Ausgabe 
17.9.1897
 
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Nr. 218

Gießen, Freitag, den 17. September

Postztg. Nr. 3319. Telephon ⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

1897.

ische Landeszeitung.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion:

*. Kreuzplatz Nr. 4.=

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeille.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 16. September. Das so lange er⸗ wartete und endlich vorgelegte Zivilbeamten⸗ gesetz bedeutet durchweg eine kleine Aufbesserung, ohne daß die preußischen Bezüge erreicht werden. Insbesondere fehlt der Wohnungsgeldzuschuß. Von akademisch gebildeten Beamten erhalten Oberförster, Real⸗ und Gymnasiallehrer, Steuer kommissäre, Rentamtmänner und Kreisbaumeister einen Höchstgehalt von 5800 4, Amtsrichter von 6200 ½¼ mit einer Funktionszulage für die Dienstaufsicht führenden Richter von 500 A in größeren Städten, von 300 4 sonstwo, Kreis⸗ züte von 7000 4. Freie Dienstwohnungen werden nicht mehr gewährt; der Wert einer mit einem Amte verbundenen Dienstwohnung wird auf 5, und 10 pCt. des Gehalts bemessen.

Die Vordienstzeit wird unter gewissen Voraus⸗ fsetzungen in Anschlag gebracht. zur Witwen- und Waisenkasse fallen weg. Alle drei Jahre findet eine Aufrückung in eine höhere Stelle statt, bis das Maximalgehalt erreicht ist.

Die Beiträge

Gießen, 16. Sept. Die Brandwachen

des hiesigen Feuerwehrkorps werden am nächsten Sonntag für dieses Jahr zum letzten Mal in Turmhaus am Brandplatz gestellt. schieht dies in der Erwägung, als sich im Winter⸗ Hbalbjahr die Stadt an den Sonntag⸗Nachmittagen icht mehr in dem Maße entvölkert, wie es im Frühjahr und Sommer der Fall ist.

Es ge⸗

Gießen, 16. September. Im städtischen

Freibad an der Lahn, das in den nächsten KLTagen geschlossen wird, haben gebadet im Mai 686, im Juni 15 004, im Juli 8126, im August 6022, im September bis jetzt etwa 400 Personen, sodaß also im ganzen in der Saison J 236 Jie Anstalt besucht haben. Die stärkste Frequenz

gegen 26 000 Badende des Vorjahres

hatte das Bad am 5. Juni mit zwischen 1600 Is 1800 Personen bei 19¼ Grad Wärme im Wasser, während den schwächsten Besuch mit 9 Personen bei 12 Grad Wasser⸗ und 7 Grad Luftwärme der 20. Juni aufzuweisen hatte. Bademeister Weidtmann, der von der Stadt an⸗ gestellt ist, die Aufsicht über die Anstalt zu führen, hat den Sommer über 64 Knaben im * ausgebildet, gegen 36 Knaben im

orjahr.

Gießen, 16. September. Heute findet die landespolizeiliche Abnahme der neuen Nebenbahn⸗ secken Hungen Friedberg und Beien⸗

beim Nidda, bezw. Friedberg Nidda statt.

Damit ist die Eröffnung der Bahn mit dem J. Oktober d. J., wie vorgesehen, gesichert zur großen Freude der Wetterau, die mit diesem

Termin Anschluß an den großen Verkehr erhält.

* Gießen, 16. Sept. Bei einem von der Stadt Eschweiler ausgeschriebenen Wett⸗ bewerb zur Erlangung von Entwürfen zur Errichtung eines größeren Volksbades, ver⸗ bunden mit Waschanstalt, haben die Architekten Stein und Meyer, sowie die Firma H. Schaffstädt hierselbst für das von ihnen

überhaupt zur Verteilung gekommenen Preis erhalten. Wie beim Wettbewerb um das hiesige Volksbad haben auch bei dem Entwurf für Esch⸗ weiler Stein und Meyer die Pläne für den bau⸗ lichen Teil. und die Firma Schaffstädt die für den maschinellen Teil des Projekts entworfen.

* Gießen, 16. Sept. Das Vorkommen von Viehseuchen in Oberhessen während des Monats August 1897. Milzbrand wurde festgestellt in Nieder⸗Weisel, Kreis Friedberg, am 27. August bei einem krepierten Rinde. Rausch⸗ brand wurde festgestellt im Kreise Büdingen in Nidda am 7. und 13. je bei einem krepierten Schafe, in Burg⸗Bracht am 11. bei einem krepierten Rinde, in Unter⸗Widdersheim am 16. bei einem krepierten Schaf, in Rohrbach am 7. bei 4 und am 19. bei einem krepierten Schaf; im Kreise Friedberg in Gambach am 21. bei einem krepierten Rind und in Melbach am 21. bei einem krepierten Schaf; im Kreise Schotten in Ober⸗Lais am 8., 21. und 29. jedesmal bei einem krepierten Rind und am 17. bei einem krepierten Schaf und in Breungeshain am 30. bei einem krepierten Rind. Die Maul⸗ und Klauenseuche ist erloschen in Oppenrod, Kreis Gießen und in Elpenrod, Kreis Alsfeld. Die Seuche herrscht fort in Nieder-Gemünden, Kreis Alsfeld. Die Seuche wurde festgestellt und war am Schlusse des Monats wieder erloschen in Vilbel, Kreis Friedberg. Die Seuche wurde festgestellt und herrschte am Schlusse des Monats noch fort in Burg⸗Gemünden, Homberg a. d. O. und Rülfenrod, Kreis Alsfeld. Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Göbelnrod, Kreis Gießen, in Eifa, Ober⸗Sorg, Hopfgarten, Erbenhausen, Ober-Gleen, Elbenrod, Heidelbach und Heimertshausen, Kreis Alsfeld, in Alten⸗ stadt, Kreis Büdingen, in Ilbeshausen, Kreis Lauterbach, in Mittel⸗Seemen, Meiches, Ober⸗ Seemen, Stumpertenrod und Gedern, Kreis Schotten.

* Gießen, 16. Sept. Aus Aschaffen⸗ burg wird gemeldet: Prof. Dr. Konrad Bohn, 1866 aus Gießen als Lehrer der Mathematik und Physik an die hiesige Forstlehranstalt be⸗ rufen, starb Dienstag Nacht infolge eines Schlag⸗ anfalles. Sein Ende ist insofern von tragischen Umständen begleitet, als heute die Hochzeit seiner Tochter stattfinden sollte und ein großer Kreis seiner Familie zu diesem Zwecke hier ver sammelt ist.

* Gießen, 16. Sept. Ueber Obst⸗ und Beerenweinbereitung hielt Herr Lehrer Rebholz von der Wein- und Obstbauschule in Oppenheim dieser Tage einen hochinteressanten Vortrag in Beerfelden i. O. Er führte aus: Der Obstanbau muß notwendigerweise ergänzt werden durch richtige Obstverwertung. Die Sorge für letztere wurde früher versäumt, und die früheren obstreichen Jahre brachten es mit sich, daß viele edle Früchte unbenutzt verkommen mußten. In letzter Zeit ist es nun das eifrigste Streben der Regierungen und auch von Vereinen, das Stiefkind der Landwirtschaft, die Obstver⸗

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

und richtige Verwertung desselben hat eine tief⸗ greifende, landwirtschaftliche, hygieinische und nationale Bedeutung. Eine landwirtschaftliche, denn auch weniger guter Boden kann angepflanzt werden; eine hygieinische, denn der Obst⸗ und Beerenwein ist ein durchaus gesundes Getränk; eine nationale Bedeutung: vergleichen wir das etwa 2 Millionen Einwohner zählende Württem⸗ berg mit seinen etwa 6 Millionen Obstbäumen mit obstbaumlosen nördlichen Ländern bezüglich des Branntweinkonsums, so stellt sich in ersterem Land derselbe ganz minimal, während letzt genannte Länder durchschnittlich pro Kopf 25 1 Schnaps per Jahr konsumieren. Das Obst, das bei der Obstweinbereituug verwendet wird, muß reif, darf jedoch nicht überreif sein. Hiergegen wird viel gesündigt. Gerade beim Reifen des Obstes entwickeln und vermehren sich diejenigen Stoffe in demselben, welche dem Getränk den Wohlgeschmack geben. Muß das Obst früher geerntet werden, so bringt man es auf Haufen und läßt es nachreifen. Man verwende nicht ausschließlich Süßäpfel oder Süßbirnen, weil die nötige Säure vorhanden sein muß. Das Ge⸗ birgsobst ist wertvoller, weil es einen haltbaren Wein giebt. Das Obst muß richtig gemischt werden. Reinlichkeit ist bei der Obstweinbereitung die Hauptsache, deshalb muß das Obst gewaschen werden. Zwar behaupten manche, die Gärung scheiden jeden Schmutz aus, dies ist nicht richtig; denn übler Geschmack und Gärungsverzögerung sind auf Unsauberkeit zurückzuführen; besonders sorgfältig reinige man das Fallobst. Nach dem Zerkleinern der Früchte soll die sogen. Maische einige Zeit stehen bleiben, bei warmem Wetter jedoch nicht zu lang, da sich sonst leicht der Essigpilz entwickelt. Letztere Gefahr liegt auch nahe, wenn die Maische mit der Luft zu viel in Berührung kommt, sie muß deshalb öfters um⸗ gerührt und unter das Wasser gedrückt werden; am besten verwendet man ein sogen. Senkbrett. Auch bei der Saftgewinnung, d. h. beim Pressen, muß größte Sauberkeit herrschen; insbesondere soll die Maische nicht mit unlackierten Eisenteilen in Berührung kommen. Dem Saft müssen die nötigen Stoffe zugesetzt werden. Das Beerenobst z. B. hat teilweise zu viel Säure; diese wird durch Wasser⸗ und Zuckerzusatz vermindert. Re⸗ zepte sind nicht gut zu geben, doch erzielt man beispielsweise beim Johannisbeerwein einen trink⸗ baren, leichten Wein, wenn man in folgendem Verhältnis mischt: 11 Saft, 1 kg Zucker, 21 Wasser; besser wird der Wein: 11 Saft, 1 ke Zucker und 1 1 Wasser; noch besser bei: 1 Saft, kg Zucker und 11 Wasser. Die Fässer dürfen nicht zu sehr beschwefelt werden; am besten spült man sie aus mit verdünnter schwefliger Säure und mit Sodalösung, und wascht nachher tüchtig mit Wasser nach. Sie dürfen nicht kurz vor dem Füllen eingeschwefelt werden und dann nicht spundvoll gemacht werden. Bei Obstweinen ist die Gärtemperatur= 12 bis 15% R, bei Beerenweinen- 15 bis 20 oder 25% C. Zum Abschluß der äußeren Luft ver⸗

wendet man am besten Gärröhren oder noch

besser Gärspunden. Zu einem normalen Verlau⸗ der Gärung trägt Edelhefe oder reine Hefe vie bei usw.

W. Grünberg, 15. Sept. Im Beisein des Herrn Kreisfeuerwehrinspektors Loos aus Gießen fand heute Abend eine Uebung der Freiwilligen und der Pflichtfeuerwehr statt. Die Demonstrationen, welche am Hause des Kaufmanns Moll ausgeführt wurden, zeigten, daß sich die freiwillige Feuerwehr auf die In⸗ spektion gut vorbereitet hatte.

Laubach, 16. Sept. Die Körkommisston des 1. Körbezirkes(Vogelsberger Vieh) wird nachfolgende Körtermine abhalten:

1. am 17. Sept., vorm. 10% Uhr in Stock⸗

f hausen bei Mücke,

2. 17. mitt. 12 Uhr in Weickarts⸗

g hain,

3. 17. nachm. 4 Uhr in Göbeln⸗ rod bei Grünberg,

4. 18. vorm. 11 Uhr in Großen⸗

8 Linden,

18.

nachm. 4 Uhr in Rutters⸗ . hausen bei Lollar. Darmstadt, 15. Sept. Der Kreisamt⸗ mann bei dem Kreisamt Bensheim, Regierungsrat Au gust Karl Weber, Sohn des Finanz⸗ ministers, ist unter dem 16. d. M. zum Vor⸗

stande des Polizeiamts Darmstadt ernannt worden.

Vermischtes.

Ein Mißerfolg der Berliner Krimi⸗ nalpolizei. Zu dem Doppelraubmord in der König⸗ grätzerstraße in Berlin wird jetzt von dort gemeldet, daß sowohl die Kriminalpolizei wie der Untersuchungsrichter jede verfolgbare Spur des Mörderpaares ver⸗ loren haben. In den letzten Tagen ging noch die Nach⸗ richt aus München ein, daß Gönczi dort von einer Frau Stark, die ihn von seinem früheren dortigen Aufenthalt her kannte, gesehen worden sei. Die Frau gab an, daß sie ihn mit Bestimmtheit wiedererkannt und ihn habe an⸗ sprechen wollen. Da sei eine andere Person dazwischen getreten, und Gönczi wäre verschwunden gewesen. Dieser Vorfall sollte sich am 19. August in München zugetragen haben; er erschien wenig glaubhaft, da Gönczi, wie un⸗ zweifelhaft festgestellt, an diesem Tage morgens von Frankfurt a. O. abgereist und über Halle a. S. abends 6 Uhr in Hameln eingetroffen war. Es wurde daher in München nochmals angefragt, ob nicht betreffs des Tages ein Irrtum vorliege, und nun erfolgte die Antwort, daß die Frau den Göncze bestimmt am 19. August vormit⸗ tags 11 Uhr, andere Leute ihn schon am 18. in München gesehen hätten. Da Gönczi aber erst am 18. abends von Berlin auf dem Schlesischen Bahnhof abgereist ist, so muß zweifellos in München eine ihm ähnliche Persönlichkeit gesehen worden sein. Die Kriminalpolizei verfolgte auch die Spur, wonach Gönczi in Osnabrück gewesen sein sollte. Es stellte sich heraus, daß nur ein Reisender ihn nach der Beschreibung in einer nach Holland reisenden Person erkannt haben wollte. Ob Gönczi nach dem Auslande und bezw. nach Amerika entkommen ist, wird sich schwer feststellen lassen. Die Kriminalpolizei hat alle deutschen Hafenstädte, als auch Rotterdam, Amsterdam, die eng⸗ lischen, belgischen und französischen Behörden, insbesondere die von Brüssel und Paris, wo Gönczi von früher her Beziehungen hatte, in Kenntnis gesetzt. Leider sind die

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gemeinsam eingereichte Projekt den höchsten

Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin.

(Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

Jemineh, mein' Dochter! rief Frau Puhl⸗ mann bestürzt aus.

Ihr Mann bewahrte seine Ruhe. lannst de ja widder zu uns kommen. N

Vater! Er hat mich schwer gekränkt, ja, und ob ich ihn wieder so lieben lerne, wie früher, das weiß ich nicht, aber er ist mein Mann, und ich lann nicht zusehen, wie er in Elend und Not gerät.

So schlimm is et nich. Er hat ja noch'n Vater in Frauensee.

Röschen trat ein paar Schritte näher.

Vater, sprach sie lelser,wenn ich Dir nun lage, daß daß ich Sie schluchzte und barg ihr Gesicht an der Schulter der Mutter.

Is et an dem, mein' Dochter?

Röschen nickte ein paar Mal. Dann machte sie sich los und fiel dem Vater zu Füßen.Im Namen des Kindes, das Gott uns schenken wird, Baler! am Namen Deines Enkelkindes! Gieb das Geld] Wir wollen mit wenigem auskommen, uns einrichten, wie wir können

Steh' auf, mein' Dochter! sagte Frau Puhl⸗ mann und half ihrem Kinde, sich in die Höhe zu richten. Dann trat sie ihrem Mann gegenüber. Rarl, Du hast et! Zieb' et doch! Sieh' doch unser armes Kind, Karl! i

Herr Puhlmann schielte hinüber auf seine

Na denn

wertung, zu heben. Zahlreicher Anbau von Obst

Tochter, die an die Wand gelehnt dastand, mit der Hand ihre Augen bedeckend. f

Wenn ick et könnte, ick würd' et jeben, sprach er milder. e s

Wat Karl? Du kannst et nich? Ja wo is et denn jeblieben? f

Herr Puhlmann zuckte die Achseln.

Weg is et, dat Du't weeßt, un wir hebben man knapp so ville, dat wir leben können. Mit seinen kleinen Augen zwinkerte der Alte zu der Tochter hinüber.

1 800 blickte diese auf den Vater.

So werd' ich zu Onkel Fritz gehen! sprach f nell entschlossen. d f 855 ac ane Onkel Fritz die Angelegenheit auseinandergesetzt hatte, sah der sie erst eine Weile mit lachendem, offenem Munde an und meinte darauf:Hat nischt? Hebb' ooch nischt! Hähä! Verspekuliert! Ff!

u Tode ermattet langte Röschen noch an demselben Abend bei Warnshagen an. Hoffnungs⸗ freudig empfing er sie. Doch nachdem sie ihn ge⸗ beten, auf seine Forderung zu verzichten, da sowohl ihr Vater wie ihr Onkel nicht mehr so viel besäßen, um die Summe hergeben zu können, da trat ein spöttisches Lächeln auf seine Lippen. 5 i

Und das glauben Sie, meine gnädigste Frau? Ich kenne diese Art Leute. Sie hängen sehr zäh an ihrem Eigentum. Haben thun sie's, aber sie wollens nicht hergeben. 55

Und zu sich selbst sagte er: Das ist die Krisis! Sie weiß alles, die junge Frau, sie interessiert sich

für die Sache. getzt fest bleiben!

So glauben Sie, daß mein Vater und mein Onkel mich belügen?!

Nein. Ich glaube nur, daß sie Ihnen nicht die volle Wahrheit sagen.

Was dasselbe ist. Sie wollen also auf Ihre Forderung nicht verzichten?

Nein.. Wollen sie auch nicht herabsetzen? N nein!

Dann hab' ich nichts mehr hier zu suchen.

Ihrem Manne sagte Röschen nichts von ihren vergeblichen Wegen. Und am nächsten Tage nahmen sie Abschied voneinander.

Herr Puhlmann war auf Hellmuths Bitte ge⸗ kommen, um bei Röschen zu bleiben und ihre Uebersiedelung zu leiten.

Nun stand das junge Paar, die Hände in

einander gelegt und blickte sich in die Augen. Ich bin Dir vielleicht kalt erschienen, in letzter Zeit, sprach Hellmuth,aber ich bezwang mich, weil ich mich nicht abbringen lassen wollte von meinem Wege. Was es mich für Ueberwindung kostest, zu scheiden, weiß ich allein. Und diese Worte nimm zum Abschied: Für immer bleib' ich Dein und Gott behüte Dich!

Er küßte sie innig und nickte ihr unter Thränen zu. Dann grüßte er seinen Schwiegervater mit der Hand und eilte hinaus.

XIV. Der Winter hatte scharf eingesetzt mit Frost und Schneestürmen. Frau Grünebohm heizte heute zum dritten Mal den eisernen Ofen in der Gaststube, während ihr

1 hinterm Schanktisch stand und die Gläser pülte.

Weißt es denn schon, Frau, daß Karl Puhl⸗ manns Tochter weg von ihrem Manne is?

Frau Grünebohm hielt in ihrer Beschäftigung inne und sah auf.Ich denk', sie is man blos zum Besuch bei den Alten?

Nee, sie's von ihn weg.

Na und warum?

Ja, das weiß Keiner. Muß woll was vorge kommen sein, die von der Kafallrie, wenn sie auch schneidig sind und allens, aber leichtsinnig sind se auch.

Das thut mir aber recht leid, meinte die Frau.Hast Du denn die junge Frau schon gesprochen?

Das nich. Wenn ich sie mal zu fassen krieg', dann werd' ich ihr meinen guten Rat nich vorent⸗ halten. Denn was der Alte is, na der's ja nich kapabel, ihrs auseinander zu setzen, wies in der Welt zugeht, der weeß es ja selber nich. Auf 'n Geldsack sitzen kann jeder, aber was zulernen, das is'ne Kunst. Und gedient hat er ja nie.

Frau Grünebohm seufzte tief auf und schloß die Ofenthür.Ja, ja! sagte sie.So gehts in der Welt. Und alle Jahr wirds schlimmer. Ist kein Vertrag mehr unter den Menschen!

Gegen Adend die Gaststube war noch leer kam Onkel Fritz Puhlmann hereingewackelt.

(Fortsetzung folgt.)