Gießen, Dienstag, den 19. Januar 1897. 2
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Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
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Redaktion: N Kreuzplatz Nr. 4.=
Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1895/96.
XI. Armenpflege. Was die Art der gewährten Unterstützungen betrifft, so wurden verausgabt: A. 3 1. Mietsunterstützungen in 155 Fällen 12029 07 2. Bargeldunterstützungen„ 88„ 6040 64 3. Brotunterstützungen (7442½ Leibe Brot)„ 87„ 2160 43 4. Kohlenunterstützungen (1931 ¼ Ztr. Stein⸗ rie, 1515 93 5. Milchunterstützungen (10723 Ltr. Milch)„ 66„ 1515 93 6. Mittagessen(969 Por⸗ le, 292 90 7. Kleider und Schuhe (darunter 57 Paar Schuhe, 54 Schuh⸗ Reparaturen und 22 Kleiderbeschaffungen).„ 113„ 601 44 8. ärztliche Behandlung und Medikamente sowie freie Klinikspflege aller als stadtarm bezeich⸗ neten Personen 10000— 9. Brillen und künstliche ae 9 31 10 10. Geburtshülfe durch die 2 206 80 11. Beerdigungskosten.„ 24„ 406 76 Summe 34801 30 12. Pfleggeld für erwachsene Persone 1196 90 13. Pfleggeld für Kinder 7774 95
im ganzen 43773 15 Auf diese Unterstützungen sind zurückvergütet zusammen in 69 Fällen 6054 4 62 3. Die Gesamtausgabe be⸗ trägt 43773 4 15, sodaß die Armenkasse der Stadt Gießen 37718 L 53 J belasten. Die neu eingerichtete Statistik ergiebt das Folgende: 1. Der tägliche Durchschnitt sämtlicher Unterstützungs⸗ und Pflegefälle(sämtliche zu einem Hausstand ge⸗ hoͤrige Personen bilden einen Unterstützungsfall; desgleichen mehrere Kinder desselben Hausstandes einen Pflegfall) beträgt 218 und auf je 100 Ein⸗ wohner bei Zugrundelegung einer Zivilbevölkerung von rund 20 900 1,04. 2. Die durchschnittliche Zahl der sämtlichen in offener Armenpflege unterstützten Personen(einschl. der in Pflege gegebenen erwachsenen Personen und Kinder) berechnet sich auf 446 und mithin auf je 100 Einwohner auf 2,13. 3. Zuzüglich der Verwaltungskosten beträgt die Aus⸗ gabe, auf den Kopf der Bevölkerung ausgeschlagen, 2 4 9, nach Abzug der Ersatzposten jedoch nur 1 4 86&. 4. Unterstützt wurden, einschließlich der Pflegekinder: a) ununterbrochen das ganze Jahr 328 Personen in 161 Fällen; b) ununterbrochen als Zugang 134 Personen in 57 Fällen. 5. Der tägliche Durchschnitt der in Pflege gegebenen Kinder beträgt 50 und die Aufwendungen für ein Kind 155& 80&. In der Lehre befanden sich 5 Knaben gegen 6 im Vorjahre. Die Zahl der auswärts erkrankten, in Gießen
Der Wichser.
Eine Freiergeschichte von L. Bürkner. (Nachdruck verboten.)
Der Hof heißt der Rosenhof, und der Bauer, der darauf fitzt, wie vordem seine Eltern und Ur— eltern, müßte eigentlich von Gott- und Rechtswegen „der Rosenhofer“ genannt werden.— Aber,— wetten möcht' ich einen Krug vom besten, selbstge— brannten Zweschengeist gegen eine hohle Hand voll Wasser; wenn du daher kommst und fragst nach dem Rosenhofer, dann wird der Bauer erst zweimal zweifelnd sein„Klötchen“ im Munde hin und her schieben, ehe er seinem Buben ruft:„Du, Paule, führ den Herrn'nauf zum„Wichser.“— Der Rosenhofer selber lacht zu dem Uebernamen und die Rosenhoferin, die lacht noch mehr.— Dabei blitzen ihre weiße Zähne, sie hat zwei Grübchen in ihren roten Backen— und man sieht so recht, was sie für eine blitzsaubere Frau ist.— Sie hat Recht, wenn sie lacht, die Wichserin,— das wird Jeder sagen müssen, der die Geschichte vom Wichser hört.—
Das war zu der Zeit, als der alte Rosenhofer noch auf dem Hofe saß.— Der Wichser war da⸗ mals noch der Rosenhofertoni.— Ein schmucker Bursch', das mußt' ihm ein Jeder lassen. Groß und schlank gewachsen, auch mit weißen Zähnen und mit braunen Augen, mit einem braunen Kraus— kopf und einem dito Schnauzer, den er gar keck und unternehmend aufzwirbelte.— Und bei Allem der Erste; bei der Arbeit beim Krug und beim Raufen. Nur bei Einem nicht, merkwürdigerweis': Bei den Mädeln.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.
N 80 Kreuzplatz Nr. 4.
unterstützungswohnsitzberechtigten Personen betrug 1, wofür
33, 15 J aufgewendet wurden.
Für zwei Familien mußte Wohnung wegen Obdach— losigkeit beschafft werden.
In 2 Unterstützungsfällen wurde Bestrafung der Unterstützten wegen Betrugs veranlaßt, weil sie sich unterstützen ließen, und arglistig verschwiegen hatten, daß sie noch im Besitze von nicht unerheblichen Barvermögen waren.
Geschlossene Armenpflege.
Im städtischen Hospitale und Siegenhause waren im täglichen Durchschnitte 23 Personen untergebracht.
Die Gesamtverpflegung einschließlich aller General⸗ unkosten kostet a. bei einem Hospitaliten rund 1 30&, b. bei einem Siegen rund 1 4 80, pro Tag. Ver⸗ gütung für Arzt und Apotheke sind bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt, weil solche in der an die Kliniken zu zahlenden Aversional-Vergütung von 10 000 4 ent— halten ist.
In Erziehungs⸗, Bewahr⸗, Heil⸗ und Siechenanstalten befanden sich 19 Personen, und zwar:
1. im Magdalehnen⸗Asyl Eltsabetenhof 2. im Asyl„Frauenheim“ zu Hildesheim 3. im Allcestift zu Darmsta d 84. in der Taubstummenanstalt zu Friedberg. 5. in der Handwerker⸗Bildungsanstalt zu Gmünd 6. in der Idioten⸗Anstalt zu Scheuern 7. in der Anstalt für Epileptische zu Bethel 8. im Provinzial⸗Siechenhaus zu Heidesheim zusammen 19 auf Kosten der
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Die Geisteskranken werden sämtlich Kreiskasse verpflegt.
treitige Armenpflege.
In beiden Kliniken wurden verpflegt: 259 Personen mit 8429 Tagen gegen 5
251 10„ 7258„ in 1894/95 160 7„ 4520„ in 1893/94 185 5 e ee, e eee
In der Herberge zur Heimat wurden verpflegt: 24 Personen mit 104 Tagen gegen
„ 289„ m 1894 ½5 „% %
Mit Schuhen wurden unterstützt 25 Personen
8 gegen 37 in 1894/95 Mit Medikamenten wurden unter⸗
stützt 6 Personen„ 18 in 5 Mit Hebammenkosten wurden un⸗
terstützt 2 Personen„ A in„ Beerdigungskosten erwuchsen für
2 Personen„ 2„
Die gesamten streitigen Unterstützungsfälle betragen in 1895/96: 327 gegen 369 in 1894/95 und 280 in 1893/94.
Plocksche Stiftung.
Die mit dem Hospitale verbundene Plocksche Stiftung hatte im ganzen 11 Pfründner mit zusammen 3850 Ver⸗ pflegungstagen.
Es sind untergebracht:
1. im Hospitale:
a) 3 männl. Personen mit 1098 Verpflegungstagen, b) 5 weibl.„„ 1455 ba„ gegen einen Pfleggeldsatz von 1% 30 pro Tag und
2. im Siechenhause:
5 weibliche Personen mit 1297 Verpflegungstagen gegen einen solchen von 1 4 80 pro Tag.
Der sich vorstehend ergebende Unterschied in der Zahl der Pfründner erklärt sich dadurch, daß im Hospital ver⸗ pflegte Pfründner zeitweilig im Siechenhause untergebracht wurden.
Die Rechnung der Stiftung für 1895/96 schließt ab:
in Einnahme mit 8 95 803 4 68 3 in Ausgabe mit 9 ee also mit einem Ueberschuß von 761 A 71
Die große Einnahme und Ausgabe ist aus dem Rück⸗ empfang und der Neuausleihung von Kapitalien in Höhe von 89 810, herzuleiten. Das verzinsliche Kapital⸗ vermögen hat sich nicht verändert und beträgt noch
Blinde Hessen. Ausdruckes
Die Erklärungsversuche des blinde Hessen, so vielartig sie sind, haben bis jetzt noch zu keinem befriedigenden Ergebnis ge⸗ führt. In der eben neu erscheinenden Zeitschrift „Die Umschau“ finden wir aus der Feder von Dr. J. W. Bruinier in Greifswald einen höchst interessanten Aufsatz über die Heimat der Ger⸗ manen, die in Skandinavien zu suchen ist, wie Bruinier auf sprachgeschichtlichem und sprach— logischem Wege mit Glück zu erweisen sucht. Die Richtigkeit dieser Beweisführung vorausge⸗ setzt ergiebt sich eine Erklärung des Ausdrucks „blinde Hessen“. Die ältesten Germanen nannten ihre Heimat Insel der Skadines, d. h. die Insel der Ausgezeichneten, ein Wort des— selben Stammes wie das homerische Beiwort der Auszeichnung für die Achaier. So wäre also Kattegat die Straße der Ausgezeichneten, d. h. die Seestraße, welche die Germanen nach Süden, nach Deutschland zogen. Daß aber Katten und Hessen dasselbe bedeutet, ist bekannt, und in Katzenellenbogen, Katzenbuckel usw. stecken nicht die Katzen, sondern die Katten, was also der ursprüngliche Name der alten Germanen wäre. Bruinier ist nun versucht, das uralte Wort von blinden Hessen auf diese Weise zu er— klären:„Es könnte ursprünglich ein Schimpf wort sein, das allen Germanen galt und ihnen von der von ihnen unterjochten Urbevölkerung Deutschlands beigelegt wurde. Das Blind braucht nicht auf die jetzige Bedeutung zu gehen; in solchen Schimpfreden erhält sich häufig das älteste Sprachgut, unverstanden und von der Volketymologie verständlich angewandt. In diesem blind könnte das unzweifelhaft germanische Wort blond in seiner ältesten Bedeutung stecken. „Blinder Hesse“ könnte also im letzten Grunde „blonder Germane“ sein, als Schimpfwort ge⸗ dacht mit für uns jetzt unverständlicher Spitze.“
Diese Erklärung scheint uns nicht bloß allen bisherigen weit vorzuziehen, sondern hat auch eine gewisse innere Wahrscheinlichkeit. Schon J. Grimm nennt den Versuch, aus einem Schimpfwort den Ausdruck zu erklären,„nicht uneben“. Und so naiv dieser Versuch, den Möser mitteilt, ist, so hat er doch wohl darin recht, daß der Ausdruck einem Schimpfwort ent⸗ stammt, in Mösers Mitteilung aus dem Gegen⸗ satz zwischen Cheruskern und Katten. Viel wahrscheinlicher aber ist der Gegensatz zwischen
1 Expedition:
Eroberten und Eroberern und auch sonst in der Sprach und Völkergeschichte hat der Haß Worte und Begriffe gemünzt.(R. W. in der D. Ztg.)
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 18. Jan. Den gestrigen Konzert⸗ besuchernz hatte die Gießener⸗Ruder⸗Ge⸗ sellschaft eine besondere Aufmerksamkeit da⸗ durch erwiesen, daß sie vom Abend vorher, wo sie in Steins Saalbau ihr 20jähriges Stif— tungsfest gefeiert hatte— ihre Trophäen auf einer langen Tafel ausgestellt stehen ließ und so der Oeffentlichkeit Gelegenheit bot, die kunstvoll gearbeiteten Silberschäze zu mustern. Die Kraußesche Kapelle konzertierte wieder vorzüglich und erntete reichen Beifall. Besonders war es Herr Querchfeld, der die Hörer mit seinem Violinsolo erfreute. Der Gießener Ruder⸗ gesellschaft zu Ehren wurde als Einlage der Rudermarsch gespielt. Das Konzert war sehr gut besucht. iW. Gießen, 17. Januar. Auf der gestern in Weihgestern stattgefundenen, von mehr als 100 Parteigenossen besuchten Kreiskonferenz der Sozialdemokraten für den 1. hessischen Wahltreis ergab der erstattete Kassenbericht, daß für die Reichstags⸗Haupt⸗ und Stichwahl 2314 verausgabt worden sind. Während der Wahl⸗ kampagne wurden ca. 100 sozialistische Ver⸗ sammlungen abgehalten. Der Kandidat, Re⸗ dakteur Scheidemann, hat in 38 Versamm⸗ lungen als Redner fungiert und im Ganzen hier⸗ für 107&. Auslagen zurückvergütet erhalten, so daß jede seiner Versammlungen im Durchschnitt 2 d. 82& zu stehen kam, einschließlich der zahlreichen Nachtquartiere, die er bei seinen Agitationstouren notgedrungen in Anspruch nehmen mußte. Es wurde anerkaunt, daß die Scheidemann'schen Versammlungen recht billig gekommen sind, da er mehrfach die ganze Woche hindurch von Gießen abweseud war. Es wurde ferner von der Konferenz tonstatiert, daß auch die übrigen Redner nicht mehr wie ihre baren Auslagen vergütet erhalten haben. Nur wegen der Liquidation eines der hiesigen Versamm⸗ lungsredner, die allerdings unverhältnißmäßig hoch sich beläuft,(seine Versammlungen kosteten im Durchschnitt 6 A 90) entwickelte sich in der Versammlung eine lebhafte Debatte. Es war im Ganzen vom Wahlkomitee ein zu viel er⸗ hobene Betrag von ca. 43. beanstaudet. Die Konferenz billigte nicht nur die Beanstandung, sondern sprach dem Betreffenden, ihre höchste Mißbilligung wegen seiner ganzen Handlungs- weise aus und beschloß, diesen Genossen für die Folge für die Agitation nicht mehr zu ver⸗ wenden.— Als Vertrauensmann für den Kreis wurde Bock⸗ Gießen, trotzdem er sich dagegen sträubte, einstimmig wieder gewählt und auf Au⸗ trag Krumm⸗Gießen demselben als Vergütung für seine baren Auslagen der Betrag von 30 bewilligt. Scheidemann-Gießen referiert über die Frage: Was lehrt uns die letzte Reichstags⸗
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Da wars auf einmal vorbei mit der Flottheit und der Schneid; er kriegte einen roten Kopf, die Zunge wollte ihm nicht recht parieren und sogar der flotte Schnauzer machte einen trübseligen Bogen nach unten,— just wie bei Regenwetter.—
Wie der Toni schon darüber gehänselt worden, ist leicht zu denken. Hat auch schon mancher ein paar tüchtige Beulen davon getragen, der's ein Bischen zu arg gemacht hat mit dem Aufziehen. Denn daß das so ein heimlicher wunder Punkt beim Toni gewesen, ist leicht auszudenken. Und so einen wunden Punkt darf halt kein Anderer derb angreifen.
Dem Vater vom Toni ist's gar nicht Recht ge— wesen so.— Wenn die andern Väter geklagt haben über ihre Buben, daß sie wie der leibhaftige Satan hinter den Mädeln her find, dann hat der Rosen— hofer trübselig mit dem Kopf geschüttelt.— Und wenn er an seine eigene Jugend gedacht hat, hat er Unoch mal geschüttelt, aber noch viel stärker— und hat so gemurmelt: Von wem der Bub das hat, weiß ich nicht,— von mir aber sicher nicht. — Und wer den Rosenhofer in seiner Jugend ge— kannt hat, der hat kräftig mit eingestimmt und ge— sagt:„Nein, Rosenhofer, von Euch sicher net.“—
Ein paar Jahr hat sich der Rosenhofer noch damit getröst', daß es mit den Jahren besser wird beim Toni—„Wenn er halt mal so recht in's heiratslustige Alter kommt.“—
Aber das heiratslustige Alter ist gekommen, der Toni ist vierundzwanzig geworden, und fünfund— zwanzig und sechsundzwanzig, und es ist statt besser immer schlimmer geworden. Zuletzt ist's ein wahrer Jammer gewesen, zuzusehen, wenn der Toni hat
mit einem Mädel reden müssen.— Er ist ordentlich violett über sein ganzes hübsches Gesicht geworden, und hat gestammert und gestottert, daß es nicht zum Anhören war.—
Ein paarmal hat sein Vater ihn schon zum Heiraten bereden wollen, aber der Toni hat himmel— hoch gebeten: Ja, gewiß wollt' er heiraten, natürlich wollt' ers, aber nur net jetzt, net dasmal.— Der Vater sollt ihm das net anthun.—
Na, das ist zuletzt doch gekommen, wie es kommen muß.— Der Toni war der einzige Bub, außer ihm nur noch eine Schwester, so ein Nach— kömmling, zehn Jahr jünger wie der Toni.— Die ist so langsam, auch ein großes und blitzsauberes Mädel geworden und am Tage, wo der Toni neun⸗ undzwanzig gewesen ist, hat sich's bewiesen, daß die Rosel einen Schatz hat.— Einen, gegen den Keiner was einwenden konnt.— Einen Hof hat er nicht, aber ein schönes Stück Geld kriegt er heraus— gezahlt, und die Rosel, die hat auch einen richtigen Strumpf voll. Und ein braver, hübscher, gesunder Bursch ist's obendrein.— Da hat denn der Rofrn— hofer mal den Toni vorgeholt und hat ihm die Sache auseinander gelegt. Und die Sach' ist ernst— haft genug gewesen, daß der Toni ein arg langes Gesicht gemacht hat und sehr nachdenklich ge— worden ist.
„Toni“, hat der Rosenhofer gesagt,„alleweil muß die Hack'nen Stiel kriegen.— Daß der Rosenhof aus unsrer Familie kommen soll, das kann net sein. Du bist von Gotts- und Rechtswegen der Erste dazu.— Neunundzwanzig Jahr bist,— da sollt'st schon eine Reih' von Jahren verheirat' sein und's Haus voll Kinder haben.— Da sieh'
— mul Deine Abendmahlskameraden an.— Alle haben sie zwei, drei, auch vier,— nebenan beim Stefan
sind gar schon fünfzmit den Zwillingen.— Du, Du gehst einschichtig'rum, hast Dich rein schon, wie ein alter Junggesell, machst einen Dös— kopp. wenn Du ein Mädel siehst. Sonst machst' doch Dein Maul groß geuug auf,— aber wenn's gilt, dann bist wie drauf geschlagen.— Und daß Du's denn weißt,— entweder's wird geheirat', oder die Rosel kriegt den Hof.— Und dann hat er zur Bekräftigung noch auf den Boden gestampft, ist dicht an den Toni herangetreten und hat gesagt: Himmelkreuzdonnerwetter, daß mein Bub so ein Angstlappen is.“ e — Drei Tag hat sich der, Toni die Sach' über⸗ legt.— Den ganzen Tag ist er durch's Feld ge— strichen, hat sich all' die schönen Roggenbreiten an— geschaut, die Kartoffelstücke, den Weizen, die Klee— äcker.— Ist hinaufgestiegen in's Holz hat die Bäum angeschaut, wie sie so bald hundertjährig prächtig dastehen,— hat tiefsinnig in den Fischteich gestarrt— ist im Stall von einer Kuh zur andern gegangen; hat im Pferdestall die acht stolzen Gäule gestreichelt, und die fetten Schweine besucht.— Nachdem er so über Tags sein Gemüt gestärkt hat,— des Nachts hat er in seinem Bett sich
herumgeworfen und schwer geseufzt— ist er am dritten—
Tag zu seinem Vater gekommen;„Na, wenn's nit anders sein kann, denn in Gottes Namen.“—
(Jortsetzung folgt.)


