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Nr. 16
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Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe Gießen.
deszeitung.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Peg. für die Sspaltige Peiftzeile.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 19. Januar. Die Bürger— meister der hessischen Städte sind, wie Mainzer Blätter melden, in gemeinschaftlicher Beratung dahin übereingekommen, Gehalts⸗Ver⸗ änderungen bei den Volks schullehrern einer hessischen Stadt ohne vorherige Zustimmung der anderen Städte nicht vorzunehmen, damit nicht fortgesetzt Differenzen in den Gehaltsverhältnissen zu Tage treten.(?)
“Gießen, 19. Januar. Der Physiker Gustav Amberg ist heute hier eingetroffen, um die Vorbereitungen zu seinen Experi⸗ mentalvorträgen zu treffen.
* Gießen, 19. Jan. Maskenball des Hessischen Fechtvereins „Weisenschutz“ findet am 31. d. Mts. im Café Leib statt. Der Vorstand hat beschlossen, diese Veranstaltung dieses Mal ganz besonders amüsant zu gestalten.
* Gießen, 19. Januar. Im Lokale des Arbeiterbildungsvereins(C. Orbig) hielt gestern Abend Herr Dr. Völkel aus Braunschweig den angekündigten Vortrag über„Darwinis- mus und Sozialismus“. Die zahlreichen Zuhörer, unter denen wir auch einige Damen bemerkten, folgten den nahezu zweistündigen Ausführungen mit gespannten Jateresse. Dem Vortragenden wurde mit vielem Beifall gedankt.
* Gießen, 18. Januar. Die in Berlin erscheinende„Allgemeine Fleischerzeitung“ be— richtet aus Halle a. d. S. über den dortigen Viehhof:„Der hiesige städtische Viehhof ist nach wie vor ein Schmerzenskind unserer städtischen Behörden. Der beim Schlachthof an— gelegte Viehhof ist viel zu groß angelegt. Nach wie vor decken die hiesigen Fleischer nämlich im wesentlichen ihren Viehbedarf teils durch Ankauf in der Umgegend bei den Produzenten, zum Hauptteil jedoch auf der Rampe des Güterbahn⸗ hofes. Seit Errichtung der Anlagen hat darum der Viehhof stets einen erheblichen städtischen Zuschuß notwendig gemacht und auch für das nächste Haushaltsjahr wird voraussichtlich die Stadt nahezu 30000 41 zuschießen müssen. Schon lange hat dieser stete erhebliche Ausfall der Viehhofkasse Anlaß zur Erörterung der Stadtverordneten gegeben, die denn auch im vorigen Jahre zur Einsetzung einer Kommission 1 1 5 In der letzten Sitzung der Stadtver⸗ ordneten erstattete diese Kommission Bericht. Dieselbe hat Erwägungen angestellt, wie die meist ziemlich öde Rinderhalle und das freie Terrain des Viehhofes nutzbar zu machen seien. In dieser Beziehung sind jedoch bisher Ergeb— nisse nicht erzielt, denn auf die Ausschreibung der Vermietung der Rinderhalle zu Stallungen sind von den Händlern so abnorm niedrige Gebote gemacht, daß keinesfalls ein Eingehen auf dieselben angebracht erschien. In Aussicht genommen ist nun, die leerstehenden Hallen zu einem Markt für Korb⸗ und Läuferschweine zu verwenden. Die Kommission wird fortbestehen und zu gegebener Zeit der Stadtverordneten— Versammlung weitere Vorschläge unterbreiten.“ — Das kommt davon, wenn die Stadtverord—
Der große Wiener—
neten ohne sich die Sache genügend zu über— legen, ja sagen bei Anlagen, deren finanzielle Tragweite für die Steuerzahler sich schwer über—
blicken läßt.
* Leihgestern, 18. Jannar. Gestern Abend kam es zwischen hiesigen Burschen zu einer blutigen Schlägerei, bei welcher das Messer wieder eine Rolle spielte. Einem der Beteiligten wurde so übel mitgespielt, daß er das Bett hüten muß.
* Hausen, 18. Januar. Am Samstag Abend hielt der hiesige Kriegerverein in dem schön dekorierten Vereinslokal bei Wirt Heinrich Fink seine diesjährige erste Generalver— sammlung ab. Der Vorsitzende gab bekannt, daß die in diesem Jahre, durch Wegzug ausge⸗ schiedenen Mitglieder, durch Neuanmeldungen er⸗ setzt seien. Der Kassenbestand ist als ein günstiger zu bezeichnen.
* Grünberg, 16. Januar. Etwa vor Jahresfrist kehrten einige Studenten, die hier— her einen Ausflug unternommen hatten, in vor— gerückter Stunde in einer Wirtschaft ein. Wenige Tage vorher waren in einem anderen Gasthause der Stadt mehrere fremde Personen über Nacht geblieben, hatten abends vorher flott gezecht und verschwanden anderen Morgens, ohne die Zeche 1 5 zu haben. Dies Vorkommnis war wohl die Veranlassung, daß die Wirtin sofort in den späten Gästen eben— solche Schwindler vermutete und sie ohne weiteres aus dem Lokal verwies. Als die Studenten, welche wohl über den sonderbaren Empfang nicht wenig erstauut waren, Ein— wendungen machten und um Aufklärung baten, fielen mehrere der Anwesenden über sie her und mißhandelten sie. Erst die herbeigerufene Polizei vermochte die Aufgeregten zu beruhigen. Gestern hatten sich nun die Wirtin und zwei weitere Angeklagten vor dem Schöffengericht zu verantworten. Erstere wurde zu 20 Al. Strafe und einer der Angeklagten zu einer Ge— fängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. Gegen den anderen Angeklagten konnte nicht eingeschritten werden, da derselbe zur Zeit schwer krank ist und nicht vernommen werden konnte. Nach Schluß der Versammlung blieben die Mitglieder noch recht lange bei einem vorzüglichen Stoff in gemütlicher Stimmung beisammen.
Friedberg, 18. Januar. Im hiesigen Haftlokal ist gegenwärtig ein Bettler verhaftet, der, wie er behauptet, Hinze heißt und aus Salzburg stammt. Diese Angaben scheinen nicht richtig zu sein; der Verhaftete spricht Berliner Dialekt. Wahrscheinlich hat derselbe seinen wahren Namen verschwiegen, um nicht seine strafrechtlichen Antezedenzien und eventuelle Vor— strafen angeben zu müssen.
* Darmstadt, 18. Januar. Aus Veran⸗ lassung mehrfacher Beschwerden der Bureau— Angestellten bei Rechtsanwälten, No⸗ taren, Genossenschaften ꝛc. über den Mangel einer gesetzlichen Regelung ihrer wirtschaftlichen Lage hat der Reichskanzler umfassende Erhebungen eingeleitet. Durch Ausfüllung von Fragebogen sollen die persönlichen und dienstlichen Verhaͤlt—
nisse der Bureau-Angestellten ermittelt werden.
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8 edition: 24 Kr 950 latz Nr. 4.
Mainz, 18. Januar. Die in den letzten Ta gen durch die Presse gegangene Mitteilung, es seien zwischen der städtischen Theaterdeputation und dem Direktor des Stadttheaters, Herrn Rainer Simons, ernstliche Differenzen aus⸗ gebrochen, ist unrichtig. Alle von Herrn Simons vorgenommenen Wiederengagements wurden von der Deputation genehmigt. Nur in einem einzigen Falle entstand eine Differenz wegen eines reenga⸗ gierten Mitgliedes, die sich jedoch nicht auf die Person, sondern auf die Satzungen des Theater⸗ vertrags bezogen. Auch diese Differenz ist in der letzten Sitzung der Theaterdeputation voll— ständig beseitigt worden.
Mainz, 18. Januar. Die städtische Ver⸗ waltung beabsichtigt die Errichtung eines Massen⸗ grabes für die im Jahre 1870/71 hier ver⸗ storbenen französischen Soldaten. Die Gebeine der zahlreich hier beerdigten Soldaten sollen exchumiert und dann gemeinsam auf dem Friedhof beigesetzt werden an einer Stelle, an der sich bereits ein Denkmal zur Erinnerung an dahier verstorbene französische Soldaten befindet. Die französische Regierung soll hiervon in Kenntnis gesetzt werden, um sich bei der feier— lichen Ueberführung der Gebeine ihrer fern von der Heimat verstorbenen Landeskinder vertreten lassen zu können.
Mainz, 18. Januar. Hier soll ein all- gemeiner Sportplatz errichtet werden. Der „Radfahrer-Verein 1895“ hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen um Zeichnung von Anteilscheinen. Die Gesamtkosten sind auf 30 000 4. veranschlagt, aufzubringen durch Ausgebung von 300 Anteilscheinen zu je 100 A.
* Mainz, 18. Jan. Der Hausbursche des Seifenhändlers Liebmann wurde heute Morgen verhaftet, weil er beschuldigt ist, den Tod des in den Keller gestürzten Buchhalters Schott verschuldet zu haben.— Die roße Vogel⸗Ausstellung des Vereins Kana⸗ rien⸗Klub in den oberen Sälen des Café Neuf wurde heute Morgen eröffnet und wird während drei Tagen allen Vogelliebhabern Gelegenheit geboten, auf dem Gebiete der Vogelzucht Her⸗ vorragendes zu sehen und zu hören. In den gut durchwärmten Sälen ist eine große Anzahl gefiederter Sänger ausgestellt, die ihre lieblich tönenden Stimmen erschallen lassen. Im ersten Saale findet man unsre einheimischen Sing⸗ und Ziervögel, wertvolle, seltene Exemplare von Papageien, Exoten in mannigfaltigem Feder⸗ kleide, Hilfsmittel zur Vogelzucht, Käfige, Futterarten ze. Im zweiten Saale sind die Prämiirungs⸗Vögel“ ausgestellt. Im diesem Saale befindet sich auch der Gabentempel mit den vielen und wertvollen Ehrenpreisen.
Vermischtes.
— Eine Rattengeschichte. In einer Schule des sächsischen Ortes Treuen giebt es Ratten. Die giebt es auch anderwärts. Was aber das Rattenvor⸗ kommen in der erwähnten Schule besonders bemerkenswert macht, ist der Prozeß, der aus diesem Umstande entstanden ist. Der Lehrer Stöbe hatte nämlich öffentlich in einer Wirtschaft von der Rattenexistenz erzählt. Deshalb kam es zwischen ihm und dem Fabrikanten und Stadtverord⸗
neten Wolf zu einer erregten Szene, in deren Verlauf der Herr Stadtverordnete den Lehrer also anschmeichelte:„Mit so einem dummen Jungen, wie Sie, stelle ich z mich noch lange nicht vor Gericht; was wollen Sie denn, sich bezahle mehr Einkommensteuer, als Sie Gehalt bekommen; es thut schon mitunter not, daß, die Lehrer von Ratten auf⸗ gefressen werden, die Hallunken sind mitunter zu saumselig. Sie bekommen noch viel zu viel Gehalt!“ Der Lehrer Stöbe ging darauf zum Kadi. Das Gericht tzhat in An⸗ betracht, daß beide Parteien und die ganze Bürgerschaft wegen eines„Artikels im„Vogtländischen Anzeiger“ sich in einer gewissen Aufregung befunden haben, trotz der äußerst schweren Beleidigungen des Otto Wolfe von einer Freiheitsstrafe abgesehen und auf eine Geldstrafe von 200 Mark erkannt. Stobe wurde auf erhobene„Widerklage wegen Beleidigung zu 30 Mark verurteilt. Die Kosten trägt jede Partei zur Hälfte. Die Ratten, aber treiben ihr, Unwesen in der Schule toller denn je. Sie haben offenbar von der sonderbaren Raltengeschichte auch gehort.
— Tödliche Kraftmeierei. Ein boöses Ende hat vor einigen Tagen eine Spielerei in Tittmoning in Oberbayern genommen. Dort unterhielten sich einige junge Leute im postwirtshause. Einer von ihnen brüstete lich, er könne den Postexpeditor J. Laber mit einem einzigen Finger in die Hohe heben. Der Genannte gab sich leider zu dieser orraftleistung her.„Als das Kunststück beendigt war, war der Emporgehobene eine Leiche. Er fand den Erstickungstod, da ihn der seraftmeier am Hals⸗ kragen packte und förmlich erwürgte.
— Ein Lehrer als Nachtwächter. Seitdem die Domane Krüchern bei Kothen einen eigenen Nacht⸗ wächter hält, während sie einen solchen früher mit der Dorfgemeinde zusammenhielt, hat letztere festgesetzt, daß die Ortsangehörigen selbst der Reihe nach während je einer Nacht das Wächteramt ausüben. Demzufolge wurde auch der Lehrer aufgefordert, entweder selbst allstündlich die Dorfstrazen zu begehen oder sich einen geeigneten Stellvertreter zu beschaffen. Der schon betagte Mann soll nud eutschlossen sein, den Nachtwachterdienst auszuüben und dann am folgenden Tage jedesmal den Unterricht ausfallen zu lassen, bis die Behörden eine Lösung der Schwierigkeit gefunden haben.
— An den Unrechten geraten. Aus Colbitz traf in Tangerhütte die Kunde von einem rauberischen Ueberfall ein. Ein Schmiedegeselle wurde von seinem Meister wegen Arbeitsmangels entlassen. Der Geselle, ein fleißiger, sparsamer Mensch, hatte sich eine hübsche Summe erspart und wollte abends den Ort verlassen, um in der Nachbarschaft Arbeit zu suchen; dies war bekannt geworden und zwei berüchtigte Personen legten sich im Walde auf die Lauer. Als nun Jemand in der Dunkelheit des Weges tam, stürzten sich die Rauber in dem Glauben, es sei der Schmiedegeselle, auf den nichts Ahnenden und wollten ihm das Geld abnehmen. Der Angefalleue, ein Soldat, machte aber von seinem Seitengewehr gehörig Gebrauch und suchte daun den nachsten Ort zu erreichen. Von dort führte der Soldat meyrere Personen nach dem Thatorte, wo man den einen der Uebelthäter als Leiche mit einer klaffenden Halswunde vorfand. Der Andere war verschwunden. Er soll aber bei dem Kampfe auch eine erhebliche Armwunde erhalten haben.
— Rückwirkungen des Radfahrsports. Aus Newyork wird gemeldet, daß die dortige Juwelier⸗ firma Johnston und Co. falliert habe. Das Falliment ist auf die Depression im Juwelenhandel zurückzuführen, welche durch den immer mehr um sich greifenden Rad⸗ fahrersport verursacht wurde. Auch audere Geschaftszweige klagen darüber, daß das Radfahren ihnen Schaden bringe, in erster Reihe die Theaterdirektoren und die Tabathändler.
— Ein blutiges Ehedrama. In der Pariser Vorstadt Saint⸗Denis hal sich am Samstag, ein schreck⸗ liches Ehedrama ereignet. Eine junge Wascherin„ Emilie
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Der Wichser. Eine Freiergeschichte von L. Bürkner. (Nachorud verboten.) (Fortsetzung.)
Der Alte der schmunzelt:„Siehst' mein Toni, man muß eine Sach' nur richtig überlegen.— So ein Hof ist keine taube Nuß, gelt? Und wenn nu soll geheirat' werden, da wirst Dir wohl auch Eine ausgesucht haben.“—
Der Toni ist ordentlich rot geworden und kaut an seinem Schnauzer.—„Wenn's denn sein soll, denn auch gleich eine Saubere.— Die Schulzeu— marei stünd' mir scho' an.“—
Der Rosenhofer grient ordentlich:„Schau, schau der Toni.— Hab gemeint, Du könntst ein Mädel gar nicht ordentlich anschauen.— Das scheint aber doch net so zu sein.— Die Marei stünd mir auch an. Und morgenden Tages mach ich die Geschicht' ab mit'm Schulzenbauern.“—
„Vater, wenn's nur erst überstanden wär'“,— seufzt der Toni,—„die Marei ist gar eine Zungenfertige.“—
„Na,“ lacht der Rosenhofer,„da ists mal bei Euch umgekehrt, da kann sie die Red' thun.“
Andern Morgens macht sich der Rosenhofer auf zum Schulzenbauer. Dem Toni ists Augst und bange während der Zeit.— Es würgt ihn was am Hals, trotzdem er keinen Kragen an hat.— Und so sonderbar beklommen ist ihm, so warm und kalt und kribbelt ihm die Brust herauf und gar in den Fingern und Füßen.—
Nach zwei Stunden
Wegs entgegen.—
„Uff“, stöhnt der Rosenhofer und trocknet sich die Stirn ab,—„das wär abgemacht.— Aber lieber drei Tag dreschen, als eine Heirat zurecht bringen.“—
„Warum?“ fragte der, Toni ärgerlich,„haben sie net gewollt?“ N
„Net gewollt?— Was werden sie net wollen! Innerlich gehüppt ist der Schulz vor Freud,— und so wird's die Marei wol auch gemacht haben. — Wär auch net anders moglich, wenn der Rosen— hofer als Freier kommt.— Aber ein Geizkragen ist er, ein zaͤher.— Um jede Kuh hat er gehandelt, wie ein Pferdejud, und um jede Doppelkron', die er rausrücken muß.— Der Knickser, der.“—
„Und die Marei?“
„Na, die Marei! Aufgetischt hat sie, Schinke und Wurst, Geselchtes und Kas'. Aber uusfer Schinken ist zärter und unser Kas saftiger. Ja, ja.“
„Na, und sonst?“—
„Und sonst?— Heut' Abend gehst mal hin, — nach dem Abendläuten.— Die Sach' muß doch ihren Schick haben.— Paßt sich grad gut, heut auf den Samstag Abend.“—
„Heut Abend.“— Der Toni seufzt noch mehr, und spürt das Kribbeln noch viel deutlicher. Und dann schleicht er in den Garten, hinter den Bieueu— stand und denkt noch mal tief und gründlich nach.—
i kommt der Rosenhofer zurück.— Der Tout geht ihm schon ein Stück
S' ist ein argsaurer Apfel, in den er beißen muß.— Sein Vater hat freilich gemeint, er hätt' sich die Marei gräͤndlich angeschaut,— aber das ist gar net wahr.— Sie ist aus einem ordentlichen Haus und kein unebenes Mädel, und wenn's denn durchaus eine sein soll, kaun's die gerade so gut lein, wie eine Andere. Weiter hat er net gedacht. — Aber jetzt denkt er ernsthaft daruber nach, wie schöͤn es doch sein möcht', wenn er sich so recht verlieben köunt, und seinen Schatz auf deu schönen slolzen Hof führen.— Aber das giebts nun ein— mal net für ihn, scheints.“
Am Abend hat sich der Toni aufs Schönste
herausgeputzt.— Datz heißt, er ist nicht im besten Staat,— Gott bewahre, nur in seinem besseren Alllagszeug, so wie es für die Gelegenheit sein muß.— Aber kein Gleckchen und tein Staubchen
ist au ihm zu sehen, un Knopfloch sitzt eine breun— role Nelte, und der Schnauzer starrt in zwei lürammen Spitzen in die Höhe.— So ist er aufs Belle geputzt zur Freierei.—
Der Vater nickt stolz und befriedigt.„Die
Marei kann sich wahrhaftig gradelter'n. So ein Hol, und jo ein sauberer Bursch.— Nu mach mir uur keine Geschichten mit Schenierlichkeit. Das wär' eine schone Blamasch.“— „Vater“, seufzt der Toni,—„' ist mir ganz schlecht zu Put.— Sagt mir blos mal, wie soll ich denn die Sach' anfangen? Ich weiß es wahr⸗ haftig net. Was soll ich denn reden?“—
„Was sich blos unser Herrgott gedacht hat, wie
er Dich mir geschickt hat“, bricht der Rosenhofer los.—„So einen Dummrian giebts net mehr! Und der Bub will soust so gescheid sein.— Was wirst viel reden.— Jetzt ist sieben Uhr rüber,— wenn Du runter kommst,— wirst die Marei wol antreffen, wie sie die Sonntagsschuh wichst.— Das thun doch die hoffärtigen Madeln all' um die, Zeit, damit am Kirchgang die Buben nur ja die, Füß' bewundern können.— Na, da sagst halt:„Bist Du am Wichsen“, dann kriegst Du ein' Antwort und das Gesprach ist angefangen.— Das ist doch die simpelste Sach' von der Welt.— Jetzt schiebst ab, und daß Du mir kein' Dummhetten machst, sonst kriegst's mit mir zu thun.“—
Der Toni macht sich langsam auf den Weg. Das Herz wird ihm immer schwerer, und der Schritt immer laugsamer, je naher er seinem Ziele kommt.— Zwar, um den Gesprachsanfang braucht ihm nicht bange zu sein, denn auf den Haustreppen sitzen überall wirklich die Mädchen, eifrig die Sonn— lagsschuhe bearbeitend, deren oft schon eine lange Reihe piegelblauk dasteyt.— Und beinahe neben leder ein schäkernder Bursche, der die günstige Ge— legenheit benutzt, eine ungestorte Stunde zu plaudern. So ein Samstagabend deim Schuhwichsen, das ist gerade so, wie eine Gesellschaft bei den Stadtleuten, nur, daß auf dem Dorf die Sache viel lustiger und ungestörter hergeht.—
(Schluß folgt.)
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