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Gießen, Dienstag, den 9. November
1897.
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Postztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
ische Landeszeilun
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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der Anzeigen: 10 Pfg. für
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N 0 N Aranintelloeé Eokales und Provinzielles. Gießen, 8. November. Sitzung der großh. Handelskammer am 2. November 1897.(Auszug al dem Protokoll.) Der Vorsitzende erstattet kurzen Bericht über die un der Sitzung des Ausschusses des Teuischen Handelstages zu Berlin am 27. September l. J. Auöterten Angelegenheiten: Neugestaltung des Zolltarifs Ind der handelspolltischen Beziehungen zu außerdeutschen Staaten, Garn⸗ Nummerierung, Zoll auf Trommelfelle,
Haftung der Reichspostverwaltung für Versehen ihrer Be⸗
amen usw., und wurden die bezüglichen Verhandlungs- schriften zu näherer Kenntnisnahme seitens der Mitglieder ber Zirkulation überwiesen.— Die Handelskammer in Göktingen hat an den Staatssekretär im Reichspostamt eige Eingabe gerichtet, in der sie um eine Abänderung in Telephongebührenwesen nachsucht. Sie erblickt in dem derzeitigen Zustand eine Ungerechtigkeit, da von den Inhabern einer Fernsprechstelle in einer kleinen Stadt ut kaum 20 Anschlüssen zur Zeit dieselbe Gebühr erhoben werde, wie in einer Großstadt mit über 30 000 An⸗ schlüssen. Es entspreche besser den Gesetzen der Billigkeit, enn die Gebühren nach Möglichkeit den jeweiligen Velstungen der Postverwaltung entsprechend geregelt würden; le bei der Telegraphie eine jede Depesche, so müsse auch el der Telephonie jedes Gespräch bezahlt werden. Da e bis jetzt noch an einem selbständig funktionierenden Apparat, der die Benutzung kontrolliere, fehle, so sei ein ulderer Ausweg zu suchen. Dieser biete sich in der Be⸗ esfung der Telephongebühren nach einer Skala. Könne das richtige Verhältnis zwischen Leistung und Gegen⸗ Aeistung nicht durch Bezahlung der einzelnen Gespräche rzlelt werden, so müsse man es pauschalmüßig feststellen, „ h. die Pauschalgebühren müßten verschleden bestimmt perden, je nach den Leistungen der Postverwaltung und hem Nutzen der Interessenten. Fraglich könne dabei nur urscheinen, ob es sich empfehle, als Maßßstab die Zahl der Auchlüsse in einer Stadt oder die Größe der Stadt zu Grunde zu legen. Unsere Handelskammer er⸗ achtet den vorliegenden Antrag aus ver⸗ schiedenen Gründen für aussichtslos und lehnt dessen Unterstützung ab. Zugleich soll jener Schwesterkam ner mitgeteilt werden, daß der dies⸗ feige Standpunkt eine allgemeine Herabsetzung der Telephongebühren auf 100 Mark erstrebe und wir nach dieser Richtung demnächst aufs neue vor⸗ stellgg werden würden, auch sei von uns in Bezug auf de Fernsprechtaxen der Antrag zum demnächst lagenden hessischen Handelskammertag eingereicht worden, für die Einführung einer Zwischenzone(50—100 Km. 50 Pfg.) einzutreten.— In zuvorkommender Weise hat der Vorstand der hiesigen Eisenbahnverkehrs⸗Inspektion, der Anregung der Kammer Folge gebend, die Annahme don Sendungen zu dem um 6 Uhr vormittags hier ab⸗ gehenden Ellgüterzug noch kurz vor Abgang des Zuges in Aussicht gestellt. Die Aufgabe muß jedoch in ber Zeit von 5—5.30 Uhr morgens erfolgen, damit dem Wfertigungsbeamten die erforderliche Zeit zur Abfertigung der Begleitpapiere verbleibt. Die entsprechende Einrich⸗ lung wird in der Kürze getroffen werden.— Die deutsche Handelskammer in Brüssel teilt folgendes mit: Laut Gesetz dom 12. Juli 1895 steht dem belgischen Finanzministertum dus Recht zu, Artikel, welche bis dahin als„Kurzwaren und Eisenkurzwaren“(Mercèrie und Quincaillerie) ver- zollt werden mußten(Zoll 15 Prozent Wert), und die zur Fertigstellung anderer Produkte dienen, unter die „Verschiedenen Produkte für die Industrie“(Produits vers pour P'industrie, Zoll 5 Prozent vom Wert) zu klasfiftzieren. Wir machen die Interessenten des Kammer⸗ bezleks auf die sehr bedeutenden Zollerleichterungen mit dem Anfügen aufmerksam, daß ein Verzeichnis aller Aatkel, die jetzt unter die„produits divers pour industrie“ gerechnet werden, auf dem Bureau— dummer eingesehen werden kann.— Die regelmäßige Ergänzungswahl zur großh. Handelskammer für die am 1. Januar 1898 aus der Kammer ausscheidenden und wieder wählbaren Herren, R. Scheel, S. Heichelheim und K. Klingspor findet am 2. Dezember d. Js. im Sitzungs⸗ ——.
Nedaktion und Erpebition: Kreuzplatz Nr. 4.
ilialen: Aften⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, r.⸗Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Hochelheim, Kinzenbach, Kl Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar,
Garbenteich, Gr Buseck „Linden, Krofdorf, Laug⸗ Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗
zimmer der Kammer statt. Zum d Derr Kommerzienrat.—— N 587 sonen die Herren Fritz Kraatz und W. Stamm. Die er⸗ n Publikationen werden demnächst erfolgen. Gießen, 8. Nov.(Militärdienstnach⸗ dichten.) Die Assistenzärzte 2. Kl. der Reserve: Dr. Rullmann vom Landwehrbezirk Friedberg, Dr. Frank vom Landwehrbezirk 1 Darmstadl, Dr. Kayser vom Landwehrbezirk 1 Darmstadt — zu Assistenzärzten 1. Kl.; die Unterärzte der Reserve: Dr. Müller vom Landwehrbezirk Gießen, Fendt vom Landwehrbezirk Mainz— zu Assistenzärzten 2. Kl. befördert. Spangen⸗ Zu( b 115 1155 3. großh. hess. Inf.⸗Regt.(Leib⸗Regt. Nr. 117), zum Inf.⸗ 8 Nr. 167 versetzt. 5 ae e Gießen, 8. Nov. Unser Landsmann, der königl. Kammermusiker und Cellist Heinrich Kruse, welcher seit 1¾ Jahren seinen festen Wohnsitz in Altona genommen hat, wirkte dieser Tage bei einem Konzert in der Singakademie in Berlin mit und hatte auch dort, wie überall, wo er sich auf seinem Instrument hören läßt, großen Erfolg.
* Gießen, 8. Nov.(Stadttheater.) Die gestrige Kindervorstellung erfreute sich ebenso wie die Abendvorstellung eines sehr guten Be⸗ suchs. Nachmittags wurde„Dornröschen“, abends die Posse„Hopfenrats Erben“ ge⸗ spielt. Wie am Nachmittag die Kleinen, so ver⸗ gnügten sich abends die Großen.
* Gießen, 8. Nob. Der hessische Fecht⸗ verein„Waisenschutz“(Verband Gießen) hatte am Samstag Abend, in Lonys Bierkeller, einen Familienabend veranstaltet, der gut besucht war. Eine vom Verein veranstaltete Verlosung, an welcher sich allerdings nur Mitglieder betei⸗ ligen konnten, sowie eine daran sich an⸗ schließende amerikanische Versteigerung brachte das runde Sümmchen von 50 l ein, welcher Betrag der Oberfechterei Mainz zufließt. Vor⸗ träge und Tanz hielten die Teilnehmer der recht gemütlich verlaufenen Veranstaltung bis zur frühen Morgenstunde zusammen.
* Grünberg, 6. Nov. Gestern Nachmittag machte der Arbeiter Kaus seinem Leben durch Erhängen ein Ende. K., welcher als ein fleißiger und strebsamer Arbeiter galt, war in⸗ folge längeren Krankseins arbeitslos ge⸗ worden. Dies soll hauptsächlich die Ursache zu der verzweifelten That gewesen sein. Der Un⸗ glückliche hinterläßt eine Frau mit mehreren un⸗ mündigen Kindern.
* Vilbel, 6. Nov. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung des Tierarztes Dr. Müller, der wegen Verbrechens im Sinne des§ 175 ver⸗ haftet wurde. In derselben Angelegenheit ist noch eine zweite Verhaftung erfolgt.
* Mainz, 6. Nov. Herr Baurat Helmer von Wien, der, wie berichtet, von der städtischen Verwaltung mit Aufertigung eines Voranschlags zum Umbau unseres Stadttheaters be⸗ auftragt worden, war zu diesem Zwecke hier, um den Bau des Theaters zu besichtigen, und hat aufgrund von bez. Plänen nunmehr einen generellen Plan über den Umbau ausgearbeitet. Er entwickelte in einer gestern Abend stattgehabten Sitzung des Bau⸗ und Theater⸗Ausschusses seine Ansichten über den Theaterumbau. Wie wir vernehmen, veranschlagt Herr Helmer die Kosten des Umbaues auf etwa 750 000, wozu noch etwa 50 000. für sonstige Ausgaben, Gut⸗
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achten u. s. w. zu rechnen sind, so daß sich die Gesamtkosten auf rund 800 000 4 belaufen würden. Wie wir weiter vernehmen, dürfte der Umbau des Theaters wohl ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen, so daß für die kommende Saison, wenn der Umbau bereits im nächsten Jahre in Angriff genommen werden soll, ein Nottheater errichtet werden müßte.
* Bingen, 4. Nov. Das hiesige Lokal⸗ komitee, das sich in Verbindung mit dem Rüdes⸗ heimet Ausschuß zur Gewinnung der National- festspiele auf dem Niederwald gebildet hat, hielt gestern Abend eine Sitzung ab, zu der weitere Kreise unserer Stadt eingeladen waren. Die Herren Bürgermeister Neff und Landtags⸗ abgeordneter Pennrich, Mitglieder des engeren Ausschusses, erstatteten Bericht. Darnach sind die Aussichten für den Niederwald recht günstige, auch im Hinblick auf die finanzielle Seite der Sache. Es wurde die 2 5 eines Bezirks⸗ komitees, umfassend die Orte Bingen, Binger⸗ brück, Rüdesheim und Aßmannshausen, in Aus⸗ sicht genommen. Als Festplatz ist jetzt eine um e größere Fläche als anfänglich vor⸗ gesehen.
* Aßlar, 6. Nov. Gestern Abend gegen 11 Uhr gab es in unserem Dorfe Feuerlärm. In der Scheune des Landwirts Johannes Lotz war ein Brand ausgebrochen. Bald zeigte es sich, daß alle Kräfte nötig waren, um eine verheerende Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Mit allem Eifer wurde deshalb an seine Bekämpfung herangegangen. Durch die in der Scheune lagernden Erntevorräte entwickelte sich jedoch der Brand mit einer solchen Gewalt, daß nicht ver⸗ hindert werden konnte, daß auch das Wohnhaus des Lotz, sowie dasjenige des Landmanns Pfaff, ebenso dessen Scheune und mehrere Stallgebäude (3) in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die beiden Scheunen, sowie die Ställe und das Pfaffsche Wohnhaus sind gänzlich niedergebrannt; von dem Lotzschen Wohnhaus steht noch ein Teil, doch wird wohl auch dieser abgerissen werden müssen. Vieh ist nicht weiter verbrannt, nur steben Hühner haben daran glauben müssen. Die benachbarten Dörfer gewährten den hiesigen bis zur Erschöpfung arbeitenden Löschmann⸗ schaften bei diesem Brande dankenswerte Hilfe; soviel wir zu überblicken vermochten, waren die Spritzen von Klein⸗Altenstädten Werdorf, Ehringshausen, Hermannstein, Niedergirmes, Berghausen und Bechlingen auf der Brandstätte erschienen. Ihrer Mithülfe war es zu ver⸗ danken, daß der Braud gegen 3 Uhr als ge⸗ dämpft betrachtet werden konnte und die Gefahr einer weitern Verbreitung ausgeschlossen war. Alle thaten nach Kräften ihre Schuldigkeit, namentlich aber ragte die Ehringshäuser Feuer⸗ wehr, welche mit dem Herrn Bürgermeister Hoe⸗ mann gekommen war, durch ihre musterhafte Organisation rühmlich hervor. W. Anz.
Vermischtes.
— Wie wird man Kraftmensch 2 Eine Muskelkräftigungsanstalt hat neuerdings in Lon⸗ don der bekannte Athlet Eugen Sandow eröffnet. Dieser stärkste aller starken Männer sprach schon früher häufig die Meinung aus, daß enorme Muskelkraft und Körperstärke von Jedem erlangt werden könne, der von Natur nicht allzu schwächlich sei und eine besondere Methode des Trainterens befolge. Sandow hat nun allen Zweiflern
Wieseck, Wißmar.
bewiesen, wie sehr er mit seiner Behauptung Recht hatte. Es ist ihm bereits gelungen, mehr als fünfzig junge Leute, die sich um eine Anstellung in der Armee bemüten und wohl das zu einem derartigen Posten notwendige wissenschaftliche Examen, nicht aber die physische Probe bestehen konnten— bei Anwendung seines Systems in drei Monaten körperlich so bedeutend zu kräftigen, daß sie nach nochmaliger Bewerbung sofort den gewünschten Posten erhlelten. Sandows Methode ist äußerst einfach; er macht durchaus kein Geheimnis daraus, auf welche Art er seine Zöglinge trainiert. Sich nicht nur damit begnügend, die einzelnen Glieder zu kräftigen— die ungleichmäßige Ent⸗ wicklung der Muskeln hält der Athlet im Gegenteil für höchst schädlich— läßt er seine Schule täglich eine Stunde lang acht verschiedene Uebungen durchmachen, die den ganzen Körper in Bewegung setzen und sämtliche Muskeln anspannen. Sandow beginnt mit den leichtesten Uebungen, die er ganz allmälich erschwert, sodaß der Schüler von einem Tage zum anderen kaum einen Unterschled merkt und doch nach Ablauf eines Viertelfahres die von seinem Meister garantierte Zunahme des Brustmaßes um drei Zoll und des Umfanges der Arme und Beine um andert⸗ halb bis zwei Zoll aufweisen kann. Nach einem solchen dreimonatlichen Kursus ist gleichzeitig jede etwaige Schwäche des Herzens, sowie der Lunge beseltigt und der so vorbereitete Schüler kann dann ohne Gefahr mit jenen Kraftproben anfangen, wie sie auf dem Programm eines berufsmäßigen Athleten stehen. Sandows Uebungssaal sieht wie ein bequem eingerichteter Turnsaal aus; es fehlen nur die sonst üblichen Reckstangen, Trapeze und Barren. Statt dieser Gerätschaften liegen auf dem Fuß⸗ boden einfache Matten, auf denen die Uebungen vorge⸗ nommen werden. Hauptsächlich arbeitet Sandow mit Ge⸗ wichten und Hanteln. Die Uebungen der Zöglinge werden auf das Strengste von den verschiedenen Lehrern, die Sandow angestellt und ebenfalls erst vorher„abgerichtet“ hat, überwacht. Diese gehen stets mit der Uhr in der Hand umher und achten darauf, daß bei jedem„Exercise“ genau die vorgeschriebene Minutenzahl innegehalten wird. Sandow ist in so hohem Maße von dem Wunsche durch⸗ drungen, alle Menschen stark und kräftig zu machen, daß er jeden seiner Untergebenen fast mit Gewalt dazu bringt, wenigstens die acht leichtesten Gewichtübungen so lange zu treiben, bis er ein gewisses Maß von Muskel⸗ kraft erlangt hat. Zwei zwölfjährige Knaben, die in be⸗ sonderer Livree am Eingang stehen, um den Besuchern die Thüren zu öffnen, zeigen mit nicht geringem Stolz ihre muskulösen kleinen Arme und legen auf Verlangen die erstaunlichsten Proben ihrer ungewöhnlichen Körper⸗ kraft ab. Selbst die weiblichen Bediensteten Mr. San⸗ dows müfssen sich bestimmten Uebungen unterwerfen. Eine Scheuerfrau, die sich anfangs sehr gegen eine derartige Zumutung sträubte, ist jetzt im Besitze wahrer Riesen⸗ kräfte und hat erst kürzlich herzlich dankend zu ihrem sich so verdient machenden Brotherrn gemeint, daß sie jetzt, seitdem sie so stark geworden sel, mit Erfolg daran ar⸗ beite, ihren Mann, der seit Jahren trinke und faulenze, zu einem ordentlichen Menschen umzuwandeln. Er fange bereits an, sich vor ihren immer handgreiflicher werdenden Moralpredigten zu fürchten und komme schon viel seltener in angetrunkenem Zustande und ohne Verdienst nach Hause.
— Eine neue Riesenbrücke über den St. Lorenz⸗Strom. Es giebt bei der Stadt Montreal vor⸗ läufig drei Eisenbahnbrücken über den gewaltigen St. Lorenz, nämlich die Viktoriabrücke für die große Kana⸗ dische Stammbahn, die Lachinebrücke für die Kanadische Pacifiebahn und die Cotekbrücke für die Kanadische At⸗ lanticbahn. Die erste Viktoriabrücke galt lange als ein wahres Weltwunder; sie wurde am 20. Juli 1854 von Robert Stephenson begonnen, und am 17. Dezember 1859 fuhr der erste Eisenbahnzug über, oder eigentlich müßte man sagen: durch die Brücke. Die Viktoriabrücke gehört nämlich zu den wenigen Röhrenbrücken der Welt, indem sie aus einer auf vielen Pfeilern ruhenden Eisenröhre be⸗ steht, durch welche der Eisenbahnzug hindurch fährt. Es giebt in England noch zwei Röhrenbrücken, welche beide einige Jahre älter sind, als die amerikantsche und eben⸗ ———————
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T K—
Isabel.
Aus den Erinnerungen meines Zimmernachbars.
Von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
In gewissen Kreisen von Paris wurde sie bald eine Berühmtheit. Sie hatte dort Huldigungen und Freiheit. Der Name, den ich ihr gegeben hatte, blieb ihr: La corona de Espana N
Und ich lehrte nach Spanien zurück. mit gebrochenem Herzen
Der General schwieg. Seine Pfeife war aus- gegangen, indeß zog er noch immer nach Kräften daran, als ob er dadurch die Glut neu, anfachen könne. Endlich sah er die Erfolglosigkeit seiner emühungen ein und setzte seine Pfeife wieder in Brand.
Es mochten etwa vier bis fünf Jahre vergangen sein,— so begann er dann von neuem als ich gegen Abend durch das Gebirge der Kaserne zuritt. Ich war inzwischen zum Kommandeur der Grenz⸗ wache ernannt.
Plötzlich werde ich von
Zigeunern angefallen.
Widerstand ist nutzlos, das begreife ich sofort. Ich lasse mich also vom Pferde gleiten, und es gelingt mir, in den Wald zu flüchten, indem ich ihnen Tier und Mantelsack opfere.
Ich renne, 8 0 1 stunde etwa merke ich, daß ie b 5 58 bleibe stehen und sehe mich um, da höre ich rufen.. Ich horche aufmerksam, da tauchten ein paar Leute auf, voran ein Weib, das ein Tuch
Nach einer Viertel⸗ ich mich verirrt habe.
wenkt und Isabel! ruft. a 5 Wie angewurzelt bleibe ich stehen. Was für eine Flut von Erinnerungen taucht bei diesem
vor mir auf! 2 zittern die Kniee. Ist es Isabel selbst? 2 Noch ein paar Schritte, da steht sie vor mir und
a ich umschlungen. Dann winkt sie, und die 2 1 pier und Mantelsack.„Reit' nach Hause!“ sagt sie mit ihrer alten Zärtlichkeit.„Hier in Deinem Mantelsack hab' ich mein Bild gefunden, nach Hause, Isabel hat Dich gerettet!“ Mit finsteren Gesichtern stehen die Zigeuner in der Nähe, ich begreife die efahr, in der ich noch immer schwebe. Schnell besteig' ich mein Pferd, drücke gsabels Hand und flüsterte ihr Zu:„Sieh Dich vor, Isabel! Morgen wird man Euch umstellen!
reit'
da lacht sie und antwortet leise:„Isabel wird man nicht fangen“lk. Wie im Traum komm' ich nach Hause. Immer seh' ich das Weib vor mir stehen inmitten der Räuber. War es Isabel? Sie war sehr gealtert, und der Ausdruck ihres Gesichts war sehr verändert.
Der General sann nach.
„Nun?“ fragte ich nach einer ganzen Weile.
„Sie hatte Recht“, sprach er vor sich hin. „Man hat sie nicht gefangen. Die Anderen ergaben sich, sie fiel, und ich— sah sie sterben.“
Er war sehr ernst, der Alte. Offenbar wirkte die Erinnerung mächtig auf ihn ein. Als Befehls⸗ haber der Grenztruppe hatte er selber den Kampf gefübrt, in dem sein Welb den Tod gefunden hatte!
Er stand auf und holte eine Schachtel aus seinem Sekretär. Eine rabenschwarze Locke lag darin.„Das war ihr Haar“. sagte er mit zittern ⸗ der Stimme, ich schnitt es ab, ehe wir sie begruben.“
Ich berührte das Haar mit den Fingern, es war seidenweich. Und in diesem Augenblick stand in meiner Phantafie das Bild Isabels auf. Ich sah sie, wie sie an der Brücke die Bekanntschaft
des Geliebten z machte,— ich sah sie mit ihm auf
vor ihm auf dem Pferde sitzend und ihn mit den Armen umschlingend,— ich sah sie einherstolzieren in ihrem roten Kleide mit Eold⸗ borte am Hafen von Bayonne, lächelnd und stolz die Huldigungen der Seeleute und jungen Kaufleute entgegennehmend,— ich sah sie als„corona de Espana“, in Seide und Spitzen gekleidet glänzen in den Kreisen der Pariser Lebewelt,— ich sah sie im Dunkel der Pyrenäenwälder mit ihren Genossen dahinziehend, Waren über die Grenze führend, sah den Blick alter Anhänglichkeit und Liebe, mit dem sie dem geretteten Geliebten zuflüsterte: Isabel hat Dich gerettet,— und ich sah sie am Abhange hin⸗ gestreckt, aus schwerer Wunde blutend, die Hand in der des spanischen Offiziers, und wie dunkle Wellen breitete sich das schwarze Haar über den Fels „Welch' wunderbares Haar!“ sagte ich zum General.
„Nicht wahr?“ Ein stolzes Lächeln glilt über sein Gesicht. Aus seinem Auge aber tropfte eine Thräne herab und bettete sich in der schwarzen Locke seines Weibes.
der Hochzeitsreise,
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