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Bruft befreien, das Herz weiten.
Gießen, Dienstag, den 16. Mürz
1897.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
undeszeikung.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
Redaktion:* Kreuzplatz Nr. 4. 8
Hessischer Landtag.
* Darmstadt, 15. März.
Die zweite Kammer setzte am Samstag die Be— ratung der Vorlage auf Bewilligung der Mittel für die Gehalte der neugeschaffenen Kreisbau⸗Inspektoren fort.
Haas(Offenbach) und Ullrich sprachen gegen einen zweiten akademischen Beamten für den Kreis Gießen. Nach längerer Debatte wird die An⸗ forderung ausschließlich des Gehalts für einen Kreisbau⸗ Assessor in Gießen bewilligt. Abgelehnt wurde gleichzeitig die neu beantragte Klassifizierung der höheren Baubeamten. Eingegangen ist eine Anfrage des Abg. Bähr betreffs die Maßregelung eines antisemitischen Gymnasiallehrers ge⸗ legentlich der letzten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Mainz⸗Oppenheim. Die Anforderung von 29 200, für sechs neue Professuren und zahlreiche Assistentenstellen an der technischen Hochschule in Darmstadt fand die Zu⸗ siimmung des Finanzausschusses, dagegen kam es über das gleichfalls vorgeschlagene Ersuchen an die Regierung, e möge eine Erhöhung der Studiengelder um 20 J, pro Semester vorsehen und Ausländer künftighin nur in⸗ sofern zulassen, als es der vorhandene Raum gestattet, zu ausgedehnter Debatte. Geheimer Staatsrat v. Knorr erklärt, daß demnächst eine Vorlage wegen anderweiter Regelung der Kollegiengelder dem Hause zugehen werde, da an sämtlichen technischen Hochschulen Deutschlands das Bebürfnis hervorgetreten sei, einen Teil der Kollegiengelder den Professoren zu überweisen. Schmehl wandte sich gegen das Ersuchen. Schröder betonte, gerade die Aus⸗ länder werden nach ihrer Rückkehr in die Heimat die Vertreter deutscher Intelligenz, deutscher Wissenschaft und beutscher Industrie sein. Ihre Zulassung dürfte nicht beschränkt werden, dagegen solle man höhere Anforderungen bei der Zulassung von Hospitanten stellen. Jöckel: Man müse ernstlich darauf bedacht sein, den fortwährend steigenden Ausgaben für die technischen Hochschulen eine Grenze zu stellen. Ullrich suchte den Ausschußantrag über den Besuch zu rechtfertigen. Staatsminister Finger: Die Regierung wünsche trotz des ungeahnten Aufblühens der technischen Hochschulen eine weitere Steigerung der Frequenz nicht, im Gegenteil sei ein Hinabgehen auf etwa 800 Studenten im Interesse der Leistungsfähigkeit der Hochschule. Was heute gefordert werde, sei so wenig, daß es auch bei bedeutend geringerer Frequenz unum⸗ gänglich nötig wäre. Höhere Anforderungen bei der Auf⸗ nahme von Studenten sollen bereits jetzt gestellt werden. Allein man könne den übrigen Hochschulen in dieser Be⸗ ziehung nicht voraneilen. Die Tausend Studenten geben viel Geld aus, das Darmstadt zunächst zugute kommt, dessen Steuerkraft bedeutend dadurch gestärkt werde. Nach dem Steueraufschlag per 1896—97 bringe Darmstadt allein über 11 Prozent aller direkten Steuern auf und das sei doch auch ein zu berücksichtigender Faktor. Sehr lebhaft verlangt Osann, daß man das Ersuchen fallen lasse. Als Gießen zu Liebigs Zeiten blühte, sei man stolz gewesen auf den internationalen Charakter der Gießener Hochschule. Es sei damals an eine Beschneidung der Universität nicht gedacht worden. Man dürfe mit den guten Traditionen in Hessen nicht brechen. Metz hält das Ersuchen betreffs der Ausländer für illoyal, auch Schönberger wendet sich hiergegen. Schmeel: Die Annahme würde in der ganzen Welt Bedauern hervorrufen; man füge der tech⸗ nischen Hochschule damit eine unverdiente Schädigung zu.
Der Finanzausschuß in seiner Mehrheit zog sodann das Ersuchen zurück. Die Abstimmung ergab einstimmige Bewilligung der Anforderungen und Ablehnung des Er⸗ suchens gegen 9 Stimmen. Angenommen wurde noch eine Vorlage, nach der die erhöhten Kosten für das Volks⸗ —.—̃. K——
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen.
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schulwesen mit 970 000 4 ab 1. April zur Verfügung gestellt werden. Die Mittel zur Errichtung einer Weberei⸗ lehrwerkstätte in Lauterbach wurden bewilligt. Darauf vertagte sich die Kammer bis Ende dieses Monats.
denkt 4 21 SIN en Lokales und Provinzielles. Gießen, 15. März.(Stadttheater.) Einem fast vollbesetzten Hause wurden gestern Abend die„Mädel vom Ballet“ vorgeführt. Das Machwerk ist für ein Sonntagspublikum berechnet und nennt sich„Volksstück“. Schwamm drüber.— Gespielt wurde recht gut. Man könnte es bedauern, daß die Darsteller so viel Fleiß und Zeit diesem„Volksstück“ geopfert haben. Für die guten Leistungen zeigte sich das Publikum recht dankbar.
* Gießen, 15. März. Das für Dienstag, den 16. d. M., beabsichtigte Gastspiel von Fräulein Klinkhammer kann nicht stattfinden, da die Künstlerin an diesem Abend in. Frankfurt beschäftigt ist. Stattfindet am Dienstag das Benefiz für den jugendlichen Liebhaber Herrn Hans Leuschner. Derselbe giebt das neue Lustspiel von Moser und Trotha Der Militärstagt“, in welchem der Bene⸗ fiziant den„Hans Vogel“ spielen wird. Wir wollen hoffen, daß dem jungen Künstler, der den Theaterbesuchern manchen genußreichen Abend 7 005 hat, durch ein recht volles Haus gedankt wird.
* Gießen, 15. März. Sein 10. Stif⸗ tungsfest, verbunden mit Theater, Vorträgen und darauffolgendem Ball, feierte am Samstag der Verein„Amicitia“ im Saale des Café Leib. Die Theaterstücke konnte man als wohl⸗ gelungen bezeichnen. Das Ballvergnügen hielt die Teilnehmer bis zum anbrechenden Morgen vereinigt. Nachmittags fand ein Ausflug nach der Restauration„Germania“ statt.
* Gießen, 15. März. Der Frühling naht. Ein Wirt aus der Bahnhofstraße präsen— tierte uns heute das erste Sträußchen Schlüsselblumen, das er am gestrigen Sonntag in der sogenannten Enzianwiese ge— pflückt hatte.
* Gießen, 15. März. Der wissenschaftliche und praktische Wert der Tuberkulin⸗ Impfung wird noch viel bestritten. Folgende Notiz der in Berlin erscheinenden„Allgemeinen Fleischerzeitung“ dürfte deshalb von Interesse sein:„Ueber die Tuberkulin⸗Impfung geht uns aus Hamburg eine telegraphische Meldung zu, welche die wissenschaftliche Bedeutung der Impfung bestätigt. Es sind 2000 Tiere der Impfung unterzogen worden. Davon haben ca. 700 Tiere auf die Impfung reagiert. Beim Schlachten dieser Tiere hat sich nun er⸗ geben, daß neunzig Prozent dieser Tiere wirklich tuberkulös waren; nur bei zehn Prozent war die Diagnose fehl gegangen.“ Es wäre zu wünschen, daß die Gießener Schlachtvieh-Ver⸗ sicherungs⸗Gesellschaft, welche nach der Aussage der Landwirte auch das Impfungsgeschäft be⸗ treibt, einmal ihre Statistik betreffend die Resul⸗
(Stadttheater.).
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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tate der Impfung der Oeffentlichkeit übergeben würde.
* Gießen, 15. März. Die am Samstag Abend im Postkeller stattgehabte außerordentliche Generalversammlung des Kaufmännischen Ver⸗ eins genehmigte die Gesamtsumme von 40 000. für den Hausbau, gärtnerische Anlagen, Ein⸗ friedigung, sowie für die innere Einrichtung des Vereinshauses. Der Vorsitzende Orbig legte dar, daß es dem Verein ein leichtes sei, die aufzu⸗ nehmende Hypothek von 24000 l zu verzinsen. Es wurde beschlossen, dem zu engagierenden Hausverwalter die Wirtschaft zu übertragen und diese vorerst als volle Restauration versuchsweise betreiben zu lassen, das heißt, es sollen darin außer Getränken auch Speisen verabfolgt werden. Die Stelle wird demnächst ausgeschrieben.
* Gießen, 15. März.(Besitzwechsel.) Kommerzienrat Heyligenstädt erwarb für 28000% die an der Ludwigstraße(Ecke Liebig⸗ straße) gelegene Hofraithe des Lokomotivführers i. P. Gustav Bergen.
* Gießen, 15. März. Unser Landsmann, Herr Kammersänger Buff⸗Gießen, ist von der Direktion der kaiserlichen Hofoper in Wien gegen eine Jahresgage von 12000 Gulden auf vorläufig zwei Jahre von nächsten Herbst ab als erster lyrischer Tenor für das genannte Institut verpflichtet worden. Herr Buff verläßt sehr ungern Wiesbaden, wo er sich recht wohl fühlte, doch glaubte er der so sehr ehrenvollen Berufung an eins der ersten Kunstinstitute der Welt Folge leisten zu sollen, nachdem er auch bei dem Wiener Publikum und der gesamten Kritik die freundlichste Aufnahme gefunden.
* Gießen, 15. März. Von 19 Exami⸗ nanten des Gym nasiums bestanden 17 das Maturum, 12 davon waren von der mündlichen Prüfung dispensiert.
* Darmstadt, 14. März. Im ganzem Großherzogtum Hessen sind bekauutlich sämtliche Gebäude bei der Landesbrandkasse gegen Feuerschäden versichert. Der Ausschlag dieser Steuer erfolgt jedes Jahr in der Weise, daß nach der Aufstellung der in einem Jahre vorge— kommenen Brandschäden sich die Steuer be— rechnet, die alsdann in dem nächsten Jahre er⸗ hoben wird. Von zuverlässiger Seite erfahren wir nun, daß die Brandschäden in 1896 nicht so bedeutend waren wie in den vorhergegangenen Jahren und daß deshalb voraussichtlich die Brandsteuer von 9 für 100 1 Steuer⸗ kapital und Jahr auf 7, für das Jahr 1897 herabgesetzt wird.
* Darmstadt, 14. März. Zu Beginn dieser Woche meldeten wir von einem Vorfall, in dessen Folge der 82jährige Saalwärter Wenz sein Leben lassen mußte. Gestern kam deshalb der Schneider Peter Breitwieser vor dem Schwur— gericht zur Aburteilung. Er wurde der Körper⸗ verletzung mit tötlichem Ausgang für schuldig befunden und zu einer Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten verurteilt.— Nach einer hierher gelangten Nachricht hat sich der flüchtige
Heimat. Novelle von H. Rense. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
War es ihm nicht, als höre er deutlich die Stimme des alten Klassenlehrers. Damals freilich hatte er des Männleins mit seiner altmodischen Begeisterung gespottet. Und heute? Heute hätte er freudig seinen ganzen Reichtum, den Rest des Lebens dahingegeben, um ein Ideal.
Ja, eine Idee, eine Großthat! Das könnte die Wie süß die Vöglein zwitscherten, wie sanft die Kirchenglocken zur Andacht lockten. Und hier innen alles so kalt, so öde, Schauerlich!———
Horch, schlurfende Schritte! Richtig, den breiten Mittelweg herauf kam mühsam ein alter Mann im abgeschabten Röcklein und blieb, nach einem neu⸗ gierigen Blick auf den Fremden, den wohl die schöne Aussicht heraufgelockt, neben diesem an den Gräbern stehen.
„Wie hoch hier wieder alles Zeug in's Kraut geschossen ist, meinte er kopfschüttelnd. Wenn der Herr Rat das sehen könnte! Der litt kein welkes Blättlein in seinem Garten.“
„Sie sind wohl der Totengräber?“
„Ach nein, der ist unten zum Hochamt und * dann sicher in's Wirtshaus, bei uns zu Lande ist es so der Brauch. Weil die Sonne gar so warm schien bin ich herauf gekommen, um mal hier bei den Gräbern etwas nach dem Rechten zu
„Und sie haben die stillen Schläfer hier unten gekannt?“
„Ob ich sie kannte! Habe ich doch fast dreißig Jahre lang der Herrschaft Brot gegessen und ihr immer treu gedient. Ich war nämlich so lange erster Schreiber, Büreau⸗Vorsteher, nennen sie es ja jetzt, beim Herrn Justizrat Heider.“
Mit einem Ruck zog der Fremde den Hut tiefer in die Stirn.
Der alte Krause! Unmöglich! Diese gebückte hüstelnde Ruine, der wohlkonservierte Fünfziger, auf dessen Knie er als Kind geritten, und der manchen übermütigen Streich dem strengen Vater ver— schwiegen.
„Zehn Jahre schläft er nun schon hier“, fuhr der Alte geschwätzig fort,„und die Frau begruben wir noch früher. Aber alles steht mir noch so leb⸗ haft vor Augen, als sei es gestern gewesen. Wenn sie mit ihrem schwarzen Atlaskleid mit der Sammet⸗ Mantille in die Kirche oder in ihr Kaffeekränzchen ging, schauete ihr alles respektvoll nach, die schönste, vornehmste Frau des Städtchens. Und dann solch ein Ende! Weil sie sich von aller Welt abschloß und auch ihr Haus nicht mehr verließ, sagten die Leute, es sei zuletzt nicht mehr recht richtig mit ihr im Kopfe gewesen, aber wir wissen es besser, das Herz ist ihr gebrochen! Fehlt Ihnen etwas Herr, ist Ihnen nicht ganz gut?“
„Warum? Was sollte mir sein?“
„Mir war es gerade so, als hätten Sie ge⸗ stöhnt. Nicht? Nun, dann ist es vielleicht die Sandliese gewesen, die sich mit ihrem schweren
ssehen. Es kümmert sich ja sonst auf der Welt kein Mensch mehr darum.“
Sack an der Mauer dort außen etwas ausruht. Doch was erzählte ich da eigentlich?“
„Von dem Kummer, den die Toten dort unten, im Leben getragen.“
Der Alte seufzte.„Das ist eine traurige, sehr traurige Geschichte. Weiß gar nicht wie ich auf einmal heute darauf komme? Ueber alles ist ja längst Gras gewachsen. Also die Herrschaft hatte ein einziges Kind den Robert, einen Prachtbuben, des Vaters Stolz, der Mutter Herzblatt. Wieder ein Seufzer! Der Liese muß doch die Last zu schwer werden. Ja, wenn man nur ein einzig Kind besitzt, Herr, so setzt man alles auf eine Karte, und diese verlor. Später in der großen Stadt, auf der Lateinschule, wollte der Bub nicht gut thun. Die Lehrer klagten über schlechte Ar⸗ beiten, Kneipereien, Schulten, allerlei unsaubere Liebschaften; es war kein Ende. Der Herr ging mit einem Gesicht umher, wie eine Gewitterwolke, und die Frau hatte schon am frühen Morgen rot⸗ geweinte Augen. Da endlich kam der Krach. Der Robert wurde von der Anstalt verwiesen, abgejagt, wie wir geringen Leute in Schlesien zu sagen pflegen. Ich glaubte der stolze Vater würde die Schande kaum überleben; weiß wie die Kalkwand war er als er die Nachricht erhielt, und am Abend ließ er im Löwen die Whistpartie absagen; er schämte sich wohl über die Straße zu gehen; nach dem Sohn fragte ihn schon lange Niemand mehr.
Hätte dieser Reue gezeigt; es wäre wohl alles anders gekommen, doch als er heimkehrend, die Hände in den Taschen, trotzig einen Gassenhauer pfeifend, vor die Eltern trat, da überkam den stolzen, heftigen Mann der Zorn, er riß die Reit⸗ peitsche von der Wand und that, was er sein ganzes Leben hindurch so bitter bedauerte. Die
Besitzer der hiesigen Dampfmühle, Hofmann, in Genua erschossen. Der Konkurs ist eröffnet.
* Mainz, 13. März. Der 26jährige Schuh⸗ macher Karl Wenz aus Bayerfeld hat im Januar in Haßloch und Dittelsheim gestohlen. Er wurde verhaftet und kam in das Unter⸗ suchungsgefängnis zu Osthofen. In seiner Zelle brach er von der eisernen Bettstelle einen Fuß ab, überfiel den Gefängnisaufseher Brehm und brachte dem Manne acht wuchtige Hiebe über den Kopf bei, so daß Brehm blutüberströmt zu Boden fiel. Durch die beiden Söhne Brehms, die auf seinen Hilferuf herbeieilten, wurde der Ueberfallene aus den Händen des Angreifers be⸗ freit. Des Diebstahls und des Mordversuchs angeklagt, stand nun Wenz heute vor dem Schwurgerichte. Nach der Aussage des ärzt⸗ lichen Sachverständigen ist der Ueberfallene nur durch die außergewöhnliche Stärke seiner Schädel⸗ decke dem sicheren Tod entronnen. Die Ver⸗ teidigung plaidierte auf Totschlagsversuch, die Geschworenen bejahten jedoch die Schuldfrage auf Mordversuch, worauf das Gericht den An⸗ geklagten zu sechs Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurteilte.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 15. März. 2000 ausge⸗ sperrte Schuhmacher waren gestern ver⸗ sammelt, um den Bericht der Agitations⸗ kommission über die Verhandlungen mit den Fabrikanten entgegen zu nehmen. In einer einstimmig angenommenen Resolution er⸗ klärten sich die Versammelten bereit, in Ver⸗ handlungen mit den Arbeitgebern ein⸗ zutreten. Sämtliche Redner betonten die friedfertige Gesinnung der Arbeiter.
Hd. Wien, 15. März. Der gestrige Gang der Sozialdemokraten zu den Gräbern der Märzgefallenen gestaltete sich großartiger als in den letzten Jahren. Trotz des strömenden Regens zogen über 3000 Arbeiter mit Frauen und Kindern zu dem Obelisken auf dem Zentral⸗Friedhof, wo Reden ge⸗ halten wurden. Die Demonstration ver⸗ lief ohne Zwischenfall. 5
Hd. London, 15. März. Die Mächte beschlossen, ohne Beantwortung der griechischen Antwortnote den Admirälen zu befehlen, sofort die kretensischen Häfen zu blokieren. Die Admiräle ver⸗ langen weitere Marinetruppen.— Zwischen englischen und italienischen Offizieren ent⸗ stehen häusig Streitigkeiten.
Hd. Belgrad, 15. März. Die Ar ⸗ nauten plündern in Alt⸗Serbien. Dieselben haben bereits mehrere Christen⸗ dörfer niedergebrannt, sowie das Kloster Gurrcoth zerstört.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.
Frau warf sich freilich dazwischen, sie bat und weinte so laut, daß wir drüben in der Kanzlei es
hörten, doch was half's. Der Herr war in dem Höchsten, was er besaß, in seiner fleckenlosen Ehre, zu tief verletzt.
Spät, am Abend schlich ich heimlich hinauf an seine Thür, vergebens bat ich um Einlaß; morgens wor das Giebelstübchen leer; der Sohn des Hauses verschwunden auf Nimmerwiedersehen!
Was soll ich von der schrecklichen Zeit sagen, die nun folgte. In einer Woche hatte der Herr schneeweiße Haare bekommen, und die arme Mutter! Ein Jammerbild, bei dessen Anblick sich Einem das Herz im Leibe umwandte. Noch nie ist auf Erden ein Mensch so gesucht worden, wie unser Robert. Ein Vermögen ging bei den Zeitungsaufrufen dahin, und der Herr ist selbst in allen großen Hafenstädten, bis nach England hinauf gewesen, doch vergebens. In Amerika drüben habe ich mir sagen lassen, unter dem vielen fremden, zusammen⸗ gelaufenen Volk sieht man sich nach dem einzelnen Strolch nicht so genau um, wie auf dem Lande.“
„Und dann?“
Der Alte wiegte traurig den kahlen Kopf.„Ja dann kam es so, wie wir alle es gefürchtet. So lange noch die bloße Hoffnung auf ein Wiederseheu sie aufrecht erhielt, ging es, als aber Jahr auf Jahr verran und der letzte Schimmer erlosch, da brach sie zusammen. Sie wollte nicht weiter leben, nicht gesunden. Wenn man ihr von Aerzten, Bade⸗ reisen sprach, schüttelte sie nur den Kopf mit solch einem eigenen Blick, den vergeß ich mein Lebtag nicht, Herr. Und dann ist sie eingeschlafen, und wir haben sie hierher gebracht.“ Forts. folgt).
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