ihm verhaßten Liberalen, die für das Reich noch so gnädig sind, an dem allgemeinen Stimmrecht festzuhalten, die aber in den Kommunen, in denen sie das Heft in der Hand haben, feierlich das Census-Wahlrecht verteidigen oder dies sogar wie in Kiel und an anderen Plätzen noch verschärfen, um sich nur ja in ihrer Macht zu behaupten. Nein, eine Partei, die ihre Grundsätze festgelegt hat und sie nicht nach Bedarf wechseln und modeln will, kann im Dorf nicht anders verfahren, wie sie im Landes⸗ oder Staatenverband handelt; so verschieden auch die Materien sind, die im Ge⸗ meinderat oder im Landtag oder im Reichstag der Beurteilung unterliegen, der Gesichts⸗ winkel, unter dem das geschieht, muß immer derselbe sein.

Für den Abg. Köhler ist Einheitlichkeit der Auffassung etwas Unbekanntes. Von einer Weltanschauung gar wird er noch nie etwas gehört haben. Im Landtag ist er ein stram⸗ mer Oppositionsmann, der sich redlich unsere Sympathien errungen hat; im Reichstag ist er ein Schleppenträger der junkerlichen Reaktion und des ostelbischen Großgrundbesitzes; in der Gemeinde will er nun noch etwas Anderes werden, denndie allgemeinpolitische Stellung fällt nicht zusammen mit der dorfpolitischen Stellung. Wie will er sich deun in der Ge⸗ meinde verhalten? Will er dort zwischen beiden Extremen lustig hin und her baumeln; heute mit dem Kreisrat dinieren und morgen ihn und seine Anordnungen im Gemeinderat bis aufs Blut be kämpfen? i

Daß Köhler in seinem Kopf noch nicht die nötige Inventur aufgenommen hat, beweisen üb⸗ rigens auch die folgenden Sätze:

Schiel und seine Wähler, das sind thatsächlich unser Beider Gegner, die meinigen und die⸗ jenigen von Kneipp. Leider ist es nunmehr der Gegenseite gelungen, uns(K neilpp und mich) die wir hätten einträchtiglich zusammengehen sollen zu trennen, verfahrend nach dem alten lateinischen Grundsatze Divide et impera(Teile deine Feinde in zwei Lager, dann wirst du leichter Herr über sie.)

Also: Köhler ist eigentlich der geschworene Feind seinesParteigenossen. Schiel und dieser treibt die Parteifreundschaft so weit, daß er ihn und seinen politischen Gegner Kneipp auch noch auseinandersprengt. Nun ist der Wirrwarr vollendet und ob ein Langsdorfer zwischen all die politischen und nicht politischen Klippen un⸗

efährdet hindurch steuern wird, soll uns Wunder nehmen. f

Daß aber Köhler die Trennung von Kneipp bedauert ist das Erstaunlichste an der Sache. Kneipp ist doch in Köhlers Augen ein Mischmasch von Sozialdemokrat und Freisinnsmann,, also wo Parteianschauungen, die beide nach Köhlers oftmaliger Aussage im Bann des Juden⸗ tums stehen, deren Parteigebilde sogar wieder nach Köhlers unzählige Mal gratis verabreichtem Rezept vom Geld der Juden aufrecht⸗ erhalten werden. Und mit einem Anhänger dieser Richtungen will der ehrliche, freie, offene Antisemit Köhler zusammengehen! Die Trennung von diesem erfüllt ihn mit Schmerz!

Was müssen wir erleben! i

t Philipp Köhler VI,. nun auch unter die

Jubenscuer gegangen? Hat der jüdische Geist sich auch seiner bemächtigt und ihn sich dienst⸗

0 acht? ö 1 5 Hoch ncgtig:die allgemeine politische Par⸗

b setzt uns bei dem Reichstags ö gsabg. Köhler eiter nicht in Erstaunen. Das Hessenland

istellung fällt nicht zusammen mit der dorf⸗ Lpollischen Etelung Bei der Reichstagswahl

das beweist er durch

Expedition:

D 1 Kreuzplatz Nr. 4.

also ist Herr Kneipp ein Freisinnsmann oder ein Sozi, also auf jeden Fall ein Judenschützer; bei der Bürgermeisterwahl ist er dem ehrlichen, freien und offenen Antisemiten und Junker schützer ein willkommener Bundesbruder, der nur durch Arglist von dem auch ehrlichen, freien und offenen Antisemiten Schiel von seiner Seite ge rissen wird.

Ja, ja, so ist es. So ists richtig! sagt der Reichstagsabgeordnete Köhler.

Er muß es wissen. Wie könnte er anderen falls Reichstagsabgeordneter geworden sein? (Ein zweiter Artikel folgt.)

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Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 23. Juli. Die großh. Zentral stelle für Gewerbewesen eröffnete am 19. Juli im Lehrsaal der großh. Laudes-Baugewerkschule einen Kursus im gewerblichen Zeichnen, in darstellender Geometrie und Materialienkunde für solche Lehrer, die an Handwerkerschulen zu wirken haben. Die Teilnehmer erhalten für den vier Wochen dauernden Kursus eine wöchentliche Vergütung von 25. und Reiseentschädigung. Auch in diesem Jahre findet wieder, und zwar vom 20. September bis 9. Oktober, ein Fortbildungskursus für evangelische Organisten unter der Leitung des bekannten Kirchenmusikmeisters Arnold Mendelssohn statt. Es werden an demselben 19 Lehrer teilnehmen. Das neue Besoldungsgesetz räumt den Kreis⸗ schulkommissionen das Recht ein, die Höhe der den Lehrern zu gewährenden Wohnungs- vergütungen zu bestimmen. Aus diesem Anlaß sind vielfach zwischen den Gemeinden und den Kreisschulkommissionen Differenzen entstan⸗ den, sodaß die Entscheidung des Kreis- bezw. Provinzialausschusses angerufen werden muß.

* Gießen, 22. Juli.(Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung.) Um Uhr eröffnet der Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung. Den Gesuchen um Errichtung einer Gartenhütte am Nahrungsberg seitens des Ernst Heilmann und eines Backsteinmacherhäuschens im Neustädterfeld seitens des M. Abermann wird wiederruflich stattgegeben. Die Firma Fabian und Fick zu Marburg beabsichtigt, die Erbauung zweier Hallen auf dem Gelände der Bahn am Seltersberg, in der Nähe des Güter⸗ bahuhofs, zu errichten, um in denselben die Fa⸗ brikation eines patentierten Baumaterials vorzu⸗ nehmen. Stadtverordneter Löber spricht sich gegen die Erlaubniserteilung aus, da man s. Zt. dem Architekten Seuling, der in jener Gegend ähnliche Bauten errichten wollte, dieses nicht gestattet habe. Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß der Seulingsche Fall doch ganz anders läge, als der vorliegende. Das Seulingsche Gesuch kollidierte mit den Plänen der Stadt, während das jetzt vorliegende Gesuch der Mar⸗ burger Firma dies nicht thue. Die Erlaubnis an die Firma Fabian und Fick wird erteilt. Zur Anschaffung von Lehr und Lese⸗ büchern, für die Kinder von Eltern, welche diese Anschaffung unterlassen, werden 45 Mark 96 Pfg. für 24 Schulkinder bewilligt. Die Vorlage wird, da wo die Möglichkeit vorliegt, von den Eltern eventuell zwangsweise wieder eingezogen. Es folgt die Vorlage der Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule pro 1896/97, welche in Einnahme und Ausgabe mit 93,080 4 gegen 97,394 des Voranschlags abschließt. Der von der Stadt zu leistende Zu⸗ schuß für Lehrgehälter betrug 21,024. 24&, (424. mehr, als der Voranschlag angenommn.) Die Einnahmen für Schulgeld sind gegen den Voranschlag zurückgeblieben., Die sachlichen Aus⸗ gaben betrugen 5839, welche die Stadt ganz zu decken hat. Gegen die Rechnung hat die Ver⸗ sammlung nichts zu erinnern. Wegen der Er⸗ bauung einer Kühlanlage für das städ⸗ tische Schlachthaus hat der Oberbürger⸗ meister bereits in der vorletzten Sitzung eingehend referiert. Die Versamm lung beschließt heute im Prinzip, die Errichtung einer solchen An lage. Wegen des dabei zu wählenden Systems, wegen der Art der Deckung für Zinsen und Amortisation, der dafür aufzuwendenden Gelder, ebenso wegen der Deckung der Betriebsunkosten soll später Beschluß gefaßt werden. Balthasar Meltor erhält die Erlaubnis zum Verkauf von Branntwein über die Straße für das Haus Marburgerstraße 29. Dem Wilh. Bastian wird für die WirtschaftZum Taunus Brand⸗ gasse 8 die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb erteilt. Es folgt eine geheime Sitzung.

* Gießen, 23. Jull. Verhaftete Diebe.

Die Diebe, welche in voriger Woche

das

Wasserhäuschen am Oswalds Gaxten erbrachen und plünderten, sowie einem Geflügelzüchter mittelst Einbruchs die Vögel und Tauben ent⸗ wendeten, sind gestern in der Person eines dahier in diesem Frühjahr zugezogenen, unverheirateten Schneidermeisters und dessen Gesellen ermittelt und verhaftet worden. Bei denselben sind noch weitere Beweisstücke vorgefunden wor⸗ den, sodaß Aussicht vorhanden ist, sie noch weiterer hier verübter Diebstähle zu überführen.

* Gießen, 23. Juli.(Messeraffaire.) Gestern Nachmittag balgten sich am Ludwigs⸗ platz drei eee Ein vorübergehender 14 jähriger Gymnaskast mischte sich in den Streit und stach hierbei einem der Bäckerjungen mit dem Messer in das Genick. Glücklicher⸗ weise ist die Verletzung keine gefährliche.

Gießen, 23. Juli.(Unfall.) Gestern Abend karambolierte ein Fuhrmann mit seinem Lastwagen am Seltersweg mit einer Chaise und zertrümmerte die Laterne. Die Glassplitter flogen einem Insassen der Chaise in das Gesicht, wodurch derselbe derart verletzt wurde, daß er sich in ärztliche Behandlung be⸗ geben mußte. Der unvorsichtige Fahrer wurde zur Anzeige gebracht.

* Gießen, 23. Juli. Verhaftet wurde heute Morgen ein junger Mann, der sich eines Verbrechens aus§ 176 pos. 3 des R.⸗Str.⸗G. schuldig gemacht hat.

R. Reiskirchen, 22. Juli. Für Vieh⸗ händler dürfte es von Interesse sein, zu er⸗ fahren, daß nunmehr die Haltestelle für den Viehtransportverkehr auf hiesiger Station eröffnet worden ist.

n. Grünberg, 21. Juli. Gestern und heute tagte im GasthauseZum Hirsch dahier die evangelisch-lutherische Konferenz für Oberhessen, welche auch im Vorjahre hier abgehalten wurde. Während gestern neben den Konferenzangelegenheiten einige rein theo⸗ logische Leitsätze als Thema behandelt worden waren, beschäftigte sich heute die Konferenz mit dem Vortrage des Herrn Oberamtsrichters Wahl aus Schlitz über das Vorladungs⸗ recht der Geistlichen. Die Konferenz war verhältnismäßig gut besucht.

h. Grünberg, 22. Juli. Am Mittwoch, den 28. Juli findet hierorts ein Kram⸗ und Viehmarkt statt.

* Friedberg, 21. Juli. Die Kornernte fiel bezüglich des Strohertrags vorzüglich aus; der Körnerertrag wird indessen nicht so reich sein als man anfänglich annahm, denn stellenweise hört man Klage führen über mangelhafte Aus⸗ bildung der Körner. Es mag dies zumteil auch auf den dichten Halmenstand, zumteil auch auf die Witterung zurückzuführen sein.

*Soolbad Salzhausen, 21. Juli. Unser Bad ist einer der wirksamsten kleinen Badeorte; nicht minder ausgezeichnet durch die Erfolge im Gebrauche seiner Bade- und Trinkquellen, wie durch seine Bedeutung als klimatischer Kurort. Die schöne, geschützte Lage in einem Seitenthälchen des Niddaflusses, das milde Klima, die ozon⸗ reiche, erfrischende Luft, der hübsche Park und die ausgedehnten, prachtvollen Waldungen in nächster Umgebung machen den Aufenthalt in Salzhausen zu einem besonders angenehmen. Namentlich ist der Aufenthalt in Salzhausen zur Erholung und Kräftigung für 1 Kin⸗ der sehr zu empfehlen. Die lithionreichen Salz⸗ quellen werden zu Trink⸗ und Badekuren mit bestem Erfolg in allen Fällen benutzt, in denen der Gebrauch von Soolquellen überhaupt ange⸗ zeigt erscheint. Im Kurhause ist gute Ver⸗ pflegung um mäßigen Preis geboten; Kurtaxe wird nicht erhoben. Das geräuschvolle, die Nerven angreifende Leben und Treiben großer Bäder ist hier fremd; im Gegensatz dazu bietet Salzhausen wohlthuende, angenehme Ruhe und ungestörte freie Bewegung. Allen, die im Ge⸗ brauche von Soolbädern Genesung suchen und zugleich der Ruhe zur Erholung bedürfen, kann Salzhausen aufs wärmste empfohlen werdeu.

* Mainz, 21. Juli. In der Angelegenhelt des hier verhafteten Einbrechers Spriesters⸗ bach ist gegen einen hiesigen Schutzmann eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden. Der Schutzmann hat den Einbrecher in der Stadt Bonn, woselbst später die Verhaftung 0 f kennen gelernt und mit ihm gezecht und sogar den Mann, der sich für einen Bankier aus Ems ausgab, in seiner Familie eingeführt. Alsbald nach seiner Verhaftung hat Spriestersbach an⸗ gegeben, daß er einen Betrag von 9000 A4, die er in Wiesbaden gestohlen hat, im Walde bei Wiesbaden vergraben habe.