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Nr. 168
Gießen, Mittwoch,
den 21. Juli
1897.
35 9
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
sische Landes
Ausgabe
Gießen.
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I
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
——
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
= Gesundheitszustand und Todesfälle
im Großh. Hessen vom 1. Quartal 1897.
Bel einer auf die Jahresmitte zu 1055 000 geschätzten völkerung des Großherzogtums, wovon 452 700 auf e Provinz Starkenburg, 273 500 auf Oberhessen und 28 800 auf Rheinhessen treffen, wurden in den Monaten unuar bis März 5233 Todesfälle(Totgeborene ilsgeschlossen) verzeichnet. Von den Monaten des Quar⸗ als hatte der Januar 1656 Sterbefälle oder auf die anwohnerzahl berechnet 15,7%% der Lebenden, der Fe— tnar 1607— bei 31 Tagen 1779— oder 16,9%% ud der März 1970 oder 18,70. Auf die Provinz Aorkenburg trafen im Quartale im Ganzen 2233 Ver⸗ aörbene= 49,30%, auf Oberhessen 1388= 50,7% d auf Rheinhessen 1612— 49,0%%; im Vergleiche s borausgegangenen Qartals hatte sich die Sterblichkeit allen Provinzen nicht unbeträchtlich erhöht und zwar Oberhessen um 10%% und in den beiden südlichen lropinzen um 6¾0. In den einzelnen Provinzen hatte ih, übenso wie im Großherzogtum überhaupt, die für ar Januar günstige Mortalität in den beiden nachfolgenden Jonaten mit fast übereinstimmender Gleichmäßigkeit erhöht id es betrug die Sterblichkeitsziffer der Quartalsmonate ich ihrer Folge in Starkenburg 16,1, 16,8 und 18.1%%, Oberhessen 16,2, 17,0 und 19,3% und in Rheiu⸗ den 14,8, 16,9 und 19,0%.
Von der Gesamtzahl der Verstorbenen des Quartals Großherzogtum mit 5233(im 4. Quartal 1896 07) waren unter 15 Jahre alte, Kinder, 2138(1671) id zwar innerhalb des ersten Lebensjahres Verstorbene 65(1105) und im Alter vom zweiten bis fünfzehnten ahre 773(566); Erwachsene waren verstorben 3095 1796) und hiervon im Alter von über 15 bis 60 Jahren 542(1353) und über 60 Jahre alt 1583(1443). die höhere Sterblichkeit des Berichtsquartals ist hiernach arwlegend durch eine Zunahme der Sterbefälle in Kindesalter verursacht und mit einem Mehr von 6% im minderen Maße durch Vermehrung der Todes— le bei den Erwachsenen und fzwar um 299. Werden t Provinzen im Einzelnen in Betracht gezogen, so fällt i beträchtliche Zunahme der Kindersterblichkeit in der Kobinz Starbenburg mit der Steigerung um rund 9,0%) auf, während dieselbe in Rheinhessen um 2,0%% und in Oberhessen nur um 10,0%„ betrug, e Erwachsenensterblichkeit hatte sich in den beiden süd⸗ hen Provinzen nur um 1,5%% erhöht, erreichte aber Oberhessen das auffallende Mehr von 10,0%%.
Von epidemischen Krankheiten wäre im Berichts⸗ nartale zunächst der wiederum, aber in recht mäßiger Arbreitung herrschenden Influenza zu gedenken, welche Januar mit 19, im Februar mit 16 und im März
it 42 Sterbefällen erscheint, um im April mit deren 80
n Höhepunkt zu erreichen. Von den im Ganzen 77 Ufluenzasterbefällen treffen auf Starkenburg 34, auf Aerhessen 22 und auf Rheinhessen 21. Im Uebrigen aten an anderweiten epidemischen Krankheiten verstorben: n Masern 71(59), an Scharlach 12(16), an Bräune⸗ känkheiten 84(95) und zwar an Rachenbräune 67(74) id als Halsbräune 17(21), an Keuchhusten 60(54), i Abdominaltyphus 10(9), an Rose 18(11), an epide⸗ ascher Genickstarre 7(1) und an Wochenbettfieber 20 2). An den genannten Krankheiten zusammen waren 12 Personen verstorben(im 3. Quartal von 1896 deren 8) oder von 10 000 Einwohnern 2,7(2,5); erhöht übten sich im Vergleiche des vorhergehenden Quartales Sterbefälle durch Masern, Rose und Genickstarre, in seingem Maße solche durch Keuchhusten, abgenommen lite die Sterblichkeit durch Bräunekrankheiten. r—.———ꝛ
Masern waren, wie in den letzten Monaten des Jahres 1896, in Starkenburg und Oberhessen mehr ver⸗ breitet als in Rheinhessen.
Von den in Summa 10 Sterbefällen durch Ab do⸗
minaltyphus ereigneten sich 6 in Starkenburg, in Oberhessen 2(in Gießen). in Rheinhessen 2. a Unter den sonstigen wichtigen Krankheiten gewinnen die Sterbefälle durch Lung enschwindsucht mit 764 (gegen 530 bezw. 525 in den beiden vorhergehenden Quartalen), eine hohe Bedeutung; es kommen davon auf die Monate Januar 240, Februar 242 und März 273; an Tuberkulose anderer Organe verstorben waren 160 Personen(im vorigen Quartale 183). Die Sterbefälle durch entzündliche Erkrankungen der Atmungsorgane waren von 561 auf 992(einschl. 77 Sterbefällen an Influenza), also außerordentlich gestiegen, davon treffen auf die Monate des Quartals nach ihrer Folge 267, 300 und 425. Ge⸗ hirnschlagfluß war bei 181(192) Verstorbenen als Todes⸗ ursache angegeben, in Folge von akuten und chronischen Erkrankungen des Herzens verstorben waren 216(243) Personen. Darmkatarrh und Atrophie der Kinder waren der Jahreszeit entsprechend selten Todesursache; Tod infolge von angeborener Lebensschwäche war bei 132(140) Kindern angegeben, an Krebs und Neubildungen verstorben waren 244 Personen, genau so viele, als in den beiden vorigen Quartalen. Die Sterbefälle an Altersschwäche waren von 440 im Vorquartale auf 502 gestiegen. Die Summe der Todesfälle durch alle übrigen benannten Krankheiten betrug nunmehr 955 gegen 822, nicht ermittelt blieb die tötlich gewordene Krankheit bei 496 Verstorbenen oder bei 9% der Gesamtzahl.
Im Vergleiche gleichnamiger Quartale vorausgegange⸗ ner Jahre hatte das Berichtsquartal und zwar trotz der freilich mäßig verbreiteten Influenza günstige Sterblich⸗ keitsergebnisse; namentlich hatten die Todesfälle durch entzündliche Erkrankungen der Atmungsorgane, einschließlich der Todesfälle durch diese Seuche, einen das Mittel über⸗ steigenden Betrag nicht erreicht, auffallend war indessen deren beträchtliche Zunahme im Monat März. Die Todes⸗ fälle durch Lungenschwindsucht hatten den Durch⸗ schnitt etwas überschritten. Von den epidemischen Krank⸗ heiten hatten im Uebrigen nur Masern und Keuchhusten eine erheblichere Zahl von Todesfällen veranlaßt, dagegen hatten die durch Rachen⸗ und Halsbräune herbeigeführten Sterbefälle einen für die Jahreszeit sehr mäßigen Betrag erreicht. Eine verhältnismäßig hohe Mortalität weisen die Kreise Heppenheim und Lauterbach auf.
(Mitt. d. Centralst. f. Landesstat.).
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 20. Juli. Verfaßt vom Pro⸗ fessor Dr. Richard Heß-Gießen ist ein Nekrolog auf Dr. phil. Johann Christian Hundeshagen erschienen(Verlag von Dunker und Humblot Leipzig). Hundeshagen war Pro⸗ fessor der Forstwissenschaft an der Univer⸗ sität Gießen und ist der Vorläufer der erst seit einigen Jahren ins Leben getretenen staat⸗ lichen Forstversuchswesens, ferner ist er— hierin liegt wohl seine Hauptbedeutung— Schöpfer der sogenannten forstlichen Statistik. Derselbe wurde der Gründer einer wissenschaftlichen Schule, welche den Ruhm der kleinen Universität Gießen weiter verbreitele. Hundeshagen lehrte als Pro⸗ fessor an unserer Hochschule vom Jahre 182⁴ bis 1833 und starb 1834 in Gießen. Das in⸗ teressante Schriftchen ist beim Hausverwalter des
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
Expedition:
N 8 Kreuzplatz Nr. 4.
Kollegienhauses käuflich zu hahen und ist der dafür vereinnahmte Erlös für die Hundes hagen⸗Stiftung bestimmt.
* Gießen, 20. Juli. Dem Pfarrer Georg Schönewolf zu Geinsheim ist die evangelische Pfarrstelle zu Beuern, Dekanat Gießen, über— tragen.
* Gießen, 20. Juli. Dem Hauptmann Freiherrn v. Dalwig, Kompagniechef im In⸗ fanterie-Regiment Nr. 20, seither im Infanterie⸗ Regiment Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116, ist das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst⸗ ordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Gießen, 20. Juli. Auf Antrag der Großh. Handelskammer hat die Königl. Eisen⸗ bahn⸗Direktion Frankfurt a. M. verfügt, daß die Sonntags-Rückfahrkarten von Gießen nach Wetzlar ausnahmsweise und vorbe⸗
noch zum Zuge 216, Abfahrt von Wetzlar nachts 12 Uhr 10 Minuten und diejenigen nach Braunfels noch zum Zuge 233, Ab- fahrt daselbst 11 Uhr 34 Minuten abends benutzt werden dürfen.
* Gießen, 20. Juli. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts hat die Eröffnung des Hauptverfahrens in der Strafsache gegen den Grafen Leiningen zu Ilbenstadt nicht deshalb abgelehnt, weil Darmstadt zuständig sei, sondern weil das Gericht annahm, der Graf unterstehe als Standes herr der Austrä⸗ ee en Die Staatsanwaltschaft hat gegen diesen Beschluß Beschwerde an das Oberlandesgericht eingelegt.
* Gießen, 20. Juli.(Diebstähle.) In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde das Wasserhäuschen am Os waldsgarten erbrochen und daraus Zuckerwaren und Zi⸗ garren u. s. w., sowie zwei Kanarienvögel ge— stohlen.— An einer Baustelle in der Goethe⸗ straße wurde das Arbeiterhäuschen er- brocheu und Werkzeug sowie Kleider daraus entwendet.— Gestern Nachmittag entwen⸗ dete ein fremder Arbeiter in einem Hause am Neuenweg eine Hose. Der Bestohlene setzte dem Dieb nach und ertappte ihn in dem Moment, als er die Hose bei einem Trödler versilbern wollte. Der Dieb wurde verhaftet.
* Gießen, 20. Juli. Einem hiesigen Ge⸗ flügelzüchter wurden in vergangener Nacht aus seiner im Garten befindlichen Züchterei zwei wertvolle Tauben gestohlen. Erst vor einigen hatten ihm Diebe eine Anzahl Kanarien— vögel geholt.
A. Grünberg, 19. Juli. In der ver⸗ gangenen Nacht wurden von einem Fenster in der Rabengasse eine Anzahl Blumenstöcke gewalt⸗ sam heruntergerissen. Hoffentlich gelingt es, die Thäter zur Anzeige zu bringen, damit diesen nächtlichen Rohheiten durch exemplarische Be— strafung energisch Einhalt geboten wird.
* Nidda, 19. Juli. Im Zeitraum von 3 Tagen sind nicht weniger als drei Leute in⸗ folge Absturzes in unserer Gegend verun—
Versöhnt! Eule Erinnerung aus dem Eisenbahn-Betriebsdienste
von Albert Roß.
(Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)
An der Thüre des Baumeister⸗Büreaus ließ etzt kräftiges Klopfen vernehmen. „Herein!“ Herrisch, unfreundlich klang dieses un der Gestrenge war offenbar in schlechtester une.
„Gehorsamster Diener, Herr Abteilungs-Bau⸗ deister“, verneigte sich der Materialten-Revisor Jorbert,„morgen beabsichtige ich, mich in den Vor— nen der 3. und 4. Bahnmeisterei auf der Neu— bustrecke umzusehen. Wollte fragen, ob Sie für uch dort noch besondere Aufträge hätten?“
„Allerdings, Herr Revisor! Es würde sich leines Erachtens empfehlen, die noch nicht revi⸗ Uarten neuen Oberbau⸗Materialen recht bald ein— tal einer gründlichen Prüfung und Feststellung zu Uterziehen. Insbesondere ist es die 4. Bahn⸗ isterei, die Sie aufs Korn nebmen könnten! Der glensch dort, der Scharzfeld gefällt mir auf seinem ( len ganz und gar nicht! Scheint mir lieverlich ürtschaft dort, kein Ordnungssinn, keine strenge a mal Stellentausch vorgenommen sufeng er muß vom Neubau nach der Haide u! Wie denken Sie darüber?“ „Ja, Herr Baumeister“, Norbert zuckte mit den N„mit der gründlichen Revision und g ce des Kleineisenzeugs werden wir wohl N warten müssen, bis die Strecke fertig ist. So
ge noch gebaut wird, ist eine zuverlässig richtige
Feststellung der Bestände absolut unmöglich! Ich denke aber, in etwa 4 Wochen——“
„Gut! also in 4 Wochen, aber dann bestimmt und ohne Nachsicht!— Und nun, was halten Sie im übrigen von Scharzfeld?
„Müßte lügen, wenn ich über ihn und seine bisherige Geschäftsführung klagen wollte! S'ist zwar ein Feuerkopf, junges leicht erregbares, auch wohl zum Widerspruch geneigtes Blut, aber stramm im Dienst ist er und vor Beginn des Neubau's war seine alte Strecke die bestverwalteste meines Revisionsbezirks. Das klappte fast bei jeder Re⸗ vision bis auf den kleinsten Bolzen.“
„Hm! Wird Ihnen auch wohl öfter mal ein X für ein U gemacht haben!“
„Herr Baumeister!“
„Nun, schon gut, will nichts gesogt haben, glaube aber den widerhaarigen Burschen besser zu kennen!— Doch noch eins! Spüren Sie mal in⸗ zwischen unter der Hand auch seinem außerdienss⸗ lichen Treiben nach! Ist mir da so manches über ihn zu Ohren gekommen, wie Umgang mit Frauen⸗ zimmern, Nächte durchkneipen, Geldvergeudung usw. Seine Moralität scheint demnach ebenfalls windig! Bewahrheiten sich die Gerüchte, dann ist es schon im Interesse unserer Gesellschaft geboten, Wandel zu schaffen. So, Herr Revisor, das war's was ich Ihnen auf die Reise mitgeben en e. nun dampfen Sie morgen in Gottes Namen ab! Adieu!
Norbert war ein grundehrlicher Charakter. So⸗ fort stand es bei ihm fest, daß die von seinem
Auftraggeber gerade bezüglich der 4. Bahnmeisterei
erteilten auffälligen Winke und namentlich die ihm angesonnene Spionage über des Bahnmeisters Pri⸗ vatleben nur ein Ausfluß rein persönlichen Hasses sein konnten. Aus der ganzen Art und Weise, wie der Abteilungs-Baumeister sich in seiner Verbissen⸗ heit geäußert, ging nach Norberts Auffassung als Kern der ganzen Sache unbedingt hervor, daß alle Hebel angesetzt werden sollten, um die Versetzung, wenn nicht gar die Entlassung des jungen Bahn⸗ meisters herbeizuführen. Nun, Norbert wollte auch in diesem Falle seine Pflicht thun, wie er es Zeit seines langen dienstlichen Lebens ohne Ansehen der Person gethan. Streng sachlich, ohne sich von dem Gehörten beeinflussen zu lassen, wollte er lediglich die eigenen Wahrnehmungen gelten lassen und nur der Wahrheit die Ehre geben. Was in aller Welt aber konnte den Baumeister in so hohem Maße gegen Scharzfeld aufgebracht haben? Gerade gegen Scharzfeld, diesen strebsamen jungen Beamten, dessen Dienstführung bisher zu keinerlei Tadel Veran⸗ lassung gegeben hatte?— Norbert schüttelte den Kopf. Sollte es ihm nicht zufällig gelingen, auch die Lösung dieses Rätsels zu finden?
**
*
Die Abendsonne ist bereits durch die am Horizont aufgestiegenen Dünste tief verschleiert, der Wind hat sich nach und nach zum Sturm gesteigert und grelles Aufleuchten in den unheimlich dunklen Wolkenschichten, verbunden mit mächtigen Staub⸗ wellen, treibt die von der Tagesarbeit auf der Neu⸗ baustrecke heimkehrenden Arbeiter zu beschleunigtem Marsch. In dem Geäst der unfern des Bahn⸗
planums stehenden, von der Naturgewalt zerzausten
haltlich jederzeitigen Widerrufs zur Rückfahrt
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glückt. In Ranstadt stürzte in der Scheune ein Mann ab und wurde schwer verwundet fort— getragen. Auf dem Dauernheimer Hof blieb infolge Stürzens in der Scheuer ein Ar⸗ beiter tot. Gestern Vormittag fehlte zur Zeit des Frühstücks ein älterer Arbeiter in der sog. Krötenburger Mühle des Herrn W. Braun II bei Nidda. Als man nach ihm suchte, fand man ihn am Kopf schwer verwundet in der Scheune liegen. Er war beim Strohholen am Gerüst abgestürzt.
* Laubach, 19. Juli. Man schreibt uns: „Daß die Christlich⸗Sozialen hiesiger Gegend zur Neubelebung ihrer Ideen des öfteren auswärtiger Hilfe bedürfen, geht wohl schon aus der That⸗ sache hervor, daß vor nicht allzulanger Zeit der „Volks“-Redakteur, Dr. Stein, den hier in Ab⸗ sterben begriffenen Stöckerianismus wieder auf⸗ frischte. Am kommenden Montag wird nun der Führer dieser Partei, Herr Hofprediger Stöcker a. D., welcher stets als Gast im hiesigen gräflichen Hause verweilt, in einer öffent⸗ lichen Versammlung einen Vortrag wider die Sozialdemokratie halten, und zwar jedenfalls im Auftrage des hiestgen christlich— sozialen Vereins, dessen geistiger Leiter der Graf von Laubach ist. Obwohl aus leicht begreiflichen Gründen eine„freie“ Diskuffion vermieden wer⸗ den wird, ist ein zahlreicher Besuch dieser Ver⸗ sammlung von Andersgesinnten sehr zu empfehlen; denn das Thema lautet:„Die Sozialdemo⸗ kratie, ihre Förderer und Bekämpfer.“
* Mainz, 19. Juli. Die für den Eisen⸗ bahndirektionsbezirk Mainz beschlossene Ein⸗ führung des preußischen Systems und die damit verbundene Einführung der vierten Wagenklasse wird voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres erfolgen.
* Krofdorf, 20. Juli. Die Straße nach Gießen kann am 21., 22. und 23. d. Mts. innerhalb der hiesigen Gemarkung mit Fuhr⸗ werk nicht passiert werden, weil an diesen Tagen die Dampfwalze daselbst arbeitet.
Vermischtes.
— Ein furchtbares Unglück hat sich vorigen Monat in Mexiko ereignet. Der„Deutschen Zeitung für Mexiko“ zufolge ist am 12. Juni in Puebla das gräßliche Unglück passiert. Während 200 Arbeiter an dem Ein⸗ gangsthor der Oeffnung der Fabrik harrten, um ihre Arbeit aufzunehmen, platzte plötzlich der große Dampf⸗ kessel und verwandelte in wenigen Sekunden das ganze große Fabriksgebäude in einen Trümmerhaufen. Ge⸗ waltige Eisenstücke und Steine wurden durch die furcht⸗ bare Gewalt der Explosion hunderte von Metern weit geschleudert und verursachten rings herum Tod und Ver⸗ derben. In drei Bezirken wurden die Fenster, Balkone, Thüren und Dächer vollständig zerstört. Unter den Trüm⸗ mern der Fabrik sind bis jetzt zwanzig Leichname hervor⸗ gezogen worden, und die Zahl der Verwundeten wird noch höher geschätzt. Stücke vom Kessel flogen 200 Meter weit auf ein Haus in der Calle Cholulteka, drückten das Dach ein und töteten sämtliche Bewohner. Wer die Schuld an diesem schrecklichen Unglück trägt, ist noch nicht erwiesen und wird wohl auch nicht erwiesen werden; einige Zei⸗
Erlen knackt es unaufhörlich, die dort in übergroßer Zahl nistenden Krähen und Dohlen umschwärmen geängstigt die in der Höhe ruhende junge Brut und verschwinden jetzt von dem niederprasselnden Regen in dem Laubwerk.
In dem provisorischen Dienstgebäude der 4. Bahn⸗ meisterei, einem dürftigen Holzschuppen, herrscht fast nächtliche Dunkelheit, das angebaute kleine Büreau ist durch eine Petroleumlampe erleuchtet. Der Bahnmeister Fritz Scharzfeld ist von seinem Ar⸗ beitsplatz aufgestanden, hat Bücher und Zeichnungen zusammengeklappt und sich dem Fenster genähert. Ihn ängstigt die Sorge um seine Leute, die er unter der Führung seiner Vorarbeiter ungeschützt noch draußen auf freier Strecke weiß. Er kennt die Wirkung solcher Wetterstürme aus eigener Er⸗ fahrung. Bis auf die Haut durchnäßt ist er oft genug weite Strecken in Gesellschaft der Bahn⸗ wärter auf dem Bahnkörper gewandert und glücklich gewesen, wenn es gelang, unter einer Graben⸗ Ueberführung Unterschlupf zu finden. Und nun kracht es auch schon gegen die kleinen Fenster⸗ scheiben, mächtiger Hagel saust herunter, der Sturm ist zum Orkan geworden! Der Holzschuppen bebt unter den wuchtigen Windstößen, die Fachwände des Büreaus scheinen zu wanken, verschiedene Fenster⸗ scheiben von eigroßen Hagelstücken durchschlagen und auf dem Zeich ntisch wippen infolge des ein⸗ dringenden Sturmes die losen Papierblätter auf und nieder.
(Fortsetzung folgt.)


