Ausgabe 
10.3.1897
 
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Nr. 58

Gießen, Mittwoch, den 10. März

1897.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

s Pofigtg. Nr. 3239. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

5 Lokales und Provinzielles.

P. Gießen, 9. März. Ueber die Bedingungen des Wettbewerbs zur Erbauung eines Volks⸗ bades in Gießen erfahren wir das Folgende:

Es soll im Wege des beschränkten Wettbewerbes als Grundlage für den speziellen Entwurf und die Ausfüh⸗ rung des Gießener Volksbades einAllgemeiner Entwurf(Skizze) unter folgenden Bedingungen ge wonnen werden:

1. Das Land muß nach dem Entwurf im Kosten⸗ betrag von 120 000& erbaut und betriebsfertig eingerichtet werden können und jedenfalls ent⸗ halten; 1. ein möglichst großes Schwimmbad;

2. Brausebäder in einer der Einwohner⸗ zahl von 25000 entsprechenden Anzahl;

3. 16 bis 20 Wannenbäder 1. und 2. Klasse in getrennter Männer⸗ und Frauen⸗Ab⸗ teilung;

4. falls im Rahmen der Bausumme irgend mög⸗ lich ein Dampfbad(Dampfraum) oder Kastenbad; mit Räumen zum Massieren und Ausruhen.

5. Wohnung des Verwalters, bestehend aus 3 bis 4 Wohnräumen mit Zubehör;

6. alle übrigen, zum Betrieb eines solchen Bades erforderlichen Räume.

2. Das zum Betrieb erforderliche Wasser soll der städtischen Wasserleitung entnommen werden.

Die Abwässer können in den längs des Bau⸗ grundstücks herfließenden Schoorgraben abgeleitet werden.

Bei der Bebauung des Baugeländes ist auf die Möglichkeit Rücksicht zu nehmen, daß durch Ueber⸗ wölbung des Schoorgrabens von der Bahnhof⸗ straße her ein Eingang zum Volksbad geschaffen wird.

Der Entwurf ist im Maßstab 1: 200, mit der An⸗ sicht nach dem Seltersweg zu, darzustellen. Die Be⸗ dingungen des Wettbewerbes verlangen weiter, daß in dem von den Architekten zu ihren Bauobjekten einzu⸗ reichenden Hauptgrundriß und im Lageplan anzudeuten ist, wie die Anstalt späterhin, bei möglichst zentraler Lage der huuptsächlichen Betriebseinrichtungen durch Anlage eines zweiten Schwimmbades, durch Hinzufügung von Heiß⸗Luftbädern, Vermehrung der übrigen Bäder und nach Geschlechtern ständig getrennt betrieben werden kann. Das Preisgericht besteht aus 5 Mitgliedern, von denen 3 Archttekten und höchstens 2 in Gießen wohnhaft sein sollen. Es find hierzu in Aussicht genommen: 1. Stadt⸗ bauinspektor Wolff⸗Frankfurt a. M., 2. Der Inspektor des Hohenstaufenbades in Köln a. R., 3. Baurat Raupp⸗ Offenbach a. M., 4. Oberbürgermeister Gnauth⸗Gießen und 5. Kommerzienrat Heyligenstädt⸗Gießen. Die Ent⸗ würfe find bis zum 15. April l. J. an Rechtsanwalt Dr. Fuhr einzureichen. Zur Teilnahme am Wettbe⸗ werbe sollen aufgefordert werden vier im Bau von Volksbadeanstalten erfahrene Bau meister von außer⸗ halb und zugelassen sein alle Architekten in Gießen. Die aufgeforderten Bewerber(also die aus⸗ wärtigen 4 Baumeister) sollen für ihre Arbeit eine Ver⸗ gütung von je 400 l und außerdem der Verfasser des nach Meinung der Preisjury geeignetsten Entwurfes einen Preis von 400 erhalten. Wir müssen gestehen, daß man mit den Bedingungen, soweit sie die Einrichtung des Bades selbst betreffen, vollkommen einverstanden sein kann, trotzdem es zu wünschen gewesen wäre, daß auch die erforderliche Zahl der Brausebäder näher präzisiert wor⸗ den wäre, denn diese Art Bäder dürfte für die Arbeiter⸗ bevölkerung nach den Erfahrungen anderer Städte, die wichtigsten sein und schon im Interesse der schnellen Ab⸗ fertigung der Badenden wäre für diese Gattung eine mög⸗ lichst ausgiebige Zahl von Badekabinen erwünscht. Die Bestimmung über die Zusammensetzung der Preisjury, von dessen Mitgliedern nur zwei in Gießen ihren Wohn⸗ sz haben sollen, ist jedenfalls eine sehr glückliche zu nennen. Es werden hierdurch Differenzen, wie solche z. B. beim Kaufmännischen Vereinshaus zu beklagen ge⸗ wesen, vermieden. Zu tadeln ist die Art, wie man nach den Bedingungen der Konkurrenz eine ungleiche Position unter den Konkurrenten geschaffen hat, indem die aus⸗ wärts wohnenden Baumeister und Architekten, soweit die⸗ selben zu dem Wettbewerb aufgefordert werden, für ihre Mühe und Arbeit, selbst wenn solche von der Preisjury nicht für prämlirungswürdig befunden würde, dennoch 400 , im Ganzen an 4 Bewerbern, also 1600&, gezahlt erhalten. Würde nun von den vier Entwürfen, die von auswärts eingehen, auch noch das eine oder andere Pro⸗ jekt als das beste zur Ausführung kommen, so hätten die Gießener Architekten außer der Ehre, die darin bestehen kann, überhaupt zu diesem Wettbewerb zugelassen gewesen zu sein, für ihre Arbeit und Mühe im Gegensatz zu ihren Konkurrenten nichts, rein gar nichts. Es ist dies eine ungerechte Zurücksetzung unserer heimischen Baukünstler gegenüber den auswärtigen. Es sind dies auch ganz un⸗ gleiche Bedingungen unter denen der Wettbewerb entriert wird, die umsomehr zu Bedenken anregen, als man denjenigen Teilnehmern des Wettbewerbes, welche von vorn herein die Erfahrung für sich haben(denn die 4 von auswärts betelligten Bewerber sind Spezialisten in der Erbauung

von Badeanstalten) ihre Entwürfe unter allen Umständen bezahlt, während man das beste Projekt, sei es auch von einem Gießener Architekten geliefert, nur mit dem gleichen

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.

Gießens Architekten von der Erlaubnis, sich an dieser Konkurrenz beteiligen zu dürfen, unter solchen Umständen keinen Gebrauch machen. Jedenfalls hätte man einen Weg finden können, einen vorzüglichen Entwurf für das Volksbad zu erlangen, ohne unsere heimischen Architekten dabei zurück zu setzen.

* Gießen, 9. März.(Stadttheater.) Herr Matkowsky feiert Triumphe. Sein gestriges Spiel als Kean übertraf alle Er⸗ wartungen. Sein Spiel? War das überhaupt noch Spiel? Jedenfalls verstand es Herr Mat- kowsky, das Publikum in die Illusion zu ver⸗ setzen, nicht den gefeierteu Berliner Gast, son⸗ dern Kean, dengroßen Kean selbst vor Augen zu haben. Und erst in dem Augenblick, wo das Publikum enthusiasmiert nach Szenen schluß applaudierte, kam es jedem wieder zum Bewußtsein, im Theater zu sitzen und den großen Kean von Matkowsky spielen zu sehen. Es dürfte wenige Rollen geben, die es einem Schauspieler gestatten,sich selbst zu spielen, wie die Rolle des Kean. Das ganze Stück (nach Dumas pere von Ludwig Barnay) dreht sich um den Allerweltskerl Kean, der in der MatrosenkneipeZum Kohlenloch ebenso gut daheim ist wie in der Gesellschaft des Prinzen von Wales. Es leuchtet ein, daß die Titelrolle eine sehr dankbare ist. Herr Matkowsky wurde nach jedem Aktschluß drei⸗, viermal hervorgerufen. Die anderen Mitwirkenden traten neben dem Uebermenschen Kean⸗-Matkowsky mehr in den Hintergrund. Alle gaben sich große Mühe, neben dem Gast mit Ehren zu bestehen. Recht gut gefiel Frl. Leno, welche die Anna Danby mit großer Herzlichkeit und verständnisvoll spielte. Heute Abend kommtOthello mit Herrn Matkowsky in der Titelrolle zur Aufführung.

* Gießen, 9. März.(Stadttheater.) Wir wollen nicht unterlassen, auf das am Donnerstag den II. ds. stattfindende Benefiz für Fräulein Clara Leno schon heute auf⸗ merksam zu machen. Frl. Leno hat sich hier als tüchtige Vertreterin ihres Faches schnell be⸗ liebt zu machen verstanden und findet hoffentlich den wohlverdienten Lohn in einem gut besetzten Hause. Die junge Künstlerin hat für ihren Ehrenabend Birch⸗Pfeiffers bekanntes Charakter⸗ bildDie Grille gewählt, in welcher dieselbe dieFanchon spielen wird.

* Gießen, 9. März. Die Feier zum An⸗ denken an den 100 jährigen Geburtstag Kaiser Wilhelms J. wird in unserer Stadt vom 21. bis 23. März begangen werden. Ge⸗ plant sind, abgesehen von den kirchlichen und Schulfeiern, folgende, teils von der Militärbe⸗ hörde, teils von der Stadt ausgehende Veran⸗ staltungen: Sonntag, den 21. März, mit⸗ tags 12 bis 1 Uhr Promenade⸗Konzert auf der Südanlage. Abends 8 Uhr: Zapfenstreich, be⸗ ginnend an der neuen Kaserne, endigend mit einem Konzert gegen 8/ Uhr auf dem Brand⸗ platz. Montag, den 22. März, vormittags 6 Uhr: Wecken; mittags 12 Uhr: Parade auf dem Trieb; nachmittags 3 bis 4 Uhr: Prome⸗ nade⸗Konzert auf der Südanlage; 5 Uhr: Fest⸗ aktus in Steins⸗Garten; abends Illumination. Dienstag, den 23. ne vormittags 12 bis 1 Ühr Promenade⸗Konzert auf der Süd⸗ anlage; nachmittags 4 Uhr: Festessen im Offizier⸗ kasino; abends: Kompagniefestlichkeiten. Der Festakt wird in ähnlicher Weise verlaufen wie diejenige Feier, welche im vergangenen Jahre zur Verherrlichung der 25. Wiederkehr des Jahrestages der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches abgehalten wurde: Eine Festrede, einge⸗ leitet und geschlossen durch Musik⸗ und Gesangs⸗ vorträge. Als Festredner ist, nachdem Herr Ge⸗ heimrat Professor Dr. Oncken abgelehnt hat derselbe ist an den Festtagen von Gießen ab⸗ wesend. Herr Geheimrat Kirchenrat Professor Dr. Köstlin gewonnen worden. Ein aus ca. 130 Sängern gebildeter Männerchor unter Lei⸗ tung des Herrn Franz Bauer und die Kapelle unseres Regiments werden bei der Feier mitwirken.

h. Leihgestern, 9. März. In Nr. 56 ds. Blattes wird das Schöffengerichtsurteil, bezüglich des Wirts Ph. Arnold dahier, mit Freuden begrüßt. Wir wollen hoffen, daß künftig gleiches Recht für alle geübt wird. Werden Klagen von Wirten und Publikum(wegen der Polizeistunde) in den Städten an höhere Behörden gerichtet, dann haben wir Landleute erst recht Ursache, uns dieser Klage befreit zu wünschen.

A. Grünberg, 8. März. Gestern unter⸗ nahm der hiesige Turnverein seinen ersten diesjährigen Turngang über Lauter nach Wetter⸗ feld, Eisenhammer und Neumühle und von da

Geldbetrag wie ihn die Spezialisten so wie so erhalten, zu ehren gedenkt. Von der Ehre allein kann man nicht leben und würden wir es ganz begreiflich finden, wenn

wieder nach Grünberg. Die Beteiligung hätte etwas reger sein können; doch ist damit wenigstens

Axpedition: Kreuzplatz Nr. 4.

lein kleiner Beweis gegeben, daß das neue Ver⸗

einsjahr von einem frischen Geiste beseelt zu sein scheint, wie man überhaupt mit den Fort⸗ schritten des hiesigen Turnvereins nach allen Richtungen hin zufrieden sein kann, umsomehr, als er es verstanden hat, aus eigener Kraft den lange Zeit geplanten Bau einer Turnhalle nun⸗ mehr in Angriff nehmen zu können. Und in Anbetracht dieser erfreulichen Thatsache verdient genannter Verein die kräftigste Unterstützung seitens der hiesigen Einwohnerschaft. Voraus⸗ sichtlich schließt sich diesem Turngang in aller Kürze eine größere Turnfahrt an. Turnwart unseres Vereins ist Herr Heinrich Schmidt.

* Grünberg, 8. März. Die 100 jährige Gedenkfeier Wilhelm I. wird auf Veranlassung des hiesigen Kriegervereins nach einer gestern stattgehabten Vorbesprechung sämtlicher Vertreter der Vereine durch einen Festkommers im Gasthausezum Hirsch am 22. ds. Mts. be⸗ gangen werden. Tags zuvor findet gemeinschaft⸗ licher Kirchgang statt. Die Bewohner sollen außerdem noch zur Schmückung ihrer Häuser aufgefordert werden.

* Darmstadt, 8. März. Die zweite Kammer der Landstände tritt Donnerstag, 11. März, vormittags 10 Uhr, zu ihrer dritten Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen:

I. Eröffnung der Sitzung.

II. Neue Einläufe.

III. Berichtsanzeigen.

IV. Beratung über die stattgehabten Wahlen

von Landtagsabgeordneten.

V. Beratung über:

1) die Vorlage großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Abtretung von Gelände in der Gemarkung Kastel betreffend;

2) die Vorlage großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Vorbereitungen einer Reform des direkten Steuerwesens betreffend;

3) die Vorlage großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Gesetzentwurf, die Prorogation des Finanzgesetzes betreffend;

4) die Vorlage großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den vierten Nachtrag zum Gesetz vom 15. November 1890, die Herstellung von Nebenbahnen betreffend;

5) die Vorlage großherzoglicher Ministerien des Innern, der Finanzen und der Justiz, die Fürsorge für Beamte infolge von Be triebsunfällen betreffend;

6) die Vorlage großherzoglicher Ministerien des Innern und der Finanzen, den Gesetzentwurf, die Aufbringung der zur Gewährung von Dar⸗ lehen aus der Landeskreditkasse erforderlichen Mittel betreffend;

7) die Vorlage großherzoglicher Ministerien des Innern und der Finanzen, die staatlichen Baubeamten ꝛc. im Kunststraßenwesen betreffend;

8) die Vorlage großherzoglichen Ministeriums, den Gesetzentwurf, die Ruhegehaltsverhältnisse und die Versorgung der Hinterbliebenen der sim hessisch⸗preußischen Gemeinschaftsdienst angestellten Staatseisenbahnbeamten betreffend;

9) die Vorlage großherzoglicher Ministerien des Innern und der Finanzen, die vorläufige Bewilligung von 29 200 Mark für neue bezw. erhöhte Gehalte und Vergütungen für Professoren und Assistenten an der tech⸗ nischen Hochschule betreffend;

10) die Vorstellung des Amtsgerichtsdieners i. P. Joh. Hrch. Wambold in Groß⸗Gerau um Anrechnung seiner Militärdienstzeit bei Feststellung seiner Pension;

11) die Vorlage großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Errichtung einer Weberei⸗Lehr⸗ werkstätte in Lauterbach betreffend; f

Dauer der Session: Voraussichtlich 2 bis 3 Tage.

* Darmstadt, 8. März. Die Tochter des auch in weiteren Kreisen bekannten Dichters Karl Schäfer wollte jüngst Citronensäure zu sich nehmen, trank indeß versehentlich aus einem Fläschchen, das Salzsäure enthielt. Die schwer Verletzte wurde ins Spital gebracht, wo alsbald der Luftröhrenschnitt vorgenommen werden mußte. Der Zustand des Mädchens ist besorgniserregend.

* Mainz, 8. März. Die Inter pella⸗ tion, welche die sozialdemokratischen Abgeord⸗ neten der Zweiten Hessischen Kammer an die großh. Regierung in Sachen der Auf⸗ sichtsbefugnisse des Polizeipräsidenten zu Frank⸗ furt a. M. über Süddeutschland gerichtet haben, hat folgenden Wortlaut:In der Büdgetkom⸗ missionssitzung des preußischen Abgeordneten⸗ hauses vom 28. Januar d. J. erklärte der Finanzminister von Miquel zur Begründung der

geforderten Repräsentationsvergütung nebst Ge⸗

haltserhöhung für den Polizeipräsidenten von Frankfurt a. M.: Dieser Beamte hat immer höhere Bezüge gehabt, weil er größere Aufgaben als andere Polizeipräsidenten zu erfüllen hat, indem er seine Aufsicht über die nahen Grenzen der Schweiz, Oesterreichs, Frankreichs und die politische Polizei fast durch ganz Süd⸗ deutschland auszuüben hat. Auf Grund dieser Erklärung richten die Unterzeichneten fol⸗ gende Anfragen an die Regierung:

Erstrecken sich die Aufsichtsbefugnisse der Frankfurter Polizeibehörde auch auf das Großherzogtum Hessen? Worin be⸗ stehen gegebenenfalls die Befugnisse? Von wem und aus welchen Gründen sind sie der Frankfurter Behörde einge⸗ räumt worden und aus welchen Mitteln wird diese Beaufsichsichtigung bezahlt? Cramer, David, Haas, Rau, Ulrich.

* Mainz, 8. März. Ein Verband süd⸗ deutscher Eisenhändler und verwandter Branchen ist gestern unter reger Beteiligung hier gegründet worden. Sechszig Delegirte und In⸗ teressenten waren erschienen und 160 Beitrittser⸗ klärungen lagen vor. Die vorgelegten Statuten wurden angenommen und zum Vorort und Sitz des Ausschusses Mainz bestimmt. Man beschloß ferner die Herausgabe eines Verbandsorgans, das monatlich hier in Mainz erscheinen soll.

Blasbach(Kreis Wetzlar), 8. März. Am Aschermittwoch kam es in einer hiesigen Wirt⸗ schaft zu einer Schlägerei. Hierbei schlug der Bergmann Johann Wagner aus Frankenbach dem Taglöhner Heinrich Schmidt von hier derart mit einem Bierglase auf die Schläfe, daß die Hauptader platzte. Schmidt wäre unbedingt ver⸗ blutet, wenn nicht ein Arzt sehr rasch bei der Hand gewesen wäre und ihm die nötige Hülfe hätte angedeihen lassen.

Schwurgericht. W. Gießen, 9. März 1897.

Um 9 Uhr eröffnet der Landgerichtsrat Dr. Linkenheld die Sitzung. Nach Bildung der Geschworenenbank wird in die Verhandlung gegen den Schuhmacher Heinrich Prescher und den Buchbinder Heinrich Brück, beide von Gießen, wegen Münzverbrechens eingetreten. Die Anklage vertritt Erfter Staatsanwalt Dr. Güngerich. Als Verteidiger für Prescher ist Rechtsanwalt Grünewald, für Brück Rechtsanwalt Kraft zur Stelle. Es sind außer dem Kriminalschutzmann Weiß 6 weitere Zeugen zu hören. Die beiden harmlos dreinblickenden Angeklagten sind bisher unbestraft, Prescher ist am 13. Oktober 1877, Brück am 25. März 1878 geboren. Sie sind beschuldigt, am 12. September v. J. ein 2⸗Markstück und 4 1⸗Mark⸗ stücke fälschlich nachgemacht zu haben, um sie in den Verkehr zu bringen. Der Brück wird außerdem beschul⸗ digt, daß er den Versuch gemacht, falsches Geld auszu⸗ geben. Prescher giebt an, das Schuhmacherhandwerk erlernt zu haben, er sei dann als Hausbursche zu Schaff⸗ städt gekommen und zweitweilig in dessen Fabrik beschäftigt gewesen. Diese Thätigkeit behagte ihm aber nicht, und er gab dieselbe wieder auf, um sich vom August ab im Sandgießen zu üben. Er und der Mitangeklagte beab⸗ sichtigten, zum Frühjahr in die Fremde zu gehen. In⸗ zwischen hat Prescher in dem von ihm erlernten Handwerk ab und zu zu thun gehabt und eines Tages für ein Paar angefertigte Schuhe 6, 50 eingenommen, darunter ein 2Markstück, vier 1⸗Markstücke und ein 50⸗Pfennigstück. Der Angeklagte Prescher giebt zu, mit dem echten 2⸗Markstück und einem 1⸗Markstück durch Ab⸗ druck in Sand durch Flüssigmachen von Zink und Blei Abgüsse gemacht zu haben, um dieselben als Anhängsel für Uhrketten zu benutzen. Eins der Falsifikate wurde am Rande sorgfältig gefeilt, und dieses wurde von Brück versucht, beim Pferdemetzger Keßler beim Einkauf von Hackfleisch an den Mann zu bringen, wobei Prescher mit⸗ gegangen und vor dem Laden stehen geblieben war. Den Geschworenen werden die verschiedenen Abgüsse gezeigt, darunter auch ein abgefeiltes 1⸗Markstück, welches benutzt war, um es bei Keßler zu verausgaben. Der An⸗ geklagte Brück hat in Gießen gelernt, ist dann in die Fremde gegangen und im Winter vorigen Jahres nach hier zurückgekehrt, ohne Arbeit in seinem Geschäfte zu finden. Er giebt an, bei der Mutter des Prescher ge⸗ wohnt zu haben. Er habe an dem betreffenden Tage sich von dem Mitangeklagten das 1⸗Markstück geben lassen und diesem gesagt, er wolle versuchen, es auszugeben, worauf dieser den Rand erst durch Feilen hergerichtet habe; diese Zurichtung sei am Mittag geschehen, gegen Abend sei er mit Prescher zusammengetroffen, dieser habe ihm noch eine echte Mark gegeben, die er an Zahlungsstatt hingeben sollte, wenn er die falsche Mark nicht los werden sollte. Prescher hat den Brück beauftragt, ihm von Keßler Fleisch mitzubringen. Brück erklärt auf Befragen, daß Prescher sich geweigert habe, ihm das nachgeformte 1⸗Markstück zu geben; erst als dessen Mutter ihm zu⸗ geredet, hat er es ihm gegeben. Es wird darauf als erster Zeuge der Kriminalschutzmann Weiß vernommen. Brück hat zuerst angegeben, er habe die falsche Mark gefunden, bequemte sich aber endlich zu einem Geständnis, welches sich mit den Angaben deckt, die dieser selber vorher