Ausgabe 
20.11.1897
 
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Gießen, Somabend, den 20. November

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

andeszeilung.

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FErscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abounement beträgt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 230 Mk. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.

Nedaktion und Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar.

i. 5 7 n Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 19. Nov. Der Regierungsbau⸗ meister Hermaun Gombel aus Gonterskirchen sst zum Kreisbauinspektor des Kreises Groß⸗ Gerau und der Regierungsbaumeister Johann Funk aus Wendelsheim zum Kreisbauinspektor des Kreises Büdingen ernannt. Der Oberförster Karl Weber, dermalen zu Schotten, st zum Oberförster der Oberförsterei Ortenberg mit dem Wohnsitz zu Conradsdorf und der Forstassessor Gustav Schneider aus Ober⸗ Seemen zum Oberförster der Oberförsterei Baben⸗ hausen, sowie der Steuerassessor Heinrich Schwarz aus Worms zum Hauptsteueramts⸗ assistenten bei dem Hauptsteueramt Bingen er⸗ nannt worden.

* Gießen, 18. Nov.(Sitzung der Stadt⸗ berordneten-Versammlung.) Oberbürgermeister Gnauth eröffnet um Uhr die Sitzung. Die Firma Wilhelm Reiber hat vor 12 Jahren mit Genehmigung der Polizei⸗ und Postbehörde von ihrem Fabriletablisse⸗

ment an der Bahnhofstraße über Westanlage und Wollen⸗

gasse nach ihrem Ladenlokal eine Telephonleitung legen lassen. Die Firma beantragt, ihr diese dünne Draht⸗ leitung nachträglich zu gestatten. Die Versammlung glebt widerruflich gegen eine Anerkennungsgebühr von 1 Mark pro Jahr die Genehmigung. Das Gesuch der Witwe Rothenberger um Erlaubnis zur Anlage eines unter⸗ irdischen Entwässerungskanals von ihrem Hause Linden⸗ platz Nr. 8 nach dem Stadtgraben wird auf Antrag der Baudeputation genehmigt. Beim Ausschreiben der Arbeiten zur Herstellung der Goethestraße zwischen Süd⸗ anlage und Wieseck sind auf die einzelnen Arbeitslose Mindergebote gegen den Voranschlag, u. a. bei den Maurerarbeiten um 300& eingegangen. Nur für die Pflasterarbeiten ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil sind von einer Genossenschaft von Pflastermeistern hierfür 1184.40 gegen 1118,60, die der Voranschlag an⸗ setzte, gefordert worden. Das Kollegium beschloß, diese erhöhte Offerte anzunehmen. Für die Pflasterung der Berbindungsstraße zwischen Westanlage und Hammstraße waren drei Angebote eingegangen, und wurden dafür 504, 336& und 315& verlangt. Dem Mindest⸗ fordernden, Eberh. Hahn von Annerod, ist die Arbeit übertragen, wozu die Genehmigung erteilt wird. Für eine auskömmliche Beleuchtung der Hammstraße werden zur Aufstelluug von vier neuen Kandelabern 480/ be⸗ willigt; desgleichen für die Westanlage an der Pumpstation, bis wohin erst die Gasleitung verlegt werden muß, 370 Mark. Stadtv. Löber rügt bei dieser Gelegenheit die mangelhafte Entwässerung an der Mündung der Lahn in die Hammstraße. Der Oberbürgermeister erklärt, daß sich das Stadtbauamt bereits mit der Sache beschäftige. Die Versammlung genehmigt den Erwerb von 91,8 Om. Gelände, A 1,12 4, vom Bauunternehmer Winn an der Hofmannstraße, Ecke des Wetzlarerwegs, zur Anlage der letzteren. Der Oberbürgermeister teilt bei dieser Gelegenheit mit, daß vom Ministerium auch die Genehmigung des Restes der Straßenanlage im südwestlichen Stadtteil, jetzt Hollergasse, und der Straße zwischen den Häusern von Ackermann und Wenzel an der Frankfurterstraße ein⸗ gegangen sei. Die i8raelitische Religionsgemeinde be⸗ antragt den Ausbau der Lonystraße. Das Stadtbauamt und mit ihm die Baudeputation sind der Ansicht, daß die Stadt hierzu noch nicht verpflichtet sei, weil zwischen Gartenstraße und Bismarckstraße noch nicht über die Hälfte der Lonystraße bebaut sei. Das Stadtbauamt beranschlagt die Herstellung dieser Straßenstrecke auf 13 800, wegen der damit verbundenen Erbauung einer Stlzmauer gegen die Wieseck hin.

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Natalys Verlobung:

Novellette von Anna Treichel. [Nachdruck verboten)

(Schluß.) Sie machen mich neugierig was ist denn das für ein närrischer Kreis? 1 ulken 5 wirklich wissen, Fräulein

Nataly? Es klang eindringlich und betont. Freilich, Herr von Ohnstädt, ich entsage nicht so leicht dem, auf das ich mich einmal lapriziert! Lächelnd schaute sie ihn un Im Stillen dachte sie:Das Schicksal will mir Ohn⸗ städt bescheeren, er spricht zuerst von Liebe, gut so, eigentlich ist er doch netter als Pflammern! Da begann Oynstädt auch schon seine Er⸗ klärung:Es ist der Zauberkreis der Liebe, in dem ich mich gefangen, der ohne Anfang, ohne Ende ist, in dem ich nun umherirre, ruhelos, sehnsuchtsvoll, und aus dem mich nur die Hand, welche mich

dorthin gebannt, erlösen kann

9Wie schön er den denkt Nataly,er eint mich sehr zu lieben! 5 J e wech es kann, spricht Ohnstäpt weiter,welche mir die liebste und schönste auf Erden ist, die zu besitzen mein höchstes Glück aus⸗

macht, gehört a r 3 nicht weitersprechen, Schritte nahen, rauschend setzt die Mufik ein, und Hauptmann von

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8 nicht, diese Straßenausführung stückweise vorzunehmen. Wohl aber empfehle es sich, von der Gartenstraße bis zum Eingang des dort stehenden israelltischen Gemeinde⸗ hauses einen erhöhten bekiesten Bürgersteig anzulegen, dessen Herstellung 900* erfordere, zu welcher Summe die Interessenten 280/ beizusteuern haben. Die Ver⸗ sammlung ist mit diesem Vorschlag einverstanden. Zu einer gärtnerischen Anlage auf dem Platze an der Gabe⸗ lung der Garten⸗ und Bergstraße werden 440/ be⸗ willigt. Laut Beschluß der Stadtverordnetenversamm⸗ lung vom Jahre 1891 sollen den ständigen städtischen Arbeitern, welche besonders in der Zeit vom 15. März bis 15. Oktober thätig gewesen, Gratiflkationen bis zu 20& pro Arbeitstag ganz nach Leistung und Führung des betreffenden Arbeiters gewährt werden. Die Finanz⸗ deputation schlägt vor, an 6s städtische Arbeiter, im ganzen 1994,10/(gegen 1547 A im Vorjahre) für dieses Jahr zu diesem Zwecke zu bewilligen. Es trägt dies durchschnittlich pro Arbeiter 31,65&, höchstens aber 36 4. Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß s. Zt. durch die Presse die Mitteilung gegangen sei, die städtischen Arbeiter hätten sich organisiert und eine Ver⸗ sammlung abgehalten, in welcher die Behauptung auf⸗ gestellt worden sei, es würden den städtischen Arbeitern pro Arbeitstag an ihrem Lohne 20 4 gekürzt und ein⸗ behalten, die denselben später nicht ausbezahlt worden seien. Dem sei nicht so. Die städtischen Arbeiter hätten einen rechtlichen Anspruch auf die ihnen als Gratifikationen ge⸗ gebenen Beträge nicht. Es sei eine Beschwerde von städtischen Arbeitern bisher nicht bei der Bürgermeisterei eingegangen, sonst wäre dieselbe in dem von ihm ange⸗ deuteten Sinne beschieden worden. Die historische Kom⸗ mission für Hessen und Waldeck, welche ihren Sitz in Marburg hat, bittet die Stadt als Stifter durch eine einmalige Steuer von 1000 4, oder als Patron durch einen Jahresbeitrag von 50, zu beteiligen. Diese Kommisston, aus 19 Mitgliedern bestehend, von denen zwei Mitglieder dem Verein für Oberhessische Geschichte ange⸗ hören, beabsichtigt, in Anlehnung an die beiden Schwester⸗ Universitäten Gießen und Marburg, wissenschaftliche ge⸗ schichtliche Forschungen über unsere engere Heimat zu betreiben. Die Versammlung beschließt, wie die Städte Hanau und Marburg, der Kommission als Patron bei⸗ zutreten. Für den deutschen Samariterbund wird ein Jahresbeitrag von 10& bewilligt. Die Kontrolle bei der Oktroivergütung von Fleisch und Fleischwaren, welches aus dem Stadtgebiet ausgeführt wird und das bisher dem Oktroi⸗Inspektor oblag, wird den Oktroi⸗Erhebern an den Thorhäusern übertragen. Ein Gesuch des Schafhänd⸗ lers Heinrich Kreiling von Mainzlar, um Erlaubnis zum Behüten städtischer Wiesen wird ablehnend beschieden. Die Uebertragung nicht aufgebrauchter Kredite aus dem Rechnungsjahr pro 1896/97 in das Rechnungsjahr 1897/98 wird, da es sich um noch auszuführende Ar⸗ beiten handelt, anstandslos gut geheißen. Hierbet dürfte besonders der Posten im Betrage von ca. 25 000 Mk. zum Ausbau des sogenannten alten Schlosses am Kanzleiberg, Ecke Brandplatz, interessteren, zu dem der Oberbürgermeister die Bemerkung macht, daß von der Stadt Gießen hierfür 40 000 4 vorgesehen seien, welcher Betrag durch jährliche Zurücklegung von 10000 Mark, im kommenden Jahre erreicht sein wird. Die Rechnung der Plockschen Stiftung pro 1896/97, erweist eine Ausgabe für Pfründen von 5486, deren Kapital⸗ vermögen beträgt 113 295(gegen 114395 im Vorjahr). Die Rechnung pro 1896/97, sowie der Vor⸗ anschlag pro 1898/99 dieser Stiftung, finden keine Ve⸗ anstandung seitens der Versammlung. Ein Gleiches geschieht betreffs der Rechnung pro 1896/97 und des Voranschlags pro 1898/99 der städtischen Armenkasse. Nach den Vorschlägen der Kommission zur Prüfung der Bedürfnisfrage zum Ausschank und Kleinhandel von

straße 4, den Branntweinverkauf über die Straße zu ge⸗ statten; dem Chr. Nebe, Rodheimerstraße, den Verkauf von Speisen, Kaffee und Flaschenbier an Logilergäste während der Viehmarkttage, nicht zu beanstanden; dem Louis Elend für das Darmstädter Haus, Wallthorstraße, die Konzesston zum Wirtschaftsbetrieb zu erteilen; des⸗ gleichen dem Robert Heuser für das Haus, Steinstraße 23, (Helmholdsches Haus) falls und solange derselbe Logier⸗ gele senheit dabei hält. Eine weitere Wirtschaftskonzession wird dem Franz Mähler für den Russischen Hof, Frank⸗ furterstraße, bewilligt; dagegen dem Karl Lenz der Aus⸗ schank von Branntwein für die Stehbierhalle, Neustadt 1, wegen Mangel eines Bedürfnisses verweigert. Es folgt eine geheime Sitzung.

a. Gießen, 19. Nov.(Stadtthegter.) Zum zweiten und letzten Male trat gestern Abend das Ballet⸗Ensemble Excel sior auf. In präch⸗ tigen Kostümen wurden ein Zigeunertanz, der ungarische Nationaltanz(Czardas) und eine Quadrille parisienne getanzt. Die Tänzerinnen wurden für ihre wirklich ele⸗ ganten Leistungen durch reichsten Beifall belohnt. Zwischen dem ersten und zweiten Tanz wurde das Publikum durch die Aufführung des sogen. ScherzspielsDie Lindenwirtin maltraitiert. DiesesBühnenwerk wäre im Papierkorb besser plaziert wie im Theater. Eine gute Aufnahme fand das zwischen dem zweiten und dritten Tanz aufgeführte GenrebildKurmärker und Pikarde. Frl. v. Winterstein spielte die niedliche Fran⸗ zösin Marie recht nett. Herr Helm war als Landwehrmann Friedrich Wilhelm Schulze wieder im richtigen Fahrwasser. DerUnterofftzier Janson, der hier nur hinter den Koulissen mitwirkte, machte sich dadurch entschieden besser, wie alsVagant in derLindenwirtin vor den Koulissen. Doch lag das wohl weniger an ihm, wie an dem Vater des schrecklichen Scherz⸗ spieles.

Grünberg, 18. Nov. Der Verkehr auf dem heutigenKlein⸗Gallusmarkt war ein außergewöhnlich reger. Es war seit einer langen Reihe von Jahren wieder das erstemal, daß sich unser Herbstmarkt eines so zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte und die hiesige Ge⸗ schäftswelt durchschnittlich auf ein gutes Ergeb⸗ nis zurückblicken kann. Während der Gallus⸗ markt im Monat Oktober mehr den Tummelort für dieJungen aus der landwirtschaftlichen Bevölkerung bildet, ist derKlein⸗Gallusmarkt nach traditionellem Herkommen überwiegend von denAlten frequentiert. Und was gabs da nicht auch alles für diese zu sehen und zu hören? Dort suchte jemand durch ausgestellte Bilder von Mordgeschichten seine Schundlittera⸗ tur an den Mann zu bringen und machte dabei horrende Geschäfte bei denen, die nicht alle wer⸗ den; hier spielten Straßenmusikanten und Dreh⸗ orgeln in disharmonischer Weise und verliehen dem Markttummel dasCharakteristische. Der Geschäftsgang war im allgemeinen ein recht zufriedenstellender. Der Handel auf dem Vieh⸗ markte ging flott, wenn sich anfänglich auch hin⸗ sichtlich der Preise nicht die gewünschte Stim⸗ mung geltend machte. Aufgetrieben waren 114 Stück Rindvieh, 890 Schweine; der Schafmarkt war sehr gut befahren. Auch auf dem Krämer⸗ markt, welcher auf dem Marktplatze abgehalten

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wurde, zeigte sich eine rege Kauflust, es waren 80 Stände aufgestellt. Grünberg, 18. Nov. Kam da kürzlich eineUnschuld vom Lande im Auftrage ihrer Herrschaft in ein hiesiges Kohlengeschäft, um eine Bestellung aufAnthracitkohlen aufzu⸗ geben. Das verflixte Fremdwort hatte dieselbe jedoch schon auf dem Hinwege vergessen und in ihrer Verlegenheit suchte sie schnell nach einem Ausweg, indem sie ganz einfach ausAn⸗ thracitAntisemitkohlen machte und sich demgemäß ihres Auftrages entledigte.

* Bad Nauheim, 18. Nov. Der von Herrn Theobald aus demHotelTrapp in Friedberg vor einigen Jahren hier neu erbaute GasthofZum Kaiserhof soll durch Umbauten auf den Stand von 150 Zimmern gebracht wer⸗ den. Der Gasthof ist von seinem Erbauer an die Herren Lembke und Hillgaß verkauft worden, in deren Besitz er sich noch befindet. Mit dem Umbau wird das Haus zum größten öffentlichen Lokal der hiesigen Stadt. Die frühere Mit⸗ teilung, daß mit der nächstjährigen Salson 120 Fremdenzimmer neu in Gebrauch genommen werden, ist dahin zu berichtigen, daß die Zahl der neuen Zimmer 1200(nicht 120, wie ein Schreibfehler brachte) beträgt. Und dabei ist die Zahl mäßig gegriffen. Mit einer solchen Ver⸗ mehrung der Logisräume steht allerdings der Aufschwung unseres Bades in den letzten Jahren, so bedeutend er an nnd für sich auch ist, doch in keinem richtigen Verhältnis.(D. Z.)

* Darmstadt, 17. Nov. Wenn auch preußischer- und badischerseits offiziös ein latenter Kriegszustand zwischen Staatsbahn und Main⸗Neckar⸗Bahn in Abrede gestellt wird, wenn sogar Verkehrsablenkungen in erheblichem Umfange bestritten werden, so täuscht man sich in hiesigen auch amtlichen Kreisen doch durchaus nicht über die Situation. Es wird mit aller Entschiedenheit aufrecht erhalten, daß Verkehrsablenkungen, die nur bezwecken konnten, die Main⸗Neckarbahn mürbe zu machen, vorgekommen sind, und zwar nach Darmstadt, Bensheim und Mannheim. Darmstadt hat seinen Verkehr iu jüngster Zeit zurückbekommen, Bensheim und Mannheim indessen noch nicht. Diese ere een obwohl keineswegs unerheblich, waren allerdings noch nicht mächtig genug, die Main⸗Neckar⸗Bahn ernstlich zu ge⸗ fährden, wohl aber könnte das eine Hauptver- kehrsentziehung bewirken, die seitens Preußens nicht ausgeschlossen ist, sobald der bestehende Tarifvertrag seine Giltigkeit verloren hat. Wenn die darüber schwebenden Verhandlungen nicht zu einem friedlichen Uebereinkommen führen, so werden bestimmt Verkehrsumleitungen erfolgen, bei denen man mit sehr großen Zahlen rechnen darf. Dadurch würde der Main⸗Neckar⸗Bahn, die in der Hauptsache auf den Trausttverkehr ange⸗ wiesen ist, der Hauptlebensnerv durchschnitten. In Kreisen, die der Verwaltung der Main⸗ Neckar⸗Bahn nahestehen, hält man es für nicht ausgeschlossen, daß Preußen der Main⸗Neckar⸗ Bahn die ganze Verkehrsvermittlung zwischen Nord⸗ und Süddeutschland, die ihr bisher natur- gemäß oblag, entziehen und den Güterverkehr

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Auch empfehle es sich! Branntwein wird beschlossen: dem Chr. Schönhals, Eder⸗ r

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Pflammern steht vor Nataly, sie zu einer Extratour zu holen. Sie entschuldigen, verbeugt er sich gegen Ohnstädt. Nataly erhebt sich sogleich und fliegt in des Hauptmanns Arm graziös durch den Saal.

Ohnstädt dreht sich mit gekrauster Stirn un⸗ mutig seinen Schnurrbart, dann, um seine Erregt⸗ heit abzuleiten, schreitet er schnell davon und fordert eine andere Dame auf. Ueber deren Schulter hinweg suchen seine Augen Nataly, er achtet kaum auf den Takt, vergißt das glatte Parkett und sein Führeramt, Nataly gelten seine Gedanken! Die Folge davon ist, daß er stolpert, dadurch verwirrt, vollends ausgleitet und plötzlich der Länge nach auf dem Boden liegt, seine Dame mit sich reißend, das nächste Paar, gerade in einer Galoppade begriffen, kann nicht rasch genug anhalten, stößt mit kräftigem Ruck an das lebende Hindernis und kommt ebenfalls unschön zu Fall! Der Tanz stockt, man ist den Gefallenen beim Aufstehen behülflich, man tuschelt, sieht sich schadenfroh und hämisch lächelnd an, die in Mitleidenschaft gezogene Dame macht ein bitterböses Gesicht und faßt prüfend nach ihrer Frisur! Ohnstädt entschuldigt sich verlegen, auf seinem Knie klafft ein Riß in dem schwarzen Beinkleid. Er flüchtet hinaus und ahnt nicht, daß Natalys Blicke ihm in Zorn und Empörung folgen, daß sie böse halb und doch halb erleichtert denkt:

Gott sei Dank, daß er vorhin nicht dazu kam,

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mir seine Liebe zu gestehen, wie entsetzlich wäre es gewesen, jetzt mit einem Manne verlobt zu sein, welcher fich auf diesem reizenden Feste in einer solchen gräulichen Art und Weise blamiert und lächerlich gemacht hat! Fi done! Pflammern kam zur rechten Zeit, deutlich genug hat doch das Schicksal entschieden! Daß dieser Unfall vielleicht nicht geschehen wäre, wenn Ohnstädt sich ihr gegen⸗ über ausgesprochen hätte, daß er im übrigen auch Pflammern noch ebensogut passieren konnte und daß eine derartige Aeußerlichkeit leichtfertig über ein ganzes Leben entscheiden zu lassen, doch mehr als oberflächlich und unwürdig war, daran dachte das Weltkind nicht!

Den Cotillon hat Nataly dem Hauptmann von Pflammern zugesagt. In animierter Unterhaltung sitzen sie beisammen.

Es ist dies der schönste Cotillon, den ich in meinem Leben getanzt habe, Herr Hauptmann! sagt Nataly.

Pflammern sieht sehr geschmeichelt aus, ein feines Rot steigt in sein Gesicht, dann schaut er Nataly forschend an, wie er wohl ihre Worte auf⸗ zufassen habe.Gnädiges Fräulein belieben zu scherzen! antwortet er in anscheinender Un⸗ gläubigkeit.

Aber nein doch, Sie Ungläubiger, ich meine es im Ernst!

Ah! macht er. Ein Wellchen schweigt er

und spielt an seinen Handschuhen.Gnädiges Fräulein machen mir Mut

Mut? Bedarf es dessen denn noch bei einem so schneidigen Offizier?

Er lächelt, er weiß nun, woran er ist, ohne weitere Verlegenheit fährt er weiter fort:Also Attacke, und erhoffe Kapitulation und Sieg! Gnädiges Fräulein wissen längst, daß ich für anädiges Fräulein schwärme rettungslos er legt die Hand auf die Herzstelle,darf ich fragen, ob gnädiges Fräulein mich auch als Partner zum reizendsten Cotillon fürs Leben haben möchten?

Sie sinnt ein Weilchen nach und denkt:Ohn⸗ städt sprach doch viel, viel gemüt⸗ und liebevoller, aber

Pflammern redet, ihre Gedanken ergänzend, lächelnd weiter:Soll himmlisch werden, kein solch' lächerliches Intermezzo, wie vorhin dem Ohnstädt passierte, darin vorkommen, auf Ehre!

Nataly strahlt ihn verheißend an.Lieber Herr von Pflammern, also ja, kurz und gern!

Jamos! jubelt er beglückt,das schönste Mädchen ist nun meine Braut!

Ja, nun bin ich Braut! sagt sie triumphierend und ohne sonstige Empfindung.

Soll man nun lachen, oder weinen, wenn man bedenkt, wodurch doch manchmal heutzutage so eine Verlobung entschieden wird!?

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