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Nr. 239
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
glich
Gießen, Dienstag, den 12. Oktober
1897.
Ausgabe
Gießen.
undeszeikung.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Nedaktion:
* Kreuzplatz Nr. 4. 2
Hungerlöhne.
* Gießen, 11. Oktober.
Um einen Maßstab zu bilden, nach welchem bei der Gemeindekrankenversicherung das Kranken⸗ geld und die Versicherungsbeiträge und bei den eingeschriebenen und sonstigen Hilfskassen ohne Beitrittszwang das Krankengeld zu berechnen ist, eher den Maßstab zur Beurteilung der Ver⸗ cherungspflicht der Invaliditäts⸗ und Alters⸗ versicherungs und zur Berechnung der Lohn⸗ klassen festzustellen, hat in diesem Jahre im Großherzogtum Hessen eine Feststellung der ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter stattgefunden, deren Ergebnis das folgende ist:
D 2 2 EA 2 SS e ee ee 3 F F SSS S 83 3 SSA SIS SSS 2 22 S3 2 S S822 G38 23 SS SS SA NSS 83 g S. Z SSS SAS. 2 3 SSS SSS 3 5 2.23 SS. 2 282 S GG— FFF 2 S S 3.8 8 2 VJ— S853 88. 8 8 3 2.8 8 F 33 8.2 23 3 E S8 2. o Fü 8 22— reren 8 7 D p 88888888 3 8 LIS EELTLTLTEUIESSIESA S S SSA 8. d 2— 888 88888888 8 = er SE 288 7 8 8 8— S L LLS SS LLLLSLLII SSE ——————————— 7 2 SS 8 5 88 SSS SSN — 3 288 528885 8 2 S DD S 208 S888 S888. 5 2 Pas SSS 2 8——— 9 2 S S 84 22 S SSS SSS S. — SS SSS 22 288 3888S EI 88888 88888 8 2 8 e s 88S* S SSS== A= 2 S 75 SS SSSS SSS — * 2 E 2 1 5 28 S F S 2
Der Kreis Darmstadt ist demnach der einzige, wo Kinder unter 14 Jahre für täglich O und 40 Pfg. Frohndienste zu verrichten haben. Leider weist die Statistik nicht nach, wie viel Familien mit einem solchen kärg⸗ lichen Verdienst ihr Dasein fristen müssen.
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Lokales und Provinzielles.
Gießen, 11. Oktober.(Zur Aufbe⸗ wahrung der Ueberschüsse.) Die Mainzer Geldschrankfabrik A. Gerlich erhielt von der Preuß.⸗Hess. Eisenbahndirektion einen größeren Auftrag auf diebessichere und feuerfeste Geldschränke neuesten Systems, welche auf die verschiedenen Stationen verteilt werden.— Wie und auf wessen Kosten Ueberschüsse gemacht werden, erhellt aus folgen⸗
—
der Mitteilung der„Frkf. Ztg.“ wird aus Mainz geschrieben: Am Freitag Abend gab es auf der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahn wieder einmal eine Ver⸗ kehrsstörung in größerem Maßstabe. Zwei mächtige Güterzüge blokterten die Strecke Mainz⸗ Bischofsheim. Jufolgedessen war der gesamte Betrieb zwischen hier und Frankfurt, Darmstadt und Ludwigshafen geraume Zeit lahmgelegt. Auf der Strecke Frank— furt lagen die Züge 51 und 53, auf der Strecke Darmstadt der Schnellzug 79 und auf der Strecke Ludwigshafen-Mainz der Personenzug 19 und warteten auf Durchlaß. Diesseits lagen die Köln⸗Frankfurter Abendzüge 52 und 54. Die von Ludwigshafen⸗Worms kommenden direkten Passagiere nach Frankfurt wurden, da sie hier keinen Anschluß mehr fanden, nach Kastel und von dort mit dem Orient-Expreßzug nach Frank⸗ furt befördert.— Also nicht weniger als sechs
Eisenbahnzüge mußten auf offener Strecke liegen
bleiben. Wie viel Reisende mögen den Anschluß an andere Strecken nicht mehr erreicht haben? Wie viel Beamte und sonstige Hülfskräfte mögen wohl dazu nötig sein, um solche Verkehrs- störungen zu verhindern und in den Händen wie vieler Beamten mag wohl an jenem Tage dieser verantwortungsvolle Dienst geruht haben? Daß der Eisenbahnverkehr mit jedem Tage komplizierter wird, besagt folgende Notiz aus Nauheim(bei Groß⸗Gerau): Der Verkehr an unserer Bahn—⸗ station ist jetzt so stark gestiegen, daß täglich 70 Züge durchfahren. Infolgedessen muß der Bahnhof um das Doppelte erweitert werden.
6* Gießen, 11. Oktober.(Zug⸗Ent⸗ gleisungen.) Der Zug 6.55 Uhr nach Fried⸗ berg ist am Donnerstag infolge falscher Weichen⸗ stellung bei der Station Hungen entgleist. Ver⸗ letzungen von Personen sind nicht vorgekommen. — Auf der Strecke Köln-Gießen, zwischen Kirchen und Betzdorf, entgleiste am Freitag ein Güterzug. Mehrere Wagen wurden zertrümmert, Personen sind nicht verletzt.
* Gießen, 11. Okt. Im Stadttheater 10 gestern endlich die heitere Muße ihren Einzug gehalten. Vor nahezu ausverkauftem Hause— die Gallerie war überfüllt— ging die dreiaktige Posse„Der Mann im Monde“ von Jacobsen in Szene. Obgleich das Stück als eine der besten Schöpfungen Jacobsens gilt, trägt es doch den Stempel der Fabrikarbeit. Arm an Handlungen hat das Stück keinerlei litterarische Bedeutung, macht auch kein Anspruch darauf. Dennoch amüsierte sich das Publikum vortrefflich. Eine Menge komischer und Ver⸗ wechselungs⸗Szenen bot reichlich Gelegenheit, sich weidlich auslachen zu können. Weiter hat es auch keinen Zweck. Interessant war für uns nur, Fräulein Natusius als eine ausgezeichnete Soubrette kennen zu lernen. Wenn auch in den höheren Lagen etwas unsicher, hat ihre Stimme den Vorzug, angenehm auf den Zuhörer zu wirken. Auf die handelnden Personen des näheren einzugehen, verlohnt sich nicht. Wir wollen nur sagen, daß das komische Element in besten Händen war und daß sich sämtliche Dar⸗
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige
Hetitzeile,
ebition: Kreuzplatz Nr. 4.
7777!
Derselben] Bühnen-Machwerk einigermaßen auf die Beine
zu helfen. Daß ihnen das gelungen, bewies die heitere Stimmung des Publikums. Hoffentlich werden von nun ab stets die Sonntage der heiteren Posse reserviert bleiben.
* Gießen, 11. Oktober. Zwei Fremde machten am vorigen Samstag Abend in einem hiesigen Zigarrengeschäft Einkäufe. Bei der Zahlung legte einer derselben ein Fünfmarkstück hin, nahm aber, während der andere die Laden— besitzerin mit Aussuchen von Zigaretten zu be— schäftigen wußte, das herausbekommene Geld und das Fünfmarkstück wieder an sich, worauf sich beide entfernten. Die beiden Be— trüger wurden gestern zur Haft gebracht. Die⸗ selben besitzen keinerlei Papiere. Ihre Per— sonalien müssen erst festgestellt werden.
* Gießen, 11. Okt. Ein Dienstmädchen, welches ihrer Herrschaft aus einem verschlossenen Behältnis ein Zwanzigmarkstück ent⸗ wendete und dafür einen neuen Hut und sonstige Kleidungsstücke kaufte, wurde verhaftet.
K. Lollar, 11. Oktober. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde bei dem Schlosser— meister Kutscher ein Eiubruchs-Diebstahl verübt. Der Dieb, von dem bis jetzt noch jede Spur fehlt, ist durchs Fenster eingestiegen und hat ca. 120-130 l. gestohlen. Sollte es sich inanbetracht der hierorts häufig vorkommenden Diebstähle nicht empfehlen, die Nachtwache zu verstärken? Bei der ausgedehnten Lage unseres Ortes dürfte dies sehr am Platze sein.
* Bad Nauheim, 11. Okt. In der Woche sind 1746 Bäder, also täglich fast dritthalb Hundert verabfolgt worden. Die Gesamtzahl der Bäder seit 1. April bis gestern betrug 225 445 oder 26819 Bäder mehr als in der entsprechenden Periode des Vorjahres.— Dem— nächst wird für die hier seit Jahren bestehende israelitische Kinderheilstätte, in welcher unbemittelten jüdischen Kindern aus milden Bei⸗ trägen die Wohlthat einer unentgeltlichen Bade— kur zugewendet wird, mit der Aufführung eigner Gebäulichkeiten und der Anlage eines Gartens begonnen werden; die Bauausführung ist der Frankfurter Baufirma Franz Brofft übertragen. Es sind 200000 Mark für den Bau vorgesehen. — Die sich geltend machende übermäßige Baulust dürfte zu Befürchtungen Anlaß geben. Das Bauquadrat zwischen der Ludwigstraße, der Bahnhofsallee, der Main⸗Weser-Bahn und der Lindenstraße ist bis auf wenige Häuser ausge— baut, die Frankfurterstraße ist südlich vom Fabrikviertel bis nördlich zum Sumelteich mit Neubauten besetzt; jetzt geht es an das Bauge— gelände südlich der Lindenstraße westlich des Salinenviertels und längs der Viktoriastraße westlich der Burgallee. Auch das Bauviertel zwischen der verläugerten Haupt- und der ver⸗ längerten Waldstraße bedeckt sich nach Westen zu mit sehr zahlreichen Neubauten, wenn auch diese Quartiere wegen der verhältnismäßig großen Entfernung von den Badehäusern von Kur— fremden weniger begehrt sein dürften. Der Kaiserhof soll durch größere Bauten wesentlich vergrößert werden; die Villa Britannia dürfte,
den ärztlichen Unternehmern wegen Errichtung eines Sanatoriums nicht zum Ziele führen sollten, wahrscheinlich zu einem Hoteletablissement umgebaut werden. Mit der geplanten Erbauung einer anglikanischen und einer katholischen Kirche und der in Aussicht genommenen Errichtung einer eignen ständigen Seelsorge beider Kirchen wird voraussichtlich den Zuzug aus England und aus katholischen Ländern steigern.
* Darmstadt, 10. Oktober.(Tod auf den Schienen.) Am Donnerstag Abend fand hierselbst das Maschinenpersonal eines über Die⸗ burg angekommenen Schnellzuges im Aschenkasten einen abgefahrenen menschlichen Fuß. Das sofort telegraphisch angeordnete Absuchen der Strecke führte zwischen Altheim und Dieburg zum Auffinden einer zu einer unkenntlichen Masse zusammengefahrenen Frauenleiche, bei der man einen Zettel fand mit der Bemerkung:„Ich lasse mich nicht langer mehr letzern.“ Die Tote ist eine etwa 25 Jahre alte Frau namens Sauerwein geb. Zimmermann von Altheim; sie war seilt Weihnachten vorigen Jahres ver— heiratet.
* Darmstadt, 10. Okt. Wie die„Frkf. Kl. Presse“ erfährt, unterliegt soeben der Bürger⸗ meisterei ein Antrag auf Einführung des Bedürfnis nachweises bei Erteilung von Wirtschaftskonzessionen. Die Bürger⸗ meisterei dürfte, so schreibt das genannte Blatt weiter, über diesen Antrag zur Tagesordnung übergehen, denn die Erfahrung, die man mit dem Bedürfnisnachweis bis jetzt bei uns in Hessen gemacht hat, ist nicht dazu angethan, sich zu Gunsten eines solchen Antrages auszusprechen. In Worms war seit Jahren der Bedürfnisnachweis einge⸗ führt, es hat aber dies zu so viel Ungerech⸗ tigkeiten geführt, daß das Polizeiamt Worms selbst die Wiederaufhebung bei der Stadt⸗ verwaltung beantragt hat, und die Stadt⸗ verordnetenversammlung hat diesem Antrag Folge gegeben.
* Bensheim, 9. Oktober. Württembergische Händler kaufen gegenwärtig an der Bergstraße und im benachbarten Odenwald das Ker nobst, namentlich Mostbirnen, in großer Menge auf. Fast täglich gehen ganze Wagenladungen nach Stuttgart und anderen Städten ab. Anfangs kostete der Zentner Birnen 3, seit gestern kauft man ihn zu 4 A.
Mainz, 8. Oktober. Die Verkehrskalamität auf der Eisenbahnstrecke Frankfurt-Wiesbaden ist eine notwendige Folge der außerordentlich starken Belastung dieser Strecke. Sie wird also wirksam nur durch den Bau einer zweiten Bahn beseitigt werden können. Das Publikum ist umsomehr berechtigt, eine dahin gehende Forderung zu stellen, als die betreffende Bahnstrecke bei Weitem nicht die möglichst kürzeste Eisenbahnverbindung zwischen Frankfurt und Wiesbaden bildet. Bereits zwei Menschenalter hindurch wird dem gesamten Durchgangs⸗ verkehr auf dieser Strecke die Zurücklegung und Be⸗ zahlung eines beträchtlichen Um weges zugemutet. Die lediglich hieraus der Eisenbahnverwaltung zugefallenen Mehreinnahmen sind sicher so beträchtlich, daß aus ihnen die Kosten einer besseren Bahnstrecke hätten bestritten wer⸗ den können. Es soll hier gezeigt werden, daß das Ver⸗
steller die größte Mühe gaben, dem geistlo
sen
wenn die noch schwebenden Unterhandlungen mit
langen nach Herstellung der möglichst kürzesten Verbindung
Wie Lieselchen die Frauenfrage löste.
Novellette von Charlotte von Schöler. (Nachdruck verboten) (Fortsetzung.) f
Liesa las kopfschüttelnd, daß die Schreiberin rene, vor lauter Vergnügen, gar nicht zum Schreiben hätte kommen können und Anne⸗Marie sei es eben so ergangen. Sie— Liesa— möchte nicht zürnen, aber— und nun folgte eine amüsante Schilderung aller möglichen amüsanten Ver⸗ einigungen, auch tauchte der männliche Name „Fritz Sesenberg“ immer wieder auf. Insoweit war ja die Sache noch gut, aber zuletzt hieß es wörtlich:
„Daß Du Dich in einem Atem verlobtest und entlobtest, fanden wir beinahe zu modern, ganz a la Liesa.— Wirklich, Du bist ein Unikum Liesel — beim ersten Kuß an Bebel zu denken, das be⸗ kommst Du nur fertig! Mich solls wundern, wenn Dein Franz Dir das verzeiht. Fritz Sesenberg dürfte man so kaum kommen, er verabscheut vextravagante Frauen“, wie er mir neulich sagte. Ich habe ihm kein Wort vom„Dreibund“ ver⸗ raten, denn—— daß Du es weißt Lieschen; ich werde Fritz heiraten. Er hat viel Geld, ich habe keins— das genügt; noch weiß er's nicht, daß er geheiratet wird, aber ich weiß es und das ist die Hauptsache.— Was ich noch sagen wollte: erwarte in der nächsten Zeit keine Briefe von uns, wir sind
sehr in Anspruch genommen. Da wir„arme Mädchen“ find, müssen wir unsere Zukunft so bald, wie möglich sicher zu stellen suchen, was immer am besten dadurch geschieht, daß man einen reichen Mann heiratet. Jugend und Schönheit dauern nicht lange, deshalb heißt's en avant! sollte es wieder Erwarten fehlschlagen, so kann man immer noch irgend so einen traurigen Notbehelf von „Beruf“ ergreifen.— Zum Schluß rate ich Dir, Dich mit Deinem Franz so bald wie möglich aus⸗ zusöhnen; später beredest Du ihn dann, nach Berlin zu ziehen— hier kann er ja immerzu bauen— so käme der„fidele Dreibund“ wieder zusammen. Wer weiß? jenseits der„vierzig“ nehmen wir die Bestrebungen der ersten Jugend wieder auf und arbeiten in„Weltverbesserung“— ich bin nämlich der Ansicht: Lustig gelebt und selig gestorben— na, Du weißt schon. Deine Irene. f
Lieselchen hatte zuletzt immer häufiger den Kopf geschüttelt und die junge, glatte Stirn gerunzelt— auf was für Wege waren ihre„Dreibündler“ ge⸗ raten? Ja, ja— diese Irene hatte sie oft durch eine gewisse nüchtern-praktische Auffassung der Dinge schwer geärgert, und die rundliche, gutmütige Anne⸗ Marie war leider ein bischen dumm— die folgte immer dem, der zufällig da war. Sie, Lieselchen, das Haupt und die Seele des Dreibunds, sie mußte diese fahnenflüchtigen Seelen zu retten suchen— jetzt wurde der Wunsch, nach Berlin zu eilen,
heilige Pflicht.
Heute und morgen war Papa zur Jagd aus,
3—
er blieb in der Nacht bei Freunden auf dem Lande — das Wetter war tadellos— worauf also noch warten?—
Mit fliegenden Fingern zog sich Lieschen an, stürzte nach dem Schuppen, in dem„Dämon“ hauste, und begann das edle Stahlroß mit Oelkanne und Blasebalg aufs heftigste zu bearbeiten.
„Herr mein Gott, Fräuleinchen will wohl nach Amerika?“ fragte Schwämmlein, der auf einem Hauklotz saß und an einem Stock schnitzelte.
„Nein, Alterchen, ich muß dringend nach Berlin! ich habe eben Nachrichten bekommen, die mich zwingen, sofort abzufahren,— verrate mich nicht, sonst sehe ich Dich überhaupt nie wieder an, das weißt Du schon.“
Schwämmlein hielt, starr vor Staunen und Respekt, seine geliebte Pfeife in der Hand und hob das kleine erdfarbene, runzlige Gesicht fast andächtig zu dem jungen Mädchen auf.
„Nee aber! Lieselchen, wenn das man gut geht — Lieselchen. Sie sind, meiner Six, ein forsches Frauenzimmer, aber so ganz alleine! Und was soll ich denn zu Christianen sagen, wo Sie ge—
blieben sind— und zum Herren? wenn der nun früher wieder käme?— Lieselchen, was riskieren wir!“—
„Thu Dich nicht, Schwämmlein— wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Halte einstweilen gut Haus, sage den Leuten, daß ich bei Tante Bertha sei und ängstige Dich nicht. Ich werde Dir tele⸗
graphieren, wenn ich angekommen bin.“
— ́—
„Haben Sie auch Geld in der Tasche, Lieselchen?“
„Natürlich! Zehn Mark und zwanzig Pfennige“ — gab Lieschen stolz zurück und lenkte ihr Roß gewandt aus dem Schuppen.
„Auf Wiedersehen, Schwämmlein!“— Lieschen saß im Sattel und sauste zum Thor hinaus— der alte Mann blickte mit eben so viel Bewunderung wie Sorge hinter ihr her.
„Vielleicht ist der Herr Baumeister irgendwo und sie wollen sich aussprechen, denn sonst thät sie doch nicht in so'ne fürchterliche Kurage davon machen“— brummte der Alte schlau lächelnd.
— Indeß sauste die kleine Heldin auf der Landstraße dahin. Die lebhafte Bewegung in der würzigen, frischen Septemberluft gab ihrem Denken immer lebhafteren Schwung.
Würde man es einem jungen Mann verdenken, wenn er, unter ähnlichen Umständen, die Freunde aufsucht? Welch ein lächerlicher„Zopf“, dieselbe natürliche, anständige Freiheit einem Mädchen ver⸗ weigern zu wollen?— Emanzipation! nun ja, wozu gab es das, wenn man sich dessen nicht im ge⸗ eigneten Moment bedienen sollte?
Der„Moment“ war erschienen; irgend ein Mensch muß überhaupt mal mit dem Neuen den Anfang machen, also: fangen wir an!.
Lieselchen fühlte in diesem Augenblick alles in sich, was zum„Bahnbrechen“ berechtigt.
(Fortsetzung folgt.)


