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anuar 1897 ge.
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Ludwigs 8 ab med 1
, Mainz Schöffersraße g.
Mannheim eitesraße N
Metz Goldschmiedst. 97. Minden Scharn⸗ und Bader
straßen⸗Edhe. M. ⸗Rladbach
Crefelderstraße 67.
Mülheim a. R 5 Wallstraße 95
Mülheim⸗Ruhr Koblenkamp 30.
Münster Rothenburg 3.
Naumburg Markt 8.
Neuß Büchel 46.
Neunkirchen Babnbosstraße 22. Oberhausen Marktstraße 32.
Offenbach Markt II.
Osnabrück Großestraße 3738
Nemscheid Alleestraße 3.
wweydt Friedrich Wilhelm straße 7I.
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Ruhrort 1 Fabrilstraße 46. a Schalle Wilbelmstraße II.. Solingen 5 Kasserstraße 97.. Steele Cbausseestraße 19. St. Johann. Babnbosstraße 48. 1 Straßburg f Langstraße 114. Trier 0 Fleischstraße 32. Weimar ö Marktsnraße 18. 0 Weißenfels Adensraße 7. Werden 0 gubefraße 35. 1 Wesel Breite Brüden. 88. Wiesba dea Langgasse““ Witten 0 Babubossroße 59 Worms 3¹ 1 7 1 1
Gießen, Sonnabend, den 23. Januar
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1897.
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Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe Gießen.
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Postztg. Nr. 3239 a. Telephonu⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.
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Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 21. Januar.(Sitzung der Stadt⸗ verordneten.) Oberbürgermeister Gnauth über⸗ mittelt dem Kollegium den Dank der Verwandten des Professor Credner und der theol. Fakultät unserer Hoch⸗ schule für den Beschluß, eine der neuen Straßen„Credner⸗ straße“ zu nennen. Gleichzeitig teilt der Oberbürger⸗ meister mit, daß der Verkauf des Holzes aus den städt. Waldungen, durch freihändige Einziehung von Offerten, das erfreuliche Resultat erzielt habe, daß, während der Taxpreis für diese Hölzer pro Festmeter 20 4, im Ganzen 14048, ergeben habe, dafür offeriert sei je nach Qualtität 19 4 60, 20/ 60, 22 1 60 für das beste Nutzholz 29 4 55 pro Festmeter im Ganzen aber 18 272, 67, also ein Plus von rund 4000“ über den Taxpreis, sodaß der Zuschlag an die Bestbietenden erteilt worden sei.— Der Vermietung eines Kellers unter dem Realschulgebäude an den Gärtner Karl Becker zur Aufbewahrung von Blumenzwiebeln zum Jahrespreise von 40/ wird zugestimmt.— Einem Gesuch von A. und L. Rübsamen um Erlaubnis zur An⸗ lage eines Schienengeleises auf der Schützen- und Rod⸗ heimerstraße nach der Hammstraße zum Zwecke der Heranschaffung des zur Aufschüttung der Hammstraße be⸗ nötigten Kieses(9400 Kubikmeter) wird stattgegeben unter der Bedingung der ordnungsmäßigen Herrichtung der Straßenstrecken nach beendeter Arbeit.— Dem Gärtner Wilhelm Bernhardt war vor einem Jahre gestattet wor⸗ den, an der Frankfurterstraße, gegenüber dem früher Mattheisschen Grundstück, also außerhalb des Bebauungs⸗ planes Gewächshäuser zu errichten. Dem weiteren Ge— such auf seinem dortigen Gelände eine Halle zum Verkauf von Sämereien zu errichten, wird von der Versammlung nicht stattgegeben.— Ebenso wird ein Baugesuch der Brüder Schmidt für den Seltersweg beanstandet. Das zu bebauende Gelände, zwischen dem Hause der Gesuch⸗ steller und dem Hause der Firma Nowack gelegen, hat nur eine Front nach der Straße zu von 6 Meter 75 Centimeter, während das Ortsbaustatut eine Breite von 8 Meter vorschreibt. Es ist auch die aus feuersicheren Gründen vorgeschriebene Durchfahrt beim Bau nicht vor⸗ gesehen. Jedoch wollen dafür die Gesuchsteller einen Hydranten im Hof anlegen, auch eine Einfahrt zum Hof⸗ raum des neuen Hauses über den Hof ihres Nachbar⸗ grundstücks hinweg, durch grundbuchlichen Eintrag für alle Seiten sichern. Der vorgelegte Bauplan verstößt aber noch in anderer Hinsicht gegen die baupolizeilichen Bestimmungen. Die Stadtverordneten Scheel und Schmall traten zwar für die Genehmigung des Ge⸗ suches ein, die Mehrheit der Versammlung stimmte aber für Beanstandung.— Die Feststellung der Baufluchtlinie ist vor Jahren für eine Straßenbreite von 11 Meter, ohne die Vorgärten festgestellt. Durch Bebauung der Seite der Straße nach Steins Garten zu, welche im laufenden Jahre bevorsteht, ist die Sache praktisch ge⸗ worden und durch die betreffenden Interessenten die Frage angeregt, ob für die Straßenbreite nicht schon 10 Meter genügen würden. Es würden bei 11 Meter 2 Meter tief das Gelände von Steins Garten zur Straße heran⸗ gezogen werden müssen. Die Baudeputation ist der An⸗ sicht, daß die Straßenbreite von 10 Meter genügt, da der Verkehr doch hauptsächlich durch die Gartenstraße nach dem Schiffenbergerweg usw. sich hinzieht. Dem stimmt die Versammlung auch zu.— Es werden zu Lasten des Etats pro 1897/98 600, bewilligt zur Verlängerung des Entwässerungskanals von der neuen
Kaserne zum Zwecke der Berieselung des städt. Obstbaum⸗ stückes und der dortigen Wiesen. Zur endgiltigen Be⸗ festigung des Bürgersteiges auf der Nordseite des Linden⸗ platzes mit Basaltpflasterung werden 220/ zu Lasten des nächstjährigen Budgets bewilligt.— Für die Er⸗ höhung und den Ausbau städtischen Trottoiers sollen nach einem vor etwa zehn Jahren von der Versammlung ge⸗ faßten Beschluß pro Jahr 13 000& verwendet werden.
Arbeiten die Ergänzung der Bürgersteige des Marktes und der Mäusburg mit einem Kostenvoranschlag von 5200„ Die Löberstraße von der Bismark- bis zur Bleichstraße längs der Häuserreihe veranschlagt zu 2700 ,, denen allerdings 1400/ in Einnahme gegenüberstehen, durch Heranziehung der Anlieger zu diesen Kosten in vor— gedachter Höhe. Weiter kommt hinzu die Licherstraße, veranschlagt zu 3200 Mark, von welcher Summe ebenfalls der Kostenanteil, den die Anlieger zu tragen haben würden, in Abzug kommt. Weiter ist aber noch vom Stadtbauamt vorgeschlagen der Umbau der Südanlage längs der Häuserreihe, und zwar in der Weise, daß ein 3,2 Meter breiter Fußweg, halb asphaltiert und die andere Hälfte wegen der darunter befindlichen Gas⸗ und Wasserleitung mit Mosaikpflaster ausgeführt, hergestellt wird. Zwischen dieser Fußgänger— passage und der Fahrbahn ist ein 1,5 Meter breiter Reit⸗ weg geplaut. Die Ausführung dieses Projekts würde laut Voranschlag 24000/ kosten. Die Baudeputation schlägt vor, von der Erhöhung und Anlage der Bürger— steige in der Löber- und Licherstraße vorerst abzusehen und die vorgeschlagenen Arbeiten am Marktplatz und an der Mäusburg, sowie das Projekt für die Südanlage pro 1897/98 auszuführen. In einer Eingabe von Anliegern wird auf die trostlosen Zustände dieser Straße haupt⸗ sächlich bei Regenwetter hingewiesen und um Abhilfe gebeten. Stadtv. Löber fragt an, wie es mit der Regu⸗ lierung des Gäßchens am Neuenweg eigentlich stehe. Der Oberbürgermeister erklärt, daß es sich hier immer noch um die Erklärung eines Verzichtes der Witwe Mamberger handle, die aus gewissen Gründen immer noch nicht ab— gegeben sei. Stadtv. Wallenfels weist auf die für Fußgänger lebensgefährliche Passage der Weidengasse hin und bittet, wenigstens zu erwägen, ob hier nicht ein ein⸗ seitiger erhöhter Bürgersteig anzulegen sei. Der Ober⸗ bürgermeister verspricht, das Stadt⸗Bauamt zu veranlassen, einen derartigen Plan und Kostenanschlag für die Weiden⸗ gasse aufzustellen. Stadtv. Haubach ist der Meinung, daß man die Verbesserung der Fußgängerpassage für die Licherstraße pro 1897/98 ausführen solle, umsomehr, als hier der Verkehr nach der Kaserne ein stärkerer geworden sei. Auch der Fußweg in der Wilhelmstraße sei bei nassem Wetter vollständig unpassierbar. Stadtv. Kirch äußert seine Bedenken dem für die Südanlage projektierten Reitweg gegenüber. Der von diesem aufpirbelnde Staub bilde eine Belästigung der Spaziergänger, außer⸗ dem bilde ein solcher Weg eine fortwährende Gefahr für die Passanten an den Uebergängen, da mau auf denselben das Herannahen des Reiters nicht hört. Auch für die an der Anlage spielenden Kinder bilde ein Reitweg, der durch Barrièren nicht abgeschlossen sei, eine ständige Gefahr. Es komme noch hinzu, daß ein so kurzes Ende Reitweg,
wie man es hier anzulegen beabsichtigt, kein so großes Interesse für den Reitsport habe. Der Oberbürgermeister legt die Gesichtspunkte dar, welche die Baudeputation ver⸗ anlaßt hätten, auf der Südanlage, die ja breit genug sei, den Anfang mit der Anlage von Reitwegen zu machen. Stadtv. Dr. Gaffky erkennt die von seinem Kollegen
Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Nachdruck verboten.) (Jortsetzung.)
Es gab nur einen, dem sie jemals angehören konnte. Vor drei Jahren, als sie eben erwachsen, allein die Verwandten Palzin auf ihrem Laudgute besuchte, hatte sie ihn kennen gelernt, Lothar von vossen, den geistvollen, eleganten Offizier, der alles so wunderbar gut verstand, das Reiten, das Tanzen, am besten aber— das Unterhalten.
Er sprach nicht über außergewöhnliche Dinge, nur über Musik, Malerei, Bücher. Aber was er sagte, hatte einen besonderen Reiz für sie gehabt. Er war eine feinfühlende Natur, die jedes Kunst— werk voll auf sich wirken ließ, und sein scharfer Verstand ließ ihm die Fähigkeit, den gewonnenen Eindruck klar zu zergliedern und in die rechten Worte zu kleiden. Auch, sie war künstlerisch reich beanlagt, hatte viel gelesen in ihrem stillen, jungen Leben mit steis wachsendem Verlangen nach neuer Nahrung für Geist und Phantasie. Aber ihr Er⸗ fassen der Dinge geschah noch mehr unbewußt. Von seinen Lippen hörte sie manches, das sie selbst un⸗ klar gefühlt hatte, und zum ersten Male fand sie in seiner Gegenwart den Mut eigener Ansicht und versuchte, derselben Ausdruck zu verleihen.
Zuweilen geschah es, daß sie im Reden, Lieb- lingsstellen aus den Klassikern zitierte, welche so lebendigen Widerhall in ihr gefunden, daß sie sie mühelos wiedergeben konnte. Dann half er ein, wo sie stockte, und erzählte von neuen Sternen der Litteratur, die ihm kürzlich aufgegangen waren. Nicht immer stimmten sie überein, aber sie ver⸗
standen sich stets.
Wie lebendig jene wenigen, glückseligen Tage
noch in ihrer Erinnerung lebten! Greifbar deutlich sah sie alles vor sich, was ihr jene goldene Zeit der ersten Liebe so romantisch verklärt hatte— den dunklen Park, vom Mondlichte übergossen, in den sie mit ihm von der Veranda hinabgeschaut hatte in jener warmen Sommernacht, als Palzins ihr zu Ehren einen Ball gegeben, und noch meinte sie den Duft der Lilien zu spüren, die damals geblüht. Dann sah sie sich in seinen Armen durch den Tanz— saal fliegen, hörte ihn, über Onkel Palzins Mappe mit italienischen Bildern gebeugt von dem Lande ihrer Sehnsucht erzählen, das er durchstudiert und durchgenossen hatte mit der ihm eigenen Empfäng— lichkeit. Wie manchen kleinlichen Kummer hatte sie vergessen gelernt über dem Anschauen antiker Götter— gestalten oder eines Stiches nach Rafael! Er kannte jene unsterblichen Werke selbst, nicht nur wie sie, den dürftigen Abdruck, und er wußte alle ihre Fragen zu befriedigen.
Er war damals oft von Falkenberg herüberge— kommen, seiner kleineu, nahegelegenen Garuison. Am letzten Tage hatten sie gemeinsam eine Kähn— sahrt unternommen auf einem kleinen Waldsee, ihr Oukel mit den Kousinen, der fröhlichen Emma und dem redseligen Lottchen von Palzin, in dem einen, sie mit Lossen in dem anderen Boote. Wie herrlich beschrieb er ihr dabei den Chiemsee, den er auf seinen Reisen besucht! Sie kannte jenen schönen Erdenfleck nur aus Karl Stielers Gedicht vom Mönche Eliland.
„Eine stille Zelle
An blauer Welle
Das ist mein Leid,“ „Ich hab' mein Leben An Gott gegeben
Und das ist sein.
und weiter:
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In Ausficht genommen pro 1897/98 waren zu diesen,
Kirch erwähnten Gefahren eines Reitweges für die Süd⸗ anlage nicht an. Stadtv. Haubach stellt den Antrag, pro 1897/98 außer auf dem Markt und längs der Mäusburg und dem Südanlageprojekt noch die Erhöhung des Bürgersteiges in der Licherstraße zur Ausführung zu bringen und den Betrag dafür in das nächstjährige Budget einzustellen. Stadtv. Kirch stellt den Antrag, die Anlage des geplanten Reitweges im Südanlageprojekt abzu⸗ lehnen. Stadtv. Petri als Mitglied der Baudeputa tion bemerkt, daß diese nur, um den Wünschen einiger Offiziere unserer Garnison nachzu⸗
kommen, der Anlage des Reitweges für die Süd⸗
anlage zugestimmt habe. Die Anträge Haubach und Kirch werden angenommen.— Für den vollständigen Ausbau der Ebelstraße werden pro 1897/98 18 000 44 genehmigt.— Zur Anschaffung eines Pantographen mit dazu gehörigem Tisch für das Vermessungsbureau werden 400&& zu Lasten der Rechnung pro 1897/98 bewilligt. — Ebenso soll der Durchgang über das Grundstück der Stadtknabenschule zur Nachtzeit verboten werden.— Der Oberbürgermeister teilt der Versammlung mit, welche Verhandlungen er mit dem Kreis amt wegen der Teilnahme an der Abstimmung betreffend die Verlegung des Viehmarktplatzes seitens des Stadtverordneten Grünewald geführt habe, und daß nunmehr der Ausführung dieses Beschlusses seitens des Oberbürgermeisters sowohl wie seitens der Aufsichtsbehörde nichts mehr im Wege stehe, und es sich empfehle, eine Kommission von 6 Mitgliedern für die Ausführung des Beschlusses zu wählen. Stadtv. Schmall stellt den Antrag, statt 6, 10 Milglieder zu dieser Kommisfion zu wählen. Der Antrag wird ange⸗ nommen und, nachdem die Stadtv. Gaffky und Kirch gebeten, von ihrer Wahl abzusehen, die Kommission ge⸗ bildet wie folgt aus den Stadtverordneten: Grünewald, Haubach, Helfrich, Loos, Schmall, Wallen⸗ fels, Vogt und Petri, dem Etisenbahnbaumeister Horstmann und dem Professor Dr. Winkler. Der Oberbürgermeister macht die Mitteilung, daß, nachdem die Beigeordneten Grüneberg und Georgi abgelehnt hätten, den Vorsitz in der Kommission zu übernehmen, der Bei⸗ geordnete Wolff den Vorsitz führen werde.— Es folgt eine geheime Sitzung.
* Gießen, 22. Jan.(3proz. hessische Staatsanleihe von 1896.) Nach einer Be⸗ kanntmachung die Zulassungsstelle für Wert⸗ papiere an der Börse zu Berlin hat die hessische Staatsschulden-Kommission den Antrag gestellt, die 3proz. großherzoglich hessische Staatsanleihe, die nach dem Gesetz vom 3. Oktober 1896 im Betrage von Nominal 93,250,000 1 zum Um⸗ tausch der Aktien der Hessischen Ludwigsbahn und für die Deckung des nach dem Staatsver— trage zwischen Hessen und Preußen vom 23. Juni v. Is. sich weiter ergebenden Bedarfs von 96 Millionen 4 aufgenommen wird, zum Börsen— handel an der Berliner Börse zuzulassen. Die Einführung soll durch die Bank für Handel und Industrie hier erfolgen.
* Gießen, 22. Januar. Die gestrige zweite Vorstellung des hiesigen Theater-Vereins war wiederum gut besucht, trotzdem der Am— berg⸗Vortrag in Steins Saal starke Konkurrenz machte. Gespielt wurde von Mitgliedern des Frankfurter Stadttheaters das Bauern—
Das wend' ich nimmer, Doch denk ich immer: O' wär' es mein!“
Mit wunderbarer Wärme hatten Lossens Blicke auf ihr geruht, als sie die Verse sprach.„Welch klagliches Schicksal“, sagte er dann,„wenn man sich wie dieser Mönch durch eigene Unvernunft um sein Glück gebracht hat, durch ein Verkeunen der gütigen Absicht des Schöpfers, der uns nur in dem Weibe, das wir lieben, zur eigenen Vollendung kommen läßt!“
Als bald darauf ein Unwetter losbrach, hielt er sorglich den Schirm über sie und sagte leise und innig:„Wer doch immer so schützend neben Ihnen gehen könnte!“ Wieder hatte sie dabei jener seltsam warme Blick getroffen, der sie beseligte. Beim Ab— schiednehmen aber bat Lossen um die Erlaubnis, sie und ihre Mutter aufsuchen zu dürfen, wean er im Winter zur Turuschule kommandiert werde. Warum nur war er dann doch nicht gekommen, trotz ihrer freudigen Bejahung, warum hatte er sie immer ver⸗ geblich warten lassen nun schon drei Jahre lang, bis sie darüber die harmlose Fröhlichkeit ihrer ersten Mädchenjahre verlor? Sie seufzte. Hatte er jenes erhoffte Kommando nicht erhalten und seitdem keine Möglichkeit zur Anwesenheit in der Reichshaupt⸗ stadt gefunden?
Sie ahnte nicht, daß ein ganz anderer Grund ihn von ihr fern hielt. Erst nach ihrer Abreise hatte der Lieutenant von Lossen erfahren, daß Fräu— lein von Helling nicht die reiche Erbin sei, für welche er sie gehalten, sondern nur die nötigste Zu— lage besaß. Sofort verlor sich ihr Reiz in seinen Augen. Denn sich einzuschränken, dazu war Lothar von Lossen nicht der Mann. Den edelsten Reben⸗ saft, das feinste Tabakskraut, eine mit künstlerischem
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feldsche Lustspiel„Bürgerlich und roman⸗ tisch“. Die Aufführung war mustergiltig. Einzelne der Künstler und Küustlerinnen sind ja hier bereits auf das Vorteilhafteste bekannt, die erstmalig hier gastierenden Damen und Herren führten sich vorzüglich ein. Es wäre ungerecht, wollten wir einzelne Personen besonders er⸗ wähnen,— alle waren am richtigen Platz und füllten ihn gut aus. Wenn Frl. Bock durch Beifall hervorragend ausgezeichnet wurde, so ist das wohl auf die dankbare Rolle(Katharina von Rosen) zurückzuführen, größter Meisterschaft spielte.— Es war ein ge⸗ nuß reicher Abend.
Gießen, 22. Januar. Der vom Kauf⸗ männischen Verein und Ortsgewerbe⸗ verein gestern Abend veranstaltete erste Ex⸗ perimental⸗Vortrag des Physikers Gustav Amberg hatte ganze Scharen von une angelockt. Lange vor Beginn der Eröff nungs⸗ stunde waren schon Hunderte anwesend. Es war aber auch ein Elite-Abend. Ambergs populär⸗wissenschaftlicher Vortrag war ein Meister⸗ stück. Besonders interessant waren die zahlreichen Demonstrationen mit der Maschine, mittels deren er u. a. elektrisches Licht erzeugte. Es ist zu erwarten, daß der heute Abend stattfindende zweite Vortrag noch interessanter sein wird. a
* Gießen, 22. Jan.(Naturseltenheit.) In dem hiesigen Dominialwald wurden gestern von den Herren Forstwart Schlag und Jagd⸗ pächter Dr. Felfsing junge Hasen vor⸗ gefunden, was bei dieser Jahreszeit gewiß als eine Seltenheit bezeichnet werden muß.
»Gießen, 22. Jan. In Amerika giebt es verschiedenelandsmannschaftliche deutsche Blätter, die ihren Lesern nur Nachrichten aus der alten Heimat übermitteln. Für die Hessen gab es deren seit einigen Jahren sogar zwei, allein dieselben haben sich nun vernünftigerweise verschmolzen und erscheinen fortan wöchentlich unter dem Titel:„Hessen-Darmstädter Zeitung und Hessische Blätter“, die als das einzige Organ der Hessen in Amerika angesehen sind, das aus⸗ führliche Nachrichten aus dem Großherzogtum Hessen, Hessen⸗Nassau und Hessen⸗Homburg ver⸗ öffentlicht.
◻YLollar, 22. Januar. Die älteste Ar⸗ beiterin in der Tabakfabrik des Herrn Emelius in Gießen wurde gestern hier zu Grabe getragen. Die Mitarbeiter und Arbeiterinnen begleiteten den Sarg der Verewigten und legten am Grabe einen Kranz nieder.
g. Rödgen, 21. Januar. Der Tagelöhner Heinrich Inderthal verunglückte gestern Vormittag bei den Erdausschachtungs⸗Arbeiten zum Neubau der Haltestelle. Der Be⸗ dauernswerte geriet unter eine abstürzende Erdmasse, unter welcher er als Leiche her— vorgeholt wurde.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Feingefühl ausgestattete Umgebung, große Gedanken in schöner Form— das alles wußte er nicht nur nach vollem Werte zu schätzen, nein, das brauchte er, um in Stimmung zu bleiben. Freilich war ihm die Ausbildung seines Geschmeckes in diesen ver— schiedentlichen Richtungen teuer zu stehen gekommen. Sie hatte den größten Teil des staͤttlichen, väter⸗ lichen Vermögens verschlungen, und die letzten Schulden bezahlte der grollende Alte nur unter der Bedingung seiner Versetzung aus der Garde in das Linienregiment in Falkenberg— aber dort konnte er unmöglich Wurzel fassen und all sein Sinnen und Trachten strebte zur Hauptstadt, zur Garde zurück. Dazu konnte ihm aber Regine mit ihren geringen Mitteln nicht verhelfen. Dann brachte er sein lebhaftes Interesse für das schöne, begabte Mädchen weislich zum Schweigen und vermied sorg⸗ fältig jede Begegnung mit ihr, damals sowohl als auch jetzt, da ihn ein neues Kommando nach Berlin geführt.
Regine wußte nicht, daß er, der Gegenstand ihrer Sehnsucht, nur wenige Straßen von ihr ent⸗ fernt jetzt ein anderes junges Mädchen mit jener Aufmerksamkeit beehrte, die ihr Glück ausgemacht hatte. Feeilich konnte er mit der niedlichen, sehr
alltäglichen Kommerzienratstochter, deren Groß vater
Regine, führen. Aber die Kleine war ja jung, liebte ihn; sollte es nicht eine seiner würdige Auf— gabe sein, sie zu seiner geistigen Höhe emporzu⸗ ziehen, zu veredeln? Ihr Vermögen würde nicht nur seine neuerdings gemachten Schulden decken, es
die sie allerdings mit
dynamoelektrischen
das stattliche Vermögen im Viehhandel erworben 0 hatte, nicht die ästhetischen Unterhaltungen wie mit
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sicherte ihm auch ein glänzendes Auskommen, sogar N in der Garde. 9 (Fortsetzung folgt.) N
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