Ausgabe 
10.11.1897
 
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Gießen, Mitwoch,

den 10. November

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

ssische Landeszeitu

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensun r.-Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Hochelheim, Kinzenbach, Kl= Göne, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗ rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn,

gen, Garbenteich, Or⸗Buseck inden, Krofdorf, Lang⸗

Wetzlar, Wieseck, Wißmar.

aA Led Nin ien oe eokales und Provinzielles.

Gießen, 9. November. Dem Kreisrat des kreises Friedberg, Geh. Regierungsrat Dr. Jul. raden, und dem Kreisrat des Kreises Bü⸗ stngen, Geh. Regierungsrat Alfred Klietsch, st die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des

Tae Iberdi d hilipps des üti. ae ee 55 ens Philipps des Großmütigen ver

en worden. Gießen, 9. Nov. Das nächste Schwur⸗

lericht beginnt am 6. Dezember d. J. Vor⸗

hender desselben ist Landgerichtsrat Hellwig.

* Gießen, 9. Nov.(Kriegerdenkmal.) Dus Preisgericht zur Beurteilung der ein⸗ segangenen Entwürfe für das auf dem Marktplatz zu errichtende Kriegerdenkmal er⸗ lärte den Entwurf des Bildhauers Habicht uus Darmstadt für den geeignetsten. Derselbe sesteht aus einer Brunnenanlage mit drei⸗

antigem Sockel, aus dem sich die Idealgestalt

nes Kriegers erhebt.

Gießen, 9. November.(Stadttheater.) Zum dritten Male amüsterte sich gestern Abend das Publikum an den lustigenBocksprüngen. 76 4095 wurde recht flott, applaudiertnach Noten.

* Gießen, 9. November. Gestern sprach im Saale desHotel Einhorn der Kapitänlieute⸗ kant a. D. Meyer über dieNotwendigkeit der Bermehrung der deutschen Kriegs- lotte. Die Zuhörer, welche sich zu diesem Vortrage zusammengefunden hatten, bestanden aus Offizieren, Beamten und Studenten.

Gießen, 9. Nov. uateur Jean Sorger hat ein ca. 2000 Quadrat⸗ meter großes Baugelände, dicht am Bahnhof Dutenhofen belegen, käuflich erworben, um

bort ein Sommerrestaurant größeren Stiles

zu errichten.

Gießen, 9. Nov. Neros Ende. Der alte Löwe Nero des zoologischen Gartens in Frankfurt a. M., der gewiß auch in Gießen anen großen Bekanntenkreis besitzt, hat gestern Horgen den Gnadenschuß erhalten. Der bekannte Tierhändler und Afrikareisende Menges, der nuch jüngst den bösen ElefantenAlbert erschoß, Bar eigens nach Frankfurt berufen worden, um le Exekution zu vollbringen. Der Löwe blieb auf der Stelle tot.Nero war ein schönes Aöwenexemplar; namentlich zeichnete er sich durch

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ichen Garten zugebracht ha mehrmals glücklich verheirate

und Circen zerstreut sind.

Gießen, 9. Nov. Jahre, daß das Hessische ne Wahlen zu den beiden Kammern Stände in Kraft getreten ist. Es wäre Zeit das Gesetz im Sinne der allgemeinen, aud hinsichtlich der Wahlbezirke au gleichen Wahl fortzubilden. Gießen, 9. Nov. 3

Der ehemalige Restau⸗ z

ane prächtige Mähne aus, wie man sie bei wen in der Gefangenschaft höchst selten an⸗ nifft. Er zählte, wie dieKl. Pr. mitteilt, Angefähr 24 Jahre, von denen er 15 im zoolo⸗ war t und hatte 45 finder, die heute über den ganzen europäischen ftontinent in Menagerien, Zoologischen Gärten

Gestern waren es 25 Wahlgesetz 155 er

direkten ch] Aufmerksamkeit ges

ur Fleischbeschau

in Hessen. An die hessische Regierung hatten die Metzgerinnungen und die Landwirte wieder⸗

holt das Ersuchen gerichtet, die bestehenden Be stimmungen über die Verwertung von tuberku⸗ losem Fleisch aufzuheben und die in Preußen bestehenden Bestimmungen, die nicht so strenge als die hessischen sind, einzuführen. Das Mini⸗ sterium, Abteilung für Gesundheitspflege, hatte diese Anträge zur Begutachtung an die Aerzte⸗ vereine des Landes verwiesen. Sämtliche Gut⸗ achten sind nunmehr eingelaufen und ist allgemein darin betont, daß es als einen kulturellen Rück⸗ schritt zu betrachten sei, wenn eine laxe An⸗ schauung in Bezug auf die Behandlung von en en Fleisch ärztlicherseits gutgeheißen würde.

* Gießen, 9. Nov. Nach den Ermittelungen der landwirtschaftlichen Vereine hatte die dies⸗ jährige Weizen⸗ und Gerstenernte im Großherzogtum Hessen folgendes Ergebnis: In Rheinhessen wurde an Weizen per Hektar 2100 Kilo, das Gleiche in Oberhessen, aber nur 1700 Kilo per Hektar in Starkenburg geerntet; an Gerste wurde in Rheinhessen 2400 Kilo, in Oberhessen 2000 Kilo und in Starkenburg nur 1600 Kilo per Hektar geerntet. Die beste Ernte an Weizen und Gerste lieferte der Bezirk Pfeddersheim in Rheinhessen mit 2500 und 2600 Kilo, die geringste Ernte der Bezirk Heppen⸗ heim in Starkenburg mit nur 1400 und 1200 Kilo per Hektar.

* Aus Oberhessen, 8. Nov. Der Abge⸗ ordnete Westernacher in Lindheim hat an die weite Ständekammer eine Interpellation ge⸗ richtet, des Inhalts, ob es der großh. Regierung bekannt sei, daß dermalen Zustände auf der Bahnlinie Gießen⸗Gelnhausen herrschen, die einer geregelten Bahnverbindung ohn sprechen. Die Anschlußzüge werden in eln⸗ haufen nicht erreicht, weil die Züge der Linie mit halbstündiger Verspätung dort eintreffen und der letzte Zug ab Gelnhausen wartet den oft mit Verspätung von Frankfurt eintreffenden An⸗ schlußzug nicht ab; Dutzende von Personen sind oft gezwungen, in der Nacht Fuhrwerk in Geln⸗ hausen aufzusuchen, um nach einigen Stunden Fahrt die Heimat zu erreichen. Westernacher fragt an, ob die hessische Regierung im Stande sei, die berechtigten Forderungen der Bewohner an der oberhessischen Bahn zu vertreten, und ob sie Maßregeln gegen Wiederholung künftiger Mißstände zu ergreifen gedenke.

* Alsfeld, 8. Nov. Hier wurde im Deut⸗ schen Haus die ordentliche Hauptversammlung des Tierschutzvereins für das Groß- herzogtum Hessen abgehalten. Sie war sehr zahlreich wohl von 200 Personen, darunter nahezu vollzählig den Lehrern des Kreises Als⸗ feld und vielen der benachbarten Kreise, besucht. Die Vereinsthätigkeit hat sich

strebungen zum Schutze der T weiterhin Winter wird

Bekämpfung der Tierqu K chenkt.

mehr und mehr ausgeübt älerei immer

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Verein neu zugegange

3

Die schlechte Handschrift.

Humoreske von Karl Kern. (Nachdruck verboten).

Der Kopist Johannes Leisetritt ganzen Morgen Zeichen außergewöhn don sich gegeben. Wenigstens doppe

licher Unruh lt so oft wi

Stuhle empor und schickte sich zu einem das von chronischem Halbdunkel erfüllte Zimmer an; doch der Gedanke, derHerr mand könne dazu kommen, ließ diese imer schnell zurückebben, und Derr Leisetritt jedesmal nur um seinen S serumging und sich von der andern Seite wiede vraufsetzte

Sein Kollege,

klein Vor

echt sonderbarem Tone:Hm, zuguterletzt garnicht mehr aus ente er die Feder hin, richtete die g däser in der schwarzen Hornfassung auf den 8 völlig unverständlichen Amtsgenossen un ragte:

hatte schon den

sonst wischte er die Feder aus, unruhiger als zu andern Zeiten nahm er seine Prisen, und während er sich sonst nur mit drei Trompetenstößen zu

Gang durch

Kühnheit so kam es, daß Stuhl

der das kleine Gemach mit, ihm

hm! Und als er halten konnte, roßen Brillen⸗ ihm

Der Angeredete, der eben wieder aufgesprungen

war, blieb stehen, Stuhles fest und starrte dem Fra der Unentschlossenheit ins Gesicht. Der Kollege, deutete, beeilte sich, zu sagen: Ach, entschuldigen Sie, wenn war; aber

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ich

Ihneuzen pflegte, waren es heute jedesmal fünf e eine. Dann entschloß er sich zu 10 8 5 f ändnis: Sülecs. Ein Dutzend Mal sprang n Gan fan ich wills Ihnen schen sagen, Herr

Nun, Müller; es

Da bin ich aber gespannt Müller ebenso treuherzig wie verwundert.

Herr Leisetritt fuhr fort:

Sie wissen doch, Sohn; das heißt, ei sondern vom er

e bewegt mich ein Gedanke.

** sten Manne meiner Frau.

unser einziges Kind. a* in paar Jahren einmal hier

tellte, schüttelt iederholt in recht anzüglicherEr war ja vor e N f Weise 1 e t. Als es ihm dann zu versetzte Herr Müller, mit 12 aa 1 hunt wurde, brummte er dazu ein paar Mal indamals, als Sie das Frühst vergessen i 5 Wie alt ist er denn jetzt?

Siebzehn wird er. Er ist nun schon dre gahre aus der S nicht, was einma Rechtsanwä

nur ein paar Monate

Laus ihm werden soll. d

ehoben, die Be⸗ ere gestalten sich örderlich. Die Vogelfütterung im und der größere Die Zahl der dem nen Mitglieder beträgt 289,

.

wogegen derselbe 48 Mitglieder durch den Tod Was haben Sie nur heute, Herr Leisetritt?

hielt sich an der Lehne seines ger mit der Miene

der den Gesichtsausdruck falsch

indiskret Sie sind heute so eigentümlich 3 Herr Leisetritt nahm eine Prise und bot dem

entgegnete Herr

Herr Müller, ich habe einen gentlich ist er nicht von mir, Er ist

chule, und wir wissen immer noch Bei vier lten war er schon Schreiber, aber immer oder gar blos Wochen, dann

und 58 aus anderen Ursachen verloren hat. Der Betrag für Prämiierungen im nächsten Jahre wurde auf 160 K festgesetzt. Der Vor⸗ anschlag über Einnahme und Ausgabe des Vereins für 1898 hält sich mit 5276 l gleich. Nachdem der Antrag, daß der Beitrag aller Mit⸗ glieder auf 1 4 erhöht werde, angenommen worden, hielt Herr Oberschulrat Dr. Eisenhuth einen überaus fesselnden Vortrag über Geschichte und Aufgabe des Tierschutzes, der lebhaften Bei⸗ fall fand.

* Hainhausen im Rodgau, 8. Nov. Viel⸗ seitig von Beruf ist ein hiesiger Bewohner. Er ist nämlich gegenwärtig Weißbinder, Orts⸗ gerichtsdiener, Polizeidiener, Nachtwächter, Toten⸗ gräber, Gemeindehirte und zeitweise auch Tage⸗ löhner. Seinen weiteren Nebenberuf als Tannenzapfenbrecher mußte er vor einiger Zeit wegen eines erlittenen Unfalls einstellen; da⸗ für trat er in die Reihen der Rentenem⸗ pfänger ein.

* Darmstadt, 8. Nov. Oberrechnungsrat von Wedekind, bis vor kurzem Kreisrat in Alzey, ist gestern Nacht an einem Schlaganfall gestorben.

* Darmstadt, 8. Nov. Die Nachricht, Ab⸗ geordneter Dr. Osann wolle bei der nächsten Reichstagswahl nicht wieder kandidieren, wird für unrichtig erklärt.

* Mainz, 8. November. Der Obmann des städtischen Reinigungsamtes, Herr Kirch, fand am Samstag Nachmittag bei einem Rundgang auf der Ingelheimer Au einen nur mit dem Drillichanzug bekleideten und vor Frost an allen Gliedern zitternden Soldaten im Gebüsch liegend vor, der bei seinem Annähern zu ent⸗ fliehen suchte. Auf freundliches Zureden des Beamten ging der Soldat indessen mit, zuerst nach dem Gouvernement und dann nach der Hauptwache. Dort gab der Soldat dem Wacht⸗ habenden zu Protokoll, er heiße Karl Häusgen, sei bei Leipzig in Sachsen zuhause und sei etwa 14 Tage nachträglich zur 3. Batterie des 27. Feldartillerieregiments eingezogen worden. Sein Unteroffizier habe ihn, der gerne Soldat gewesen sei, derart mißhandelt, daß er es nicht mehr aushalten konnte und morgens 5 Uhr aus der Kaserne entfloh, um sich im Rhein zu er⸗ tränken. Da ihm die Umgegend von Mainz vollständig unbekannt war, habe er sich nach der Ingelheimer Au verirrt, wo er sich bis zur Nacht im Gebüsch verstecken wollte, um dann sein Vor⸗ haben auszuführen. Der Flüchtling wurde unter Bedeckung nach der Kaserne auf der Mombacher Straße gebracht und die Untersuchung über den Vorfall eingeleitet.

Vermischtes.

Der Vogelmord zu Putzzwecken hat nach⸗ gerade eine Ausdehnung erreicht, von der die meisten keine Ahnung haben, und die einfach empörend ist. Unlängst hat eine Pariser Firma wieder 20 000 Stieglitze und andere schön gefärbte Vögelin Auftrag gegeben, also soll auch diesen Winter wieder der Vogelaufputz Mode werden. Es ist nun dreißig Jahre her, daß kluge Ge⸗

einigen Ländern den ungeheuren Reichtum an farbenpräch⸗ tigen Vögeln fast zu erschöpfen. Liest man, daß in Europa jährlich 175 180 Millionen solcher Vögel eingeführt werden, so begreift mans ja. Die Appelle von Künstlern und Gelehrten, von hochstehenden Frauen selber, sie halfen alle nichts gegen die von ein paar Importeuren gestachelte Eitelkeit. Nun aber gehts über unsere einheimischen schönen Vögel her, deren Bestand ohnehin schon so stark gelichtet ist. Hoffen wir, daß wenigstens fetzt endlich, wo außer den edleren, sittlichen Werten bare Geldverluste für die Landwirtschaft durch den Verlust der nützlichen Vögel in Frage stehen, ein Gesetz nicht nur den Fang, sondern auch den Handel mit Vogelbälgen zu Putzzwecken verbiete. Hat man doch in Frankreich berechnet, daß die Landwirtschaft jährlich 400 Millionen Frauken verliert, seit die insektenfressenden Vögel aussterben, und zwar mit wirklich genauen Unterlagen nach ernsthafter Methode.

IndischeFakire in Hamburg. Die Gebrüder Hagenbeck haben neben einer Singhalesen⸗ Zwergtruppe drei indische Fakire nach Hamburg gebracht, die einer geladenen Gesellschaft ihre Künste vorführten. Neben Mitgliedern der Hamburger Presse sah man Ge⸗ lehrte, Schriftsteller, Künstler und vor allem eine Anzahl hervorragender bekannterOkkultisten. Die indischen Fakire, große hübsche Leute, leiteten, wie der Berichter⸗ statter desH. F. erzählt, ihre Vorführungen durch leidenschaftliche Tänze ein, die das Publikum in eine ge⸗ linde Hypnose hineinzwangen. Und nun sahen die Staunenden wirklich, wie in der Hand des frei dastehenden Fa⸗ kirs sich eine Quelle entwickelt, die immer aufs Neue empor⸗ strudelt, so oft das Näpfchen auch umgestülpt wird. Sie sahen, wie ein vielmals zerschnittenes Turbantuch in der Hand des Fakirs wieder zusammenwächst, möchte man sagen. Allein die staunenswertesten Sachen kommen noch. Der Fakir nimmt einen Stein in den Mund und beginnt als⸗ bald Rauch und Flammen durch die Lippen auszustoßen; ein Napf mit Wasser wird ihm gebracht, er bläͤst die Flammen gegen das Gefäß und bald beginnt das Wasser zu sieden. Dann wird ein Mangokern in ein Häufchen Erde eingepflanzt, Tänze und Verschwörungen beginnen und mit zauberhafter Schnelligkeit wächst ein Bäumchen empor, das nachher mit Saatkorn, anhaftender Erde und Wurzeln herumgereicht wird. Der Mangobaum(Mangi- fera L.) ist den Buddhisten heilig, mit seinen Zweigen schmücken die Brahmanen an Festtagen ihre Hütten, selne innerste Natur ist den Indern seit Jahrtausenden bekannt. Ist der natürliche Vorgang des Wachstums durch unbe⸗ kannte Mittel beschleunigt oder handelt es sich um einen Taschenspielerkniff? Wer giebt Antwort? Neben einer Anzahl allerliebster kleiner Zauberspielereien, die ebenso unergründlich scheinen wie die großen, kommt endlich das berühmte Verschwinden eines Menschen, ein aufregendes, fremdartiges Schauspiel, daß sich schwer beschreiben läßt. Die unbegreifliche, wirklich sinnverwirrende Technik über⸗ trifft wirklich Alles, was jemals von europäischen oder amerikanischen Meistern der Magie geleistet worden ist. Ein Fakir zeigt sich noch auf eigenartige Welse indem er einen Menschen durch die Muskelkraft die Augenlider em⸗ porhebt und fortträgt. Die Vorführung ist gewiß groß⸗ artig, sie scheint indeß für ein größeres Publikum unge⸗ eignet zu sein, wenigstens ist sie geeignet, Frauen in Ohnmacht fallen zu lassen.

Aus Langeweile. Ein Mägdlein nasführte kürzlich die meisten Berliner Zeitungen und beinahe auch die hohe Polizei. Die Zeitungen berichteten nachWolffs Telegr.⸗Bureau:Ohnmächtig und an Händen und Füßen gebunden wurde gestern(Montag) Nachmittag die 16 jährige Selma Lichtenthal in der elterlichen Wohnung in der Auguststraße von ihrer Mutter aufgefunden. Nach Angabe des Mädchens ist ein junger Mann in die Woh⸗ nung gekommen, um ein Zimmer zu mieten. Derselbe,

schäftsmänner den Modedamen zuerst einredeten, Vogel⸗ leichen zum Putz seienchic, aber die Zeit genügt, in

erklärten sie alle, aus einer Handschrift wie dieser Mensch sie hat, könnte im ganzen Leben nichts ge⸗ scheites werden. Ich habe den Jungen schon zu einem Kaufmann in die Lehre gegeben; aber da paßte ihm der Geruch vom Petroleum und von den Heringen nicht, und er lief weg. Nachher gab ich ihn zu einem Bäcker, da gefiel ihm das Aufstehen in der Nacht nicht und das Umherlaufen mit dem Semmelkorb, und er lief wieder weg. Dann war er längere Zeit bei Verwandten auf dem Lande aber die können den Faulenzer auf die Länge der Zeit auch nicht brauchen und schickten mir ihn wieder. i

Und nun? fragte Herr Mäller.

Und nun liegt er schon wieder wochenlang zu Hause ohne einen Finger krumm zu machen. Da fiel es nun gestern meiner Frau ein, ich sollte mal mit unserm Herrn Vorstand sprechen, ob es denn ncht möglich wäre, daß unser Otto hier ankommen könnte, und daß er vielleicht unter meiner Leitung ein bischen besser schreiben lernte.

Herr Müller blickte, nachdem er dieses ver⸗ nommen batte, eine Weile mit geistvollem Ausdruck still vor sich hin. Endlich gab er das Probukt seines Nachdenkens mit den Worten kund:Ja, Herr Leisetritt, da müssen Sie halt mal mit dem Vorstand reden.

Herr Leisetritt nickte und ging langsam und ernd auf die Thür zu. Endlich faßte er sich ein hͤrklinke und sagte entschlossen:

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v8 ie T Herz und zugleich die T

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anscheinend im Anfang der zwanziger Jahre stehend, war bekleidet mit einem Winterüberzieher und schwarzer Hose

Ja, das will ich thun.

DerHerr Vorstand, wie das gesamte Büreau⸗ personal den ehemaligen stud. jur. Lehmann titulierte, war ein Mann in den vierziger Jahren und be⸗ haglicher Lebensstellung, was er indessen beides nicht sich selbst zu danken hatte. Zu seinem Alter war er durch die Hilfe der Zeit gelangt, und die auskömmliche Stellung dankte er seinem ehemaligen Studiengenossen, jetzigen Rechtsanwalt und Dr. juris Großmund, der, von Haus aus ein heller Kopf, es verstanden hatte, sich durch Allerweltsge⸗ schäfte eine glänzende Position zu erringen und den Jugendfreund zum Leiter seines Büreaus und zu seinerlinken Hand in untergeordneten Angelegen⸗ heiten gemacht hatte.

Der Herr Vorstand saß in seinem Arbeits⸗ zimmer, das neben dem des Rechtsanwalts belegen war. Er hatte sich in seinen Sessel zurückgelehnt und blickte mit gönnerhafter Miene auf einen jungen Menschen, der vor ihm stand.

Also Sie sind der Sohn des Herrn Leisetritt? fragte der Herr Vorstand.

Der junge Mensch gab einen eigentümlichen Laut von sich, der aus einem Gemisch von Mitleid, Hohn und Verachtung hergestellt war. Im An⸗ schluß daran rief er aus:Der mein Vater?! Das fehlte gerade!

(Fortsetzung folat.)