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13.4.1897
 
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Nr. 87

Gießen, Dienstag, den 13. April

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

jessische

Ausgabe

und

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Lofales und Provinzielles.

Gießen, 12. April. Ernannt: Der Privatdozent an der Technischen Hochschule, Professor Dr. Friedrich Gräfe zum außer⸗ ordentlichen Professor für das Fach der höheren Mathematik. Der charakterisierte außerordent⸗ liche Professor Dr. Georg Scheffers zum außerordentlichen Professor für das Fach der darstellenden Geometrie. Der Elektro-Ingenieur Adolf Sengel in Darmstadt zum Lehrer für elektrotechnische Konstruktionen an der Technischen Hochschule. Sämtlich mit Wirkung vom 1. April dieses Jahres ab.

* Gießen, 12. April. Unser Mitbürger Herr Dr. med. G. Kolb hat seit wenigen Tagen einen 13 jährigen Neger, einen Häupt⸗ lingssohn Namens Barso, aus Britisch-Ostafrika zum Besuch, den er heute Abend imEinhorn anläßlich seines in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu haltenden Vortrages den Hörern vorzustellen gedenkt. Herr Dr. Kolb beklagt sich, wie uns mitgeteilt wird, sehr darüber, daß er auf der Straße durch die Neugierde nicht nur der Kinder, sondern auch vieler Fpachsenet sehr belästigt wird, sobald er sich mit seinem schwarzen Schützling sehen läßt.

* Gießen, 12. April. Das großherzogliche Regierungsblatt enthält eine Bekanntmachung, den Ausschlag der zur Bestreitung der allge meinen Bedürfnisse der evangelischen Kirche des Großherzogtums im Jahre 1897/98 erforderlichen Steuern betreffend. Danach wird für das Etats⸗ jahr 1897/98 auf das Kommunalsteuerkapital der Angehörigen der evangelischen Kirche ein Beitrag von einem und siehen Zehntel Pfennig auf die Mark Steuerkapital ausgeschlagen und mit den Kommunalsteuern der politischen Ge meinden erhoben werden.

* Laubach, 10. April. Wie in Mainz, so haben sich auch auf dem bei Laubach gelegenen essenbrücker Hammer viele Geistlichen und ehrer der Gegend zu einer freien Fach- konferenz vereinigt.

* Bad Nauheim, 10. April. Auf der auf dem Johannisberg gestern Abend abgehalte⸗ nen Generalversammlung des Taunusklubs Wetterau legte Herr Postmeister Foukar von hier, der seit der vor 16 Jahren im April 1881 erfolgten Gründung des Klubs an dessen Spitze stand, sein Amt als Vorsitzender nieder. Der langjährige Vereinsleiter wurde zum Ehren⸗ präsidenten ernannt. Der Vorstand des ge⸗ nossenschaftlichen Vorschuß⸗ und Kreditvereins zu Friedberg, Herr Dörr, ein bewährter Anhänger des Wandersportes, wurde an die Spitze des Vereins berufen. Der Klub hat blos die Sektionen Bad Nauheim und Friedberg mit über 200 Mit⸗ gliedern. Die Hauptaufgabe des Vereins, die Errichtung eines Aussichtsturmes auf dem be⸗ waldetenSteinkopf bei dem Forsthaus Winter⸗ stein, konnte bis jetzt nicht gelöst werden, da die Gemeinde Ockstadt, die Eigentümerin des Waldes, ihre Zustimmung zum Bau verweigert. Einst⸗ weilen wurde eine Wirtshalle auf dem Forsthaus errichtet, und ein Turmbaufonds angesammelt.

* Darmstadt, 11. April. Eine hessische Verordnung über die Wahl der Mitglieder

für den Bezirkseisenbahnrat zu Frank- fortgesetzt; drei Leute, zwei Arbeiter und ein . 2

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Aspaltige Petitzeile.

furt a. M. bestimmt, daß die Handelskammern, die landwirtschaftlichen Provinzialvereine von Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen, der hessische Forstverein, der mittelrheinische Fabri⸗ kantenverein und der Ausschuß des Landes gewerbevereins je einen Vertreter in den Bezirks- eisenbahnrat entsenden. Die Vertreter werden für die Dauer von 3 Jahren gewählt, das erste Mal indes nur für 1897.

Mainz, 11. April. Einige Militärpflich⸗ tige haben in dem Orte Odernheim bei ihrer Kneiperei einem Kinde von sieben Jahren so viel spirituose Getränke eingegeben, daß das Kind an Alkoholvergiftung gestorben ist. Das Gericht hat nunmehr gegen die rohen Burschen eine Untersuchung eingeleitet.

* Mainz, 11. April. Der ultramontaue Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Ph. Wasserburg, als belletristischer Schriftsteller unter dem Pseudonym Philipp Laicus bekannt, ist schon längere Zeit leidend. In den letzten Tagen hat die Krankheit sich derart verschlimmert, daß sein Zustand hoffnungslos ist.

* Mainz, 11. April. Herr Oberbürger⸗ meister Dr. Gaßner ist bei der Reichsregierung um die Erlangung eines Zuschusses für die Re⸗ stauration des kurfürstlichen Schlosses vorstellig geworden. Die Begründung dieses Ersuchens ist in einer ausführlichen Denkschrift niedergelegt, die Herrn Prälat Dr. Friedrich Schneider zum Verfasser hat. Diese Denkschrift wird jedem Mitgliede des Reichstages über⸗ mittelt.

* Mainz, 10. April. Aus der bereits er⸗ wähnten Denkschrift über das Kurfürstliche Schloß von Dr. Friedrich Schneider, die dem Reichstag unterbreitet werden soll, um denselben zu veranlassen, eine Subvention aus Reichsmitteln zur Restauration des Schlosses zu gewähren, er⸗ sehen wir, daß deshalb der Reichstag zu einer Beisteuer herangezogen werden soll, weil die von der großh. Regierung und der Stadt Mainz zu⸗ sammen bewilligten 900 000* bei Weitem nicht ausreichen, um die ins Auge gefaßte Renovation vornehmen zu können. Weiter heißt es in der Denkschrift: Indem die Stadt Mainz neben ihren Sammlungen jene des Römisch-Germanischen Zentralmuseums gastlich aufgenommen hat, denen voraussichtlich auch das Museum der Limes⸗ Forschung angeschlossen werden wird, glaubt sie keinen unbegründeten Anspruch zu erheben, wenn sie die Herstellung und Ausgestaltung ihres Museumsbaues, des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses, der Unterstützung aus den Mitteln des Reichs empfiehlt.

* Worms, 10. April. Die Ausgrabungen römischer Gräber, welche Freiherr Heyl zu Herrusheim zu Gunsten des Paulusmuseums auf seinem Gebiete vornehmen läßt, werden, wie Herr Dr. Koehl in derWorms. Ztg. schreibt, mit Ende nächster Woche vorläufig ihren Ab⸗ schluß erreichen; es besteht jedoch die Absicht, dieselben im Spätsommer wieder in Angriff zu nehmen, denn noch harren große Teile beider Grab⸗ felder der Untersuchung. Mit den Ausgrabungen wurde Ende Juli vorigen Jahres begonnen, und sie wurden mit Ausnahme weniger kalter Tage während des Winters bis jetzt ununterbrochen

Vorarbeiter, sind fortwährend dabei beschäftigt gewesen. Die Anzahl der bis jetzt untersuchten Gräber beläuft sich auf 496; davon entfallen auf das südliche Grabfeld(Maxiamünster⸗Schild⸗ weg 343, darunter 48 zerstörte Gräber, auf das neuentdeckte Grabfeldam Bollwerk 153, da⸗ runter 23 zerstörte.

Kontroll⸗Versammlungen Zu

im Kreise Gießen finden statt:

Gießen in Oswalds⸗Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein⸗ Linden, Oppenrod und zwar: am 13. A pril 1897. 1. Appell vormittags 8 Uhr: Reservisten sowie zur Disposition der Truppen⸗ teile und der Ersatz⸗Behörden entlassenen Mann⸗ schaften und die Wehrleute 1. Aufgebots aller übrigen Waffen und zwar: der Garde, Jäger, Kavallerie⸗, Feld⸗ und Fußartillerie, Pioniere Eisenbahn⸗ und Luftschiffertruppen, des Trains (einschließlich Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonal, Büchsenmacher, Oeconomie⸗ Handwerker, und Marine⸗Mannschaften. 2. Appell vormittags 11 Uhr. Sämtliche Ersatzreservisten. 3. Appell nachmittags 2 Uhr: für die Bewohner von Allendorf a. d. L., Großen⸗Linden, Lang⸗Göns, Leihgestern, Watzen⸗ born und Steinberg, Hausen. Reservisten und Wehrleute 1. Aufgebots sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden ent⸗ lassenen Mannschaften aller Waffen und Ersatz⸗ Reservisten. b. Zu Lollar am 14. Appril 1897, neben dem neuen Bahnhofsgebäude, für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten⸗ Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck. 1. Appell vormittags 8 Uhr 45 Minuten: Offiziere, Sanitätsoffiziere

und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots. Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden ent⸗ lassene Mannschaften aller Waffen. 2. Apell vormittags 10 Uhr 30 Minuten. Wehr⸗ leute 1. Aufgebots aller Waffen. 3. Appell nachmittags 1 Uhr. Sämtliche Ersatz⸗Reser⸗ visten. e. Zu Grünberg am 20. April 1897, am Bahnhof für die Bewohner von: Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbeln⸗ rod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenauschen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda(Groß⸗ und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Oueckborn, Reinhardshain, Reis⸗ kirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod und Stock⸗ hausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainer⸗ hof, Winnerod. 1. Appell vormittags 9 Uhr 15 Minuten(wie oben). 2. Appell vormittags 11 Uhr(wie oben, sowie Ersatz reservisten)J, d. Zu Hungen am 21. April

BBBp. K

Fata Morgana.

Novelle von H. René. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Kommt immer mit Amt und Würden die Langweiligkeit? fragte sie schelmisch.

Er mußte lachen.Der erste selbständige Patient, die Verantwortung dafür, bedenken Sie.

Ach, der Baron wird doch nicht mehr besser, meinte sie gleichmütig,und dadurch, daß Sie ihn länger hinhalten, thun Sie der Baronin keinen großen Gefallen.

Warum meinen Sie dieses?

Mit verwunderten Augen blickte sie ihn an. Nun, dann ist sie ja eine junge Witwe, was liegt ihr denn an dem alten, kranken Mann, den sie pflegen muß.

Kennen Sie die Baronin näher, Alma?

Sie rümpfte das zierliche Näschen.Nein, nur vom Sehen. Sie flieht ja alle Menschen und geht nicht einmal in die Kirche. Doktor Borrmann und Fräulein Minchen sind freilich bezaubert von ihr, aber das sollen solche alten Geschichten sein, wie die Mama sagt, danach muß man gar nicht fragen. Aber ein richtiges Mannweib ist sie, so groß und so dunkel wie eine Zigeunerin. Und nicht allein, daß sie Schlittschuhe läuft und rudert,

Fräulein

sie kutschiert auch zwei⸗ und vierspännig und um⸗

giebt sich mit allerlei häßlichem Getier, das ihr lieber ist, wie die Menschen.

Diese Schilderung klang nun freilich anders, wie die des alten Doktors, dessen weißhaariger Kopf eben an dem niedrigen Parterrefenster auf⸗ tauchte.

Walter Senglin wußte nicht, sollte er dem roten Plappermäulchen zürnen. Gedankenlos hatte sie wohl nur nachgesprochen, was sie überall er⸗ zählen gehört. Und dann, was kümmerte ihn auch das romanhafte Schicksal jener fremden Frau. Er war Arzt, that seine Schuldigkeit und damit war es genug.

Sehen Sie, Papa wartet Alma.

Ich komme.

Teilnehmend auf ihr Geplauder eingehend, stieg er neben ihr die Treppe des Rathauses, in welchem auch die Bürgermeisterwohnung lag, hinauf.

uh

Nach hartem Kampf ist es wirklich Frühling geworden und die warme Aprilsonne lockt junges, sprossendes Grün überall hervor. Der See hat seine Eishülle gesprengt, träge rauschen die blauen Wogen zum Ufer.

Ein fast feiertäglicher Glanz verklärt die öden Kieferwälder, liegt breit und golden auf den über⸗ schwemmt gewesenen, halb versandeten Wiesen⸗ streifen. Natur und Mensch erwacht langsam aus

oben, erinnerte

5 Expedition: 20 Kreuzplatz Nr. 4.

1897, am Friedhof für die Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof⸗Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof⸗Graß, Röthges, Steinheim, Trais⸗Horloff, Utphe, Villingen. 1. Appell vormittags 9 Uhr 30 Minuten (wie oben). 2. Appell vormittags 11 Uhr(wie oben). e. Zu Lich am 21. April 1897, am Bahnhof für die Bewohner von: Albach, Birklar, Dorf-⸗Güll, Eberstadt mit Arns⸗ burg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder-Bessingen, Ober⸗Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach. 1. Appell nachmittags 3 Uhr(wie oben). 2. Appell nachmittags 4 Uhr 30 Minuten (wie oben).

Neueste Telegramme.

Hd. Cannes, 12. April. Der Großz⸗ herzog von Mecklenburg starb schmerzlos; der Tod trat infolge des Aufbrechens eines Pulsaderge⸗ schwürs ein. Die Großherzogin und die Kinder sind anwesend.(Die Nachricht von dem Tode des Großherzogs wurde noch gestern in später Abendstunde durch Extrablätter derHess. Landesztg bekannt gegeben. Die Red.)

Hd. Berlin, 12. April. Dem Kaiser wurde das Ableben des Groß herzogs von Mecklenburg durch die Großherzogin Anastasia mitgeteilt. Der Kaiser empfing bereits morgens 7 Uhr den mecklenburgischen Gesandten und 705 sofort die Befehle wegen der Hof⸗

rauer.

Hd. Schwerin, 12. April. Die [Landestrauer wurde amtlich auf sechs Wochen festgesetzt. Schauspiele

und Tanzmusik ist bis zum Tage nach der Beisetzung verboten. Die Truppen wurden gestern auf den Großherzog IV., sowie auf Herzog Johann Albrecht, welcher die Regentschaft übernommen, für den minderjährigen Thronfolger, vereidigt.

Hd. Berlin, 12. April. Der Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin hat auf eine Thronfolge verzichtet, sodaß gestern der jüngere Bruder, der Herzog Jo⸗ hann Albrecht, nach Schwerin abgereist ist und die Regierungsgeschäfte für den minder⸗ jährigen Thronfolger übernommen hat.

Hd. Konstantinopel, 12. April. Es ver⸗ lautet, der Sultan wurde nur mit der größten Mühe von der Kriegserklärung abge⸗ halten. Der Sultan wollte gestern absolut dem griechischen Gesandten die Pässe aushändigen. Die Vertreter Serbiens und Montenegros reichten bei der Pforte die Erklärung ein, wonach ihre Staaten bei einem Kriegsfall die Neutralität wahren. Als Be⸗ lohnung dafür soll das Patriarchat von Ipek wieder errichtet werden.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.

Frühlingszauber

dem Winterschlaf. Lachender überall.

Auch dem Doktor Senglin wird das Herz weit, fröhlich wandelt er auf der Landstraße, die zum Schlosse führt, dahin.

Heute gedenkt er des Kranken nicht. Therese's Bild, wunderbar, reizvoll, steht ihm plötzlich vor der Seele.Sie hat wohl noch nie geliebt? fragt er sich und der heiße Wunsch, die bleichen Wangen verräterisch erglühen zu machen, den strengen Mund zu küssen, steigt in ihm auf. Er schilt sich selbst und versucht an Alma zu denken,

in deren Elternhaus man ihn so freundlich empfangen, in welchem man ihn wohl schon als künftigen Eidam betrachtet. Fräulein Minchen

scheint derselben Ansicht zu sein, ist sie doch die Vertraute der Frau Bürgermeister und benutzt jede Gelegenheit, die jungen Leute zusammenzuführen.

Unwillkürlich lachte er auf.

Es wird ihm leicht genug gemacht, ohne eigenes Bemühen ebnet sich ihm der Zukunftsweg. Die Hospitalpraxis hat er bereits, und der Bürger; meister will in nächster Stadtverordneten-Sitzung beantragen, daß das Einkommen des Armenarztes um einige hundert Mark erhöht wird.

Vorläufig läßt er den Dingen ihren Lauf. Es neckt sich so allerliebst mit Alma, und der Tag ist gewiß nicht fern, wo man vom Scherz unmerklich zum Ernst hinübergleitet. i

Nach dem Kranken, den er im Morphium⸗ schlummer findet, sieht er heute nur flüchtig, dann läßt er sich der Baronin melden.

Man blickt ihn verwundert an.Die gnädige Frau sei im Garten, bei den Arbeitern, hieß es, man wolle sie benachrichtigen. Dann öffnete man ihm eine Thür und er stand auf der Schwelle von Therese's Zimmer, das er noch nie betreten.

Das weite, von goldiger Frühlingssonne warm durchströmte Gemach erinnerte in nichts an das heutige, moderne Damenboudoir. Keine Makart Bouquet's in den Ecken, keine zwecklosen Puffs in der Mitte. Keine zierlichen Bouleschränkchen mit tausenderlei Nippes von Majolika und euivre poli. Die dunklen, massiven Mahagonimöbeln stammten gewiß aus der Aussteuer irgend einer längst be grabenen Baronin Dahlsitröm und waren wohl schon gleich nach Erbauung des Hauses hierher auf ihre Plätze gestellt worden.

Auf dem runden, plumpfüßigen Sophatisch lag ein Berg von Journalen und Zeitungen, in denen man wohl eben gelesen, durcheinandergeworfen Die Thür des Bücherschranks war nur angelehnt, und Walter warf einen neugierigen Blick auf die abgerissenen Bände. Traute er seinen Augen? Gutzkow, Heyse, Turgeniew. Das war eine be denkliche Lektüre für ein einsames Weib mit unbe⸗ schäftigtem Herzen.

(Fortsetzung folgt.)