D —
n 78 che 175 Nfg. an 15 0
0 0 28 15 3„ . 9 1 7 5 U 78
—— ———
8
—
5— S
5
halte ich die Lolalgz 5 empfohlen. kleine einen sehr
Brauereien.
chritt zu hallen, dem o man gut, billig, 1301
and, außerdem geschiehl!
es find dies also nur er
eld
en, so lange der
ian
so rie Herren⸗ und wesenen Preisen kaufen.
guten Einkauf.
9. 17.
9
1
0 scha
Gießen, Dienstag, den 18. Mai
Ausgabe Gie
Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.
—
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
75 —
2 1 e** 21— Lofales und Provinzielles. * Gießen, 17. Mai.(Maul⸗ und Klauenseuche.— Vieh märkte.) Die Maul⸗ und Klauenseuche zu Allendorf a. L. isterloschen. Die verfügten Sperrmaßregeln sind aufgehoben.— Die Abhaltung des auf den 19. l. Mts. fälligen Viehmarktes zu e ist unter folgenden Bedingungen gestattet:
J. Für Auf⸗ und Abtrieb des Viehes ist den Anträgen des Kreisveterinäramtes gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werden darf.
2. Auf den Markt dürfen nur Tiere aus un— verseuchten Orten der Kreise Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Gießen, Büdingen und Friedberg, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in unverseuchten Orten der fraglichen Kreise in seuchenfreiem Zustande gestanden haben, aufgetrieben werden.
3. Aus preußigen Orten, die nicht über 10 Kilometer von Homberg entfernt liegen, dürfen gleichfalls Tiere zugelassen werden, wenn über dieselben glaubhafte Ursprungs— zeugnisse vorgelegt werden, daß sie in jenen Orten dauernd gestanden haben. Tiere von Händlern sind jedoch auch in diesem Falle nur unter der ad 2 erwähnten Be⸗ dingung zuzulassen.
Anter denselben Bedingungen, mit Ausnahme derjenigen, daß auch aus preußischen Orten Tiere zugelassen werden, wurde die Abhaltung
ines Vieh⸗ und Krammarktes zu Kir⸗
Ddorf am 26. l. M. gestattet. Gießen, 16. Mai. Zahlreich hatten sich um Sonntag auf dem Trieb die Zuschauer ein⸗ efunden, um dem Fußball⸗Matsch, Mar⸗ 90 hegen Gießen, beizuwohnen. Die Mann⸗ ft der Marburger freien studentischen Spiel⸗ bereinigung hielt sich ganz vorzüglich. Die
Gießener Mannschaft, welche sich gegen das ver⸗ 0 ne Jahr sehr gemacht, wehrte mit Bravour
en Angriff der Gegner ab, sodaß es ihr gelang
das Feld zu behaupten und der Matsch resultat⸗ los verlief, obgleich die übliche Spielzeit um 15 Minuten verlängert wurde.
* Gießen, 17. Mai. Die neue Renn⸗ hahn wurde am Samstag Abend durch Herrn Brauereibesitzer Bichler dem Kuratorium und dem Vorstand der„Wanderer“ übergeben. Auf
zer. der Hardt ist ferner für die Radfahrer ein
aus der dei Meer.
1 18 1 chen le 10
5 dunkel 920 1 55 10 5
rühl
Rneipzim mer eingerichtet, dessen Wände kunst⸗ Noll vom Maler Scheich mit Episoden aus dem tadfahrerleben geschmückt sind. Die Uebergabe her Rennbahn in Gegenwart der zahlreich er—
schienenen Radfahrer und Gäste gestaltete sich zu einer recht gemütlichen Sitzung. offiziellen Reden kam der Humor zu seiner Geltung, und der Tag graute schon, als die letzten Radfahrer, Heimweg antraten.
Gießen, 17. Mai. Gestern passierte auf der Rennbahn ein Unfall. Ein achtjäh⸗ riger Knabe versuchte die Bahn zu queren, ob— gleich er sah, daß mehrere Rennfahrer diese be— nutzten. Der Vorwitzige wurde umgefahren und im Gesicht verletzt, aber auch der Fahrer kam zu Fall und verletzte sich die Hand. Aerztliche Hilfe war zur Stelle.
* Gießen, 17. Mai. Das gestrige Konzert unserer Regimentskapelle fand im Garten des Steinschen Etablissements statt. Der Besuch desselben war ein sehr guter. Leb— hafter Beifall lohnte die Künstlerschar. Herr Musikdirektor Krauße hatte ein recht abwechs⸗ lungsreiches Programm aufgestellt.
-d. Gießen, 16. Mai. Der hiesige Turn— verein hielt heute sein diesjähriges An- turnen in der Turnhalle ab. Nachmittags um 4 Uhr begannen die Freiübungen, dann die Geräteübungen, die in vortrefflichster Weise aus⸗ geführt wurden. Während und nach dem Turnen konzertierte die Bauersche Kapelle. Abends vereinigte man sich bei einem Ball. Während demselben wurde unter Leitung des Turnwarts Wig and ein prachtvoller Damen- reigen aufgeführt. Erwähnt zu werden verdient auch diesmal wieder die Gesangsabteilung, die durch ihre lieblichen Weisen die Stunden verherr⸗ lichen half.
* Gießen, 16. Mai. Auf der Inter na⸗ tionalen Hunde ⸗ Ausstellung in Frankfurt a. M., welche von ca. 700 Hun⸗ den aller Rassen beschickt war, erhielt Herr Fritz Schreiner, Metzgermeister-Gießen für seine deutsche kurzhaarige Vorstehhün din Betty, bei sehr starker Konkurrenz, den 2. und 3. Preis. Röschen, der drahthaarige Foxterrier des Herrn stud. vet. Reif ⸗Gießen, bekam einen 2. Preis.
J. Lollar, 16. Mai. Das gestern hier statt⸗ gehabte Radfahrerfest verlief, vom schönsten Wetter begünstigt, in vortrefflicher Weise. Um 7 Uhr morgens begann das Wettrennen von Lollar nach Grünberg und zurück. An demselben beteiligten sich 8 Fahrer. Leider konnte infolge des nassen Weges die Strecke nicht in derselben Zeit gefahren werden, als das im vorigen Jahr der Fall war. Nach Beendigung des Rennens wurde ein gemeinsamer Frühschoppen im„Ein⸗ horn“ abgehalten, an welchem sich zahlreiche Mitglieder der Gießener Radfahrervereine be—
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petttzeile.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
——
teiligten. Nachmittags 3 Uhr bewegte sich der hiesige Vereine vertreten waren.
Abends 7 Uhr erfolgte die Preisverteilung.
Den ersten Preis
burg, den zweiten Preis Balser aus Bieden—
kopf und den dritten Preis Willi Simon aus Lollar. Den Rest des Tages füllte ein Ballvergnügen aus, das bis hinein dauerte.
“Lich, 17. Mai. Das 20 jährige [Stiftungfest unserer Freiw. Feuer⸗ wehr ist gestern bei schönstem Wetter gut ver— laufen. Von auswärts waren als Gäste er— schienen die Wehren von Butzbach, Gießen, Heuchelheim, Grünberg, Birklar, Nieder-Bessungen, Hungen und Klein⸗-Linden. Die Konzertmusik wurde im Saal der Turnhalle vom Licher Musikverein gegeben, während die Hungener Feuerwehrkapelle ihre Weisen im Freien er⸗ tönen ließ.
J. Grünberg, 16. Mai. Daß der hiesige Turnverein mit seinen Vergnügungsabenden durch wohlgelungene Arrangements stets genuß— reiche Stunden für das Publikum zu bereiten weiß, zeigte wiederum die heute im Gasthause „Zum Rappen“ stattgefundene Abendunter— haltung. Das sehr sorgfältig und abwechs— lungsreich zusammengestellte Programm wurde in bester Weise durchgeführt und fand ein dank— bares Publikum. Der Gesangverein und der Streichmusikverein legten von ihrem Können er— folgreiche Beweise ab und auch der Turnverein selbst trug mit seinen theatralischen Aufführungen sowohl wie mit den dargebotenen Gruppenbildern das seinige zu dem schönen Gelingen der Ver— anstaltung bei. Auch die vorgetragenen Kouplets verfehlten nicht ihre Wirkung. Es ist in an⸗ betracht des Umstandes, daß das Reinerträgnis der Abendunterhaltung zum Besten des Turn⸗ hallebaufonds bestimmt ist, eine baldige Wieder⸗ holung recht lebhaft zu wünschen, und zwar in der Voraussetzung, daß zu genanntem Zwecke dem Verein die Unterstützung des Publikums in weitestem Maße zuteil wird.
* Bad Nauheim, 16. Mai. In der letzten Woche sind 826(gegen 360 im Vorjahre) Kur— fremde angemeldet worden, dazu nach der vorigen Kurliste 1404, insgesamt 2230 Personen. Der Vorsprung gegen das Vorjahr berechnet sich auf 907. Noch anwesend sind 1620 Personen. Vom 1. April bis 13. Mai d. J. sind 8465 Bäder verabfolgt worden. 1345 mehr als bis zur entsprechenden Zeit des Vorjahres.
* Darmstadt, 16. Mai. Folgende An⸗ träge sind bei der zweiten Kammer der Stände eingegangen:
spät in die Nacht
—ä.—————ů—
1. Des Abg. Erk, des Inhalts, großh. Re⸗
Nach den Festzug durch die Straße, in welchem sämtliche gierung zu ersuchen, dahingehende Bestimmungen
zu treffen, daß auch in solchen unverseuchten Orten, in welchen sich Tierärzte befinden, durch
diesmal aber zu Fuß, den erhielt der Radfahrer Mellmann aus Du is- die großh. Bürgermeister oder Ortsviehbeschauer
Ursprungszeugnisse erteilt werden können, und daß diese Ursprungszeugnisse auch zum Auf— trieb auf den Viehmärkten Giltigkeit haben— insofern es sich um Landwirte handelt, welche ihre eigenen Tiere verkaufen wollen, nicht um Händler— ohne daß jedes einzelne Tier noch— mals gegen Zahlung von Gebühren durch den Tierarzt besichtigt wird.
2. Der Abgg. Erk und Genossen, die großherzogl. Regierung zu ersuchen, die Sub— bention der Bienenzüchtervereine des Großherzogtums auf jährlich 2000 A zu er- höhen.
3. Der Abgg. Ulrich und Genossen, die Kammer wolle beschließen, die großh. Regierung zu ersuchen, den Ständen eine Vorlage auf Be- seitigung der Polizeistunde zu machen oder dieselbe eventuell auf dem Veror d— nungswege aufzuheben.
4. Des Abg. Köhler, die Holzbezugs— berechtigung der Gemeinde Gleimenhain aus dem dortigen großh. Domanial-Wald und die Verwaltung der großh. Domanial-Wälder überhaupt betreffend.
5. Ein Antrag des Abg. Köhler, der die genossenschaftliche Organisation des Bauernstandes im Großherzogtum Hessen zum Gegenstand hat.
* Darmstadt, 16. Mai. An die zweite Kammer der Stände des Großherzogtums richtet sich ein Ansinnen der großh. Ministerien des Innern und der Finanzen, dahingehend:
die großherzogliche Regierung zu ermächtigen,
statt des in der Proposition vom 6. Februar dieses Jahres aufgeführten zweiten Professors für Mechanik einen weiteren Professor für Maschinenbau zu berufen und den
Gehalt definitiv zu verleihen.
Es ist ein dringendes Bedürfnis, daß die weitere Professur für Maschinenban mit Beginn des nächsten Semesters besetzt ist. Sollte dies möglich sein, so müssen die Schritte zur Ge— winnung einer geeigneten Kraft alsbald er⸗ folgen, und großherzogliche Regierung muß des⸗ halb das Ersuchen stellen, die Genehmigung zur Errichtung der fraglichen weiteren Professur für Maschinenbau alsbald vor Beschlußfassung über das Staatsbudget für die Finanzperiode 1897— 1900 zu erteilen. Der Lehrauftrag für die neue Professur würde umfassen: 1. Hydraulik; 2. Wasserkraftmaschinen; 3. Regulatoren für Wasserkraftmaschinen; 4. Fabrikanlagen; 5. Hebe⸗
Der Wildfang. Von O. Seeher. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Was sie sich alles zu sagen hatten, die glück— ichen Menschen?— die Bäume und Blumen des Hartens waren die einzigen Zeugen; sie nickten
eeise und freudig zustimmend, als ob sie den neuen
Zund segnen wollten.
Dorchen, ihr Bräutigam, die Eltern erfuhren natürlich sehr bald das beglückende Ereignis, man lum indessen überein, dasselbe einstweilen geheim
u halten und mit der Verkündung der neuen Ver⸗ bobung der am Polterabende vollzähligen Hochzeits—
Mf 1 zesellschaft eine Ueberraschung zu bereiten.
ehüft-
Schon der nächste Tag brachte neue Gäste in
5 hülle, denn die Lindensche Familie hatte eine große
Unzahl Personen aller möglichen Species beiderlei
Walter war vollauf damit beschäftigt, diese zu anpfangen, während Papa Linden— der Urtypus
Geschlechtes aufzuweisen. ö
nes ostpreußischen Forstmannes— für ihre Unter— Altung sorgte. und wußte durch den humorvollen Vortrag endloser,
Der alte Herr hatte viel erlebt
krniger Jagdabenteuer sehr bald eine dankbare Zu— bdrerschaft um sich zu versammeln. Mama Linden wer, die unvergleichliche Hausfrau, der Vesta er— sebenste Dienerin hatte helle Freude an den staunens— derten Erfolgen, die sie mit ihren großartigen, wochenlang vorbereiteten kulinarischen Veranstal— ungen erzielte.
Erst bei der Mittagstafel fanden Gertrud und Salter Gelegenheit zu einem vertraulichen Bei— ummensein. Er saß neben ihr, sie drückten einander urstohlen die Hände und ließen die Augen sprechen.
Nun hatte aber zur Rechten Gertruds ein üstiger Vetter Platz genommen, ein bildhüb scher nohn des Mars, der ihr anfänglich schüchtern, unn— dem Hochbeimer fleißig zusprechend— so cesbewußt den Hof machte, daß ihr das Blut in le Wangen stieg.
Auch Walter wurde aufmerksam, verdoppelte seine Liebkosungen unter der Tischplatte und flüsterte seiner Braut zu, er werde den verwegenen Kriegs— gott in seine Schranken weisen, allein sie riet ängstlich davon ab und sah ihm dabei so liebevoll ins Auge, daß er die eifersüchtigen Regungen unter— drückte. Als er sich dann aber seiner Tischnach— barin zur Linken, der ebenso kindlichen als an— mutigen Erzieherin seiner jüngsten Geschwister zu— wandte, war es Gertrud, die ein gelindes Mißfallen über die lebhafte Unterhaltung zwischen ibrem Schatze und der kleinen Unschuld nicht zu über winden vermochte.
Endlich wurde die Tafel aufgehoben.
Walter küßte Gertrud artig die Hand, führte sie seiner Schwester Dora zu und bat scherzend um einen kurzen Urlaub.
Zunächst lag es ihm nämlich daran, den kühnen soldatischen Vetter aufzuklären. Auf Walters Wunsch suchten die Herren eine feuchte Ecke auf, und nun erfuhr der ahnungslose Lieutenant, bei einem Glase Sekt, die nakte Wahrheit. Er war allerdings nicht wenig überrascht, beglückwünschte dann aber seinen ehemaligen Schulkameraden aufs herzlichste, und in alter Eintracht wurde ein Stündchen verplaudert.
Plötzlich sprang Walter auf. Es schien ihm unerhört, seiner Braut so lange fern geblieben zu sein. Schon war der Abend hereingebrochen, man zündete die Lampen an.
Der besorgte Bräutigam eilte daher durch alle Gemächer, die Geliebte zu suchen, allein vergebens. Dorchen meinte, Gertrud habe anscheinend etwas verstimmt, ihr Zimmer aufgesucht.
Da verlor er jede Ueberlegung, stürzte zur Thür hinaus, die Treppe hinan und war im Begriffe, Gertrud um Einlaß zu bitten; rechtzeitig genug kam ihm jedoch das Ungehörige seines Vorhabens zum Bewußtsein und unentschlossen verweilte er einige Augenblicke in der dunklen Hausflur.
Ihn beseelte nur der eine glühende Wunsch, der Geliebten zu begegnen, sie ans Herz zu drücken.
zurück, als er ihrem abweisenden Blicke begegnete.
——
Und siehe da! Plötzlich öffnete sich die Thür,
und— sie huschte ihm entgegen. Unwillkürlich breitete er die Arme aus, die Er sehnte zu umpfangen. Doch— o Himmel, was war das?— Ein
halb unterdrückter Schrei aus fremdem Munde?—
In diesem Augenblicke that sich die Thür von neuem auf. Die wahre Gertrud erschien mit der Lampe in der Hand und beleuchtete nun eine ganz un— erwartete Szene: Walter hielt die Erzieherin im Arme.
Schon befand sich dieser auf der Schwelle des Zimmers, an Gertruds Seite, trat indessen scheu
Sie schloß die Thür und verriegelte sie, das Fräulein aber, von einem Besuchte bei Gertrud zu— rückkehrend, begab sich schleunigst in ihr gegenüber— liegendes Gemach, dem Beispiele Gertruds folgend.
Walter hatte nun zwar nichts Eligeres zu thun, als sein Schwesterchen um Vermittelung zu bitten, allein auch diese erhielt seltsamerweise bei den Damen keinen Einlaß; sie vermied daher jedes weitere Aufsehen und tröstete ihren unglücklichen Bruder mit der Versicherung, die Sache keineswegs tragisch zu nehmen, vielmehr ein köstlicher Spaß, der sich bald zum Ergötzen der Beteiligten aufklären werde.
Indessen an diesem Abende blieben Gertrud und die Gouvernante der Gesellschaft fern.
Während man ihr Ausbleiben so gut wie möglich zu entschuldigen wußte, während Walter unten verdrossen seines Amtes als Festordner waltete, verbrachte die junge Braut allein in ihren vier Wänden bange Stunden.
Je mehr sie nämlich über den— ihrer Ansicht nach— empörenden Streich nachdachte, desto be— fangener wurde ihr sonst so gesundes Urteil, so daß ihr der wahre Sachverhalt gar nicht in den Sinn kam.
„Warum muß ich diesen Mann so unsäglich lieben, der offenbar mit den Mädchenherzen ein mutwilliges Spiel treibt!“ klagte sie bitter.—
Darf ich ihm wohl noch einmal, in die so treu blickenden Augen schauen?— Nein— nein!— Fort von hier!— Wie? Etwa fliehen?“ rief sie entsetzt.„Morgen ist der letzte Tag vor der Hoch— zeit, morgen soll ich meiner Dora den Brautkranz winden!— Ach, meine Thränen werden ihn frisch erhalten!“ Bei diesem Gedanken wollte der Ver— lassenen schier das Herz brechen. Sie warf sich aufs Bett, und nun flossen die Thränen, mit ihnen kamen aber auch ein weicheres Empfinden, eine mildere Beurteilung, ja Trost und Hoffnung.
Gertrud schlief ein, doch der junge Tag fand sie schon wachend.
Hastig kleidete sie sich an und ging unbemerkt in den Wald. Das war ein Morgen! Sonnen- schein, Vögelsang, Kiefernduft, Waldweben! Wer kennt eine bessere Arznei für ein wundes Menschen— herz!—
Wundersam beruhigt, durchmaß sie Schrittes die bekannten Wege der Forst.
Der Heimweg führte sie durch den Hirschwinkel, wer beschreibt aber ihre abermalige Bestürzung, als sie bei dem Betreten des Thales Walter und die Gouvernante, Hand in Hand, auf der Fürstenbank sitzen findet.
Beide hatte nämlich— vorweg sei es gesagt— der gleiche Wunsch beseelt, den herrlichen Morgen im Walde zuzubringen, und sie waren zufällig im Hirschwinkel zusammen getroffen. Das Fräulein hatte dem jungen Manne ausweichen wollen, er war aber auf sie zugeschritten, hatte fie gebeten, auf der Bank Platz zu nehmen und sie dann un— befangen wegen des Mißverständnisses am Abende vorher um Entschuldigung gebeten, ihr auch alles weitere gestanden. Und das verständige Kind hatte ihm sofort verziehen Mit den treuherzigen Worten: „Ei, Herr Doktor, haben Sie eine gute Wahl ge⸗ troffen; ich wünsche Ihnen von Herzen Glück!“ reichte sie ihm in demselben Audenblicke die Hand,
rüstigen
„Freilich, ich kannte ihn nicht.— Wer ist nun die
Betrogene?— O, diese jähe Enttäuschung!— 9
als Gertrud in den Hirschwinkel eintrat. (Schluß folgt.)
e eee
1


