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Gießen, Freitag, den 15. Oktober
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
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Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
Kreuzplatz Nr. 4. 2
U 0 0** Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 14. Okt. Das groß. Ministerium des Innern macht bekannt, daß nachgenannte Personen nach Maßgabe der Verordnung vom 5 November 1885 die Berechtigung, das Huf— heschlaggewerbe ohne weitere Prüfung selbständig auszuüben, erlaugt haben:
Beck, Karl, in Gelnhaar,
Billau, Philipp Jakob, in Nordheim,
Emig, Johann Adam, in Schöllenbach,
„Hammel, Konrad Wilhelm, in Frank- furt a. M.,
Heimer, Johann, in Fürfeld,
F Jakob Johann, in Wallert⸗ eim,
Keil, Leonhard, in Steinau, Kreis Die⸗ burg,
8. F Christian, in Bad Nau⸗
eim,
9. Meyer, Georg Heinrich, in Reinheim,
„Müller, Johann Friedrich, in Ober⸗ Widdersheim,
Müller, Konrad, in Bermuthsheim,
Pfeiffer, Johann Georg, in Butzbach,
Seib, Peter, in Hähnlein,
14. Zopf, Peter, in Hornbach.
* Gießen, 14. Oktober.(Militär nach⸗ richten.) Die Garnisons⸗Bauwarte auf Probe Jolas in Darmstadt und Jennis in Mainz wurden zu Garnisons⸗Bauwarten, der Garnisons⸗ Bauschreiber Burggraf in Darmstadt zum Garnisons⸗Bauschreiber— ernannt.
* Gießen, 14. Okt. Gehälter hessischer Gerichtsbeamten. Am Sonntag tagte zu Frankfurt a. M. eine zahlreich besuchte Ver⸗
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fsammlung der hessischen Gerichtsschreiber—
beamten und Gehilfen. Erstere, die ein mehrere Tage dauerndes Examen zu bestehen haben, werden nach den bisherigen Erfahrungen erst nach 8 bis 9 Jahren mit einem Gehalt von 1200. angestellt. Das weitere Avancement it dann von dem Freiwerden besser bezahlter Posten abhängig, was ebenfalls wieder mehrere Jahre des Abwartens bedingt. Die Gehilfen⸗ gehälter bewegen sich zwischen 300 und 900 KA. Die bisher bei der Regierung angestrebten Ver⸗ hesserungen der Gehälter waren ohne Erfolg. Nachdem die in letzter Zeit von der Regierung der Kammer vorgelegten Gehaltsaufbesserungs⸗ vorschläge, nach denen der Anfangsgehalt der anzustellenden Gerichtsschreiber 1700 Mark be⸗ tragen soll, vorläufig abgelehnt worden sind, sollen nunmehr weitere Schritte gethan werden, deren Beratung den Gegenstand der Versamm— lung bildete.
Gießen, 14. Okt. Die General ver⸗ sammlung des Detaillisten⸗ Vereins, welche gestern Abend im„Hotel Einhorn“ statt⸗ fand, war verhältnismäßig nur schwach besucht. Aus dem durch den Vorsitzenden Ernst Balser erstatteten Bericht über das abgelaufene erste Vereinsjahr dürfte allgemein interessteren, daß der Verein, mit 111 Mitgliedern gegründet, heute 117 Mitglieder zählt. Es wurden im Laufe des Jahres 17 Vorstandssitzungen abgehalten. Hierbei wurden 17 Fälle, welche gegen das Gesetz
gegen unlauteren Wettbewerb verstießen, in folgen⸗ der Weise erledigt: 7 durch briefliche Vorstellung, 1 durch Klage(welche durch Vergleich endete), 3 durch anwältliche Vermittelung, ohne daß es zum Prozeß kam; 3 Fälle blieben noch unerledigt und 3 Fälle wurden als ungerechtfertigt zurück⸗ gewiesen. In 4 Fällen verhandelten Vorstands⸗ mitglieder persönlich, um auswärtiger Konkurrenz, welche durch Angestellte in größeren Fabrik— betrieben ihre Waren vertreiben läßt, dies für die Folge unmöglich zu machen. Ferner machte der Verein die Behörden auf vorkommendes un⸗ gesetzliches Detailreisen aufmerksam. Auf Ver⸗ anlassung des Vereins wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr drei chemische Untersuchungen von Nahrungsmitteln vorgenommen. Der Verein erteilte in dret Fällen Gutachten und Auskünfte an die großh. Handelskammer und richtete fünf Eingaben an Behörden, Verkehrsinteressen be⸗ treffend. Der Schriftführer des Vereins hatte im ganzen 68 Sachen zu erledigen. Der Vor⸗ sitzende konstatierte am Schlusse seines Berichts, daß es durch die Thätigkeit des Vereins, be⸗ sonders auf dem Gebiet der Reklame, um vieles besser geworden sei und daß der Verein im ab⸗ gelaufenen Geschäftsjahr seine Notwendigkeit und Lebensfähigkeit voll und ganz bewiesen habe. Der Kassenbericht ergab einen Geldvorrat von ca. 240 Mark. Von vier statutenmäßig aus⸗ scheinenden Mitgliedern wurden die Herren Balser, Herbert und Holterhoff wieder⸗ gewählt. Die Herren O. Schmidt und Wohl⸗ muth legten ihre Aemter nieder. Es wurden neu in den Vorstand gewählt die Herren Aug. Noll, A. Stuhl und W. Haas. Eine leb⸗ hafte, recht interessante gegenseitige Aussprache über die nächsten Aufgaben für das bevorstehende Vereinsjahr, in welchem auch die Konferenz der Detaillistenvereine für Südwestdeutschland hier stattfindet, bildete den Schluß der Verhandlungen.
* Gießen, 14. Okt. Nachdem das auf dem Dünsberg zur Landesvermessung aufgeschlagene, höchst unschöne und für die Besteigung gefährliche Holzgerüst nicht mehr gebraucht wird, hat das preußische Ministerium dem Ersuchen der Sektion Gießen des deutsch⸗österreichischen Alpen⸗ vereins stattgegeben und gestattet, daß auf der Spitze dieses Berges ein fester Aussichtsturm errichtet wird. Damit ist ein schon lange ge— hegter Plan, für dessen Ausführung bereits ein Kapital von 1500 l. vorhanden ist, seiner Ver⸗ wirklichung näher gebracht.
* Gießen, 14. Okt. Im Stadttheater gelangte gestern Abend das vieraktige Lustspiel „Rosenkranz und Güldenstern“ von Michael Klapp vor gut besetztem Hause zur Aufführung. Gespielt wurde ziemlich flott, namentlich Herr Direktor Helm als„Theodor Schmählich“ versetzte das Publikum hier und da durch seine sächsischen Witze in eine gemütliche Stimmung⸗ Auch die anderen Darsteller thaten ihr bestes. Doch glauben wir, daß die Direktion das Stück nicht zum zweiten Male zur Auffüh⸗ rung gelangen läßt. Es ist ein fades Machwerk.
* Gießen, 14. Oktober. Spenglermeister Appel verkaufte sein in der noch unregulierten
Ebelstraße Nr. 13 belegenes Haus an den Ma⸗
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen i 10 g. für die spaltige Petitzeile.
Expedition:
* 8 Kreuzplatz Nr. 4.
schinenwärter Georg Rinn für den Preis von 25 500 1. Doch behielt der Verkäufer den dabei gelegenen Garten, welcher noch einen Bau— platz bildet, für sich zurück.
* Bad Nauheim, 13. Okt. Die Witwe Konizky, die früher bereits 50 000% für den Neubau des städtischen Kurhospitals Nau⸗ heim schenkte, schenkte weitere 150 000. Der alte Bau wird niedergelegt.
* Von der Lahn, 12. Okt. Die heurige Jagd läßt bezüglich der Hasen, Rehe und auch Hirsche nichts zu wünschen übrig; auch Wild⸗ schweine finden sich ziemlich zahlreich, nur Hühner sind in diesem Jahre wenig vorhanden.— Zwei Krankenhäuser an der neuen Irren-Heilanstalt zu Weilmünster sind soweit fertig gestellt, daß am 15. Oktober 120 Frauen und 60 Männer aus den Anstalten Frankfurt a. M. und Eichberg aufgenommen werden. Die ganze Anstalt besteht ohne die im Bau begriffene Kapelle aus 11 sehr schönen Gebäuden, von denen 8 zur Auf⸗ nahme von etwa 800 Kranken bestimmt sind. Die Kapelle ist vorläufig für beide christliche Konfessionen bestimmt; der Bau einer Synagoge soll auch vorgesehen sein.
* Romrod, 12. Oktober. Herr Hauptmann Bernhard aus Brooklyn hat für die hiesigen Armen 100 Mark gespendet. Bernhard und seine nunmehrige Frau, geb. Richtberg, beide in Romrod geboren, sind vor 46 Jahren nach Amerika ausgewandert, verehelichten sich dort und sind nach mancherlei Schicksalen zu Wohl⸗ stand gelangt. Beide stehen jetzt im 67. Lebens⸗ jahre und besuchten im letzten Sommer die alte Heimat.
* Ober⸗Florstadt, 13. Okt. Hier kam ein vierjähriges Mädchen beim Kartoffelausmachen auf furchtbare Art ums Leben. Es hatte nämlich mit einigen Spielkameraden einen Haufen trocknes Kartoffelkraut angezündet, und die Kinder vergnügten sich damit, durch das Feuer zu springen. Dabei stürzte jenes in die Flamme und zog sich tötliche Brandwunden zu.
* Darmstadt, 13. Okt.(Personalver⸗ änderungen im Bezirk der hiesigen Ober⸗ Postdirektion.) Versetzt sind: Der Post⸗ sekretär Quenzlein von Mülhausen(Elsaß) nach Gießen, der Postverwalter Kleiß von Lorsch nach Bürgel, der Ober⸗Telegraphenasststent Metzner von Mainz nach Berlin, der Tele⸗ graphenassistent Görnert von Mainz nach Darmstadt. Ernannt sind: Der Postassistent Germann in Darmstadt zum Telegraphen— assistenten, der Kanzlist Wenzel in Darmstadt zum Ober⸗Telegraphenassistenten. Angestellt sind als Postsekretäre die Postpraktikanten Delp aus Dortmund in Darmstadt, Schuchmann aus Hannover in Mainz; als Postassistenten Bach aus Coesfeld in Nidda, Rensmann aus Münster(Westfalen) in Worms. Ange⸗ nommen ist als Postanwärter der Schutzmann Lepper in Mainz; als Postagent der Schneider⸗ meister Philipp Heß in Niederflörsheim. In den Ruhestand getreten sind: Der Postsekretär Lipke in Mainz, der Postverwalter Stotz in Lich, der Ober⸗Telegrapheuassistent Brüggen⸗
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* Mainz, 13. Okt. Auf der Landstraße zwischen Bodenheim und Laubenheim wurde in der Nacht vom 6. zum 7. Junt der Musketier Hafner vom Infanterie-Regiment Nr. 118 über⸗ fallen und schwer mißhandelt, sodaß er drei Wochen im Lazarett in Lebensgefahr schwebte. Deshalb angeklagt standen am Montag vier junge Leute aus Bodenheim vor den Schranken der Strafkammer. Der Tagelöhner Chr. Breider erhielt 10 Monate Gefängnis und der Schreiner Georg Dickhaut die gleiche Strafe. Die mitangeklagten Eisenbahnarbeiter Bernhard Haub und Tagelöhner Friedrich Lang wurden zu 2 bezw. 1 Monat Gefängnis verurteilt.
* Mainz, 13. Okt. Für die Ankunft des russischen Kaiserpaares waren sehr um⸗ fangreiche polizeiliche Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Der Chef der hiesigen Polizei hatte eine lange Unterredung mit Herrn Oberbürger⸗ meister Dr. Gaßner, ebenso der Chef der Gen⸗ darmerie mit Herrn Provinzialdirektor Rothe. Das gesamte Polizei- und Gendarmeriepersonal war auf den Beinen, ferner fand eine strenge Ueberwachung des gauzen Bahnkörpers statt, den das russische Kaiserpaar befahren hat.
Vermischtes.
— Ein Mörderfamilie. Ein Bild entsetzlicher moralischer Verkommenheit hat ein Prozeß enthüllt, welcher seit kurzem in Galena in Kansas im Gange ist. Schwer belastet ist eine ganze deut sche Familie, Marie Staffleback, eine 65 Jahre zählende Frau, ihre drei Söhne Ed, Mite und George, Georges Gattin Cora und Charles Wilson, der als der Gatte der alten Frau galt. Die Familie wohnte in einem Holzhause im westlichen Teil der Stadt, einer äußerst verrufenen Gegend, welche vielee längst außer Gebrauch befindliche Bergwerksstollen enthält. Die Umgebung des Platzes ist außerdem sehr schluchtenreich und nur wenig bestedelt. Die alte Megäre hielt in verrufenes Haus, und die dort befindlichen Weiber absolut verkommen, halb verrohtes Gesindel, lockten die Fremden an, welche dann spurlos verschwanden. Bis⸗ lang glaubt man der Familie acht Mordthaten zur Last legen zu dürfen, aber die Polizeiannalen erzählten von einer weit größeren Anzahl Männer, ausschließlich Fremder, welche zur Abendstunde ihr Hotel verließen, um nie wieder aufzutauchen. Eln Zufall führte zur Ent⸗ deckung der schauerlichen Thaten. Ein Fremder mach te aus Langeweile einen Spaziergang und schaute aus Neu⸗ gierde in einen alten Stollen. Zu seinem Schrecken gewahrte er darin einen Leichnam. Er benachrichtigte die Polizei und diese ließ die Leiche herausholen. Sie wurde als die des vor mehreren Monaten verschwundenen Frank Gelbraith identifiziert. Der Stollen befindet sich kaum zwanzig Schritt von dem Hause der Stafflebacks. Die ganze Familie, auf welcher schon früher der Verdacht der Behörden ruhte, wurde in Haft genommen und Cora Staffleback hat ein Geständnis abgelegt, um sich vom Galgen zu retten. Nach ihren Angaben wurde Gelbraith, der in dem verrufenen Hause nach einem Mädchen gefragt hatte, von den Stafflebacks niedergeschossen, worauf Ed ein Messer zog und dem Sterbenden den Hals abschnitt. Nachdem dem Ermordeten die Taschen geplündert worden waren, wurde er in den Stollen geworfen. Cora erzählt weiter, daß Ed und Micke Staffleback vor zwel Jahren einen italienischen Hausterer und zwei weibliche Insassen des Hauses ermordet, in einen Schacht geworfen und Erde über die Leichen geschüttet hätten. In derselben Weise
—
werth in Darmstadt.
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Wie Lieselchen die Frauenfrage löste. Novellette von Charlotte von Sch öler. (Schluß.) N
Franz folgte staunend der Richtung ihrer Augen; er sah einen ältlichen Herrn, mit graumeliertem Haar, der einer sehr jungen, rotblonden Schönheit sur Seite ging; ihnen folgte eine ebenso junge hüͤbsche Brünette, die einen blassen, stutzerhaften Jüngling zu ihrer Linken holdselig anlächelte. Alle vier sahen sehr„schik“ aus und schienen nur mit sich selbst beschäftigt zu sein.
„Kennst Du die Leute?“— fragte Franz, den Kieschens Gesichtsausdruck überraschte. f
„Sie sind vorüber!“ nickte das junge Mädchen mit eigentümlicher Betonung und das liebe, frische Gesichtchen verdüsterte ein Ausdruck ron Bestürzung und so echtem Kummer, daß es Franz ans Herz ging. 5 5
„Was ist denn mit den Leuten, mein Lieselchen? — fragte er und neigte sich besorgt zu ihr. i Da begann Lieschen zu erzählen— erst mit einiger Reserve— zuletzt immer rückhaltloser. Alles bekam der„Widersacher“ zu hören— die ganze traurige Geschichte vom hinfällig gewordenen, Drei⸗ bund, wie man„allein deswegen“, hinter Vaters Rücken, herbeigeeilt sei und wie man jetzt einsehe, daß man doch nur„ausgelacht“ werden würde und wie grenzenlos schwer das Leben sei und wie man ernstlich wünschen müsse, sehr bald einen Ort, wie diese Erde ift— zu verlassen.
allein kann ich die Frauenfrage doch und Bebeln wird es auch nicht weiter ich zu ihm halte, oder nicht, wenn die 11 5 es ist schrecklich!
„Ganz nicht 55 elfen, o 91 5 nicht mithalten— ach, 5 Niemals hätte ich geglaubt, daß solche„Treulosig⸗ keiten“ vorkommen könnten— wo ich ihnen ein so gutes Beispiel gab und Dich, mein armes Franzel, ausschlug und mich unseren„Ueberzeugungen opferte. Der„Mörder“ in der Greifswalder Straße zeigte mehr Gefinnungstüchtigkeit als diese Mädchen— jetzt sehe ichs ein, beurteile niemals Deinen Mitmenschen nach dem äußeren Eindruck!“
— Lieschen hatte diese Sentenz mit dem tiefen Erust ausgesprochen, mit dem sie ihre Schlüsse zu ziehen pflegte. Franz, dem längst wieder der Schalk aus den Augen lachte, konnte nicht umhin, er mußte den erhobenen Zeigefinger der betrübten Jungfer Weisheit haschen und an die Lippen ziehen. Sie wurde rot und wollte eine strenge Miene aufsetzen, als er aber rief:„Verzeihung— es galt nur Deiner weisen Einsicht, liebe Freundin!“ da schlug
ihr Kummer in hellen Zorn um: i
1„Ich heiße Liesel und nicht Freundin— von
Freundinnen habe ich vorläufig genug“— erklärte energisch und reckte verächtlich das feine
sie
Näschen. Leider wurde Franz von
seiner zürnenden Herrin daß er es nicht lassen konnte, mehr zu reizen.
dem allerliebsten Anblick so übermütig gestimmt, sie noch ein wenig
Liesel“,— hob er gemütlich an
„Weißt Du,
f f önnen, sollten wir — da wir uns nicht heiraten kö 1
doch einen Kalender zusammen gründen— das wirkt viel moderner. Die journalistischen Unter⸗ nehmungen sind höchst modern, die Presse marschiert überall vorneweg— das ist ja so recht Dein Fall — laß' uns miteinander vorneweg marschieren, mein Lieselchen. Wir fangen einen Kalenderhandel an— Reißkalender brauchen die Menschen immer— dabei vermeiden wir gleich die thörichte Seßhaftigkeit vergangener Zeiten.
Wir haufsteren per Rad durch die Lande, singen abwechselnd Bebels Lob und das der wahren Freundschaft, ziehen unseren Unterhalt aus dem Ab⸗ satz der Kalender, die Du mit den Sprüchen der Weisheit zierst, die Dir so leicht vom Munde gehen. — Mit diesem Vorschlag müßte selbst Dein Bebel zufrieden sein!“
Lieschen hatte aus der Rede nur herausgehört, daß Franz die Heirat mit ihr aufgegeben habe. Diese lächelnde Resignation seinerseits traf sie so peinlich, daß fie plötzlich ganz kleinlaut und hilflos dreinschaute. Franz bereute sofort seine Neckerei: —„Gefällt Dir der Vorschlag nicht, meine Kleine?“— sagte er weich und rückte ihr etwas näher—„Nun, dann wärs wohl doch am ein⸗ fachsten und besten, Du würdest meine Frau?“
„Ich glaube auch Franz!“ rief sie wie erlöst und sah ihn, durch Thränen lachend, glück⸗ strahlend an und Franz lachte ebenso glückstrahlend und küßte sie— vor aller Welt— mitten auf den Mund.
„Franz— der Kellner! Ich schäme mich ja vor dem Kellner— wir wollen rasch nach Hause
—
fahren. O, Du Herzens-Franz, was werden Papa und Schwämmlein sagen!“—
Papa und Schwämmlein waren zwar sehr erfreut über den Stand der Dinge, zeigten sich aber erheblich weniger überrascht davon, als Lieschen erwartet hatte.
„Wenn wir wären, dann“—
„Hätten wir uns doch bekommen, mein Schatz“ — fiel Franz der niedlichen Braut ins Wort. In diesem Augenblick brachte der Briefträger zwei Ver⸗ lobungsanzeigen.
„Irene und Anne-Marie“ die Papiere Franz reichend.
„Deine„klugen Jungfrauen“, die dem Bräutigam
uns nicht in Berlin begegnet
— sagte Lieschen,
entgegen gingen!“— spottete Franz.
„Na, und die„thörichten“ erst, die fahren hinter ihm drein!“— lachte Lieschen in ihrer ehr— lichsten Laune.—„Mir kommt die Ahnung, daß,
wenn alle Liesels ihren Franz fänden, die Frauen⸗ frage bald gelöst wäre!“
„Allen Respekt vor Deinem Scharfsinn! Lieschen, ich werde grausam unter Deinen Pantoffel kommen.“
„Das bist Du schon!“— gab Lieselchen rasch zurück und sie hatte Recht. Aber der Pantoffel von Lieschen blieb immer weich und niedlich, er drückte ihn nie.


