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Marjelle vom Lohn ab.
Gießen, Dienstag, den 16. November
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeilung.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abonnement eträgt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 2.30 Mk. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 15. Nov. Dem Pfarrer Otto Schulte zu Engelrod ist die evangelische Pfarr⸗ stelle zu Beuern, Dekanat Gießen, übertragen worden.
a Gießen, 15. Nov. Vor dicht besetztem Hause 238 gestern Abend Mosers Lustspiel „Unsere Frauen“ in Szene. Es ist das eine jener Komödien, die stets ihr dankbares Publikum finden. Gespielt wurde vortrefflich. Einzelne Auftritte waren wirklich mustergiltig zu nennen. Wir erinnern nur an die Szene, in der sich die„Freundinnen“ Grete(Fräulein b. Winterstein) und Ella(Frl. Budowska) um den Baumeister Cornelius streiten. Auch die
erren Janson und Liebscher sowie Frau
ruse waren ausgezeichnet disponiert. Eine „Perle“ war aber Herr Helm als Lohndiener Pfeffermann. Zu wahren Beifallssalven riß er das Publikum hin.
* Gießen, 15. Nov. Gestern fand hier im Orbigschen Lokale eine Konferenz der so⸗ dare Partei in Hessen⸗
assau statt. Vertreten waren 9 Reichstags⸗ wahlkreise durch 21 Delegierte. Es handelte sich lediglich um eine gegenseitige Aussprache über die durch die neue Städte⸗ und Land⸗ gemeindeordnung für Hessen⸗Nassau hervor⸗ gerufene günstigere Situation der sozialdemo⸗ kratischen Partei und um eine Besprechung des Hamburger Parteitagsbeschlusses be⸗ züglich der Beteiligung an den preußi⸗ schen Landtagswahlen. Zum. ersten Punkte referierte Herr Redakteur Hoch⸗Hanau. Er führte aus, daß früher die Arbeiter zu den kom⸗ munalen Körperschaften nicht wählen konnten. Sie waren direkt vom Wahlrecht ausgeschlossen. Jetzt ist das Wahlrecht für alle diejenigen ge⸗ hagen die jährlich mindestens 660„ Einkommen haben und 24 Jahre alt sind. Es wird aller⸗ dings in drei Klassen gewählt. Jede Klasse habe ein Drittel der betreffenden Vertreter zu wählen. Das Wahlrecht sei also trotz des Drei⸗ klassensystems besser als das zum preußischen Landtag giltige. Während bei dem letzteren indirekt gewählt wird und dann fast immer die Wahlmänner der zwei ersten Klassen die dritte Klasse überstimmen, wird bei dem neuen Wahl⸗ recht zu den kommunalen Körperschaften von jeder Klasse ein Drittel direkt gewählt. Aller- dings müsse die Hälfte dieses Drittels— auch bei der dritten Klasse— Hausbesitzer sein. Viel⸗ fach würden deshalb die Sozialdemokraten wohl nur statt einem Drittel ein Sechstel der Ver⸗ treter wählen können, weil wohl nicht überall die nötige Zahl hausbesitzender sozialdemokratischer Kandidaten zu finden wäre. Herr Hoch schlägt allgemeine Beteiligung an den Wahlen vor.— In der sich anschließenden Debatte waren die Ausführungen des Herrn Dr. Quarck⸗Frank⸗ furt recht interessant. Er wies darauf hin, ba sich der sogenannte Mittelstand, die kleinen Ge⸗ schäftsleute, Handwerker, kleinen Beamten usw. bielfach immer noch sträubten, mit den Sozial⸗
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demokraten gemeinsame Sache zu machen, trotz⸗ dem sie naturgemäß, ihrer ganzen Stellung nach, ZFUn.
zu ihnen gehörten. Mit dem neuen Wahlgesetz habe nun die preußische Regierung diesen ganzen Mittelstand mit der Arbeiterschaft in eine Klasse— die dritte— gezwungen und dadurch selbst jenen schwer kämpfenden Leuten gezeigt, daß sie„von Rechts wegen“ zu den Sozialdemokraten gehörten. Herr Dr. Quarck wies das an folgendem Beispiel nach: Alle Steuerzahler werden nach Namen und ge⸗ zah ter Steuer registriert. Wer am meisten Steuern zahlt, kommt an die Spitze, so geht es herunter bis zu dem, der am wenigsten zahlt. Nun wird die ganze Steuersumme zusammen⸗ gezählt und dann die Gesamtsumme durch drei geteilt. Die paar Hochbesteuerten, welche das erste Drittel zahlen, bilden die erste Klasse, diejenigen Steuernden, welche das zweite Drittel zahlen, die zweite, und der ganze Rest, welcher das letzte Drittel zahlt, bildet die dritte Klasse. Nun liegt, wie Hoch angeführt hatte, die Sache z. B. in Hanau so: Die gesamte Steuersumme beträgt 537000, die gesamte Wählerschaft zählt 5391. ½¼ der Steuersumme beträgt 179000 Kl. Da nun 71 reiche Leute allein diese Summe pro Jahr zahlen, bilden sie— 71 Mann!— die erste Klasse. Die nächsten 179000 1 wer⸗ den an Steuern gezahlt von 307 wohlhabenden Leuten, von denen jeder pro Jahr ca. 380 Al. Steuern zahlt. Jeder Bürger nun, der wenig er als 380 4. Steuern zahlt, hat in der dritten Klasse zu wähleu. Das sind in Hanau 5013 Personen. Es haben also dort 71 Leute zwölf Vertreter zu wählen, 307 Leute zwölf und 5013 ebenfalls nur zwölf. Da aber in der dritten Klasse nun fast die ganze kleinere Geschäftswelt zu wählen hat, aber den Arbeitern gegenüber die Minderheit bildet und also glattweg über⸗ stimmt werden könnte, so habe damit die Re⸗ gierung sozusagen dem Mittelstand das Zeug⸗ nis ausgestellt, daß er überhaupt nichts mehr zu sagen habe. Wenn trotz alledem der Mittel stand noch nicht mit der Sozialdemokratie zusammen⸗ gehen wolle, so sei das sein eigener Schaden. Nach stundenlanger Aussprache wurde beschlossen, eine Beteiligung an den Kommunalwahlen überall be empfehlen, wo es angängig ist. Je nach Lage er örtlichen Verhältnisse können auch näher stehende Parteien unterstützt werden.— Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung referierte kurz Herr Dr. Quarck. Da der in Hamburg gefaßte Beschluß unbefriedigt lasse, müsse einen Vorschlag des Abgeordneten Bebel zugestimmt werden, der eine Lösung der Frage der sozial⸗ demokratischen Reichstagsfraktion übertragen will. Eine Resolution, die diesen Vorschlag gut heißt, fand Annahme.— Gegen 7 Uhr werden die Verhandlungen, die von 11 Uhr gewährt hatten, geschlossen.
* Gießen, 15. Nov.(Ballet.) Ueber das am nächsten Mittwoch und Donnerstag im hiesigen Stadttheater auftretende Ballet⸗ „Excelsior“ liegen uns die günstigsten Besprechungen seitens der Presse vor. So schreibt u. a. das zu Olmütz erscheinende „Mährische Tageblatt“:„Freunde des Bühnen⸗ tanzes haben reichlich Gelegenheit, sich an den Darbietungen der Balletgesellschaft„Excelstor“
Redaktion und Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
ilialen t Alten⸗Buseck, Daubringen, Ffellingshausen, Flensungen, Garbenteich, Or- Buseck r.-Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Hochelheim, Kinzenbach, Kl Linden, Krofdorf, Lang⸗ Göne, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗ rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar.
zu erfreuen. Die aus acht hübschen Damen be⸗ stehende Gesellschaft bietet u. a. hübsch inszenierte Bajaderen⸗Tänze, in welchen die ganz vortreff⸗ liche Tanzkunst der Solotänzerin Marianne Kunschmann besonders gut zur Geltung kommt. Der Amazon en⸗Tanz bildet ein Schaustück ersten Ranges. Sowohl die Gewandtheit der Tänzerinnen, wie die prächtigen hellglänzenden Rüstungen derselben machen vollen Effekt. Nach diesem Tanze folgte rauschender Applaus und mußte derselbe über stürmisches Verlangen des Publikums wiederholt werden. Das Ensemble⸗ Gastspiel der Ballet⸗Gesellschaft„Excelsior“ muß als eine sehr angenehme Abwechslung im Reper⸗ toire bezeichnet werden.“ Auch hier gilt das Auftreten des Ballet⸗Ensembles als eine will⸗ kommene Abwechselung und dürfte daher von großer Anziehungskraft sein.
* Gießen, 15. Nov.(Frevelthaten.) In der Nacht vom Samstag zum Sonntag rissen zwei rohe Gesellen in der Bahnhofstraße den Laden von einem Photographen-Schaukasten und zerschlugen dann die Glasscheibe. Auch in der Nord⸗ und Ostanlage wurden verschiedene Kapitäle von den Pfeilern der Einfriedigungen heruntergeworfen.
* Gießen, 15. Nov. Beleuchtet Treppen. Ein Mainzer Schuhmacher, welcher in einem Hause Waren abliefern wollte, fiel auf der unbeleuchteten Treppe so unglücklich, daß er sich einen Bruch des linken Armes zuzog.— Der Hauswirt, welcher die Treppen nicht ge⸗ nügend beleuchtet hatte, muß nun für alle Kur⸗ kosten aufkommen und auch dem Schuhmacher für sämtlichen Verlust— entgehenden Arbeits⸗ verdienst usw.— aufkommen. Das ist schwer bestrafte Knickerigkeit. Die Hauswirte sind ver⸗ pflichtet, alle Teile des Treppenhauses zu beleuchten. In Gießen wird gegen diese Vorschrift schrecklich gesündigt.
* Gießen, 15. November. Der Lampen⸗ cylinder macht denen, die„helle“ sein wollen, zuweilen recht viel Aerger. In manchem Haus⸗ halt springt der Cylinder alle Augenblick; er ist somit in des Wortes eigentlichster Bedeutung der wunde Punkt an der Lampe. Dagegen giebt es ein praktisches Mittel. Man tauche jeden Cylinder, bevor man ihn in Gebrauch nimmt, in ein mit Salzwasser gefülltes Gefäß. Dieses stelle man auf den Herd und bringe es langsam zum Kochen. Nachdem das Wasser etwa eine Viertelstunde gesiedet hat, nehme man das Gefäß mitsamt seinem Inhalt vom Feuer und lasse den Cylinder in der Flüssigkeit allmählich erkalten. So hergerichtet, setzt er im Allgemeinen den Angriffen, die er unaufhörlich von der Flamme erfährt, einen durchaus thatkräftigen Widerstand entgegen. Ebenfalls empfiehlt es sich, Cylinder, zu denen man kein großes Vertrauen hat, gründlich in Alkohol zu waschen und dann an einer warmen Stelle zum Trocknen zu bringen.
* Nidda, 14. Nov. Die Generalversamm⸗ lung der Spar- und Leihkasse Nidda wurde zugleich mit der Einweihung des neuen Kassegebäudes abgehalten. Von der Be⸗ hörde war erschienen der großh. Kreisrat Herr
Der Selbstmörder. Humoreske von Erich Fließ.
Die Frau Meisterin stürzte in die Werkstatt und schrie in höchster sittlicher Entrüstung:„So eine infame Marjelle!. zerschlägt mir den großen Henkeltopf! Wo soll ich jetzt den Punsch hinein⸗ gießen?! Es ist acht Uhr!.. die Gäste müssen jeden Augenblick kommen,.. und ich kann nicht mehr aus dem Hause!“
Der Meister war vom Arbeitstisch herunter⸗
gesprungen und tröstete die erzürnle Ehehälfte:
„Aber Maruscha! ärgere Dich nicht! Du ziehsts der 1 g Den Topf will ich schnell Ich muß zum Herrn Assessor mit Beim Präsidenten ist heute auch wie bei uns! Ich spring' Spätestens um neun bin
selber besorgen. seinem Frack. Geburtstagsfete; gerade dann in den Topfkeller. ich wieder hier!“.
„Weun Du Lüdrian unterwegs nicht irgendwo kleben bleibst!“ ö
„Aber Maruscha, ich werd' doch nicht!“.
Heut' an Deinem Geburtstage!“
Die Meisterin seufzte:„Meintswegen! Aber, „ das sag' ich Dir, bist Du um neun nicht mit dem Topf hier, komm' lieber garnicht nach Hause! Am besten,.. Du gehst dann gleich in den Pregel! Du kennst mich!“— 8
Meister Plizkat kannte, leider Gottes, dit schlag⸗ fertige Handschrift der schwarzen Maruscha nur zu genau. Er wehrte daher ängstlich ab:„J wo
werd' ich denn!. Hause haben! Adieu!..“
Eine halbe Stunde später befand sich der Meister auf dem Heimwege. Heute sollte die ge⸗ strenge Hausherrin mit ihm zufrieden sein. Der große Henkeltopf, den er soeben für zwei Mark er⸗ standen, war unter Brüdern gut drei wert.
Eben wollte Meister Plizkat vom Altmarkt aus in die Eiergasse einbiegen, als er wie gebannt stehen blied. Aus der kleinen wohlbekannten Fleck— bude strömte ein verführerischer Duft hervor!.. Ob er es nicht einen Augenblick riskierte?!....
„Aber, Mannchen! Was stehst Du hier?! Komm rein!.. Ich geb' was zum besten!“
Es war ein alter Schulfreund, der Schuh⸗ machermeister Broscheit, der auch hineinwollte. Einen Augenblick schwankte der schwache Meister; dann folgte er willenlos dem Verführer in die Gaststube, wo eine Masse Bekannte um die Fleck⸗ schüsseln saßen, dazu ihren Grog schlürften und die neuen Ankömmlinge mit Halloh 2
Meister Plizkat teilte zuerst seine Aufmerksam⸗ keit 1 Fleckschüssel, dem Grogglase, der Wanduhr und dem Henkeltopf, den er dicht am Ofen in die Nähe der Thür hingestellt hatte, bis ihn das Grogglas ganz in Anspruch nahm.—
Plötzlich sprang der Schneider auf. Die Wand⸗ uhr verkündete in dumpfen Schlägen die neunte
Abendstunde. Jetzt wars höchste Zeit, daß er nach Hause lief! Sonst. 1
wo wir selbst einen Punsch zu
Aber,. wo war der Henkeltopf geblieben?!. Erbarmen!
Alle Nachbarn beteiligten sich an der Suche; der Topf blieb verschwunden. Dem Meister wurde blümerant zu Mute. Daheim warteten die Gäste, und vor allem die schwarze Maruscha auf den Henkeltopf!! J.
Das konnte werden!!
„Aber Mannchen“ tröstete der alte Schul- kamerad,„deswegen ist Polen noch lange nicht ver⸗ loren!.. Mach' schnell!.. wir holen einen andern Topf!.. Ich komme mit und rede Deiner Frau ein, wir wären beide so lange nach einem passenden Topf rumgelaufen!.“—
Meister Plizkat nickte stumm dazu. Er hatte eine dunkle Ahnung, daß ihm für die nächsten vier⸗ undzwanzig Stunden ein schwarzes Verhängnis drohte, dem er nicht mehr zu entrinnen vermochte.
Die Beiden liefen zum Topfkeller. Während Meister Plizkat das neue Gefäß erstand, plauderte sein Kumpan draußen mit den Passanten.
...„Guten Abend, Herr Wachtmeister!“
schöne Geburstagsfeier
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„Guten Abend, Broscheit!.. Na, was hört man neues in Königsberg?“ „Nichts,.. Herr Wachtmeister!.. Wenn Sie
nichts wissen!.. Ach.. ia.. In der Fleckbude bei Nawrotzki ist eben ein großer Henkeltopf ge⸗ stohlen. Vielleicht giebt die Patrouille Obacht.
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Geh. Regierungsrat Klietsch. Der Direktor der
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Sparkasse, Herr Dekan Hofmeyer hier, sprach
einige Abschiedsworte im alten Lokale, dem Rat⸗ hause, worauf sich die Versammlung im Zuge nach dem neuen Gebäude in der Bahnhofstraße neben der Ringshausenschen Möbelfabrik begab. Von einer besonderen ceremoniellen Eröffnungs⸗ feierlichkeit war abgesehen worden. Im Ge⸗ bäude selbst sprach der Direktor einige Eröff- nungsworte. Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu bemerken. Ende 1895 betrug das Kapitalvermögen 1926096 4 73, Ende 1896 dagegen 1347779 A 12 F. Ende 1895 be⸗ trugen die Einlagen 1 143 944 A4 3, Ende 1896 aber 1204516 ι 28. Das Mehrver⸗ mögen beträgt demnach 143 262 4 84; da⸗ gegen unter Zurechnung der ligquidierten Aus⸗ stände, des Barvorrats und der Vorlagen beträgt das Mehrvermögen 173772 1 38. Dieses bildet zugleich den Reservefonds.— An Stelle des in den Ruhestand tretenden seitherigen Rechners, Herrn Bürgermeister Rullmann, wurde Herr Finanzaspirant Ludwig Ringshausen, zur Zeit in Gießen, gewählt. Der seitherige Direktor der Kasse, Herr Dekan Hofmeyer, legte sein Amt nieder. In den Vorstand wurde an seine Stelle err L. Stork gewählt.— Das Sparkasse⸗ gebäude selbst ist von Herrn Techniker Kraft hier nach dessen Plan erbaut. Es ist, auf einem Sockel von rauhem Sandstein ruhend, mit Blend⸗ steinen aufgeführt und faßt im unteren Stock den Sitzungssaal, das Kassenzimmer mit dem feuerfesten Kassegewölbe(mit schweren Doppel⸗ thüren aus der Fabrik von Ostertag in Aalen) und den Warteraum für das Publikum. Sowohl im oberen wie im Mansardenstock befindet sich je eine schöne Wohnung für den Rechner, wie den Polizeidiener(zugleich Kassediener) von vier Zimmern und Küche mit Wasserleitung. Die Arbeiten an dem Gebäude wurden meist von hiesigen oder doch im Kassebezirk wohnhaften Ge⸗ schäftsleuten ausgeführt.
* Harmstadt, 14. Nov. Während des ver⸗ flossenen Monats Oktober wurden durch die Schutzmannschaft 397 Milchrevisionen vor⸗ genommen und kamen Beanstandungen nicht vor. — Das will schon etwas heißen.
* Offenbach, 14. Nov. Wegen des Erwerbs von Gelände zum Offenbacher Hafen, bezw. zur Mainkanalisierung wurden im Kreisamts⸗
ebäude von der Geländeerwerbskommission Ver⸗ ! mit den betreffenden Grundbesitzern gepflogen. Eine Einigung soll nur in einzelnen wenigen Fällen zustande gekommen sein, sodaß bezüglich einer größeren Anzahl von Grund- stücken das Enteignungsverfahren wird eintreten müssen. Vielfach wurden zwei Mark für den Quadratmeter verlangt, während die Abschätzung nur 50 Pfg. betrug.— In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde be⸗ schlossen, die Verwendung von Bleirohren zu Wasserleitungszwecken für die Zukunft zu verbieten. Vom städtischen Wasserwerk sollen nur Zinnrohre mit Bleimantel zur Ver⸗ wendung kommen. Ein Antrag, der dahin ging, solche Leitungsrohre auch für Private vorzu⸗ schreiben, wurde abgelehnt.— Ferner wurde
Sicher ein Strolch, der den Topf nachher für einen Schnaps den Schiffern am Pregel verkauft!“
Der Polizeibeamte machte sich eine Notiz im Wachtbuch und ging weiter.
Eben tauchte Plizkat mit dem neuen Topf aus dem Keller auf.
„Mach' schnell!..“ schrie Broscheit,„daß wir wieder zu Nawrotzki kommen! Ist das ein scharfer Wind,... man kann sich was für immer holen!“
Der Schneider wollte etwas erwidern, aber er gabs auf. Heute kam eben wieder mal das Ver⸗ hängnis! Er hatte es schon beim ersten Glase ge⸗ spürt. Wie hypnotisiert folgte er seinem Kumpan und saß gleich darauf wieder in der verräucherten Fleckbude.—
Unterdessen warteten die Gäste und die Haus⸗ frau in wachsender Sehnsucht auf die Heimkehr des ausgeflogenen Meisters. Die schwarze Maruscha führte in der Küche so grauenvolle Selbstgespräche, daß dem kleinen lithauischen Dienstmädchen, das an dem ganzen Malheur schuld war, angst und bange wurde.
Endlich hielts die Meisterin nicht länger aus. Der Punsch mußte auf den Tisch.
Sie band ein Kopftuch um, lief zum Geschirr⸗ händler und erstand eine große Henkelterrine.
Ein lautes Hurrah der Gäste und Gesellen empfing sie, als sie das dampfende Gefäß auftrug.
(Schluß folgt.)


