Ausgabe 
24.1.1897
 
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ansehnliche Erfolge aufzuweisen. Von den 107 Mitgliedern wurden für rund 107000 Mark Schweine versichert; für 17 gefallene Schweine wurde Schadenersatz geleistet. Auch können bei dem Verein fette Schweine, die nach auswärts, z. B. nach Frankfurt, Gießen usw. verkauft werden, versichert werden. Da die Schweine⸗ zucht einer der lohnendsten Zweige der Land⸗ wirtschaft ist, dürfte auch andern Gemeinden zu empfehlen sein, zur gegenseitigen Unterstützung solche Vereine zu gründen.(D. 3.

k. Garbenteich, 23. Januar. Ein eigen⸗ artiger Diebstahl wurde in der Nacht vom 21. zum 22. d. M. bei dem hiesigen Gemeinde⸗

1 chäfex verübt. Einem Ortsbürger war die Kuh

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Kalben erkrankt, sodaß deren sofortige Tötung notwendig wurde. Der Gemeindeschäfer kaufte das Fleisch der Kuh zur Fütterung seiner Hunde. Als er am andern Morgen nach seinem Fleisch sah, war es spurlos verschwunden. Von dem Dieb, der es hoffentlich mit Appetit ver- zehrt, hat man bis jetzt noch keine Spur.

R. Bernshausen(Kr. Lauterbach), 23. Jan. Was nicht alles zu Wetten Anlaß geben kann! Anfangs dieser Woche saß in einer hiesigen Wirt⸗ schaft eine Anzahl fideler Burschen, die über alle möglichen Dinge ihreSchnurren rissen, U. a. entspann sich auch eineZiegendebatte. Als einer aus der Gesellschaft die Behauptung auf⸗ stellte, ein Ziegenbock könne einen halben Schoppen Schnaps vertragen, wurde ihm wider⸗ sprochen und es kam zur Wette. Der Ziegen⸗ bock, der gewisser Vorzüge wegen gerade nicht zu den niedlichsten Haustieren gehört, wurde in die Wirtsstube gebracht. Er muß die Einladung zum Schnapstrinken nicht gar so tragisch auf⸗ genommen haben, denn gleich den übrigen Zech⸗ brüdern ließ er ebenfalls 2 Viertelliter Schnaps ohne eine Miene zu verziehen die Kehle hinunter⸗ rollen. Der Wettende hatte zur größten Ver⸗ blüffung des Andern die Wette gewonnen.

* Mainz,. 21. Januar. Der Sohn eines wohlhabenden Landwirtes in dem Nachbar⸗ ort Alsheim wurde wegen des Verdachtes der Brandstiftung ver haftet. Der junge Mann hatte mit seinem Vater Streit, und die Nachbarn kamen dem Alten zu Hilfe. Als der Sohn kaum flüchtig gegangen war, loderte die Scheuer seines Vaters in hellen Flammen auf, worüber der alte Mann, den Thäter ahnend, ohnmächtig zusammenbrach. Die in dem Hause anwesenden Leute eilten in den Keller, um dem Ohnmächtigen etwas Wein heraufzuholen; wie erstaunte man aber, als sämtliche Fässer in dem Keller geöffnet worden waren, so daß der gelder nicht unbeträchtliche Weinvorrat in dem Keller ausgelaufen war. 1055 5

* Mainz, 22. Jan. Der städtische Finanz⸗ ausschuß hat in Sachen der Polizeiver⸗ waltung einen Antrag an die Stadtverordneten⸗ 1 50 beschlossen. Der Antrag geht da⸗ hin, die Stadtverordnetenversammlung wolle die Bürgermeisterei beauftragen, die Regierung zu ersuchen, in den Haushaltvoranschlag des Groß⸗ herzogtums für die Rechnungsjahre 1897/1900 als Zuschuß des Staates zu den Kosten der nne der Stadt Mainz einen Be⸗ trag von 45, A für jedes Rechnungsjahr einzustellen. Der seitherige Zuschuß beträgt nur 12,000 l.

* Mainz, 23. Januar. Nachdem die Stadtverordnetenversammlung sämt⸗ liche Anträge, die Lehrmittel an alle Schüler unentgeltlich abzugeben, abge⸗ lehnt hat, machte der Oberbürgermeister fol⸗ gende Vorschläge:§ 1. Seitens der Stadt wird für die ee ere Lieferung aller

notwendigen Lehr- und Lernmittel an unbemittelte Kinder der hiesigen Volksschule Es bedarf in der

e n gesorgt. Regel nur eines kurzen mündlichen Antrags beim Lehrer oder dem Oberlehrer, um schnell und ohne jede beschämende Form für den Empfänger in den Besitz des Erwünschten zu kommen. S 2. Hat der Lehrer irgend welchen Zweifel über die Dürftigkeit des Petenten, so

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hat er die Verhältnisse in wohlwollender Weise zu prüfen.§ 3. Die Oberlehrer sind befugt, auch in anderen Fällen, in welchen die Verhält⸗ nisse solches angezeigt erscheinen lassen, unent⸗ eltlich Lehr⸗ oder Lernmittel zu verabfolgen. Von diesen Fällen ist der Bürgermeisterei regel⸗ mäßig Mitteilung zu machen.§ 4. Die Lehr⸗ oder Lernmittel, welche an unbemittelte Kinder unentgeltlich abgegeben werden, dürfen in keiner Weise als von der Stadt her⸗ rührend gekennzeichnet sein. Dieselben gehen in das Eigentum des Kindes über.

* Mainz, 21. Januar. Die Tüncher, Maler und Lackierer hielten gestern Nach⸗ mittag eine gut besuchte Versammlung ab. Es wurde über die vor längerer Zeit ausgesandten Fragebogen eingehend Bericht erstattet. Derselbe ergab ein sehr trauriges Bild von der gegen⸗ wärtigen Lage der obigen Brauche. Fragebogen wurden ausgesandt 180 Stück und ebensoviel beantwortet. Der durchschnittliche Lohn schwankt nach der statistischen Zusammenstellung der Fragebogen zwischen 28 und 32 Pfg. pro Stunde, der Akkordlohn von 28 bis 45 Pfg. pro Stunde. Die Arbeitslosenstatistik ergab, daß die 180 Fragebogenaussteller stets eine längere Zeit im Laufe des Jahres arbeitslos sind. Die Gesamtsumme der Arbeitslosen-Tage der 180 Arbeiter innerhalb eines Jahres betrug zwanzig Jahre. Der Referent bemerkte, daß diese Statistik ein trauriges Bild von der Lage der Arbeiter dieser Branche gebe und sei es wahrlich hohe Zeit, daß die Tüncher, Maler und Lackierer sich endlich aufrafften, um einem derartigen unwürdigen Zustande ein Ende zu bereiten. Alle Anwesenden waren der Meinung, daß in nächster Zeit eine Regelung der Lohn⸗ verhältnisse stattfinden müsse. Die Versamm⸗ lung wählte sodann eine Lohnkommission von 8 Mann, die die nächsten Schritte zur Ein⸗ leitung einer Lohnbewegung machen soll. Auch wir begrüßen es mit Freuden, daß endlich auch die Arbeiter dieser Branche sich wieder ermannen. Auch in anderen Branchen gährt es hier. Es dürfte mit Sicherheit darauf zu rechnen sein, daß den kommenden Frühjahr die Arbeiterbe⸗ wegung hier kräftige Wogen schlägt.

Vermischtes.

Von einem Gensdarmen erschossen. In dem Dorfe Nordwalde bei Osnabrück erschoß ein Gensdarm einen Handwerksburschen, welcher aus Hunger ein Stückchen Brot bettelte und bei seiner Verhaf⸗ tung flüchtete. f 5

Remischen nennt man in einigen Gegen⸗ den der Rheinpfalz das kleinste Maß Wein, ein Viertel Liter. Ueber die Entstehuug des Wortes geht folgende Geschichte: In Kreuznach lebte vor ungefähr 200 Jahren ein alter Winzerin seinem Vorbehalt. Er hatte eine Wirtschaft sich gewählt, wo er jeden Tag seine 15 bis 16 gute halbe Schoppen trank. Da merkten andere Gäste, welche da saßen, daß er, während die Gäste noch bei ihrem Weine saßen, so drei- bis viermal kam. Daun lachten sie ihn sehr oft aus. Dieses kränkte den alten Winzer sehr. Jetzt dachte er darüber nach, was machen? Gut, bei dem Wirtsgebäude an der anderen Seite ging man durch die Wagenremise in den Keller. Da sagte er zu dem Wirte:So, da stellst Du mir ein Tischchen und einen Stuhl hin; ich brauche mich von den Buben nicht auslachen zu lassen. So trinke ich mein Wein hier. Als dies so eine Zeit lang dauerte, sagten sie zu dem alten Winzer Remise und später Remischen, und so pflanzte sich der NameRemischen bis zur jetzigen Zeit fort und ist jetzt noch in der ganzen Umgegend ge⸗ bräuchlich.

Dr. Greniers Streiche. Da der musel⸗ manische Abgeordnete Grenier in der französischen Depu⸗ tiertenkammer die Waschbecken der Abgeordneten zu seinen Fußwaschungen benutzte, erhob sich ein Entrüstungssturm seiner angeekelten Kollegen gegen ihn und die Quästur verbot ihm diesen Mißbrauch des Toiletteraumes. Gre nier begab sich daher nach derVoss. Ztg. am Dienstag zum Seineufer, entkleidete sich bis auf das Notdürftigste und wusch sich im Flusse angesichts eines großen Auf⸗ laufs von Gaffern, die von herbeigeeilten Schutzleuten im Zaum gehalten werden mußten.

Die Rache des Elefanten. In London hat jüngst ein Elefant, der dem Zirkusbesitzer George

Die Nacht war still dahingeschwunden. Kalt und nüchtern dämmerte der junge Tag herauf und mit ihm begann für sie ein neues Leben.

* *

Nein, Frau von Helling hatte nicht gewußt, daß sie eine so lenksame Tochter besitze. Regine war ja wie ausgetauscht. Sie hörte zu, wenn Felix erzählte, schenkte ihm ein, wenn er ausge trunken hatte, fragte voll Interesse, wieviel Geld er auf dem Remontemarkte für seine Fohlen gelöst, wie viele Hühnchen in Mamsell Christinchens Stall ausgekommen seien, und wie sie dieselben ernähre. Regine, die es bisher nie der Mühe wert ge funden, die Gerste vom Weizen unterscheiden zu lernen. Aber Felix war nicht weniger erstaunt, als sie selbst! Kaum wagte er, an sein so unerwartet aufkeimendes Glück zu glauben. Er vermied es ängstlich, die jungen Triebe desselben durch unzar tes Berühren zu zerstören, aber Reginens warme Blicke schienen ihm anzudeuten, daß dieselben lebeus fähig seien. Seine Pflichten daheim riefen. Dieses Mal konnte er nicht scheiden, ohne Gewißheit zu haben. Zunächst wandte er sich an Frau von Helling. Aber diese war schon ihrer Sache sicher, und als Regine eintrat, noch ehe sie Zeit zum Ant worten gefunden, rief sie ihm ermunternd zu: Frag sie nur selbst, mein Junge! und verließ behaglich lächelnd das Zimmer, um in aller Eile ein kleines Verlobungsdiner zu rüsten.

Er war mit raschen Schritten auf sie zuge gangen und ergriff ihre beiden Hände.

Regine, sagte er tief bewegt,Du weißt dielleicht schon, was ich Dir jetzt sagen will daß ich Dich lieb habe, ganz unbeschreiblich lieb darf ich, er stockte,glaubst Du, daß Du mit einem

einfachen Menschen, wie ich es bin, glücklich werden könntest, daß Du mir folgen könntest ohne Reue.

Sie war toͤtenblaß geworden, als er begann. Aber seine rührende Bescheidenbeit erschütterte sie. Rasch faßte sie seinen Kopf mit beiden Händen zog ihn näher und sah ihm übermütig lächelnd in die Augen:

Meinst Du denn, daß es so furchtbar schwer sei, mit Dir friedlich Haus zu halten, Du mein lieber, guter Felix, Du?Mein Felix, wie be seligend das klang! Jubelnd zog er sie in seine Arme und küßte sie, erst leise, zaghaft, dann stürmischer. Sie schmiegte sich an ihn und schloß die Augen. Seine naive, innige Zärtlichkeit that ihrem wunden Herzen wohl.

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Ende August, als die Ernte vorüber war und der gewissenhafte Gutsherr sich ein paar Tage Ferien vergönnen konnte, fand die Hochzeit statt. Felix und Regine hatten sich bis dahin nicht wieder gesehen. Ihn hielt daheim die Arbeit fest, sie war mit der Mutter ins Bad gereist. Felix war kein Held im Briefschreiben, aber ein paar herzliche Worte sandte er ihr doch täglich. Der bedeutungs volle Tag kam und ging vorüber wie ein wirrer Traum. Regine war in beständiger Hetze. Jetzt mußte sie sich ankleiden zur standesamtlichen Trau ung, daun Toilette machen für die kirchliche Feier. Nun hörte sie wie aus weiter Ferne das Orgelspiel an ihr Ohr schlagen, dann die Worte des Geist⸗ lichen, daheim die Glückwünsche, Toaste, das Gläser⸗ klingen endlich saß sie mit Felix im Koupe, und ein seltsames Gefühl durchzuckte sie jetzt fuhr sie in die Welt hinaus als die Frau eines Mannes, den sie nach ihren Begriffen eigentlich garnicht

kannte. Jortsetzung folgt.)

Sanger gehört, einen Mann getötet, indem er dessen Kopf mit einem seiner Stoßzähne an die Wand drückte. Als am 14. d. Mts. die Sache vor den Leichenbeschauer kam, erklärte sowohl der Besitzer wie der Wärter des Elefanten, das Tier habe einen Racheakt verübt.Charlie, ein sehr gelehriger und ruhiger Elefant, wurde am Sonn⸗ tag Abend gerade gefüttert, als der vor 10 Monaten entlassene frühere Wärter des Elefanten im Stall erschien, um seinen Kollegen zum Thee abzuholen. Kaum hatte jener einige Worte gesprochen, alsCharlie mit seinem rechten Stoßzahn den Kopf des früheren Wärters so an die Wand preßte, daß sofort der Tod eintrat.Ich glaube, erklärte der Elefantenwärter,daß das Tier seinen früheren Wärter, den es seit 10 Monaten nicht gesehen, an der Stimme erkannt hat, und da es ihm vielleicht um einer Grausamkeit willen böse war, brachte es ihn um.Lord George Sanger bekundete, daß er den Elefanten seit 31 Jahren in seinem Besitz habe und daß derselbe, neun Jahre alt, aus Indien importiert worden sei. Der getötete Mann hatte vier Jahre lang die Wärterstelle bei ihm, verlor sie aber, da er mit der Polizei in Konflikt geriet. Das Tier war immer ruhig. Der Leichenbeschauer fragte, ob die Elefanten es im Ge⸗ dächtnis behielten, wie sie behandelt würden?Sicher⸗ lich, sagte Herr George Sanger,ich spreche aus 45⸗ jähriger Erfahrung. Das Tier wurde von dem Getöteten nicht ordentlich behandelt. Elefanten haben für freund- liche Behandlung ein gutes Gedächtnis. Ich erinnere mich, wie ich einmal einen Elefanten wieder traf, dan ich zwei Jahre lang nicht gesehen hatte. Das Tier war über das Wiedersehen so erfreut und gerührt, daß Thränen über sein Gesicht rollten. Einmal spielte mein Neffe zwischenCharlies Füßen, da hob der Elefant ihn mit dem Rüssel auf, schüttelte ihn sacht und setzte ihn auf die Seite.Charlie hat fünfmal an der Lord Mayors Schau mitgewirkt und wurde immer bei den Vorstellungen im altenAmphitheater verwendet, ist aber nie bösartig gewesen. Die Jury erkannte darauf Unfall als Todesursache.

Melken mit Hindernissen. Eines Tages begab es sich, daß einer arbeitsamen Bäuerin im Reichs⸗ landeetwas ins Kreuz fuhr und sie das Krankenlager aufsuchen mußte. Das war nun gar arg für die Bäuerin, ärger für den Bauer, am ärgsten aber für das Geißlein im Stalle. Im Anfange zwar machte das undankbare Vieh sich nicht viel aus den Gebresten seiner Nährmutter, es fraß gottlos des Tags über darauf los und freute sich sogar, daß es abends seinen kontraktlichen Verpflich⸗ tungen nicht nachzukommen brauchte, denn der Herr des Hauses kannte nicht das Geheimnis, aus strotzend ge⸗ schwollenem Euter durch leichten Druck und sanftes Streicheln die schäumende Milch abzuzapfen. Er hatte im Dämmerlicht zwar einen schwachen Versuch gemacht, war aber gleich mit mißtrauischen Blicken empfangen worden und hatte nach einigem unsicheren Tasten einen schlagenden Beweis von der Feinfühligkeit des Geißleins erhalten. Und nun war guter Rat teuer. Es fehlte zum Kaffee das kräftig duftende Naß, das in Verbindung mit Zichorie und einem schwachen Anflug von Bohnen so sehr die Nerven stärkt. Es schrie gar jämmerlich das Geißlein im Stalle ob des Ueberflusses an Milch. Da verfiel der Bauer auf die schöne Idee, die Geiß auf die ausgehobene Stallthür zu stellen und sie so auf diesem Präsentierbrett der Frau aufs Bett zu stellen. Damit war geholfen. Die gewandten Finger der Bäuerin hatten bald den Schatz gehoben und es lachte Bäuerlein, Bäuerin und Geißlein, das nach vollbrachter Operation wieder in den Stall gebracht wurde.

Wie sich ein biederer Plattdeutscher eine gute Hausfrau verschaffte. Allgemein be⸗ sprochen wird in der Umgegeud von Brainerd(Amerika) die Hochzeit des biederen schleswig⸗holsteinischen Farmers L. D. Katson. Die heiratsfähigen Damen der Umgegend gefielen ihm nicht und so kam er auf den Gedanken, die Wahl seines Hauskreuzes dem blinden Zufall zu überlassen. Also schrieb er, als er vor einiger Zeit wieder einmal eine größere Sendung Eier für den Kommissionshändler einpackte, auf eines derselben im geliebten Platt, daß er ein ansehnlicher Junggeselle sei und heiraten möchte. Seine Adresse fügte er auch hinzu. Ist's eine irische, die das Ei schließlich erhält, so versteht sie nicht die Inschrift, so spintisierte er, ist's aber eine Deutsche, so beißt sie viel⸗ leicht an, und jedenfalls versteht sie auch etwas vom Haushalt. Das Ei geriet dem, dem Hausstande vor- stehenden Töchterlein des deutschen Uhrmachers Zennen in Chicago in die Hände; sie setzte sich mit dem Ehekandi⸗ daten in Verbindung und kurz darauf war sie plötzlich verschwunden. Sie fuhr nach Brainerd, wo Katson sie am Bahnhofe empfing und als eheliches Gemahl heim⸗ führte. Nach der Hochzeit erhielten auch dieHerren Eltern in Chicago die Nachricht von dem Vorfall und daß Ludwig Detlef ein ganz prächtiger Ehemann sei, nur mit dem Hochdeutschen hapere es.

Auch eine Ansichtsendung. Die Ver⸗ breitung von Bildung ist an sich sehr löblich und dem deutschen Buchhandel haben wir in dieser Beziehung gewiß sehr viel zu verdanken. Nur darf die Art und Weise des Verschickens der Bücherzur Ansicht nicht lästig werden. Ein Zimmermeister in einer Stadt des deutschen Ostens wurde von einem Buchhändler fortgesetzt mit der⸗ artigen Ansichtssendungen überschwemmt. Mehrere Auf⸗ forderungen, diese Sendungen zu unterlassen, blieben er⸗ folglos. Da erschienen kürzlich zwei Arbeiter des Zimmer⸗ meisters in dem Geschäftslokale des Buchhändlers und legten dort einen starken Balken nieder mit der Mitteilung, den schicke ihr Meister dem Herrn Buchhändlerzur ge⸗ fälligen Ansicht.

Ein Bischof als Wirtshaus ⸗Refor⸗ mator. Bischof Egger von St. Gallen hat, wie schweizerische Blätter berichten, eine Reihe von Vorträgen über:Das Wirtshaus, seine Entartung und seine Re⸗ form gehalten. Nach seiner Ansicht soll versucht werden, das heutige Wirtshaus auf gütlichem Wege umzugestalten, anstatt ihm den Krieg zu erklären, dadurch, daß man ihm Wettbewerbanstalten entgegenstellt. Das Wirtshaus sei nun einmal ein gesellschaftliches Bedürfnis geworden, sollte aber deshalb auch Jedermann zugänglich gemacht werden, auch denjenigen, die entweder keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen oder auch gar nichts genießen wollen. Die Interessen des Wirtes könnten gewahrt werden durch Bezahlung eines Stundengeldes für den Aufenthalt im Wirtschaftsraum. Der Bischof verhehlt sich nicht, daß diese Neuerung bei den Wirten auf Widerstand stosten werde, aber das Volk habe das Recht, und die Macht bekanntlich auch, dieselbe zu erzwingen.

Engelmacherinnen. Ein sensationeller Prozeß beschäftigte das Bezirksgericht in Jekaterinenburg. Angeklagt waren drei Schwestern Terentjew, welche im Laufe von fünf Jahren gegen 150 ihnen zur Pflege übergebene kleine Kinder haben Hungers sterben lassen. Denjenigen Kindern, welche wahrscheinlich ein zuͤheres Leben hatten, wurde einfach der Schädel ein⸗ geschlagen. Die drei Angeklagten wurden zu 4, 6

und 8 Jahren Zwangsarbeit und demnächstiger Ansiede⸗ lung in Sibirien verurteilt.

Standesamtliche Nachrichten. Geburten.

Am 12. Jan. Dem Schlosser Bernhard Weidenhaus ein Sohn. Dem Bahnarbeiter Philipp Balser ein Sohn, Karl. Dem Hülfsdiener Franz Xaver Andreas ein Sohn, Franz Xaver Sebastian. Am 13. Jan. Dem Heizer Heinrich Hammel eine Tochter, Charlotte. Dem Metzger und Wirt Jakob Diel eine Tochter. Am 16. Jan. Dem Taglöhner Joseph Frey ein Sohn, Franz. Dem Bäckermeister Ernst Muth eine Tochter, Marie. Am 18. Jan. Dem Schreiner Philipp Rühl eine Tochter, Marie Christine. Am 20. Jan. Dem Gastwirt Joseph Stahl eine Tochter, Maria Theresia.

Aufgebote.

Am 18. Jan. Karl Kraft, Eisendreher zu Rödelheim, mit Susanna Kollsseus zu Sindlingen. Am 20. Jan. Wilhelm Weber, Landbriefträger zu Grünberg, mit Marie Rühl zu Burkhardsfelden. ö

Sterbefälle.

Am 15. Januar. Wilhelm Seipp, 28 Jahre alt, Landwirt von Trais-Münzenberg. Am 16. Januar. Johannette Franz, geb. Herbert, 56 Jahre alt, Witwe von Reallehrer Karl Franz dahier. Am 17. Januar. Johann Bischoff, Portefeuiller von Hausen, Kreis Offen⸗ bach, Musketier 7./116. dahier. Katharine Schmidt, 58 Jahre alt, von Wetzlar. Am 18. Jan. Christine Dörmer, geb. Schütz, 58 Jahre alt, Ehefrau von Kol⸗ porteur Hermann Dörmer dahier. Am 20. Januar. Elise Bott, 19 Jahre alt, Näherin dahier. Am 21.

Januar. Georg Zeiß, 49 Jahre alt, Wagner dahier. Am 22. Jan. Robert Sparr, 39 Jahre alt, Dienstmann dahier.

Kirchliche Anzeigen.* Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 24. Januar, 3. nach Epiphanias. In der Stadtkirche: Vorm. Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Dr. Grein. Nachm. 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäusgemeinde. Anmeldung bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.

Donnerstag, den 28. Januar, abends 8 Uhr, im Konfirmandensaal, Neustadt 61: Bibelstunde. Pfarrer Dr. Grein.

Nächstkünftigen Sonntag, den 31. Januar, wird Beichte und heil. Abendmahl für die Markusgemeinde im Abendgottesdienst gehalten. Anmeldung bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.

In der Johanneskirche: Vorm. Uhr: Pfarrer Din geldey. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lulasgemeinde. Pfarrer Din geldey. Nachm. 5 Uhr: Siehe Stadtkirche.

Montag, den 25. Januar, abends 8 Uhr, Bibel⸗ stunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Zweiter Johannesbrief Mahnung zu Wahrheit und Liebe. Pfarrer Dr. Naumann.

Sonntag, den 31. Januar, Beichte und heil. Abend⸗ mahl für die Lukasgemeinde im Abendgottesdienst. Anmel⸗ dungen bei dem Pfarrer erbeten.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 23. Jan. Der Magistrat beschloß in seiner gestrigen Sitzung einstim⸗ mig eine Petition an den Minister des Innnern, um Aufhebung der Verord⸗ nung bezüalich der äußeren Heilig hal⸗ tung der Sonntage zu richten.

Hd. Berlin, 23. Jan. Die Konferenz im kaiserlichen Reichsgesundheitsamt in Angelegenheit der Pestgefahr wird heute Vormitttaga Uhr unter dem Vorsitz des Direktors Köhler stattsinden.

Hd. Stettin, 23. Jan. Eine gestrige Versammlung der pommerschen Land⸗ wirte beschloß die Gründung einer Ge⸗ treide⸗Verkaufs. Zentrale mit dem Sitz in Stettin.

Hd. Budapest, 23. Jan. Die Minen und das Dynamitmagazin in Anina werden militärisch bewacht. Der Ausstand dauert fort. Insgesamt feiern 5000 Bergleute.

Hd. Rom, 23. Jan. Die Polizei in Civita Vecchia beschlagnahmte die Streikkasse der Hafenarbeiter.

Hd. Paris, 23. Januar. Das englische FrachtschiffMabel, welches für ein hie⸗ siges Geschäftshaus indische Teppiche an Bord hatte, wurde auf Anorduung des Ministeriums in Bougival mehrere Tage zurückgehalten und beaufsichtigt.

Hd. Brüssel, 23. Januar. Am nächsten Dienstag beginnt die Debatte über die Revision des Kgammer-Reglements. Die Sozialisten werden die Vorlage mit großer Heftigkeit bekämpfen.

Hd. London, 23. Januar. Ein heftiger Schneesturm wütete gestern in London und vielen Gegenden Englands. Auch im Kanal wütete der Sturm heftig. Der Dampfer Salisbury stieß mit einem noch unbekannten Zweimaster zusammen. DemSalisbury wurde der Bug eingestoßen. Der Zwei⸗ master ist anscheinend untergegangen.

Hd. Madrid, 23. Jan. General Wehler hat Befehl erteilt, daß alle Pflanzungen, welche den Aufständischen den Nutzen sein könnten, zerstört werden. Die Handelskammer hat die Abberufung des Generals Weyler wegen Ueberschreitung seiner Machtbe⸗ fug nisse beantragt.

Gießen, den 23. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 7595, Hühner⸗ eier 1 Stück 78, Enteneier, Gänseeier, Käse 58, Käsematte 3, Erbsen per Liter 18, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 7090 Pfg., Hühner p. St. 1,00 1,20, Hahnen 1,20 1,50, Enten 1,50 1,70, Gänse per Pfund

48 54, Ochsenfleisch 66 74, Kuh⸗ und Rindfleisch 60

bis 66, Schweinefl. 56 66, Schweinefl., gesalz. 70 72, Kalbfleisch 50 54, Hammelfleisch 5065, Kartoffeln pro 100 Kilo 4,50 5,00, Zwiebeln per Zentner 4,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.

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