Ausgabe 
14.8.1897
 
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Gießen, Somabend, den 14. August

1897.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

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Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

e) a Bahn be aa San as i. 4 2 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. D Expedition: ien 70 dnn 8 4. 2 Preis der Anzeigen: 10 fg. für die spaltige Petitzeile. 81 Kreuzplatz Nr. 4. führt. I 7. L.(kk. 2 5 P 8 inzi oc[Weiffenbach wegen Körperverletzung] Vorjahr, demnach im Jahr 1895/96 681 Hekt.] Giebeln, gegenüber den schelnbar dachlosen Villen bisheriger N Juan n Lokales und rovinzielle 8. verhandelt. Sowohl der Angeklagte, als 15 1909 0 a ebe ii kandwidch Bauweisen? der E. Dtn Gießen, 13. August. Erledigt sind: Verletzte, der Student Schäfer, scheinen von lichen Brennereien im Jahr 1895/6 17,868 Nicht Rom, Florenz und Itallen überhaupt wollte für

. sie Lehrerstelle an der ev. Schule zu Nieder- Vebersbach, Kreis Heppenheim, mit einem nach hem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt Jon 9001000.; die mit einem ev. Lehrer pu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule u Ober⸗Mumbach, Kreis Heppenheim, mit einem üährl. Gehalt von 900.; die mit einem kath. behrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Ge meindeschule zu Zellhausen, Kreis Offenbach, mit

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vorzüglich! nem jährl. Gehalt von 900, eine mit einem 70 Pfg. u Aaath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge eindeschule zu Gundheim, Kreis Worms, mit ade Erkuntrnn nem jährl. Gehalt von 900 A.; die mit einem th. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge⸗ Hehner. teindeschule zu Erbach, Kreis Heppenheim, mit

nem jährl. Gehalt von 900 ,; die mit einem ath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge⸗ meindeschule 85 Trösel, Kreis Heppenheim, mit nem jährl. Gehalt von 900 A.

* Gießen, 13. August.(Radrennen am 1. August.) Das offizielle Festprogramm, belches in schöner und übersichtlicher Ausstattung sorben ausgegeben wird, weist von 75 Renn- ahrern im Ganzen 169 Nennungen zu den ver⸗ schledenen Wettfahrten auf. Einzelne Nummern des Programms, z. B. das Eröffnungsfahren und das Fahren um den Kuratorium⸗-Wander⸗ hreis für Amateure, sowie das Hauptfahren für

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lid, dauerhaft,

ittung. bung 90 so stark 055 daß vor der 107 Alscheidung über den jeweiligen definitiven Sieg erden beo sunächst mehrere Vorläufe werden stattfinden aten mit den mssen. Die Rennen beginnen pünktlich um hnun en Ahr, und bei dem mit Bestimmtheit zu erwarten

0 ben guten Sport ist mit Sicherheit auf großen

Undrang der Zuschauer zu rechnen. Die Nach⸗ rage nach Eintrittskarten in den Vorverkaufs⸗ sellen ist eine äußerst rege, und Jeder, der zu her mit Nummern versehenen überdeckten Tri⸗ fläne, oder zu dem 1. und 2. Platz sich den Ein⸗ tritt sichern will, wird gut daran thun, diese karten unverzüglich zu bestellen, da die vorhan⸗

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teile. genen Sitzplätze auch dieses Mal wieder rasch 1 0. N kelegt sein werden. Auf dem Spielplatz der N kerrasse fanden ein Karoussel und div. Buden er allgemeinen Belustigung Aufstellung. hendste Garne. Gießen, 13. August. Der Scharf⸗ shteßtag des hiesigen Infanterie⸗Regiments uch bind un 16. d. Mts., von dem wir in Nr. 187 v meh Aserer Zeitung berichteten, fällt nach einer inen hekanntmachung des Kreisamtes aus. Dagegen i seibt das Gelände östlich von Mainzlar hong n den übrigen Tagen, nämlich am 12., 13., I., 18. und 19. d. Mts. durch die Kleinkalib⸗ d fin igen gefährdet.

Nauer 1 Gießen, 13. Aug. Vor dem Schöffen⸗ bnerieide, Aare 25 15 1 55 die ae 0 alan. Rargarethe Keßler von hier, der zur La W legt wird, Gegenstände gestohlen und der

l(hefrau des Johannes Laub in die Wohnung 101 gebracht zu haben. Der Gerichtshof erkannte 1 15 late a, 970 die Erstere wegen Diebstahls auf eine teller, wa befängnisstrafe von vier Wochen, gegen die

Fhefrau des Laub wegen Hehlerei auf eine Ge⸗

ger Provistos 1 ek 4 kingnisstrafe von fünf Tagen. Sodann wurde

fegen den 22 jähr. Studiosus der Rechte

Duellwut, wie sie allgemein unter den Satis⸗ faktionsfähigen grassiert, nicht befallen zu sein. Schäfer forderte seinen Gegner, der ihm im Juni d. Js. mittelst eines Stockes mehrere Schläge auf die Schulter versetzt hatte, nicht vor Säbel und Pistolen, sondern vor das Schöffengericht, das ihm eine Geldstrafe von 40& zudiktierte. Die Ehre Schäfers ist so auch gerettet.

* Gießen, 13. August. Der neue Vieh⸗ marktplatz auf der Nordseite der Rodheimer straße ist seinem Zwecke entsprechend bereits fertiggestellt. Die Viehstände auf dem alten Platze, die Generationen lang stumme Zeugen von der Frequenz desGeußer Viehmarktes gewesen, sind entfernt, um schon bei dem am nächsten Montag stattfindenden Viehmarkt auf dem neuen Platze, der gegenüber dem alten nur seiner Form nach einige Unterschiede auf⸗ weist, benutzt zu werden. Der alte Platz, der in den nächsten Tagen noch seiner Pappelbäume und zerschundenen Pflasters beraubt wird, um bahnbaulichen Zwecken zu dienen, liegt verödet da, ein Opfer des Verkehrs unserer Zeit.

* Gießen, 13. August. Die Aerzte der deutschen Großstädte. Nach der Volks⸗ zählung vom Jahre 1895 hat von den deutschen Großstädten Charlottenburg die meisten Aerzte, da dort ein solcher schon auf 624 Einwohner kommt, die wenigsten aber Crefeld, wo erst auf 2145 Einwohner ein Arzt trifft. Städte, wo ein Arzt schon auf weniger als 1000 Einwohner kommt, giebt es in Deutschland 10(nämlich Charlottenburg, Halle a. S., München, Frank⸗ furt a. M., Königsberg, Berlin, Stuttgart, Breslau, Dresden, Hannover, also fast lauter Universitäts⸗ oder Residenzstädte), solche, wo auf 1000 bis 1200 Einwohner ein Arzt trifft, gleich⸗ falls 10(nämlich Stettin, Danzig, Leipzig, Braunschweig, Düsseldorf, Cöln, Hamburg, Nürnberg, Magdeburg, Bremen), solche, wo auf 1500 bis 2000 Einwohner ein Arzt kommt, vier (nämlich Dortmund, Altona, Elberfeld, Chemnitz), Städte, wo ein Arzt auf mehr als 2000 Ein⸗ wohner entfällt, giebt es nur zwei, nämlich Barmen(auf 2082 ein Arzt) und Crefeld(auf 2145 ein Arzt). Wie das Verhältnis der Zahl der Aerzte auf dem flachen Lande zu der Be⸗ völkerung sich stellt, ist nicht bekannt gegeben worden, obwohl es wünschenswert wäre, auch dieses zu kennen.

* Gießen, 13. August. Schnaps⸗ statistisches. Aus den amtlichen Uebersichten ergiebt sich, daß am Schlusse des Betriebsjahres 1895/96 im Großherzogtum Hessen 441 Schnaps⸗ Brennereien vorhanden waren, gegen 457 im Vorjahr, und daß die Zahl der im Betriebe ge⸗ wesenen Brennereien im Jahr 1895/6 280 be⸗ tragen hat, gegen 299 im Jahr 189495. Von jenen 280 waren 165 landwirtschaftliche und 115 Material⸗Brennereien; gewerbliche Brenne⸗ reien waren keine im Betrieb. In Verbindung mit Hefenbereitung betriebene Brennereien waren keine vorhanden. Die Gesamtproduktion an reinem Alkohol betrug im Berichtsjahr im Groß⸗ herzogtum 18,508 Hekt., gegen 17,827 Hekt. im

Hekt., gegen 17,007 Hekt. im Vorjahr, oder 861 Hekt. mehr, die Materialbrennereien dagegen nur 640 Hekt., gegen 820 Hekt. im Vorjahr, oder 180 Hekt. weniger. Was die Alkoholausbeute aus den zur Branntweinvorbereitung verwendeten Stoffen anlangt, so sind im Betriebsjahr 1895/96 bei Verarbeitung von ausschließlich Kartoffeln bis zu 11,1 Proz., bei Verwendung von Kar⸗ toffeln und Mais als Zumaischmaterial bis zu 10,2 Proz., bei Verarbeitung von Steinobst bis zu 6,7 Proz., von inländischem Wein bis zu 5,5 Proz., von ausländischem bis zu 14,5 Proz., von flüssiger Weinhefe bis zu 6,3 Proz. reinen Alkohols gewonnen worden. Die Gesamtein nahme an Branntweinsteuer(Maischbottich⸗ und Materialsteuer, Verbrauchsabgabe nebst Zu schlag und Brennsteuer) betrug, einschließlich 9 A4 Uebergangsabgabe für Branntwein aus Luxem⸗ burg, 1,280,860 1.

* Bad Nauheim, 11. Aug. In den bis jetzt in Betrieb genommenen 14 Zellen des neuen Badehauses Nr. 7 werden jetzt täglich weit über 100 Sprudelbäder bereitet. Das Badehaus Nr. 1 und der Westflügel des Badehauses Nr. 6 werden dadurch sehr entlastet; die Wartezeit auf frei werdende Zellen ist auf etwa eine halbe Stunde reduziert worden.

Volkstümliche Baukunst.

Ein Wort gegen die schablonisierende Städte⸗ Einteilung.

Ueber dieses Thema schreibt dieDeutsche Bauzeitung, Berlin, in einem Aufsatze über Dresden, dem wir fol⸗ gendes, das auch für andere Städte bemerkenswert ist, entnehmen:

Die erfreulichen Fortschritte, welche neuerdings zu gunsten der Wiederbelebung volkstümlicher, nationaler Bauweisen zu verzeichnen sind und welche sich namentlich auch darin äußern, daß mit sichtlichem Erfolge mehr und mehr die malerischen, sinnigen und anheimelnden Weisen, der aus dem deutschen Gefühlsleben hervorgegangenen Architekturformen des Mittelalters wieder aufgenommen werden, sind auch in Dresden nicht spurlos vorüber⸗ gegangen.

Wer im vorigen Jahre des öfteren Gelegenheit hatte, an den reizvollen Gestaltungen derAlten Stadt sich zu erfreuen, wird dann nur mit lebhaftem Bedauern die monotonen geradlinigen Fluchten unserer modernen Straßen⸗ zuge durchwandert haben, bei denen jedes malerische Moment, und jede dem Auge wohlthuende Abwechslung fehlt. Langweilig, trostlos und öde das ist der Charakter unserer modernen Städtebilder, unserer Straßen⸗ züge; eine gedankenlose Durchliniterung aufwändischer Fassaden ohne Reiz, bei denen nur zu bedauern ist, daß so viel kostbares Sandsteinmaterial so zweck- und sinnlos und ohne irgend welche Wirkung zu erzielen vergeudet worden ist.

Was Wunder daher, wenn jedem baukünstlerischen Versuche, das Einerlei unserer Straßenarchitektur zu unter⸗ brechen und in malerischer Betonung der Außenansichten der Häuser, dem Straßenbilde eine wohlthuende Abwechs⸗ lung zu geben jetzt förmlich zugejubelt wird! Wie un⸗ gemein malerisch wirken die vielen neuen Landhäuser in der markigen Sprache wieder aufgenommener deutscher Bauweisen, mit den altbewährten im Grün der Land⸗ schaften sich prächtig darbietenden steilen Ziegeldächern, mit den traulichen Holzarchitekturformen, Erkern und

das Studium mustergiltiger Bauten allein unseren Archi⸗ tekten ein Vorbild sein; weit mehr müßten Hildesheim, Nürnberg, Rotenburg und Heidelberg mit ihren Vorbildern als Wallfahrtsorte unserer Architekten gelten.

Wenn die Baukunst heutzutage nicht volkstümlich ist, wenn sie dem innersten Empfinden des Volkes fremd ge⸗ blieben ist, so sind nicht zum wenigsten die Architekten selbst daran schuld. In dem Wesen des deutschen Volks⸗ charakters überwiegt der Sinn für das malerische; unsere alten Städte geben dafür unvergleichliche Beisplele, unsere Dörfer sind wle keine sonst in der Welt hervorragend malerisch gestaltet und von einer natürlichen Unregel⸗ mäßigkeit, die einzig und allein so liebliche, so wohlgefällige Abwechslungen herbeizuführen vermochte. Und nun hat sich dieser deutsche Volksgeist gefallen lassen müssen, Bau⸗ formen, welche für südländisches Wesen berechnet und ge⸗ schaffen, welche in keinerlei Beziehung zu dem Geffühlsleben des Volkes stehen, anzunehmen! Ist es da ein Wunder, wenn dieser Formensprache das Volk kalt und gefühllos gegenübersteht?

So groß auch unsere Hochachtung vor dem klassischen Hauche der italienischen Renaissance, vor der monumen⸗ talen Würde dieser nach wie vor für öffentliche hervor⸗ ragende Bauten zweckmäßigen Stilarten sein muß, sie paßt nicht für das deutsche bürgerliche Wohnhaus.

Welche Vorteile knüpfen sich außerdem an die Ver⸗ einfachung unserer Hausansichten im Sinne der Wieder⸗ belebung deutscher Bauweisen! Wird schon bei dem städtischen Wohnhause eine Beschränkung der kostspieligen und für unsere klimatischen Verhältnisse unzweckmäßigen Simse, Bekrönungen und Verdachungen von wesentlichem Einfluß auf die Abminderung der Baukosten sein, wie viel mehr auf dem Lande, wo die Landwirtschaft ohnehin schwer um das Dasein zu ringen hat! Aber gerade hier hat man in unbegreiflicher Verblendung geschehen lassen, daß städtische Gewohnheiten auch in der Baukunst ein⸗ zogen und mit ihnen die Flut unverstandener, zweckloser Bauformen, wie der Gesimse, Medaillon, Konsolen, Balkons und sonstigen Scheinarchitekturen, die unseren modernen Dörfern ihren trostlosen unerfreulichen Anblick geben, die die Bauthätigkeit auf dem Lande so sehr verteuern, die aber auch den malerischen, historischen Charakter unserer Dörfer vernichten.

Wird erfolgreich auf dem Gebiete des Praktischen wetier gearbeitet, steigert sich die fruchtbringende Wechsel⸗ wirkung zwischen Baukunst und Volk immer mehr, dann wird auch die Baukunst wieder das werden, was sie sein soll die volkstümlichste unter allen Künsten!

Aber das verlangt auch die Wiederaufnahme und die Pflege deutschen Wesens in deutscher Baukunst von Seiten der dazu Berufenen, die ein verständnisvolles Verschmelzen der durch die Anforderungen der Neuzeit bedingten Formen mit den bewährtesten stimmungsvollen Motiven der aus dem deutschen Gemütsleben hervorgegangenen Bauformen zustande bringen sollten.

An anderer Stelle schreibt man über einen Stadt⸗ erweiterungsplan von Magdeburg:

Zum erstenmal sollen hier auch Versuche gemacht werden bei der Einteilung der Profile der Hauptstraßen⸗ züge besondere Einrichtungen für den in Magdeburg äußerst lebhaft betriebenen Radfahrersport zu treffen. Die schnur⸗ gerade Führung der Straßen ist nach Möglichkeit ver⸗ mieden und es sind die Bestrebungen in dieser Beziehung soweit von Erfolg gekrönt worden, daß es sogar möglich gewesen ist, wissentlich ejne gekrümmte Diagonalstraße durchzubringen!

Man ersieht daraus, besonders aus letzterem Beispiele, mit welchem Eifer man in den meisten und vornehmlich historischen Städten gegen die alles quadratierende Städte⸗ einteilung in neuerer Zeit ankämpft. Man kam einfach zu der Erkenntnis, daß dieses System bei dem gegen⸗

ell ee Eine reiche Partie. l e f Erzählung von Felix von Stenglin.

eee(Nachdruck verboten). 5 0 1(Fortsetzung.)

Noch fünf Minuten Fahrt, und Station Fried- schsthal war erreicht.

Ein neues Stationsgebäude in rotem Backstein pax an einer Seite der Geleise errichtet. Nachdem bellmuth eine überdachte Treppe hinaufgeschritten bar und das Gebäude durchquert halte, befand er ich auf der nach dem Ort Friedrichsthal führen⸗ en Chaussee. Als er sich zur Seite wandte, sah eine weite Ebene vor sich ausgebreitet, die am Vorizont von dunklem Wald abgeschlossen wurde. der dem Walde lag, etwa eine Viertelstunde vom

bahnhof eutfernt, das Dorf.

Auch in diesem Vorort hatten sich schon manche erliner zu dauerndem oder vorübergehendem Auf- thalt niedergelassen. Doch hatte er sich seinen endlichen Charakter im allgemeinen noch bewahrt, die Verbindung mit der Station eine nicht so

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gene Meme war wie in anderen Vororten.

. be ee chnge Bauern, die ihre ländliche Thätigkeit 5% e l ng 10 wie vor im Schweiße ihres Angesichts aus⸗ egen, den, wohnten hier neben reich gewordenen Ge⸗

ten, die durch die glückliche Lage ihrer Terrains 107 4% an Terraingesellschaften, an die Gas⸗ 0 alt, an die Rennbahn und andere Unter⸗ chmungen verkauft hatten, und neben kleinen Be⸗

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amten, die mit geringer Anzahlung Eigentümer eines kleinen Landhauses geworden waren.

Hellmuth bog in die breite Dorfstraße ein. In der Mitte standen zwei Reihen alter Linden. Weiter hinauf der Dorfteich und gegenüber die ur⸗ alte kleine Kirche, ein einfacher Bau aus Fels steinen mit niedrigem Turm. i

Kinder spielten auf der Straße, Männer und Frauen kamen vom Felde. 4

Ist dies nicht das Haus von Herrn Karl Puhlmann? fragte Hellmuth einen älteren Mann, der mit der Sense auf dem Rücken daher kam.

Nee, dat hat sich'n Berliner gebaut, erwiderte der Bauer. Da drüben mit'n Vorgarten, wo die Rosen stehn, dat's Karl Puhlmann seins

So, so! danke schön! sagte Hellmuth, lüftete

n Hut und ging weiter.

5 8 war eine leine etwas nüchterne aber sonst ganz hübsche Villa, die der Alte bezeichnet hatte. Langsam ging Hellmuth über die Straße auf das Haus zu. Es machte einen sehr sauberen Eindruck. Schade! Die weißen Gardinen waren so dicht be festigt, daß sie die ganzen Fensteröffnungen bedeckten. Doch da das letzte Fenster stand auf, und ehe Hellmuth noch heran war, sah er eine Frauenge⸗ stalt sich herausbiegen. Jetzt wandte sie sich nach der Seite, von der Hellmuth kam, und einen Angen⸗ blick begegneten sich ihre Blicke. Ein dunkler Kopf mit blitzenden braunen Augen. Doch gleich ver⸗

schwand er wieder. Als aber Hellmuth langsam

am Fenster vorüberschritt, glaubte er zu bemerken, wie aus dem Innern des Zimmers jemand hinaus blickte.

Er ging noch einmal zurück, niemand mehr.

Es war ein bildhübscher Mädchenkopf gewesen. Wenn es Röschen war, so hatte Hellmuth sie sich ganz anders vorgestellt. Aber an diesem Mädchen wer sie auch sein mochte konnte man nicht so vorübergehen.

Hellmuth blickte sich um und überlegte. Dann ging er abermals über die Straße und ließ sich dort in einem Restaurationsgarten nieder.

Na, Sie sind doch von den Jarde-Ulanen? fragte da eine Stimme hinter ihm.

Ein älterer Mann mit dichtem Vollbart, einen Fez auf dem Haupte und gestickte Pautoffeln an den Füßen, trat näher. Die Hände hielt er in den Hosentaschen und betrachtete Hellmuth.Ihnen kenn' ich doch? Hab' Ihnen doch bei Paraden öfters geseh'n, wenn Sie mit mein altes Regiment 'rausmarschiert sind? Ritten Sie nich's letzte Mal 'n Fuchs? en bischen hochbeiniges Luder, aber sonst in ganz nettes Pferd.

Danke für Ihre Anerkennung, werter Herr. Mit wem hab' ich denn eigentlich das Vergnügen?

Ich bin der Wirt von's Lokal ja. Zur schneidigen Lanze. Der alte Preuße, nennen sie mir auch. Mein Name is sonst Grünebohm. Woll'n bischen frische Luft genießen, Herr Lieu⸗

sah aber nun

tenant? Js recht, daß Sie'n alten Kam'raden auch was zukommen lassen, die Zeiten sind schlecht, Herr Lieutenant, und wenn man nicht den alt⸗ preuß'schen Schneid in sich hätte, was meinen Sie woll, wo der Grünebohm jetzt säß'? Ja, aber Gott verläßt die Seinen nich, das haben wir da mals gesehen bei Gravelotte und Vionville, und stolz is unsereines doch, daß er's mitgemacht hat ich war damals bei der dritten Schwadron, Rittmeister von Ezelius, wenn Sie'n noch kennen sollten. wissen Sie, ich hab' viele Vorgesetzten in meinem Leben kennen gelernt, strenge und ge mütliche und auch solche, die na, davon reden wir lieber nich, aber solch'n verdammt schneidiger Kerl is mir sobald nicht wieder vor gekommen wie der Ezelius

Na ja, Herr Wirt, so unterbrach Hellmuth den Alten, nachdem er schon verschiedene vergebliche Ansätze zum Reden gemacht hatte.Aber kann ich wohl ein Glas Bier bekommen und etwas Warmes zu essen? Ich habe nämlich tüchtigen Hunger.

Wird gleich besorgt werden, Herr Lieutenant. 'n Rührei oder'n Kottlett?

Gut, also'n Kottlet. Und'n Glas Bier. Wird gleich besorgt werden, Herr Lieutenant. Und damit schob der alte Preuße gemächlich ins Haus ab.

(Fortsetzung folgt.)