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1897.
Poflztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen, Dienstag, den 12. Jannar
Udeszeitun
Gießen.
Postztg. Nr. 3239. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
reis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Aspaltige Petitzeile.
* 2
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Aus dem Verwaltunasbericht i der Stadt Gie en für das Rechnungsjahr 1895/96.
VII.
Städtisches Bauwesen.
Die Erbauung von Arbeiterwohnungen ist auch im Berichtsjahr wiederum seitens der Stadt gefördert worden durch Inangriffnahme mehrerer Straßen unter normaler Breite(Landmann⸗ und Bruchstraße, sowie
Riegelpfad), durch billigen Verkauf städtischen Geländes
an die Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins und durch Herabsetzung des Mindestbetrages an Wassergeld für kleinere Wohnungen.
Anläßlich der Erbauung des neuen Kasernements für das 4. Bataillon sodann war man diesseits mit der Garnisonverwaltung auch in Verhandlung darüber ein⸗ getreten, ob und unter welchen Bedingungen eventuell dieselbe auf die fernere Benutzung des ihr für alle Zeit als Exerzierplatz unentgeltlich überlassenen, von Kirschbäumen umgrenzten„Trieb“ im engeren Sinne verzichten und den letzteren wieder in die unbeschränkte Verfügung unserer Stadt zurückgeben würde; die hierüber geführten Verhandlungen haben zu einem von der Stadt— verordneten⸗Versammlung genehmigten Abkommen geführt, wonach gegen demnächstige Vergrößerung des Exerzier⸗ platzes um ein östlich desselben gelegenes Waldgelände von 6,64 Hektar Fläche die Stadt den nächst und schönst gelegenen, westlichen Teil des„Trieb“ in einem Flächen⸗ gehalt von 3,98 Hektar zur freien Verfügung, wie z. B. für festliche Veranstaltungen, Abhaltung von Volksspielen, Ausführung von Anpflanzungen und was immer sonst.
Verkehrswesen.
Die Firma Hager und Launsberg in Köln hatte seiner Zeit die Genehmigung erhalten zur Ausführung der Vorarbeiten für den Bau einer Kleinbahn von Gießen nach Bieber; diese Vorarbeiten sind inzwischen zum Abschluß gelangt und von der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn⸗Gesellschaft übernommen worden.
Der Betrieb der Gießener Omnibus-Gesell-⸗ schaft, welcher im Berichtsjahr durch das Auftreten des Rotzes unter dem Pferdebestand der Gesellschaft eine schwere Schädigung erfahren, wurde durch die Zusage eines weiteren städtischen Darlehens im Betrag von 3000 Mark unterstützt; zum Vertreter der Stadt im Vorstand der Genossenschaft wurde anstatt des von diesem Amt zurückgetretenen Stadtverordneten Helfrich der Stadtver—⸗ ordnete Adami bestellt.
Gas⸗ und Wasserwerk.
Ueber die Verwaltungsergebnisse des städtischen Gas⸗ und Wasserwerkes sei hervorgehoben die er⸗ freuliche Erhöhung der Gesamtgaserzeugung von 836 815 Kubikmeter in 1894/95 auf 921085 Kubikmeter im Berichtsjahr, welcher naturgemäß auch vorzugsweise die Erhöhung des Betriebsüberschusses für das Gaswerk auf 41 525,97„/ zuzuschreiben ist.
Wenn auch ein gleiches für das erste Betriebsjahr des um die Queckborner Anlage erweiterten Wasserwerkes noch nicht zu berichten ist, so läßt doch die Wasserabgabe im laufenden Jahre schon jetzt neben der Verzinsung der Gesamtschuld des Wasserwerkes zur Schuldentilgung einen den Voranschlag übersteigenden Ueberschuß erwarten, welcher namentlich auch der Uebernahme der gesamten Wasser⸗ versorgung des hiesigen Bahnhofes mit einem Tages ver⸗ brauch von rund 500 Kubikmeter zuzuschreiben ist.
Das Queckborner Wasserwerk hat durch den Neubau einer Dienstwohnung für den dortigen Maschinisten eine weitere Ergänzung und Verbesserung erfahren.
Der Zunahme der Gaserzeugung wurde durch den Beschluß auf Erbauung eines neuen Gasbehälters von 2500 Kubikmeter Fassungsraum Rechnung getragen, die
Ausdehnung der Fabrikanlage selbst durch Geradelegung
der Wieseck zwischen Moltke⸗ und Gartenstraße vorbereitet; der Grundpreis für Leuchtgas wurde von 22% pro Kubikmeter auf 21, derjenige für Heiz⸗ und Motoren⸗ gas von 15 auf 13 F pro Kubikmeter ermäßigt.
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Oeffentliche Gesundheitspflege.
Im April 1895 hat Herr Stadtbaurat Lindley in Frankfurt a. M. das von ihm vollständig neu bearbeitete, umfassende Projekt der unterirdischen Entwlässe⸗ rung unserer Stadt zur Vorlage gebracht; das Projekt ist inzwischen Gegenstand wiederholter Kommuni⸗ kation zwischen seinem Verfasser und dem Stadtbauamt gewesen und wird demnächst der Beschlußfassung der Stadtverordneten-Versammlung unterbreitet werden; das— selbe trägt in weitsichtiger Weise über die augenblickliche Ausdehnung des Stadtbereiches hinaus auch jeder künftig möglichen Entwickelung unserer Stadt Rechnung, es sieht die alsbaldige Aufnahme auch der Fäkalien und— nach vorausgegangener mechanischer Reinigung der Abwässer— deren Einführung in die Lahn vor; die Kosten der als⸗ bald und in der nächsten Zukunft auszuführenden Gesamt⸗ anlage sind zu 1 840 000“ veranschlagt und dafür eine etwa sechsjährige Bauzeit in Aussicht genommen.(Dieser Voranschlag wird ohne allen Zweifel ganz bedeutend über⸗ schritten werden. Man erkundige sich nur in Marburg, wo Herr Lindley auch„Voranschläge“ gemacht hat. D. Red.)
Das Freibad in der Lahn ist durch Anlage einer Auskleidehalle verbessert, das Schulbad an der Lahn versuchsweise auch während der Ferien offen gehalten worden.
Credner⸗Feier. * Gießen, 10. Januar.
Zum 100 jährigen Geburtstage Karl August Credners, der vom Jahre 1832 bis zu seinem im Jahre 1857 erfolgten Tode an unserer Hoch— schule wirkte, war von der theologischen Fakultät unserer Ludoviciana zu einem Festakt nach der großen Aula im Kollegienhause öffentlich einge— laden worden. In dem mit Blattgewächsen ge— schmückten Festraum versammelten sich gegen 12 Uhr mittags die Festteilnehmer, unter ihnen besonders zahlreich ehemalige Hörer des Gelehrten, zu denen auch der erschienene Prälat Dr. Habicht⸗ Darmstadt gehörte. Nachdem Se. Magnifizens der Rektor, Professor Stade, gefolgt von den Mitgliedern des Senats und der theol. Fakultät den Festraum betraten, leitete der evangelische Kirchengesangverein die Feier durch eine Chor— weihe voll ein, worauf Professor Dr. Balten-⸗ sperger den Katheder betrat, um die Festrede zu halten. Er schilderte die traurigen Verhält⸗ nisse, unter denen Credner die theol. Fakultät hier vorfand, seine energische Thätigkeit, durch die er dem Schlendrian ein Ende machte. Nach⸗ dem Credner im Jahre 1832 mit 1000 Gulden den theol. Lehrstuhl unserer Hochschule bestiegen, begannen ihm die Hörer zuzuströmen. Professor Baltensperger geht eingehend auf die Kämpfe ein, die Professor Credner mit dem damaligen Kanzler und Geh. Staatsrat von Linde zu bestehen hatte, der als Jurist und Katholik dem evangelischen Gelehrten das Leben verbitterte Prof. Balten⸗ sperger schilderte dann in packender Weise die Berhältnisse vor und nach der Revolution des Jahres 1848. Auch hier war es Credner, der zwar zu den Studenten hielt, denen man infolge des Frankfurter Attentats das Leben sauer machte. Er war es, der es verstand, die erregten Gemüter der Jugend zu besänftigen und zu beruhigen. Was Credner wissenschaftlich geleistet, ist von seinen Nachfahren benutzt worden, ohne daß diese es für nötig befunden, dem Urheber den Tribut der An⸗ erkennung zu zollen, nur um dieses Unrecht wieder gut zu machen, habe die theol. Fakultät am heutigen 100 jährigen Geburtstage des Gelehrten diese Feier veranstaltet, um Zeugnis abzulegen,
für dessen Wirken. Hierauf überbab namens der ehemaligen Schüler Credners Prälat Dr. Habicht⸗ Darmstadt, als einer der ältesten lebenden der theologischen Fakultät eine aus weißem Marmor von Kalbfleisch⸗Gießen kunstvoll gefertigte Ge⸗ denktafel, welche an jenes Haus angebracht werden soll, in dem Prof. Credner gewohnt hat und in welchem er auch gestorben ist. Mit bewegter Stimme schilderte der Redner in knappen Um— rissen die Zeit von 1840—1843 wo er Credners Lehre an unserer Hochschule hörte.
Der Decan der theol. Fakultät, Professor Köstlin, dankte den Spendern der Gedenktafel, in dem er seine besondere Freude aussprach, daß es der Träger der höchsten Spitze unseres Kirchen— regiments ist, der einem Manne, in dessem Sinne die Fakultät weiter arbeite, diese Ehrung zu Teil werden läßt. Oberbürgermeister Gnauth führt mit kurzen Worten aus, daß es ihm zur Ehre gereiche, hier der Dolmetsch der städtischen Ver— waltung sein zu dürfen. Die Stadtverordneten hätten in ihrer letzten Sitzung beschlossen, eine unserer neuen Straßen Credner-Straße zu nennen, zum Gedächtnis des Mannes, der, wie wir aus beredtem Munde gehört, Verdienst um die Wissenschaft habe, der aber auch durch sein mannhaftes Eintreten für Wahrheit und Recht unbestritten große Bürgertugend an den Tag ge— legt habe. Der Rektor Prof. Stade dankt dem Oberbürgermeister namens der theol. Fakultät für die Ehrung seitens der städtischen Behörden worauf Pastor Manchot-Hamburg, der Schwie— gersohn Credners, den Gefühlen Ausdruck giebt, welche dessen Nachkommen heute beseelen. Das Lutherlied:„Eine feste Burg ist unser Gott“ bildete den Schluß dieser erhebenden Feier.
Lokales und Provinzielles
* Gießen, 11. Januar. Das gestrige Krauße⸗Konzert in Steins Saalbau war sehr gut besucht. Das Programm war wieder recht sorgfältig zusammengestellt. Es wäre zu wünschen, daß mehr Ruhe im Saal herrschte, damit denjenigen, welche sich wirklich für Musik interessieren, der Genuß daran nicht verkümmert wird. Neu auf dem Spielzettel war gestern ein Walzer von Krauße„An der Lahn“, der den N Beifall fand und wiederholt werden mußte.
* Gießen, 11. Januar.“ Wir hören, daß in Aussicht genommen ist, in kdieser Woche in Steins Garten das erste karnevalistische Konzert zu veranstalten.
Gießen, 11. Januar. Der Physiker Gustav Amberg⸗Berlin, wird am 20. und 21. ds. Mts. in Steins Saalbau einen zwei Abende umfassenden Experimental-Vor⸗ trag halten.
* Gießen, 11. Jan. Gestern feierte das Philipp Brandtsche Ehepaar das Fest seiner silbernen Hochzeit. Zahlreiche Freunde und Verehrer hatten sich im Restaurant Luft zu⸗ sammen gefunden, um das Jubelpaar zu ehren. Der Jubel-Hochzeiter, Herr Philipp Brandt, ist in der ganzen Stadt beliebt, freut sich doch jeder, wenn der freundliche Mann bei ihm erscheint, — um Postanweisungsbeträge auszuzahlen.
* Gießen, 11. Januar. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde in den Räumen eines hiesigen Kaufmanns ein Dieb ermittelt.
Nachdem er eine Tracht Prügel erhalten, wurde er der Poltzei übergeben.
* Gießen, 11. Februar. An der Lahn⸗ brücke wurden gestern unter dem Eise zwei Packete entdeckt, die je einen abgezogenen Fuchs enthielten. 5
* Gießen, 11. Januar. Zwei erschütternde
gehend und von gleich traurigen Folgen be— gleitet, haben sich in dieser Woche im Kreise Alsfeld zugetragen. In Merlau machte sich das zweijährige Kind dortiger Eltern, nachdem die Mutter den Kaffee in den Kessel g.schüttet und den Kaffeekroppen hinaustrug, an den mit kochend heißem Kaffee gefüllten Kessel. Derselbe fiel um und der heiße Inhalt ergoß sich über das Kind, daß so verbrüht wurde, daß es seinen Verletzungen erlag. In Nieder-Gemunden hatte das Christkindchen einem dreijährigen Knaben braver Eltern einen Kinderschubkarren beschert. Mit diesem spielte das Kind und stieß wider den ebenfalls mit kochendem Kaffee ge— füllten Kessel. Der heiße Kaffee ergoß sich über das arme Kind und verbrannte es so jämmerlich, daß es gestern an seinen Ber— letzungen starb.
* Gießen, 11. Januar. Anläßlich der Ver⸗ handlungen im Landtag über den Antrag der Abgeordneten Köhler und Genossen betr. die Errichtung einer staatlichen Ersatzkasse für Hagelschäden im Großherzogtum Hessen wurde die Ergreifung weiterer Maßnahmen zum Zwecke der Ausbreitung der Hagelver— sicherung für empfehlenswert erachtet und als solche namentlich die Förderung der Kollektiv⸗ versicherungen bezeichnet. Die staatlichen Auf- sichtsbehörden haben sich nun wegen der Bildung
sicherungsgesellschaften in Verbindung gesetzt, um für die zu Versichernden wesentliche Vorteile zu erlangen. Die Bürgermeister der Landgemeinden sind vor einigen Tagen aufgefordert worden, in aller Kürze die in ihren Gemeinden wohnenden Grundbesitzer zu einer Besprechung zusammenzu⸗ berufen, um sie zu veranlassen, sich zu dem Zwecke einer Kollektivversicherung gegen Hagelschaden zu verständigen. Nach dieser Besprechung haben die Bürgermeister an das Kreisamt einen Bericht zu erstatten mit der An⸗ gabe, ob in der Gemeinde und in welchem Um⸗ fange, nach der Zahl der Personen, Größe der Feldfläche und Versicherungssumme, Aussicht zum Abschluß einer Kollektivversicheruug vorhanden sein würde. Nach dem Eintreffen der Berichte der Bürgermeister wird alsdann von der staat⸗ lichen Aufsichtsbehörde das Nötige für das Zu— standekommen einer Versicherung veranlaßt.
* Grünberg, 11. Januar.(Seltenes Jagdglück.) Vor einigen Tagen gelang es dem Forstwart vom Obergenner Hof und einem Jagdpächer aus Lobenhausen im Walde zwischen letztgenanntem Ort und Feldbrücken zwei Edel⸗
hirsche(Zwölfender), im Gesamtgewicht von 500 Pfund zu erlegen. Ein Achtender wurde angeschossen.
* Darmstadt, 10. Januar. Die Auf⸗
forderung zum gemeinschaftlichen Laden- schluß war von bestem Erfolg begleitet; allent⸗ halben sind die Geschäfte ser Montag um 9 Uhr Abends geschlossen, was sowohl im Ju⸗ teresse der Geschaftsinhaber als auch des Per⸗ sonals freudig zu begrüßen ist. Um nun fur
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Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Aber trotz dieser scheinbaren Aussichtslosigkeit ihres Beginnens verlor doch keiner von ihnen den Mut, und kein ängstliches Zagen um das eigene Leben konnte sie bestimmen, von ihrem hochherzigen Beginnen abzustehen.
Den Männern, welche in angstvoller Spannung auf dem Deiche harrten und deren Blicken sie durch die Biegung des Flusses entzogen waren, galten sie längst als verloren; denn viele unsäglich lange Minuten verstrichen, ohne daß von der brausenden und brodelnden Wasserfläche her ein Zeichen des Lebens gekommen wäre. Noch wagte Keiner, es laut auszusprechen; in den düsteren Mienen der Männer aber war es deutlich zu lesen, daß sie keine Hoffnung mehr auf die Wiederkehr der edlen Retter zu hegen wagten.
Doch ungeachtet aller Wut der Elemente war der Himmel dem hochherzigen Beginnen gnädig ge— Ihrem vereinten, auf das Aeußerste ange— spannten Bemühen gelang es wirklich, was unter
verstummt, weil die mit den Wellen Ringenden die
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Kraft dazu verlassen hatte; aber Bernhard, der im Vorderteil des Bootes stand, sah die auseinander— gerissenen Balken mit den beiden in Todesangst daran festgeklammerten menschlichen Gestalten plötzlich, fast unmittelbar vor dem Fahrzeug auftauchten. Und wenn auch derjenige Teil der Rettungsarbeit, welcher jetzt noch zu vollbringen war, sich als der bei Weitem schwierigste und gefahrvollste erwies, so be— siegten die Kraft und die Geschicklichkeit des jungen Ingenieurs doch auch diese letzten Hindernisse. Ohne daß der gebrechliche, heftig schwankende Kahn umgeschlagen wäre, brachte er die anscheinend schon dem Tode überlieferten, eine dem Bauernstande angehörige Frau und ihren etwa elfjährigen Knaben, glücklich in das Boot, und nach kurzer Fahrt ge— langten sie— fast eine halbe Meile unterhalb der Stelle, von welcher sie abgefahren waren— mit den fast erstarrten und halb bewußtlosen Geretteten todesmatt, aber wohlbehalten an das Gestade.
Und als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten, reichte Rodewald dem jungen Manne seine Hand.
„Ich danke Dir, Bernhard“, sagte er, umsonst
den herrschenden Verhältnissen beinahe unmöglich bemüht, seine Bewegung zu bemeistern,„und ich
scheinen mußte.
Wohl waren die Hilferufe völlig] glaube, ich habe Dich noch nicht einmal begrüßt.“
Der Ingenieur ergriff die dargebotene Rechte mit herzlichen Druck; aber es war etwas wie ein sanfter Vorwurf in seiner Stimme, als er er— widerte:
„Deinen Dank habe ich gewiß nicht verdient, denn damit, da Du Dich entschlossen, mich zu be— gleiten, thatest Du viel mehr als ich. Ich konnte Dich ja nicht daran hindern; aber es fiel mir schwer auf die Seele, als ich sah, welcher Gefahr Du Dich aussetztest. Es wäre der Betrübnis genug gewesen für Elisabeth, wenn sie mich verloren hätte!“
„Mit inniger Rührung sah ihm der weißhaarige Alte in's Gesicht.
„Ja, es wäre schon viel zu viel Betrübnis ge— wesen!“ sagte er mit fast erstickter Stimme, während er beide Hände auf Bernhards Schultern legte. „Aber Gott hat es anders gewollt; nun soll sie uns Beide behalten, so lange es ihm gefällt!“
Die Sorge für ihre Schützlinge hinderte sie, sich noch weiter auszusprechen. Die Frau hatte sich bald leidlich erholt; der Knabe aber war außer Stande, auch nur einen einzigen Schritt zu gehen, So nahm ihn denn Bernhard kurz entschlossen in seine Arme, während Rodewald im Weiterschreiten
die Frau so gut als möglich unterstützte. Natürlich
—.
kamen sie unter solchen Umständen nur sehr langsam auf der Höhe des Deiches vorwärts, und die ersten der Männer, welche ihrer ansichtig wurden, starrten die Totgeglaubten an wie aus dem Grabe er— standene Gespenster. Als man sich überzeugt hatte, daß man es wirklich nicht mit übernatürlichen Er— scheinungen zu thun habe, brachen der Jubel und die Freude um so lebhafter aus, so daß Rodewald und Bernhard Mühe hatten, sich den ehrlich ge— meinten, aber fast allzu stürmischen Glückwünschen und sonstigen Huldigungen zu entziehen.
Obwohl sie sich tapfer aufrecht hielten, waren sie doch Beide zu durchnäßt und angegriffen, um noch länger hier im Freien bel den Dammarbeiten zu verweilen. Und ihre Anwesenheit erschien über dies minder dringend geboten als vorher, denn während ihres Fernseins war die ermutigende Ent— deckung gemacht worden, daß der Fluß in ziemlich raschem und stetigem Fallen begriffen sei. Wenn die Gefahr damit auch noch nicht als ganz beseitigt angesehen werden konnte, so war sie doch jedenfalls erheblich gemindert, und— was für den Augenblick das Wichtigste war— der fast erschöpften Arbeiter hatte sich neues Vertrauen und festere Zuversicht auf den glücklichen Erfolg ihrer aufreibenden Thätig keit bemächtigt.
(Schluß folgt.)
Unglücksfälle, aus gleichen Ursachen hervor⸗
solcher Kollektivversicherungen mit den Hagelver⸗


