Ausgabe 
13.5.1897
 
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Gießen, Donnerstag, den 13. Mai

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

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Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

5 eee Lokales und Provinzielles.

Gießen, 12. Mai. Ernannt wurden:

1. die Finanzaccessisten Ludwig Buttron aus Hungen und Albrecht Offenbächer aus Selln rod zu Steuerassessoren; 2. der Forstaccessist Eduard Neuschäffer aus Darmstadt zum Forstassessor; 3. die Regierungsbauführer Joh. Funk aus Wendelsheim, Hermann Gombel aus Gonterskirchen, Friedrich Jacob aus Darmstadt, Eugen Priester aus Frankfurt a. M. und Karl Scheuermann aus Darmstadt zu Regierungsbaumeistern. Gießen, 12. Mai. Der Dienstmann Wil hel m Heil feiert morgen Donnerstag sein 30 jähriges Berufsjubiläum. Ununter⸗ brochen hat der Jubilar während dieser Zeit seines Dienstes gewaltet, das Vertrauen, das seine Auftraggeber in ihn setzten, stets zu wahren gewußt und von allen, die ihn kennen, die größte Achtung genossen. Möge er noch recht lange seinem Berufe nachgehen können.

* Gießen, 12. Mai.(Von der Kunst⸗ ausstellung am Brand.) Unsere Kunst⸗ Ausstellung bietet nach dem letzten Bilderwechsel wieder so viel des Guten und Schönen, daß es für den Kunstfreund wirklich lohnt, dort einen Besuch zu machen. Unter den vielen Gemälden, welche das Interesse des Kenners in Anspruch

nehmen, nennen wir zunächst Röchlings Appell im Manöver. Ein nicht minder gut gemaltes Bild istEinquartierung, womit

Pitzner⸗München die Ausstellung beschickt hat. Sehr schöne Marine-Bilder hat Pedro Muth⸗ Worms zur Ausstellung gebracht, denen sich die

herschiedenen Stillleben von Georgine Nulm⸗ Karlsruhe, Karoline Kubin-Wien, Johanna Engler⸗Pfortzheim anschließen. Unser

igle würdi Mitbürger Otto Fritz hat ein Gemälde aus⸗ gestellt, welches ein üppiges Getreidefeld der Wetterau vergegenwärtigt, das durch eine an⸗ mutige Landschöne belebt wird. Herr Fritz, dessen, Spezialität die Porträtmalerei ist, hat auch in diesem Genre die Ausstellung um mehrere Piessen bereichert. Es fallen dessen Blondköpf⸗ chen in ihrer Lieblichkeit jedem Besucher der Ausstellung vorteilhaft auf. Auch ein aus⸗ gestelltes Porträt in Kreide⸗Ausführung desselben Malers wirkt auf den Beschauer lebendig und erregt das berechtigte Interesse der Ausstellungs⸗ besucher. Auch den Freunden der Tierwelt ist Rechnung getragen. Die Katzenfamilie von Emma Horlacher⸗Stuttgart, Bussarde von Clara Werner⸗Naumburg, Landschaft mit Kühen von Franz Hochmann⸗Dresden sind Tierstücke, die nicht alltäglich sind. Eine sehr wirkungsvolle Farbenstudie ist von Julius Fehr⸗München in sseinem Kasperletheater ausgestellt, wobei besonders die zuschauenden Kinder recht packend auf die Leinwand geworfen sind.

Gießen, 11. Mai.(Viehmarkt.) Der gestrige, nach sechs Monaten wieder der erste Gießener Viehmarkt, war von Käufern gut besucht. Der Auftrieb bestand aus 400450 Kühen und 100120 Kälbern, fette Rinder waren nur wenige Exemplare am Markt. Ge⸗ sucht und sehr gut bezahlt wurden schwere Milch⸗ kühe. Die erzielten Preise waren für alle Vieh⸗ gattungen gute. Es wurden verkauft: Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität 350 bis 400, 2. Qualität 250- 300 Kl, 3. Qualität

e nach Wert. Kälber 1. Qualität wurden ge⸗

handelt mit 60, geringere Ware mit 54 bis 56. pro 100 Pfund Schlachtgewicht. Rinder 1. Qualität waren nicht am Markt, geringere Ware wurde mit 5256, pro 100 Pfund Schlachtgewicht bezahlt. Der Markt wurde bis auf wenige Stück geräumt.

Gießen, 12. Mai.(Strafkammer.) Eine Gesellschaft aus dem dunklen Frankfurt, lauterschwere Inngen, hatten im Oktober vorigen Jahres unserem Gießen einen dreitägigen Besuch abgestattet, Lützelberger, Witzel und Scheuer. Die beiden Ersteren sind bei der Kriminalpolizei ihrer Heimat als Spezialisten im Fache des Einsteigens bekannt. Scheuer, der dasselbe Metier betreibt, spielt, wenn er gefaßt wird, gern denwilden Mann. In der Be gleitung des dreiblättrigen Kleeblattes befand sich eine Prostituierte, die Witwe des sogenannten Klavier⸗Paul aus Frankfurt. Die Gesellschaft hatte sich unter falschen Namen in einem Gast⸗ hause der Bahnhofstraße einlogiert, wo man sie für Schauspieler hielt. Am 29. Oktober v. J. wurde in der Villa Burg in der Ost-Anlage abends zwischen 7 und 8 Uhr mittels Einsteigens durch das offenstehende Fenster gestohlen. Das Dienstmädchen hatte einen Mann im Hause ge⸗ sehen, der einen ganzen Arm voll Kleider tragend die Treppe herunter kam und, in ein Zimmer tretend, durch das Fenster das weite suchte. Im Gesicht hat das Mädchen den Fremden jedoch nicht sehen können, wohl aber fiel ihr dessen schleppender Gang auf. Die Meldung des Dienstboten vom Geschehenen bei der Herr schaft setzte diese in Bewegung. Man stellte denselben Abend fest, daß zwei Havelocks, ein Winterüberzieher und ein Damenregenmantel verschwunden war. Der Thätigkeit des Krimi⸗ nalwachtmeisters Schmidt-Frankfurt ist es zu danken, daß man wenigstens einen der Diebe dingfest machen konnte, nämlich Hch. Lützelberger. Der Beamte in Frankfurt hatte das Ausschreiben wegen des in Gießen vorgekommenen Diebstahls gelesen, er hielt, wie er gestern als Zeuge ver⸗ nommen erklärte, Musterung unter seinen Leuten und erfuhr auch, daß Lützelberger, Witzel und Scheuer um die fragliche Zeit in Gießen gewesen seien. Scheuer sei jedoch am Abend der That schon wieder in Frankfurt gewesen und Witzels Aufenthalt war nicht zu ermitteln. Derselbe ist vermutlich ins Ausland gegangen und hat wahr- scheinlich des Klavier⸗-Pauls Witwe mitgenommen. Der Beamte ermittelte auch, daß Witzels Braut, eben jene Witwe, einen Regenmantel zu verkaufen versucht hatte, und als ihr dies nicht gelang, hat sie denselben verschenkt. Dieser Mantel wurde mit Beschlag belegt und nach Gießen ge sandt, wo konstatiert wurde, daß es der bei Burgs gestohlene war. Nun wurde Lützelberger in Haft genommen, der aber den Diebstahl seinem Freunde Witzel in die Schuhe schob. Er habe zwar an der Ost⸗Anlage diesen getroffen, als er mit den Kleidern aus dem Hause kam, demselben auch aus der Stadt einen Bogen Packpapier besorgt, in welchen der Raub verpackt wurde. Er gesteht auch zu, das Kleiderpacket dem Portier der Bahnhöfe zur Aufbewahrung übergeben zu haben. Er habe aber weder gewußt, daß die Kleider gestohlen waren, noch habe er irgendwie bei dem Raube geholfen. Zwar habe er auch vom Erlös des Raubes 4 bekommen, jedoch sei dies nur eine Abschlagszahlung für ein Dar⸗ lehen gewesen, das er Witzel gegeben habe. Es

Ein Zauberer. Von E. Merk. (Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.)

Ein dummer Mensch! flüstert Tiny euttäuscht der Freundin zu.

Sieh nur, wie die alte Jungfer rot wird, weil der schüchterne Jüngling ein paar Worte mit ihr spricht! spottet diese.

Ein paar Kartenkunststücke machen nun den An⸗ ang. Dann wird aus einem anscheinend leeren Tylinder eine Kanonenkugel herausgezaubert; aus dem Strohhut eines Herrn zieht der Hexenmeister unzählige bunte Papierstreifen, zuletzt einige Bou guetchen für die Damen hervor. Wasser wird in Bier verwandelt, ein Taschentuch zerschnitten und vennoch als tadellos herumgezeigt, ein ausgebetener Dandschuh dunkelrot gefärbt und darauf wieder als wohl erhaltener grauer Glacéè dem Besitzer zurück⸗ lestellt; ein Fünfmarkschein, wie oft mag er der

linzige Besitz des armen Teufels gewesen sein,

scheint auf einem Teller in Flammen aufzugehen und wird plötzlich in einer großen Wälschnuß wieder

diefunden und mit ähnlichen Ueberraschungen geht die Vorstellung weiter.

Das Küchen⸗Personal, ein paar Bauern stehen

staunend an der Thüre, in vergnügter Bewunderung; die Städter lächeln gnädig; ihnen sind die Kunst stücke nicht neu; selbst ein zehnjähriger Junge be merkt altklug:

Kenne ich alles schon von dem Kinderball im vorigen Winter!

Die beiden Kollegen aus dem Lehrfach sind keine blasierten Großstadtkinder. Sie amüsieren sich. Hubert fühlt eine gewisse, dankbare Rührung für das arme, alte Männlein, das ihm endlich die er sehnte Gelegenheit verschafft, mit dem stillen Fräu lein zu plaudern, das sonst so viel rascher aus dem Speisesaal verschwunden war, als er den Mut zu einer Anrede gefunden.

Mit einem komischen Bückling tritt der Taschen⸗ künstler an das Tisch⸗Ende und bittet die Herr schaften um zwei Ringe. Tiny schaut auf den blitzenden Smaragd an ihrem Finger und wirft dann einen zögernden Blick zu dem Papa hinauf; es schien ihr doch etwas bedenklich die gefällige Lehrerin aber hat bereits ihr bescheidenes Reiflein abgezogen und begegnet der Hand ihres Nachbarn, der auch bereitwillig seinen Siegelring auf den dar gebotenen Teller legt.

Die Ringe wandern in eine geheimnisvolle Schatulle, aus der sie auf rätselhafte Weise wieder verschwinden und kommen endlich in einer Flasche

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

wurde aber konstatiert, daß Lützelberger, der ge lernter Dachdecker ist, einen anffallenden Gang hat. Er behauptet zwar, auch Witzel hinke ein wenig. Man hatte, um dieses festzustellen, mehrere Damen aus der Kornblumengasse von Frankfurt geladen, die zwar den Witzel kannten, von einem Hinken desselben aber nichts wußten. Auch der Kriminalbeamte Schmidt bezeugte, daß Witzel einen normalen Gang habe. Der Ge richtshof verurteilte den Angeklagten wegen Einbruchsdiebstahls im Rückfalle unter Ver⸗ sagung mildernder Umstände zu 4 Jahre Zucht haus 5 Jahre Ehrverlust und Zulässigkeit von

Polizeiaufsicht. Die Staatsbehörde hatte fünf Jahre Zuchthaus beantragt. -d. Gießen, 11. Mai.(Schöffenge⸗

richtssitzung.) In der Bierlaune zertrüm⸗ merten am 29. März d. J. die Maschinenbauer August Guntrum und Heinrich Schraner eine Laterne in der Ludwigstraße, weshalb sie heute zu je 25. Geldstrafe event. 5 Tage Ge⸗ fängnis verurteilt wurden. Wegen groben Un⸗ fugs und Sachbeschädigung wurde der Commis

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Karl Wahl zu 10 ¼ Geldstrafe event. zwei Tage Gefängnis, die Schreiber Karl Haus und Wilhelm Weisel, sowie der Spengler Hugo Herbert zu je 30. Geldstrafe event. sechs Tage Gefängnis, der Commis Hermann Gröninger von Griesheim zu 50. Geld⸗ strafe event. 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Von der Beschuldigung der Ruhestörung wurden sämtliche Angeklagten freigesprochen.

* Gießen, 12. Mai. Unser gestriger Bericht über Professor Kretschmar war derDarmst. Ztg. entnommen. Die Angabe der Quelle ist gestern durch ein Versehen in der Druckerei unterblieben.

* Leihgestern, 12. Mai. In einer hiesigen Familie kam es gestern zwischen Vater und Sohn zu einem Streit, der so heftig wurde, daß letzterer seinem Gegner nicht unerhebliche Ver⸗ letzungen am Kopfe beibrachte.

* Bad Nauheim, 10. Mai. Einen etwas rätselhaften Tod fand Franz Steinle aus Baden-Baden, der vor einigen Tagen im Hotel Bellevue als Kocheleve eingetreten war; man fand seine zerschmetterte Leiche heute früh in dem Hofe des Gasthofs. Offenbar war er die Nacht von seinem Schlafzimmer im vierten Stock in den Hof gestürzt, ob durch Zufall oder infolge eines selbstmörderischen Entschlusses, wurde nicht

völlig aufgeklärt. Für beide Unterstellungen liegen Anhaltspunkte vor. f * Nidda, 11. Mai. Die sehr kühlen Nächte

letzter Zeit haben bislang nicht geschadet. Die Frucht, die sehr mastig geworden war, ist im Aufschießen etwas gehindert worden, und ist die Gefahr des Lagerns, abgesehen von ganz fettem Boden, abgewendet. Die Apfelbäume beginnen eben zu blühen und bieten sowohl durch Blüten⸗ fülle als durch Blütenreinheit einen prachtvollen Anblick. Die Wiesen zeigen einen üppigen Gras⸗ wuchs. Mit dem Legen der Kartoffeln ist man noch nicht zu Ende.

* Ober ⸗Widdersheim, 11. Mai. Vor einigen Tagen ereignete sich in dem nahe bei unserem Orte gelegenen Steinbruch ein schwerer Unglücksfall. Drei Männer standen in dem Bruch, andere, die Steine holen wollten, er⸗ wartend, als plötzlich ohne irgend welche Ver⸗ anlassung von oben eine losgelöste Steinmasse

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

schnell, obwohl von den Steinen gestreift und leicht verletzt, der Gefahr zu entgehen; einer dagegen, der Sohn des Polizeidieners Kammer von hier, blieb zerschmettert liegen und war auf der Stelle tot.

* Darmstadt, 12. Mai. Das großherzogl. Ministerium der Finanzen veröffentlicht den für

das Rechnungsjahr 1897/98 zu erhebenden Steueranschlag für das Großherzogtum Hessen. Im ganzen sollen 10 018 174,08.

Steuern erhoben werden und zwar 1024 206,90 Mark Gewerbesteuern, 3 163 770,54, Grund⸗ steuern, 433 522,26. Kapitalrentensteuern und 5 396 674,38. Einkommensteuern.

* Darmstadt, 11. Mai. Der zur Abur⸗ teilung des Grafen Leiningen zu Ilben⸗ stadt zusammentretende Standesgerichtshof wird sich bei seinen Beratungen zunächst mit der Frage zu befassen haben, ob der Graf als Standesherr im Sinne des Artikels 15 des hessischen Gesetzes vom 18. Juli 1858 erscheint und damit der Austrägalgerichtsbarkeit unter⸗ steht. Die gleiche Frage ist vor einigen Jahren in der 1. Kammer der Landstände zur Sprache gebracht, als der genannte Graf den ihm als Haupt einer standesherrlichen Familie zustehenden Sitz in der 1. Ständekammer ein⸗ nehmen wollte. In einem von dem früheren Staatsminister von Starck namens des Aus⸗ schusses der 1. Kammer erstatteten Bericht wurde die Standesherrenqualität des Grafen Leiningen damals verneint. Würde das Standesgericht diese Ansicht teilen, so würde die Strafkammer des Landgerichts der Provinz Oberhessen zur Aburteilung der Strafthat berufen erscheinen.

* Mainz, 11. Mai. Im Dezember wurde der in guten Verhältnissen lebende Zimmermeister Georg Uhrig in Worms bei einem Dieb⸗ stahl ertappt. Bei der vorgenommenen Haus⸗ fach fand man in seinem Hause große Vor⸗ räte aller denkbaren Waren aufgestapelt, die er in einer Reihe von Jahren aus vielen Geschäften zusammengestohlen hatte. Auch Einbruchsdieb⸗ stähle vermittels falscher Schlüssel hat Uhrig ausgeführt. Niemand vermutete hinter dem ge⸗ achteten Geschäftsmann den Verbrecher, weshalb dieser sein dunkles Handwerk so lange treiben konnte. Der Angeklagte war gestern vor dem Landgericht geständig und suchte seine Hand⸗ lungsweise durch einen unwiderstehlichen Drang zu rechtfertigen. Die Strafkammer verurteilte ihn wegen schweren Diebstahls zu vier Jahren Zuchthaus; seine mitangeklagte Ehefrau Katha⸗ rina wurde wegen Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

* Bingen, 10. Mai. Ein junger Mann aus Ludwigshafen unterhielt gegen den Wunsch der Eltern mit einem dortigen Mädchen, der Tochter eines Wirtes, ein Liebesverhältnis. Sie verließen am letzten Dienstag Ludwigshafen mit dem Vorsatz, gemeinsam in den Tod zu gehen, logierten in Worms und Mainz, machten in letzterer Stadt den ersten Mord⸗ und Selbst⸗ mordversuch, welcher mißglückte. Gestern kamen die jungen Leute hierher, wohnten in einem Gasthause, woselbst heute Morgen der Liebhaber seiner noch zu Bett liegenden Begleiterin einen scharfen Schuß in die linke Brust feuerte und hierauf einen solchen auf sich selbst abgab. Beide Verletzungen sind nicht lebensgefährlich. Das Mädchen lief hierauf in der Absicht, sich in den Rhein zu stürzen, fort, wurde jedoch ergriffen

herabprasselte. Zwei Männern gelang es, noch

zum Vorschein. Mit einem Kratzfuß bringt sie der Taschenspieler den Besitzern zurück. Etwas ver⸗ legen, vor den auf sie gerichteten Augen, greifen sie darnach und so kommt's, daß an ihrem schlanken Zeigefinger sein massiver Siegelring baumelt und er sich einen Moment lang bemüht, den feinen Reif mit den blauen Steinchen, die ein Vergißmeinnicht bilden, über seinen Knöchel zu ziehen.

Lachend, beide mit heißen Wangen bemerken sie die Verwechslung. Mit einem weichen Glanz in den Augen schaut er auf ihr Ringlein an seiner Hand. Wie ein süßer Aberglaube überkommt es ihn. Wie ein leises, feines Grüßen des Glücks.

Er hat plötzlich den Mut, ihr selbst den Reif an den Finger zu schieben. Immer lebhafter sprechen sie nun miteinander, als wäre plötzlich eine Mauer zwischen ihnen niederstürzt; sie müssen flüstern, die Gesichter zu einander neigen um den Vortrag des Taschenspielers nicht zu stören, der nun, um als poetischer Clown die Pause auszu füllen ein Dialekt⸗Gedicht recitiert, das niemand versteht.

Endlich hat der traurigeKünstler sein Pensum erledigt und kann sich mit dem Teller in der Hand den Lohn holen. Hubert legt ein schweres Goldstück nieder; er hätte denZauberer obendrein noch umarmen mögen, so vergnügt ist's

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ihm zu Mute. Die Lehrerin aber sieht erschrocken

nach der Uhr. Halb elf! Wie die Zeit vergangen ist! Und hastig zündet sie ihr Laternchen an. Hubert macht ungeschickte Versuche ihr in den Mantel zu helfen und stammelt endlich mit einem kühnen Entschluß: Darf ich Sie vielleicht begleiten, Fräulein? Es ist so finster draußen

Sie nickt etwas verlegen.

Tinys Freundin aber flüstert schadensroh:Nun sieh da! DeinVerehrer scheint ja doch nicht gar so zaghaft zu sein.

Fräulein Tiny fühlt sich blamiert und macht ihrem Aerger durch laute, boshafte Bemerkungen über die Dankrede des grotesk sich verbeugenden Männleins mit der spitzen Nase und den traurigen Augen Luft.

Der Taschenspieler aber schlüpft nun in die Gesindestube zu einem Glas Bier. Ein Herrschafts⸗ Bedienter, der hier mit einer Flasche Wein vor sich seine Zigarre raucht, rückt verächtlich von ihm fort. Die Bauern schauen ihn neugierig an und stoßen sich mit den Ellbogen. Ein etwas angetrunkener Alter aber lallt mit schwerer Zunge:

Heutzutage alles Schwindel! Ja, ja, in der alten Zeit, da hat es noch Zauberer gegeben!

(Schluß folgt.)