Ausgabe 
10.7.1897
 
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Gießen, Somabend, den 10. Juli

1897.

ische Landeszeitung.

Ausgabe Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

chu. 0 f* Redaktion:*

Na 0 Kreuzplatz Nr. 4. 2

ohman, a*. 95 r ale lokales und Provinzielles.

Gießen, 8. Juli.(Sitzung der Stadt ordneten.) Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt Sieh Irbürgermeister Gnauth mit, daß die Schluß

1111 der Haus haltungsschule bevorstehe und eit Schulvorstand die Mitglieder der Versammlung nebst an Damen hierzu eingeladen habe. Der Firma ah ligenstädt und Comp. wird die Erlaubnis zum 1 Vetantp, 900 pweiterungsbau ihres Etablissements ausnahmsweise ge⸗ der c. Ota güligt. Für das Gäßchen am Neuenweg, abgehend g. n der. Hofraithe, werden, nachdem die ntumsverhältnisse hier geregelt, für die Wasserzufuhr 75, zur Gaszuführung bis an die Mombergersche

talthe 25, bewilligt. Für die Kornblumengasse en 135/ zur Aulage der Wasserleitung bewilligt. l Die Weiterführung von Gas und Wasser in der ili: e hstraße bis zum israelitischen Gemeindehaus, welche leit bereits ausgeführt ist und einen Kostenaufwand

180& verursacht hat, wird nachträglich gut geheißen.

Ein Gesuch der Anlieger des Schiffenberger⸗

ges, vom Bahnübergang bis zur Wirtschaft Schiffen⸗

gerthal erhöhte Bürgersteige anzulegen, wird nach

e 50 Pfg. Vorschlag der Baudeputation abgelehnt, jedoch be⸗ 7: sossen, das dort vorhandene Bankett zu verbessern.

n begründete dies damit, daß der betreffende Teil der huße noch nicht im Stadterweiterungsplan aufgenommen, er nur als Landstraße zu betrachten sei. Der Wirt⸗ Atsplan unserer Waldungen pro 1898/99 findet die

fest gung des Kollegiums. Hiernach kommen zu Tax⸗

lien gerechnet in dem Budgetjahr für 77 293,80 J, uhu noch die bei Versteigerungen durchschnittlich mehr

se rechts. tenen Aufschläge von 16 309/ kommen, sodaß der Mamterlös 9 3 6 0 2,8 0 4 pro 1898/99 ergeben würde un 74 30 2

pred n 74 301 4 plus 15 700 4 90 001& im

schießen für Herrn,

henden Rechnungsjahr. Den Wünschen und Anregungen der Mitte der Versammlung Folge gebend beabsichtigt

HDaorstverwaltung die Chaussierung der Wald⸗ tritt 20 Pfg. Age und hat für Wegebau daher pro 1898/99 7872 4

% een 738, des laufenden Jahres, für Wegeunter⸗ Is-Kartell. Fung 1267, gegen 902, des laufenden Jahres

Wirtschaftsplan eingestellt. Ferner wird beschlossen, Eschenstammholz in aufgearbeitetem Zustande im Sub⸗ fonswege wie bisher auch pro 1898/99 zu vergeben. Es soll beim Kreisamt um die Genehmigung nach⸗ Acht werden, daß unsere Feldschützen die Berechtigung Alten, im Felde auf die der Land wirtschaft schäd⸗ hen Vögel, als Raben und Sperlinge, zu schießen, Melben auch im Philosophenwald nachstellen zu dürfen. Der Oberhessische Geschichts verein besitzt eine umlung von Altertümern, darunter solche aus Asstorischer und römischer Zeit, die nach der Angabe berbürgermeisters einen Wert von 12 15 000 l, Angabe des Stadtverordneten Emelius einen solchen elwa 26 000/ haben. Die Stadt hat zur Unter⸗ gung dieser Altertümer, welche aus unserer Provinz men, im alten Rathause die übrigen Räume zur Ver⸗ Fang gestellt. Der Verein beabsichtigt eine Sichtung Neuordnung seiner Sammlung vorzunehmen, um die⸗ dann auch als Museun der Oeffentlichkeit Huführen, und bittet die Stadt um Uebernahme der Fhurch entstehenden Kosten in Höhe von 600& oder Rüßstens eines größeren Teiles derselben. Die Finanz⸗ Eutation, welche über die Frage, ob man den ganzen Hiuschten Betrag oder nur einen Teil auf die Stadt⸗ übernehmen solle, einigte sich dahin, 400 4 für uagten Zweck in Vorschlag zu bringen.(Die Stadt At pro Jahr 100 4 an den Verein als Beitrag.) In stimmt die Versammlung auch zu. Die Ferien

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Betitzeile.

missionssitzungen statt. Dem L. Grünewald wird für das Haus Kirchenplatz 5 die Schankkonzession (iedoch ohne Branntweinausschank) bewilligt. Wilh. Meyer erhält die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb für dasAquarium in der Wallthorstraße. Desgleichen Herm. Otto für denDeutschen Hof(Neuenweg). Desgleichen Johannes Rinn für das Haus des Kauf⸗ männischen Vereins. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung.

Gießen, 9. Juli. In der nicht öffent⸗ lichen Sitzung unserer Stadtverordneten Versammlung wurde beschlossen, das neue )prozentige Anlehen unserer Stadt im Betrage von 4 Million Mark mit Pro⸗ zent verzinslich der Mitteldeutschen Kreditbank und der Deutschen Genossenschafsbank zu Frank⸗ furt a. M. zu deren Offerte von 99,50 Prozent zu übertragen. Der Betrag der Anleihe wird von der Stadt in Höhe von 500 000& per 15. November d. Is. übernommen und zur Zurückzahlung des Aprozentigen 1887er An⸗ lehens verwandt. Der Rest der Million soll in annähernd gleichen Raten innerhalb sieben Monaten zur Bestreitung außerordentlicher Aus gaben bezogen werden. Die Uebernehmer haben sich jedoch verpflichtet, innerhalb dieser Zeit die nicht bezogenen Geldbeträge der Stadt Gießen ihrerseits ebenfalls mit Prozent zu ver zinsen.

* Gießen, 9. Juli. Infolge eines tech nischen Versehens ist in der gestrigen Nummer die Meinungsäußerung unseres Viehmarkt-Be⸗ richterstatters über die angebliche edle That eines Viehhändlers im Manuskript stehen geblieben und infolgedessen den Lesern wörtlich mitgeteilt wor den. Der Berichterstatter wagt da die mehr als kühne Behauptung, daß der betreffende Vieh händlerim Interesse der Allgemeinheit durch sein Dazwischenkoemmen ein Steigen der Fleischpreise für unsere Stadt hintertrieben hätte. Ein solcher Satz erglimmt die Spitze volkswirtschaftlicher Unkenntnis. Erstens einmal thut ein Viehhändler im Interesse der Allge- meinheit überhaupt nichts, sondern er unter⸗ nimmt Alles für seinen verehrlichen Geld beutel. Und zweitens ist ein einzelner Händler garnicht in der Lage, die Viehpreise einer Gegend auf die Dauer so oder so zu beeinflussen. Die Rettungsmedaille, die der Berichterstatter seinem Viehhändler reicht, müssen wir daher schonungslos zerpflücken. St. Manchester, der Heilige des falschen wirtschaftlichen Liberalismus, wird sich über den kuriosen Einfall allerdings weidlich ergötzt haben; seit den 70er Jahren wird ihm solch blühender Unsinn immer seltener verabreicht. Unsere denkenden Leser aber werden mit uns sih sicherlich gewundert haben, über die krausen Ideen, die heute noch in manchen Köpfen umgehen. 8

* Gießen, 9. Juli.(Steuerreform.) Am Samstag Vormittag tritt in den Räumen des Finanzministeriums zu Dar mstadt die von der Regierung zur Vorbereitung einer Steuer⸗ Reform gebildete Kommission zu einer Vorbe⸗ sprechung zusammen. Die Kommission besteht

Gagern und Oberbürgermeister Gnauth teil nehmen. * Gießen, 9. Juli. Für Stempel⸗

marken wurden im Großherzogtum im Rech nungsjahre 1895/96 im Ganzen 1384 206,70. vereinnahmt. Die größten Beträge brachten die Marken à 10, 20 c und 300, nämlich 128 190,00, 150 800,00& und 195 600,00 4 Die niedrigste Stempelmarke kostet 5 3. Sie brachte 3500,60 ein. Die Marke zu 40 ergab eine Einnahme von 40 634,80, davon waren allein 30 114,00 l für Gewerbepatente.

* Bad Nauheim, 8. Juli. Die Zahl der gegenwärtig hier anwesenden Kurgäste beträgt 3969. Die Gesamtfrequenz ist 8711 Personen, 1336 Gäste mehr als zur gleichen Zeit im vorigen Jahre. Bäder wurden vom 1. Juli d. Js. 87785 genommen, 10370 Bäder mehr als 1896.

* Seligenstadt, 9. Juli. Sämtliche hiesige Bäcker erfreuten die Bewohnerschaft angesichts der guten Ernteaussichten mit der Herab setzung der Brotpreise um 6, bezw. 4. Es kosten jetzt 6 Pfund Kornbrot 50, 4 Pfund gemisches Brot 40.

* Offenbach, 9. Juli. Die hiesige Han delskammer hatte auf Veranlassung des Großh. Ministeriums des Innern bei den größeren Firmen des Bezirks eine Umfrage be züglich ihrer etwaigen Geneigtheit zur Be schickung der Pariser Welt-Ausstellung im Jahre 1900 gehalten. Von 88 abgesandten Fragebogen kamen 47 beantwortet zurück, darunter 11 mit bejahender Antwort. Hiernach scheint bei der in Frage kommenden Handels welt keine große Lust zur Beschickung der er wähnten Ausstellung vorhanden zu sein.

* Wetzlar, 9. Juli. Das Reichsgericht in Leipzig verhandelte dieser Tage in folgender Strafsache: Der Metzgermeister Karl Wilhelm M. von Ehringshausen wurde am 17. Mai 1897 von der Strafkammer beim Amtsgericht Wetzlar wegen Vergehens gegen das Nahrungs- mittelgesetz,§S 10 Abs. 1 und 2, zu 2 Monaten Gefängnis und 100 l Geldstrafe verurteilt. Es wurde ihm zur Last gelegt, von zwei ver schiedenen Personen Kühe gekauft zu haben, deren Lungenflügel bereits eiterartig an⸗ gefressen waren. Bei einem Einschnitt mit dem Messer in die kranken Teile floß ein grünlich⸗ gelber Eiter heraus. Die ganze Lunge war mit Knötchen übersäet. Das Fleisch der beiden Kühe wurde vom Fleischbeschauer beanstandet, gleichwohl verkaufte der Angeklagte beide weiter, darunter die eine an einen Konsum⸗ verein. Es wurde erwiesen, daß M. beide Tiere als Hundefutter für 41 Mark ge⸗ kauft hatte, er wußte also, daß die Tiere erheblich krank waren. Seine Revision gegen das Urteil wurde vom Reichsgericht ver worfen.(W. A.)

Neueste Telegramme. Innsbruck, 9. Juli. An den

beiden letzten Abenden fanden hier Kund⸗ gebungen gegen die auf den 5 a u⸗

N edition:

81 Kreuzplatz Nr. 4. plätzen arbeitenden Italiener statt. Dieselben wurden zur Arbeits⸗

Einstellung gezwungen. Die Wache mußte die Ruhe wieder herstellen.

Hd. Lille, 9. Juli. Gestern Abend rannte auf dem hiesigen Bahnhofe ein aus Townay kommender Personenzug mit solcher Gewalt gegen einen Prell⸗ bock, daß mehrere Waggons zertrümmert wurden.

Acht Personen wurden schwer, mehrere leicht verletzt. Hd. Brüssel, 9. Juli. Der Aus

stand im Hennegau nimmt eine be⸗ drohliche Wendung an. In ver⸗ schiedenen Orten kam es zu heftigen Zu⸗ sammenstößen zwischen Streikenden und der Gendarmerie, wobei letztere von der Waffe Gebrauch machte. Die Regierung verstärkte die Garnisonen im Hennegau. Der Arbeitsminister lehnte jedes Eingreifen zu Gunsten der Ar⸗ beiter ab.

Hd. Brüssel, 9. Juli. Der internatio- nale Kongreß für Sonntagsruhe be⸗ schloß sein internationales Bureau in Genf zu beauftragen, daß es alle Schritte thue, damit das gesamte Personal des öffentlichen Verkehrs-Wesens also des Eisenbahn- Transport- und Tramwaydienstes ebenfalls frei vom Sonntagsdienst werde. Sollte eine genügende Anzahl von Sonn⸗ tagen nicht zu erreichen sein, so soll das Perso⸗ nal eine entsprechende Zahl von Ruhetagen in der Woche erhalten.

Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 11. Juli, 4. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Johanneskirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Schlosser.

Beichte und heiliges Abendmahl für sämtliche 4 Ge⸗ meinden. Anmeldung zuvor bei dem Pfarrer der Ge⸗ meinde erbeten.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Dingeldey. In der Friedhofskapelle. Vormittags Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Im Konfirmandensaal, Neustadt 61: Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Gottesdienst mit Christenlehre für die Neukonfirmirten aus der Markusgemeinde.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Dr. Grein.

Erprobte Rezepte

Deutsches Beefsteak. Gehacktes Ochsenflelsch mit gleichviel gehacktem Schweinefleisch gemengt was man schon in diesem Zustande beim Metzger haben oder sich dort bestellen kaun wird angenehm gesalzen und ge⸗ pfeffert, eventuell auch mit etwas feingeschnittener Petersilie und Zwiebel gemischt, zu schönen, runden, gut fingerdicken Beefsteaks geformt und wie solche in Butter gebraten. Die Brühe wird entfettet, ein paar Eßlöffel voll Bouillon oder Wasser mit Maggi's Suppenwürze dazu gegeben, dies aufgekocht und über das Beefsteak gegossen. Bratezeit 8 Minuten unter öfterem Wenden.

Th. Haslinger.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wildelm Sell in Gießen; Dru der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gietzen, Schloßgasse 13

e

tfindenden bie Stadtverordneten sind wieder wie im Vor⸗ aus Mitgliedern der 1. und 2. Kammer und Hd. in der Zeit vom 1. August bis 1. September an⸗ Delegirten des Finanzministeriums. Von hier . und finden in dieser Zeit nur dringliche Kom⸗ werden die Herren Provinzialdirektor von T.. Ein Wrack.Fünfzehn Tage, Sir. 0(Nachdruck verboten.)Wo kommt Ihr her? 1 1 (Schluß.)Kuba, Sir; in Cyklon geraten. a

Und da stand nun Kapitän Randell auf seiner ute und sprach durch die hohle Hand hinab. glaube, es war das erste Mal, daß wir ihn zatlich sahen. Die zolldicke Leinwand, welche die Aumandobrücke zum Schutz gegen Wind und ter verkleidet, reichte ihm bis übers Kinn; nur Eda aufwärts war er uns bekannt. So oft er ui schon diesen Kurs gesteuert, niemals hatte er einem Passagier auch nur ein Wort gewechselt.

tand oben, unnahbar wie ein Gott, aber wie Verantwortlicher. Alle englischen Kapitäne leben

zeli. 4 solchem Isolierschemel. Das Gespräch, das ages 17 zwischen ihm und dem Kapitän des Wracks 6 d Pfg. Hann, war in seiner furchtbaren Lapidarität so 3-83 a mürdig, daß ich es wiederholen will. Es fiel euer 10 9 1 1191 16 95 suo rich ler l J 8), keine menschliche Betonung erwärmte die en Fragen und Antworten. 5 Schwatzen ist , 11 Zeit. Hier bin ich, thu was Du glaubst. . hoi, was ist los? 70 65 Segel, Mast und Ruder verloren, Sir ö Was können wir für Sie thun? 15 80 Nehmen Sie uns in Schlepptau und bringen n eus nach Newpork. 1 fehl n Verdammker Unsinn(dam nonsense)! Euer Prei f 8 Fahrzeug ist nicht so viel wert, als wir in 17 Vormittag Kohlen verbrauchen. Wie lange gabe u Mast und Segel?

Braucht Ihr Arzt?

Nein, Sir.

Niemand krank?

Nein, Sir; doch eine Person tot, erschlagen von herunterkommender Raa.

Genug zu essen?

Ja, Sir.

Braucht Ihr Wasser?

Wollt Ihr an Bord kommen?

Nein, Sir.

Nochmals fragt der Kapitän, weiter vorgebeugt, hinab:Wollt Ihr an Bord?

Nein, Sir.

Da neigt sich der Kapitän über das Sprach⸗ rohr und kommandiert: Full steam ahead, rudder in lee!(Voll Dampf voran, Ruder in Lee!)

Sie sind für ihn abgethan, er tritt zurück. Das Schiff fällt mit einer scharfen Drehung in seinen ursprünglichen Kurs zurück. Aber schon ist der erste Schiffslieutenant auf der Brücke erschienen und hat mit Sextant und Chronometer Länge und Breite des Punktes aufgenommen, wo das Wrack lag. Und so oft wir später einem Fahrzeug auch nur so nahe kamen, daß Marsgast den Marsgast sehen konnte, wurde ihm durch Flaggensignale mit⸗ geteilt:Wrack unter Notflagge, Länge soundso,

Breite soundso.

Es war ein Schooner, der mit Baumwolle von Havannah nach Boston ging. An seiner schwarzen lasen wir mit weißen Buchstaben den Namen geschrieben:Edith Mac Inter.

Und da stand nun der Kapitän auf seinem schlingernden und stampfenden Wrack, in seinem tief nassen Zwilchkittel, die Schenkelstiefel voll Wasser und den ellenbreiten Panama tief in das knebel bärtige Hankeegesicht gezogen... und sah uns wie stumpf nach und wartete. Worauf wartete er? Auf ein Schiff, daß nach Amerika fuhr und ihn dahin bugsieren sollte. Und seine vier Mann kauerten ebenso still und stumpf an seiner Seite. Ringsum tausend Meilen Salzwasser und diese Leute ließen fich von uns nicht retten. Sie warteten auf einen weniger kostspieligen Zufall... der vielleicht gar nicht kam. Erschreckend schnell tauchte, da wir uns rasch entfernten, das tanzende Wrack tiefer und tiefer. Es war ergreifend, zu sehen, wie es tanzend unterging mit Mann und Maus. Wir räsonnierten dann noch weidlich über die Barschheit unseres Kapitäns, den wir für die Gelegenheit etwas kontinentaler, d. h. sentimentaler gewünscht hätten. Uebrigens klärten uns die Offi⸗ ziere die Dinge auf, die hier ins Spiel kamen. Die Leute konnten ihr Wrack gar nicht verlassen. Erstens, weil sie nicht Geld genug hatten, ihre Fahrt nach Southampton zu bezahlen. Zweitens, weil kein Rheder Leute wieder engagiert, die ihr Schiff verlassen haben. Drittens, weil sie vorher ihr Fahrzeug hätten mit Pulver sprengen müssen,

damit es nicht als totes Wrack im Kurs liegen bleibe.

O, diese toten Wracks! Diese unheimlichen Schiffsleichen! In der Südsee treiben Hunderte von ihnen herum nach dem Belieben der Abbdrift (Winddruck) und der Stromversetzung(Meeres⸗ strömung), die ihre einzigen bewegenden Kräfte sind. Uralte Wracks, darunter bis zu 100 Jahre alt, halb versteinerk und ganz mit Seegetier bevölkert, wilde Menagerien der Meeresfauna. Unbeleuchtete hulks(Schiffsrümpfe), umkreisen sie langsam, stumm und finster den Erdkreis, tote Weltumsegler, Fliegende Holländer, eine stete Gefahr für Schiffe, denen sie etwa nachts begegnen. Darum werden sie von der englischen Admiralität sorglich in Evidenz gehalten, sie sind sogar nummeriert und in Mrackkatalogen geführt, in die man immer wieder einschreibt, daß Wrack Nr. soundsoviel zu dieser und dieser Zeit da und da gesehen worden. Wo man eines erwissbhen kann, wird es wohl in die Luft gesprengt, um diese wandernde Klippe un⸗ schädlich zu machen. Aber es ist nicht leicht und nicht ungefährlich, bei irgendwelchem Seegang sich an ein ungesteuertes Schiff heranzumachen. Wenn sie noch wenigstens Flaggensignale geben könnten, z. B. jenes schauerlichste von allen, das unter NO verzeichnet ist. Das bedeutet nämlich:Wir sinken. Mich als Chemiker hat es immer unheimlich be rührt, denn dieselben Buchstaben bilden die chemische Formel für die Blausäure(richtiger: dessen Gift, Cyan). Ist das nicht eine Kabbala der Buchstaben?