Ausgabe 
20.8.1897
 
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und Militär⸗Musikdirektor Krause vom In⸗ Ffanterie⸗Regiment Kaiser Wilhelm(2. großherzog⸗ ich hessischen) Nr. 116 ist die Krone zum Sil⸗

Heim Bürgermeister eines Nachbarortes

nlandss Jfreisamtsgehülfe aus und brachte vor, er

el beauftragt, die Hausnummern zu revidieren, besichtigte dieselben auch und fordertefür seine

6 Mensch au 1 Kahl.) Bei Gastwirt Loth auf der Liebigs⸗

9b 5 Ulbeuchspiebstahl ausgeführt. brecher begnügten sich diesmal mit zwei Schinken

ö 9 den gehindert. markt war, was die Zahl anbetrifft sehr gut

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liche Familienszene wurde gestern Abend

Fläufer für schwere Ware ihren Bedarf nicht decken konnten.

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Gießen, Freitag, den 20. August

1897.

Postztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

che Landeszeilung.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

. Kreuzplatz Nr. 4. 2

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 19. Aug. Dem Stabshoboisten

bernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.

* Gießen, 19. August. Bei dem Aus- kaben eines Fundamentes an der olkengasse stieß man heute Vormittag auf

die Ueberreste eines menschlichen Knochen- gerüstes.

Gießen, 19. Aug. Durch eine häß⸗

lansgasse ein Menschenauflauf Ein junger Mann mißhandelte seine Mutter in der brutalsten Weise, sodaß die Frau, welche Verletzungen davontrug, schlleßlich in einem Nachbarhause Unterkunft suchte. Wir nehmen von derartigen Klatsch⸗ geschichten höchst ungern Notiz, da aber der aui Mann in letzter Zeit mehrfach die Schuld an derartigen Erzessen trug, dürfte eine öffent⸗

(Ein Schwindler.)

in der Kap

Gießen, 19. Aug. keschten vorgestern ein junger Mann, gab sich als

Mühe 4, Gebühren, die ihm aber nicht ver⸗ urden. Gestern machte sich dersel be ch hier eines Betruges schuldig und wurde in Haft genommen.

k. Gießen, 19. Aug.(Einbruchs dieb⸗

abfolgt w

he wurde in verflossener Nacht wiederholt ein Die Ein⸗

und einigen Würsten. Auch im Schützenhaus bersuchten die Diebe einzusteigen, wurden aber durch die Wachsamkeit des Hundes an ihrem

Gießen, 19. Aug. Der gestrige Och sen⸗

befahren, doch waren schwere Gangochsen nicht am Markt, ebenso war Mangel an jungen Gang⸗ stieren, die auch nicht gefragt waren, während

Es waren gestern auffallend hiele Händler aus der Gegend von Hannover und Magdeburg hier, die auch durch partieweise Ankäufe den Markt machten. Zugochsen kosteten 2. Qualität 700800 4, Z. Qualität war wenig am Markt und wurde mit 600 650 pro Paar gehandelt. Mastochsen wurden mit junge Stiere für Mastzwecke mit 2829% pro 100 Pfund Lebendgewicht für Norddeutschland angekauft. Der Auftrieb auf

dem Schweinemarkt belief sich auf 8 900 Stück, meistens Mittel⸗Ware, die, trotzdem wenig Kauflust vorhanden war und trotzdem der Handel nur schleppend ging, zu gleich hohen Preisen wie am letzten Markt untergebracht wurden. Der Markt für Schweine blieb dieses Mal über⸗ ständig.

Gießen, 19. August. Mehr lernen! Die neueste Nummer des großh. Regierungs⸗ blattes enthält u. a. eine Bekanntmachung, die zweite Prüfung(Staatsprüfung) für das Justiz- und Verwaltungsfach be⸗ treffend:

Nachdem das am 1. Januar 1900 in Kraft tretende Bürgerliche Gesetzbuch unterm 18. August 1896 verkündet worden ist, muß darauf gerechnet werden, daß die Kandi⸗ daten, die sich der zweiten Prüfung für das Justiz⸗ und Verwaltungsfach in den Jahren 1899 und 1900 unter⸗ ziehen, wenigstens mit den Grundzügen des neuen Rechts, die Kandidaten aber, die sich dieser Prüfung später unter⸗ ziehen, so vollständig mit dem nenen Recht vertraut sind, wie es nach den bestehenden Vorschriften für das zur Zeit im Großherzogtum geltende bürgerliche Recht ge⸗ fordert wird. Es wird daher in Ergänzung des§ 9 der Bekanntmachung vom 17. Januar 1880, enthaltend Ausführungsbestimmungen zu der Verordnung, die Vor⸗ bereitung für den Staatsdienst im Justiz⸗ und Verwal⸗ tungsfach betreffend, vom 30. April 1879 das Nachstehende bestimmt:

1. Für alle Kandidaten, die sich in den Jahren 1899 und 1900 der zweiten Prüfung für das Justiz⸗ und Ver⸗ waltungsfach unterziehen, bilden Fragen aus dem mit dem 1. Januar 1900 in Kraft tretenden neuen bürger⸗ lichen Recht einen weiteren Gegenstand der Prüfung.

Bei der Auswahl der Fragen ist vorzugsweise auf die grundsätzlich wichtigen Verschiedenheiten Rücksicht zu nehmen, die zwischen dem neuen Recht und dem seitherigen Recht bestehen.

2. Vom Jahre 1901 ab tritt an die Stelle des im 8 9 Ziffer 2 der Bekanntmachung vom 17. Junuar 1880 bezeichneten Gegenstandes das auf Reichsrecht beruhende bürgerliche Recht. Außerdem sind Fragen aus dem Ge⸗ meinen Recht, dem Rheinisch-Französischen Recht und dem Hessischen Partikularrecht insoweit zu stellen, als diesen Rechten eine praktische Bedeutung auch fernerhin, sei es für die Uebergangszeit, sei es für die spätere Zeit, zukommt.

Für die Prüfung in diesen Fragen bleibt den Kandi⸗ daten ein Wahlrecht nach Maßgabe des§ 9 Ziffer 2 der Bekanntmachung vom 17. Januar 1880 bis auf weiteres gestattet.

* Gießen, 19. Aug. Eine interessante

Entscheidung fällte am Samstag das Schöffen⸗

gericht zu Frankfurt. Ein Kaufmann war der Unterschlagung eines entflogenen Kanarien vogels angeklagt. Das Gericht einer reichsgerichtlichen Entscheidung frei. Ein

Kanarienvogel ist kein Haustier und daher, wenn sondern als

wildes Tier ein herrenloses Gut, dessen An⸗

entflogen, kein fremdes Eigentum,

eignung keiner Strafe unterliegt.

* Gießen, 19. August.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Fetertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petltzeile.

sprach ihn aufgrund

Betreffs der Kün⸗

ist dieser Tage eine bemerkenswerte gericht⸗ liche Entscheidung gefallen. Ein junger Mann hatte bei einer Firma die Stelle eines Korrespondenten bei gegenseitiger dreimonatlicher Kündigungsfrist inne. Da er nun zu einer acht⸗ wöchentlichen militärischen Uebung plötzlich ein⸗ gezogen wurde, entließ ihn die Firma sofort. Der Betreffende wurde jedoch, als die Firma nach Artikel 60 des Handelsgesetzbuches ihm das Gehalt für sechs Wochen von den zu üben⸗ den acht Wochen nicht bezahlen wollte, klagbar. Das Gericht verurteilte daraufhin den Prinzipal, ihm auch noch vom Zeitpunkt der Beendigung der militärischen Dienstleistung bis zum Ablauf der dreimonatlichen Kündigungsfrist das volle Gehalt zu bezahlen! Die gegen dieses Erkenntnis von der Firma eingelegte Berufung wurde kosten⸗ pflichtig zurückgewiesen.

* Gießen, 19. Aug. Ueber das Trinken bei Erntearbeiten giebt ein Arzt folgende beachtenswerte Andeutungen, die allgemein be⸗ herzigenswert erscheinen: Viele Landleute be⸗ kämpfen bei den Feldarbeiten den Durst, um dadurch dem heftigen Schwitzen vorzubeugen. Dies ist aber verwerflich und kann unter Um⸗ ständen zu gefährlichen Krankheiten führen. Der Durst ist als Mahnung zum Ersatz der dem Körper verloren gegangenen Flüssigkeiten anzu⸗ sehen und es treten bei Nichtbeachtung dieser Mahnung allmähliches Austrocknen der Gewebe und schließlich der Sonnenstich ein. Abgesehen von diesen schlimmsten Folgen leuchtet auch ein, daß durch den aus Mangel an Flüssigkeiten ge⸗ schwächten Stoffwechsel die Körperernährung be⸗ einträchtigt wird. Es ist daher keinesfalls rätlich, den Durst völlig zu unterdrücken. Wenn man trinkt, trinte man langsam und mäßig; anzu⸗ empfehlen ist kalter Kaffee, leichtes Bier und Wasser mit Zitronensaft. Es wird dadurch der durch Wasserzufuhr bewirkten Veränderung der Magensäure in rationeller Weise entgegengewirkt.

* Gießen, 19. Aug. Ueber die Unter⸗ bringung von Reisenden in höheren Wagenklassen wegen Ueberfüllung ist seitens der Eisenbahnverwaltung folgende An ordnung ergangen: Im verflossenen Jahre sind während des stärkeren Reiseverkehrs wiederholt Fälle vorgekommen, in denen Reisende eigen⸗ mächtig wegen Ueberfüllung in einer höheren Wagenklasse Platz genommen haben, obwohl ihre Fahrkarten nur für eine niedere Wagenklasse lauteten; die zeitweise Unterbringung von Reisen⸗ den in einer höheren Wagenklasse bei Platzmangel darf nur durch das zuständige Eisenbahn⸗Dienst⸗ personal angeordnet werden. Reisende, die hier⸗ gegen verstoßen, sind als solche, die ohne gültige Fahrkarte betroffen werden, zu betrachten und nach§ 21, Absatz 2 der Verkehrsordnung zu

. edition: 81 Kreuzplatz Nr. 4. gelegte Strecke, mindestens aber 6 Mark nach⸗

zahlen.

* Gießen, 19. Aug. Das Neueste von Edison. Dem Mimen wird die Nachwelt nun doch die verdienten Kränze flechten, wenn die Experimente, womit Edison soeben beschäftigt ist, erfolgreich ausfallen sollten. Glücken die Ver⸗ suche des amerikanischenZauberers, so kann mittels des vereinigten Phonographen und Kine⸗ toskops jede theatralische Aufführung in Wort und Bild, in Musik und Darstellung den kom⸗ menden Zeiten erhalten und ohne Beihülfe von Personal, von Schauspieler, Sänger, Musiker, Souffleur und Regisseur dem Publikum wieder vorgeführt werden. Jeder Ton, jede Geste, jedes Mienenspiel, jedes Wort wird getreulich vor Auge und Ohr wieder aufleben, ein Rosst, ein Duse, Sarah Bernhardt, Sonnenthal und Lewinsky nach Jahrhunderten noch gewürdigt und applaudiert werden. Edisons Idee geht nun vor allem zuerst dahin, dem Phonographen seine metallisch näselnde Stimme zu nehmen und ihm statt dessen den reinen Wortlaut der mensch⸗ lichen Kehle, des musikalischen Instruments zu eben, sodaß der Klang bis in seine feinsten Modulationen nachgebildet wird; und ferner, um Ton und Geberde zu vereinigen, Kinetoskop und Phonograph in genau gleichzeitige Thätigkeit und Uebereinstimmung zu bringen. Für eine solche Zukunftsvorstellung wird auf einer völlig leeren Bühne anstatt der Koulissen die weiße Fläche querüber gespannt. Nun werden hinter dem Vorhang Phonographen aufgestellt, deren Zahl genau der Zahl der Akteure entspricht, deren jeder also die Stimme jedes einzelnen Darstellers enthält: so viel redende oder singende Personen, so viel Phonographen mit einer auf das Hundertfache verstärkten Stimme und voll⸗ ständig gesungener Partie, gesprochener Rolle. Auf einer Gallerie, dem Zuschauer verborgen, befindet sich das Kinetoskop und 48 Photo- graphien in der Sekunde, eine Zahl, die zur ununterbrochenen Folge der Bewegungen genügt, auf die Bildfläche. Ein und derselbe elektrische Strom verbindet Kinetoskop und Phonograph, vereinigt also Ton und Bewegung der Dar⸗ steller. Die Thatsache, daß beide Erfindungen bereits vorhanden und bekannt und auf eine ver⸗ hältnismäßig hohe Stufe der Entwickelung und Vollendung gebracht worden sind, dürfte ver⸗ bürgen, daß es sich bei dieserZukunftsmusik nicht nur um einen Scherz, einen Witz, sondern um eine ernsthafte Errungenschaft handelt, deren Realität schon durch den Ruf und Namen Edisons gewährleistet erscheint.

* Mainz, 18. Aug. Die Kommission, die in Sachen der Differenzen zwischen den Brauern und der Schöfferhofbrauerei intervenieren sollte, erstattete gestern Abend im Gewerkschafts⸗ kartell Bericht über den negativen Erfolg ihrer

digung wegen militärischer U

ebungen

behandeln, d. h. sie müssen für die ganze zurück⸗

Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

Warnshagen und Hellmuth erhoben sich und machten ihre Verbeugung. i

Nun lam auch die Frau des Hauses mit einigen Flaschen Bier.

Ah, da ist ja auch die gnädige Frau! sagte

Warnshagen.Aber unseretwegen soviel Um⸗ stände! Guten Tag, gnädige Frau. Wie ists Befinden?

O ick danke, et jeht. Nur mit's Reißen hab' ich immer zu thun, nu sitzt et widder in die große Zeh', passen Se uf, et jiebt ander't Wetter.

Das mag sein. Darf ich Sie mit Herrn Aeutenant von Jürgen bekannt machen? Junger Freund von mir.

Sind Se willkommen, Herr Lieutenant. Und nehmen Sie vorlieb mit n' Flas Bier. Js Patzen⸗ hofer. Früher hatten wir Tivoli, aber Patzenhofer schmeckt uns besser. Röschen, schenk' in, Präsentier doch dem Herrn Lieutenant'n Jlas Und dann half sie ihrer Tochter, ein paar Gläser zu füllen.

Auf Ihr Wohl, Frau Puhlmann! sagte Warnshagen. i

Und auch auf Ihrs, Herr Puhlmann! Sie, gnädiges Fräulein, müssen mit dem jungen Herrn da anstoßen. Jugend gehört zu Jugend. Wir ge⸗ hören ins alte Eisen. Zwar, Sie hier auf dem Lande konservieren sich. Der gnädigen Frau sieht . nicht an, daß sie eine heiratsfähige Tochter

at O ick bitte! warf Frau Puhlmann schmeichelt ein. 5

Nein, nein, gewiß nicht! Und Ihr Herr Gemahl ist von einer so knorrigen Gesundheit, daß ich ihm hundert Jahre gebe

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merkte der Bauer. f

Warum nicht? Ich möchte es, wie ich sage Schmeicheln thu' ich nie jemals gemerkt, daß ich geschmeichelt habe?

Frau Publmann eine abwehrende Bewegung.

O nee, noch nie nich! erwiderte sie.

Das widerspricht eben meinem Charakter fuhr Warnshagen fort. Tage wieder einen ans Phänomenale streift. achtzigjährige Dame kennen

Achtzig Jahr! Jottedoch! bemerkte Puhlmann halb mitleidig, halb belustigt und faltet ihre fleischigen Hände unter der Brust zusammen

Aber das Beste war, daß di im Begriffe stand, sich von ihrem Manne U zu lassen, um einen anderen zu heiraten.

Frau Puhlmann lachte laut auf.

würde! sagte sie dann. Warnshagen bemerkte Hellmuth und Röschen si eingelassen hatten und suc Eltern durch sein Gespräch

mit Vergnügen, da ch in eine Unterhaltun chte nun seinerseits di zu fesseln und z

r nach Berlin führe und ob sie scho gesehen habe. Als er nun be chtet wurde, e neulich bereits da hier auf

hin und wiede eine Parade mit an merkte, daß er nicht beoba gedämpfter Stimme:Ich hatt Vergnügen, Sie zu sehen Kirchhof

Ja, ich weiß, habe Sie gleich wieder erkannt.

Na so ville werden't woll nich werden, be⸗

Oder haben Sie schon

machte mit ernster Miene

Uebrigens habe ich dieser Fall von Rüstigkeit erlebt, der Ich lernte nämlich eine

Frau

ese Dame eben cheiden

Ick wußte doch, dat widder'n Witz kommen

belustigen. Hellmuth hatte bisher nur ein paar gleich⸗ gültige Fragen an Röschen gerichtet, so, ob sie auch

sagte er mit

dem

erwiderte sie lächelnd,ich

Es sind wohl Ihre Großeltern, die dort liegen?

Ja.

Sie starben an einem Tage?

Ja, die Großmutter morgens um 9 und nach mittags um 6 der Großvater. Es waren so gute, liebe alte Leute.

Röschen blickte mit ernster Miene zu Boden. Eine Thräne stahl sich zwischen ihre Wimpern.

Hellmuth betrachtete sie einen Augenblick. Das soll nun also deine Frau werden, dachte er. Etwas wie Mitleid wallte in ihm auf, sie erschien wie ein Opfer niedriger Ränke. Doch dann reizte ihn auch der Gedanke, dies Vögelchen so arglos in das ihm bereitete Netz flattern zu sehen.

Er wollte ihre traurigen Erinnerungen ver⸗ scheuchen.

Fühlen Sie sich nicht manchmal recht einsam hier? fragte er.Haben Sie nicht Sehnsucht nach der großen Stadt und ihren Vergnügungen?

Sie sah ihn groß an und schüttelte den Kopf. Ich bin ja so glücklich hier, erwiderte sie.So lange ich meine Eltern habe

Herr Puhlmann und Frau stiegen ordentlich in der Achtung des jungen Offiziers, weil Röschen mit solcher Anhänglichkeit von ihnen sprach.

Es ist selten, daß jemand von sich sagt, er wäre glücklich.

Wirklich? O ich habe aber schon viele glück⸗ liche Menschen keunen gelernt. Wenn ich so nach⸗ denke über meine Bekannten, ich glaube, die meisten würden dasselbe sagen.

Das möchte ich bezweifeln. Sie halten sie für glücklich, weil Sie sie in glücklichen Stunden gesehen haben, und die hat wohl fast jeder Mensch.

Röschen blickte ihn an und sah dann weg. Sie begriff solche Anschauungen offenbar nicht.

Hellmuth fuhr fort:Und worin besteht nun

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Wieder sah sie ihn an. Sie lächelte.

Das weiß ich nicht. Daß ich lebe und ge sund bin unb mich an so vielen Dingen erfreuen kann, an dem schönen Wetter, an Musik, meinen Hühnern, ich kaans wirklich nicht sagen. Und wenn Vater lacht oder Mutter mit Onkel Fritz Scherze macht und ihn verzieht er ist nämlich der Erb⸗ onkel es ist vielleicht dumm, aber so etwas kann mich nun glücklich machen.

Hellmuth hatte mehrmals mit genickt.

Freilich, sagte er jetzt,das bloße Leben ist schon beglückend. Ich empfand das wieder, als ich neulich daheim mit der Büchse durch den Wald strich. Geschossen hab' ich nichts, hätt's auch gar⸗ nicht mögen an dem Tage. Aber wie ich so im Walde stand, so ganz allein zwischen den alten Fichten und über eine Lichtung hinübersah bis auf die nächsten Wiesen und Dörfer und alles so still war um mich herum, so feierlich, da dachte ich fast dasselbe, was Sie eben sagten. Ich empfand so recht das Glück, zu leben und wollte weiter nichts. Wohl eine viertel Stunde lang stand ich so und atmete die köstliche Luft ein in vollen Zügen. Ja, das war ein reines, ein wunderbares Glück!

Ihre Blicke begegneten sich, und das Wohl⸗ gefühl der Jugend und des Gefallens an einander durchzog ihre Herzen. Mit glänzenden Augen sah sie zu ihm auf, und innig senkte er seinen Blick hinein in diese von Lebenslust leuchtenden Sterne.

Kaum merkten sie, daß Frau Puhlmann an ihnen vorüber ging.

Gleich darauf trat der Onkel ein, eine lange, hagere Gestalt in den Siebzigern, bartlos, mit ein⸗ gefallenem Munde. Mit der Mütze kam er ins Zimmer und behielt sie auch auf.

dem Kopf

Ihr Glück? Möchten Sie mir das wohl sagen?

(Fortsetzung folgt.)