Ausgabe 
11.4.1897
 
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war und zur Rückfahrt keine Gültigkeit mehr hatte, benutzte er die Fahrkarte seines Schwagers.

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Der Angeklagte erklärte anfangs, aus u er Fehandelt zu haben.

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Aa Nr. 86

Gießen, Sonntag, den 11. April

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Hessische Landeszeitung

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

775 Kreuzplatz Nr. 4. 2

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 10. April. Die Neuformation des 168. Infanterie⸗Regiments hat auch eine anderweite Neubildung der Ersatzbezirke des Großherzogtums notwendig gemacht. Statt der seitherigen zwei im Großherzogtum bestehenden Ober⸗Ersatz⸗Kommissionen sind nun⸗ mehr drei gebildet worden und zwar 1. die Ober⸗Ersatz⸗Kommission im Bezirk der 49. In⸗ santerie⸗Brigade, umfassend die Provinz Ober⸗ hessen, Militär⸗Vorsitzender der Kommandeur der 49. Infanterie⸗Brigade, Zivil⸗Vorsitzender

2. die Ober⸗Ersatz⸗Kommission 1 im Bezirk der 30. Infanterie⸗Brigade, umfassend die Provinz Rheinhessen, Militär⸗Vorsitzender der Komman⸗ deur der 50. Infanterie⸗Brigade, Zivil⸗Vorsitzender der großh. Regierungsrat Wolf zu Mainz; 3. die Ober⸗Ersatz⸗Kommission 2 im Bezirk der 50. In⸗ santerie⸗Brigade, umfassend die Provinz Starken⸗ urg, Militär⸗Vorsitzender der Kommandeur der

Regierungsrat Dr. Kayser zu Darmstadt.

* Gießen, 9. April.(Schöffengerichts⸗ itzung.) Ein für die Benutzer von Wochen fahrkarten wichtiger Prozeß beschäftigte heute das Gericht. Der Schuhmacher Wilhelm Walther von Großen⸗-Buseck, welcher im Januar hierselbst beim Eismachen beschäftigt War, benutzte eine auf seinen Namen ausgestellte Wochenfahrkarte. Nachdem dieselbe abgelaufen

Er wurde aber angehalten, und da es ausdrück⸗ lich auf der Fahrkarte heißt:nicht übertragbar, ih mußte Walther das Fahrgeld von 40 nach⸗ die Direktion den assanten wegen Betrugsversuchs zur Anzeige.

Später ist er jedoch der horsätzlichen Handlung geständig. Das Gericht von 5. Wegen Vergehens gegen das Gesetz betreffsVerbreitung fremder Lotterielose wurde der Kollekteur Ferdinand Weber von Braunschweig zu 43 1. Geldstrafe verurteilt, weil er Braunschweiger Lotterielose nach hier verkauft hatte.

* Gießen, 10. April. Nachdem wir gestern den mit allem Raffinement eines sogenannten schweren Jungen ausgeführten Einbruchs⸗ diebstahl gemeldet, sind wir heute in der Lage, nen weiteren Diebstahl zu melden, der mit der Art, wie er ausgeführt, der Frechheit die Krone aufsetzt. Zum Glück haben die Ver⸗ hältnisse es gefügt, daß man den Gauner Wenigstens gleich erwischt und ihm das Diebsgut

solgende über den Fall mit: Beim Fabrikanten

Fata Morgana. Novelle von H. René. (Fortsetzung.)

Damals war sie glücklich! Und wieder rauschten ie schwarzen Fittiche des Todes um das Soldiner Schloß, so meinte ich wenigstens und mit mir die Kollegen, die ratlos ein verineintliches Sterbebett umstanden.

Der Baron hatte einen leichten Schlaganfall

sehabt, dieser wiederholte sich unerwartet schnell in venigen Tagen und brachte eine halbseitige Lähmung nit sich. Das Schlimmste stand zu befürchten. Der berümteste Professor der Hauptstadt schüttelte en Kopf und gab ihm nur noch für Stunden sebensdauer. a Es war eine gewitterdurchströmte Hochsommer⸗ nacht, als ich neben dem Lager des ächzenden reundes saß und seine mit Todesschweiß bedeckte Hand in der meinen hielt. Wir wußten beide, vas wir dachten. Was wird aus Therese? Das Majorat fällt an eine entfernte Seitenlinie, und in er gesamten freiherrlichen Familie würde fich ärgends ein Plätzchen finden für die Musikanten⸗ ochter, die allen längst ein Dorn im Auge. Sie var so weltfremd, ihr ganzes Herz hing an der Scholle, auf der sie aufgewachsen. Da durchblitzte nein Hirn ein Gedanke, und auch des Kranken Fugen flackerten unruhig. Die sorgende Liebe, die Erzweifelnde Angst hatte uns zu demselben Ausweg Sführt.

Das Wittum! Ich weiß nicht, hatte ich es Srufen, oder der Sterbende es hervorgestöhnt. Es var gesagt, und der Gedanke mußte zur That verden, ehe der letzte Atemzug der röchelnden Brust nitflohen. Neuhof, ein kleines Vorwerk, das nur Sscheidene Revenue abwarf, war, einer alten hamilienbestimmung nach, der unumschränkte Besitz

Karl Buderus meldete sich gestern Mittag ein Arbeiter, der erklärte, er sei beauftragt, den Blitz⸗ ableiter nachzusehen. Der Herr des Hauses war kurz vorher nach Lollar gefahren, und da nie⸗ mand von der Revision des Blitzableiters etwas wußte, so frug Frau Buderus telephonisch in Lollar an, um ihren Gatten darüber zu hören. Leider war dieser noch nicht dort, und da der Arbeiter drängte, so wurde der Gärtner beauf⸗ tragt, den Mann auf das Dach zu geleiten und dort so lange zu warten, bis die Arbeit beendet sei. Aber diese Arbeit konnte nicht vor sich gehen, weil der Arbeiter erklärte, es müsse ein zweiter Mann unten an der Leitung ziehen, wozu sich der Gärtner auch bereit erklärte. Zwar kam der Gärtner, nachdem er an der Drahtleitung vom Garten aus gezogen, bald wieder auf das Dach zurück, der Mann erklärte aber, er müsse sich erst andere Instrumente herbeischaffen, und ging seiner Wege. Kaum hatte er das Haus verlassen, da vermißte die Hausfrau aus der im oberen Stock des Hauses gelegenen Schlafstube die goldene Uhr ihres Mannes nebst schwerer Kette, ein wertvolles goldenes Armband und sonstige Wertsachen. Sofort wurde die Polizei per Telephon in Kenntnis gesetzt, und es glückte, den vermeint⸗ lichen Blitzableiter⸗Revisor auf dem Weg zwischen hier und Wetzlar, den er zu Fuß gemacht, zu erwischen und so den Dieb, der inzwischen schon die Wertsachen in seine Kleider genäht hatte, in Gewahrsam zu bringen. Das geraubte Gut wurde dem Bestohlenen sofort wieder ausge⸗ händigt. Betreffs des Buderusschen Diebstahls wird uns mitgeteilt, daß der Dieb nach der That bis Dutenhofen gegangen war und da die Eisen⸗ bahn bestiegen hatte, um nach Köln abzudampfen, auf der Station Wetzlar aber von einem Gießener Beamten verhaftet wurde. Der Eifer des Buderusschen Gärtnergehilfen, den derselbe ent⸗ wickelte, um des flüchtigen Diebes, der seinen Herrn bestohlen hatte, habbalt zu werden, ist Veranlassung geworden, daß noch ein zweiter Mann von der Zunft der Langfinger dingfest gemacht wurde, auf welchen man schon längere Zeit fahndete. Der Gärtner, in seiner Wut über den Gauner, setzte sich auf sein Zweirad und machte sich auf eigene Faust auf die Diebessuche. Er kam, unterwegs Umfrage und fleißig Ausschau haltend, in die Gegend von Groß⸗Rechtenbach, wo er auf einem Seitenweg einen Mann gehen sah, der aus der Ferne dem Gesuchten sehr ähnlich sah. Nun begann der Fahrer die Jagd und als jener merkte, daß ihm dieselbe gelte, nahm er querfeldein Reißaus. Der Gärtner verließ sein Rad und nun begann eine tolle Verfolgung. Der Gejagte, der merkte, daß der Zwischenraum zwischen ihm und dem Verfolger immer kleiner wurde, verkroch sich in einen Graben, aber auch dies konnte ihn nicht retten und voller Wut

bis an ihr Lebensende. Lange schon stand das kleine Haus dort leer, nun sollte es eine Zufluchts⸗ stätte für unsern verwaisten Liebling werden.

Ich stürzte fort, sie aufzusuchen. Mit rotge⸗ weinten Augen fand ich sie im Nebenzimmer, angstvoll flog sie mir entgegen.Ist er hinüber?

Ich nahm sie in meine Arme und sagte ihr, wie die Sorge um ihre Zukunft ihn quäle, dem Teuern den Todeskampf erschwere. Anfänglich schien sie mich nicht zu verstehen und als ich ge⸗ endet, hatte sie nur begriffen, daß es in ihrer Hand lag, den sie mit der Hingebung einer Tochter liebte, ein ruhiges Hinüberschlummern bereiten zu helfen.

Nun galt es zu handeln; als ob der Tod uns auf den Fersen säße, jagten wir mit den schnellsten Pferden nach der Stadt. Der alte, nun auch ver⸗ storbene Bürgermeister, der die Staudesamtsgeschäfte versah, wurde wachgeklopft, wir nahmen ihn mit uns, fanden den Baron unter der Obbut der leise weinenden Therese bei vollem Bewußtsein. Die rechte Hand vermochte die Feder noch zu führen. Die Unterschrift war gültig, genügende Zeugen an⸗ wesend und das Wittum unserm Kind, das jetzt Baronin Dahlström hieß, gesichert.

Wie wenig vermag unsere Wissenschaft, wie kurzsichtig sind wir Aerzte doch, die die Menschen glauben machen wollen, der Tod lasse sich von ihnen bannen. Den lethargischen Schlummer, in den der Baron versank, hielten wir alle, der be⸗ rühmte Kollege an der Spitze, für eintretende Agonie. Es dauerte wohl länger als einen Tag und der Freund erwachte aus ihm, als ein voll⸗ kommen gelähmter, unglücklicher Mann, der sich nur schwach mit lallender Stimme verständigen konnte.

Therese jubelte.Er wird nicht sterben, wir wollen ihn so sorgsam pflegen, er muß sich ja er⸗ holen, weiter für uns leben, meinte fie hoff⸗

imer jeweiligen verwitweten Baronin Dahlström

nungsvoll.

zerrte ihn der Gärtner daraus empor, jetzt erst merkend, daß er einen Unrechten gepackt hatte. Doch das Auge des Gesetzes wacht. Ein be berittener Gendarm hatte die Situation erspäht und kam gerade zur Stelle, als der Gärtner seinen Mann losgeben wollte. Der Beamte ließ sich aber erst über den Zweck der ganzen Ver⸗ folgung berichten, nahm dann den Verfolgten fest, indem er sich bei dem Gärtner bedankte, hinzufügend, daß, wenn der Mensch auch nicht in Gießen gestohlen, so habe er doch wo anders einen schweren Diebstahl begangen, er freue sich, daß er den Patron endlich habe, denn zwei Tage sei er ihm schon vergeblich auf der Spur gewesen.

* Gießen, 10. April. Ein verspäteter Aprilscherz? Aus zuverlässiger Quelle wird der Neuen Friedb. Zeitg. geschrieben:Eine höchst unliebsame Ueberraschung wurde am vergangenen Donnerstag(1. April) unserer Nachbarstadt Nauheim zu teil. Als man die während des Winters ruhende Klärbecken⸗Anlage einer Revision unterzog, fand es sich, daß das leer stehende Ge⸗ bäude einer Stromerbande als Unterschlupf ge⸗ dient hatte. Die Ueberraschung wurde noch größer, als man bemerkte, daß die Gauner die sämtlichen Maschinen kunstgerecht aus⸗ einander gelegt und davongetragen hatten. Darob große Bestürzung im Gemeinde⸗ rat, der sofort zu einer nicht öffentlichen Sitzung zusammen gerufen wurde. Vorläufig wird die Sache noch geheim gehalten, aber unter der Hand sollen schon Nachforschungen nach dem Verbleib der entwendeten Maschinen angestellt worden sein. Die Verlegenheit unserer Nachbarn ist umso größer, da am 1. Mai die Klärbecken⸗ Saison beginnen soll.

* Darmstadt, 8. April. Ein Vierund⸗ neunzigjähriger. Deralte Jost in Darm⸗ stadt ist gestern gestorben. Am 4. Dezember 1892 hatte er seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Er erfreute sich einer so wunderbaren Frische, daß er es für ganz selbstverständlich hielt, noch den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts mit⸗ feiern und sogar das Jahrhundert seines eigenen Lebens vollenden zu können. Es ist anders ge⸗ kommen. Die von allen Freunden angestaunte

e und körperliche Rüstigkeit schwand zu⸗ schen 8, und als er seinen 94. Geburtstag feierte, konnte sich niemand verhehlen, daß das Ende nahe sei und jeden Tag erwartet werden müsse. Gestern ist's eingetreten. Nach einem nicht gerade 6 8 Schlaganfall am Sonntag Vormittag st Justus Wilhelm Jost am 7. April abends bei seinen Kindern in Darmstadt gestorben. Er war am 4. Dezember 1802 in Dietzenbach, Kreis Offenbach a. M., geboren. Er war zuerst Lehrer in Westhofen bei Worms, wurde gegen seinen Willen 1832 nach Essenheim bei Mainz versetzt und 1843 zum Hauptlehrer der Bürgerschule in

Anfänglich sah sie verwundert auf, wenn die Dienerschaft siegnädige Frau nannte. Die nüchterne Zeremonie, zu der man nur ihre Unter⸗ schrift verlangte, hatte wenig Eindruck auf siez ge⸗ macht und war in der Todesangst und Sorge um den geliebten Onkel wohl halb von ihr vergessen worden. Bald sollte sie von Außen her grausam daran erinnert werden. Des Barons Familie scheute sich nicht, das was man sich früher über die Mutter zugeraunt, nun auf die Tochter zu übertragen. Man nannte sie eine schamlose Erbschleicherin, eine Intriguantin, die den sterbenden Baron bewogen, auf dem Totenbett ein sträfliches Verhältnis zu sanktionieren. Man sorgte für den Vertrieb dieser Gerüchte, und Therese, ein Engel an Unerfahren⸗ heit und Unschuld war gebrandmarkt für immer.

Als es ihr endlich langsam aufzudämmern be gann, was man von ihr dachte, wofür man sie eigentlich hielt, da erstarrte das Blut ihr in den Adern, da wurde das warme Herz ihr zu Eis.

Ohne an sich selbst zu denken, pflegt sie mit seltener Opferwilligkeit den Onkel, der, ein Lebendig⸗ begrabener, kaum mehr ein Dankeswort, ein Lächeln für seine Umgebung hat. Sie verwaltet den äußeren Besitz, ist unausgesetzt thätig, aber die un⸗ widerstehliche Liebenswürdigkeit ihres Wesens, das zarte, weiche Lächeln hat sie verloren. Düster, un⸗ ruhig, rastlos erscheint sie mir oft, nur noch ein Schatten der holden Theerose von ehedem.

Der alte Doktor schwieg. Die Pfeife war ihm kalt geworden und unbeachtet zur Erde gefallen.

Wie aus einem Traum fuhr Walter Senglin in die Höhe.Das ist ja eine Tragödie! sagte er erschüttert.

Doktor Borrmann nickte.Es ist die Geschichte dreier Idealisten, die an Menschenglück zu kurz ge⸗ kommen, für welche an der Freudentafel des Lebens nicht gedeckt war, sagte er einfach. Doch nun gehen

Oppenheim bestellt. Nach seiner Penstonierung übersiedelte er nach Darmstadt, von wo er die Städten seiner früheren, gesegneten Wirksamkeit fast alljährlich besuchte und immer mit herzlichster Freude von Allen empfangen wurde. Der nun heimgegangenealte Jost war der letzte der berühmtenRevolutionäre, zu denen er mit seinen Freunden Dr. Wirth, Dr. Siebenpfeiffer, Friedrich Schüler, Georg Dein, Friedrich Funk aus Frankfurt a. M. u. A. gehörte.

* Mainz, 9. April. Der 15 Jahre alte Realschüler Franz Ludwig Wolf in Bingen kam am 10. Oktober vorigen Jahres zu einem Nachbar, einem Buchbindermeister, und bat sich dessen Flobertgewehr aus, er wolle damit schießen. Der Buchbinder lehnte dies ab, aber während dieses Gespräches erzählte Wolf, daß er auch in dem Besitz eines Revolvers sei(ö) Am Nachmittag desselben Tages kam Wolf mit seinem Revolver zu dem Buchbinder, um diesem die Waffe zu zeigen und die Konstruktion der⸗ selben zu erklären. Wolf spielte nun mit der Waffe, aber plötzlich ging der Schuß los, und die Kugel des geladenen Revolvers traf den in dem Geschäfte thätigen Buchbinderlehrling in die Kinnbacke. Der Junge wurde in das Hospital verbracht und starb daselbst nach

Stunden infolge der Verletzung. Gegen den Realschüler Wolf wurde nunmehr eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung einge⸗

leitet. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn gestern zu einer Gefängnfsstrafe von 8 Tagen.(Die Eltern, welche dumme Jungen mit Revolvern hantieren lassen, sind mindestens mitschuldig bei solchen Unglücksfällen.)

* Mainz, 7. April. Nachdem die Stadt⸗ verordnetenversammlung gegen die unentgelt⸗ liche Lieferung der Lehrmittel an die Kinder der Volksschulen gestimmt hat, ist auf An⸗ regung des Oberbürgermeisters seit 1. April in der Lieferung der Lehrmittel an unbemittelte Kinder der Volksschule eine wesentliche Aenderung eingetreten. Alle unbemittelten Kinder der Volks⸗ schule erhalten die Lehrmittel unentgeltlich unter möglichster Schonung der Gefühle der Kinder und deren Eltern. Die Schulbücher tragen nicht 19 den Stempel der Stadt Mainz und ver⸗ bleiben Eigentum der Kinder.

* Mainz, 7. April. In Sachen der sog. fünften Religionsstunde, die bekanntlich ohne Wissen des Schulvorstandes in den hiesigen Volksschulen eingeführt wurde, hat nunmehr auch der Mainzer Lehrerverein Stellung ge⸗ nommen. In einer gestern Abend stattgehabten Versammlung des Lehrervereins hat dieser sich in ganz entschiedener Weise gegen die Ver⸗ mehrung des Religionsunterrichts in den Volks⸗ schulen ausgesprochen. Eine diesbezügliche Reso⸗ lution wurde einstimmig angenommen. Bravo! Sie, junger Freund, ein Vorurteil, das weiß ich werden Sie ihr nicht entgegenbringen.

Ein kräftiger Händedruck wurde gewechselt, dann klopfte es zierlich an die Thür und ein rosiges Ge⸗ sichtchen, Bürgermeisters Töchterlein guckte durch die Spalte.

Ist Fräulein Minchen zu Hause? Sie hat mir gestern ein neues Häkelmuster versprochen.

Zu Hause wohl, aber bei der großen Wäsche und in einer Stimmung, die eine Konversation nicht ratsam erscheinen läßt.

Der Waschzorn ist wohl epidemisch in allen Haushaltungen, lachte die junge Dame.Papa und ich verkriechen uns dann auch stets vor Mama's übler Laune. Doch Sie wollen schon in die Praxis gehen, Herr Doktor Senglin?

Ich erwarte einen Wagen vom Schloß. Mein erster hiesiger Patient soll leider hoffnungs⸗ los sein.

Vom Schloß? Dann kann ja Doktor Borr⸗ mann den Wagen zu uns herüberschicken. Papa hat noch allerlei Geschäftliches mit Ihnen zu ver⸗ handeln, ich glaube wegen der Hospitalpraxis. Sie kommen doch mit?

Schon hatte sie die Thürklinke in der Hand und eilte nach flüchtigem Kopfnicken für den alten Doktor, hinaus.

Langsam folgte ihr Senglin. Ihm war nach dem eben Gehörten so sonderbar zu Mut, nur mühsam konnte er den alten, scherzenden Ton mit Alma wiederfinden. Die Wolke schien immer dichter zu werden, obgleich er fich sagen mußte, daß sie an diesem schneereichen Wintermorgen wie eine tau⸗ frische Rosenknospe aussah!

(Fortsetzung folgt.)