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10.1.1897
 
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Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

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Gießen, Sonntag, den 10. Januar

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Gießen.

Postztg. Nr. 3239a. Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion: 0 Kreuzplatz Nr. 4. 8

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Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1895/96.

VI

Städtisches Bauwesen.

Unter den Aufträgen des Stadtbauamtes hat die erste Stelle eingenommen die Ausführung der Bäuten für das Kasernement des 4.(Halb-) Bataillons des Infanterie⸗ Regiments Kaiser Wilhelm. Die Gesamtkosten der ganzen Anlage haben 155 341,56/ betragen, wovon auf das eigentliche Mannschaftsgebäude 124 815,92/ entfallen.

Auf dem Gebiete der Stadterweiterung ist zu erwähnen der auf Ersuchen des Oberbürgermeisters durch den Stadtverordneten Dr. Gutfleisch zunächst auf seinen Namen vollzogene und von der Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung nachträglich genehmigte Ankauf der vorm. v. Raben auschen Besitzung für die Stadt um den Preis von 148 000 /, ein Vorgehen, welches ebenso um seiner selbst willen als auch wegen der dadurch ver anlaßten Gründung eines Stadterweiterungsfonds eine eingehendere Besprechung rechtfertigen dürfte. Es hat damit auch in der Stadtverordneten⸗Versammlung die Anschauung Anerkennung gefunden, daß auch ein vorsorg⸗ licher, zu mäßigem Preise erfolgender Geländeerwerb im Gebiete der Stadterweiterung im Rahmen der Aufgaben der städtischen Verwaltung gelegen sei; ebenso zum Zweck der Erleichterung der Ausführung von Straßenanlagen und der freieren Verfügung über Teile solchen Geländes zu eigenen Anlagen der Stadt und zu von der Stadt zu unterstützenden Anlagen(Erbauung billiger Arbeiter⸗ wohnungen und dergl.), als auch in dem Bestreben, den bei der Umwandlung von Feld⸗ und Baugelände sich ergebenden Wertzuwachs in möglichst hohem Maße der Gemeinde nutzbar zu machen, welche durch ihre Maß nahmen und Aufwendungen vorzugsweise jenen Wert⸗ zuwachs geschaffen hat.

Einem aus diesen Gesichtspunkten seitens der Stadt zu vollziehenden, umfassenderen Geländeerwerb im Gebiete der Stadterweiterung stand jedoch zunächst der Umstand im Wege, daß die darin bethätigte Vorsorge für die Zukunft und für kommende Generationen zu⸗ nächst auf Kosten und mit Belastung der Gegen⸗ wart und der derzeitigen Steuerzahler erfolgt, insolange wenigstens, als der(landwirtschaftliche) Ertrag solchen Grundeigentums zurückbleibt hinter dem Aufwand für die Verzinsung des Kaufpreises und den sonst darauf ruhenden Lasten; dies wird aber im allgemeinen meist der Fall sein, weil naturgemäß das im Bereich des Stadtbauplanes gelegene Gelände bereits belastet ist mit einem, den landwirtschaftlichen Bodenwert übersteigenden, Preiszuschlag. Es wird sonach in solchem Falle immer die Gemeinde eine Zubuße zu den Zinsen des Kaufpreises zu leisten haben, und zwar insolange, als nicht durch Verkäufe der im Laufe der Jahre eintretende Wertzuwachs zur Realisierung gelangt, und solche Zubuße wird natur⸗ gemäß um so drückender, je weitsichtiger die heutige Gene⸗ ration bei ihren vorsorglichen Ankäufen von Gelände zu Werke geht.

Diesen Schwierigkeiten haben die nach den Vorschlägen des Oberbürgermeisters beschlossenen und vom Großh. Ministerium des Innern und der Justiz unterm 24. Dez. 1895 genehmigten Satzungen betr. die Bildung und Ver⸗ waltung eines Stadterweiterungsfonds für die Stadt Gießen die Spitze abgebrochen: durch Bildung eines von der Stadtkasse getrennten Stadterweiterungsfonds mit einer eigenen Nebenrechnung und Aufstellung besonderer Grundsätze für die Deckung der laufenden Ausgaben dieses

Fonds ist es ermöglicht, daß der Gegenwart in der städtischen Hauptrechnung Zinszubußen wenigstens für den, im allgemeinen häufigeren Fall erspart bleiben, daß jenen Zubußen ein nach pflichtmäßiger Schätzung der städtischen Baudeputation mindestens gleich großer Wertzuwachs an dem aus Mitteln des Fonds angeschafften Grundeigentum gegenüber steht. Des weiteren ist in jenen Satzungen der vorsorgliche Ankauf von Grundeigentum zu Zwecken der Stadterweiterung wie zur Vorbereitung von Straßen⸗ regulierungen insbesondere noch dadurch erleichtert, daß innerhalb der verfügbaren Mittel des einmal geschaffenen und durch den Voranschlag alljährlich neu zu bemessenden Fonds zum Ankauf von Grundeigentum für den Fonds eine der städtischen Deputationen, und zwar die Baudepu⸗ tation, ermächtigt worden.

Dieser Stadterweiterungsfonds war ursprünglich mit 150 000& dotiert worden, aus dem Wiederverkauf der eigentlichen, vormals von Rabenauschen Hofraithe an den Bauunternehmer Winn, sowie von weiterem Baugelände aus der ganzen Besitzung sind inzwischen bereits wieder rund 70 000, erlöst worden, welche insoweit bar bezahlt zur Verstärkung des Fonds und zu anderweiten Geländeankäufen für die Stadt Verwendung gefunden haben.

2, s 4 Lokales und Provinzielles. Gießen, 9. Januar. Das Stadtge spräch bilden die Auseinandersetzungen zwischen hiesigen Geistlichen der evange⸗ lischen und katholischen Kirche. Wenn auch die Zeitungspolemik gerade in diesen Dingen nichts angenehmes ist, so wäre es doch wünschenswert, wenn über den weiteren Verlauf des Disputs das Publikum unterrichtet würde. Es ist das schon deshalb erforderlich, weil beide Teile ihre Behauptungen aufrecht erhalten. Die sozial⸗ demokratischeMitteldeutsche Sonntags-Zeitung berichtet über den Pastorenstreit, wie folgt: Frieden auf Erden! Gießen er

Geistliche katholischen und protestantischen Bekenntnisses sind sich wenige Tage nach Weih nachten, wo sie die fröhliche Botschaft vom Frieden auf Erden verkündigten, in die Haare geraten. Einem katholischen Geist lichen ist es nämlich gelungen, einen sterben den Katholiken vor Verabfolgung der letzten Oelung zu bewegen, seinen 13jährigen pro⸗ testantischen Stiefsohn, der bereits den Konfir mandenunterricht seiner Kirche besuchte, katho lisch zu machen. Nach der Angabe des protestantischen Pfarrers Schlosser soll da⸗ bei sogar ein bischenNötigung mit unter⸗ gelaufen sein. Auf diese Anschuldigung erklärte nun der katholische Kaplan Kronenberger im G. Anz.:er könne sich nicht auf den von Pfarrer Schlosser ausgesuchten Balgplatz herablassen. Wir wollen hoffen, daß der weitere Kampf zwischen den Predigern der christlichen Liebe auf den Kampf mit Tinte und Feder beschränkt bleibt.

* Gießen, 8. Januar.(Strafkammer⸗ Verhandlung.) Ein Pumpgenie, wie es glücklicherweise nur wenige in Gießen giebt, hatte sich gestern vor der Strafkammer zu ver

Roman von Helmuth Wolfhardt. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Zehntes Kapitel.

Die eigentümlichen Umstände der Situation konnten es denn auch allein erklären, daß Bernhard das seltsame Benehmen seines künftigen Schwieger vaters bei ihrer ersten Wiederbegegnung gar nicht bemerkte. Wohl hatte es ihn für einen Moment befremdet, daß Rodewald hastig zur Seite gewichen war, als er ihm zur Begrüßung seine Hand ent⸗ gegenstreckte; aber da es für die Annahme einer Absichtlichkeit dieser Bewegung in Bernhards Augen an jeglichem Anhalt fehlte, so schrieb er dieselbt irgend einem zufälligen Umstande zu, der seiner Aufmerksamkeit entgangen sei, und hatte sie bald ganz und gar vergessen. Auch für die Folge maß er dem auffälligen Verhalten Rodewalds keine Be⸗ deutung bei. Er sah es kaum, daß jener seine Nähe geflissentlich vermied und daß er sich jeder Teilnahme an der Leitung und Beaufsichtigung der Arbeiten enthielt, seitdem der junge Ingenieur den Oberbefehl über dieselben unter der stillschweigenden Zustimmung Aller übernommen hatte. Wohl hatte er Elisabeth beim Abschiede zugerufen:

In der Stunde der Not müssen alle kleinlichen und engherzigen Bedenken verstummen! aber er fühlte sich dennoch nicht stark genug, dieses hoch- herzige Wort jetzt zur Richtschnur seines eigenen Handelns zu nehmen. Er konnte dem entschlossenen und umsichtigen Auftreten Bernhards seine Aner kennung, ja seine Bewunderung nicht versagen; aber

Geständnis des Sterbenden, stand des Packmeisters Milow angstverzerrtes Totengesicht.

Am Abend ließ das Toben des Unwetters, das seit mehreren Tagen gewütet hatte, endlich nach; der Regen hörte auf, und der aufsteigende Mond zerstreute die unheilschwangeren Wolken. Die Szenerie, welche er beleuchtete, war freilich kaum minder grauenhaft als diejenige nach der Zugent gleisung bei Ragosewo, und die mannigfachen Gegen stände, welche auf der Oberfläche des in rasender Eile dahinschießenden Stromes erkennbar wurden, gaben das beredteste Zeugnis für die Verwüstungen, die er in seinem oberen Laufe angerichtet haben mußte.

Plötzlich ertönte überall das Rauschen, Brausen und Plätschern hinweg laut und veruehmlich der herzzerreißende Hilferuf einer menschlichen Stimme, und die Männer auf dem Deiche von Rothhaide sahen mitten im Strome auf einigen nur noch leise zusammenhängenden Balken, die von dem zerstörten Dache eines kleinen Hauses herzurühren schienen, zwei eng umschlungene Gestalten, die unfehlbar einem nur zu gewissen Verderben entgegentrieben.

Mit zwei Schritten mar Bernhard Milow an einem der kleinen Boote, die auf seinem Befehl oben auf dem Deiche festgebunden waren.

Den Kahn in das Wasser! kommandierte er. Es gilt, zwei Menschenleben zu retten! Einer muß mit mir fabren, ein starker, entschlossener Mann, der das Ruder zu gebrauchen weiß!

Es war auch sogleich einer an der Seite, ein nicht mehr junger Handwerker auf Rothhaide, den Bernhard von seinen Knabenjehren her recht wohl kannte. Er erbot sich in der Erregung des Augen blicks, den Ingenieur zu begleiten; dieser aber

antworten. Der sich Finanz⸗Aspirant nennende Schreibgehülfe Lang hatte sich wegen 4 seiner Kredit verhältnisse zu verantworten, bei denen es leider der Staatsbehörde nur gelang, die be⸗ trügerische Absicht nachzuweisen. Ferner kam noch ein Betrugsversuch in Frage. Der Ange⸗ klagte erklärte, daß der Betrugsparagraph auf seine Handlungsweise ganz und gar nicht zutreffe, es habe bei allen vier Fällen ihm die rechtswid⸗ rige Absicht gefehlt, wenigstens werde man ihm dieselbe nicht nachweisen können. Lang, der bei zahlreichen kleineren und mittleren Geschäftsleuten sich Kredit verschafft und diese Leute hineingelegt hat, kam vor Jahren nach Gießen, nachdem er seiner Einnehmerstelle in Viernheim verlustig erklärt worden war. Er entpuppte sich in der gestrigen Verhandlung als ein wahrer Virituos im Schwindeln. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten wegen Betrugs zu sechs Monat Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Wegen des Betrugsversuchs wurde auf Freisprechung er kannt. Joseph Slaby aus Slowetsch in Rußland, 19 Jahre alt, ein Mensch der kein Wort deutsch verstand, hatte sich wegen eines schweren Diebstahls zu verantworten. Professor Leo v. Willmann⸗Darmstadt mußte als vereideter Dolmetscher seine Dienste leisten, damit man den Uebelthäter, der übrigens schon einmal ge⸗ stohlen hatte, in Form Rechteus aburteilen konnte. Slaby ist geständig am 2. November zu Utphe, einem seiner Mitknechte, nachdem er dessen Hand koffer, der unterm Bette stand, erbrochen, zwei einzelne Thalerstücke entwendet zu haben, die⸗ selben wurden hinter der Thür wieder vorgefunden und an den Bestohlenen zurück gegeben, der aber behauptet, ihm seien außerdem aus demselben Koffer weitere 90 1 in Gold gestohlen. Von dieser Summe will der junge Russe aber nichts wissen. Der Gerichtshof verurteilt den Ange⸗ klagten, dem Antrag des Staatsanwalts gemäß, unter Zubilligung mildernder Umstände zu vier Monate Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat der erlittenen Untersuchungshaft.

* Gießen, 8. Jan. Wegen Verleitung zum Meineid hatte sich heute der Landwirt Georg Ludwig Pauly von Kirdorf vor der Strafkammer zu verantworten. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde der Angeklagte kostenlos freigesprochen. Er, sowie seine Angehörigen, brachen beim Austritt aus dem Gerichtssaal in lautes Weinen aus. f

* Gießen, 8. Jan.(Schöffengerichts sitzung.) Wegen gegenseitiger Körperver letzung nehmen die beiden Arbeiter Fritz Teibel und Heinrich Frank von Lollar auf der Anklagebank Platz. Der Amtsanwalt be autragte gegen jeden der Angeklagten 2 Monate Gefängnis. Das Urteil wird in acht Tagen verkündigt. Ein unverbesserlicher Taugenichts ist der schon zweimal vorbestrafte 16 Jahre alte Wilhelm Gerhardt von hier, welcher im

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Kunschaft vereinnahmt hatte. Das Gericht er⸗ kannte auf 2 Monate Gefängnis. Die Fabrik⸗ arbeiter Heinrich Müller und Peter Nebe⸗ ling von Beuern rannten am 7. September v. J. auf das Rad des Radfahrers Klinkel von Lollar, der über die Landstraße zwischen Großen⸗Buseck und Beuern fuhr, und schrieen denselben an.

Bürschchen los, die nun nach dem Radfahrer schlugen. Der Radfahrer Rohrbach kam Klinkel

Messer auf ihn zusprang und ihm einen Stich in die Brust versetzte. Der Bürgermeister von Beuern, welcher als Leumundszeuge in dieser

schlechtes nachsagen. tragte gegen Müller 6 Monate Gefängnis und gegen ee 20. Geldstrafe. Das Urteil wird in acht Tagen verkündet. Eine jugend⸗

alten Schülerin Johanna K. von hier vor Gericht. Dieselbe ist trotz ihres jugendlichen Alters schon einmal wegen eines ähnlichen Deliktes vor⸗ bestraft. Es wird ihr zur Last gelegt, daß sie im Dezember v. J. in der Schule während der Zeichenstunde der Schülerin Marg. Hardt ein Portemonnaie mit 6, Inhalt entwendete. Einen in demselben sich befindlichen Steuerzettel legte sie auf den Platz einer anderen Schülerin, um den Verdacht von sich abzulenken. Die An⸗ geklagte verlegt sich heute aufs Leugnen. Auf eindringliches Ermahnen gesteht sie die That ein. Das Gericht verurteilt sie in eine Ge⸗ fängnisstrafe von fünf Tagen. Aus Eifersucht schlug der Installateur Heinrich Bellof von hier am 1. November v. J. den Kellner Wilh. Schupp mit einem Stock auf den Kopf, sodaß eine blutende Wunde entstand. Dafür erhält er 14 Tage Gefängnis.

* Bad Nauheim, 7. Januar. Der hiesige Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung be⸗ schlossen, an der nach Rödgen ziehenden Kreis⸗ straße vom Fiskus Baugelände zur Anlage eines Schlachthausesundeines Elektrizitäts⸗ werks anzukaufen und wegen des letzteren ein öffentliches Ausschreiben zu erlassen. Es sind vorerst zwei Wege wegen der Herstellung des Werkes in Aussicht genommen, Herstellung des⸗ selben durch die Stadt oder die Verleihung einer Konzession auf die Dauer von 25 Jahren an einen Unternehmer mit Wahrung des Verkaufs⸗ rechts durch die Stadt.

* Södel(Kreis Friedberg), 6. Jan. Ein im hiesigen Gemeidewald beschäftigter Holz⸗ macher, ein junger Bursche, ist durch einen merk würdigen Zufall einem schweren Unglück entgangen. Während eine mächtige Buche sich schon zur Seite neigte, kam der davoneilende Arbeiter infolge Stolperns zu Fall und der Baum stürzte direkt über ihm zu Boden. Der

Dezember v. J. bei seinem Dienstherrn, dem Nein, Weigert, Sie kann ich nicht gebrauchen! sagte er.Sie haben Frau und Kinder zu Hause und dürfen Ihr Leben nicht auf's Spiel setzen; denn ob wir von dieser Fahrt zurückkehren werden, weiß nur Gott im Himmel. Und dies vielleicht etwas unbedachte Wort hatte eine merkwürdig entmutigende und ernüchternde Wirkung auf seine gesamte Umgebung. Wohl griffen zwanzig Hände zu, um das leichte Fahrzeug in den Fluß zu bringen; aber kein Einziger schickte sich an, es zu besteigen. Schon war Bernhard, einen langen Bootshaken in der Hand, hineingesprungen, und noch zeigte sich Niemand bereit; ihm zu folgen. Wie? Hat keiner von den jungen Burschen das Herz, sein Leben für zwei arme Ertrinkende einzusetzen? donnerte der Ingenieur den Zaudernden zu; seine Lippen bebten und seine Augen blitzten in heiliger Entrüstung. Da schoben zwei kräftige Arme den Haufen auseinander, und die Strahlen des Mondes fielen auf ein ehrwürdiges weißes Haupt. Ich fahre mit Dir, Bernhard! erklang Rode walds tiefe Stimme, und ehe ihn Einer hätte daran hindern können, war er in dem Nachen, denselben zugleich kraftvoll vom Ufer abstoßend, daß er schon im nächsten Augenblick wie ein schwankes Kork stückchen in der Strömung dahinschoß. Es war das erste Wort, das an diesem Abend zwischen ihnen gesprochen wurde, und es blieb vor der Hand auch das einzige. Das Unterfangen der beiden Männer war ja ein so beispiellos tollkühnes und gefahrvolles, daß seine Durchführung wohl all' ihre Sinne und Gedanken ausschließlich in An spruch nehmen mußte. In zehnfach verschiedener

schüttelte mit Entschiedenheit den Kopf.

Holzmacher wäre sicherlich erdrückt worden, wenn

kahn, dem sie sich anvertraut hatten, mochte in ge wöhnlichen Zeiten, wenn sich die Wasser des Flusses glatt und langsam dahinwälzten, wohl sicher genug sein z für den Widerstand gegen eine gso mächtige Strömung aber war er gewiß sehr wenig geeignet. Mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft strebten sie der Mitte des Stromes zu; aber während sie mit rasender Schnelligkeit flußabwärts gerissen wurden, erschien es fast unmöglich, aus der Nähe des Ufers loszukommen. Sobald sie das Fahrzeug mit ge waltiger Anstrengung quer gegen die hoch auf schäumenden Wellen gebracht hatten, drängten die selben so mächtig gegen das leichte Boot, daß es nur wie durch ein Wunder vor dem Umschlagen bewahrt blieb. Und doch war es nicht einmal diese Gefahr, welche sie am meisten fürchteten. Viel be drohlicher und beängstigender waren ihnen die im Flusse treibenden Gegenstände, von denen ein einziger ihnen gewisses Verderben gebracht haben würde, wenn er gegen ihren Nachen geschleudert worden wäre. Dabei war ein rechtzeitiges Ausweichen um so schwieriger, als sie trotz des hellen Mondlichtes die heranschwimmenden Stämme und Balken in dem schmutzig-weißen Gischt erst zu erkennen ver⸗ mochten, wenn dieselben ihnen bis auf eine sehr geringe Entfernung nahe gekommen waren. Daß unter solchen Umständen das todesmutige Rettungs werk gelingen sollte, mußte ihnen selber fast un denkbar scheinen, um so mehr, als sie jetzt nicht einmal wußten, ob sie den von den Wellen Er griffenen, welchen ihre Hilfe zugedacht war, über haupt näher kamen. In langen Zwischenräumen nur schlugen die verzweifelten Hilferufe noch an ihr Ohr, und sie wurden allmählich so schwach, als

Gestalt umdrohte sie der Tod. Der leichte Fischer

klängen sie aus weiter Ferne.(Forts. folgt.)

Bäcker Lein, 2 1 unterschlug, die er von der

Klinkel fiel vom Rad und ging auf die beiden

zur Hülfe und versetzte dem Nebeling einige Hiebe mit seiner Peitsche, worauf Müller mit seinem

Sache geladen ist, kann den Angeklagten nichts Der Amtsanwalt bean⸗

liche Diebin steht in der Person einer 14 Jahre

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