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Gietzer, Sonntag den 20. Junt
Poflztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: N
Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der
Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzelle.
.* 9 5 1 7 7 + Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 19. Junsj. Für die Eröffnung der Nebenbahnen von Friedberg nach Hungen und von Beienheim nach Nidda ist der 1. Oktober l. J. in Aussicht genommen.
* Gießen, 19. Juni. Der Kinemato— graph oder die lebenden Photographien wird auf einige Tage, wie aus dem Inseratenteil er⸗ sichtlich, auf Oswalds Garten ausgestellt sein. Die Vorstellungen finden halbstündlich statt und war zu so mäßigem Eintrittspreise, daß es wohl sedem möglich sein wird, diese wunderbarste Schaustellung des Jahrhunderts in Augenschein zu nehmen. Die verschiedenen Scenen sollen fast alle in vollständiger Lebensgröße den Personen dargestellt werden.
“ Gießen, 19. Juni.(Brandwache.) Bon Morgen ab werden von den hiesigen Frei— willigen Feuerwehren allsonntäglich von —8 Uhr nachmittags im Turmhaus am Brandplatz Brandwachen gestellt. Diese Neuerung, die im Interesse der Sicherheit unserer Bewohnerschaft liegt, wird gewiß allseitig mit Freuden begrüßt werden.
8. Gießen, 17. Juli.(Schöffenge— lichtssitzung.) Heute morgen hatte sich der Schriftsteller Gustav Münster von Edenkoben wegen Betrugs zu verantworten. Der Ange— lagte ist einmal wegen Herausforderung zum Zweikampf vorbestraft. Am 29. April kam der⸗ selbe in die Wirtschaft von Vogt in der Sonnen⸗ raße, woselbst sich der Angeklagte als A. H. her Arminia⸗Straßburg den hiesigen, dort beilenden Arminien vorstellte. Münster gab an, iu sei Geistlicher, jedoch befürchtete er, daß er hald aus dem Amte eutlassen werde, da seine stese Willensäußerung zu weit nach links gehe. Auch bezog sich Angeklagter auf mehrere Herren, die den Studenten bekannt waren. Zum Schluß erzählte er seine Begegnungen auf der Reise, wo u. A. angab, das Geld sei ihm auf der Tour hon Köln nach Bingen, während er geschlafen habe, entwendet worden. Es liege in Frankfurt zuf der Post eine Postanweisung über Geld, das ähm seine Frau geschickt habe, vor, jedoch könne iksich nicht legitimieren und aus diesem Grunde ei er hierher gekommen, um irgend einen Be⸗ lannten aufzusuchen, der ihm aus seiner be⸗ hrängten Lage helfen würde. Er müsse jedoch einsgen Tagen zu Hause predigen, und wenn ir nicht komme, sei seine Stelle für ihn verloren. Schließlich erbot sich ein Reisender, dem Ange— klagten 30 1 zu geben. Die Studenten gaben dies nicht zu, da sie den Angeklagten für einen Bundesbruder hielten und deshalb selbst unter⸗ lützen wollten. Nachdem Münster von den Studenten 20% empfangen hatte, unterhielt er ch noch längere Zeit mit denselben, wobei er ssch widersprach und über Personen, die er
nannte, gar keine Auskunft geben konnte.
Während der Unterhaltung telegraphierte einer der Studenten an einen A. H. der Straßburger Arminen, der jedoch einen Pfarrer Hollinger, wie er sich nannte, nicht kannte. Da dem An— geklagten gesagt wurde, er sei ein Schwindler, gab er das Geld wieder zurück. 1* dagegen, die ihm ein Student noch nebenbei gegeben, be— hielt er. Der Angeklagte ist geständig und giebt an, er schreibe für gewisse Zeitungen politische Artikel, jedoch könne er mit seinem Verdienst nicht auskommen. Aus diesem Grunde habe er sich als Lockspitzel der politischen Poli⸗ zei in Berlin angeboten, leider ohne Er— folg. Das Urteil lautete auf sechs Wochen Ge— fängnis.
Schwurgericht.
W. Gießen, 18. Juni.
Nach erfolgter Verkündung der Schuldfragen in der Sache Weppler von Lauterbach wegen des Versuchs räube⸗ rischer Erpressung, bittet der Geschworene Wörner von Bad Nauheim, den Zeugen Sterz noch ein Mal fragen zu dürfen. Durch den Vorsitzenden hierzu veraalaßt, fragt Herr Wörner den Zeugen, warum und ob derselbe, als der Angeklagte ihn angepackt, sich nicht gewehrt habe. Er sei doch viel kräftiger als Weppler; es sei doch kaum glaublich, daß er sich so ruhig ins Wasser habe werfen lassen können. Der Zeuge erklärt, er wäre in dem Moment, als Weppler auf ihn eingedrungen, ganz willen⸗ los gewesen, giebt aber auf weiteres Befragen des Vor⸗ sitzenden zu, er hätte sich jedenfalls, wenn er keine Hilfe bekommen und es zum Aeußersten gekommen, ermannt und sich dann seiner Haut gewehrt.
Hierauf nimmt der Staatsanwalt Koch das Wort zur Begründung der Anklage und plaidiert für Bejahung der Schuldfrage wegen des Versuchs der räuberischen Er— pressung; aber auch für Bejahung der Frage, ob dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen seien. Es komme gar nicht darauf an, daß der Vermögensvorteil, den der Angeklagte im vorliegenden Falle habe erpressen wollen, nur 5% ausmache. Die mildernden Umstände seien darin zu finden, daß der Angeklagte die That im angetrunkenen Zustande begangen, daß er noch jung und unbestraft sei. Wenn der Verteidiger beantragt habe, eine Hilfsfrage dahin zu stellen, ob die That des Angeklagten nur als grober Unfug zu betrachten sei, so sei er wohl dazu veranlaßt, weil der Gendarm, welcher die erste An- zeige wegen der That erhoben, in dem vorigen Glauben sich befunden, dieses Vorgehen liege hier vor und daher dieserhalb die Bestrafung beantragt habe. a
Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Metz vertritt die Meinung, daß die ganze Angelegenheit weiter gar nichts darstelle, als einen dummen Bubenstreich, wie solcher alle Tage vorkommt unter so jungen Leuten. Der Angeklagte war zweifellos an dem Tage sehr angetrunken und es ist ihm zu glauben, daß er nicht mehr recht weiß, wie die Sache gewesen. Er habe fraglos nur aus Aerger, weil ihm Sterz die verlangten 5„ nicht habe leihen wollen, diesen gepackt und mit diesem sich herumgebalgt, nicht zu dem Zweck, um die 5„ zu erpressen. Es glaube doch gewiß Niemand, daß sein Klient ernstlich die Absicht ge⸗ habt, seinen Gegner ins Wasser zu drängen. Wenn dieser dahin heute bekundet, so liege dies daran, daß durch die
schiedenen Vernehmungen zu der Ansicht bestimmt sei. Die Affaire sei fraglos mit der Länge der Zeit von den beiden hier in Frage kommenden Zeugen sehr aufgebauscht und mit grellen Farben geschildert worden. Der Gendarm, der die erste Anzeige von dem Vorfall gemacht, ein Be⸗ amter, der derartige auf dem Lande alle Tage vorkom⸗ mende Dinge unmittelbar am aller richtigsten beurteilen könne, sah nach der ganzen Sachlage in des Angeklagten Thun nichts weiter als groben Unfug und beantragte auch dieserhalb in seiner Anzeige die Bestrafung.
Der Amtsanwalt, der sich mit der Anzeige zu be⸗ schäftigen hatte, war der Ansicht, es liege Nötigung vor, während die Staatsanwaltschaft mit großem juristischem Scharfsinn aus der That des Angeklagten ein Verbrechen konstruierte, welches der That eines Räubers gleich zu achten sei. Sie, meine Herren Geschworenen, so schloß der Verteidiger, Sie, die dazu berufen sind, hier in dieser Sache Recht zu sprechen, sie werden in der verhältnismäßig nur unbedeutenden That des Angeklagten auch weiter nichts finden als einen groben Unfug und demgemäß ihren Wahrspruch fällen.
Es folgte die Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden und 5 Minuten dauernde Beratung der Jury, worauf der Obmann Wörner aus Bad Nauheim den Wahrspruch ver⸗ kündete, welcher dahin lautete, daß der Angeklagte des Versuchs der räuberischen Erpressung nicht schuldig, die Frage aber wegen des Vorliegens von grobem Unfug bejaht sei. Der Angeklagte wurde vom Gerichtshof da⸗ raufhin zu 4 Wochen Haft verurteilt und auf freien Fuß gesetzt, ohne daß der Gerichtshof sich veranlaßt sah, die 6 Wochen lang verbüßte Untersuchungshaft gegen die er⸗ kannnte Strafe aufzurechnen, weil er kein Geständnis abgelegt.
W. Gießen, 19. Juni.
Die heutige Sitzung begann erst gegen 10 Uhr und zwar aus dem Grunde, well der Vorsitzende und Gerichts⸗ rat Dornseiff plötzlich erkrankt ist; als dessen Stellverteter leitet heute Landgerichtsrat Dr Linkenheld die Ver⸗ handlung, welche sich gegen den 24 Jahre alten, noch un⸗ bestraften Kaufmann Aug ust Koch von Fulda richtet. Es handelt sich um das Verbrechen des Totschlagsversuchs, welches der Angeklagte im Monat März gegen seine eigne Ehefrau, welche in der neuen Klinik hierselbst als Ober- köchin bedienstet ist, begangen hat. Die Anklage wird vom Staatsanwalt Koch vertreten. Als Verteidiger fun⸗ giert Rechtsanwalt Dr. Jung. Der Angeklagte hat seine Frau in Fnlda kennen gelernt und kurze Zeit in wilder Ehe gelebt. Aus dieser Zeit besitzen die Eheleute ein Kind, welches teilweise von Kochs Mutter erzogen wurde. Nachdem die Kochschen Eheleute verheiratet, zogen sie zu einem Major von Bieberstein nach Frankfurt a. M., dem gegen freie Wohnung die Ehefrau Koch die Wirtschalt zu führen übernahm. Koch behauptet nun, seine Ehefrau habe mit dem Major unerlaubten Verkehr getrieben, und trennte sich infolgedessen von derselben, indem er das Biebersteinsche Haus verließ und sich ein möbliertes Zim⸗ mer mietete. Die Eheleute vereinigten sich später jedoch wieder. Nach einjährigem Wohnen in Sachsenhausen be⸗ schloß der Angeklagte nach Fulda zu ziehen, was seine Frau ablehnte und eines Tages verschwand. Der Ange⸗ klagte will nun tagelang die Gattin gesucht haben, bis er erfuhr, daß dieselbe in Gießen in der Klinik als Köchin angestellt sei. Hier reiste der Angeklagte her und nach langem Zureden und Verhandeln willtgte seine Frau ein,
diesbezüglichen Fragen der junge Mann bei seinen ver⸗
am 1. April ihre Stelle aufzugeben. Zwei Tage später
Theodor, der Freiersmann.
Eine Episode in Briefen von C. Fahrow. (Nachdruck verboten.)
(Schluß.) Dresden 97. Lieber Karlmann!
Beifolgenden Brief erhielt ich von Deiner Oattin, und ich schicke ihn Dir zu, ohne selbst zu Ummen, weil ich nicht weiß, wie Du ihn auffassen hirst.— Nur soviel: Da Deine Mutter seit einem Mertelsahr ihren Wohnsitz nach Schlesien verlegt hat, vermute ich, daß Dir die Augen einigermaßen snufgegangen sind— ich meine nicht etwa über den (harakter Deiner Mutter, der unantastbar hochsteht — sondern über ihre Schwäche, sich in Eure Ehe 1 mischen.
Eines Dir zum Wink: ich weiß ja, daß Du Deine Elwine über Alles liebst. Aber daß sie dus nicht glaubte nach Deiner ewigen Parteinahme ir Deine Mutter, das versteht jeder!— Willst Ju sie nicht ganz verlieren, so eile, denn Du fiehst, pon bewerben sich andere um sie. Zur näheren Eeklärung lege ich Dir auch Theodors Briefe bei.
Dein treuer Freund Friedrich. Dresden.... 97. Lieber Theo!
Du hast mir zwar einmal geschrieben, dann ber wieder das alte Seh weigen beobachtet. Das te ist also, ich suche Dich selbst einmal auf. Am Kittwoch nachmittag treffe ich ein.— Friedrich verhindert zu kommen.—
Dein Karlmann. Lieber Friedrich!
Gestern kam Karlmann hier an und sagte mir, au hättest ihn statt Deiner geschickt. Ist der Kensch aber verändert! Keine Spur mehr von dem söhlichen, selbsibewußten Burschen von früher—
mir scheint, daß er die Trennung von seiner Frau nicht überwinden kann.
Da ich Karlmann auch früher schon von meiner blonden Witwe geschrieben hatte, kam bald die Rede auf sie, und er horchte mich über sie aus mit einem so echt freundschaftlichen Interesse, das sogar bis in die geringsten Details ging, daß ich ordentlich gerührt wurde.
Nun hat aber meine Frau Schulz mir die Bitte abgeschlagen, ihr einen Freund zuführen zu dürfen, — ich bin ganz ratlos, wie ich es anfangen soll, daß er sie kennen lernt! Vielleicht gebrauche ich eine Kriegslist, sage, er habe ein neues Mittel gegen Migräne erfunden,—(die ist nämlich wiederge— kommen,) und wünsche es ihr selbst zu geben usw.
Jedenfalls mache Dich auf Alles gefaßt— wenn sie mich will, nehme ich sie!
Dein Theodor. Berlin 97 Lieber Freund!
So muß ich Sie von heute ab nennen, denn nur Ihre aufrichtige Freundschaft hat das Wunder fertig gebracht, daß ich jetzt wieder glücklich bin, — ach, ganz unsagbar glücklich! Ohne Sie wäre Karlmann nicht hergereist.
Karlmann sitzt neben mir und sieht mich an— wie in alten Zeiten!
Aber lassen Sie mich der Reihe nach erzählen, wie es kam.
Dr. Rempler, dieser urkomische dicke Herr, den ich als Arzt gewählt hatte, machte mir vorgestern weis, ein Freund von ihm(nach dessen Namen ich zum Glück zu fragen vergaß,) wolle mir ein neues Migränemittel geben, dessen Anwendung besondere
Gestern Nachmittag also wird mir ein Besuch gemeldet.
„Der Herr mit den Pulvern sei da“.
Ich lasse bitten.
Wie die Thür aufgeht, fällt mir die Blumen⸗ vase aus der Hand, die ich eben wegsetzen will— — vor mir steht Karlmann.
„Bitte“,— sag' ich mit einem jedenfalls ur⸗ thörichten Gesicht:„Ich verstehe nicht— das ist wohl— ein Irrtum——“
„Nein“, sagt er mit ganz zittriger Stimme, und kommt näher und hat seinen Hut in der Hand, — bes ist kein Irrtum. Ich wollte Dich sprechen——“
„Bitte“, sag' ich wieder ganz dumm,„willst Du nicht ablegen?“
Er setzte seinen Hut weg und trat auf mich zu und nahm meine Hand,— und dann alle beide— und auf einmal liege ich an seiner Brust und schluchzte, und seine Arme umschlingen mich, und er sagt:
„Meine Elwine! Mein Lieb— soll nun Alles wieder gut sein?“
Ich hatte nun zwar,— wenn ich je in kühnen Träumen einmal an eine Aussöhnung dachte— mir die Szene ganz anders vorgestellt. Er sollte dabei zu meinen Füßen liegen und mich um Ver— zeihung bitten, und ich wollte mich huldreich zu ihm herabneigen und gnädigst seine Reue und seine Bitten anhören
Statt dessen hing ich an seinem Halse und ließ mich küssen und weinte immerfort vor lauter Seligkeit.
Endlich setzten wir uns nebeneinander auf das kleine Schmollsopha und er sagte:
„Elwin, mein Herzblatt,— die Mama wird
Vorsicht erheische. Sein Freund sei Chemiker ꝛc. ꝛc.
— Ich willigte ein.—
uns nicht stören, sie ist nach Schlesien gezogen.“
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
erhielt der Angeklagte von seiner Frau einen Brief, wo⸗ rin ihm dieselbe wieder gegenteilige Mitteilung machte. Eines Tages, so erklärt der Angeklagte, habe er von einem Anwalt namens seiner Frau einen Brief bekommen, worin sich jeder Verkehr mit derselben verbeten wurde. Auf diesen Brief war der Angeklagte wieder nach Gießen geeilt. Er ging nach dem Küchengebäude der Klinik und wurde dort von einem Mädchen in das Zimmer seiner Frau gewiesen. Er traf dasselbe leer und setzte sich wartend auf das Sopha. Kurze Zeit nachher trat seine Frau ein. Der Angeklagte schildert, wie er ihr freundlich entgegengetreten, dieselbe habe ihn schroff abgewiesen und ihm ins Gesicht geschleudert, er sei gar nicht der Vater ihres Kindes. Da habe ihn die Wut übermannt und ohne recht wissen, was er thue, habe er seinen Revolver gezogen und mehrere Schüsse auf seine Frau abgegeben. Die Waffe habe er stets bei sich geführt. Der Angeklagte erklärt, er habe keines⸗ falls die Absicht gehabt, seine Frau zu töten. Nach der That ist der Angeklagte entflohen und hat sich mehrere Stunden im Wald aufgehalten, wo er die Waffe fortge⸗ worfen, dann ist der Angeklagte zur Polizei gegangen und hat sich freiwillig gestellt.
Dr. Brandenburg, Assistenzarzt der Klinik, hat der Verwundeten Frau Koch den Verband angelegt. Dieselbe war am Halse durch Kugel getroffen und hatte je einen Streifschuß an der Hand und am Ohr erhalten. Der Sachverständige ist der Ansicht, daß die Affaire für Frau Koch möglicherweise später ein Mal üble Folgen haben könne, da beide Kugeln noch im Körper der Frau stecken und wegen der Gefährlichkeit der Operation nicht entfernt worden sind.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 19. Juni. Eine von national ⸗sozialer Seite einberufene, von etwa 1500 Personen, darunter, Stu⸗ denten besuchte öffentliche Versa mm⸗ lung tagte gestern Abend in der Ton⸗ halle. Herr v. Gerlach kritisierte das Vlerbot des Auslegens sozialisti⸗ scher Schriften in der akademischen Lesehalle und die Nichtgestattung eines Vortrages der Frau Helene Lange. Eine gegen das Verbot sich richtende Re⸗ solution wurde angenommen. Be⸗ züglich des studentischen Ehrengerichts wurde beschlossen, eine weitere Versamm⸗ lung zur Statutenberatung einzuberufen. Im Prinzip erklärten sich die Versam⸗ melten mit dem studentischen Ehren⸗ gericht einverstanden.
Hd. Berlin, 19. Juni. Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Budapest: Aus den ungarischen Tief⸗ landen komme ernste Nachrichten über die agrar⸗ sozialistische Bewegung. Obgleich die Landwirte den Arbeitern sehr erhebliche Lohn⸗ erhöhungen bewilligt haben, zeigen sich die Ar⸗ beiter renitent und verweigern den Dienst. Je näher die Ernte heranrückt, desto stärker wächst die Bewegung an.
„Ach die arme Mama!“ Jrief ich ganz bestürzt, „so habe ich sie vertrieben?“
„Oh bewahre“, lächte er,„nur hat einer ihrer alten Verehrer, der ein vorzügliches Erziehungs- objekt ist, sich erinnert, daß sie Witwe ist und sie hat ihn— geheiratet.“
„Gott sei Dank! rief ich,— zuckte aber gleich darauf zusammen, denn verletzen wollte ich meinen Karlmann nicht. Er aber lächelte nur und sagte: Sie hat Dich bei alledem sehr lieb, Elwi.“
„Ich sie auch“, sagt' ich,„aber nur aus der Ferne. Wenn sie weg ist, hab' ich sie sogar beinah so lieb wie Dich.“
„Oh!“ sagte er mit einem ganz langen Ge— sicht,„aber Du sollst niemanden in der Welt auch nur beinah so lieb haben wie mich!“
„Und Du auch nicht, Karlmann?“
„Nein, nein, Elwi, ich auch nicht. Jetzt sind die Kriegsjahre vorbei und der ewige Landfrieden beginnt.“—
Und morgen kommen wir nach Hause zurück, lieber Freund, und bitten Sie, Sonntag bei uns zu speisen.— Bis dahin herzlichen Gruß und Handschlag von Karlmann und Ihrer
Elwine.
Berlin Lieber Fredericus!
Ich reise heute auf die Erholungstour an die Riviera. Grüße doch Karlmann und seine Frau von mir, wenn Du sie siehst; die werden nun ihr lebelang was zu lachen haben.
Im Heiraten habe ich nun doch ein Haar ge— funden. Ich bleibe Junggeselle.
Dein alter Theodor.
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