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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Gießen, Donnerstag, den 15. Juli
1897.
Ausgabe Gießen.
ische Landeszeilung.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Redaktion: ec Kreuzplatz Nr. 4. 2
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Ministerkrisis in Hessen. Nachdem die Wahlen zum Hessischen Land⸗ im Herbst v. Js. nicht zur Zufriedenheit J Megierung ausgefallen, die Opposition sozu⸗ zan auf der ganzen Linie gesiegt, hatte der ter der Geschicke“ des Großherzogtums, Tatsminister J. Finger, bereits die Absicht
Auf Bitten und Ersuchen von chiedenen Seiten, ließ sich der hochbetagte
Ar dennoch herbei, das Ruder des Staatsschiffs
mer zu lenken.
Nunmehr macht wieder das Gerücht die ce, Minister Finger trete zurück und un bereits ernstliche Erwägungen über den ahfolger angestellt worden sein. Zunächst soll, entnehmen wir der Frankfurter„Sonne“, daran gedacht haben, dem derzeitigen Leiter Ministeriums der Justiz Dittmar das Porte⸗ Alle Fingers zu übergeben, doch ist Dittmar en gelassen, und der Provinzialdirektor der 11 Rheinhessen, Rohde, dazu ausersehen.
Gern hätte man, so plaudert der Darmstädter hährsmann des genannten Blattes weiter der Schule, den Provinzialdirektor der oinz Oberhessen, von Gagern in Gießen, Nachfolger Fingers hetzen. ein Herr i posttiven Kenntnissen, vielseitiger Bildung, endeten Formen; von Gagern ist aber— he seine Gemahlin eine geborene Gräfin Inpffen—katholisch, und der Regent des Staates, ein Nachkomme Philipps des Großmütigen darf einen Katholiken nicht zum Premier⸗ iter ernennen. Großherzog Ernst Ludwig , wie es sich auch gebührt, persönliche Ansche, denen des Staates stets hintan. Trotz⸗ hat von Gagern viele Anhänger sowohl bei Ae, als auch bei der hohen hessichen Beamten⸗ und war bereits nach dem Tode des Groß⸗ ogs Ludwig IV. nahe daran, da Finger da⸗ ig schon gehen wollte, auf den Schild erhoben Aperden. Doch es ging und geht nicht. Aber 10 Gagern nicht„Hessicher taatsminister, Mister des Großherzoglichen Hauses, des Aeußern
Innern“ werden kann, so sollen seine Ver⸗
te doch gewürdigt werden und ihm der Aten eines Bundesratsgesandten vor— Melten sein.
lebrigens ist es in Hessen nicht so leicht, den Aigen Lenker des Ministeriums zu finden, n Männern von Beruf ist für diesen Posten nig Auswahl. Wußte man 1895 doch nicht, essen in die Lage versetzt war, einen hessi⸗ Juristen als Reichsgerichtsrat nach Leipzig Aunennen, wen man ernennen sollte und man te schon daran, einen älteren Advokaten A zu berufen. Ja tüchtige Rechtsanwälte Un Hessen zahlreich— aber sie sind leider(1) eich die Bank freisinnig(die tüchtigsten näm⸗ es sind Demokraten vom Scheitel bis zur
e! Einer von ihnen hatte früher einmal auf Ministerkandidaten⸗Liste gestanden, aber zu Zeit, als er noch nicht deutsch⸗freisinnig . Volksparteiler war. Was würden unsere . ̃——
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pig. für die Sspaltige Petitzeile.
nationalliberalen Landtagsabgeordneten sagen, wenn heute das Regierungsblatt verkündete: „Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch in Gießen ist zum Staatsminister ernannt?“ Die Abgeordneten Schröder, Oriola, Westernacher, Erk, Zinsser würden einen Ohnmachtsanfall auf den anderen erhalten, und der Abgeordnete für den Bezirk Bad Nauheim, der väterliche Freund, Gönner und Beschützer dieses Eldorados, Herr Weith, würde mindestens ein Schläglein davon⸗ tragen.
Oder wie würde sich die Opposition im jetzigen Landtage dazu stellen, wenn der Gedanke Wahrheit würde, den man auch erwogen, einen Preußischen Beamten zum Hessischen Premierminister zu berufen. Auch das geschieht momentan nicht, gerade mit Rücksicht auf die Opposition. Die Landtagsabgeordneten würden sicher einen Preußen, der nach Hessen an die erste Stelle berufen, als einen„des Groß— herzogtums Hessen Verweser“ ansehen, der binnen kurzem Hessen zu einer preußischen Provinz zu machen bestrebt ist.
Hoffentlich wird sich die Hessische Minister⸗ frage bald löse. Mit dem jetzigen Landtage, trotzdem die Gegner stark sind, wird Finger übrigens ebensogut, wenn nicht besser, fertig werden, als mit dem verflossenen. Im alten wie im neuen Landtage saßen und sitzen Abge— ordnete, die für das Staatswohl und Wehe kein Verständnis hatten und haben, die„Ja“ sagten und sagen, wo ein„Nein“ hingehört, die aber für ein ministerielles e einen freundlichen Blick und Händedruck zu haben sind, und die dem Grundsatze huldigen:„Reden ist Silber, Schweigen aber— Gold.“
Lokales und Provinzielles. * Gießen, 14. Juli. Am 2. Juli wurde der Gerichtsassessor Hermann Mendelsohn zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen zugelassen.— Durch Entschließung großherzoglichen Ministeriums des Innern wurden die Gerichtsaccessisten 1. Dr. Philipp Geyl aus Mainz, 2. Dr. Karl Kehr⸗ ein aus Mainz, 3. Dr. Nikolaus Reinhart aus Worms und 4. Paul Wörner aus Darm⸗ stadt zu Regierungsassessoren ernannt.— Durch Entschließung großherzoglichen Ministeriums der Justiz wurden die Gerichtsgaccessisten 1. Ludwig Bender aus Darmstadt, 2. Wilh. Bernbeck aus Nieder⸗Wöllstadt, 3. Wilhelm Brehm aus Alzey, 4. Dr. Karl Gebhardt aus Mainz, 5. Friedrich Giller aus Darmstadt, 6. Otto Hamburger aus 5 7. Johann Baptist Rauch aus Darmstadt und 8. Dr. Kurt Spohr aus Gießen zu Gerichtsassessoren ernannt.
* Gießen, 14. Juli. Erledigt sind: eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrer⸗ stelle an der Gemeindeschule zu Angenrod, Kr. Alsfeld, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mark; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende
Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mölsheim,
Kr. Worms, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mark. Mit der Stelle ist Organistendienst ver⸗ bunden; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Har- heim, Kr. e mit einem jährl. Gehalt von 900 4. Mit der Stelle ist Organisten⸗ dienst verbunden; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bechtheim, Kr. Worms, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 900-1200 4. Mit dieser Stelle ist Orga⸗ nistendienst verbunden.— Der in der Eigenschaft als Volksschullehrer angestellte Lehrer am Real⸗ gymnasium und an der Realschule zu Gießen, Joseph Luley ist zum Lehrer an dieser Anstalt mit den Rechten eines Zivilbeamten ernannt worden.
v. Gießen, 14. Juli.(Strafkammer.) Ferd. und Wilh. Hofmann von Steinheim, beide Holzhauer, waren am 12. Dezember v. J. mit ihren Kollegen im Walde beschäftigt. Man feierte an dem Tag den Geburtstag eines Ge⸗ nossen und sprach fleißig dem Schnaps zu. So kam es, daß die beiden Hofmann mit dem Holz⸗ hauer Repp von Steinheim, der auch nicht nüchtern geblieben war, in einen Wortstreit ge— rieten, dessen Ende eine Rauferei bildete, bei welcher Repp mit Aexten fürchterlich zugerichtet wurde. Am 18. Mai d. J. standen nun Ferd. und Wilh. Hofmann als Angeklagte dieserhalb vor der Strafkammer, um sich wegen Körper— verletzung mittelst eines gefährlichen Werkzeuges zu verantworten. Der Verletzte betrat damals als Zeuge, auf Krücken gestützt und den Rücken gebeugt, den Gerichtssaal, und der vernommene Arzt erklärte, derselbe würde von den erhaltenen Verletzungen wohl dauerndes Siechtum davon⸗ tragen, worauf die Staatsbehörde beantragte, die Angeklagten aus§ 224 des Str.⸗G. zu ver⸗ urteilen.(Es hätte also auf Zuchthaus bis zu fünf Jahren erkannt werden können.) Die Ver⸗ teidiger stellten aber den Antrag der Vertagung, weil sie der Ansicht waren, der Verletzte simuliere stark. Die Folgen der Verletzung seien nicht so stark, und so wurde vom Gericht demgemäß be⸗ schlossen. Beide Angeklagte nahm man aller⸗ dings in Haft. Gestern erhielten die beiden Hofmann wegen ihrer That aus§ 223 àa des R.⸗Str.⸗G. je sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft.
v. Gießen, 14. Juli. Eine vom Detaillisten⸗ Verein eingereichte Klage wegen unlauteren Wettbewerbs sollte gestern vor den Schöffen zur Verhandlung kommen, wurde jedoch vertagt, weil der Anwalt des Beklagten nicht infor⸗
miert war. s 14. Juli. Preis⸗
v. Gießen, Unsere
turner, welche von Homburg gestern Abend zurückgekehrt sind, wurden mit Musik empfangen und zogen nach Röhrles Bierhalle, wo ein Kom⸗ mers abgehalten wurde, der in sehr animierter feucht⸗fröhlicher Stimmung verlaufen ist.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
beauftragte die Bau⸗Kommission, nunmehr defini⸗ tive Vorschläge wegen eines Platzes zur Er⸗ bauung eines Handwerkerschulgebäudes zu machen.
v. Gießen, 14. Juli. Der im Gange be⸗ findliche Ausbau der oberen Frankfurterstraße läßt erkennen, daß die Stadt hier wirklich Vor⸗ nehmes zu schaffen gewillt ist. Außer der breiten Fahrbahn wird ein Weg für Reiter und eine gesonderte Fahrbahn für Radfahrer neben dem beiderseitigen Trottoir hergestellt.
v. Gießen, 14. Juli. Nachdem der Schoor⸗ graben längs des Schellenbergschen Grundstückes, das für das Volksbad erworben, überwölbt ist, hat man auch mit den Ausschachtungsarbeiten für das Volksbad selbst begonnen. Die Maurer⸗ arbeiten sind dem Bauunternehmer Abermann übertragen worden.
v. Gießen, 14. Juli. Mehr Brief⸗ kasten. Es hat sich für die jetzt beinahe fertig bebaute Löberstraße das dringende Bedürfnis mindestens eines Briefkastens, möglichst in der Mitte der ziemlich langen Straße anzubringen, herausgestellt. Ebenso empfinden die zahlreichen Geschäftsleute in der Nähe des Treffpunktes der Bahnhofstraße und der Marktstraße das Fehlen eines solchen. Wir wollen die Postbehörde hier⸗ mit nur darauf hingewiesen haben und hoffen, daß dem Bedürfnis genügt werden wird.
* Gießen, 14. Juli. Gestern verunglückte der Schreinerlehrling des Meisters Steller. Beim Bretteraufstapeln fiel der Stapel plötzlich um und der junge Mensch kam darunter zu liegen. Die Verletzungen sollen ziemlich erheblicher Natur sein.
* Gießen, 14. Juli. Steuerreform in Hessen. Der Herr Ministerialrat v. Krug, der Verfasser der Denkschrift, die Reform der Steuer⸗ gesetzgebung betreffend, unterzieht die vier gegen⸗ wärtig in Hessen bestehenden direkten Steuer⸗ arten: die Einkommen-, Gewerbe-, Grund- und Kapitalrentensteuer einer näheren Besprechung. Nur erstere und letztere Steuer gründen sich auf die wirkliche Leistungsfähigkeit, während die Grundsteuer eine Extragssteuer ist, denn sie richtet sich nach der Extragsfähigkeit; die Ge⸗ werbesteuer endlich muß als eine reine Objekt⸗ steuer bezeichnet werden. Diese beiden Steuern werden daher hauptsächlich oft als drückend empfunden. Der Verfasser sagt:„Es waren und sind dies namentlich Klagen verschuldeter, wirtschaftlich benachteiligter oder stark belasteter Grundbesitzer und Gewerbetreibender über eine Steuerbelastung, die sich durch die gleichzeitige Belastung mit Gemeinde-Umlagen auf gleicher objektiver Grundlage in ihrer nachteiligen Wirkung potenziert.“„Diese Nachteile durch Gesetzesände⸗ rung zu beseitigen, muß hiernach als Hauptzweck der Reform in das Auge gefaßt werden.“ Es werden drei Wege angegeben, auf denen dies erreicht werden könnte: 1. Eine Umwandlung der Grund- und Gewerbesteuer ohne vollständige
v. Gießen, 14. Juli. Die Generalversamm⸗ ins
lung des hiesigen Ortsgewerbe-Vere
das Tüpfelchen auf dem i. Von E. Ritter. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Und doch— er mußte dos Autogramm haben; We es bald haben, um aus der Ungewißheit und Wihe, die ihn bereits in seinem Berufsgeschäfte
näft- 5 5 indert. Iben drohte— dabei warf er einen Blick nach
engefehl, auf
Heften— herauszukommen. Er wollte wissen, Um er war. Halt! So konnte es gehen. War heute Sonnabend. Nachher um sechs Uhr Ai er Frig Gendner, Magdas Bruder, der lange ral gewesen und noch das Zimmer hüten mußte, Privatstunde geben. Der Gerichtsrat hatte
o dringend gebeten, dem Jungen nachzuhelfen,
e 6 var die Gelegenheit, öfters in die Familie zu
ten, sehr erwünscht gewesen. Heute sollte ibm Stunde zu etwas Anderem dienen. Der Ge⸗ kshrat war nicht zuhause; er war ihm heute Aisen begegnet auf dem Schulweg und hatte ihm af, er habe eine Tagestour vor. Magda Filso allein. Der„Mustermensch“ griff schnell 9 einer Visitenkarte und schrieb: Hochgeehrtes en: Leider bin ich heute verhindert, die Ade zu halten. Wollen Sie die Güte haben,
Ader Herr Vater nicht hier ist, an den ich mich
gewendet haben würde, mir nur durch einige
9 Kn mitzuteilen, ob und um welche Zeit ich die de morgen, am Sonntag, nachhalten kann.
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Jöchte nicht, daß Fritz durch mein Verschulden
bliebe. Mit ergebenstem Gruß———
. darauf mußte ihm Magda antworten, wohl 1 255 Die Aufwärterin erschien auf sein
Sin und erhielt die Karte zur Bestellung, mit Bescheid zu warten.— Schon nach
wenigen Minuten kam sie zurück.„Eine Empfeh⸗ lung von Fräulein Gendner, und der Herr Doktor möchte die Güte haben, morgen Nachmittag um drei Uhr zu kommen.“
Da hatte ers— mündlichen Bescheid! Und er batte doch ausdrücklich um„einige Zeilen“ gebeten. Oberflächlich, flüchtig, wie er gefürchtet. Es war ihr schon zu viel, die Feder zur Hand zu nehmen und ihm so zu antworten, wie er es erbeten. Sie hätte sich doch überlegen müssen, daß er das nicht ohne Grund gethan. Was nützte ihm nun die auf⸗ geschobene Stunde? Seufzend zog Gründlich endlich die Hefte wieder näher, schüttelte energisch alle über⸗ flüssigen Gedanken ab und vertiefte sich in die Ar⸗ beiten seiner Sekundaner.—:
Am folgenden Nachmittag pünktlich um 3 Uhr begab er sich ins Nachbarhaus. Schon im Vor⸗ platz tönte ihm helles Lachen aus der Familien- stube entgegen— Magda natürlich! Mein Gott, auch heute an diesem schauderhaften Regensonntag schien sie wieder besonderen Grund zur Fröhlichkeit zu haben. Ernsthafte Leute ärgerten sich, denn an einem Sonntag im Mai hatte man von rechtswegen Anspruch auf schönes Wetter. Gründlich klopfte an das Zimmer seines Schülers an und vertiefte sich alsbald mit demselben in die geheimnisvollen Formeln der Algebra.
Als es vier Uhr schlug, erhob er sich und fragte den Jüngling Fritz, ob der Herr Gerichtsrat zu sprechen sei— er mußte sich doch noch entschuldigen wegen der verlegten Stunde. Gründliche. Menschen verfäumen so etwas nicht. Fritz öffnete ihm bereit⸗ willig die Thür zum Wohnzimmer, und da bot sich den Augen des Oberlehrers ein gar behagliches Familienbild. Der Hausherr saß auf dem Sofa
am zierlich gedeckten Kaffeetisch und rauchte seine Zigarre. Magda hatte ihm zur Seite mit einer Handarbeit Platz genommen und Max, der jüngste Sproß des Hauses, ein hoffnungsvoller Quintaner, stützte den Arm auf den Tisch und beugte sein Haupt über einen dicken Schmöker, sicherlich den Lederstrumpf.
Mit großer Herzlichkeit empfing man Gründlich, und nach einigen Hin- und Herreden forderte der Rat ihn auf, doch, wenn er nichts Besseres vor⸗ habe, ein Tasse Kaffee mitzutrinken— bei dem Regenwetter könne man ja nichts weiter anfangen. Mit fast zu lebhafter Zustimmung nahm Gründlich an und fügte, um diese etwas zu mildern, bei „wenn er nicht störe.“
„Stören, nein, im Gegenteil“, rief Magda,„es giebt ja nichts Hübscheres als so gemütlich im Zimmer zu sitzen und zu plaudern, wenn es draußen stürmt und regnet— ach, das liebe ich so — gerade Sonntags, wo jedes im Haus Zeit hat, freue ich mich übers Regenwetter“.„Merkwürdig“, dachte Gründlich—„das Mädchen freut sich in der That über Dinge, die normale Menschen ärgern.“ Ueberhaupt, sie schien das ganze Dasein sehr von der leichten Seite zu nehmen, lachte und scherzte mit den Brüdern, neckte den Papa und strahlte dabei mit den ganzen hübschen Gesichtchen. Und sonderbar— der Doktor fand trotzdem die Situation nicht einmal unbehaglich, er besann sich bald gar nicht mehr über Magdas Wesen, sondern ließ sich umspinnen vom Zauber desselben, als wenn er kein ernsthafter Oberlehrer, sondern ein verliebter Primaner wäre.„Ein Stückchen Kuchen, Herr Doktor“, klang's jetzt aus Magdas Mund
—, ich habe ihn selbst gebacken, nach einem be⸗
Beseitigung der realen Grundlage(insbesondere Neu⸗Bonitierung für die Grundsteuer, Mitberück⸗ rühmten Rezept.“ Kuchen war Gründlich nun ganz zuwider, aber eine so freundliche Aufforderung ab⸗ schlagen, unmöglich! Umsomehr als— halt— ein Gedanke durchzuckt sein Gehirn. Das wäre ein Weg zum Autogramm! Mit Todesverachtung also ging er zum Angriff auf das respektable Stück Kuchen über— er wollte gar nicht rutschen, und Anis war drin, ein entsetzliches Gewürz für Gründlich. Endlich nach verzweiflungsvollem Würgen hatte er's runter, bemühte sich eine begeisterte Miene zu machen und sagte, so ganz von ungefähr:„Ein vorzüglicher Kuchen, Fräulein Magda, in der That, wundervoll. Dürfte ich vielleicht um das Rezept bitten?“ Magda horchte verwundert, dann lachte sie hellauf. Sie wollen doch nicht Kuchen backen, Herr Doktor?“„Nein, nein, natürlich nicht, ich nicht— aber ich möchte das Rezept meiner Schwester schicken, die kann mir dann mitunter solchen guten Kuchen backen. Er ist wirklich sehr gut.“„Ja, aber das finde ich sehr umständlich; wenn Sie er⸗ lauben.„Sie plagen sich so mit Fritz— wir sind Ihnen so dankbar dafür, nicht wahr Papa?— und ich würde Ihnen sehr gern manchmal einen Kuchen mitbacken, gewiß, Sie brauchen Ihre Frau Schwestetr nicht zu bemühen.“ Magda war etwas rot ge⸗ worden bei ihrem Vorschlag, und Gründlich stotterte: „Sie sind zu gütig, Fräulein Magda, aber wirklich, ich bitte um das Rezept— mein Schwager ißt nämlich auch sehr gern Kuchen. Vielleicht könnte ich das Rezept gleich heute mitnehmen— ich schreibe morgen an meine Schwester“.„Nun hat denn das solche Eile?“
(Fortsetzung folgt.)


