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Nr. 138
Gießen, Mitwoch, den 16. Juni
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
ische Landeszeitung,
Ausgabe Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Aus dem hessischen Staatsbudget.
Die Bedürfnisse der Lande suniversität sind wie folgt veranschlagt:
Besoldungen ꝛc. der Profess. u. Lehrer 294 870,— l, und zwar: K Evangelisch⸗theologische Fakultat„28 500.&, Juristische Fakultst. 23 900„ Medizinische Fakultät 96 915„ Philosophische Fakultät 132 075„ Bibliothek„ eee Sonstige Lehrer 1980„ Besoldungen der Beamten und des Dienstpersonals 43 022,50„ Dispositionsfonds. 1 Sachliche Ausgaben 615 707,50 hierunter: Bibliothek. 221 710&&, Medizinische Klinik und Frauenklinit 185 700„ Chirurgische u. ophtal⸗ mologische Klinik. 149 900„ Psychiatrische Klinik. 122 900. 5 Klinische Apotheke 11 500„ Zusammen= 966 600,.— A.
Die Einnahmen find angesetzt zu 291 800, hierunter: Pflegegelder aus der medizinischen Klinik 44 000&&, Pflegegelder aus der chtrurgischen Klinik 46 000„ Pflegegelder aus der ophtalmolog. Klinik 23 500„ Pflegegelder aus der Frauenklinik 32 100„ Pflegegelder aus der psychlatrischen Klinik 58 600„ es ist sonach ein Staatszuschuß er⸗ forderlich von jährlich 674 800,— XA.
Die Bebürfnisse stellen sich wie folgt: Besoldungen ꝛc. der Profess. u. Lehrer
der Technischen Hochschnle
234 070,— l,
und zwar: Mathematische Wissen⸗
schaften.„ 41 950 Kl, Naturwissenschaften, Reine Chemie 15 550„ Chemische Technologie
und Elektrochemie 7 000„ Physik 0, Elektrotechnik 27 900„ Baukunst und Bau⸗
wissenschaften 25 850„ Ingenieurwissenschaften 21 650„ Maschinenwissenschaften 36 300„ Allgemein bild. Fächer 16 420„ Darstellende Künste 9 280„ Allgemeine Bibliothek 2 400„ Im Allgemeinen 4 000„ 1135 165. Dienstpersonall 13 520,—„ Elektrische Zentralstation 4 650,.—„ Dispositionsfonds 3 9 000,—„ Anteil der Professoren an den ein⸗
gehenden allgemeinen Studien⸗ UDW ᷑⅛Pn2½è? aa Für außerordentliche Vorträge 200,.—„ Lehrkursus für Konsolidationsgeometer
und Kulturtechniker. 2 150,.—„ Sachliche Ausgaben 113 426,.—„
Zusammen= 439 822,— A.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petttzeile.
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Die Einnahmen sind angesetzt zu Aus der Staatskasse sind sonach zu⸗ zuschießen jährlich. 247 950,— l.
Vom 1. Oktober 1897 an soll ein Drittel der ein⸗ gehenden allgemeinen Studiengelder an die ordentlichen und festangestellten außerordentlichen Professoren nach
einem bestimmten Modus zur Verteilung gelangen mit der Maßgabe, daß der an den Einzelnen zu zahlende Anteil in einem Jahre höchstens 2000, beträgt.
Die hierzu erforderlichen Mittel sollen durch eine Neu⸗ regulierung der Studiengelder beschafft werden, ohne daß ein Staatszuschuß zur Gewährung des Anteils erforder⸗ lich wird.
Nachdem an sämtlichen Universitäten, auch an der Landesuniversität Gießen, und an fast allen anderen Technischen Hochschulen Deutschlands den Professoren Anteil an den Studiengeldern gewährt ist, läßt sich solches— so wird in den Erläuterungen ausgeführt— für die Professoren der Technischen Hochschule zu Darmstadt ohne eine erhebliche Schädigung dieser Anstalt nicht mehr hinausschieben, zumal die Belastung der einzelnen dies⸗ seitigen Professoren gegen diejenige an anderen Hochschulen eine anßerordentlich große ist.
Außer den Professoren in Darmstadt wird zur Zeit
191872„
Anteil noch nicht gewährt.
und 15. April 1896 und der wohlwollenden Zusage der Technischen Hochschule in Karlsruhe ein derartiger Anteil bei der kommenden Budgetberatung sicher gewährt werden.
Die bemerkte Neuregelung der Studiengelder ist wie folgt gedacht:
Anstatt des Aversums von 80/ für das Winter⸗ semester und von 60/ für das Sommersemester sollen die Studierenden vom 1. Oktober 1897 ab für die wöchentliche Vortragsstunde 3/ und für die wöchentliche Uebungsstunde 2/ entrichten, jedoch mit der Maßgabe, daß das Minimum an allgemeinen Studiengeldern für das Semester mindestens 80„ pro Studierenden be⸗ tragen muß.
Für Hospitanten sollen die bisherigen Sätze von 4 l, bezw. 2, für die wöchentliche Vortrags⸗, bezw. Uebungs⸗ stunde beibehalten werden, jedoch soll für solche Hospi⸗ tanten, welche einen vollen Kursus durchmachen wollen, aber aufgrund ihrer Vorbildung nicht als Studierende aufgenommen werden können, das Minimum an allge⸗ meinen Studiengeldern pro Semester 100&& betragen. Einjährig⸗Freiwillige, Diplom⸗Hauptprüfungs⸗Kandidaten, sowie solche Hospitanten, die nur das eine oder andere Fach noch zur weiteren Ausbildung belegen, zahlen nach obigen Einheitssätzen und wie bisher als Minimum 10 K.
Unter Zugrundelegung dieser Zahlungsbestimmungen erhöhen sich rechnerisch die Unterrichtsgelder für einen Studierenden und Hospitanten der Technischen Hochschule um etwa 37/ im Jahr.
In den oben angegebenen Zahlen sind die für Unter⸗ haltung der Gebäude und Verzinsung der Baukapitalien erforderlichen Beträge nicht enthalten.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 15. Juni. Vieh märkte finden zu Friedberg am 16. und zu Hoch⸗Weisel am 21. Juni d. J. unter den üblichen Be⸗ dingungen statt.
* Gießen, 14. Juni. Der Verein der Gastwirte von Gießen und Umgegend machte
estern Nachmittag, etwa 120 Personen stark, in 18 Wagen einen Ausflug nach dem Hangelstein.
in Deutschland nur den Professoren der Technischen Hoch- schulen zu Braunschweig und Karlsruhe ein derartiger gestrengten Versuche zur Rettung des Handwerks, die man
Nach den Verhandlungen der regierungsseitig macht, vermögen die daraus entstandenen
zweiten Kammer des Großherzogtums Baden vom 14.
sich bei dem überaus schönen Wetter prächtig. Auf der Rückfahrt wurde in Röhrles Bierhalle Halt gemacht, wo eine große Anzahl der Teil— nehmer der Partie noch lange verweilte, um den herrlichen Abend zu genießen.
* Gießen, 15. Juni.(Unglücksfall.) Im Fernewald, an der sogen. Hauptschneise, fand gestern Mittag ein junger Mann von Steinbach einen umgestürzten mit Reisig beladenen
Wagen. Unter dem Wagen lag der Besitzer des⸗ selben und war tot. Nach Mitteilung des Vor⸗
falles begab sich der Bürgermeister von Annerod mit einigen Leuten an Ort und Stelle und ließ den Wagen beseitigen. Der Verunglückte wurde als der 32 jährige Landwirt Gg. Zörb von Lützellinden erkannt und nach Erledigung der amtlichen Formalitäten von den Angehörigen nach Lützellinden abgeholt.
X. Grünberg, 14. Juni. Wie in vielen Orten unseres engeren Heimatlandes, so hat auch hier bei uns die Zersetzung des Kleinbetriebs einen sehr bemerkbaren Umfang erreicht. Namentlich gilt dies von der Schuh⸗ waren⸗Industrie, die in früherer Zeit hierorts einen ausgiebigen Erwerbszweig bildete. Die gegenwärtig an⸗
und noch entstehenden sozialen Mißstände nicht mehr auf⸗ zuhalten. Denn die kapitalistische Großproduktion, die anfänglich in größeren Städten eingesetzt, hat nunmehr infolge der modernen Verkehrsmittel immer mehr und mehr auf die kleinen Städte eingewirkt und verdrängte damit fast allerwärts die ursprüngliche handwerkliche Pro⸗ duktion. Auch in unserem Orte hat der fabrikmäßige Großbetrieb einen verderbenbringenden Druck auf das
Handwerk des Schuhmachers ausgeübt, und es giebt wohl
kaum noch ein Gewerbe, bei dem das Wort vom„goldenen Boden des Handwerks“ mehr zur Lüge geworden ist, als gerade beim Schuhmacher. Wir brauchen bei den hiesigen zahlreichen Schuhmachermeistern(früher zählte deren unser Ort etwa 60— 70), keine Umfrage zu halten nach Richtig⸗ keit vorstehender Ausführungen; denn soviel steht fest, daß die Mehrzahl nicht im Stande ist, Gesellen zu halten. Und glücklich ist, wer noch genug Arbeit für sich allein hat. In den meisten Fällen reicht es auch hierzu nicht mehr; der Schuhmacher ist nicht mehr in der Lage, ver⸗ mittelst des Handwerks, zu dessen Erlernung er in der Jugend als Lehrling und Geselle eine Reihe von Jahren verwenden mußte, sich und seine Familie über Wasser zu halten. Er ist genötigt, sich nach einem Nebenverdienst umzusehen, oder, wie es bei uns in Grünberg der Fall ist, Landwirtschaft zu treiben. Der Kundenkreis des kleinen Schuhmachers besteht meistens nur noch aus Ver⸗ wandten und persönlichen Bekannten des Meisters und seiner Familie. Kurzum, der Schuhmacher wird schließlich zum Schuhflicker oder zum abhängigen Hausarbeiter im Dienste eines Schuhwarenhändlers. Der⸗ selbe Auflösungsprozeß vollzieht sich geradeso in den vielen anderen Berufsarten. Diese Thatsachen beweisen zur Genüge, daß dem Handwerkerstande durch unvollkom⸗ mene Gesetzesmaßnahmen nicht mehr geholfen werden kann, und daß alle Versuche zur Rettung des Handwerks daran scheitern müssen. Für den Mittelstand hat aber dies wenigstens das eine Gute, daß er für die Zukunft weiß, welchen Weg er zu gehen hat.
* Darmstadt, 14. Juni. Die erste Kam⸗ mer der Stände trat heute zu einer kurzen Sitzung zusammen. Auf dem Präsidialtische lag ein prachtvoller Blumenstrauß. Der Vorsitzende Fürst Isenburg⸗Büdingen dankte dem Spender, der wohl daran erinnern wollte, daß er heute
——
Man hatte Musik mitgenommen und amüsterte
Schonzeit.
Von M. Roda⸗Roda. (Nachdruck verboten).
(Schluß.)
Hinter mir schrie jemand auf. Erschreckt fuhr ich empor, erschreckter noch blickte ich die Gestalt an, die vor mir stand und mich mit schwarzen Toll⸗ Urschenaugen fixierte. Dann fuhr ich— geistes⸗ gegenwärtig genug— in meinen Rock und präsen⸗ lierte mich in verhältnismäßiger Anständigkeit den Damen. Daß sie mich gefunden, daß mich Carla und ihre Mutter gefunden— das schmerzte mich tief. Und es nützte nichts— mein verzweifeltes Sträuben. Ich kündigte meine schöne, einsame Wohnung, denn sie zwangen mich ohnehin täglich, nach Aussee hineinzutraben und so blieb ich gleich lieber dort.
Die regelrechte Jagd begann wieder. Fräulein Carla kokettierte mit mir, bearbeitete mich nach allen Regeln der„Kunst, in 28 Tagen Braut zu werden“, die Freundinnen waren mit im Komplott, meine Vorsicht verdoppelte sich. Ich nahte mich Carla nur dann, wenn eine oder zwei Freundinnen bei ihr waren, allein, sowie ich zwei Minuten bei ihr stand, verschwanden sie regelmäßig.
Doch ich konnte mich auf mich verlassen. Ich bin ein Römer an Charakter und Willen. Ob sich nun Carla den Fuß verstauchte und, gestützt von mir, natürlich viel langsamer als die anderen, nach Hause gehen mußte, ob sie eine unwiderstehliche Lust anwandelte, von mir ein wenig spazieren gerudert
zu werden— es war einerlei. Ich that alle Pflichten eines wohlerzogenen jungen Mannes aber nichts darüber.„Und nach dem„Darüber“ ge⸗ lüstete es fie eben. Viel Geduld besaßen sie nicht, die wackeren Königsteins. Jedenfalls weniger als ich, denn eines schönen Abends nahm mich Frau von Königstein„vor.“ Wir gingen in einer Allee auf und ab. Carla in Gesellschaft voraus, wir hinterdrein.
Da begann Mama zu sprechen.
„Heute find es genau vier Wochen, seit wir sie fanden, Herr von Waldstätten!“
„Wie ungleich rascher entschwanden sie mir als die drei, die ich einsam und verlassen in dem kleinen Dorfe zubrachte“, erwiderte ich höflich.
O, meine schönen, stillen Tage, voll der tötlichsten Langeweile! Aber der Mensch konnte wenigstens in Hemdärmeln vor die Thüre treten. Und ein Landaufenthalt ohne diese Annehmlichkeit ist für mich eben kein Landaufenthalt.
„Warum versteckten sie sich auch vor ihren besten Freunden?“—
„Meine Nerven— bedurften der größten Ruhe“, stammelte ich entsetzt. Ich ahnte— ahnte etwas.
„Ach, was, Nerven. Schauen Sie sich meine Carla an, ob die etwas von Nerven weiß. So ein Mäbl finden sie nicht mehr!“
„Nein, nein“; dachte ich ängstlich, ich würde mich auch hüten ein zweites zu suchen. 4
„Es geht bald heimwärts“, fuhr Mama König⸗ stein fort. Carla will nicht mehr hier bleiben. Erst heute morgen sagte sie zu mir:„Mamachen,
fahren wir nach Hause. Ich habe nicht das Herz noch mehr hier zu verbrauchen!“ Ein Goldkind das. „Zu dieser Erholungsreise mußten ich und mein Mann sie geradezu zwingen.“
„Natürlich brauchte sie Erholung“, sagte ich wieder still zu mir selber, sie hat ja, Gott— sei Dank, alles was an fashionablen Bällen, Konzerten, Kränzchen und Thée dansants in Wien gegeben wurde, besucht.
„Es ist überhaupt merkwürdig— bitte lassen wir das junge Volk vorangehen und setzen wir uns auf diese Bank, ich bin ein wenig ermüdet,— es ist merkwürdig, wie Carla die Sparsamkeit, das rechte Maßhalten in Allem, in Arbeit und Ver⸗ gnügen schier angeboren ist.“
Maßhalten! Ich allein hatte mit ihr im Fasching heuer siebenundzwanzig Quadrillen getanzt!
„Die Trennung von ihr wird mir herzlich schwer werden“, setzte die gute Mama fort,„doch wie innig werde ich mich freuen, wenn mein Mädchen sich einst ihren eigenen Hausstand gründet! Denn was könnte an Glück noch mangeln, wo ein so ausgesucht harmonisches Wesen wie Carla, schaltet und waltet.
Ich schwieg still, ich wußte ja ein unvorsichtiges Wort und ich war verloren.
„Freilich wählt man lange für ein einziges Kind, aber was können wir Alten thun, wenn die Herzen der Jungen einander zufliegen? Drum wenn um Carla einmal ein Mann, der was Rechtes ist und vorstellt, wirbt, an uns soll es nicht fehlen.“
wurde genehmigt. der Vorsitzende bedauerten allerdings, daß man
N edition:
Exv Kreuzplatz Nr. 4.
vor 20 Jahren das Schwabenalter erreicht habe. Die Tagesordnung wurde rasch erledigt. Der Prorogation des Finanzgesetzes bis 31. März 1898 stimmte das Haus einstimmig zu. Bericht⸗ erstatter Graf Solms-Laubach bemerkte dazu, daß er die Mißstände bedauere, die notgedrungen sich durch ein längeres Hinziehen des bestehenden Zustandes ergebe, indem mehrere Mehrein⸗ stellungen des Budgets dadurch nicht rechtzeitig zur Verwendung kämen.— Die Herabsetzung des Zinsfußes der Staatsschulden auf 3¼ Proz. Finanzminister Weber und
die„kleinen Rentner“ dadurch schädige.
* Mainz, 12. Juni. Der Friseur Peter Schneider zu Alzey war mit dem städtischen Wasserwerk über die Höhe seiner Zahlung für das bezogene Wasser in Differenzen geraten, durch den städtischen Arbeiter Philipp Porzeller wurde der Krahnen der Wasseruhr abgestellt und plombiert. Später ließ das Wasserwerk die Uhr holen, wobei Schneider den Arbeiter verleitete, durch einen Schlauch die unterbrochene Leitung wieder herzustellen, sodaß Schneider sich beliebig Wasser ohne Bezahlung verschaffte. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Schneider zu drei Monaten und den Arbeiter Porzeller zu einem Monat Gefängnis.— Der Schreiner Johann Deines aus Sunz im Württembergischen wurde heute wegen Beleidigung des Kaisers 05 3 Monaten und 5 Tagen Gefängnis verurteilt.
* Krofdorf, 15. Juni.(Viehseuche.) Unter den Schweinen ist die„Rotlaufseuche“ ausgebrochen und die Gemarkungssperre ange⸗ ordnet worden.
Schwurgericht. W. Gießen, 15. Junt.
Um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende Landgerichtsrat Dornseiff die heutige Sitzung. Verhandelt wird gegen den am 14. November 1874 geborenen Landwirt Wil⸗ helm Reichert von Selters wegen Anstiftung zum Meineid. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch; als Verteidiger des bisher noch unbestraften An⸗ geklagten ist Rechtsanwalt Grünewald erschienen. Es sind etwa 20 Zeugen zu hören.
Die heutige Verhandlung bildet das Nachspiel zu einer Verhandlung, welche am 10. März dieses Jahres gegen Johannes Ritzel von Gelnhaar wegen wissent⸗ lich falschen Eides anstand und welche trotz des Leugnens des damaligen Angeklagten mit dessen Ver⸗ urteilung zu drei Jahren Zuchthaus endete. Der damals verurteilte Ritzel hat nun nach seiner Verurteilung das Verbrechen als von ihm begangen zugestanden und be⸗ hauptet, der heutige Angeklagte, Reichert, habe ihn unter allerhand Versprechungen auf Belohnung angestiftet, den betreffenden Eid zu schwören. Um diese Anstiftung handelt es sich im vorliegenden Fall. Die Vorgeschichte des Pro⸗ zesses ist kurz die folgende: Der heutige Angeklagte war in einem Zivilprozeß von der Dienstmagd Wilhelmine Reitz wegen Zahlung von Alimenten verklagt. Der Prozeß endete damit, daß dem Reichert der Eid darüber zugeschoben wurde, daß er nicht der Vater des unehelichen Kindes sei. Diesen Eid hat Reichert geleistet, und damit ging die Alimentationsklage für die Reitz verloren. Wäh⸗ rend des Prozesses erfuhr die Klägerin von Ritzel, daß ihr Prozeßgegner Reichert eine obsköne Aeußerung gethan habe, welche für ihre Sache wichtig zu sein schien, und
Ich weiß, ich that Unrecht, da ich jetzt aufstand und auf die zurückkommenden Mädchen zeigend, mich, hastig entschuldigend, entfernte. Sie fing ja an, wie alle andern, nur endete sie, als sollte sie uns schon den Segen geben!
Meine Herren Leidensgenossen, warum sind wir allein schutzlos auf der Welt? Der Hase im Felde, der Hirsch, das Reh im Walde, sie haben eine Zeit, wo sie ruhig vom frischen Klee, von den duftigen Kräutern naschen dürfen nach Herzenslust— die Schonzeit. Warum sind wir gerade das ganze Jahr über vogelfrei, gehetzt und gejagt von mutigen Jägerinnen?
Gebt uns eine kurze Frist im Jahr, wo wir Atem schöpfen können, sicher vor Pfeil und Bogen. Nur zwei Monate! Nein, nur einen Monat!
Freilich— ich— ich— bei mir kommt alles zu spät. Meine Kreisjagd ist zu Ende— ich bin„waidrecht gefällt“ und habe selber abgeblasen.
Kurz nach jenem ereignisvollen Tage erhielt ich endlich die Erlaubnis, die lange vorbereiteten gold⸗ geränderter Kärtchen versenden zu dürfen, die mich vor jeder Nachstellung sichern für alle Zeiten.
Ob die Braut, die ich mir selbst gewählt, auch die schönen Eigenschaften hat, die man mir in allen Zungen an Lili, Auguste, Toni, Anna, Marie und Carla besungen?


