Ausgabe 
22.1.1897
 
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Nr. 18

Gießen, Freitag, den 22. Januar

1897.

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Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.

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Redaktion:

2 Kreuzplatz Nr. 4. 2

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.

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Expedition: 3

Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 21. Jan. Am 24. Februar d. J. sind 25 Jahre verflossen, seitdem das Mini⸗ sterium des Innern verfügt hat, für den Bezirk der Stadt Gießen eine aus 7 Mitgliedern be stehende Handelskammer zu errichten. In⸗ zwischen ist deren Mitgliederzahl auf 9 erhöht worden, während die Handelskammer zu Darm⸗ stadt ebenfalls schon seit 25 Jahren 15 Mit⸗ glieder stark ist. Auch bei uns in Gießen hegt man in den Kreisen der Handelstreibenden den Wunsch, daß die Mitgliederzahl unserer Handels kammer vermehrt werde, und wurden dahin Meran Ansichten und Wünsche jüngst in einer

ersammlung von Interessenten laut. Man geht hierbei von dem sehr richtigen Gesichtspunkt aus, daß bei den vielseitigen Aufgaben dieser Korporation, deren Beratung und Erwägung nach allen Seiten und von verschiedenen Gesichts- punkten aus im Interesse des Handels liege, diese mit 9 Mitgliedern zu schwach sei. Man ist ferner der Meinung, daß, je mehr Arbeits kräfte durch neue Mitglieder der Kammer zu geführt würden, um so gründlicher ließen sich Fragen, welche teilweise von großer Bedeutung für den Handel unserer Stadt sind, prüfen und bearbeiten. Es bedarf ja auch, um diese Ver stär kung der Kammer herbeizuführen, nur eines Antrages seitens derselben an das Ministerium, welches gewiß nicht anstehen wird, diesem Antrag stattzugeben.

* Gießen, 21. Jan. Dem Vernehmen nach sollen auch Verhandlungen schweben wegen even tuellen Ankaufs eines Teiles des Wiener Hofes zur Errichtung des projektierten Vol ks⸗ bades. Es soll, wie man uns mitteilt, im Ausschuß Stimmung für dieses Gelände vor handen sein, weil es besonders billig zu haben wäre. Soweit wir orientiert sind, wird es bei der Bebauung des Geländes des Wiener Hofes auch wegen der zukünftigen Gestaltung desselben, mit der städtischen Behörde Schwierigkeiten geben.

Gießen, 21. Jan. Dem Vernehmen nach beginnt das nächste Schwurgericht am Montag den 1. März. Für dasselbe sollen bereits 3 Fälle spruchreif sein.

K. Queckborn(bei Grünberg), 21. Jan. Das diesjährige Bezirks ⸗Kriegerfest des Bezirkes Grünberg findet in diesem Jahre hier⸗ selbst und zwar in Verbindung mit der Fahnen weihe des hiesigen Kriegervereins statt. Der Festplatz wird in unmittelbarer Nähe des von der Stadt Gießen gebauten Wasserwerkes ange legt. Die Anfertigung der Fahne wird der Firma Schulze in Gießen übertragen.

A. Grünberg, 21. Januar. Am Sonntag hielt Herr Fleischhauer in Stangenrod bei Gastwirt Bock eine antisemitische Versamm⸗ lung ab, die den Zweck hatte, einen Bauern- Verein zu gründen, zu dem sich im Ganzen 12

* Friedberg, 20. Jau. Obstbauschule und lichen Winterschule Jahre ein ordentlicher und außerordentlicher Lehrgang abgehalten. Der ordentliche Lehrgang dauert vom 15. März bis 1. Oktober(im Juni sind Ferien); die aufzunehmenden Schüler müssen ein Alter von mindestens 16 Jahren haben; die Lehrfächer sind Agrikultur-Chemie, Bodenkunde und Düngerlehre, Botanik(Morphologie, Ana⸗ tomie und Physiologie des Obstbaumes), Zoologie(die tierischen Schädlinge und Nütz⸗ linge des Obstbaumes), Obstbau und Obstver wertung, Wirtschaftslehre, Buchführung, Deutsche Sprache, Rechnen, Zeichnen, Uebungen im chemischen und botanisch-physiologischen Labora⸗ torium, Uebungen im Obstbau. Honorar für Hessen 30, für Nichthessen 50% Der außerordentliche Lehrgang setzt sich wie folgt zu sammen. a. Kursus für Baum- und Straßen⸗ wärter. Beginn am 15. März. Dauer zehn Wochen und zwar 7 Wochen im Frühjahr, zwei Wochen im Sommer, 1 Woche im Herbste. Die Teilnehmer müssen ein Alter von mindestens 16 Jahren haben. Theoretischer Unterricht von 1012, Uebungen im Obstbau und praktischen Arbeiten von 7 bis 10 und 2 bis 6 Uhr täglich. Honorar 10, Schüler, die von Landwirt schaftlichen Bezirksvereinen, Gemeinden ꝛc. Hessens geschickt werden, sind honorarfrei. b. Repeti⸗ tionskursus für Baum⸗ und Straßenwärter. Dauer vom 10. bis 15. Mai. Für Baum⸗ und Straßenwärter, die schon einen Kursus im Obst bau durchgemacht oder längere Praxis hinter sich haben. 10 Teilnehmer aus Oberhessen er halten vom Oberhessischen Obstbauverein eine Reisevergütung von 10. Der Kursus ist honorarfrei. Nach bestandener Schlußprüfung können die Teilnehmer den TitelVereinsbaum⸗ wart des Oberhessischen Obstbauvereins er halten. e. Obstbaukursus für Geistliche, Lehrer und sonstige Freunde des Obstbaues. Dauer 14 Tage. 1. Teil vom 26. April bis 1. Mai. 2. Teil im Sommer nach Uebereinkunft mit den Teilnehmern. Honorar für Hessen 10, für Nichthessen 15. d. Kursus für die Kandi⸗ daten des Prediger-Seminars und Freunde des Obstbaues aus Friedberg und Umgebung. Dauer vom 14. Mai bis Ende August. Vorträge Freitag von 57 abends; Uebungen im Obst⸗ bau Samstag Vormittag und Montag nach⸗ mittag. Honorar für Hessen 10 M., für Nicht⸗ hessen 15 M. e. Obstverwertungskursus für Frauen. Vom 13. bis 18. September. Honorar 10 M. für Teilnehmerinnen aus Hessen, sonst 15 M. kt. Obstverwertungskursus für Männer. Vom 11. bis 16. Oktober. Honorar für Hessen 10 M., für Nichthessen 15 M. Der Unterrichtspltan und die näheren Bestim mungen sind durch die Direktion der Anstalt zu erhalten.

* Darmstadt, 19. Jan. Die Existenz der kürzlich gegründeten katholischen

An der Großh. Landwirtschaft⸗ wurden in diesem

Nassovia scheint Anlaß zu Konflikten an der hiesigen Technischen Hochschule zu geben. Eine von etwa 700 Studenten besuchte Ver sammlung hat einstimmig den katholischen Ver bindungen, insbesondere derNassovia, jede Existenzberechtigung abgesprochen und will sie von allen Festlichkeiten ausschließen, insbesondere soll der Rektor der Hochschule gebeten werden, derNassovia schon das Fernbleiben bei dem nächsten Kaiserkommers nahezulegen. Der Be⸗ schluß wird u. A. damit motiviert, daß zur Gründung konfesstioneller Verbindungen an der Technischen Hochschule kein Anlaß vorliege.

* Offenbach a. M., 19. Januar. In der

konstituirenden Sitzung der Handelskammer wurden für 1897 Geh. Kommerzienrat Gustav Boehm zum zweiten Vorsitzenden einstimmig wieder gewählt. Mainz, 20. Januar. In der, heutigen Sitzung der Stadtverordneten versamm⸗ lung kamen endlich die vielfach an dieser Stelle besprochenen Anträge, betr. die unentgelt liche Lieferung der Lehrmittel an die Schüler der Volksschule zur endgültigen Beschlußfassung. In einer früheren Versamm⸗ lung waren 3 Auträge unterbreitet worden. Der sweitgehendste Antrag war von der sozial demokratischen Fraktion der Versammlung eingebracht: sämtliche Lehrmittel den Volks- schulen unentgeltlich zu verabfolgen. Ein An⸗ trag des Herrn P. Schäfer ging dahin, den Kindern der Volksschule nur die Schreib- und Zeichenmaterialien unentgeltlich zu liefern, und ein Antrag des Herrn N. Reis wollte, daß nur diejenigen Kinder der Volksschule die Lehr mittel erhalten, deren Eltern mit weniger als 900 M. jährlichem Einkommen, zur Einkommen⸗ steuer herangezogen sind. Nach zweistündiger, teilweise heftiger Debatte wurden sämtliche Anträge mit großer Najorität abgelehnt, und zwar der sozialdemokratische Autrag mit 28 gegen 9 Stimmen, der Antrag des Herrn Schäfer mit 26 gegen 11 Stimmen und der Antrag des Herrn Reis mit 29 gegen acht Stimmen. Die Sozialdemokraten erklärten, den Antrag so lange einzubringen, bis er endgiltig Annahme gefunden habe.

* Mainz, 20. Jauuar. Unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gaßner, in Gegenwart von Mitgliedern der Stadtver ordnetenversammlung, des Schulvorstandes, des Vorstandes der Frauenarbeitsschule und des Vereins für Volkswohlfahrt fand heute Nach mittag in dem Sitzungssaale der Stadtverord netenversammlung eine Besprechung über die Einführung des Koch- und Haushaltungs⸗ unterrichtes in Mainz statt. Zu dieser Be sprechung war auch Frl. Auguste Förster, die Leiterin des hauswirtschaftlichen Unterrichts an der Volksschule zu Kassel, zugezogen. Nach ein⸗ gehender Beratung, in der besonders Fräulein Förster ihre in Kassel gesammelten Erfahrungen

Verbindung

darlegte, kam man zu der Ueberzeugung, daß

Mitglieder meldeten.

Ihre erste Liebe.

Novelle von E. von Bischdorf. (Nachdruck verboten.)

Wie gefällt Dir eigentlich Vetter Lix, Regine? fragte Frau Oberst von Helling ihre Tochter, als sie eben beim ersten Frühstück saßen, und schob mit der Hand dabei sorglich ein paar Krumen für die Spatzen zusammen. Ihrem praktischen Sinne wider stand es, auch nur einen Brocken in ihrem Haus halte umkommen zu lassen. Sie hatte einen offenen Blick für das Nächstliegende und pflegte mit ihren Gedanlen nicht in den Wolken zu weilen, wie ihre Fräulein Tochter, die unverbesserliche Phantastin, es zu thun beliebte.

Die kleine, blonde, rundliche Dameß mit den hellen freundlichen Augen war noch immer eine an ziehende Erscheinung zu nennen. Um in der Nähe des Sohnes zu sein, welcher bei einem Garde Kavallerieregimente stand, lebte die Witwe schon seit Jahren in Berlin mit ihrer einzigen Tochter.

Diese bildete auch äußerlich den denkbar größten Gegensatz zur Mutter. Hoch und schlank gewachsen trug sie den schön geformten, von dunkeln Flechten gekrönten Kopf mit vornehmer Grazie. Die edel geschnittenen Züge wurden von tief braunen Augen belebt, welche einen verlorenen Blick hatten, als suchten sie in weiter Ferne ein Unerreichbares, das ihrer Aufmerksamkeit würdiger sei, als die banale Umgebung. Es lag etwas Imponierendes in ihrer Erscheinung, etwas Einschüchterndes, das jede Lust zu vertraulicher Annäherung im Keime erstickte.

Jetzt eben schaute sie hinaus durch das offene Fenster auf den blühenden Flieder, der im Vor⸗

gärtchen stand, und spielte mit dem silbernen Löffel

in ihrer Hand.

Wie mir Vetter Lix gefällt? wiederholte sie langsam die Frage der Mutter,darüber habe ich wirklich noch nie nachgedacht.

Dann wäre es aber ganz an der Zeit, daß Du Deine Gedanken einmal mit diesem Gegenstande beschäftigtest, fuhr die Mutter in etwas schärferem Tone fort. Regine blickte sie stauuend an.

Warum denn aber nur? forschte sie ver ständnislos.

Weil es der einzige, junge Mann ist, dem Du bisher tieferen Eindruck gemacht hast, Regine, und zudem eine Partie, die man nicht so von der Hand weist. Ich muß diesen Punkt einmal mit Dir er örtern, Kind. Du bist alt genug, um endlich aus Deinen Träumen zu erwachen und über Deine Zu kunft nachzudenken. Dein Vermögen ist unanu sehulich für die jetzigen Verhältnisse. Du bist schön, klug, aber nimm es mir nicht übel so un⸗ liebenswürdig, daß niemand sich an Dich heran wagt und wenn man Dich ruhig allein laufen läßt. Dich wie andere, junge Mädchen freundlich und harmlos vergnügt zu unterhalten, hältst Du ja für ganz unter Deiner Würde. 8

Um Reginens Stirne lagerten sich Wolken. Allerdings bin ich nicht imstande, mich totzulachen, wenn der kleine Lieutenant Röling mir einen zu künftigen Kotillon in Kamerun ausmalt, bei dem statt der Orden Nilpferdchen verteilt werden, oder mich königlich zu amüsieren, wenn Assessor Steiner mit mir auf Chokoladentafeln wetten will, ob es am nächsten Tage frieren oder tauen wird, ver setzte sie gereizt. 15..

Wir wollen das gut sein lassen, fuhr Frau

von Helling fort.Die Jahre werden Deine Chancen, nicht vermehren, und das Los einer alten Jungfer dürfte Dir doch einstmals nicht gefallen. Nun kommt ein junger, gut gestellter, liebeus würdiger Mann, an dem nichts auszusetzen ist, und wirbt seit Jahren geduldig um Deine Liebe, ohne daß Du ihn Deiner Beachtung für wert hällst. Regine, bedenke wohl, was Du thust, wenn Du auch ihn zurückstößest. Es ist ein treues, edles Herz, das warm für Dich schlägt, wie vielleicht kein zweites es je wieder thun wird; Du dürftest es spater bereuen, ihn nicht erhört zu haben.

Ihre Stimme war wärmer und herzlicher ge worden, und bittend legte sie der Tochter die Hand auf den Arm. Diese blickte halb trotzig, halb spöttisch auf.

Was weißtz Du eigentlich von diesem guten Lix, Mama, von seinem Innenleben? Was anders, als daß er ein gehorsamer Sohn seiner Mutter ist? Frau von Helling erhob sich.Glaube mir, mein Kind, sagte sie streng,die von Dir so verächtlich behandelte Thatsache, daß Felix ein zärtlicher Sohn ist, verbürgt seiner Frau ihr Glück vielleicht am sichersten. Ein guter Sohn wird meist auch ein guter Gatte.

Wortlos verließ Regine das Zimmer. In der Einsamkeit ihres Stübchens durchdachte sie noch einmal das Gesprochene.

Sie hatte bisher wirklich nicht gewußt, daß Vetter Lix sie liebte. Die Vorstellung davon war so überraschend und wunderbar.

Wie man in ihrer Familie mit Felix von Helling eigentlich verwandt war, blieb allen Be teiligten etwas schleierhaft. Aber als Namensvetter hatte er von jeher im Hause verkehrt, das heißt,

die Errichtung einer Koch- und Haushaltungs⸗ schule von Seiten der Stadt Mainz in Verbin⸗ dung mit dem Verein der Frauenarbeitsschule, zu erstreben sei. Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner wird sich dieserhalb mit dem Vorstande des Vereins in Verbindung setzen, um e in gegen⸗ seitiges Einverständnis zu erzielen.

* Mainz, 19. Januar. Eine Tüncher⸗, Maler- und Lackiererversammlung beschloß heute nach Entgegennahme des durch Fragebogen ge sammelten statistischen Materials über Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse, im Frühjahr in eine Lohnbewegung zu treten und zu diesem Zweck einen neuen Lohntarif auszuarbeiten. Eine Küferversammlung beschloß die Sperre über die Scherffuessche Faßfabrik wegen angeb⸗ licher Maßregelung zweier Verbands mitglieder.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 21. Januar. Die gestrige Er⸗ klärung des Kultusministers Dr. Bosse im Ab⸗ geordnetenhause, daß die Regierung sich ihrer Aufgabe der polnischen Agitation gegenüber voll bewußt und unbeirrt ihre bisherige Politik der Abwehr fortzusetzen gewillt ist, beruht der natio⸗ nalliberalen Korrespondenz zufolge auf einer be sonderen Eutschließung des Staats ministeriums. Hd. Temes var, 21. Jan. Vor dem Verwaltungsgebäude der Grube Anina, welche der ungarischen Staatsbahn gehört, fanden seitens der Arbeiter und deren Frauen tumultuarische Demonstrationen statt infolge der Unzufriedenheit mit dem Pensions⸗Institut. Es entstand zwischen Gendarmerie und Arbeitern ein Handge⸗ menge, wobei die Gendarmerie Feuer gab. Acht Arbeiter und zwei Frauen wurden getötet, mehrere Personen schwer verletzt. Ein Gendarm wurde durch einen Steinwurf verwundet. Die Aufregung ist groß und man befürchtet, daß sich Un⸗ ruhen auf andere Bergwerke der Staats⸗ bahn übertragen werden. Zum Schutz der Bergwerke sind Vorkehrungen getroffen. Hd. Paris, 21. Jan. Der Figaro meldet, die Gebeine Boulangers würden infolge des Ver⸗ legens des Friedhofes von Ixelles ausgegraben und nach Frankreich gebracht werden. Die Fa⸗ milie Boulangers soll noch keinen diesbezüglichen Schritt unternommen haben. Hd. Brüssel, 21. Jan. n sidenten der 92 Vereine früherer Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten im Namen von 36000 Mitgliedern unterzeichnete Petition zu Gunsten der persönlichen Wehrpflicht wurde gestern dem Könige überreicht. Einem hiesigen Blatte zufolge soll der König erklärt haben, daß er zwar mit der Petition eiuverstanden sei, aber auf Grund der bestehenden Verfassung nichts thun könne. 8 Hd. Konstantinopel, 21. Jan. Die Ab⸗ reise der außerordentlichen Botschaft an den König Menelik soll schon Anfang Februar er⸗

Die von den Prä⸗

folgen. Die Botschaft wird aus drei hoch ge⸗

er war jedes Mal erschienen, wenn ihn Geschäfte von seinem schönen Gute in einer östlichen Proinz nach Berlin führten. Er kannte Regine von ihrer Kindheit an und verfolgte ihr Wachsen und Ent⸗ falten mit andächtigem Staunen, wie daheim die Entwickelung des schönen, persischen Rosenstockes, den ihm sein Freund geschenkt. Er kam nur wenig mit jungen Mädchen zusammen. Regine war für ihn das einzig begehrenswerte Weib der Erde, nur zu kostbar erschien sie ihm für einen einfachen Menschen, wie er es war. Kaum wagte er, die Hand nach ihr auszustrecken. Dennoch war das Nest, das er ihr zu bieten hatte, weich und warm, und seine eigene Persönlichkeit brauchte er auch nicht zu verachten.

Eine mittelgroße, sehnige Gestalt, ein frisches, von der Luft gebräuntes Gesicht, kurz geschorenes, dunkles Haar, ein paar Augen vom reinsten Blau, welche treuherzig und fröhlich unter den langen Wimpern hervor in die Welt schauten so sah er aus. Ein kindlich heiteres Gemüt, ein Mann von rastloster Thätigkeit und geringen Ausprüchen für sich selbst das war Felix von Helling. Er amüsierte sich stets gut, ob er nun im Panoptikum war oder Bolles Milchwirtschaft mit verständnis vollem Auge inspizierte, ob er im Opernhause die Kavalleria Rusticana hörte oder daheim mit den Freunden beim Grog saß und Schnurren von Mamsell Christinchen, der Perle seines Haushaltes, erzählte. Er war immer bequem, störte nie, plauderte amüsant, mochte alle Menschen gerne leiden. Regine dachte, daß er ein Mädchen, welches keine Ansprüche auf Geist erhob, gewiß beglücken würde, aber sie selbst

(Jortsetzung folgt.)

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