fen.
d 0
gen
Kohlenzand eh
da. cnarbeiter Di
Ukfurt 3. I. bigen Größen. 1
Etr.⸗Fl. 40 Nfg. „ 0,
30
25
„ 22
„ 20
„„ 0
sche 25 Pig.
teilung, daß ich durch Bleischrot) den weit⸗ kann. Eine jede Flasche mit dem selbstthätigen asser an selbstthätigem
die U Flasche/ Aer, ien bersehen und werden ers aufmerksam mache. tet. 250 htungsvoll
Fchmall.
n Nr. 83.
77 E olle matismus.
2
gurchdringenden peinrückständen benden Attesten ut. Die Friolge atismus leidende T auch nur dure Alle Atteste be⸗ die Beulen gelbst elen Funken
jea mon- um, Arn 5 nperi, Herbs l
15 dnete ale sozig⸗
bellen und
Rechts iltungban
ch
1 ND unnd aun nene
Gießen, Mittwoch, den 17. Februar
1897.
Poftztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
l
Ausgabe Gießen.
el
9
fung.
Postztg. Nr. 3239. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
2
—
Die Melanchthonfeier unserer Hochschule.
Gießen, 15. Februar 1897.
Die Feier des 400 jährigen Geburtstages Philipp Melanchthons, dem„Lehrer Deutschlands“, zu welcher Rektor und Senat der Ludewigs⸗-Universität eingeladen hatten, fand heute Vormittag 11 Uhr in der großen Aula des Kollegiengebäudes unter zahlreicher Betetligung in programmmäßiger Weise statt. Die Kraußesche Mllitär⸗ kapelle eröffnete die Feier mit den erhabenen Klängen des„Hallelujah“, aus dem„Messias“ von Händel, worauf der Akademische Gesangverein unter der meisterhaften Führung seines neuen Leiters, des Universitäts-Musik⸗ direktors Trautmann, den Choral„Wer faßt, wie groß Du Schöpfer bist“ von Joh. Seb. Bach anstimmte. Die Gedächtnisrede hielt der derzeitige Dekan der theologischen Fakultät, Geh. Kirchenrat Professor Dr. Köstlin. Er ging davon aus, daß Philipp Melanchthon von vornherein einen wohlbegründeten Anspruch auf die dankbare Sym⸗ pathie gerade der Universitätskreise habe, und es darum berechtigt sei, daß nicht etwa nur die philosophische oder theologische Fakultät, welchen beiden er angehört habe, sondern die Universität in ihrer Gesamtheit diesen Ge⸗ denktag festlich begehe; denn Melanchthon war mit Leib und Seele, nach Neigung und Begabung ein Professor. „Extra universitatem non est vita“, lautet ein Wort von ihm. Er verstand es, mit den Studenten in Liebe und Ernst zu verkehren und, so unansehnlich er von Ge⸗ stalt war, nach Umständen auch aufzutreten. So ist er einmal, mit dem Degen in der Faust, in einen Haufen tumultuierender Studenten hineingetreten, der eben zum Sturm auf das kurfürstliche Schloß sich anschickte, um einen gefangenen Komilitonen zu befreien, und durch sein mannhaftes Auftreten zwang er die Leute, auseinander zu gehen. Melanchthon hielt die Unabhängigkeit der Wissenschaften hoch, er war in einer gärungsvollen Zeit der Träger und Vorkämpfer des Universitätsgedankens, ja thatsächlich trug das beispiellose Vertrauen, welches der Gelehrte weit über Deutschlands Grenzen genoß und dessen grundsätzliche Forderung, auf die Quellen zurückzugehen, dazu bei, daß dieser der eigentliche Vater des modernen Universitätswesens geworden. Durch ihn wurde die Vorbildung zum akademischen Studium auf seste Grundlagen gestellt, er hat den höheren Unterricht geregelt, ihm durch die Schüler, welche er gebildet, durch die Lehrbücher, die er verfaßt hat, auf lange hinaus das Gepräge gegeben, in vollem Sinne das, was sein Ehrentitel besagt, der Praeceptor Germaniae. Aber dies wäre er in diesem Umfange und mit der nachhaltigen Wirkung niemals geworden, hätte Philipp Melanchthon nicht den eutschiedenen Schritt gethan, sich rückhaltlos zu der religiösen Bewegung zu bekennen, deren Träger und Mittelpunkt Luther war. Dadurch, daß er die Wissenschaft zur Sache der Reformation und diese zur Sache der Wissenschaft machte, hat er nicht etwa der evangelischen Kirche, sondern auch der Wissenschaft selbst den größten Dienst erwiesen, sie grundsätzlich vom mittelalterlichen Geisteszwang befreit und ihr die stetige, fortdauernde Ein⸗ wirkung auf die deutsche Bildung gesichert. So bedeutend Melanchthon als Humanist, als Begründer der auf die Kenntnis des Griechischen ruhenden modernen Bildung, als Reorganisator der Universitäten(Wittenberg, Tübingen, Heidelberg, Frankfurt a. d. O., indirekt Königsberg, Mar⸗ burg und Jena) ist, seine eigentlich geschichtliche Bedeutung liege zuletzt nur darin, daß er das Werkzeug der Refor⸗ mation gewesen ist. Das war die entscheidende That seines Lebens, dem Genossen Luthers gilt denn auch eigentlich die heutige Feier. Melanchthons Anteil an der Reformation schildernd, führt der Redner aus, daß die Entscheidungsthat desselben nicht, wie die Luthers, den Stempel einer heroischen Kraft und Ge⸗ wissensthat trage, vielmehr ein fortgesetztes Opfer für die Reformation gewesen sei, die er aus innerster Ueberzeugung heraus für die Sache Gottes hielt. Melanchthon opferte
seinen Beruf, den er nach Gabe und Neigung erwählt. Der Humanist wich fast ganz dem Theologen. Mit Dank erfüllte dies die Nachkommen, denn ohne Melanchthons Mitarbeit wäre Luthers Bibelübersetzung nicht das ge⸗ worden, was sie ist. Der Gelehrte selbst habe sich nicht für einen Theologen von Beruf gehalten, seine theologischen Arbeiten haben ihm Kämpfe zugezogen, die das letzte Jahrzehnt seines Lebens zu einem steinvollen Martyrium gemacht haben. Was die Zeit forderte, die Heraus⸗ arbeitung eines Gegensatzes, war nicht seine Sache, denn sein dialektisch geschulter Geist schliff eher die Gegensätze ab, seine Gabe war die Formulierung, die Vereinigung, der Ausgleich. So hat er an seiner kirchlichen Arbeit keine volle, reine Freude gehabt, die unter seinen Händen entstehende Staatskirche war ihm das geschichtlich Not⸗ wendige, Unvermeidliche, aber nicht das, was er wollte. Aus der Verquikung der kirchlichen Interessen mit den politischen steht er eine Tyrannei erwachsen, die unerträg⸗ licher ist, als der frühere Zustand. Es sei ein tragischer Zug durch das Leben dieses Mannes gegangen. Redner erklärt denselben aus der heimatlichen Eigenart desselben. In dem Landstrich, in welchem Melanchthons Geburts⸗ stadt Bretten liegt, berühre sich der schwäbische Charakter mit dem unterpfälzisch⸗fränkischen; der eigensinnige Indivi⸗ dualismus der Schwaben ist gemildert durch die Schweig⸗ samkeit des Pfälzers, aber er schlägt doch vor in der Neigung, die Gegensätze beruhen zu lassen, weil die Wahr⸗ heit in der höheren Einheit geahnt wird, in deren dialek⸗ tischem Bedürfnis alles auf eine Formel zu bringen, von dieser aber praktisch möglichst wenig Gebrauch zu machen, in dem unbefriedigten Idealismus, der nie zur Ruhe kommt, auf theologischem Gebiete in dem Bedürfnis und der Gabe der Vermittelung bei voller Auswirkung der Individualitäten. Melanchthons Beurteilung war ja nach der Zeitstimmung eine verschiedene. Vielleicht kommt das, was in seiner Zeit seine Schwäche war, noch zur Geltung, wenn man seiner Abneigung gegen die falsche Sichtbarkeit der Kirche nach heutigem Verständnis und heutiger Er⸗ fahrung weiter nachgeht und der Meinung wird: daß das Wesen, die Realität der Kirche nicht in Kirchenparla⸗ menten sichtbare Gestalt hat, sondern in der Gemeinde, die den Glauben in der Liebe darstellt und auswirkt. Mit dem Hinweis auf Sulzes Gemeinde-Ideal und Sohms Geisteskirche schloß der Redner. Hierauf wurden die Ehrenpromotionen verkündet, welche die theologische Fakultät zur Feier des Tages vorgenommen hat. Zum Doktor honoris causa wurden ernannt aus der Mitte unserer philosophischen Fakultät: der Geheime Hofrat Professor Dr. Siebeck⸗Gießen, von den Leitern der theologischen Jugend: Professor Dr. Flöring vom Predigerseminar⸗ Friedberg, von den Theologen des Kirchenregiments: Oberkonsistorialrat Walz⸗Darmstadt, von den Lehrern der Gelehrtenschulen: deren Senior, Professor Wilhelm Stamm ⸗Gießen, von Trägern des praktischen Pfarr⸗ amts: Kirchenrat Dekan Stock-Stockhausen und Dekan lic. theol. Wiener-Worms, von den Vertretern der Sprachwissenschaften: Dr. Max Rieger, Mitglied der Bibelrevisions⸗Kommission(zugleich verdienstvolles Mitglied der Landessynode), sowie dem Geh. Hofrat Dr. Gelzer, Pro⸗ fessor der klassischen Philologie in Jena.— Weihevoll klang der Schlußchor aus dem 42. Psalm„Harre auf Gott“ von Felix Mendelssohn Bartholdy durch den Festraum, dem das niederländische Volkslied„Wir treten zu beten!“ folgte. Die Landes⸗Universität ehrte sich selbst, indem sie dem Mahnen Philipp Melanchthons diese würdig verlaufene Festveranstaltung darbrachte.
5 7 0 1 5
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 16. Februar. Die diesjährige Generalversammlung des hessischen Landes— Lehrervereins wird nach Beschluß des Vereinsvorstandes in der Osterwoche in Bens-⸗ heim abgehalten werden. Die Delegierten der Bezirksvereine tagen am Mittwoch, 21. April,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
im Saale der Restauration„Hutmacher“ dort; im gleichen Lokale findet am Abend desselben Tages der Festkommers statt. Die Hauptver⸗ sammlung tagt am Donnerstag, 22. April, im großen Kaisersaal des Hotels„Zum Deutschen Haus“ in Bensheim. Referate für diese Ver⸗ sammlung haben die Herren Taubstuumenlehrer Mink von Bensheim und Lehrer Hartleb von Mainz übernommen.
* Gießen, 16. Februar. Der Bezirk Gießen, der Kriegerkameradschaft Hassia be— steht nach dem neuesten Rapport aus 29 Vereinen in zusammen 28 Orten(Gießen hat 2 Vereine). Die Vereine haben im Ganzen 1616 aktive und 91 passive Mitglieder. Die stärksten Vereine sind die beiden Gießener. Das Kapitalvermögen der Vereine im Bezirk beträgt zusammen 7348 . 20, deren Inventarwert 8286. Die beiden Vereine in Gießen verfügen zusammen über 3730 /. Barvermögen. Der Krieger— verein hat im letzten Jahre 252, seit seinem Besteheu 7056. 49„. Der Veteranenverein 150 1 resp. 681& an Unterstützungen ausge⸗ zahlt. Im Ganzen haben die Vereine des Be⸗ zirks 1283 A 94 im letzten Jahre für Unterstützung ihrer Mitglieder ausgegeben, während die Gesamtunterstützung sämtlicher 29 Vereine des Bezirks seit ihrem Bestehen den Betrag von 22 260 4 55& beträgt.
* Gießen, 16. Februar. Das auswärtige Amt in Berlin läßt gegenwärtig durch die Schulaufsichtsbehörden Umfragen nach Lehrern veranstalten, die in den Kolonialdienst in Afrika eintreten möchten. In Ostafrika wird denselben ein Jahresgehalt von 4—6000 al, in Kamerun und Togo ein solcher von 5000% zugesichert. Die Verpflichtung dauert 2 bis 2½ Jahre und erhalten die Lehrer 1000 il. Ausrüstungsgeld sowie freie Reise.
* Gießen, 16. Februar. Sein 32jäh⸗ riges Jubiläum als Feuerwehrmann begeht heute der erste Kommandant der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr und Kreisfeuerwehr— Inspektor, Herr Martin Loos. Nicht allein bei seinem Korps, sondern auch bei der Behörde hat sich der Jubilar durch seine Ver⸗ dienste um das Feuerlöschwesen die höchste Ach⸗ tung erworben. Möge derselbe noch lange im Dienste der Nächstenliebe thätig sein.
* Gießen, 16. Februar. Durch Herrn Kriminalschutzmann Weiß wurde gestern Vor⸗ mittag ein in dem Komptoir einer hiesigen Bierbrauerei beschäftigter junger Mann wegen bedeutenden Unterschlagungen in Haft ge nommen.
* Gießen, 16. Februar. Das Referat über das Konzert am Sonntag und das Theater am Montag finden die Leser im heutigen Haupt— blatte.
* Grünberg, 16. Februar. Die von dem Pferdezuchtverein im Großherzogtum Hessen in Aussicht genommene Stuten⸗ körung und Prämiirung von aus gekörten Stuten gefallenen Fohlen ist für Grünberg auf Montag, den 8. März, nachmittags 3 Uhr, festgesetzt. Im Ganzen sind 75 Preise im Betrage von 3800 K vorgesehen. Die Prämiirung kann nur erfolgen, wenn die Kör⸗
Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Jortsetzung.)
„Wiez unendlich schwer aber dieses Begründen und Feststellen“, fiel Lossen ein,„was wir durch Jahrhunderte für Wahrheit genommen, wird durch einen neueren Forscher plötzlich wieder in Frage ge⸗ stellt. Die Grenze zwischen Sage und Geschichte ist schwerer zu ziehen, als Sie meinen. Uebrigens hat doch ein Werk rohester Heidenzeit einen ge— waltigeren Eindruck auf mich gemacht, als ich für möglich gehalten hätte— ich meine jene kolossalen Steinkreise bei Salisbury, Stonehenge genannt, denen man nicht ohne Scheu der Ehrfurcht nahen kann, als wohne dort wirklich jene unsichtbare Gottheit, der zu Ehren sie errichtet sind.“
Regine sann noch seinen Worten nach.
„Mag auch der Geschichtsscreiber in Einzel— heiten irren“, sagte sie dann,„wir sind ihm doch so viel Dank dafür schuldig, daß er große Zeit⸗ epochen der Vergessenheit entreißt, vergangene Jahr⸗ hunderte vor uns wieder aufleben läßt, deren Geist uns oft so viel verwandter anmutet, als derjenig: unserer Zeit.“—
„Sehnen Sie sich wirklich in die Vergangenheit zurück, wenn Sie Geschichte lesen?“ rief Lossen leb— haft.„Nein, mir dient ihr Studium nur dazu,
mich die eigene Zeit recht verstehen zu lehren, mir
die frohe Zuversicht zu geben, daß wir jetzt höher stehen, als je zuvor!“
„Glauben Sie wirklich an die fortschreitende Entwicklung des Menschengeschlechtes?“
„So sicher glaube ich daran, wie an meine eigene Mangelhaftigkeit“, entgegnete er scherzend, „aber im Ernst gesprochen: wir gehen wirklich auf— wärts, wenn auch nur allmählich mit vielen Win— dungen, gleichsam in Spiralen.“
„Denken Sie doch aber an die reichen Kulturen, die Jahrtausende vor uns blühten und dann ver⸗ schwunden sind, an Aegypten, Griechenland, Rom! Es kommt mir vor, als ob für jedes Einzelwesen das Leben damals ruhiger, harmonischer und genuß— reicher war, als in unserer Zeit des Dampfes; jetzt erscheint mir die große Mehrzahl des Volkes oft zur Maschine herabgedrückt.“
„Zu keiner Zeit war aber die allgemeine Bil— dung der Massen auf einer so hohen Stufe als jetzt“, protestierte Lossen.„Wohl steht unser Jahr⸗ hundert unter dem Zeichen des Dampfes, aber ver— gessen Sie auch nicht, was wir diesem verdanken! Den ganzen Erdkreis hat er der Zivilisation näher gerückt, fortan giebt es keine Entfernungen mehr. Wenn ich nur der großen Erfindungen gedenke, um welche sich die Kultur bereichert hat, dann thut es mir bitter leid, daß ich nicht die kommenden Jahr⸗ hunderte mit erleben kann und den weiteren Fort⸗ schritt beobachten auf allen Gebieten“—
„O nein, nicht zu lange leben!“ rief Regine abwehrend, von einem plötzlichen Impulse getrieben, „unsere Existenz währt schon lange genug!“ Sie war stehen geblieben; ihre Blicke schweiften in die Ferne.
„Wer einmal dem Glücke recht in das Antlitz geschaut hat, der lebt gerne, sei es auch nur um der Erinnerung willen“, flüsterte Lossen, ihr tief in das Auge sehend. Sie wandte sich ab.
„Das bedeutet Glück?“ fragte sie unwillkürlich.
„Glücklich sein heißt: nicht mehr einsam sein; einen Menschen neben uns haben, der uns versteht bis in die verborgendste Falte unseres Herzens; der uns lieber ist als die ganze Welt!“
„Er hatte sein Haupt dicht zu dem ihrigen ge— neigt. Sie fühlte seinen Atem und schritt hastig vorwärts. Seine Worte tönten ihr im Ohre fort. Wieder hatte er ausgesprochen, was sie empfand.
Es war, als wenn ein Traum sie umfinge. Die ganze Welt schien für sie zu versinken; sie wandelte allein auf einer einsamen Insel und hörte nur das ferne Brausen des Meeres und die Stimme dessen, den sie liebte.
Er aber betrachtete sie mit Entzücken. Die reinen Linien ihrer schlanken Figur wurden durch ein schlichtes, weißes Kleid gehoben, das in weichen Falten an ihr niederfloß. Der helle Sonnenschein gab dem Gewande einen gelblichen Schimmer, welcher von dem orangefarbenen Schärpenbande auszugehen schien, das sich um die feine Taille
N Expedition: 20 Kreuzplatz Nr. 4.
kommission der Kör⸗ und Deckschein vorgezeigt worden ist.
* Mainz, 15. Februar. Die von einer Reihe hiesiger und auswärtiger Zeitungen ge⸗ brachte Mitteilung, daß das Kriegsministerium in Berlin für die Festungsumwallung in Kastel eine Summe von 1700 000& resp. 1500000&& gefordert habe, ist vollständig aus der Luft gegriffen. Weder Herrn Oberbürger⸗ meister Dr. Gaßner in Mainz, noch Herrn Bürgermeister Löffelholz von Kastel wurde irgend eine bestimmte Angabe nach dieser Richtung hin gemacht; es wurde den beideu Herren vom Hrn. Gouverneur von Holleben lediglich mitgeteilt, daß das Festungsterraian von dem Kriegs⸗ ministerium zum Verkauf gestellt sei und daß man einem Gebot entgegensehe.
Mainz, 15. Februar. Der Provisions⸗ reisende Adolf Schröder aus Walstatt, der bei der hiesigen Weinhandlung E. Maas kondi⸗ tionierte, hat für diese Firma 1893,94 Beträge in der Höhe von 3000& einkassiert und für sich behalten. Das Landgericht ließ für den seither Unbescholtenen mildernde Umstände gelten und verurteilte ihn wegen Unterschlagung zu 7 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 18 Monate beantragt.
* Wetzlar, 16. Februar. Der in der Strafkammersitzung vom 4. Januar(Unglücks⸗ fall an der Schlackenhalde) unter dem Verdacht des Meineids verhaftete Arbeiter Protextor aus Gleiberg ist in heutiger Straf⸗ kammersitzung zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt worden.
Vermischtes.
— Fischfang mit elektrischem Licht. Fischen mit elektrischem Licht wurde jüngst in England versucht und hat einen überraschenden Erfolg ergeben. Das Fischen bei Lampen⸗ oder Fackellicht ist wohl in allen Ländern stellenweise üblich; der englische Versuch bringt aber insofern eine Neuerung, als die Lichtquelle zum Anlocken der Fische sich nicht außerhalb des Wassers, sondern im Wasser befindet. Zu dem Zweck wurde ein Fischerboot mit einer Batterie ausgestattet, die einem Glühlicht von fünf Kerzenstärke den Strom lieferte. Dieses Glühlicht wurde, durch Drahthüllen gehörig ge⸗ schützt, 7¼ Meter tief ins Wasser versenkt, wo es noch einen Umtreis von etwa 50 Metern beleuchtete. Alle Fische, die sich im Bereiche des Lichtschimmers befanden, strebten natürlich sofort der Lichtquelle zu, und in wenigen Augenblicken hatte das Licht ungeheure Mengen von Fischen angelockt, sodaß das Ergebnis des Fischzuges überaus reich war; stets waren die Netze überfüllt. Aber in Anbetracht dessen darf man das Bedenken nicht ver⸗ hehlen, daß dieses Verfahren für den Fischreichtum der Küstengewässer, wenn es sich einbürgerte, äußerst verderb⸗ lich sein würde; es würde zu einer schlimmen Raub⸗ fischerei, Gelegenheit geben, und dem muß von vornherein dadurch vorgebeugt, werden, daß diese Art des Fischens nur auf hoher See erlaubt, in der Nähe der Küsten aber verboten wird.
— Der Rekord der Einbrecher. Aus Paris wird geschrieben: Am helllichten Tage, vormittags um 9 Uhr haben am letzten Freitag zwei Individuen in einem der belebtesten Pariser Viertel in der Rue Douai eine Wohnung ausgeplündert, deren Inhaber, das ist das Unerhörte an der Sache, fich in derselben be⸗ fanden. Die Spitzbuben haben ihre Heldenthat unter folgenden Umständen auszuführen vermocht: Der 50jäh⸗
n..
schmiegte. Ein großer Florentiner Strohhut be⸗ schattete das schöne Antlitz, das reiche, dunkle Haar. Und diese Frau, gleich vollkommen an Leib und Geist hätte sein eigen sein können, wenn er damals vor zwölf Jahren nur gewollt hätte! War sie nicht im Grunde doch ein kostbarerer Besitz, wie ein statt⸗ liches Vermögen?
Aus seiner Erinnerung tauchte plötzlich eine Szene auf mit greifbarer Deutlichkeit. Er sah sich wieder mit Regine im Kahne sitzen und hörte sie Stielers Gedicht vom Mönche Eliland mit ihrer ausdrucksvollen Stimme sprechen; und wieder schien er seine eigenen Worte zu vernehmen.
„Welch klägliches Schicksal, wenn man sich durch eigene Unvernunft um sein Glück gebracht hat, durch ein Verkennen der gütigen Absicht des Schöpfers, der uns nur in dem Weibe, das wir lieben, zur eigenen Vollendung kommen läßt!“ War er denn im Grunde nicht noch thörichter gewesen, als jener Mönch? Er hatte das für ihn bestimmte Weib ja schon gefunden gehabt; als er die Stimme seines Herzens geflissentlich überhörte und sich an eine aadere verkaufte.
Aber Lothar von Lossen schüttelte diese unbe⸗ quemen Betrachtungen mit energischem Rack don
sich ao. Man mußte das Leben nehmen, wie es war. Er Lereute grundsätzlich niemals Unab- änderliches.
(Forlsetzung folgt).
0 ö 1
5 1 0 U 1 9 5 1 1 1 1 9 7 * 1 f ö 5 1 50 1 1 U n 4 1 1 * ö 59


