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1897.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
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Gießen, Donnerstag, den 14. Januar
Ausgabe
Gießen.
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Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
Redaktion: 40 Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg.
Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile.
Aus dem Verwaltungsbericht
5 der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1895/96. D Gaswerk.
Der Gesamtgas verbrauch während des Betriebs⸗ jahres betrug 921 215 Kubikmeter, 84 400 mehr als im Vorfahre.
Es waren in Gießen 35 Gaskraftmaschinen mit zusammen 84/ Pferdekräfte im Betriebe.
Die Anzahl der Straßenlaternen betrug 545, 12 mehr als im vorausgegangenen Jahre.
Die Lichtstärke des Leuchtgases soll nach Stadtverordneten⸗Beschluß vom 13. Mal 1890 bei einem stündlichen Gasverbrauch von 150 Liter 13— 15 sogen. Deutsche Vereins⸗Paraffinkerzen betrageu.
Nach den von Herrn Professor Dr. Buchner monatlich
schnittlich 13,5 Kerzen, während nach den in der Gas⸗ fabrik selbst vorgenommenen regelmäßigen Messungen eine durchschnittliche Lichtstärke von 14,6 Kerzen sich ergab.
Der Preis des Gases blieb bis Ende des Berichts⸗ jahres der vom 1. April 1894 ab(durch Stadtverord⸗ neten⸗Beschluß vom 18. Januar 1894) festgesetzte, nämlich: Grundpreis 22„ für 1 Kbm., hierauf wird, wenn der Jahresverbrauch auf einem zusammenhängenden Grundstück
Größe erreicht: von 1001 Kbm. bis 2000 Kbm. ein Nachlaß von 3„% r e.„
5001„„ 10000.„„,„ 5 7„ 7 10001 17 und mehr„„„„ 10 1 gewährt.
Die Beträge für den Gasverbrauch sind monatlich zu entrichten und zwar zu dem Grundpreis von 22 für 1 Kbm. Nach Schluß des Geschäftsjahres wird der ent⸗ sprechende Nachlaß verrechnet.
Der Preis des Gases zum Betriebe von Gas- kraftmaschinen, sowie für alle übrigen, nicht der Beleuchtung dienenden Zwecke(zum Kochen, Heizen und für gewerbliche Zwecke aller Art), war gleichfalls vom 1. April 1894 ab, ohne Gewährung von Rabatt, von 16% auf 15% für 1 Kbm. widerruflich ermäßigt, sofern ein besonderer Gasmesser hierfür eingestellt und den weiteren, hierauf bezüglichen Bedingungen entsprochen wird, nach welchen insbesondere die für solche Zwecke erforderlichen Gasleitungen und Veränderungen nur durch unser Gas⸗ werk gefertigt werden dürfen und die Gaskraftmaschinen außer mit Gummibeuteln noch mit Druckreglern zu ver⸗ sehen sind.
Ferner wurde beschlossen, vom gleichen Zeitpunkte ab die monatliche Miete für zu leihende Gasmesser zu er⸗ mäßigen, wie folgt:
für g⸗flammige Gasmesser von 735 auf 25
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um den Heizgas verbrauch in Küchen und Baderäumen zu fördern, wurde durch Stadtverordneten⸗ Beschluß vom 13. Februar 1896 denjenigen Konsumenten von Helzgas in Küchen und Baderäumen, in welchen Heizgas in angemessener Menge verbraucht wird, die An⸗ lage und Benutzung von bis zu zwei Leuchtgasflammen aus der Heizgasleitung gestattet. b
Das städtische Gasrohrnetz erfuhr auch im Be⸗ triebsjahr 1895/96 wieder eine Ausdehnung bezw. Verstärkung und Erneuerung und war nach Abzug der herausgenommenen Rohre noch ein Gesamtzuwachs des Gasrohrnetzes um 1178 Meter zu verzeichnen. Die Ge⸗ samtlänge aller Hauptröhren betrug am 1. April 1896 31 770 Meter.
überschuß von 42 504, 3 5 c gegen 38 946 J, 47& im Vorjahre.
das Gaswerk 465 861, 99&.
Lokales und Provinzielles.
macht bekannt, daß das erste Bataillon des In⸗ fanterie⸗Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116
Das städtische Gaswerk erzielte einen Betriebs⸗
Der Schuldenstand betrug am 31. März 1896 für
* Gießen, 13. Januar. Das Kreisamt
Donnerstag den 14. Januar,
Freitag„
Samstag„ 16.„
jedesmal von Vormittags 9½ bis Nachmittags 2½% Uhr,
Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände zwischen Alten-Buseck—Großen⸗ Buseck, Beuern, Climbach, Treis a. d. Lda.— Mainzlar und Daubringen abhalten wird. Das gefährdete Gelände ist mit Posten abgesperrt und wird vor Betreten desselben gewarnt. Die Straßen Treis a. Eda.— Mainzlar—Daub⸗ ringen—Alten⸗Buseck—Großen⸗Buseck—Beuern und Allertshausen sind ungefährdet.
* Gießen, 12. Januar. Man schreibt uns: In einzelnen Manufakturwaaren-Ge⸗ schäften herrscht die Geflogenheit, Stoffe im Erker auszulegen mit der Preisbezeichnung für die El le, ohne aber dieses besonders anzugeben. Da das übliche Längemaß das Meter ist, so kann dadurch bei den die Schaufenster mustern⸗ den Kunden leicht der Irrtum erregt werden, als ob die betreffenden Geschäftsleute ihre Waaren besonders billig verkaufen und mancher wird vielleicht, durch diese Täuschung angelockt, bewogen, den Laden der betreffenden Händler zu betreten, um einen Einkauf zu machen. Hinterher besehen, macht man aber die Wahr⸗ nehmung, daß man nichts geschenkt erhalten hat. Der Vorstand des Detaillistenvereins hat nun beschlossen, da eine derartige Handlungsweise geeignet ist,„gegen Treu und Glauben“ zu ver⸗ stoßen, gegen diesen Uebelstand anzukämpfen.
S. Gießen, 12. Januar.(Strafkammer⸗ sitzung.) Wegen fahrlässiger Tötung hatten sich heute der 51 Jahre alte Obersteiger Karl Schuhmann von Nieder⸗Ohmen, sowie der 45 Jahre alte Steiger Johannes Schultheis von Stangenrod vor der Strafkammer zu verantworten. Am 7. März vorigen Jahres wurde in der Grube„Ernstine“ der Bergarbeiter Böck ver⸗ schüttet und fand dabei den Tod. Die Anklage lautet dahin, daß die Angeklagten nicht die nötigen Vorschrifts⸗ maßregeln in Bezug auf die Verhütung von Unfällen in Anwendung gebracht hätten. Der Angeklagte Schuhmann erklärt: Die Felswand sei immer ungefähr in einem Winkel von 600 abgelöscht worden. Es sei nicht festzu⸗ stellen und ihm unbegreiflich, wie das Unglück entstanden sei. Er selbst sei am fragl. Tage nicht anwesend ge⸗ wesen. Jedenfalls müsse eine Abrutschung stattgefunden haben.— Der Angeklagte Schultheis will 10 Minuten vor dem Unfall an der fragl. Stelle gewesen sein und keinen Riß oder dergleichen bemerkt haben.— Es wird darauf festgestellt, daß in den letzten vier Jahren durch Einstürzung der Wände in derselben Grube schon ungefähr zwölf Unglücksfälle vorgekommen sind. Auf Befragen erklärt Schultheis weiter, es seien in dem Schacht keine Frostwände vorhanden gewesen, auch könne man nicht annehmen, daß durch die vorherigen Regen⸗
—
„Mundloch gestanden.
güsse der Felsblock gelöst worden sei.— Bergmann Heinrich Bort hat am fragl. Tage mit Böck zusammen ge⸗ arbeitet, er erklärt, Böck hätte am Ausgang des Stollen Sie hätten beide mehrere Wagen geladen. In dem Moment, wo er sich gebeugt habe, um einen Wagen anzuschieben, sei ein Teil der Masse auf ihn gefallen und habe ihn niedergerissen. Von Böck habe er nach diesem Vorfall keine Spur mehr gesehen. Verdäch⸗ tiges sei von ihm vorher nicht bemerkt worden, auch sei die Erzmasse von gleicher Beschaffenheit wie sonst und in ziemlich trockenem Zustand gewesen. Der Stollen sei nach hinten verbaut gewesen, nach vorn jedoch nicht, weil dies nicht notwendig sel.— Arbeiter Heinrich Bohl war auch in der Nähe der fragl. Stelle während des Un⸗ glücksfalles. Er hat nichts verdächtiges bemerkt.— Es kommt sodann das Protokoll des verstorbenen Bergrat Ziegler zur Verlesung, welcher am 13. März 1896 eine Besichtigung der Unglücksstätte vornahm. Es heißt in dem Protokoll, die Wand sei ziemlich senkrecht gewesen, jedoch habe man an der Sole erkennen können, daß früher die Böschung ungefähr 90% betragen habe.
das Unglück verschuldet, sei nicht festzustellen. der ganzeu Sache sel leichtfertig gearbeitet worden. Ob⸗ gleich Nordmayer der Bergbehörde gegenüber verantwort⸗
bestätigt, daß die Masse ganz trocken gewesen sei.
gewesen sein.
feucht gewesen sein, dieselbe. Auch sei, soviel er noch gesehen, unterminiert gewesen.
keine Arbeiter schickt. Schultheis gewesen, die Sache zu prüfen.
für die Angeklagten.
klagten das beste Zeugnis aus.
einverstanden erklären.
der Angeklagten. Strafe und Kosten frei.
* Gießen, 13. Jan.
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Ob und wer Nach Lage
licher Betriebsleiter sei, habe dieser nie etwas von Ver⸗ antwortlichkeit wissen wollen.— Zeuge Heinrich Stie hlen
Er wäre noch eine Viertelstunde vor dem Unfall an der fraglichen Stelle gewesen und habe nichts Verdächtiges wahrgenommen.— Zeuge Ludwig Hennrich besichtigte am 4. Mai die Grube, zu welcher Zeit noch keine Aende⸗ rung der Wand seit dem Unglücksfall vorgenommen war. Die damalige Böschung habe 69“ betragen. Auch habe er noch einen Teil der früheren, eingestürzten Wand vor⸗ gefunden, deren Böschungswinkel 45% betragen habe.— Bergwerksdirektor Nord mayer meint, es müsse ein Riß, den man jedoch nicht wahrgenommen habe, in der Wand Wie das Unglück entstanden, wäre ihm noch unbegreiflich. Es sei stets nach bergmännischer Art verfahren worden. Mit Herrn Bergrat Ziegler sei er fast gar nicht in Berührung gekommen; derselbe sei ihm stets aus dem Wege gegangen, weshalb wisse er nicht. Auf Befragen sagt der Zeuge weiter aus, daß durch Regen⸗ wetter durchaus nicht das Unglück habe entstehen können, da der Regen höchstens 10 Centimeter in die Erde ein⸗ gedrungen sei.— Sachverständiger Pascoe erklärt, er sei nach dem Unglück an der fraglichen Stelle gewesen, es habe dort gefährlich ausgesehen. Die Erzmasse müsse denn jede Witterung beeinträchtige der Stollen Als Bergleute hätten die Ange⸗ klagten wissen müssen, daß man an solch gefährliche Stellen Es sei Pflicht des Angeklagten Die übrigen Aussagen des Sachverständigen ergeben viel Belastendes Auf eindringliches Befragen seitens des Verteidigers erklärt Pascoe weiter, eine andere Ursache als die von ihm erwähnte könne ja wohl möglich sein, seine Aussagen seien nur seine Ansicht.— Der Sach⸗ verständige Diehl war vor 11 Jahren als Betriebsleiter auf der Grube„Ernstine“ thätig und stellt den Ange⸗ Mit den Ausführungen des Sachverständigen Pascoe kann er sich durchaus nicht Daß ein solcher Vorfall durch die Witterung hervorgerufen werden könne, sei ihm undenkbar. Der Staatsanwalt beantragt mit Bezugnahme auf das Gutachten des Sachverständigen Pascoe die Verurteilung Das Gericht spricht dieselben von
Ein Karnevals⸗ scherz war die Veranlassung zu einem Menschen⸗ auflauf, der sich, wie uns mitgeteilt wird, gestern
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Abend in der Wallthorstraße abspielte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, daß in einem dortigen Metzgergeschäft ein„Einbruch“ verübt sei. Der„Einbrecher“ hatte sich in der
edition: Kreuzplatz Nr. 4.
Schlafkammer des Dienstmädchens„versteckt“
gehalten, wurde aber von dem Mädchen, als dieses zu Bette gehen wollte,„entdeckt“. Man eilte sofort zur Polizei, und bald erschienen Schutzleute, die mit noch einigen beherzten und gut bewaffneten Männern dem„Bösewicht“ zu Leibe rückten. Währenddem hatten die Haus⸗ bewohner alle Thüren abgeschlossen und schleunigst bei der sich auf der Straße ansammelnden Menschenmenge Schutz gesucht. Der„Einbrecher“ war bald„überwältigt“, denn schon nach den ersten Axthieben erkannte man einen in alte Kleidungsstücke gestopften— Stroh mann. Die Metzgerburschen hatten sich mit dem Dienstmädchen einen Scherz erlaubt.
* Gießen, 13. Januar. In betreffs der Handelskammer wahl ist infolge deren An⸗ fechtung vom Großh. Ministerium beim Wahl⸗ kommissar, Kommerzienrat Gail, heute folgender Entscheid eingetroffen: Die Wahl von Balser und Kraatz ist für gültig erklärt, dagegen zwischen Homberger und Katz Stich⸗ wahl oder Losentsche id angeordnet. Das Ministerium ist von der Ansicht ausgegangen, daß die für Kraatz abgegebenen Zettel ebenfalls für das frühere Kammermitglied abgegeben seien, da die Wähler dessen Sohn nicht gemeint haben können.
E. Klein⸗Linden, 13. Januar. Gestern Nachmittag wurde der Bahnarbeiter Karl Reuschling und dessen 69 jähr. Schwieger⸗ mutter durch Herrn Kriminalschutzmann Weiß aus Gießen verhaftet. Beide sollen sich des Sittlichkeitsverbrechens aus§ 173, Abs. 2 des St.⸗G.⸗B. schuldig gemacht haben.
* Großen⸗Buseck, 13. Jan. Vor einigen Tagen schlachtete der hiesige Handelsmann Walldorf eine Kuh und verkaufte das Fleisch an zahlreiche Bewohner unseres Dorfes. Zu den Abnehmern gehörte auch der Gemeinde⸗ Bullenhalter, Wilhelm Dörr, dem aber das Fleisch verdächtig vorkam und dieserhalb den Verkäufer zur Rede stellte. Letzterer berief sich auf den Fleischbeschauer und erklärte, „das Fleisch ist so klar, wies Wasser an der Quell!“ Wie„klar“ das Fleisch war, ergab sich, als Dörr dasselbe im Schlachthause zu Gießen untersuchen ließ. Herr Schlachthaus⸗ tierarzt Dr. Liebe bezeichnete das Fleisch als völlig ungenießbar, da es von einem tuberkulösen Tiere stammte und mit Schwindsuchtsknoten durchsetzt war.— Die Behörde hat sich bereits für den Vorfall in⸗ teressiert.
* Aus der Wetterau, 11. Jan. Kaum ist das Geschäft mit dem Mästen und Verkaufen der fetten Gäuse, das in manchen Teilen der Wetterau sehr schwunghaft betrieben wird, eben beendet, so beginnt man schon wieder mit der Zucht der jungen Gänse. Um recht früh flügge Gänse zu erhalten, läßt man nicht die Leggans ihre Eier ausbrüten, sondern legt die Gänseeier, noch ehe die Gans das Leggeschäft beendet hat,
—..—
——————— Der Vogel im Käfig. Von Maurus 36 kai.(Autorisiert.)
(Deutsch von Sandor Särost.) (Nachdruck verboten.)
Auf der Terrasse des Badehauses in O'Ladamy war ein Teleskop aufgestellt, das es dem an Ge⸗ nüssen unersättlichen Badepablikum ermöglichte, sich
den Details des landschaftlichen Panoramas zu er— c Denn außer diesem Panorama und dem Teleskop wäre in O'Ladamy kaum ein anderer
götzen. Genuß vorhanden gewesen. Csasö,
Luft atmete. Der Badearzt,
Diese Beobachtung hatte auch der Abgeordnete
ant, der von den Strapazen der Parla⸗ mentssession hier Erholung suchte und bereits seit achtundvierzig Stunden die O'Ladamyer würzige
der neben Csak am Teleskop
„Ach so, jenes Häuschen dort meinen Sie? Und das nennen Sie ein Palais?“ Bewohnte es zufällig ein Pfaidler, dann hieße dies„Palais“ sicherlich eine Sommervilla!“
„Sehen Sie das Adelswappen über dem Thor?“
„Blos einen Wagen sehe ich vor der Einfahrt.“
„Es scheint, die Herrschaften fahren aus.“
„Haben die aber gut genährte Pferde! Meiner Treu, die reinsten Dickbäucher!“
„Schauen Sie hin, Sie Spötter, gerade passiert der alte Herr die Treppe.“
„Er hat ein bissiges Gesicht, wie ein Nuß⸗ knacker.—“
„Die alte Dame, die ihn stützt, ist die Frau Gräfin.“ 5
„Sie streckt die Hände aus— offenbar, um zu sehen, ob es regnet, während doch das Firmament ganz blau ist, und hellster Sonnenschein glänzt.“
stand, hatte auf Grund des häufigen Gähnens seines daß an Csakô be⸗ reits die Symptome der spezifischen Krankheit des Badeortes, der Langweile, wahrnehmbar seien, und er war deshalb lebhaft bemüht, dem Kranken durch Verabreichung von landwirtschaftlichen Injektionen
Patienten die Diagnose gestellt,
über seinen Zustand hinweg zu helfen.
„Sehen Sie das Palais dort auf der Bergspitze?“ „Nicht den Schatten eines Palais, lieber Doktor“,
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versicherte Csalo ärgerlich.
„Unglaublich! So schauen Sie doch nur hin— . N Das Palais mit dem
dun Kupferdach! Der Sommersitz der Grafen *
direkt Ihnen
genüber.
adamy!“
Plötzlich schwieg der Abgeordnete, er legte seinen Zeigefinger aufs Auge, damit er mit dem rechten um so gespannter in das Teleskop blicken könne.
die als Dritte in den Landauer einstieg. ein typisch aristokratisches Aussehen. lang an ihr. Hollunderzweig.
Rolle gespielt hat?“
Auf der Terrasse der Ladamy'schen Villa war eine schwarz gekleidete, schlanke, blonde Dame erschienen, Sie hatte Alles war Das Gesicht, die Gestalt, die Hände; dabei war sie reizend und blühend, wie ein junger
„Ist das derselbe Ladamy, der in Rußland eine
„Hatte der alte Herr auch einen Sohn.“ „Er starb vor zwei Jahren.“ „Und wer ist die junge Dame?“
Kennen Sie sie, Herr Abgeordneter?“
hatte er wiederum etwas zu fragen: „Wohnt die Witwe bei den Ladamyschen?“
Me „Also Eifersucht übers Grab hinaus.“
Friedhof. Schutzengel der Armen.
nicht aus der Gesellschaft war?“
Esäko antwortete nicht, sondern blickte auf die Uhr. „Wohin pflegen die Ladamy'schen zu fahren?“
„Täglich bis zum Försterhaus.“ „Auf Wiedersehen, Herr Doktor.“
zufrieden. bereits überstanden hatte.
brennen werde.
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„Sie ist die Witwe des verewigten Grafen.
„Flüchtig“, entgegnete Csäkö. Nach einiger Zeit
„Jawohl, ver verstorbene Graf hat seine Witwe den Nutzgenuß auf seinen Gütern unter der Be⸗ dingung testamentarisch vermacht, daß sie niemals heiratet und im Hause seiner Eltern wohnhaft
Die junge Gräfin lebt jetzt sehr zurückgezogen, man sieht sie eigentlich nur in der Kirche und am Sie ist, wie man sagt, ein wahrer . Sie erinnern sich wohl noch, Herr Abgeordneter, daß der alte Graf seiner⸗ zeit gegen die Ehe heftig opponierte, weil die Braut
Cfäako entfernte sich, der Arzt hingegen schmunzelte Er konstatierte mit Befriedigung, daß sein Patient die Krise der O'vadamyer Langeweile Jetzt brauchte er sich nicht mehr zu ängstigen, daß ihm Csaäkô durch⸗
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Die beiden wohlgenährten Pferde trabten in⸗ zwischen gemütlich auf der zum Försterhaus führen⸗ den Straße. Die Gräfin blickte unter ihren ge⸗ runzelten Brauen streng auf die rechtsseitigen Bäume, der Graf stumm auf die linksseitigen, als wenn sie eine militärische Revue abgehalten hätten. Die armen Eichen standen kerzengerade und trauten sich nicht, die geringste Bewegung zu machen.
Schließlich hatte die Gräfin, da sie am Walde
Irma gelenkt, die ihr gegenüber saß. An ihr fand fie bereits mancherlei zu bemängeln. „Du trägst graue Handschuhe Irma.“ „Jawohl Mama.“
passen.
„Jawohl Mama.“
„Ganz recht. Der Hut mit dem schwarzen Schleier paßt besser“, bekräftigte der Graf.
Verewigte verdient es, daß Du ihn nicht nur im Herzen betrauerst, sondern Deinen Schmerz auch äußerlich kenntlich machst. Du bleibst seine Witwe
Sinn.“ „Jawohl Mama.“ (Fortsetzung folgt.)
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nichts zu rügen hatte, ihren Blick auf Gräfin
An Stelle des Federhutes aber dürfte der Hut mit dem schwarzen Schleier gleichfalls besser
„Jawohl Papa.“ 1 „Ich glaube“, sagte später die alte Frau,„der
Dein lebenlang, die Welt hat Dich demnach nichts mehr zu kümmern, der Putz hat deshalb keinen
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