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Nr. 112
Gießen, Freitag, den 14. Mai
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
ische Landeszei
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
5 Redaktion:
l 8 Kreuzplatz Nr. 4. 8
Lokales und Provinzielles.
„Gießen, 12. Mai. Unsere Strafkam⸗ mer verhandelte gestern gegen den Lieutenant a. D. sbaiser, zuletzt in Hanau wohnhaft, ehemals Dofrat, Vorstand der gräflichen Rentenkammer und Generalbevollmächtigter des Grafen von Leiningen⸗Ilbenstadt, Führer der deutsch⸗sozialen Reformpartei im Kreise Friedberg, der bei der etzten Reichstagswahl anfangs als Kandidat für den Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen in Aussicht genommen war. Der Angeklagte ist beschuldigt, sich zum Nachteil des Grafen von dessen Rent⸗ Reister 3600 ,. erschwindelt zu haben, indem i demselben angab, er brauche den Betrag, um damit dem Kredit des Grafen bei einem drängen⸗ ven Gläubiger in Gießen aufzuhelfen. Kaiser hat jedoch diese Summe zur Tilgung von PUrivatschulden verwendet. Weiter hat der Herr eutenant dem Fideikommis⸗Vermögen der gräf⸗ lichen Familie zwei schwedische Obligationen ent⸗ gommen, die ihm der Rentmeister ebenfalls aus⸗ händigte, diese bei einem Bankhause lombardiert und mit dem Erlös die vorher erhobenen 3600 Mark dem Rentmeister zurückgegeben. Die Staatsbehörde sah in dem ganzen Thun des Angeklagten nur ein einheitliches Delikt, wofür dlesen jedoch die ganze Schwere des Gesetzes weffen müsse. Zwar sei der Schaden durch den Angeklagten, als jener gemerkt, daß die Sache ihm an den Kragen gehe, 80 0 worden. Seine Verlobte habe er um 6000* ärmer ge⸗
macht, mit welchen er die gräfliche Kasse befrie⸗
dgt habe; auch aus der Art, wie er sich die 6000 4 verschaffte, ließe sich nach Ansicht des Ersten Staatsanwalts Dr. Güngerich, der die Anklage vertrat, ein Betrug konstruieren. Der Angeklagte sei gerade, weil er als gebildeter Mann so gehandelt, mit 9 Monaten Gefängnis zu bestrafen. Der Gerichtshof nahm aber nur ane Betrugshandlung als erwiesen an, bei der Erlangung der schwedischen Obligationen habe Ralser einen Vorteil für sich nicht erstrebt, und verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis, von denen zwei Monate durch
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.
und den„Wanderern G. R.⸗G.“ übergeben werden. Zugleich findet die Einweihung des herrlich dekorierten Vereins-Lokales auf der
Hardt statt.
Gießen, 13. Mai. Die am Dienstag Nachmittag in Lonys Bierkeller stattgefundene General versammlung des landwirt⸗ schaftlichen Bezirks-Vereins Gießen war sehr gut besucht. General⸗Sekretär Dr. Müller⸗ Offenbach sprach über den genossenschaft⸗ lichen Verkauf von Getreide und die Errichtung von Silos oder Getreidelagerhäusern. An den Vortrag schloß sich eine sehr interessante Dis— kusston. Sekretär Leithinger-Alsfeld referierte über Zwecke und Ziele der Rindviehzucht und kam dabei auf die beabsichtigte Einrichtung der Herdbücher; er teilte mit, daß nach vorläufiger Feststellung in der Provinz etwa 1000 Stück Simmenthaler und 400 Stück Vogelsberger Rindvieh vorhanden, welche in die Register als eintragsfähig aufzunehmen seien.
* Gießen, 13. Mai. Die zu gestern Abend nach der Wirtschaft von Leyerer(Neustadt) einbe⸗ rufene General⸗Versammlung des Hess. Fecht⸗ vereins„Waisenschutz“ beschloß einstimmig in Folge des dagegen eingegangenen Protestes die Beschlüsse in der am 7. April d. J. stattge⸗ fundenen General⸗Versammlung, soweit sie die teuwahl des Vorstandes betreffen, als nicht zu Recht bestehend zu erklären, worauf eine Neu— wahl des Vorstandes stattfand.
d. Gießen, 13. Mai. Gestern Abend fand eine öffentliche Versammlung der Bäcker und verw. Berufsgenossen im Saale des Lenzschen Felsenkellers statt, wozu sich auch mehrere Vertreter von Marburg und Butzbach eingefunden hatten. Herr Wilhelm Scheld, welcher den hiesigen Be⸗ zirk im Geraer Kongreß vertrat, erstattete Bericht über denselben. Besonders hob Redner die in dem Kongreß aufgestellte Resolution hervor, worin es heißt:„Der 1897er Kongreß der Bäcker Deutschlands erklärt im Hinblick auf die kaiserliche Botschaft und die kaiserlichen Erlasse von 1890 betreffs der Inaugurierung und Fort⸗ setzung der Arbeiterschutz⸗Gesetzgebung, wie auch vor allem in Rücksicht auf die aktenmäßig fest⸗ gestellten in Bäckereibetrieben allgemein herrschen⸗ den schweren, die Gesundheit der Bäckergesellen wie auch der Konsumenten außerordentlich ge⸗ fährdenden Mißstände die bundesrätliche Ver⸗ ordnung vom 4. Mai 1896 für eine leichte Abschlagszahlung von dem als Mindestmaß be— rechtigter Weise zu fordernden gesetzlichen Schutz für die Bäckereiarbeiter. Die gegen die an sich noch sehr ungenügende und lückenhafte Verord⸗ nung von seiten der Meister und sonstiger Unter⸗ nehmer, wie auch des Innungsverbanbes„Ger⸗ mania“ ins Werk gesetzte Agitation ist als der Ausfluß des denkbar größten Uebelwollens gegen die Arbeiter zu betrachten und die mehrfach aus⸗ gesprochene Ansicht von der Undurchführbarkeit diefer Verordnung ist nach den Resultaten der Prapis als einfach lächerlich zu bezeichnen. Der Kongreß erwartet auf das bestimmteste, daß die von Provitwut und sozialem Unverständnis diktierten Einwände gegen die bundesrätliche Verordnung an zuständiger Stelle nicht zur
werden, sondern
Aufhebung derselben führen hofft im Gegenteil ihren baldigen Ausbau zum
wirksamen Arbeiterschutz, worunter auch die gänzliche Beseitigung der Nachtarbeit zu stellen ist. Sollte aber die Regierung wider alles Erwarten die Bäckereiarbeiter im Stiche lassen, so erklärt der Kon⸗ greß seine im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt liegenden Forderungen selbst energisch durchsetzen zu wollen und zwar eventuell durch den General⸗ streik aller Bäcker Deutschlands. Der Kongreß beauftragt daher das Bureau, diese Resolution der deutschen Reichsregierung zu unterbreiten und erwartet vom Verbande der Bäcker und Berufsgenossen unzweideutige Stel⸗ lungnahme zu dieser Forderung, und hält es für oberste Pflicht jedes Bäckereiarbeiters, sich unverzüglich der genannten Organisation anzu⸗ schließen.“ Reduer berichtete noch weiter über die wirtschaftliche Lage und Verbesserung der im Bäckereigewerbe beschäftigten Arbeiter und forderte die auswärtigen Kollegen auf, sich auch der Organisatton anzuschließen. Nach einer längeren Debatte drückten die Marburger Ver⸗ treter den Wunsch aus, daß ein hiesiger Ver⸗ treter in Marburg eine Versammlung abhalten möge, weil dadurch eine Organisierung leichter herbeizuführen sei, welchem Wunsche nachzu⸗ kommen versprochen wurde. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heute hier im Saale„Zum Felsenkeller“ tagende öffentliche Versammlung der Bäcker und verwandter Berufsgenossenschaften erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten Scheld einverstanden, befürwortet die, in dem Geraer Kongreß angenommenen Resolutionen und ver⸗ spricht für eine weitere und speziell wirtschaft— liche Verbesserung der im Bäckergewerbe beschäf⸗ tigten Arbeiter einzutreten und für die Organi⸗ sierung der noch nicht dem Verbande angehörigen Kollegen bestrebt zu sein.“
* Gießen, 13. Mai. Die Heegzeit des Dachses in den Gemarkungen Schiffenberg, Gießen, Großen-Linden und Lützel⸗ Linden, in letzterer Gemarkung, soweit sie unter Gießener Verwaltung steht, ist laut amt⸗ amtlicher Bekanntmachung für das Jahr 1897 aufgehoben.
* Grünberg, 12. Mai. Heute Nachmittag wurde in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis der Bürgermeister Hölzer von Flensungen ein⸗ geliefert. Die Verhaftung ist auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wegen Unregelmäßigkeiten im Amt erfolgt. Anderen Informationen zufolge soll dessen. Inhaftierung wegen Urkunden⸗ fälschung erfolgt sein.
* Laubach, 12. Mai. Der hiesige Musik⸗ verein hat für Sonntag den 23. ds. Mts. im Gasthause„Zum Schützenhof“ hierselbst ein großes Gartenkonzert in Aussicht genommen. Bei ungünstiger Witterung findet dasselbe im Saale statt.
* Harmstadt, 12. Mai. Die Brand⸗ versicherungsbeiträge im Großh. Hessen sind nach einem Beschlusse der Brandversiche⸗ rungskammer für das abgelaufene Jahr wegen
die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet E 7 wurden. 8 5 ö Gießen, 13. Mai.(Viehmarkt.) Der f gestrige Viehmarkt war von 12 Ochsen befahren. Fremde Käufer waren nicht gekommen, doch N 6 Hurde die vorhandene Ware von Reflektanten 1 aus der Umgebung zu annehmbaren Preisen ge⸗ 1 muft.— Der Auftrieb auf dem Schweinemarkt 7 mochte etwa 800—1000 Stück, meist mittlere e Frs Ware, ausmachen. Käufer waren zahlreich er⸗ in jet 7 schienen, sodaß der Handel gleich am Anfange b 10 lott einsetzte und bis zu Ende des Marktes gut ud Silber 911 4 hieb. Es wurden umgesetzt Ferkel, 7—12 Wochen 1 alt, 5565 K, Läufer bis halbjährig 70 bis 0, ältere, kräftigere Ware mit 100 bis ö ge 20„ pro Paar. Die mittlere Ware war beladen m% motz des starken Auftriebs gerade dieser Gattung ung sagelegeuhel und trotz der dafür verlangten hohen Preise auc Beteibunt, chnell geräumt. f gerosca he gung* Gießen, 13. Mai.(Sport- und rc deen Zolksfest.) Am nächsten Samstag wird die 1 05 glich ug ertiggestellte Rennbahn dem„Kuratorium“ 5 vn 8 bi 3 Übt 1—.— 5 55588 Mos Ae Ein Zauberer. a 7 Von E. Merk. 0 Bodll U(Nachdruck verboten). 1(Schluß.)
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Die Beiden aber, die nun unter Sturm und Regen ihren nassen Weg suchen, sie fühlen, daß es inen Zauberer giebt, auch heutzutage noch. Es ist hnen so bang und so lustig, so übermütig zugleich und so feierlich zu Mut. Ein klarer Sternen—
immel hätte ihre schüchternen Herzen vielleicht
wieder befangen gemacht. So aber in dem tiefen Dunkel, muß er sie wohl an seinem Arm führen, en Schirm über fie breiten, wenn sie sich weiter usten wollen, denn der Schein des Laternchens wirkt kaum in der tiefenden Nässe. Der Weg ist urz;„viel zu kurz“, meint Hubert. Sie wohnt in finem eingeschoßigen Nebenhäuschen des Bauern⸗ zofes, zu dem ein paar Holzstufen hinauf führen. Anter dem vorspringenden Dach sind sie doch etwas leschützt, nachdem die Traufe ihnen wie Hagel auf ven Schirm herabplatschte. Er leuchtet ihr, während sie den Schlüssel einsteckt. Aber ihre Finger sind unsicher und werden nicht geschickter, da er sich be⸗ müht, ihr zu helfen. In einem Luftzug verlöscht mit einem Mal das kleine Licht. Nun suchen sie, topf an Kopf, mit verschlungenen Händen nach dem Schloß und in dem tiefen Schwarz um sie her, liebt er dem Gedanken Ausdruck, der ihn erfüllt: „Wie schön wäre es, so zusammen heimkommen; der wenn man heimkommt wissen, daß in dem
Zimmer eine Lampe brennt; eine liebe Seele wartet. Es ist so traurig, das Eintreten in ein finsteres, einsames Heim. Finden Sie nicht auch, Fräulein?“
„Doch, doch“, bejaht sie mit zitternder Stimme. „Seit meine Mutter tot ist, wie oft habe ich das das erfahren.“
Endlich dreht sich nun doch der Schloß. Sie öffnet die Thüre.
„Gule Nacht!“ sagt er.„Geben Sie mir noch einmal die Hand.“
„Aber so warten Sie doch, ich will Ihnen erst die Laterne anzünden“, lacht sie, hastig an ihm vor⸗ beischlüpfend. Er bleibt scheu an der Schwelle; aber er wirft einen Blick in das Stübchen, in dem nun eine Kerze aufflammt. Es ist ländlich eingerichtet; aber für ihn hat es den unsagbaren Reiz eines Frauen⸗Gemachs, ihres Schlafzimmers. Wie sie nun wieder heraustritt, faßt er ihre Hand und sucht, sie hastig an sich ziehend, nach ihren Lippen. Sie entwindet sich ihm rasch und sein Mund streift nur ihre kühle Wange. Da sie nun stumm zurück⸗ weicht, fleht er reumötig:
„Seien Sie mir nicht böse! Ich meine es gut. Sie werden sehen wie gut und treu ich es meine. Sie haben ja keine Ahnung, wie lange ich mich Ihnen gern genähert hätte, weil ich wußte, wir paßten zusammen, ohne doch eine Gelegenheit zu finden, bis dieser wackere Hexenmeister mir heute die Zunge löste.“
Da sie noch immer schweigt, fährt er dringend fort: „Er war kein böser, nein ein guter Zauberer.
Schlüssel im
——e—
Das glauben Sie doch auch, nicht wahr, Fräulein?“
„Ich glaube es,— ich will es glauben“, sagt sie leise und da er schon die paar Stufen hinunter— gestiegen ist und noch einmal einen Blick zurück⸗ wirft auf ihre Gestalt auf der erleuchteten Schwelle, ruft sie ihm mit warmen Tone nach:„Gute Nacht!“ und„Auf Wiedersehen!“
Er aber läuft nun durch die Regennacht als wäre es Frühling geworden, als kicherten und jubelten die aufklatschenden Regentropfen.
So finster es um ihn ist, er sieht in eine liebe sonnige Ferne— Plötzlich ertappt er sich, daß er leise vor sich hinsingt:
Mein Herz pocht wild beweglich, Es pocht beweglich wild,
Weil ich Dich lieb' unsäglich, Du liebes Menschenbild!
Die Zeitung, die er dann im Speisesaal zur Hand nimmt, erscheint ihm nüchtern und gleich- gültig; die herausfordernden Blicke Tinys ärgern ihn und treiben ihn schließlich fort in die Gesinde— stube; hier setzt er sich neben den höflichst ge⸗ schmeichelten Taschenkünstler, der sich noch immer den Schweiß der Aufregung von der Stirne trocknet, giebt ihm von seinen Zigarren und läßt sich er⸗ zählen: Der Alte ist Goldschmied gewesen, bis er, kranker Augen wegen, das mühevolle Handwerk lassen mußte, wenn er nicht blind werden wollte und nun, in einer einstigen Liebhaberei seiner Feier⸗ tage, einen kärglichen Erwerb zu suchen hatte.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
des Rückgangs der Brände nicht unwesentlich herabgesetzt worden. Die Beiträge betragen für 100 4 Anlagekapital nur 7 gegen 9= im vorhergegangenen Jahre.
Vermischtes.
— Der Zucker und die Muskelkraft. Ueber den Einfluß des Zuckergenusses auf die Leistungsfähigkeit der Muskulatur schreibt Dr. Karl Arnold(Hannover) in der Zeitschrift des deutsch⸗österreichischen Alpenvereins.„In Alpinistenkreisen ist hinlänglich bekannt, daß sich bei an⸗ strengenden Hochtouren ein vermehrtes Bedürfnis zum Ge⸗ nusse süßer Nahrungs⸗ und Genußmittel einstellt, und viele Touristen, die zu Hause keine Bonbons anrühren, verzehren solche auf Hochtouren in großer Menge; so auch der Unterzeichnete. Häufig kann man beobachten, wie gerne Führer übrig gebliebenen Zucker sich aneignen und unterwegs verzehren. Dieser Genuß von Zuckerstoffen(zu denen aber das Saccharin nicht gehört, da es den mensch⸗ lischen Organismus, ohne eine Veränderung zu erleiden, passiert) ist häufig ein instinktiver, da sich viele Menschen auch heute noch nicht der physiologischen, zuerst von Wislicenus und Fick bei einer Besteigung des Faulhorns festgestellten Thatsache bewußt sind, daß die Quelle unserer Kraft nicht in den dem Körper zugeführten Eiweißstoffen (Fleisch), sondern in den genossenen Kohlehydraten(Stärke, Zucker, Fett) zu suchen ist. Schumburg und Zuntz haben es auf Veranlassung des preußischen Kriegsministeriums unternommen, mittelst eines von Mosso konstruierten Appa⸗ rates zu prüfen, ob der Genuß kleiner Zuckermengen die ermüdeten Muskeln zu neuen Leistungen befähige. Um ein objektives Resultat zu erhalten, war der Versuchs⸗ person die Bedeutung der Versuche völlig unbekannt und dieselbe erhielt an einem Tage eine süße Flüssigkeit zu trinken, welche 30 Gramm Zucker enthielt, daß durch den Geschmack beide Flüssigkeiten nicht unterschieden wer⸗ den konnten. Wurde nun vor der Arbeit an dem Mosso⸗ schen Apparat eine sehr große Muskelarbeit verrichtet, so konnte an den Tagen mit Zuckergenuß eine entschleden größere Arbeit geleistet werden als an den Tagen mit Saccharingenuß. Infolge der vorhergehenden starken Muskelthätigkeit ist das Blut sehr arm an Zucker gewor⸗ den und kann sich deshalb eine geringe Zuckerzufuhr in erhöhter Arbeitsleistung geltend machen. Dieses Resultat bestätigt die von vielen Alpinisten vertretene Anschauung, daß bei andauernden und anstrengenden Hochtouren der Genuß von Zucker und zuckerhaltigen Stoffen von Vorteil ist.
— Die Ehe auf Probe. Eigentümliche sittliche Zustände und Anschauungen über Ehe und Eherecht scheinen im Kreise Swenigorodka des Gouvernements Kiew zu herrschen. Bei der vor einiger Zeit vorgenommenen allgemeinen Volkszählung fiel die merkwürdige Erscheinung auf, daß in sehr vielen Fällen Mann und Frau, die unter einem Dach lebten, verschiedene Familiennamen führten. Man ging der Sache auf den Grund und es stellte sich nach der„Voss. Ztg.“ heraus, daß in jener Gegend vielfach eine Art„Ehe auf Probe“ in Uebung steht. Wenn Mann und Frau nach der Hochzeit infolge häufiger Zwistigkeiten zu der Ueberzeugung gelangen, daß die gegenseitige Wahl nicht glücklich gewesen ist, so sehen sie sich nach einem nach Charakter und wirtschaftlichen Eigenschaften besser passenden Lebensgefährten um, sodaß nicht selten ein förmlicher Austausch der Frauen ohne Scheidung der Ehe stattfindet. Derartige Tauschgeschäfte scheinen übrigens selbst nach längerem Bestande der Ehen vorzukommen, da berichtet wird, daß die Kinder der rechten Mutter in die neue Hausgemeinschaft folgen und als Glieder der neuen Familie gelten. Bei der Zählung mußte in diesem Kreise häufig die mit einem Mann in solcher thatsächlichen Ehegemeinschaft lebende Frau als zu
Der Wirt kommt und frägt ihn barsch: wo er zu übernachten gedenke? Seine Zimmer seien be⸗ setzt. Der Zauberer bittet demütig um ein Quartier im Stall, denn, sagt er, um seine Ansprüche zu entschuldigen: es ist so kalt in den offenen Heu⸗ hütten, in welchen er nun seit mancher Woche ge⸗ schlafen hat; und der offene Heugeruch macht Kopfweh. Für den ihm zugestandenen Platz im Stall bedankt er sich gerührt, wie für das höchste Behagen.
Am nächsten Morgen scheint, höchst unerwartet, die Sonne. Mit freudigem Herzklopfen erwachen die beiden, sie in ihrem Bauernstübchen, er in seinem bescheidenen Hotelzimmer; si besinnen sich, wars nur ein Traum, ein flüchtiger Spuk, der ihnen so süß in der Erinnerung liegt?
Nein! Nein! Es ist ihnen so warm, so selig im Herzen— Es muß ein echter Zauberer gewesen sein, der bleiben und sie mit goldenen Fäden um⸗ schlingen wird, bis sie nicht mehr von einander lassen können— sie wissen, sie fühlen es beide!
Das alte Männlein aber, das für sie zum Wunderthäter geworden, schleppt sich weiter mit seinen beiden Koffern, von Hotel zu Hotel, durch Hitze und Hagel, durch Sonnenbrand und Gewitter⸗ sturm, weiter, immer weiter.
Ach, das Leben ist hart und sich sein Brot „erzaubern“, auch das ist nicht mehr bequem und mühelos, heutzutage.


