Ausgabe 
11.5.1897
 
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berühren, als der Nummerzwang besteht. Bersammlung des Bezirks Lübeck des deutschen

Gießen, Dienstag, den 11. Mai

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

5 8 Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 10. Mai. Ernannt wurden am 3. Mai die Lokomotivführer bei den Ober⸗ hessischen Eisenbahnen Georg Frutig, Peter Gibb, Heinrich Kolb, Ludwig Dern, Georg Gernand, Jakob Rau, Karl Gebauer zu Lokomotivführern, der Zugführer bei diesen Bahnen Georg Ramge zum Zugführer in der hessisch⸗:reußischen Eisenbahngemein

aft.

* Gießen, 10. Mai. Nicht gerade vom schönsten Wetter begünstigt nahm das gestrige eiste Sommerfest auf derSchönen Aus⸗ sicht seinen programmmäßigen Verlauf. Das Mailüfterl'!, das nach vorausgegangenem Regenwetter etwas kräftig wehte, machte zwar den Aufenthalt im Freien zu einem keineswegs angenehmen; trotzdem hatte sich ein außerordent⸗ lich zahlreiches Publikum in dem geräumigen Festplatz eingefunden, das sich bei dem Dar⸗ as reichlich amüsierte. Das Ganze nahm ald das Gepräge eines regelrechten Volksfestes an. Bei Konzert, Tanz und sonstiger Kurzweil,

kpobei das Abbrennen eines kleinen Feuerwerks

rücht unerwähnt bleiben soll, hielt ein großer Teil der Besucher bis lange nach Mitternacht in

* Gießen, 10. Mai. Die Einführung des Nummerzwangs für Fahrräder findet bel den Radfahrern im allgemeinen wenig An⸗

fröhlichster Stimmung aus.

klang. In einigen Städten, wo die Radfahr⸗ ordnungen besonders strenge sind, beginnt man

gegen den Nummerzwang Stellung zu nehmen. Sb wird aus Lübeck berichtet:Von der am 1. Mat in Kraft getretenen Radfahrordnung, mach der jeder Radler zwei sichtbare Nummern

an dem Rade führen muß, werden die Geschäfts⸗

leute, welche für mehrere ihrer Angestellten ein Rad halten, hart betroffen, denn jetzt darf das Rad nur von der angemeldeten Prsone benutzt werden. Auswärtige Fahrer, namentlich Ham⸗ burger, haben beschlossen, Lübeck solange ee

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Radfahrerbundes hat jetzt beschlossen, eine Denk⸗ schrift gegen die Verordnung auszuarbeiten. Des Weiteren soll eine Petition um Aufhebung des MNummernzwanges an die Bürgerschaft gelangen. f Hier in Gießen spielt die Frage des Mummerzwanges und der Ordnung des Fahr⸗

vadwesens ja auch eine nicht unbedeutende Rolle,

so daß es angebracht erscheint, die anderweitig gemachten Erfahrungen auf diesem Gebiete zu berücksichtigen.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzetle.

Gießen, 10. Mai. Die Dienstmagd eines hiesigen Restaurateurs machte am Samstag Morgen in höchst aufgeregtem Zustande ihrer Herrschaft die Mitteilung, daß in der Nacht Diebe eingebrochen sein müßten, das Fenster in der Wohnstube stehe offen und der Sekretär sei erbrochen. Der Restaurateur fand dies alles bestätigt, auch waren aus dem Sekretär 50 Mark gestohlen. Die polizeilichen Recher⸗ chen ergaben, daß das Dienst mädchen selbst den Einbruch verübt und fand sich das Geld in ihrem Besitz. Das Mädchen wurde verhaftet.

* Gießen, 10. Mai. Ein Handwerks- bursche wurde am Samstag Abend im Besitze eines Fahrrades betroffen, welches in Frank⸗ furt a. M. gestohlen worden war. Er wurde verhaftet und gestand ein, das Rad gestohlen zu haben.

* Bad Nauheim, 9. Mai. Die Kur läßt sich sehr günstig an, die Fremdenfrequenz bezifferte sich bis zum 6. Mai auf 1404 Per⸗ sonen, die Zahl der abgegebenen Bäder beträgt 4157. Die Zahl der praktizierenden Aerzte ist auf 27 gestiegen.

»Bad Nauheim, 9. Mai. Bei dem am 2. Mai stattgefundenen Gautag des Gaues 9 des deutschen Radfahrerbundes wurde auf Antrag des Radfahrerklubs 1892 Bad Nauheim einstimmig beschlossen, den Herbstgautag in diesem Jahre in Bda Nauheim abzuhalten. Der Vorsitzende des Gaus 9 betonte hauptsächlich das großartige Gelingen des letzten, vom Rad⸗ fahrerklub 1892 Bad Nauheim veranstalteten Sportfestes, das genug Bürgschaft bot, diesem Verein auch die Veranstaltung des Herbstgau⸗ tages ruhig in die Hände zu legen.

* Alsfeld, 9. Mai.(Bienenzucht.) War der seitherige Verlauf des Frühjahrs mit seiner späten Vegetation schon der Entwickelung der Völker nichts weniger als günstig, sodaß auf vielen Ständen noch der Verlust manchen Volkes eintrat, so ist gegenwärtig zur besten Zeit des Jahres das Wetter für die Bienen um keinen Deut besser. Wohl ist der Tisch reichlich gedeckt: die Obstbäume stehen in vollster Blütenpracht und der Raps hat seine Blüte erschlossen, aber in der Nacht friert es, und selbst am Tage sind Schnee⸗ und Hagelschlossen nicht selten, sodaß man in den Wohnzimmern noch Feuer in den Oefen unterhält. Da bleiben denn die Völker in ihre Stöcke gebannt, während die beste Honig⸗ tracht des Jahres fast ungenützt vorübergeht.

* Mainz, 9. Mai. DerVerein für Re⸗ form des Bestattungswesens und Zu⸗

lassung der Feuerbestattung in Mainz beschloß

in seiner allen Mitteln dahin zu wirken, daß die Ver staatlichung des Bestattungswesens anzustreben sei. In Bezug auf die in Offenbach erfolgte Gründung eines Feuerbestattungsvereins wurde nach eingehender Debatte und unter scharfer Verurteilung des Standpunktes der hessischen

Regierung nachstehende Resolution einstimmig angenommen:Die heutige Versammlung be

grüßt die Gründung eines Vereins für Feuer bestattung in Offenbach und erblickt in demselben ein weiteres Mittel zur Verwirklichung der bereits in den Statuten des Vereins festgestellten Bestrebungen zur Beseitigung des durch kein Gesetz und kein öffentliches Interesse gerecht fertigten Verbots der Feuerbestattung in Hessen.

* Mainz, 9. Mai. In der Generalver⸗ sammlung der Bäckerinnung kam es wieder zu einem Tumult. Es sollte eine Ergänzungs⸗ wahl vorgenommen werden, wozu die bestehende Opposition ein Flugblatt ausgegeben hatte, worin außer einem Wahlvorschlag ein Angriff auf den Vorstand enthalten war und demselben Unfähigkeit und Vernachlässigung der Innungs⸗ interessen vorgeworfen wurde. Als Herr Ober⸗ meister Köferich diesen Angriff in scharfer Form zurückwies, entstand ein so großer Tumult, daß an ein Weitertagen nicht gedacht werden konnte. Der Vorsitzende erklärte hierauf, daß der ge samte Vorstand sein Amt niederlegen und die Bürgermeisterei, als Aufsichtsbehörde, davon ver⸗ ständigen werde. Hierauf erklärte er die Ver⸗ sammlung für geschlossen.

* Mainz, 9. Mai.(Die Bedeutung des Eides.) Am hiesigen Schöffengericht legte der Richter einem Zeugen aus Kostheim, der vereidigt werden sollte, die Frage vor, ob er über die Bedeutung des Eides Auskunft geben könne. Als keine Antwort auf die Frage er- folgte, setzte der Richter die Vereidigung aus. Später noch einmal vorgerufne, antwortete der Zeuge:Man soll die Wahrheit sagen. Der Vorsitzende frug hierauf, ob dies Alles sei, bei dem Eid käme doch mehr in Betracht. Da der Zeuge keine weitere Auskunft zu geben vermochte, wurde dessen Vereidigung abermals ausgesetzt. Wenn diese Methode allgemein angewandt würde, müßten sicher mehr Zeugen unvereidigt vernom⸗ men werden, als dies im Allgemeinen üblich ist.

J Krofdorf, 10. Mai. Durch Beschluß des Gauturntags vom 21. Februar findet die dies⸗ jährige Gauturnfahrt am 23. und 24. Mai nach unserem Orte statt. Der Turnverein verbindet damit die Feier des 10 jährigen

N pebition: l 2 Kreuzplatz Nr. 4. gestrigen Generalversammlung, mit] Bestehens. Nicht allein die Mitgliedschaft

des letzteren, auch die gesamten Einwohner rüsten sich, um dem Turnfest eine würdige Gestaltung zu geben. Das Programm wird reiche Ab⸗ wechselung bieten, sodaß dem Gelingen des Festes, schönes Wetter vorausgesetzt, nichts im Wege steht.

Vermischtes.

Der neue Motor. Ueber die letzthin in der Maschinenfabrik Augsburg vorgeführte eigenartige Kraft maschine des Ingenieurs Diesel, worüber schon gestern eine Mitteilung erfolgte, liegt heute Näheres vor. Der Erfinder kam nach langwierigem Versuchen in verschiedenen Richtungen auf den Gedanken, atmosphärische Luft zur Erweckung der den Motor treibenden Kraft zu be⸗ nutzen. Auf die Erfahrung sich stützend, daß durch schnellen Stoß stark zusammengepreßte Luft sich so sehr erwärmt, daß leicht brennbare Stoffe an ihr sich ent⸗ zünden, beschloß der Erfinder in dem Cylinder des Motors selbst die treibende Kraft zu entwickeln. Der ganze Motor besteht hiernach aus einem Cylinder mit Kolben, Pleuel⸗ stange, Steuerwelle und Schwungrad. Der erste Antrieb geschieht durch eine Luftpumpe, worauf durch den Kolben die durch ein Ventil angesaugte Luft im Cylinder zu⸗ sammengedrückt wird. Sobald dies erreicht ist, öffnet sich in demselben Augenblick das Ventil eines auf dem Cylinder angebrachten Petroleumbehälters und es spritzt ein feiner Strahl Petroleum in den Cylinder, wo er sich in der heißen Luft entzündet, explodiert und den Kolben hinaustreibt. Die Dampfmaschinen muß sie, in großer Pferdekraftstärke gebaut und mit billigen Heizstoffen, wie Staubkohle, Kraftgas, Masut als Explosionsmaterial, ge⸗ speist, auf Dampfern und Lokomotiven, wo die Kehle so viel Raum und Gewicht einnimmt und dennoch nicht deren völlige Ausnützung gestattet, sicher verdrängen. Den bisher schon gebräuchlichen Petroleum⸗ oder Gasmotoren gegenüber besitzt die neue Kraftmaschine viel größere Ein⸗ fachheit der Einrichtung und endlich bietet sie den Vorteil der Dezentralisterung der Kraft, indem sie besondere Kraft⸗ leitungen unnötig macht, man bkaucht nur dort, wo trei⸗ bende Kraft gebraucht wird, an dem betreffenden Kolben⸗ cylinder die charakteristischen Vorrichtungen anzubringen. Die Erfindung soll durch die obengenannte Fabrik zu⸗ sammen mit Krupp in Essen im großen Stile in die Praxis eingeführt werden.

Glückliches Dornstetten! Die Redaktion von Kürschners Staats-, Hof- und Kommunalhand⸗ buch in Eisenach, die unter Anderem aus Anlaß der Herausgabe des neuesten Jahrgangs dieses allgemein ver⸗ breiteten Werkes eine Erhebung über die Steuerverhält⸗ nisse in den einzelnen deutschen Städten angestellt hat, teilt das interessante Faktum mit, daß in Dornstetten im Schwarzwaldkreis des Königreichs Württemberg jeder Bürger seit Jahren neben freier Benutzung von Land so⸗ wie Zuweisung von Freiholz, aus dem Ueberschuß der Stadtkasse 100, als Bürgergabe erhält. Die gleiche Summe erhalten die Soldaten aus dem Orte. Wie viele deutsche Staatsbürger werden die glücklichen Dornstettener

Der Hunderttausendste. Von Hans Krieg. (Nachdruck verboten). (Schluß.)

Am nächsten Morgen war er überpünktlich am Haupteingang. Die Nebeneingänge waren geschlossen, vas wußte er. In dem Park, durch den man zum Zerkaufspavillon kam, war wenig Leben, Pluvius hatte alle Schleusen geöffnet. Das paßte Herrn Eircher vortrefflich, wenn auch der Regen sich durch an Loch seines Schirme den Weg zu seinen Eleidern bahnte. Er beobachtete scharf; scheinbar tudierte er an den Plakatsäulen, aber er zählte sorgfältig die spärlichen Besucher. Das Herz lopfte ihm hörbar.

Der siebente Besucher hatte seine Karte ge ommen, Niemand folgte ihm. Kircher sah, wie der Kassierer aufsprang und auf etwas drückte, vohl auf eine elektrische Schelle. Ach, der gab etzt das Signal, und er hatte sich verrechnet und par zu spät gekommen. Während dieser Er⸗ pägungen, die ihm den Angstschweiß auf die Stirn rieben, war er schon an den Schalter herange weten, ein Rückzug war nicht mehr möglich. Er forderte eine Karte, und der Kassierer sah ihn ver⸗ schmitzt lächelnd an. Langsam löste er die Karte on dem Bunde, stempelte sie und drehte sie hin ind her, das alles mit einer bei einem Kassierer ungewöhnlichen Schwerfälligkeit, dann schaute er mehrmals durch die Fenster seines Kiosk in die NMorhalle; plötzlich hellte sich sein Gesicht auf, er ab Herrn Kircher die Karte und sagte:Ich habe Sie schon avisiert.

Und in demselben Augenblick erscholl ein Trom⸗ eetentusch, und drei Herren im Frack und weißer einde stürzten aus dem Innern heraus, auf Herrn fürcher zu. Dieser überschaute sofort die Situation. ar hatte gewonnen, er war der Hunderttausendste, ind ein Wonnetaumel überkam ihn. Was nun Algte, war wie ein Märchen aus tausendundeiner nacht. Er mußte eine wohlgesetzte Rede anhören, sen der er nichts verstand, und auf die er mit nem für den Andern nicht verständlichen Gemurmel

erwiderte; der gutmütige Präses faßte ihn, seine Rede unterbrechend, unter den Arm und führte ihn in einen festlich geschmückten Salon, in dem sich eine lukullische Prunktafel zeigte. Der herrliche filberne Tafelaufsatz, der die Mitte zierte, war die Ehrengabe. Bald erschienen die übrigen Ausschuß mitglieder, es gab ein Vorstellen und Hände schütteln, die Herren freuten sich im Stillen, einen so anständigen Mann wie den Kaufherrn Kircher in ihrer Mitte zu sehen(der Zufall hätte es ja fügen können, daß ein Leineweber oder Bürsten binder der Jubilar war), und es ging an ein fröh liches Schmausen und Zechen. Da waren wirklich all die kulinarischen Herrlichkeiten, die Herr Kircher sich in seiner Phantasie ersehnt und in Wirklichkeit nicht gegönnt, und da flossen die edelsten Weine in Strömen. Mosel, Rheinwein, Sekt! Und als sein Nachbar ihm kunstgerecht den feurigen Pommard mit perlendem Moet und Chandon mischte, da kannte das Entzücken Herrn Kirchers keine Grenzen, und er erklärte mit weinfroher Stimme, er habe sich vorgenommen, sich heute ganz bestimmt einen kleinen Schwips zu holen.

Ach, es war nicht beim kleinen Schwips ge blieben, es war viel, viel mehr herausgekommen.

Als Herr Kircher am nächsten Tage aufge⸗ standen und seine Glieder mühsam auf dem Sofa gesammelt hatte, besaß er ausschließlich das Gefühl vollkommenen Unbewußtseins. Das Wort Kater reicht gar nicht zur Bezeichnung seines Zustands aus, er war schon mehr ein völlig ausgewachsener Königstiger. Er suchte seine Gedanken zu ordnen und sich die Ereignisse des gestrigen Tages ins Ge⸗ dächtnis zurückzurufen. Aber das war es ja, das kannte er von seinen jungen Jahren her, wo er auch ab und zu über die Stränge gehauen von einem gewissen Zeitpunkt oder Zustand an schnitt es ab, ganz und gar, und dahinter herrschte rätsel⸗ volle Finsternis. Wie weit reichte denn sein Rück⸗ erinnerungsvermögen für gestern? Wie? sollte er wirklich seinem Nachbar zur Linken hundert Mark

für die siebente Tochter einer unbemittelten Witwe versprochen haben? Entsetzlich, aber möglich war es

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schon, denn wenn er zu tief ins Glas geguckt hatte,] Ehrensache, und im Ehrenpunkt bin ich etwas

regte sich in ihm die ursprüngliche freigiebige Ader, deren Wollen er im prosaischen Kampf ums Dasein unterdrückt hatte. Wenn er wirklich diese eine Dummheit gemacht, so war anzunehmen, daß ihr noch allerlei andere gefolgt waren. Stöhnend fuhr er an seine hämmernde Schläfe.

Da klopfte es, und die Haushälterin trat mit dem Morgenkaffee und der Morgenpost herein. Eine Anzahl Briefe von unbekannter Hand. Eine Ahnung von fürchterlichen Dingen durchzuckte ihn, und mit zitternder Hand öffnete er die Briefe.

Wir stehen schon auf so vertrautem Fuße mit Herrn Kircher, daß wir ibm über die Schulter gucken können, obne eine allzu große Indiskretion zu begehen.

Da stand denn zu lesen:

Geehrtester Herr!

Rosalie Nebeding, die siebente Tochter der un versorgten Witwe, ist außer sich über Ihr wahr⸗ haft edelmütiges Interesse und wünscht Ihre Be kanntschaft zu machen. Ich kann dieselbe anstands⸗ los vermitteln, und wir können uns vielleicht heute Abend um 9 Uhr im Restaurant Bolz en petit comité treffen. Die Sache wird Sie wahrscheinlich noch mehrere Scheine kosten, aber darauf kommt es Ihnen ja nicht an. Unverbrüchliche Diskretion meinerseits selbstverständlich.

Stets Ihr ergebenster Ronten, in Firma Roß& Co.

Freund, Freund!

Du Retter aus der Not, fixer Kerl Du. Ich nehme die 300 Mark Vorschuß, die Du mir gestern so großmütig angeboten, mit Dank an. Ich sitze wie auf feurigen Kohlen, ob auch die Bank Deine Anweisung einem Unbekannten gegenüber honoriert. Eben kommt das Kameel von Diener zurück und legt mir drei Hundertmarkscheine auf den Tisch Ich hole Dich zu einem kapitalen Katerfrühstück ab

und kann dabei die Formalien erledigen. Du bist natürlich mein Gast, keine Widerrede! Das ist

kitzlich. Bis dahin feurigen, geflügelten Dank ein v. Schreckhausen, Lieutenant der Reserve.

g Sehr geehrter Herr!

Es wird natürlich nicht ganz leicht sein, den Klub Savoir VIyre von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß der herrliche Tafelaufsatz, den Sie gewonnen, seine Junggesellentafel schmücken muß. Da Sie aber mit Ihrem edelmütigem Entschluß die Absicht verbanden, unserm Klub durch Ihre Mit⸗ gliedschaft eine besondere Ehre zu erweisen, so trete ich mit meiner Person dafür ein, daß Sie in der Ballotage einstimmig gewählt werden, wodurch Ihnen ja unser Klub zur zweiten Heimat wird, und in diesem Sinne bleibt dann auch der Tafelaufsatz Ihr Eigentum, das Sie mit gleichgesinnten Freunden teilen.

In vorzüglicher Hochachtung Schmidt⸗Werber, Schriftwart des Klubs Savoir-Vivre. Euer Hochwohlgeboren

beehre ich mich in einer etwas peinlichen Ange legenheit eine kurze Notiz zuzuschicken. Ich habe in Ihnen, leider allzu spät, den Herrn erkannt, der im Restaurant Schneider unserer Beratung wegen des 100,000. Billets beiwohnte; zudem haben Sie gestern unvorsichtig genug von Ihrer Anwesenheit im besagten Lokal gesprochen. Daß Sie sich den Backenbart haben abnehmen lassen, spricht ebenfalls gegen Sie, und Ihr Schnarchen beweist nichts mehr für Sie. Ich möchte einen öffentlichen Skandal vermeiden, halte es aber für richtig, daß Sie den ungefähren Wert des Tafelaufsatzes an die Armen⸗ kasse zahlen. Die beigefügte Anweisung auf 150 Mark brauchen Sie nur zu unterschreiben, und die Sache ist erledigt.

Mit der Hochachtung, die Ihnen zukommt

Hamm, Außschußmitglied.

Ein qualvolles Aechzen entrang sich seiner Brust, und mit einem Wutschrei schleuderte er die Briefschaften auf den Boden.