Gießen, Somabend, den 11. September
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Sept.. Redaktion: 22 zien, welch Kreuzplatz Nr. 4. 2 istliches a gaben uf . mah Aus dem Manöver. obe de a zpealbericht unseres für die gestrige Hauptschlacht be⸗ wenn die hd sonders engagierten Berichterstatters.) sich ain Gießen, 10. Sept. 1897. „Grashdans Da unser Berichterstatter uns heute früh nicht den telle eingesohn sprochenen Bericht lieferte, waren wir gezwungen, ihn as angeblich einer Wohnung aufzusuchen. ündnis Wir klingeln! Die Korridorthür wird geöffnet, wir en hätten el, Auf dem Flur hängt ein grünlich lgulich ori — her Sommerüberzieher mit zahllosen Dreckspritzern, da⸗ bung, Bern ben ein unbeschreiblicher Gegenstand, von dem uns die 1 0 dau unseres Spezialkriegsberichterstatters versichert, daß
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Wir fragen: Wo ist der Manöverbericht, wo ist der rr De— Die Frau will uns zurückhalten.— Wir er hinein in ein Zimmer, aus dem uns schreckliches he entgegendrang. Was ist denn los? Verunglückt? ank? Bein zerbrochen? Katzenjammer?„Ouh! uh! Ouh!“— Zum Donnerwetter, was ist denn los? — Halbtot!“— Wovon denn? Unter Kanonen ge⸗ mmen? Ueberfahren?—„Ja, schöne Kanonen! Nix n Kanonen gesehen!“— Ja, was fehlt Ihnen denn? „Huh! Ouh!“— Dabei wand sich der Unglückliche atter hin und her. Er hatte Zahnweh, Bauchschmerzen, opfweh, wundgelaufene Füße und Rheumatismus. Mit Mühe und Not brachten wir endlich folgendes us dem verunglückten Spezial⸗Manöverberichterstatter baus!
Jg fuhr todesmutig, bewaffnet mit einem Kompaß, Item Feldstecher und einem Regenschirm heute früh 8.15 Jauch Hungen. Ich beabsichtigte nämlich, von hinten um an die Bayern zu kommen, denen ich mit guten Josschlägen zur Seite stehen wollte, weil ich sie so gut ben kann, von wegen der blauen Röcke. Wenn ich mulich so einen blauen Rock sehe, denke ich immer an e schönen blauen Montage, die ich in meiner Jugend nacht habe. Von Hungen aus machte ich mich auf die boden gen Münzenberg. Meine„Spezialidee“ war die: u lletterst auf den Münzenberg, dann kannst du das Innze Schlachtgebiet bis Frankfurt übersehen und so kannst am leichtesten den Standpunkt der geliebten Bayern den. Leider kam ich trotz Zuhilfenahme von Kompaß in Feldstecher vom Wege ab und kam statt nach Münzen⸗ erg nach Södel. Dort angekommen war ich schon halb ahm. Durch Feldwege, in denen man bis über die e einsank, in strömendem Regen.. oh, diese verflixte Vbczlalberichterstattung! Von Södel ging's nach Oppers⸗ been— und dort schlug mein Sptezialberichterstatters⸗ uissen höher!— Ich hörte Schießen, Gott sei Dank!
Aso los in der Richtung, woher das Schießen kam. wischen immer Regen— Regen. Meine Stiefel achten bei jedem Schritt: Quitsch, quitsch! Immer ler gelaufen.. Ich komme in die Nähe Rocken⸗ kegs. Da treffe ich einen Bauersmann, der mich sehr Ahtrauisch ansieht, als wollte er fragen, ob ich etwa u Rockenberg ausgekniffen sei. Um dem Manne zu khonieren, stelle ich mich als Spezialmanöverberichterstatter un und klopfte felbstbewußt auf meinen Feldstecher.
Ich denke, mich trifft der Schlag— so fürchterlich lugt der Bauer an zu lachen.„Sie un Mzmöverbericht⸗ kügtter? Wissen Sie denn nit, daß Sie fünf Stunden In hier laufen können, ehe Sie einen Soldaten zu sehen egen?“— Was, sage ich, fünf Stunden? Ach, du lber Gott, dann kann ich allerdings wohl kaum von Fuen herum die Bayern erreichen.—„Nä“, sagt der Tann,„von hinten herum werden Se kaum dran kommen. een Se froh, wenn Se se von vorne durch ihren Opern⸗
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gucker zu sehen kriegen.“ war's nun nichts mehr. Ich lief und lief im strömenden Regen. Die Stiefeln guietschten weiter. Ich wickelte nun meinen Feldstecher in Papier, damit ihn niemand sah. Denn ich mochte nicht noch einmal als Manöverberichterstatter ausgelacht werden.
In der Nähe von Griedel sah ich einen Soldaten, der ein lahmes Pferd führte— also wieder ein Hoffnungs⸗ strahl! Leider der letzte. Ich lief immer zu— es regnete— die Stiefeln machten: quietsch, quietsch!
Um zuzustrecken, ging ich von der Hauptstraße ab auf Feldwege. In der Nähe von Butzbach hatte ich eine halbe Stunde zu thun, um mich wieder aus dem Dreck herauszugraben, in den ich bis über die Knie geraten war. In Butzbach angekommen, knickte ich zusammen. Ich hatte im Regen acht volle Stunden herumgeirrt, um von hinten herum an die Bayern zu kommen. Es sollte nicht sein. Die tapferen blauen Jungen mußten sich ohne meinen Rat mit den Preußen schlagen— deshalb haben sie wahr⸗ scheinlich verloren. Ouh, ouh, autsch!
„Ich lasse mich nicht wieder von ihnen als Spezlal⸗ manöverberichterstatter engagieren,“ damit schloß unser Spezialmanöverberichterstatter seinen Spezialbericht.„Für die gestrige Tour verlange ich ein Paar neue Stiefeln, Strümpfe, neue Hose, neuen Ueberzieher, neuen Hut, Be⸗ zahlung der Doktor⸗ und Apothekerrechnungen und täglich 6. so lange ich krank vin infolge der gestrigen Stra⸗ pazen.“———
Unter diesen Umständen werden es unsere Leser ent⸗ schuldigen, wenn wir in der„Ausgabe Gießen“ nicht aus⸗ führlicher über den gestrigen Manövertag berichten können.
Lokales und Provinzielles. * Gießen, 10. Sept. Die Privatdozenten Dr. Franz Wagner Ritter von Kremsthal und Dr. Bruno Sauer in Gießen sind zu außerordentlichen Professoren bei der philo⸗ sophischen Fakultät der Landes ⸗Universität er⸗ nannt worden.
* Gießen, 10. Sept. Heute, Freitag Abend gegen 8 Uhr, werden sich die Knappen des Gießener Braunstein-Bergwerkes auf dem Platze unterhalb der Aktienbrauerei am Ausgang der Ludwigstraße aufstellen, um von hier aus die Ludwig⸗, Alice⸗ und Frankfurter⸗ straße entlang postierend dem Leiter des Werkes, Bergwerksdirektor S. Pascoe, aus Anlaß seines 40jährigen Dienstjubiläums einen Fackel⸗ zug zu bringen. Die Wohnung des Jubilars befindet sich in der Frankfurterstraße und wird von hier aus der Zug nach der„Schönen Aus⸗ sicht“ hin sich begeben, wo die Fackeln zusammen⸗ geworfen werden.
* Gießen, 10. Sept. Die„Köln. Zeitg.“ erfährt von ihrem Korrespondenten aus Darm⸗ stadt, daß der Kaiser und die Kaiserin von Rußland anfangs Oktober zum Besuche am
Mit meiner schönen Spezialidee
Darmstädter Hof erwartet werden. Der Besuch sei ein rein familiärer. 5 * Gießen, 10. September.(Diebstahl.)
Einem Kaufmann in der Bismarckstraße wurde gestern Mittag aus der Ladenkasse ein Zwanzigmarkstück entwendet. Die als⸗ dald angestellten Nachforschungen blieben bis jetzt ohne Erfolg.
Eine reiche Partie.
Erzählung v lix von Stenglin. 225—(Nachdruck Nabe
(Fortsetzung.)
e Hellmuth zupfte nachdenklich an den Fransen
lane, h Sessels. Nach einer Pause fragte er: dap 5 1 4— was hat mein Vater 10 12 Ftahlspahn„„er gab mir auf sehr kurze Weise zu ver' ichse inch, ken, ich sollte warten. Warten] Was das heißt, 1 10 a Oualltile dleiß ich. f beln Echoubel kel hoffe, Herr von Warnahagen ie ziehen
uu, iu ere ehrliche Absicht nicht in 70 0 01 1 5
— 1 weiß, wie es in diesem Falle mit den ehrlichsten Nusttal 1 blen zu gehen pflegt. Man muß das Eisen 5 Marl
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Bogen, 90 eiblag⸗ und Prad 10
„Ganz und garnicht, Herr von
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1 Und wenn ich itgift entgehen.“
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dmieden, so lange es warm ist.
0 100. Mitgift beanspruche ich, da meine
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ron ausreichende Zulage erhält, nicht. a I. van 0 0„Nicht? Nun, aber ohne Mitgift können Sie krumenle, h nicht zahlen. Und auf Herrn Puh lmanns . Laa ed zu warten, dazu habe ich keine Lust. Wahr⸗ eue Pian belulich lebt er länger als ich. Der* 1 0. Lea N sisen verdauen. Wie dachten Sie also die Sache 10% arrangieren?“ 925 n g f N 1.8 10 ich jetzt noch nicht. Sowie ich . Aen.„Zahle ich.“ . e,»Ein sehr dehnbarer Begriff.“ e 0 0„Wäre eine Mitgift gegeben worden, so würde l„ die Frist von vier Wochen inne gehalten haben,
%o muß ich eine günstige Gelegenheit abpassen.“
„Das ist ausgeschlossen, unbedingt ausge— schlossen! Meine Frau darf keinesfalls etwas er⸗ fahren.“ Und Hellmuth erhob sich ebenfalls und ging erregt im Zimmer auf und ab.
Warnshagen richtete sich auf.„Bleibt also nur noch ein Weg für mich. Ich muß mich an Herrn Puhlmann direkt wenden.“
Hellmuth blieb stehen scharf an.„Und unter welcher Form—
„Ich muß ihn mit der ganzen Angelegenheit bekannt machen.“
„Und meine Frau?!“ i s
„Ich nehme ihm das Versprechen ab, ihr nichts zu sagen. Das werde ich für Sie thun. Im übrigen aber kann ich, wenn Sie nun einmal nicht vorgehen wollen, keinerlei Rücksicht mehr üben.“
Immer erregter ging Hellmuth auf und ab. „Schön! Schön! Wunderschön! Das Familienleben kann ja reizend werden!“ Er blieb wieder vor Warnshagen stehen.„Und Sie glauben, daß er Ihnen die Summe geben wird? Ha! Denkt ja nicht daran! Das ist vergebenes Bemühen, mein Wertester.“
„Es könnte errn nicht angenehm sein, mein ich, in die Oeffentlichkeit käme—7 N
„Schurke!“ Die Fäuste ballend ging der junge Offizier auf Warnshagen zu.
Dieser fuhr zusammen. er sich gefaßt hatte, zuckte
ln. 8 1900 was Sie wollen!“ fuhr Hell⸗
und sah den anderen
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Ihrem Herrn Schwiegervater doch wenn die Sache
Dann aber, nachdem er nur höflich die
Nun, und wenn sie dem Schwiegervater reinen 1 ein einschenken?“
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0 en Sie, 2 1 fort.„Gehen Sie hin zum Alten!
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Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.
* Expedition: 0 Kreuzplatz Nr. 4.
* Gießen, 10. September. Der in Gießen bekannte Afrikareisende Dr. George Kolb hat kürzlich Beiträge zu einer geographischen Patho⸗ logie Britisch⸗Ostafrikas herausgegeben.(Gießen 1897, von Münchow'sche Universitätsdruckerei). Abgesehen von ihrem wissenschaftlichen Inhalt enthält das Schriftchen manche interessante Mit⸗ teilung über die Schwarzen in Afrika, sodaß dasselbe auch für den Laien, der sich über den schwarzen Erdteil unterrichten will, manch Neues enthält. Wir erfahren auch aus diesem Werkchen, daß Professor Hansen in unserem botanischen Garten aus Samen, den ihm Dr. Kolb über⸗ lassen hat, eine neue Heilpflanze zieht, die vorzüglich gedeihen soll. Bei gewissen Nerven⸗ erkrankungen angewendet, soll nach den Versiche⸗ rungen des Forschers in Afrika die Pflanze bei den Negern heilkräftige Wirkung ausgeübt haben. Es handelt sich nach Angabe des Verfassers um die Gewinnung der Rinde eines der Familie der Rutaceen angehörigen Baumes, doch wird sich sicheres darüber erst berichten lassen, sobald eine genügende Quantität des Mittels vorhanden ist. * Gießen, 10. Sept. Zur Geschichte der Ansichtskarten. Auch die Ansichtskarte hat ihre Geschichte, so schreibt das Wiener Fremdeublatt. Als ihr Erfinder wird ein deutscher Lithograph, Mies ler mit Namen, be⸗ zeichnet, dem aber, wie so vielen Erfindern, die Vorteile der Erfindung von Andern, die prak- tischer an die Sache herangingen, entwunden worden sind. Anfangs der sechziger Jahre, als Miesler die ersten Berliner Ansichtskarten herstellte, gab es noch keinen Gebrauchsmuster⸗ schutz und übrigens dürfte er damals kaum seiner Idee eine große Tragweite beigemessen haben. Heute giebt es in Deutschland allein an sechzig Fabriken, die für Postkarten mit Ansicht Sammelalbums herstellen. Der„Postkarte mit Ansicht“ haben sich bereits zwei besondere Fach⸗ zeitschriften gewidmet, und natürlich besteht auch schon ein„Allgemeiner Zentralverband für An⸗ sichtskartensammler“, der unter anderem auch den Zweck verfolgt, die Mitglieder vor unreellen Händlern— auch diese giebt es schon— zu be⸗ schützen. Mehr als ein Dutzend hervorragender lithographischer Anstalten in Berlin, Leipzig, Eisenach, München, Stuttgart, Frankfurt, Würz⸗ burg, Nürnberg und an anderen Orten beschäf⸗ tigen sich heute ausschließlich mit der Herstellung von Postkarien mit Ansicht; Künstler von Ruf und betitelte Professoren wirken häufig hierbei mit und der Lithograph braucht manchesmal, um die Entwürfe mit der nötigen Präziston auf den Stein zu bringen, eine Arbeit von zehn Wochen für eine einzige Karte. Aquarelldruck, Buntdruck, Gummistempel, Holzschnitt, Kreide⸗ drucke, Lithographie, Lichtdruck, Zinkdruck, Photo⸗ lithographie, Photographie und Prägedruck, in allen Gattungen werden die Bilder hergestellt. Wie bereits bemerkt, ist Deutschland die Heimat der neuen Industrie und es hat auch heute noch die führende Rolle. Karten von Rom, von Petersburg, von Griechenland, von San Fran⸗ cisco, von Sansibar, von Tirol, von der Schweiz, Mir soll's recht sein! Ah! Ah! Nun sehe ich, wo hinein ich mich verstrickt habe!“
Er ließ sich auf den Sessel fallen und stlützte den Kopf in die Hand.
„Es ist noch Zeit, Herr von Jürgen. können noch selbst—“
Trotzig erwiderte der Offizier:„Sparen Sie sich diese Bemühungen! Wenn mir mein Glück schon besudelt werden soll, will ich es wenigstens nicht selbst thun, sondern es einem anderen über— lassen. Gehen Sie! Ruinieren Sie mich! Nun? Worauf warten Sie noch?“
„Ich sehe die Sache nicht so schwarz an. Der Mann wird nicht erbaut davon sein, ohne Zweifel. Aber er wird fich schließlich beruhigen. Meinen Entschluß kann ich nicht ändern. Jeder ist sich selbst der nächste. Bitte wollen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin empfehlen—“ Hellmuth machte eine unwillige Bewegung, Warushagen verbeugte sich und ging.—
Es war dunkel geworden. Kopf zur Thür herein.
„Wo bleibst Du denn?“ sagte sie „Er ist doch schon so lange fort..
Hellmuth erhob sich und faßte die Hand seiner Frau. Es war ihm lieb, daß sie seine Züge jetzt nicht erkennen konnte.
Und dann umfaßte er sie und preßte sie fest an sich.„Du liebes, liebes Weib!“ sagte er innig. In ihm aber sprach es: Verloren!
XI. Herr. Carl Puhlmann war nicht in der besten
Sie
Röschen steckte den
freundlich. 110
Laune, als Warnshagen am nächsten Morgen zu
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ja sogar von Wien und anderen niederöster⸗ reichischen Orten, werden draußen hergestellt und hier verkauft.
* Gießen, 10. Sept. Aus dem Manöver ist der„Kleinen Presse“ ein Bericht zugegangen, der uns so unglaublich erschien, daß wir von einer Wiedergabe desselben absehen wollten. Da jedoch in Zeitungen, die uns heute früh zugingen, der Bericht ebenfalls Aufnahme gefunden hat, so liegt für uns keine Ursache mehr vor, an der Richtigkeit desselben zu zweifeln. Er lautet: „Okarben, Kreis Friedberg. Ich möchte Ihnen eine Mitteilung über einen Vorfall machen, der sich am Dienstag, den 7. September, hier zuge⸗ tragen hat. Gegen Abend bekamen wir Not- einquartierung in unserem Ort. Ein Lieute⸗ nant der X. Kompagnie der X. Infanterie, Namens G., kam zu meiner Frau und bat um ein Zimmer mit Bett, was ihm gleich bewilligt wurde. Als er es ansah und zwei Betten im Zimmer fand, sagte er, das eine Bett genüge ihm nicht, er müsse sie beide haben. Meine Frau erwiderte ihm darauf, das eine Bett brauche ste für sich, worauf der Offizier ihr bemerkte: „Sie haben gar nichts mehr zu sagen, Sie haben kein Recht mehr daran!“ Er ging dann fort und kam mit noch drei Soldaten zurück, die an⸗ fingen, zu räumen. Meine hinzugekommene Schwägerin wies der Lieutenant hinaus und schloß die Thür ab. Als meine Frau sich nun widersetzte, wurde ihr gesagt, sie solle draußen schlafen, dabei faßte der Offizier die Frau, die der Niederkunft nahe ist, im Rücken und stieß sie zur Thür hinaus, daß sie bis zur anderen Thür hinüberflog, um dann hinter ihr abzuschließen. Er schloß dann nicht eher auf, bis ihm das von dem Kompagniechef, der von meinem Schwager herbeigerufen wurde, befohlen worden war. Dieser Vorgesetzte wies ihn dann aus dem Haus. Nachher schlief ein anderer Offizier in dem Zimmer. Georg Wall, Schreiner.“— Man kann darauf gespannt sein, was dem schneidigen Lieutenant passieren wird.
* Hungen, 8. Sept. Am 20. September wird bei unserem Städtchen ein Viehmarkt mit Ausstellung und Prämiierung von Rindvieh der im Kreise Gießen wohnhaften Züchter abgehalten. Zur Ausführung der Preis⸗ verteilung sind von dem landwirtschaftl. Bezirks⸗ verein unseres Kreises 500 und von unserer Stadtverwaltung 200 zur Verfügung gestellt. Prämiiert werden Bullen der reinen Vogelsberger oder Simmenthaler Rasse nur im Alter von 1—2% Jahren, Muttertiere auch dann schon, wenn sie ausgesprochen Simmenthaler Typus
zeigen. * Nidda, 8. September. Der diesjährige Herbstmarkt, zugleich Kirchweihe, war
durch den strömenden Regen, der den großen Wiesenplan in eine Pfütze umwandelte und den Aufenthalt im Freien zur Unmöglichkeit machte, schwer beeinträchtigt. Der Besuch von außen war schwach, der Auftrieb von Vieh ebenso. Alles, was aufgetrieben war, wurde auch ver⸗ kauft zu hohen Preisen. 24 Landwirte erhielten
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ihm kam. Letzterer bemerkte dies sofort bei der Begrüßung, aber es galt, die Sache nun endlich zum Abschluß zu bringen, und so zögerte er nicht, seinen Vor satz auszuführen.
„Lieber Herr Puhlmann“, sagte er möglichst liebenswürdig,—„ich komme im Juteresse Ihrer Kinder.“ 5
„So!“ machte Puhlmann und sah den Besucher scharf an.
„Ihre Frau Tochter zwar weiß von der Sache noch nichts, und ich will Sie gleich zu Anfang lasen ihr gegenüber auch nichts verlauten zu lassenn
„Hebben Se man keene Bange nich, wenn. meine Dochter nich wissen darf, kriegt se't ooch nich zu wissen.“
„Nun, dann werde ich mit der Sprache gleich herauskommen, lieber Herr Puhlmann. Sie haben Ihrer Tochter keine Mitgift gegeben—“
„Dat's meine Sache!“
„Ohne Zweifel. Auf diese Weise kann Ihr Herr Schwiegersohn aber gewissen Forderungen nicht gerecht werden, das heißt, er kann seine Schulden nicht bezahlen.“
Puhlmann fuhr zurück. nich bezahlt?!“
„Etwas davon haben Sie bezahlt, aber die große Summe, die er mir schuldet, steht noch aus. Dann ist aber auch alles glatt. Na,— und Ihre Tochter ist glücklich geworden, das kann man nicht zu teuer erkaufen. Bei Ihren Millionen konnen die hunderttausend Mark nicht in Betracht kommen.“
„Na, hebb' ick se denn
(Fortsetzung folgt.)


