Ausgabe 
14.3.1897
 
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Nr. 62

Gießen, Sonntag, den 14. Mürz

1897.

Postztg. Nr. 3239

Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

undegzeikung.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

7 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

2 20

edition:

Hessischer Landtag.

* Darmstadt, 12. März.

Nach mündlichen Berichterstattungen gab Präsident Haas in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer einen Antrag des Abg. Köhler bekannt, mit dem Medizi⸗ nalrat Lorenz wegen Herstellung des Heilserum gegen den Schweinerotlauf in Verhandlung zu treten. Die Her⸗ stellung soll gegebenen Falles staatlicherseits in die Hand genommen und das Mittel den Tierärzten kostenlos über⸗ lassen werden. Hierauf werden einige Interpellationen beantwortet, zunächst über die Auslegung der Verordnung vom 27. Februar 1826 betr. die religtlöse Er⸗ zlehung der Kinder aus gemischten Ehen. Die Beantwortung erfolgte dahin, daß das Verordnungsrecht über die Verhältnisse von Kirche und Schule der Re⸗ gierung zustehen, daß diese aber zu gesetzlicher Regelung der Materie geneigt sei. Dispensationen erfolgten in Fällen, in denen die Befolgung der gegebenen Vorschriften von besonderen Härten begleitet sei. Dr. Schmitt schloß einige Wünsche an. Dr. Schmitt hatte auch über die Einführungsgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuch interpelliert. Ministerialdirektor Dittmar antwortete, mit der Bear⸗ beitung der hessischen Einführungsgesetze sei begonnen, die Vorlage solle möglichst beschleunigt werden, zunächst sei aber der Erlaß von Ausführungsgesetzen durch das Reich abzuwarten. Eine Entscheldung über den Fortbestand oder die Aufhebung der Notariate habe die Regierung noch nicht getroffen, sie habe aber den Wunsch, die be⸗ stehenden Ungleichheiten in den einzelnen Landesteilen mit Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches zu beseitigen. Dr. Schmitt wünschte in der Besprechung Vorlage der hessischen Einführungsgesetze spätestens im nächsten Winter und baldigste Entscheidung über die Frage des Fortbe⸗ standes der Notariate. Auf eine Interpellation der Abgg. Weidner und Schmalbach über die Nebenbahn Gedern⸗Greben hain⸗Lauterbach antwortete der Finanzminister, die Strecke Lauterbach⸗Grebenhain⸗Crain⸗ seld sei im Entwurf fertiggestellt. Die landespoltzeiliche Prüfung sei angeordnet. Die Kosten der Vorarbeiten gingen über das normale Maß nicht hinaus. Die Nicht⸗ inangriffnahme der Teilstrecke Grebenhain⸗Gedern beruhe auf technischen Gründen. In der nachfolgenden Be⸗ sprechung tritt namentlich der Abg. Weidner sehr lebhaft im Interesse des Vogelsbergs für baldige Fertigstellung der Strecke Grebenhain⸗Gedern ein. Darauf wurde die Vorlage auf Bewilligung für die Vorarbeiten zur Reform des direkten Steuerwesens verhandelt. Ministerial⸗ rat v. Krug machte längere Ausführungen über die beab⸗ sichtigte Reform, die anknüpft an frühere Anträge des Finanzausschusses. Grund⸗ und Gewerbesteuer solle der⸗ art gestaltet werden, daß sie für den Erwerbsverhältnissen der Einzelnen besser anpassen. Redner gab einen in⸗ teressanten Rückblick auf die Entwicklung des hessischen direkten Steuerwesens und die im Laufe der Jahrzehnte vollzogene kolossale Verschiebung in den steuerlichen Er⸗ trägnissen, um sodann die Steuerverhältnisse der Nach⸗ barstaaten, namentlich Preußens, zu erörtern. Stattge⸗ habte Ermittelungen haben ergeben, daß die Belastung des ländlichen Grundbesitzes seit der letzten Enquete micht gestiegen ist.

Dr. Schröder konstatiert völlige Uebereinstimmung ber vorgeschlagenen Grundsätze über die Steuerreform mit den seit 1874 geäußerten Wünschen der zweiten Kammer.

Dr. David ist erfreut, daß die Regierung theoretisch die direkten Steuern als die richtigen anerkennt und meint,

was theoretisch richtig sei, müsse sich auch praktisch durch⸗

führen lassen. Die Sozialdemokraten wünschen die Ein⸗ nahmen aus Staatsbetrieben unter allen Umständen ge⸗ fördert zu sehen. Ullrich will die Mittel für die Vor⸗ arbeiten der Reform bewilligen unter der Voraussetzung, daß man endlich vernünftige Steuern e inführe, daß man Grund⸗ und Gewerbest euer beseitige und namentlich die hohen Einkommen stark heranziehe unter Entlastung der niederen und mittleren Steuerstufen. Einkommen, die seither in Höhe von 700 000/ ver⸗ steuert wurden, seien nach Einführung der neuen Ein⸗ schätzung auf 1,400,000, angegeben worden. In solchen Fällen schade eine Besteuerung von 40 50 pCt. des Einkommens durchaus nicht und ermögliche eine aus⸗ giebige Entlastung der mittleren Klassen.

Dr. Schmitt(Zentr.) erklärt im Namen seiner Fraktionsgenossen, daß sie unter keinen Umständen für einen weiteren Ausbau der indirekten Steuern zu haben sein werden. Die angeforderten Mittel für die Vor⸗ arbeiten der Steuerreform werden darauf bewilligt und in die Beratung eines abermaligen Nachtrags zum Neben⸗ bahngesetz von 1890 eingetreten.

Es handelt sich um Mehrforderung für die Linien Lollar⸗Lohndorf, Niedergemünden⸗Niederfleiden, Lauterbach⸗ Grebenhain⸗Crainfeld, Offenbach-Reichenheim nebst Ab⸗ zweigung und Buntenheim⸗Nierstein im Gesamtbetrag von 2,350,000%, wodurch die Gesamtsumme für Neben⸗ bauten von 32,150,000% auf, 34,500,000 steigt. Nach kurzer Debatte, in der namentlich oberhessische Ab⸗ geordnetenwünsche vorgebracht wurden, wird die Vorlage angenommen und auf Anregung des Abg. Schröder die Regierung ersucht, alle auf der Nebenbahn Buntenheim⸗ Nierstein abzulassenden Züge bis Oppenheim weiterfahren zu lassen. Die Vorlage, die eine Kapitalaufnahme von 5 Mill. J zu Prozent verzinslich für Zwecke der Landeskreditkasse vorgiebt, fand Annahme. Nächste Sitzung Samstag Vormittag 9 Uhr.

a 5 5. Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 13. März.(Stadttheater.) IbsensNora mit Frl. Thessa Klink⸗ hammer in der Titelrolle ist für hiesige Ver⸗ hältnisse ein Ereignis. Man muß es der Direktion Kruse-Helm um so mehr Dank wissen, daß sie den gestrigen Ibsen⸗Abend arrangierte, als die Meinungen über den großen Norweger bekanntlich noch sehr geteilt sind. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß die Ibsen⸗Gemeinde wächst, auch hier wächst. Der gestrige Abend hat es wieder gezeigt. Ueber die Aufführung läßt sich fast nur lobenswertes sagen. Fräulein Klinkhammer war ihrer schwierigen Aufgabe gewachsen. Sie wußte die harten Seelenkämpfe des unselbständig erzogenen, ewig als Kind be⸗ handelten, nach Klarheit und Selbständigkeit ringenden Weibes trefflich zur Darstellung zu bringen. Die Künstlerin wuchs mit der Schwierig⸗ keit ihrer Rolle. Während ihr Spiel im ersten

Akt namentlich bei der Begrüßung ihrer

Preis der Anzeigen t 10 Mfg. für die Zspaltige Petitzeile.

Jugendfreundin Christine(Fräulein Egger) etwas gekünstelt, unnatürlich war, befand sie sich im zweiten und dritten Akt ganz auf der Höhe ihres künstlerischen Könnens. Frl. Eggert würde uns besser gefallen haben, wenn sie weniger deklamiert hätte. Bei Ibsen ist das am wenigsten zu entschuldigen. türlich wie möglich sprechen, sonst ist es eben unnatürlich. Die Herren Fritzschler(Hellmar) und Kunert(Günther) fanden sich mit ihren Rollen recht gut ab, namentlich gilt das von dem Vertreten des verkrachten Rechtsanwalts Günther. Vorzüglich war gestern Abend Herr Schröder als Dr. Rank. Er brachte die überwältigende Tragik, die in diesem zu Grunde gehenden Menschenleben verkörpert ist, ergreifend und natürlich zur Darstellung. Für die Ibsen⸗ verehrer war der gestrige Abend ein genußreicher. Hoffentlich ist es möglich, noch ein oder das andere Werk Ibsens zur Aufführung zu bringen. Die Musik könnte an solchen Abenden erspart

werden. Sie irretiert die Stimmung, in die Ibsen versetzt. * Gießen, 13. März.(Stadttheater.)

Am Sonntag gelangt im hiesigen Theater das humorvolle Volksstück mit GesangMädel vom Ballett oderIhre Familie von Stinde und 5 en zur Aufführung, worauf wir unsere Leser hierdurch aufmerksam machen wollen.

* Gießen, 13. März. In der letzten Stadtverordneten-Sitzung wurde in ge⸗ heimer Sitzung über eine Petition der hiesigen Lehrer an der Volksschule beraten. te Petenten verlangen eine Gehaltsaufbesserung in Rücksicht darauf, daß die seminaristisch gebildeten Lehrer an höheren Schulen eine Gehaltsaufbesse⸗ rung erfahren und sie, die doch dieselbe Vor⸗ bildung genossen, im Gehalt denselben gleich gestellt zu sein wünschen. Die Stadtverordneten verhehlten sich keineswegs, daß, wenn dem Wunsche der Petenten willfahren würde, die jährliche Mehrausgabe für Gehälter an die Volksschullehrer die Stadtkasse nur um einen geringen Betrag(zwischen 3 4000%) belasten würde, man war aber doch der Ansicht, daß kein Grund vorliege, dem Gesuche stattzugeben, um so weniger, als die gleiche Kategorie von Beamten in anderen hessischen Städten, außer in Mainz, wo die Lebensbedürfnisse teuerer sind, nicht besser bezahlt werden, als bei uns. Das Gesuch wurde daher einstimmig abgelehnt.

* Gießen, 13. März. Der Vorstand des Theater-Vereins hat die Leiter des hiesigen Stadttheaters, die Direktoren Kruse und Helm, heute Abend zu einer Besprechung eingeladen. Möge dieselbe, im Interesse der Gesundung unserer Theaterverhältnisse, einen für beide Teile befriedigenden Abschluß finden.

Heimat.

Novelle von H. Rense. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der verlorene Sohn der Bibel erschien ihm beneidenswert, für ihn wurde festlicher Empfang gerüstet. Und was fand er? Zwei Gräber.

Station Sch. Sein Reiseziel.

Nun durchwanderte er das morgenstille Städtchen,

0 7 8 8 immer sich fragend, was ihn eigentlich hergeführt.

Wie bekannt ihm die Straßen winkten! Ja Häuser altern nicht so schnell, teilen nicht das

Schicksal der Menschen.

Die Kaufläden wurden geöffnet, in den Aus⸗ spannungen war es längst Tag geworden, und überall eilten spiegelblank gekämmte Schulkinder an ihm vorüber. Alles genau noch so, wie vor fünf und zwanzig Jahren.

Trotz seiner ausländischen Reisetracht schenkte man ihm wenig Beachtung. Seitdem man die Bahn bekommen hatte, war man des Fremdenver⸗ kehrs gewöhnt. i

Gewiß ein spleenhafter Engländer, der nicht weiß, wo er mit dem Gelde bin soll, seufzte der der sich an seinem letzten freien Sonntag für den Rest des Monats matt gesetzt hatte.

Ja das Gold ist nur Chimaire, tröstete er sich, einem niedlichen Dienstmädchen für 10 Pfg. Haaröl eingießend.

Ja, das Gold ist nur Chimaire, wiederholte der groß, finstere Mann, der in der Heimatstadt nur auf fremde Gesichter stieß.

Nun lag der freundliche Ringplatz vor ihm. Wie klein er ihm erschien, und wie weir, wie un⸗ ermeßlich groß war er ihm bei seinen Knabenspielen vorgekommen] Noch immer funlelte die Morgen⸗ sonne in dem Wasser der ehernen Brunnenschale.

Noch immer hob der heilige Nepomuk segnend die rechte Hand, und noch immer lüfteten die Vor⸗ übergehenden nach altem, frommen Brauch den Hut vor dem steinernen Heiligenbilde. Alles noch wie sonst!

Nun mußte er aber doch nach der andern Seite blicken. Dort das einstöckige Häuschen mit den grünen Läden und der breitästigen Kastanie vor den Fenstern war sein Vaterhaus gewesen. In der ehemaligen Wohnstube stand ein Fenster offen, man hantierte dort mit Staubtuch und Besen. Wie mit übernatürlicher Gewalt zog es ihn näher. Schimmerte dort hinter den Scheiben nicht der Mutter liebes Gesicht? Erklang nicht im Flur des Vaters tiefe Stimme? Alles Täuschung. Auf einer Südseeinsel war er nicht fremder als hier.

Durch das Seitengäßchen an der Giebelwand war er oft über den Hof in's Haus geschlichen, wenn er das strenge Vaterauge gescheut hatte. Auch heute ging er diesen Weg. Hinter der Mauer schimmerte es grün. Hochaufatmend hielt er inne.

Das war er, der kühle, schattige Garten, von dem er unter dem freunden Himmel manchmal mit offenen Augen geträumt, nach dem er sich noch gestern, inmitten von Staub und Hitze, wie ein Verschmachtender gesehnt hatte. Die Linde blüte, die Centifolie duftete und im Morgenwind schwankt leise die stolze, weiße Lilie. Alles noch wie einst, doch dort drüben an dem altersgrauen Steintisch die Frau, nicht so schön und stattlich wie die Mutter, war eine Fremde, und jene Kinder, die sich jubelnd hinter grünem Buschwerk versteckten, gehörten jetzt hierher. Doch draußen an der Mauer ftand er, ein Ausgestoßener, einer, der frevelnd einst gemeint, ohne Liebe, ohne Familienbande ließe es sich leben in der Welt, ein Reicher, und doch der Aermsten einer.

Siehe doch, Mama, ein fremder Herr; was

mag er wollen? Ein Knabe rief es. So keck und dunkeläugig mochte er früher wohl auch ge wesen sein.

Da zog er den Hut tief in die Stirn und wanderte weiter. Wie mit Flammenschrift stand vor seinen Augen der Aufruf, der sich dann noch oft in den ausländischen Zeitungen wiederholt, jener Aufruf, in dem seine trostlosen Eltern ihren flüchtigen Sohn Robert beschworen, zu ihnen heim⸗ zukehren. Damals war noch sein Herz mit Wut und Trotz erfüllt, das wilde Abenteurerleben gefiel ihm. Später hielt ihn falsche Scham zurück, als Lump vor sie hintreten, niemals! Und dann war alles zu spät.

Zu spät! Schreckliches Wort. Er glaubte, die Vögel über seinem Hanpt zwitscherten es ihm zu, er meinte es an der Kirchhofspforte zu lesen, die jetzt sein Fuß betrat. Hier fand er die meiste Veränderung. Bis in's Unabsehbare waren die grünen Reihen angewachsen, Hügel an Hügel, ein weites, stilles Leichenfeld. Ja, Schnitter Tod hatte unten im Städtchen reiche Ernte gehalten, darum kein bekauntes Gesicht auf der Gasse. Die Alten waren längst dahin, die Jungen von damals alt und fremd geworden.

Sein Blick glitt spähend umher, fürchtete er den kommenden Augenblick.

War der leichte Staubmantel so schwer? Trug er Blei in den Schuhen? Er lüftete den Hut, um die feuchte Stirn zu kühlen. Noch nie war ihm auf beiden Erdteilen ein Weg so lang und schwer geworden.

nun lag des Armenviertel, die lange, un geschmückte Gräberreihe hinter ihm, nun näherte er sich der Kirchhofmauer mit den stattlichen Erbbe⸗ gräbnissen.

genes weiße Marmorkreuz, umfriedet von eisernem Gitter war früher nicht dort. Ach, wehrte

und doch

So na-

Kreuzplatz Nr. 4.

* Gießen, 13. März. Für den Wettbewerb zur Errichkung eines Denkmals in unserer Stadt, als Erinnerungszeichen an die Jahre 1870/1 und als Ehrendenkmal für diejenigen Söhne der Stadt Gießen, welche an dem Feld⸗ zuge teilgenommen haben, sowie für das in Gießen garnisonierende 116. Infanterie⸗Regiment Kaiser Wilhelm sind folgendeKünstler gewonnen: Architekt Paul Pfann⸗ München, Architekt Heinrich Stöckhardt-Berlin, Bildhauer Otto Rieth⸗ Berlin, Bildhauer L. Manzel⸗Char⸗ lottenburg⸗Berlin und Bildhauer L. Habich⸗ München. Der Letztere ist geborener Darm⸗ städter. Der Denkmalsentwurf, für welchen die Form eines Brunnens nicht ausgeschlossen gilt, ist skizzenhaft im Maßstab von 1: 10 zu modellieren und in Gypsabguß einzuliefern. Die Entwürfe sind mit Motto versehen bis 1. August d. J. im Turmhaus am Brand einzu⸗ liefern und dort aufzustellen. Der Herstellungs⸗ preis des Denkmals darf Aufstellung einge⸗ schlossen 20000. betragen. Die einge⸗ lieferten Entwürfe werden mindestens zwei Wochen vor und zwei Wochen nach der Ent⸗ scheidung des Preisgerichts und zwar danach mit Nennung des Namens des mit der Aus⸗ führung betrauten Künstlers im Turmhaus am Brand ausgestellt. Bekanntlich ist als Standort des projektierten Denkmals der Marktplatz aus⸗ ersehen. Das Preisgericht besteht aus folgenden 5 Mitgliedern: Geheimer Hofrat Professor Dr. Schäfer-VDarmstadt, Professor Schaper⸗ Berlin, kgl. Baurat Stübben⸗Köln a. Rh., Oberbürgermeister Gnauth⸗Gießen, Kommer⸗ zienrat Heyligenstädt⸗Gießen, Stellvertreter Stadtverordneter J. Kirch⸗-Gießen. 5

* Gießen, 13. März. Sportplatz an der Hardt. In der gestern Abend imHotel zum Rappen stattgehabten gemeinschaftlichen Sitzung der Vorstände desKuratoriums der Rennbahn Gießen 1897 und derWanderer, Gießener Radfahrergesellschaft wurde einstimmig beschlossen, die für Sonntag, den 30. Mai d. J., festgesetzte Einweihung des neuen Sportplatzes an der Hardt durch große Radfahrer⸗Wett⸗ rennen, mit großen Volksbel ustignungen auf Textors Terrasse zu verbinden. Mit der Bildung der Einzel⸗Ausschüsse wird sofort begonnen werden, und es steht demnach der Be⸗ völkerung unserer Stadt gleich zu Beginn der Saison neben einem Sportfest ersten Ranges auch ein großes Volksfest bevor.

* Gießen, 13. März. Besitzer alter Briefschaften weisen wir auf die Annonce des kgl. Hofschauspielers Steinecke in Han⸗ nover hin. Mancher besitzt in alten Briefen ꝛc. ein hübsches Sümmchen, da für alte Postwert⸗ zeichen, je nach Seltenheit, hohe Preise bezahlt werden; das Alter bedingt nicht den Preis,

ihm nicht der zürnende Engel mit dem Flammen⸗ schwert den Eintritt? Nein, es war die Morgen⸗ sonne, die sich funkelnd in der goldenen Inschrift brach. Nun lehnte er schwer gegen die kalten, eisernen Stäbe, und während seine Augen sich um⸗ florten, las er langsam und deutlich, Wort für Wort: Ruhestätte des Justizrats Josef Heider und seiner Ehegattin Hedwig geb. Pietsch.

Er starrte darauf hin, auf die wilde Brenn⸗ nessel, auf das Unkraut aller Art, unter welchem die Herzen in Staub zerfallen waren, die ihn so heiß, so unverdient geliebt hatten. Zehn Jahre früher, und er hätte eine liebe, warme Hand noch fassen, die Bitte um Vergebung stammeln können.

Zehn Jahre! Damals trug Cecile seinen Namen und sie und Papa Caileron hatten ihn einmal nach seiner Herkunft gefragt. Er antwortete ausweichend. Nimmermehr konnte er zu diesen Beiden sprechen von der reinen, schönen Luft des Vaterhauses.

Nun schliefen sie alle, der Eltern Frage nach seinem Weibe brauchte er nicht mehr zu fürchten. Für ihn, den Millionär, gab es überhaupt nichts mehr zu fürchten auf der Welt, aber auch wohl nichts mehr zu hoffen.

Müde wie gebrochen sank der große, schwere Mann auf das morsche Holzbänklein zur Seite des Grabes.

Die lange Nachtfahrt, der ungewöhnlich heiße Morgen, tröstete er sich.

Warum konnte er den Blick nicht wenden von dem weiten, lachenden Thal dort unten, von der schwarzgrünen Berglehne, über welche friedlich die Sonntagsglocken klangen.

An's Vaterland, an's Teuere,

Schließ Dich an.

Das halte fest mit deinem ganzen Herzen!

(Fortsetzung solgt).