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gehilfen der Steuerkommissäre, die sie jederz
Gießen, Donnerstag, den 14. Oktober
1897.
Nr. 241
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Hessische Landegzei
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Das Vorkommen von Viehseuchen
im Großherzogtum Hessen (während des Monats September 1897). Milzbrand wurde festgestellt in Echzell, Kreis
Biedenkopf, am 21., in den Orten des Kreises Friedberg gurg⸗Gräfenrod am 12., Rodheim am 18., in ber⸗Mörlen am 20. und Massenheim am 26.; u Freienstein au, Kreis Lauterbach, am 22., in Gedern, Kreis Schotten, am 25. und in Gau⸗Alges⸗ helm, Kreis Bingen, am 23. September jedesmal bei nem krepierten Rinde.
Rauschbrand wurde festgestellt in den Orten des streises Büdingen: Nidda am 15., Rohrbach am 17. und Bingenheim am 19. September je bei einem repierten Schaf.
Die Maul⸗ und Klauenseuche ist erloschen in Lampertheim, Kreis Bensheim, Ober⸗Ostern, Kreis Urbach, in Bauschheim, Kreis Groß⸗Gerau, in Nieder⸗ Gemünden, Büßfeld und Burg⸗Gemünden, Kreis Alsfeld, iu Gau⸗Algesheim, Ober⸗Ingelheim, Nieder-Ingelheim, Sporkenheim und Heidesheim, Kreis Bingen.
Die Seuche herrscht fort in Astheim, Kr. Groß-Gerau, und in Rülfenrod, Kr. Alsfeld.
Die Seuche wurde festgestellt und war am Schlusse hes Monats wieder erloschen in Wixhausen, Kr. Darm⸗ stadt, und in Osthofen, Kr. Worms.
Die Seuche wurde festgestellt und herrschte am Schlusse hes Monats noch fort in Zwingenberg, Kreis Bensheim, ind in Krumbach und Neckar⸗Steinach, Kr. Heppenheim.
Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Elsbach, Kreis Erbach, in Göbelnrod, Kreis Gießen, in Homberg a. d. O., Ober⸗Gleen und Elbenrod, Kreis Alsfeld, und in Gedern, Kreis Schotten.
Lokales und Provinziehes.
* Gießen, 13. Oktober. Die hessischen Steuerkommissariatsgehilfen, Proleta⸗ kler der Feder sowohl was die Unsicherheit ihrer Eristenz als auch die elen de Bezahlung be⸗ kffft, haben eine Vorstellungan die Zweite Rammer gerichtet, in der sie um Eingreifen des Staats in ihre Rechts⸗ und Besoldungsver⸗ hältnisse petitionieren. Sie wünschen mit vollem llecht, daß der Staat sie wie die Kreisamts⸗
und Gerichtsschreiber als Beamte anerkennt, ihre Anstellungsverhältnisse ordnet und ihre Be⸗
soldungen übernimmt oder wenigstens durch staatliche e einigermaßen menschen⸗ würdig gestaltet. Heute sind sie die i ei können, trotz des Re⸗ sie nach 18 Jahren Lehr⸗ und Dienstzeit erhalten. Auch werden sie von den Steuerkommissären bezahlt. Jüngere Leute erhalten 20 60„ pro Monat. Nur wenige der Bestbezahlten erreichen ein Monatsgehalt von 100 4 und sehen sich im Alter der schlimmsten Not preisgegeben. * Gießen, 13
aufs Pflaster werfen gierungsdekrets, das
des Professors Dr. Buchner, weilen, ca. 200 4 an den Gleiber langen lassen, mit der Bitte, den Betra Sinne des verewigten berwenden. Es soll
3 des Dr. Buchner, zu verwenden.
„Okt. Professor Dr. Simon
in Baltimore hat als Spende ehemaliger Schüler die in Amerika
g⸗Verein ge⸗ g im Lehrers in der Burg zu der Verein die Absicht haben, diesen Betrag mit zur Wiederherstellung des sogenannten Philippsturmes, einem Llebbegt⸗
licht giebt diese Mitteilung auch den hiesigen ——————
Erscheint täglich mit Ausnahme der
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. fñ
Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. r die Sspaltige Petitzeile.
Expedition:
2 E Kreuzplatz Nr. 4.
zahlreichen ehemaligen Schülern Dr. Buchners Veranlassung, sich durch eine Sammlung zum gleichen Zweck zur 1 ihres allbeliebten ehe maligen Lehrers zu beteiligen.
* Gießen, 13. Okt. Die Strafkammer verurteilte gestern den Schuhmacher Georg Reul don Lauterbach in der Berufungs⸗ instanz wegen Fundunterschlagung zu vier Wochen Gefängnis. Das Schöffengericht Lauterbach hatte den übrigens schon mehrfach vorbestraften Angeklagten dieserhalb freigesprochen. — Weiter wurde gegen den Hospitalverwalter Georg Ludwig und dessen Braut Marie Hanitsch, beide von Alsfeld, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Es handelte sich um ein Verbrechen wider das keimende Leben. Der Weichensteller Joh. Mähler von Großen⸗-Linden hatte ohne jeden Grund mit einem Hackenstiel die beiden Rekonvaleszenten
Linden körperlich mißhandelt und den ersteren an seiner Gesundheit geschädigt. Der Angeklagte leugnete seine That, trotzdem er bei der Beweis⸗ aufnahme glatt überführt wurde. Der Gerichts— hof erkannte gegen den Angeklagten auf drei Wochen Gefängnis, obschon der Staatsan— walt nur 14 Tage beantragt hatte. In der Urteilsbegründung hieß es: Die Handlungs⸗ weise des Mähler sei eine so rohe, besonders zwei in der Genesung begriffenen Menschen gegenüber, daß das Strafmaß von drei Wochen noch sehr milde zu erachten sei.
* Gießen, 13. Oktober.(Stadttheater,) Auf die morgen, Donnerstag, erfolgende Auf⸗ führung des beliebten Lustspiels„Der Herr Senator“ sei hiermit noch ganz besonders hingewiesen. Herr Direktor Helm spielt darin eine seiner besten Rollen, den„Senator An—
dersen“. * Gießen, 13. Oktober. Der Betrieb der Anschlagsäulen und Plakattafeln ist
seitens der Stadt auf drei Jahre der Curt von Münchowschen Druckerei gegen eine Jahrespacht von 400 ¼ übertragen worden. Im verflossenen ersten Jahre der Verpachtung dieser Einrichtung erhielt die Stadt dafür 150 Mark von demselben Unternehmer.
* Gießen, 13. Oktober. Am Gießener [Volksbad sind die Zimmerleute seit gestern beschäftigt, den Dachstuhl zu errichten. Damit ist die Möglichkeit gesichert, daß das Gebäude vor Eintritt der schlechten Jahreszeit unter Dach kommt.
* Garbenteich, 13. Okt.(Berichtigung.) In unserer gestrigen Notiz hat sich insofern ein Druckfehler kingeschlichen, als der mit einem Diplom bedachte Werkmeister nicht Heuser, son⸗ dern Junker heißt.
„Vom Vogelsberg, 12. Okt.(Sonn⸗ tagssjägerei.) Bei einer im Distrikt Burg⸗ äcker im Oberwald abgehaltenen Treibjagd wurde der Forstwart Dillmuth angeschossen. Er wurde an Arm und Backe durch einen Schrotschuß ziemlich erheblich verletzt. Glück⸗ sicherweise befand sich in der Jagdgesellschaft ein
Carl Weigel und Joh. Bernhard von Großen
haben.— Bei Volkartsheim erschoß der dortige Bürgermeister auf der Hühnerjagd seinen wertvollen Hund.
* Darmstadt, 13. Oktober. Bei der Zweiten Kammer siud folgende Anträge
eingegangen: 1. der Abgeordneten Haas Offenbach) und Genossen, die Kammer wolle eschließen, daß die im Staatsbudget für
1897/1900 unter Kapitel 59 Titel 2 eingestellte Dotatton des hessischen Land wirtschaftsrats (Landesausschuß) von jährlich 5000, auf jährlich 15000 A erhöht werde; 2. der Abge⸗ ordneten Westernacher und Genossen, groß⸗ herzogliche Regierung zu ersuchen, sich damit einverstanden erklären zu wollen, daß unter Kapitel 59 Titel 2 des Staatsbudgets 1897/1900 ein jährlicher dem Landwirtschaftsrat zu über⸗ weisender Betrag von 300, zum Zwecke der Herausgabe von periodisch erscheinenden Berichten uber die Lage der hessischen Landwirtschaft ein— gestellt werde; 3. der Abgeordneten Wernher und Genossen, großherzogliche Regierung zu er— suchen, sich damit einverstanden erklären zu wollen, daß ein Betrag von jährlich 10000. in das Staatsbudget pro 1897/1900 als Zu— Zuschuß zu den Kosten der Beschickung der Wanderausstellung der deutschen Land— wirtschafts-Gesellschaft zur Verfügung des hessischen Landwirtschaftsrates vorbehaltlich des Verwendungsnachweises eingestellt werde; 4. der Abgeordneten Dr. Heidenreich und Genossen, die Kammer wolle beschließen, daß unter Kapitel 59 Titel 2 des Staatsbudgets für 1897/1900 anstatt des Betrages von 6000. für eine Molkereischule 12000 ¼ für zwei Schulen einzustellen seien.
* Darmstadt, 12. Okt. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß verschiedene in der letzten Zeit von den Tageszeitungen gebrachte Nachrichten über den Zeitpunkt der Einberu⸗ fung der Kammer und die Arbeiten des Finanzausschusses unzutreffend sind. Ein Termin für den Zusammentritt des Plenums ist noch nicht in Aussicht genommen. Voraussichtlich ist nach der Geschäftslage vor Mitte Dezember nicht daran zu denken. Ob bis dahin dem Landtag der Entwurf zu einem neuen Vermögenssteuer⸗ gesetz vorgelegt ist, entzieht sich vorläufig der Beurteilung. Ganz unrichtig ist die Angabe, daß der Finanzausschuß die Beratung der Be⸗ amtengesetzvorlage verschoben habe. Er hat im Gegenteil bereits in seiner Sitzung am 7. Oktober eine erste Lesung des Entwurfs vorgenommen. Ebenso ist die Behauptung, daß der Finanzaus⸗ schuß die weitere Behandlung dieser Vorlage von dem Ergebnis der Steuerreform und von der Einführung einer Staatslotterie abhängig machen wolle, dahin zu berichtigen, daß dies bis jetzt nicht beschlossen ist.
„ Darmstadt, 12. Okt. Der Bezirksfeld⸗ webel a. D. und frühere Amtsgerichtstaxator Johann Christian Mann von Groß-Gerau stand heute wegen Untreue und Unterschlagung por der Strafkammer. Er war in einer Nach- laßsache als Massekurator bestellt, er führte die
Arzt, der dem Verwundeten die erste Hilfe leisten konnte. Den Meisterschuß soll ein Engländer, der nach einer Eule schießen wollte, gethan
Wie Lieselchen die Frauenfrage löste. Novellette von Charlotte von Schöler. (Fortsetzung.)
Der Kutscher lachte, der scheußlichen Mütze, Lieschen winkte Kutscher fuhr langsam zu, das Rad und her— Lieschen hatte alle Hände voll um es vor einem Absturz zu bewahren. sieht gewiß dumm aus— nein, 5 in Wilmersdorf ankommen!“ dachte die june Dame Ihr Lebensmut stellte sich Kraft ein, und als sie in kamen, erholten die Nerven sich vollends. man es nicht versuchen, das auf idem Rad zu machen?— dem; Rad auf dem Schoß, Droschke— wenn das Franz
„Kutscher, ich will an der steigen.“—
Eine Radlerin, mi
sähe!
Bellevue⸗Straße aus
Lieschen setzte ihren Weg auf dem Rad fort; iertels 1
auf dem Asphalt des Tiergartend wie von selbst. Schade, daß nicht die ganze asphaltiert werden kann— elwas von seinen müden steifen
Wenn jetzt Franz käme—
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Gliedern.
Riese winkte mit seiner zurück. Der
wippte hin zu thun, Das so mag ich nicht schon wieder in alter
bekanntere Gegenden Sollte letzte Stück Weges
in einer klapprigen
hier merkt man kaum
das wäre köstlich
„mollige“ Aufregung, daß sie die Außenwelt vergaß. Mit großen, glänzenden Augen geradeaus blickend, lenkte sie, stolz und schneidig, links über die Korneliusbrücke. „Fahren Sie rechts!“ schrie eine Männerstimme angstvoll, aber da sauste rechts neben ihr die Pferde⸗ bahn vorbei— sie hielt sich im Schreck noch mehr links und bemerkte jetzt erst, daß ihr ein Radfahrer in vollem Schuß entgegenkam. Die nahe Gefahr gab ihr so viel Ueberlegung zurück, daß sie eilig auf den Fußweg absprang und das Rad mit beiden Händen festhielt. 8 Im 1 Moment sauste der Radler heran, parierte aber den Stoß, so daß es mit einer leichten Schürfung der Räder ablief. „Was fällt Ihnen ein, — wetterte der erzürnte sprungen und untersuchte sein Rad, ohn zusehen. „Das ist heit, eine Brücke werde Sie anzeigen, ah, Schutzmann!“ „Schicke wußte nicht, ich da Polizei angemeldet— Fahrerlaubnis— das f „Nun hört alles au
verächterin“ in eine so
hier links zu fahren?“ Mann, er war abge⸗ 8 e Liesa an⸗ denn doch eine unglaubliche Dumm⸗
cke links passteren zu wollen— ich da kommt schon der
den Schutzmann fort, Franz— ich chte nicht— ich bin ja bei keiner Franz, ich habe ja nicht mal ällt mir jetzt erst ein!“ — Du bist's Liesel?“
in lie r ee Glücklicherweise erwies sich der fromme Eifer 1 wieter Vorstellung geriet die„Männer-! des herbeigeeilten Schutzmannes, nicht als grenzen⸗
Verwaltung in der Weise, daß etwas über 1000
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rechnung und die Erbverteilung waren beide, obwohl falsch, bereits genehmigt, als der ge⸗ schädigte Erbe zu der Ueberzeugung kam, daß ihm mehr gebühre, als er erhalten hatte. Mann erklärte zuerst, er habe das Geld zu Hause, dann bat er um Stundung und schließlich schaffte er die Summe herbei. Mann ein auch Summen, die er als Agent der Vaterländischen Lebensverstcherungsgesellschaft, der Magdeburger Feuer- und Hagelversicherungsgesellschaft und der deutschen Mllitärversicherung vereinnahmte und abzultefern hatte. Die letzterwähnten Beträge sind bis zur Stunde nicht bezahlt und n e teils verloren. Der Angeklagte, dem im Ueb⸗ rigen das beste Lob gespendet wird, handelte augenscheinlich in Not. Er bezog eine Pension von 720, womit er nicht ausreichte. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten 5 Wochen unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft verurteilt.
„ Pfungstadt, 12. Okt. Der Sel bst⸗ mord des Lehrers Eisenbach, der vorige Woche vorkam, erregt immer größeres Aufsehen. Wie jetzt verlautet, hat Eisenbach dem hiesigen Kirchenkasten sowie der Zwingenberger Sparkasse sehr bedeutende Gel dsummen unterschlagen. Die Sparkasse Zwingenberg hat bereits alle Interessenten aufgefordert, etwaige Ansprüche binnen 14 Tagen geltend zu machen. Diejenigen Leute, die sich im Besitz von Quit⸗ tungen resp. Interimsscheinen befinden, werden wohl von der Kasse schadlos gehalten werden. Leider werden aber auch sehr viele arme Leute, Dienstmädchen usw. um ihre Spargroschen be⸗ trogen sein, da dieselben vertrauensvoll ihre Büchelchen usw. dem Eisenbach anvertrauten.
* Mainz, 12. Oktober.(Strafkammer.) Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich der 60 jährige Hausierer Georg Secker aus Finthen zu verantworten. Er hatte in einer hiesigen Wirtschaft beleidigende Aeußerungen wider den deutschen Kaiser gethan. Der Staatsanwalt be⸗ antragte drei Monate Gefängnis, das Gericht sprach den Angeklagten frei, weil er bis zur Bewußtlosigkeit betrunken war.— Weiter wurde
gegen einen internationalen Taschendieb ver— handelt. Er nennt sich Charles Lebaudy,
will aus Quebeck(Canada) stammen und ist in Holland, England, der Schweiz und in Schwerin wegen Taschendiebstahls vorbestraft. Zuletzt ver⸗ büßte er zwei Jahre Zuchthaus, wozu ihn das Kantonalgericht in Zürich wegen Taschendieb⸗ stahls verurteilte. Am 24. Juli fuhr er auf einem Waldmannschen Salonboot von Blebrich nach Mainz; im Gedränge stahl er zwei Damen die Portemonnaies mit Juhalt, wurde dabei erwischt und durch den Schutzmann Schmidt (der bei seiner Durchsuchung 100 Mark unter⸗ schlagen hatte) der Polizei übergeben. Der Dieb verlegte sich auch heute aufs Leugnen und be⸗ haupkete, die Börsen gefunden zu haben. Das Gericht war der Ansicht, daß man es hier mit einem gemeingefährlichen Gauner zu thun habe, dessen Personalien trotz der rührigsten Recherchen bis jetzt noch nicht festgestellt werden konnten. Es entsprach deshalb dem Anliegen der Staats-
77 in seiner Tasche blieben. Fast wäre es ihm
Tasch endieb, der
gelungen, die Sache zu verdecken, die Schluß⸗
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los. Er begnügte sich, die Namen der Verbrecher zu notieren und zog sich bescheiden zurück.
Lieschen ging, ihr Rad schiebend, rasch weiter, ohne sich umzusehen.
— Das also war der stolze Triumph, den sie zu feiern gehofft hatte? Ihr heimlichster Wunsch hatte sich erfüllt, aber] wie kläglich sah die Er⸗ füllung aus.
Gleich einem albernen Schulmädchen trabte sie hier vor Franz her, in ihrem„Kinderröckchen“ sie empfand momentan das kurze Kleid als eine entwürdigende Rückversetzung in die noch nicht all⸗ zulang verlassene Kinderstube— am liebsten hätte sie geweint. Nun kamen auch noch Hunger und Durst und peinigten sie, und die immer steifer werdenden Gelenke ließen sie kaum den Weg fort—⸗ setzen— das war ein kläglicher Abschluß für ein so großartiges Beginnen. Und dem kläglichen Ab⸗ schluß mußte er beiwohnen— ihr Widersacher von Kindesbeinen an. Womöglish erwartete er noch, daß sie sich jetzt bei ihm entschuldigen würde und ihm für seine Großmut danken?— Nein, wenn die Welt darüber einflel— das that sie nicht!
Weshalb mußte er gerade auf der Brücke an— kommen? Ueberhaupt: i der veine Störenfried.
Mit dieser neuen Erkenntnis ausgerlüstet, drehte sich Lieschen nach dem„Widersacher“ um. Sie wollte ihm etwas recht„Kleinmachendes“ sagen—
2———ů ů ů ů ů ihn ein für allemal abschütteln, aber sie bracht merkwürdigerweise nichts weiter heraus, als:
„Fanzel, ich habe furchtbaren Hunger!“
„Hunger, Du armes Kleines? warte, dem muß abgeholfen werden!“
Wunderbar, was Franz zuweilen für einen Ton in der Stimme hatte, gerade einen„mütterlichen“ Ton es wird einem so wohl, so geborgen dabei zu Mute.
Bald war Lieschen wirklich geborgen; sie durfte
die übermüden Glieder auf einen leidlich bequemen
Stuhl strecken, und nachdem sie mit unverkennbarem Vergnügen eine tüchtige Mahlzeit zu sich genommen hatte, kam der Moment, wo sie sich umsah.
Da saß sie in einem Vorgarten zu einem größeren Restaurant und das Leben und Treiben des Kurfürstendammes flutete an ihr vorüber.
Neben ihr saß Franz und fragte, ob sie noch etwas essen wolle; dabei sah er aus, als würde er im Notfall„Hekatomben“ opfern, um ihren Appetit zu stillen. Und was Lieschen besonders gefiel: er lachte nicht er lächelte nur; es war ein glück⸗ seliges Lächeln.
In diesen ersten Moment lang vermißten Friedens und stiller Beruhigung trat plötzlich der „Dreibund“ in greifbarer Gestalt hinein. Zwei Pärchen waren es, die ohne Lieschen zu bemerken, an ihren weitgeöffneten Augen vorüberzog en.
(Schluß folgt.)


