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Gießen, Sonntag, den 18. April
1897.
Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
Jeikung.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion:
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NN Honie 4 g am ersten Montag im Mai. Man will nun das Schuljahr wie in unseren höheren Schulen mit
den Osterferien endigen und das neue am Mon⸗
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Vorstand.
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Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 17. April. Sicherem Vernehmen
nach ist von maßgebender Seite eine Aenderung ber Ferien in den Volksschulen Hessens
srsofern geplant, als von nächsten Jahre an die achttägigen Ferien zwischen den Schuljahren weg⸗ fallen sollen. Sie lagen nämlich seither am Ende des alten Schuljahres und es begann das neue
ag nach Ostern beginnen lassen. Im Interesse
der Bevölkerung wäre es wünschenswert, wenn die an vielen Orten noch zu Pfingsten statt⸗ findende Konfirmation dann auch auf den Sonntag nach Ostern verlegt würde. Auch hierüber sollen Verhandlungen schweben.
* Gießen, 17. April. Die großherzogliche
% Dunisterialabteilung für Schulangelegen⸗
heiten hat neuerdings bestimmt, daß der Unter⸗
icht in den Volksschulen des Landes auch aus Unlaß lokaler Feiertage(Hagelfeiertage, großes Gebet, Kirchweihe, Jahrmarkt, Fastnacht
und dgl.) unbeschadet der gesetzlichen Ferienzeit
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n Nelords, Meister⸗ wie auf Landstraßen. igenen esondere mir der irlernen usch zur
Abschlags- Zahlungen gestattet
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Selben. Eflanellen, nterroͤcke 1c. u el. toll!
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1„ 10 9 Uhr ab, bei Wirt Lal (24 m 120 0 en 11 eil Dab ft und Berghausg
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auf die Gesamtdauer von drei Tagen ausgesetzt Werden darf.
Gießen, 16. Am 19. d. M. beginnt an
unserer Hochschule die Immatrikulation für
das Sommersemester. Als offizieller Beginn der Vorlesungen ist der 26. d. M. festgesetzt. * Gießen, 16. April. Die Firma Kar!
Frensdorf ist von den Wanderern Gießener adfahrer⸗Gesellschaft beauftragt, ihren
Mitgliedern anläßlich der Eröffnung der neuen Rennbahn eine neue einheitliche Festklei⸗
dung zu liefern.
* Gießen, 16. April. Endlich scheint es mit dem Bau des physikalisch⸗chemischen Insti⸗ tus ernst zu werden. Arbeiter sind seit dieser
Woche damit beschäftigt, auf dem Bauplatz an der Göthestraße ein Gerüst zu errichten.
Die Maurerarbeiten sollen, wie man hört, der Firma Birkeustock& Schneider übertragen worden sein. Was lange währt, wird gut.
Gießen, 17. April.(Schöne Aussicht.) Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet am 3, Osterfetertag auf der„Schönen Aus⸗ sicht“ ein Frühkonzert statt. Die Garten⸗ Wirtschaft ist wieder eröffnet und hat der neue Besitzer, Herr Kuhnd, keine Mühe noch Kosten gescheut, das Etablissement der Neuzeit ent⸗ sprechend herzurichten und namentlich den Wirt⸗ schaftsgarten, welcher bei größeren Veranstal⸗ mungen sich oft als zu klein erwies, durch An⸗ hauf bedeutend zu vergrößern. Die Teilnehmer an größeren Festlichkeiten werden nunmehr in die angenehme Lage versetzt sein, alle die verschie⸗ nenen Unterhaltungsspiele und Buden auf einen zusammenhängenden Komplex genießen zu können.
Weitere Neuerungen und Neuanlagen werden in
ftürze vollendet sein. Die gefiederten sowie vier⸗ üßigen Bewohner des Tierparks haben vortreff⸗ nich überwintert und werden wiederum einen ge⸗ vissen Anziehungspunkt, namentlich für die Kin⸗
der, bilden. * Gießen,
17. April. In glänzender Weise be⸗
udete am Montag dieser Woche die Gesellschaft für
rd⸗ und Völkerkunde ihren diesmaligen Vortrags⸗ Syelus. Herr Dr. med. Kolb hatte es übernommen einen Vertrag über Britisch⸗Ostafrika und die Besteigung ves 17000 Fuß hohen Berges Kenia zu halten. Es handelt sich um dasjenige Gebiet, welches Deutschland s. Zt. an England gegen die Insel Helgoland überlassen hat. Dr. Kolb, welcher sich zur Vollendung seiner Studien seit über ein Jahr hier in Gießen aufhält, besitzt zwar keine gervorragendez Rednergabe, er ist mehr der gemüt⸗ und zumorvolle Erzähler, aber um so wirksamer war das was verselbe in einfacher und schlichter Weise über seine Erleb⸗ nisse in Afrika mitteilte, wohin er nicht gezogen war, um criegerische Lorbeeren zu holen, sondern um der Wissen⸗ schaft zu dienen. Dr. Kolb erzählte, wie er zweimal, das erste Mal vergeblich, den Versuch gemacht den Kenia zu vesteigen. Das erste Mal bestand die Expedition aus 60 Mann, das zweite Mal war seine Begleitung geringer. Man solle sich darüber nicht wundern, wenn er sich mit einer kleineren Karawane den Gefahren des schwarzen Erdteils gewachsen geglaubt habe. Es sei eben keine Ehre die Eingeborenen mit Waffen wie die unsrigen nieder zu balten. Die dortige Bevölkerung verfüge eben nicht über Waffen, die denen des Europäers gewachsen seien. Die Bevölkerung jenes Gebietes, welches er durchforscht, be⸗ stehe ihrer Abstammung nach aus Negern aller Stämme des Innern, aus Abkömmlingen von Portuglesen, Persern und Arabern, welch letztere damals, als Redner die Expe⸗ bittonen unternahm, den Engländern gerade durch einen Aufstand viel zu schaffen machte. Die Expedition ließ sich aber dadurch nicht stören, wußte man doch, daß der Führer des Aufstandes ein Freund der Deutschen war. Das Land besteht in Wüste, einem sehr fruchtbaren Hoch⸗ dlateau und Bergen. Dr. Kolb wählte den Weg durch die Wüste, um zu seinem Ziel zu gelangen. Der Redner
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen.
Preis der Anzeige en: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
schilderte die Flußpferdjagd, der er obgelegen und wie es ihm geglückt, unterwegs eine Sklavenjäger⸗Karawane ge⸗ fangen zu nehmen. Auf seinem Marsche zum Kenia kam er auch in ein Gebiet, wo die Eingeborenen es ablehnten, mit ihm Freundschaft zu schließen. Dieselben hatten jedenfalls vorher beim Dr. Peters Lehrgeld bezahlt. Man wollte einen blutigen Zusammenstoß vermeiden und zog daher zurück, um, durch befreundetes Gebiet, zum Ziele zu gelangen. Es sei schwer, einen Führer zur Besteigung des Kenia zu bekommen. Die Umwohner des Berges hätten eine gewisse Scheu, denselben zu besteigen, welche durch Aberglauben hervorgerufen, begreiflich erscheine. Nachdem man aber auch wegen des benötigten Führers nicht mehr in Verlegenheit und sich mit Bohnen und Mehl verproviantiert, begann der sehr mühevolle Aufstieg zum Kenia durch den Urwald. Am ersten Tag desselben entdeckte der Reisende mitten im Urwald einen bis dahin noch unbekannten See, den die Eingeborenen Kunga nennen und welcher idyllisch schön gelegen ist. Ebenso war ihm am dritten Tage der Zufall hold, indem er an den ebenfalls bis dahin noch unbekannten See Sai ge⸗ lan gte, der eine mächtige Ausdehnung hat und nicht min⸗ der malerisch vollständig von Wald umschlossen ist. Nach 5 Tagen des Steigens hörte der Wald auf und man stieg den ganzen Tag auf nur mit Gräsern bewachsenem Boden. Am anderen Morgen begann die Schneeregion und am Abend erklärten seine Leute sich außer Stande, weiter mit⸗ zuthun, sie hätten die Bergkrankheit. Man war über 16000 Fuß hoch gestiegen, hatte wenig Nahrung, keine Kleider und kein Holz. Aus mühsam gesammelten Wurzeln wurden kleine Feuerchen unterhalten, um vor Kälte nicht umzukommen. Am anderen Morgen meldeten sich 4 Freiwillige um den beschwerlichen Weg über das Eisgebiet bis zur Spitze des Berges mitzumachen und so drang Dr. Kolb mit diesen bis etwa 6 bis 800 Meter von der Spitze vor. Diese Spitze, eine schwarze kohlen⸗ artige Masse, sie ragt pyramidenartig so steil nach oben, daß man ohne Sprengungen dieselbe nicht besteigen kann. Den Anblick welchen man dort oben in 17000 Fuß Höhe hat, schildert der Redner als einen wundervollen. Der Abstieg dauerte 3 Tage. Ermattet suchte Dr. Kolb einen alten Freund, einen Häuptling mit Namen Daminuki auf, der in seiner Freude über das Wiedersehen, ihm 24 Neger schenkte, die er auf einem Kriegszuge gefangen ge⸗ nommen hatte. Nachdem man sich erholt, zog die Karawane nach Monisu, der Heimat der Gefangenen, einen Dorf etwa 4 Mal so groß wie Gießen, die Expedition zog mitten in den Ort hinein auf den großen Markt und schlug zum Erstaunen der Einwohner hier ihr Lager auf. Das Geschrei der Schwarzen war nicht klein, dies war ihnen denn doch ein starker Streich, aber Dr. Kolb wollte sehen, ob seine schwarzen Menschenbrüder ein Gefühl der Großmut besäßen. Freiwillig hatte er sich in jenes Dorf begeben, obgleich er wußte, daß dessen Bewohner ihm feindlich und obgleich ein Jahr früher in demselben Dorf nachts mit Giftpfeilen auf ihm geschossen worden war. Er befahl, mitten im Getümmel, die Fesseln der Ge⸗ fangenen zu lösen und diese ohne Bedingung frei zu geben. Das Mittel wirkte, er hatte sich nicht geirrt, nachdem man im Dorfe erfuhr, was geschehen, bot man ihm Freundschaft an, Aber auch seinen Freund Daminuki, der von Großvaters Zeiten mit den Monisuren in Fehde gelegen, schloß man in die Freundschaft mit ein und diese Freundschaft ist von allen Seiten ehrlich gehalten. Dr. Kolb hat in Monisu lange gewohnt, man machte ihn zum Richter, er herrschte wie ein kleiner König im Lande. Hier in Monisu kam auch der Neger zu ihm, der es ge⸗ wesen und mit Giftpfeilen auf ihn geschossen. Ehrlich gestand er seine That ein und auf Dr. Kolbs Frage, warum er denn komme und seine Bluts⸗Brüderschaft suche, erklärte der Mann, er komme um zu lernen, er habe ge⸗ hört, Kolb sei ein großer Medizinmann. Dr. Kolb er⸗ zählt weiter, wie er von Monisu aus Verbiudungen an⸗ geknüpft, zu dem Zwecke, das nördliche Gebiet von hier aus zu durchforschen. Es sei zweifellos, daß schon früher in diesem Teile Afrikas Kultur gewesen, vielleicht von Egypten aus, hier eingeführt, wie man es in der Bibel angedeutet finden kann, darauf weisen auch verschiedene Anzeichen hin, u. a. kam er im Besitz eines Armbandes aus Glasperlen, die aus jener Epoche stammen und die angeblich aus einem Grabfund herrühren sollen.— Der Redner erklärt zum Schluß, daß er beabsichtige, nach Britisch⸗Ostafrita zurückzukehren, nach Monsu zu gehen, um von hier aus zu versuchen, Spuren der alten Kara⸗ wanen⸗Straßen zu suchen, er hoffe, wenn er glücklich von dort wieder heimkehre, auch über das Resultat seiner neuen Reise hier berichten zu können. Die in den Nebenräumen hergerichtete Sammlung von Waffen, Schmuckgegenständen 2c. der Eingeborenen, sowie Jagdtrophäen das Dr. Kolb aus Britisch⸗Ostafrika, erfreute sich des regsteu Interesses und noch lange nach Beendigung des Vortrages drängte sich das Publikum um diese reichhaltige afrikanische Aus⸗ stellung zu besichtigen.
* Gießen, 17. April. Nach der vom Großh. Kreisamt bekannt gegebenen Uebersicht über die am 1. Osterfeiertage gestatteten Ausnahmen vom Geschäftsschlusse und von dem Verbote der Beschäftigung von Ge⸗ hilfen, Gesellen usw.(§S 105 b der Gewerbe⸗Ord⸗ nung) ist den Backereien, Konditoreien, Metzgereien, Gärtnereien die Verkaufszeit von 5—9 Uhr vormittags und 11—12 uhr mittags gestatiet, während in diesen Betrieben die Beschaftigungszeit der Gesellen, Lehrlinge und Arbeiter über 16 Jahren wie an Sonntagen stattfinden kann. Bet den Milchhändlern fallt
die Verkaufszei bezw. die Versorgung der Kund⸗
schaft durch Gesellen, Lehrlingen usw. in dieselben Stunden, während dies die Bierbrauereien in der Zeit von 8—9 Uhr vormittags und 11 bis 12 Uhr mittags thun dürfen. Schneider, Schuhmacher, Putzmacher, Wäschereien und Färbereien können das Abliefern bestellter Sachen bis 9 Uhr vormittags besorgen und auch ihren Gesellen und Lehrlingen usw. bis zu dieser Zeit BeschäftigQung geben. Barbiere und Friseure können sich wie an Sonntagen be⸗ schäftigen. Der Verkauf von Tabak, Zigarren und Rauchutensilien, ferner von Colonialwaren, Bier und Wein ist von 8—9 Uhr vormittags und 11—12 Uhr mittags gestattet.
* Gießen, 17. April.(Diebstahl). Am vergangenen Donnerstag wurde dahier ein stellen⸗ loses Dienstmädchen verhaftet, welches ihrer früheren Dienstherrschaft verschiedene Kleidungs⸗ stücke und Weißzeug ꝛc. entwendet hatte. Der Diebstahl kam dadurch zur Kenntnis der Be⸗ stohlenen, daß die Verhaftete eines der gestohlenen Kleider am Leibe trug.
* Gießen, 17. April. Wie aus dem heu⸗ tigen Inseratenteil erstchtlich, gestaltet sich das diesjährige Osterprogramm zu einem recht reichhaltigen. Konzerte finden am ersten und zweiten Osterfeiertage in Steins Garten statt. Frühkonzerte sind am dritten Feiertage im Schipkapaß, Restaurant Kaiserhof und der Schönen Aussicht vorgesehen. Durstigen Kehlen wird vorzügliches Bockbier im Restaurant Riegelmann, auf Lonys Bierkeller und im Re⸗ staurant Kaiserhof geboten. Für Tanzmusik haben ferner die Restauration Berg zur„Stadt Marburg“ und Kruse auf„Lonyhs Bierkeller“ gesorgt. Auch von einer Anzahl Vereine sind Vergnügungen mannigfachster Art vorgesehen. Also: Viel Vergnügen und guten Durst auf Ostern.
* Grünberg, 16. April. In Hamels Gartenhaus findet am zweiten Osterfeiertage ein Konzert unter der Leitung des Herrn Gröninger-Gießen statt. Genannte Kapelle ist hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit genügend bekannt, sodaß es eines besonderen Hinweises nicht bedarf. Von Seiten des Publikums wäre es nur zu wünschen, daß ein derartiges Unter⸗ nehmen kräftig unterstützt werden möchte. Dem Konzert folgt ein Ball.
* Aus dem Vogelsberg, 14. April. Die Aussichlen auf eine bessere Gestaltung und ge⸗ sichertere Zukunft des Lehrerheims Vogels⸗ berg werden fortgesetzt günstiger. Die Mit⸗ gliederzahl, die im Oktober v. J. 213 betrug, hat sich inzwischen auf über 600 gestellt und ist stetig im Wachsen begriffen. Der Vorstand hat in Fräulein Weiffenbach von Schornsheim eine Pächterin gefunden, die für die Bewältigung eines schwungvollen Wirtschaftsbetriebs bürgt, so daß auch in dieser Beziehung die Befriedigung berechtigter Forderungen den im Lehrerheim ein⸗ kehrenden Erholungsbedürftigen zugesichert werden kann. Auch jenseits des Ozeans regt sich großes Interesse für unser Lehrerheum. Dem Beispiele eines in Amerika lebenden Deutschen, der 400. zur Beschaffung eines Instrumentes stiftete, folgend, hat sich eine Anzahl Deutsch-Amerikaner zu einem Komitee vereinigt, das in der in New⸗ Pork erscheinenden„Hessen-Darmstädter Zeitung“ einen äußerst warmen Aufruf zu gunsten des Lehrerheims Vogelsberg veröffentlicht hat. Darmstadt, 15. April. Unserer Residenz⸗ stadt ist nunmehr die laudesherrliche Konzession zum Bau⸗ und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn innerhalb der Stadt und ihrer Gemarkung erteilt worden. Nach den Kon⸗ zessionsbedingungen muß der Beginn des Be— triebes längsteus innerhalb eines Jahres er⸗ folgen. Die Dauer der Konzession ist auf 50 Jahre bestimmt, nach deren Ablauf der Staat die Bahn zu übernehmen befugt ist.
* Jarmstadt, 16. April. In Bensheim an der Bergstraße wird am 21. und 22. d. M. der hessische Laudeslehrerverein seine diesjäheige Haupt- und Vertreterversamm⸗ lung abhalten. Die Vertreter-⸗Versammlung am ersten Tag wird sich vornehmlich mit dem Geschäftlichen befasseu; für den zweiten Tag, den Tag der Hauplvpersammlung, find zwei pädago⸗ gische Themen in Aussicht genommen:„Lessing als Padagog“ Taubstummenlehrer Mink⸗ Bensheim— und„Die Forderungen der Gegen⸗ wart an den Geschichtsunterricht der Volksschule“ Lehrer Hartleb⸗Mainz. Die diesjährige Versammlung wird sich eines besonders zahl⸗ reichen Besuchs zu erfreuen haben, da die Ver⸗ sammlungstage in die verbaͤndenen Oster- und Schlußferien fallen.
* edition: Kreuzplatz Nr. 4.
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* Mainz, 16. April. Die Beerdigung des Landtagsabgeordneten und Stadtverordneten Ph. Wasserburg fand gestern Vormittag unter zahlreicher Teilnahme statt. Mitglieder der Kammer, der städtischen Verwaltung, zahlreiche Stadtverordnete und viele Bürger aller Stände und Berufsklassen gaben dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite. Die Centrumsfraktion der Kammer, die Stadt Mainz, der Journalisten⸗ verein und eine Reihe anderer Korporationen legten am Sarge Kränze nieder.
Eingesandt. „Gießen, 17. April.
Die„Hessische Landeszeltung“ brachte vors Kurzem die Nachricht, daß der Windhof vom Erdboden verschwunden sei. Dies ist jedoch nicht der Fall, die Säle find zwar verschwunden, aber dafür hat Herr Duill eine große Halle errichten lassen, die gegen Wind und Wetter Schutz bietet. Außerdem steht noch das alte Wirtschaftsgebäude, und man kann daher vor wie nach ein gutes Glas Bichler Bier bekommen; auch etwas für den hungrigen Magen in allbekannter Güte. Außerdem fehlt es nie an der alten Gemütlichkeit.
Mehrere stammgästliche Windhofs⸗Besucher.
Vermischtes.
— Aus Stephans letzten! Tagen. Ein charakteristischer Ausspruch Stephans wird der„Freis. Itg.“ aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt: Als der Staatssekretär nach der Unterschenkel⸗Amputation aus der Narkose erwachte, fragte er nach seinem Bein, und als man ihm antwortete, daß es zur Präparation in die Klinik gebracht worden, meinte er wehmütig:„Schade um das Bein, es hat Niemanden etwas gethan und ich habe keinem meiner 172 000 Unterthanen je damit einen Fußtritt erteilt!“— Nach dem Tode ist der Fuß der Leiche beigefügt worden.
— Zerlinens Heiterkeitserfolg. Ein selt⸗ sames Mißgeschick passierte, wie aus Düsseldorf geschrieben wird, dieser Tage während der Aufführung von Aubers „Fra Diavolo“ der Sängerin Zerline. Als sie sich nach der bekannten Entkleidungsszene zur Ruhe legte, brach mit lautem Krachen der Bettboden durch und die bestürzte Künstlerin verschwand vor den Augen des Publikums. Natürlich wurde die Musit des nächsten Auftritts völlig dadurch erstickt, daß sich kein Mensch auf der Bühne wie im Zuschauerraum des Lachens erwehren konnte. Die Worte des Banditen„Das arme Mädchen!“ erschienen wie ersonnen für die unglückliche Lage und entfachten aufs Neue die Heiterteit. Die im Schlummer gesungene Wieder⸗ holung des Gebets Zerlinens klang dumpf aus der Tiefe, wo es sich manchmal unheimlich regte, bis endlich das laute Klopfen Lorenzos das unglückliche Wirtstöchterlein aus der peinlichen Lage befreite.
— Eine Operation mit X⸗Strahlen. Ueber eine glückliche Operation mittelst der X⸗Strahlen wird der„Köln. Vztg.“ aus Brooklin folgendes geschrieben: „Das Söhnchen eines deutschen Schriftsetzers vergnügte sich mit mehreren Schulkameraden in der elterlichen Wohnung mit einem in Amerika sehr beliebten Spiel, bei dem runde Eisenstücke an die Wand geschleudert werden. Eines dieser Eisenstücke prallte von der Wand zurück und fiel dem in unmittelbarer Nähe liegenden kleinen Brüder⸗ chen des Spielenden in den offenen Mund. Im nächsten Augenblick steckte das Eisenstück dem Kleinen im Schlund. Die Versuche mehrerer sofort herbeigerufener Aerzte, das Eisenstück zu entfernen, waren ohne Erfolg, und so ent⸗ schloß sich die Mutter des von dem unfreiwilligen Fasten abgezehrten Kindes, dasselbe in das norwegische Hospital zu bringen, um hier Hilfe zu erlangen. Indes schuͤttelten auch die Hospitalärzte bedenklich das Haupt, als sie fanden, daß das Eisenstück an einer bedenklichen Stelle steckte und nach ihrer Ansicht ein gefährlicher operativer Eingriff nötig war. Einer der Aerzte empfahl indessen der besorgten Mutter, eine X⸗Strahlen⸗Photographie auf⸗ nehmen zu lassen. Nachdem der Knabe zwei Minuten lang den X-Strahlen ausgesetzt war, kam eine gute Photographie zustande, mittelst derer nunmehr festgestellt wurde, daß das Eisenstück unmittelbar am Eingauge der Speiseröhre saß. Nunmehr entschlossen sich die Aerzte, das Fluerostop direkt für eine unblutige Operation zu verwenden. Der kleine Patient wurde auf den Operations⸗ stuhl gesetzt und chloroformiert. Gegen das Genick wurde das Flueroskop und dicht an seine Brust die X ⸗Strahlen⸗ lampe gehalten. Der hinter dem Rücken des Kindes stehende Assistenzarzt teilte sofort mit, daß er das Eisen⸗ stück sehe. Der Chirurg führte nunmehr die Zange in des Kleinen Schlund und erhielt von dem Assistenzarzt den Bescheid, daß die Zange das Eisenstück berühre. Und nun ging's los:„Jetzt langsam; jetzt sind Sie gerad dran!—„Oeffnen Sie die Zange!“—„So!“—„Da haben Sie's fahren lassen!“„Mehr rechts!“ „Halt!“—„etzt haben Sie's gerade in der Mitte gefaßt!“—„Heraus damit!“— So, und der Kleine war von dem Eisenstück befreit. Der Arzt brachte ihn wieder zum Bewußtsein und übergab ihn der hocherfreuten Mutter. Zuhause fiel der Knabe in sanften Schlus⸗ mer, und nach acht Tagen konnte er die erste feste Nahrung wieder zu sich nehmen. Die Aerzte des norwegischen Hospitals waren ganz begeistert von der erfolgreichen un⸗ blutigen Operation.


