Ausgabe 
11.8.1897
 
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Nr. 186

Gießen, Mittwoch, den 11. August

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Jessische Landeszeiln

Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion:

*. Kreuzplatz Nr. 4. 2

eokales und Provinzielles.

15 Gießen, 10. August. Arbeiter⸗Fahr⸗ karten werden vom gestrigen Tage ab sowohl

im Lokal⸗Verkehr der Eisenbahndirektion Frank⸗ furt a. M., als im direkten Verkehr mit den Bezirken Erfurt, Cassel, Elberfeld und Cöln zu 1 Personenzügen mit 4. Wagenklafse Iiugelassen.

zug, Gießen, 10. Aug. Am 1. September d. J. wird an der Bahnstrecke Deutz⸗Gießen zwischen den Stationen Ehringshausen und Aßlar der Haltepunkt Werdorf für Per- sonen⸗ und Gepäck⸗Verkehr eröffnet.

KE. Gietzen, 10. Aug.(Radfahrsport.) Zu dem am Sonntag, den 8. cr., vom Nord⸗ bezirk des Gaues 9 des deutschen Rad⸗ fahrer⸗Bundes arrangierten Preistouren⸗ fahren hatte derGießener Radfahrer⸗ [Verein 1885 in überaus starker Weise

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gemeldet und durch seine großartigen Erfolge bell. Leider hatten die Fahrer sehr unter der AUngunst der Witterung zu leiden, und doch ge⸗

lang es Dreien, die vorgeschriebenen 185 Km. in noch nicht 12 Stunden zu bewältigen. Wenn man bedenkt, daß in dieser Zeit an 16 Kontroll⸗ tationen Bescheinigungen erbracht werden mußten, welche bisweilen bedeutenden Aufenthalt ver⸗ ursachten, so sind die Leistungen als ganz beson⸗ ders hervorragend anzuerkennen. Im Tandem⸗ fuhren ist angesichts des sehr bergigen Terrains des Nordbezirks Großartiges geleistet worden. ber auch die älteren Herren des Vereins ließen ch sich nicht nehmen, in dem vom Gau für Jahrer über 40 Jahre arrangierten Lan d⸗ urmfahren um die Siegespalme zu werben, und gelang es auch hier, siegreich das Feld zu behaupten. Die Leistungen werden vom Gau 9 Frankfurt durch Medaillen prämiiert. Dem 0Bießener Radfahrer⸗Verein 1885 zu seinen kübschen Erfolgen unsere herzlichsten Glückwünsche! All Heil! m. Gießen, 10. Aug. Ein recht trau⸗ riger Unglücksfall ereignete sich gestern Abend auf der Main⸗Weser⸗Bahnstrecke. Als ich der Frankfurter Personenzug kurz vor Fried⸗ berg befand, sah der Karpenter⸗Bremser Wil⸗ helm Wahl von hier aus irgend welcher Ver⸗ unlassung nach der Seite des Zuges und lehnte

ben Oberkörper so weit heraus, daß er mit dem Kopf gegen einen sogen. Sig⸗ Kalmast rannte, wodurch der Schädel sertrümmerte. In das Krankenhaus nach ei verbracht, ist der Unglückliche, der eine zitwe mit fünf Kindern hinterläßt, heute Vor⸗ mittag gestorben.

Gießen, 10. Aug.(Tod durch einen kirschenkern.) Der Uhrmacher Christian Schäfer von Offenbach, der schon längere Jahre Magenbeschwerden hatte, ließ sich vor nigen Tagen zweimal in der hiesigen Klinik bperieren. Durch die Operation wurde festge⸗ kellt, daß Schäfer einem Kirschenkern, den er or vielen Jahren verschluckt haben muß, seine Beschwerden zuschreiben konnte. Der Kern hatte

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen! 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.

sich im Laufe der Zeit im Blinddarm festgesetzt. Die Operationen konnten den Mann nicht mehr retten und der Bedauernswerte starb.

* Gießen, 10. August. Im Kasino zu Alzey tagte am Sonntag, von etwa 150 Mit⸗ ann besucht, die diesmalige Generalver⸗

ammlung des Landesgewerbevereins unter dem Vorsitze des Präsidenten der großh. Jann e für die Gewerbe, Herrn Geheimen aurat Sonne. Namens der Stadt begrüßte 99 Bürgermeister Dr. Sutor, namens des

rtsgewerbvereins dessen Vorsitzender Herr Mach⸗ wirth die Versammlung und gab zugleich einen Rückblick auf die Entwickelung des Alzeyer Ge werbes in den letzten 25 Jahren. Der von Hech Baumeister Noack zur Kenntnis gebrachte

eschäftsbericht über das letzte Vereinsjahr kon⸗ statierte einen Zuwachs von 178 und jetzt über 5800 Mitglieder, die größtenteils in 65 Orts⸗ gewerbvereinen vereinigt sind und gedachte des näheren der Thätigkeit des Landesgewerbvereins, in dessen Bereich in 1895/96 für gewerbliche Fortbildungsschulen 295 167 Mark aufgewendet wurden. Alsdann sprach die Versammlung ihre Ansicht aus über verschiedene aktuelle gewerbliche Fragen, wie Förderung der Werkstattlehre, Ver⸗ vollständigung des Gewerbeblattes, Förderung des Genossenschaftswesens im Handwerk usw. Ueber letzteres verbreitete sich Herr Noack in sehr lehrreicher Weise; die Zentralstelle habe auf bez. ministerielle Weise einen Gesetzentwurf zur ge⸗ nossenschaftlichen Organisation des Handwerks durch Erweiterung der Einrichtungen der Landes⸗ kreditkasse für diesen Zweck usw. aufgestellt. Die nächstjährige Generalversammlung findet in Butzbach statt.

* Gießen, 10. Aug. Eine interessante und wich⸗ tige Entscheidung fällte das Reichsgericht auf die Revi⸗ sion des Schulverwalters Friedrich Wilhelm Diehl, der am 5. März 1897 vom Landgericht Darmstadt wegen Körperverletzung im Amte zu einer Geldstrafe von 50 l. verurteilt wurde. Dem Angeklagten, der Verwalter einer Knabenbürgerschule ist, wurde zur Last gelegt, einen Schul⸗ knaben mißhandelt zu haben. Am 4. Juni 1896 wurde von der Witwe Zehm Strafantrag gegen den Angeklagten wegen Mißhandlung ihres Sohnes Franz gestellt. Es wurde festgestellt, daß der Angeklagte den Jungen auf den Kopf geschlagen und am Ohr gerissen hat, und zwar so heftig, daß die Ohrmuschel eingerissen wurde und das Kind stark blutete. Außerdem wurde noch konstatiert, daß der Knabe erst im zweiten Schuljahre war und deshalb überhaupt nicht gezüchtigt werden durfte. Auf Erhebung des Kompetenzkonfliktes überwies das Ministerium die Sache dem Verwaltungsgericht zur weiteren Veranlassung, und dieses stellte sich auf den Standpunkt, der Angeklagte habe eine fahrlässige Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes begangen. Die Revision des Angeklagten gegen das Ur⸗ teil des Landgerichts stützte sich in der Hauptsache auf die Rüge, das Urteil stelle sich zu der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes in Gegensatz, indem es den An⸗ geklagten wegen einer vorsätzlichen Handlung verurteilt habe, während das Verwaltungsgericht nur davon spricht, er habe sich aus Fahrlässigkeit eine Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes zu Schulden kommen lassen. Der Reichsanwalt bezeichnet die Revision des Angeklagten als unbegründet, da das Gericht nicht durch die teilweise rechts⸗

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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führungen bel und verwarf die Revision des Ange⸗ klagten.

* Gießen, 10. August. In dem neuen Staatsbudget ist der Zuschußbedarf zur Lan⸗ desuniversität Gießen auf 675000 Mk. gestiegen, 58000 4 mehr als bisher. Es sind einige neue Professuren vorgesehen, so für Kunst⸗ geschichte, englische Sprache usw., desgleichen Ge⸗ haltserhöhungen verschiedener Professoren; die Kliniken erfordern infolge außergewöhnlicher Aufwendungen und Verbesserungen 62 000. mehr, zusammen nunmehr 470000 4; der Mehrbedarf entfällt hauptsächlich auf die zu ver⸗ größernde Irrenklinik. Für die tech nische Hochschule in Darmstadt sind 248 000 oder 42 000 A mehr vorgesehen, im Wesentlichen veranlaßt durch die bereits erfolgte Schaffung neuer Professuren usw., sodann durch Einstellung eines Betrags von 48000 4 als Anschlag des Anteils der Professoren an den eingehenden Studiengeldern. An diesen hatten bisher die Professoren keinen Anteil, zukünftig soll er je⸗ weils ein Drittel der eingehenden Gelder be tragen, jedoch das Maximum für den Einzelnen die Summe von 2000& fürs Jahr nicht über⸗ steigen. Zugleich ist eine andere Ordnung der Studiengelderzahlung dahin geplant, daß statt der seitherigen Aversa von 60 und 80 4 für Sommer⸗ und Wintersemester vom 1. Oktober 1897 ab für die wöchentliche Vortragsstunde drei Mark für die Uebungsstunde zwei Mark, mindestens aber 80 Mark im Semester gezahlt werden.

* Bad Nauheim, 8. August. In der Woche vom 30. Juli bis 5. August d. Is. sind 973, durchschnittlich in 1 Tag also 139 Kur⸗ fremde angemeldet worden. Die Gesamt⸗ frequenz bis auf den 5. August beträgt 13 907, der Vorsprung gegen das Vorjahr 2055 Per⸗ sonen. Noch anwesend sind 4107 Fremde. Ent⸗ sprechend ist die Bäderfrequen z. Vom 1. April bis einschließlich 5. August 1897 wurden 156 980 Bäder bereitet, 18 763 Bäder mehr als am letztgenannten Tage des Vorjahres.

* Bad Nauheim, 9. August. Eine hier zur Kur weilende Dame machte am Sonntag Nachmittag um 1 Uhr einen Spaziergang. Als sie bis zum Abend nicht zurückgekehrt war, stellte der Hauswirt Nachforschungen an. Die Leiche der Frau wurde nach dem heute stattge⸗ fundenen Gewitter unter dem Schwalheimer Viadukt aufgefunden.

* Mainz, 10. August. Tod durch Ver⸗ brennen. Die schon so oft gerügte Gewohnheit, Petroleum auf glimmendes Feuer zu gießen, hat hier wieder, wie wir schon meldeten, ein Menschen⸗ leben gekostet. Gegen 11 Uhr mittags war die 20jährige Ehefrau des Lackierers Adam Heinz vom Markte nach ihrer im dritten Stockwerk des Hinterhauses, Holzstraße 23, gelegenen Woh⸗ nung gekommen und hatte, um das Essen recht⸗ zeitig fertig zu stellen, aus einer Kanne Petro⸗ leum auf das Herdfeuer gegossen. Die Flamme schlug in die Kanne und brachte sie zum Explo⸗

irrtümlichen Ausführungen des Verwaltungsgerichts ge⸗ bunden sei. Das Reichsgericht pflichtete diesen Aus⸗

dieren, wodurch deren ganzer Inhalt, fast noch zwei Liter, über die unglückliche Frau sich ergoß

und sofort deren ganze Bekleidung in Feuer setzten. Auf das entsetzliche Hilfegeschrei der Bedauernswerten, welche sich an einem eisernen Träger des Treppengeländers angeklammert hatte, eilten mehrere Hausbewohner hinzu, allein niemand getraute sich der Frau, die eine Feuer- säule bildete, zu nähern, bis endlich ein im Nachbarhause wohnender beherzter Kaufmann hinzukam, die Frau mit Hilfe eines Metzger⸗ burschen umlegte und die Flammen mit einem Tuch erstickten. Unterleib und Hüften der Aermsten waren total verbrannt, von den Füßen hingen Fleischstücke, die Brust und der Kopf trugen starke Brandwunden und der eine Ober⸗ arm war bis auf die Knochen verkohlt. Mit Hilfe eines Heilgehilfen wurde die Frau ins Bett gebracht und gleich darauf erschienen die Herren Dr. Reisinger und Dr. Kirnberger, welche der Zufall an der Unglücksstätte vorbei geführt hatte. Die Herren ordneten die Ueberführung nach dem Hospitale an, woselbst sie gegen 12 Uhr von einem Mädchen entbunden wurde. Nach⸗ mittags um 4 Uhr starb die Mutter unter gräßlichen Schmerzen. Die Kleine befindet sich, den Verhältnissen entsprechend, wohl.

* Mainz, 9. August. In Erbenheim hat ein Zigeuner mit einem Revolver auf den Bürgermeister geschossen, weil er einen Trupp Zigeuner nicht im Orte dulden wollte. Der Schuß ging aber fehl und traf einen anderen Einwohner von Erbenheim. Die Zigeuner flüchteten. Sie werden verfolgt.

* Mainz, 9. August. Das städtische Arbeitsamt schloß den dritten Monat seines Bestehens ab. Die Frequenz steigt fortwährend. Von Arbeitgebern gesucht wurden im Mai 397, im Juni 489 und im Juli 511 Personen. Von Arbeitnehmern gesucht wurden im Mai 495, im Juni 665 und im Juli 738 Stellen. Besetzt wurden im Mai 121, im Juni 189 und im Juli 207 Stellen. Der Geschäftsführer erhielt einen Hilfsarbeiter beigegeben.

* Mainz, 9. August. Mit einem Inter⸗ nationalen Radwettfahren wurde am Sonntag der von der Firma G. Drescher er baute, vor dem Gauthor gelegene Mainzer Sportplatz eröffnet. Das Arrangement ging von dem Radfahrerverein Mainz 1895. Tausende von Menschen hatten sich auf der 20 000 qm Gelände umfassenden Anlage eingefunden, um

den voraussichtlich interessanten Rennen beizu⸗ wohnen. Während trotz drohender Gewölke der durch die Straßen der Stadt fahrende Korso glücklich von Statten ging, öffneten sich, als der Zug auf dem Sportplatz anlangte, die Schleusen des Himmels zu einem dichten, anhaltenden Landregen. Das Fahren begann, wozu gegen 100 Meldungen von Amateuren und Berufs⸗ fahrern vorlagen. Da die Bahn an den Kurven um 3 Meter erhöht und im Ganzen mit Cement belegt ist, stürzten infolge des Regens auf der schiefen Ebene die Fahrer ab. Vier erste Fahren auf 1000 Meter wurden beendigt. Im ersten Lauf blieb J. Steigerwald⸗Frankfurt Erster, im zweiten Lauf R. Grünewald⸗Mainz, im dritten Lauf J. Hax⸗Frankfurt und im vierten

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Eine reiche Partie. Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

Sie vermitteln do b auch Geldsachen? Jawobl. Das ist meine Spezia⸗ Ast. Aber ich versichere auch. Unfall, Leben und J Feuer und bin in Sportangelegenheiten thätig JAuf der Rennbahn? 8

Ebenda. Sind Sie übrigens schon Mitglied Grüner Rasen?

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der neuen Sportvereinigun Hroße Sache, das. Ne

Sie machen viel. V dch mache alles. J 1 75 5 Zeit.

Die Leute ha nd erreichen doch Acts hasten sich ab u ch Ja, unsere neuen dungen kosten aud Zet.

Ich denke, sie sollen uns Zeit einbringen? 1Freilich, aber nehmen Sie zum Beispiel das

1 klegraphieren. Wir müssen doch erst hingehen

nuch dem Telegraphenamt oder jemand fchicken und mm das Telegramm aufschreiben, dadurch werden 1 15 aus unserer ruhigen Thätigkeit herausgerissen und stören unsere regelmäßige Arbeit. Ein anderer Fall Wir können, da wir die Eisenbahnverbindung 1 im Vorort billiger wohnen als in Berlin. 65 machens ja viele so und fahren täglich zu ihrer eschäftigung herein. Aber die Zeit, die sle damit Arbrauchen! Das ist ja beinah' ein ganzes Men⸗ chenleben für sich. Und dazu kommt das Zer⸗

Das liegt in unserer

uns

streuende, das diese Fahrten mitbringen. Woher kommts also, daß wir uns abhasten und nichts er⸗ reichen? Weil wir soviel Zeit und Ruhe opfern müssen, um unsere Errungenschaften auszunutzen.

Herr von Jürgen nickte zustimmend.Es ist interessant, Ihnen zuzuhören, lieber Warnshagen.

Entschuldigen Sie die kleine Abschweifung. Darf ich also bitten, mir mitzuteilen

Ich wills gerade heraus sagen. Mein Junge hat unglücklich gespielt und eine enorme Summe, über fünfzigtausend Mark, verloren. Dazu kommen andere Schulden, etwa noch zehn bis fünfzehntausend ... Leider habe ich kein Vermögen. Ich könnte ihm nur durch Verkauf des Gutes aus der Patsche helfen, und das möchte ich auf jeden Fall ver⸗ meiden. Ich habe hin und her überlegt, fürchte fast, daß ich meinem Hellmuth zu viel versprochen habe und keinen Rat schaffen lann. Jedem mag man sich doch auch nicht anvertrauen, es ist so delikat. Da kam gestern Ihre Zuschrift, worin Sie mir nochmals für vorkommende Fälle ihren Rat zur Verfügung ee

Hm, hm! Sie wollen Geld Ja, ja. Wissen Sie was, lieber Jürgen? Sie sind, wie mir scheint, auf ganz falschem Wege. Erstens dürfte es kaum möglich sein, die Summe unter den be⸗

sagten Umständen zu bes haffen. Und wenn auch, es würde bald wieder so sein wie heute. Er scheint ein bischen leichtsinnig, Ihr Herr Sohn. Er muß jemand zur Seite haben, der seine Nei⸗ gungen reguliert. Wissen Sie, was ich meine? Er muß heiraten. Eine reiche Partie machen.

Herr von Jürgen lächelte.Das ist leicht ge⸗ sagt. Aber wo findet man gleich eine standesge⸗ mäße Partie

Im Gegenteil! Ihr Sohn muß, was man nennt, eine Mesalliance machen.

Sie scherzen!

O nein! Mit den vornehmen Schwiegereltern falls sich wirklich in verhältnismäßig kurzer Zeit solche fänden ist schlecht Kirschen essen. Die Heraufgekommenen sind zugänglicher. Sie bezahlen gerne die Schulden des vornehmen Schwierger⸗ sohnes, ja sie rechnen es sich zur Ehre an Natürlich müssen es aaständige Leute sein, so daß er als Offizier da hinein heiraten kann.

Eine Pause trat ein. Herr von Jürgen spielte mit einem vor ihm liegenden Blatt Papier, das er abwechselnd in viele Teile zusammenkniffte und glättete.

Dann begann er, ohne seinen früheren Kame⸗ raden anzusehen:

Ich höre das so ruhig mit an und wundere mich selbst darüber

Wenn Sie sich erst mit dem Gedanken ver⸗ traut gemacht haben, werden Sie eine sich Ihnen bietende Gelegenheit gerne erfassen. g

Prüfend blickte Warnshagen auf Jürgen. Nur nicht eifrig, zu interessant thun! Er suchte nach einemsicheren Kavalier für die kleine Bauern⸗ tochter, und da bot sich ihm Einer, wie er ihn nur

ließ sich ein Geschäft machen. Und ein Geschäft, ein großes Geschäft mußte jetzt endlich gemacht

werden.

Es trifft sich ganz eigentümlich, daß ich Ihnen da gerade ein junges Mädchen empfehlen kann Ach so! Sie machen auch Ich vermittle auch gelegentlich Partieen. Sie betreiben das auch als Geschäft? Ja. Herr von Jürgen erhob sich.Ihre Offen⸗ heit, sagte er kühl,enthebt mich weiteren Ver⸗ handlungen.

Auch Warnshagen erhob sich nun.Ich ehre Ihre Bedenken, erwiderte er.Es sind die eines Edelmannes der alten Generation. Moderne

Menschen denken freilich anders über die Sache. Und wie denken moderne Menschen darüber? Daß es ganz objektiv betrachtet ver⸗

nünftiger und weiser ist, sich mit Ueberlegung eine

passende Partie auszuwählen, als die Entscheidüng über das künftige Lebensschicksal dem blinden Zufall zu überlassen.

Herr von Jürgen blickte auf. Und Warns⸗ hagen fuhr unbekümmert fort:

Zudem ist es eine alte, ich möchte sagen, ge⸗ heiligte Sitte, daß die Eltern ihren Kindern das Ehegespons auswählen, bei vielen Völkerschaften besteht sie jetzt noch; und stets finden wir dort auch Leule, die als Vermittler auftreten und für Geld und gute Worte die Pärchen zusammen⸗ bringen. Eine solche Partie bietet ja doch weit

wünschen konnte. Aber vorsichtig, vorsichtig! Dann auf

mehr Gewähr für eine glückliche Zukunft als die augenblicklicher Laune basierte. (Fortsetzung folgt.)