Ausgabe 
10.6.1897
 
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Nr. 133

Gießen, Donnerstag, den 10. Juni

1897.

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

Hessische Landeszei

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

NMedaktion:

8 Kreuzplatz Nr. 4. 8

Nadfahren als Heilgymnastik. Von Dr. Martin Siegfried(Berlin-Bad⸗Nauheim).)

Die Gymnastik des Zwei⸗ und Dreiradfahrens die Cy klistik als Heilmittel zu verwenden, sie unter die Kurmittel für diejenigen Fälle aufzunehmen, in denen die Ausübung gymnastischer Bewegung und körper⸗ licher Arbeit von Nutzen ist, könnte gewagt erscheinen, wenn man sieht, daß noch nicht einmal die Grundfrage, ob das Radfahren überhaupt gesund sei, ärztlicherseits eine einheitliche bejahende Beantwortung gefunden hat. Die Zahl der Gegner des Radfahrens unter den ärztlichen Kritikern ist nicht klein, sie überwiegt derart sogar die jenige seiner Befürworter. Wägt man jedoch die Aeuße⸗ rungen der Gegner, so macht man, sofern man Arzt und Radfahrer zugleich ist, die überraschende Wahrnehmung, daß dieselben, soweit sie sich nicht auf mißbräuchliche Uebertreibungen und dadurch hervorge rufene Schädigungen der Gesundheit beziehen, durchweg auf theoretischen Spekulationen beruhen, deren Verfechter niemals auf einem Rade gesessen haben. Diejenigen Aerzte, die ihr Urteil auf Beobachtungen und Erfahrungen gründen, dle sie an sich selbst gemacht haben, stellen fest, daß wir in der Cyklistik eine Gymnastik besitzen, die zu⸗ nüchst wie jede andere geeignet ist, Körper und Geist in günstigster Weise zu beeinflussen, vor allen aber den Vor⸗ zug hat, bei hoher Ausbildung körperlicher Geschicklichkeit und ausgezeichneter Förderung aller vegetativen Funk⸗ klonen(Atmung, Kreislauf, Verdauung, Stoffwechsel) seinen Haupteinfluß auf die Entwickelung geistiger Eigenschaften auszuüben: der Geistesgegenwart, des ruhigen, aber schnellen Entschlusses, der unmittelbaren Willensübertragung auf das fast dem Gedanken folgende Werkzeug, der Selbstbeherrschung und zugleich des Be⸗ wußtseins aktiver Individualität und Unabhängigkeit. Die hieraus resultierende Geschwindigkeitserhöhung sämt⸗ licher Gehirnfunktionen und der Nervenleitung ist in Deutschland bisher nur von einigen Nervenärzten(Eulen⸗ burg, Placzek) gewürdigt worden, während die Cyklistik für andere einTreppensteigen im Sitzen()(Mendel⸗ sohn) oder eine Art Bergsteigen(Fürbringer) ist, eine Auffassung, die, abgesehen von ihrer Einsettigkeit, außer⸗ dem sowohl in mechanischer wie in physiologischer Be⸗ ziehung unzutreffend ist.

Neben dem Mangel an Selbsterfahrung liegt ein welter Grund für die irrigen Ansichten über das Wesen der Cyklistit und für die dadurch verursachte Erschwerung ihrer Einführung in die mechanischen Heilmethoden in dem unglücklich, weil falsch gewählten deutschen Ausdrucke: Radfahren.

Mit einemFahren, sei die Cyklistik nicht das Geringste zu thun, sie mehr lediglich eine Reitbewegung dar. Wer Reiter undRadfahrer zugleich ist, wird dieser Auffassung zweifellos zustimmen. Da ist kein Wagen mit Kutscher⸗ bock oder Fahrsitzen, sondern eine mit einem Reitsattel versehene, der Fortbewegung dienende Präcistonsmaschine. Junere und äußere Reibung ist in so hohem Grade ver⸗ mindert, daß sie fast aufgehoben erscheint, wodurch die Maschine, die der leisesten Willensandeutung gehorcht, ihrem Reiter dasselbe lebendige Gefühl bietet, das der Reiter eines Pferdes unter sich hat. Das Aufsitzen findet wie bei diesem durch Setzen des linken Fußes in den Bügel(Pedal oder Aufstieg), Heben des Körpergewichts durch Streckung des linken Knies. Herüberführen des gestreckten rechten Beines über den Rücken des Pferdes (des Hinterrads) und laugsames Einschieben des Gesäßes in den Sattel statt; denn wie das Kreuz des Pferdes be⸗ darf die Federung des Sattels und der Rahmenbau des Zweirads der Schonung.

Hierauf giebt es, wenn die Cyklistit für Lungen, Herz und Magen und Unterleibsorgane gesund sein soll, nur eine Haltung, die diesen Anforderungen entspricht: den Reitsitz, wie ich an anderer Stelle ausführlich dar⸗ gelegt habe:*) Rumpf gerade aufgerichtet, Kreuz etwas angezogen und festgestellt, die Schultern nach hinten zu⸗ sammengenommen, sodaß die Wölbung der Brust deutlich hervortritt, das Gesäß etwas zusammengezogen und nach vorne geschoben wodurch Einwirkung durch Gewichts⸗ verschlebung ermöglicht wird, Kopf senkrecht aufrecht, das Genick leicht an den Halskragen angelehnt, das Kinn etwas angezogen. die Kniescheiben genau nach vorne ge⸗ richtet, die Füße streng parallel dem Rahmen bei jeder anderen Haltung tritt Kraftverschwendung ein; nur die Arme werden bei der Cyklistik im Ellenbogen nicht gebeugt, sondern gestreckt gehalten, sollen aber die Lenk⸗ stangengriffe so leicht führen, wie die lose Faust des Reiters die Zügel.

Bei der Fortbewegung kommt in der Cyklistik wie beim Reiten vor Allem die Balance in Betracht, die nicht durch Anklammern an die Lenkstange, sondern durch ruhigen Sitz im Sattel undMitgehen bei seitlichen Bewegungen und Kurven erreicht wird. Durch Gewichts⸗ verlegung im Sattel wird in der Cyklistik wie beim Reiten die Wendung, die Volte, das Changieren vor⸗ bereitet, und auch das Absitzen findet analog dem des Reitens statt.

Würde man sich entschließen, die völlig unzutreffende Bezeichnung Rad fahren durch Rad reiten zu ersetzen, so würde nicht nur ein falscher Name durch einen richtigen ersetzt, sondern außerdem noch ein anderer großer Vorteil

es aktiv oder passiv, hat stellt viel⸗

) Wir entnehmen diesen Aufsatz der neuesten Num⸗ mer der Deutschen Medizinischen Wochenschrift(Redaktion: Prof. Dr. A. Eulenburg und Dr. J. Schwalbe, Berlin.

erreicht werden. Wer sein Radfährt, wird sich in be⸗ liebiger Weise, meist wohl in der noch oft anzutreffenden,

ebenso häßlichen wie gesundheitsschädlichen, krummen Haltung auf sein Rad klemmen und davonjagen: wer sein Radreitet, wird unwillkürlich einen geraderen Sitz an⸗ nehmen und sich sagen, daß ein krummer Reiter stets lächerlich wirkt, mag er auf dem lebenden Pferde oder auf dem Stahlroß sitzen.

Ist durch Annahme der beschriebenen aufrechten Hal⸗ tung eine gesundheitsmäßige Ausübung der Cyklistik er⸗ möglicht, so bedarf sie, um als Kurmittel angewendet werden zu können, noch einer Eigenschaft: der Dosir⸗ barkeit. Letztere ist ihr bisher abgesprochen worden, jedoch meiner Ansicht nach mit Unrecht. Allerdings darf man sich nicht damit begnügen, dem Patienten zu sagen, er mögelangsam oder,mäßig fahren, und auch die Angabe der Minutenzahl, in welcher ein Kilometer zurück⸗ gelegt werden soll, ist ungenügend, da mau erst nach er⸗ solgter Zurücklegung des Kilometers sehen kann, wie viel Zeit man dazu gebraucht hat, während es für unseren Zweck gerade darauf ankommt, vom ersten Schritt an die richtige Geschwindigkeit einzuschlagen und dann auch stetig beizubehalten. Beide Bedingungen werden mit Leichtig⸗ keit erfüllt, wenn man die Anzahl der Pedalum⸗ drehungen vorschreibt, welche innerhalb einer Minute zu machen sind, und diese nach einer vor den Augen des Urkunden auf der Lenkstange aufgeschnallten Sekundenuhr ablesen läßt. Um die Stärke der Steigungen zu be⸗ stimmen. welche ohne Schaden für das Herz genommen werden können, kann man sich des sogenannten Deélivo graphen bedienen, wenn nicht die Vorschrift genügt, bei eintretender Atembeschleunigung sofort abzusitzen.

Unter obigen Voraussetzungen verdient die Eyklistik als Heilfaktor nicht neben den übrigen mechanischen Heil⸗ faktoren eine Stelle, sondern den Vorzug sogar vor vielen anderen medico⸗mechanischen Apparaten, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Die Cyklistik ist die einzige Heilgymnastik, deren Ausübung an die frische Luft gebunden ist und die mit Fortbewegung und daher stets wechselnden Außenein⸗ drücken verknüpft ist.

2. Die Cyklistik ist die einzige mechanische Heilmethode, die außer dem Körper auch den Geist beschäftigt, und zwar thut sie es nicht nebenbei oder nach Belieben des Ausübenden, sondern die psychische Thätigkeit ist ein Haupt⸗ faktor der Cyklistik und gehört zu ihrer Wesenheit, wie die frische Luft und die Fortbewegung.

3. Die Cyklistik wird im Gegensatze zu dem Arbeiten an Zimmerapparaten niemals langweilig, so daß z. B. der Neurasthemiker sich nicht mit der Zeit davon zu drücken sucht, sondern von Tag zu Tag mehr Lust an ihrer Ausübung und mehr Befriedigung durch das neuer⸗ wachte Gefühl der Leistungsfähigkeit empfindet.

4. Die Ausübung in Eyklistik findet im Berufe statt; es bedarf weder des Besuches einer Anstalt, noch des Ansetzens besonderer Uebungsstunden Dinge, an denen viele mit bestem Willen begonnene Kuren scheitern. Die Eyklistit erleichtert sogar in der Regel die Ausübung des Berufes und ermöglicht zuweilen allein die Fort⸗ setzung desselben.

5. Sie ist für jedes Alter und jedes Geschlecht geeignet.

Die vorstehenden kurzen Ausführungen mögen zunächst genügen als Beweis dafür, daß das Radfahren, weit ent⸗ fernt, ein bloßer Sport für müßige Stunden zu sein, vielmehr dazu berufen ist, die ärztliche Wissenschaft ernster als bisher zu beschäftigen, um in zuverlässiger Weise die heilwirkenden Eigenschaften dieser tief eingreifenden Gym⸗ nastik festzustellen. Dies kann aber nicht vom Schreibtisch der auf Grund haltloser Theorien, sondern lediglich aus dem Sattel heraus geschehen.

1 ö 41 5s Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 9. Juni. Dem Kirchenrat und Oberpfarrer D. Georg Christian Dieffenbach zu Schlitz ist der Charakter alsGeheimer Kirchenrat verliehen.

* Gießen, 9. Juni. Sitzung Großh. Han⸗ delskammer am 1. Juni 1897. Vom 13. bis 15. Juni l. J. tagt in Leipzig der 2. Kongreß des deutschen Verbandes für das kaufmännische Unterrichtswesen, an welchem sich wenn möglich, der Vorsitzende der Kammer beteiligen wird. Der Unterverband für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen⸗Nassau des obengenannten Verbandes hat seiner Zeit an Großh. Ministerium des Innern um eine staatsseitige Unterstützung der kaufmänni⸗ schen Fortbildungsschulen gebeten. Das gleiche Ersuchen ist Anfang Februar von seiten der Kammer an Großh. Ministerium des Innern gerichtet worden, welches alsdann die Kammer zur Einsendung der Lehr⸗ und Stundenpläne, sowie zur Beantwortung einiger speziellen Fragen aufforderte. Der hiesige kaufmännische Verein hat in umfassender Weise alle einschlägigen Fragen beantwortet und es ist der Bericht inzwischen Großh. Ministerium des Innern unter Wieder⸗ holung unseres früheren Ersuchens erstattet worden. Neue Reichsbanknebenstellen sind eröffnet worden bezw. werden eröffnet: Zu Werden a Ruhr am 15. Mai l. J., abhängig von der Reichsbankstelle in Essen; zu Herne am 1. Juni l. J., abhängig von der Reichsbankstelle in Bochum; zu Uerdingen am 8. Juni l. J., abhängig von der Reichsbankstelle in Crefeld. Der Zug 13a Gießen⸗ Stockheim wird versuchsweise b. a. w. vom 1. l. Mts. ab bis Gelnhausen durchgeführt und zwar ab Stockheim 7.35 Uhr Vorm., an Gelnhausen 8.27 Uhr Vorm. Von demselben Zeitpunkte ab soll der Zug 28 Gedern⸗Stock⸗

Verlag Georg Thieme, Leipzig). ) Wie ist Radfahren gesund? S. 2734 Wies⸗ baden, Bergmanns Verlag.

heim zur Gewinnung des Anschlusses an den Zug 13a cbenfalls versuchsweise eine frühere Lage erhalten und

Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Auzeigen t 10 Sfg. für die Zspaltige Petitzeile.

Tage nach Sonn- und Feiertagen.

N Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

zwar ab Gedern 6.30 Uhr Vorm., an Stockhein 7.25 Uhr Vorm. Vom 1. Juni l. J. ab werden ferner auf der Strecke Lich⸗Gießen Arbeiterzüge versuchs⸗ weise eingeführt: 1. ab Lich 5.20 Uhr Vorm., an Gießen 5.50 Uhr Vorm.; 2. ab Gießen 7.30 Uhr Nachm., an Lich 8.00 Uhr Nachm. Am 1. Juli l. J. findet die Eröffnung des Haltepunktes Rödgen statt; direkte Fahr⸗ karten werden vorerst nicht über Gießen und Fulda hinaus verausgabt. Die Abfertigungsbefugnisse der Stationen Ober⸗Widdersheim und Büches⸗Düdelsheim werden mit dem 1. k. Mts. erweitert und erstrecken sich alsdann auf Güter aller Art, sowie auf Leichen und lebende Tiere; ausgeschlossen bleibt die Beförderung von Sprengstoffen und Fahrzeugen. Das Verzeichnis der Kammer von zweifelhaften Firmen hat Erweiterung für die Niederlande und Italien erfahren. In einem französischen Badeorte soll die Abhaltung einer angeblich internationalen Ausstellung geplant sein, welche indessen eines offiziellen Charakters entbehrt. Vor einer Beteiligung müssen wir warnen und sind zu näherer Auskunft Interessenten gegen⸗ über bereit. Inbetreff der Verlosung von Anteilscheinen der Barlettalose geht der Kammer die Mitteilung zu, daß die Wiederaufnahme der im Jahre 1895 eingestellten Til⸗ gung des von der Stadt Barletta in 1870 aufgenomme⸗ nen Anlehens im Mai d. J. durch Ziehungen der Los⸗ anleihe erfolgen soll. Der Plan der weiteren Ziehungen weicht von dem ursprünglichen darin ab, daß in den letzten fünf Ziehungsjahren nicht zwei Ziehungen sondern eine stattfinden wird; in weiteren fünf Jahren sollen die also hinausgeschobenen Ziehungen nachgeholt werden und endlich in anderen zwei Jahren(1950 und 1951) die in den Jahren 1895 und 1896 ausgefallenen Ziehungen er⸗ folgen. Der Anleihedienst wird von der Verwaltung der Stadt gänzlich getrennt werden. Ausländische Hand⸗ lungsreisende sind in Rußland zur Lösung eines Kommis⸗ scheines 1. Kl. verpflichtet; selbständige ausländische Kauf⸗ leute und Gewerbetreibende haben dagegen weder einen solchen Kommisschein, noch ein Gildeschein zu lösen. Wenn nun von selbständigen Kaufleuten u. s. w. aus bestimmten Gründen, z. B. wegen der Zugehörigkeit zur israelitischen Religion, die deutschen Gewerbelegitimationskarten für Handlungsreisende als Legitimationspapiere zum Ausweise über die Person der Karteninhaber in Rußland benutzt werden, so müssen mit den Vorteilen, die diese Karten hinsichtlich des Aufenthaltes in Rußland gewähren, nach Auffassung der russischen Regierung auch die Pflichten, darunter diejenigen zur Lösung eines Kommisscheins mit übernommen werden, und dürfen diejenigen, welche sich durch die Benutzung einer Gewerbelegitimatiouskarte den Eintritt in Rußland ermöglicht haben, als dann nicht über die Heranziehung zur Kommissteuer Klage führen.

* Gießen, 9. Juni. Seither wurden Rad⸗ fahrer zur Anzeige gebracht, wenn sie die Fußwege der Chausseen zum Fahren be⸗ nutzten; neuerdings haben, wie dieFrkf. Ztg. zu melden weiß, verschiedene Kreisämter ihr Aufsichtspersonal angewiesen, gegen solche Fahrer keine Anzeigen mehr zu erstatten, da das Befahren mit Pneumatikrädern die Fußwege nicht verderbe. Die Radfahrer müßten freilich diese Kreisämter kennen, damit sie nicht doch in Strafe kommen. In den zu erlassenden gesetz⸗ lichen Bestimmungen über das Radfahren sollen für die Folge alle Fußwege auf den Chausseen den Radfahrern freigestellt werden, doch müssen diese die nötige Rücksicht auf die Fußgänger beobachten.(Uns kommt diese Nachricht nicht sehr glaubwürdig vor. Red.)

* Gießen, 9. Juni. Sanitäts⸗Kolonne der Radfahrer. Vor einigen Tagen erblickte in Frankfurt a. M. eine neue Justitution im Radfahrsport das Licht der Welt. Es wurde nämlich auf Veranlassung einiger den Radfahr⸗ kreisen angehöriger Herren die erste Sanitäts⸗ kolonne der Radfahrer gegründet. Die Kolonne

soll bei allen Unglücksfällen, besonders auf größeren Touren, bei welchen Gelegenheiten fast nie wundärztliche Hilfe zur Stelle oder sehr

schwer erreichbar ist, die erste Hilfe leisten. Um ihr die nötige Bedeutung zu verleihen und damit sie ihren Zweck zu erfüllen vermag, ist es nötig, daß aus allen Radfahrvereinigungen eine be⸗ stimmte Anzahl Mitglieder im Samariterdienst ausgebildet wird. Das Komitee hat sich bereit erklärt, für die nötige Ausbildung von geeigneten Herren in der Behandlung Verunglückter, im Anlegen von Verbänden usw., durch Abhalten von Samariterkursen Sorge zu tragen. Der Besuch dieser Unterrichtskurse soll für alle Interessenten unentgeltlich geschehen. Mehrere Frankfurter Aerzte stehen dem gemeinnützigen Unternehmen sehr sympathisch gegenüber; in kürzester Zeit dürfte mit den Kursen begonnen werden. Die neue Organisation findet gewiß die eifrigste Unterstützung aller derjenigen, welche die außerordentliche Bedeutung und den hohen Wert einer Sanitätskolonne, deren Vorhandensein in hunderterlei Fällen von größter Wichtigkeit sein kann, begreifen. Eine im Samariter dienst wohlgeschulte Mannschaft von Radfahrern kommt in Unglücksfällen nicht nur den Sportsgenossen, sondern Jedem, der ihrer augenblicklichen Hilfe

bedarf, zu gute und es ist daher ihre Gründung von gleichem Interesse für Fahrer wie Nicht⸗

fahrer. Es wäre nur zu wünschen, wenn überall derartige Sanitätskolonnen seitens der Radfahrer vereine begründet würden.

* Gießen, 9. Juni.(Scharfschießen.) Das Kreisamt macht bekannt, daß das 3. Bataillon des hiesigen Infanterie- Regiments am Donnerstag den 10., Freitag, den 11. und Samstag den 12. Inni l. J. ein Schießen mit scharfen Patronen in dem Gelände nordöstlich Wismar mit der Schußrichtung gegen den Wismarer Wald, bezw. gegen Ober-Walgern und Kirchvers veranstaltet. Das Gelände darf an diesen Tagen zwischen den Ortschaften Wismar⸗ Ruttershausen-Odenhausen⸗Salzböden⸗Forsthaus⸗ Waldhaus-Krofdorf⸗Wismar von 8 Uhr vor⸗ mittags bis 2 Uhr nachmittags nicht betreten werden. Die Straßen Krofdorf-Forsthaus, Waldhaus⸗Schmelz⸗Salzböden⸗Odenhausen⸗Rut⸗ tershausen dürfen betreten werden, die Straßen Ruttershausen-Wismar und Wismar⸗Forsthaus⸗ Waldhaus sind gesperrt. Das Bataillon wird durch Aufstellen bon Mannschaften das gefähr⸗ dete Gelände absperren lasseu.

* Gießen, 9. Juni. Zu der am Sonntag auf derSchönen Aussicht vom Verein zur Züchtung reiner Hunderassen beab⸗ sichtigten großen Hundeschau wird die Lügen⸗ tisch⸗Gesellschaft für die beste Gesamtleistung einen wertvollen Preis stiften. Folgende weitere Preise sind bereits der Vereinsleitung ausgehän⸗ digt 1 und 2: Zwei Züchter⸗Ehrenpreise, ge⸗ stiftet vom Verein, für die besten züchterischen Gesamtleistungen: 1. Jagdpokal. 2. 1 silberner vergoldeter Pokal. 3. Münzbierhumpen, Ehren⸗ preis vom Allgem. deutschen Jagdschutzverein für den schneidigsten Teckel beim Schliefen. 4. Ein Ehrenpreis 30. in bar von der Aktien⸗ Brauerei-Gießen für Jagdhunde. 5. Ein Ehren preis 30, in bar von der Aktien-Brauerei⸗ Gießen für Luxushunde. 6. und 7. 2 silberne Medaillen von Ferd. Windecker für Teckel und Foxterrier-Schliefen. 8. Ein Patronenkasten von Ferd. Windecker für die Zuchtklasse. 9. Eine sil⸗ berne vergoldete Jardiniere, gestiftet von Hans Karl Fieser. 10. Ein versilbertes Schreibzeug von Hans Karl Fieser für Forterrier⸗Schliefen. 11. Eine Glas⸗Bowle von Fritz Brückmann Hof⸗Birklar für deutsche Vorstehhunde. 12. Eine Steingut⸗Bowle mit Malerei und Marmor⸗ Untersatz von August Gabriel jr. 13. Ein Bier⸗ krug mit Malerei von Ernst Prösler⸗Franlfurt a. M. für Teckel⸗Schliefen. 14. 3 Flaschen Cham⸗ pagner von Karl Schwan für beste deutsche Dogge, 15. Eine Kiste deutschen Cognak, gestiftet von Georg Scheerer u. Co. Langen in Hessen. Weitere Preise sind dem Vorstand zwar gemeldet, aber noch nicht eingeliefert.

* Gießen, 9. Juni. Drei Freunde, wovon einer gut bei Kasse war und bezahlte, machten am 2. Feiertag Vormittag einen Bier⸗ bummel und tranken zum Schluß in einem Hotel noch eine Flasche Wein. Während hier der Wohlthäter bezahlte und sein Portemonnaie auf dem Tisch liegen hatte, entwendete ihm sein Freund 15 Mark, versuchte aber auch zu⸗ gleich, als der Verlust bemerkt wurde, die Sache auf den Kellner zu schieben, indem er behauptete, derselbe habe beim Wechseln eines 20-Marktstückes nicht richtig herausgegeben. Die Poltzei klärte die Sache auf und nahm den Dieb fest, welcher dann zu seiner Entschuldigung vorbrachte, er habe das Geld wieder zurückgeben wollen.

* Gießen, 9. Juni. Um Trauringe zu kaufen erschwindelte gestern eine stellenlose Dienstmagd bei einer hiesigen Herrschaft den Betrag von 20 Mark. Dieselbe wurde in Haft genommen.

* Gießen, 9. Juni. In einer Bäckerei auf der Mäus burg entstand gestern Abend ein Kaminbrand. Da der brennende Ruß viel⸗ fach auf die Nachbardächer niederfiel, war die Feuersgefahr nicht zu unterschätzen, weshalb unter den Hausbewohnern große Aufregung herrschte.

* Treis a. d. Lda., 8. Juni.(Unfall.) Heute Morgen wurde auf der Dorfstraße eine ältere Frau samt einem in ihrer Obhut befindlichen dreijährigen Kinde von einem Pferdefuhrwerk überfahren. Der Unfall ist lediglich dem Umstande zuzuschreiben, als das Fuhrwerk, welches zur sogen.Untermühle ge⸗ hört, von einem des Fahrens unkundigen elf⸗ jährigen Jungen geleitet wurde. Die Verun⸗ glückten, welche, so gut es gehen wollte, auswichen, vermochten sich der Gefahr nicht zu entziehen und erlitten schwere Verletzungen. Sollte hier nicht der Besitzer des Fuhrwerkes wegen grober Fahrlässigkeit zur Rechenschaft gezogen werden können. Ist es erlaubt, einen Schul⸗

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kuaben mit der Führung eines Fuhrwerkes zu beauftragen?