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ein bescheidenes Plätzchen.
Gießen, Freitag, den 9. Juli
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
ische Landes
Ausgabe
Gießen.
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s Posigtg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Ein Sonntag Nachmittag in Giesßen. 1.
R. Im Restaurationsgaxten des Philosophen— waldes ist es bereits ziemlich gut besetzt. Junge ute spielen ernsten Antlitzes Lawn⸗ tennis. Uuscheinend vergessen sie das Trinken; ob der Wirt bei ihnen auf seine Kosten kommt, ist min— destens fraglich.
Ich finde meinen Freund und bei ihm auch Fritze ist nicht gut gelaunt; er hat nämlich schon eine Stunde lang mit zuhören müssen, wie am nächsten Tische sich zwei Vereinsmeier darüber streiten, welcher Verein in Gießen das schönste Abzeichen hat. In der Wahl des Platzes war mein Freund überhaupt sehr unglücklich gewesen: Rechts die beiden Vereinsmeier, links eine Gesellschaft von 6 oder 7 Damen und 1 Herrn. Der Letztere nickt nur immer und lächelt ganz glücklich. Es sieht wenigstens so aus. Die Damen unterhalten sich über die Kneippkur, Hühneraugen, Malzkaffee, Suppengemüse, Kindtaufen, Reformkleidung, feine Verwandtschaften, Radfahren, Stiefelwichse, Ma⸗ kartbouketts, Marmelade, Sonnenschirme und sonstige Dinge. Vor uns sitzen zwei Damen mit ihren Herren, die anscheinend Beamte sind, sie geben sich vornehm und sprechen sehr gebüldet. Die Damen machen ganz spitze Mündchen. Hinter uns sitzt eine Familie, deren Oberhaupt an⸗ scheinend jeden Mensch und jedes Tier in Gießen kennt. Kommt ein Hund vorüber, so ruft er ihn beim Namen und erzählt dann sofort den Seinen den ganzen Lebenslauf des Köders. Er weiß, wem er jetzt gehört, wem er früher gehört hat, was er jetzt wert ist und wie alt er ist. Kommt ein neuer Gast in seine Nähe, so kennen wir in einer Minute dessen ganze Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Fritze und ich guckten uns verständnisinnig
an. Er schüttelte den Kopf und ich nickte.
Mutig ergaben wir uns in unser Schicksal.
„Ja, diese Schmidt's, das ist wirklich eine reizende Familie. Karl ist Sekretär, Eugen Arzt und der Jüngste dient jetzt einjährig in Berlin. Wirklich eine reizende Familie.“
So kam es vom Tische vor uns.—
„Der Verein„Faule Zwiebel“ hat das schönste Abzeichen.“
So hörten wir es von rechts.—
„Ich glaube nicht, daß die Reformkleidung 0 die Hühneraugen irgend einen Einfluß aus⸗ übt.“
So flötete es von links.—
„Guck mal an, den Piepenbrink, diesen Bauern⸗ bub, wie der do her kimmt, wie der Storch im Salat.“
So beschreibt hinter uns das lebende Lexikon für Gießens Angelegenheiten.—
Ein fein gekleideter Herr mit dito Dame und einigen Kindern hatte in unserer Nähe Platz genommen. Der Herr war es, den unser Hinter⸗ mann als Piepenbrink vorgestellt hatte. Der Menschenkenner schien sich über den neuen An⸗ kömmling zu ärgern. Er kam mehr und mehr in die Wolle.
„Diesen Aff' hättet'r vor 15 Joahr' sehn
müssen, wie er von seim e Dorf her kam. Jetzt spielt'e den Geschwollenen“, so er⸗ zählte unser Hintermann den Seinen.„Die dümmsten Bauern hoan die dicksten Kartoffeln“, erklärte er weiter.„Der hoat gut thun. Ge⸗ sellen hoat er kaa, drei Lehrbuben müssen sich vorn abschinne. Es is e Schand, daß es gelitte wird. Aber's is nit alles Gold was glänzt. Am.. essen wird gespoart, damit's uf den Leib gehängt wer'n kann. Nix gescheit's in'n Leib, blos alles druf. So lange, wie d's Miß geburt das Maul hält, gieht's, aber wenn e' den Schnabel ufthut, dann hört mer, weß' Geistes Kind er is.“ So ging's noch ziemlich lange weiter.——
„Der Verein„Faule Zwiebel“ hat keinen Ueberschuß gemacht bei'm letzten Vergnügen.“— „Und er hat doch einen gemacht“, so kam es dazwischen von rechts.—
„Der Hut der Frau Schulze ist höchst ge— schmacklos“, so flötete es links.
„Karl hat sich verlobt. Seine Braut ist auch aus reizender Familie“, so tönt es vor uns.
„Mer geh'n noch lang net ham“, bestimmt unser Hintermann.
„Was leiht droah!“ sein Aeltester.
Damit hatten wir aber nun genug. Wir tranken unser Bier aus und schlugen uns seit⸗ wärts in die Büsche.
Nachts träumte ich von seidenen Blousen, Hunden, Schleiern, reizenden Familien, Stiefel⸗ wichse, Makartbouketts, Piepenbrinks, Bauern⸗ buben, Hühneraugen, Suppengemüsen, faulen Zwiebeln und noch tausenderlei anderen Dingen.
, 8 5 138 Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 8. Juli.(Auszeichnung.) Dem Restaurateur Georg Atzbach wurde heute vom Kreisamt anläßlich seiner 25 jährigen Mit⸗ gliedschaft der freiwilligen Gailschen Feuerwehr vom Großherzog das Ehrenzeichen der freiwilligen Feuerwehren verliehen. Wie wir hören, stehen weitere Auszeichnungen in Aussicht.
* Gießen, 8. Juli. Von unseren Schützen sind 10 Mann unter Führung des Oberschützen⸗ meisters Herrn Brück zum deutschen Bundes⸗ schießen nach Nürnberg gegangen. Als nächsten Festort haben die deutschen Schützen Dresden bestimmt, wo im Jahre 1900 das nächste Bun⸗ desschießen stattfindet.
* Gießen, 8. Juli. Die„Wanderer, G. R.⸗G.“ werden sich an der vom Gau IX veranstalteten Tour nach Koblenz, welche in der Nacht vom Samstag zum Sonntag unternom⸗ men wird, als einziger gemeldeter Verein des Nord⸗Bezirks in stattlicher Stärke beteiligen.
* Gießen, 8. Juli. Die„Frankf. Zeitg., welche gleich uns über jene Unfälle auf der oberhessischen Bahn berichtet hatte, erhält von der zuständigen Eisenbahndirektion folgendes Schreiben:„Unter Bezugnahme auf die Nach⸗ richt d. d. Gießen, 28. Juni, teilen wir Ihnen Nachstehendes ergebenst mit: Der Unfall am
mir erwidert
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 fg. für die Bspaltige Petttzeile.
21. Juni auf Bahnhof Renzendorf erfolgte deshalb, weil ein Beamter die Weiche in dem Augenblick umgelegt hatte, als der Personenzug 53 diese Weiche passterte, während die Ursache der Entgleisung einer Achse an dem Tender der Lokomotive des Personenzugs 4a am 27. Juni, die nach kurzer Zeit wieder von selbst auf die Schienen auflief, noch nicht festgestellt worden ist, keinesfalls aber der Geleislage zu— geschrieben werden kann.“
* Gießen, 8. Juli. Der gestrige Ochsen⸗ markt war von etwa 120 Stück Vieh befahren. Von Markt zu Markt sinkt derselbe immer mehr an Bedeutung und nur der gute Ruf der Ober⸗ hessischen Ware bringt noch vereinzelte fremde Käufer an den Markt. Der gestrige Handel blieb in lokalen Grenzen. Die gezahlten Preise sind als gute zu bezeichnen, indem die Verkäufer in⸗ folge der guten Futteraussichten sich zurückhal⸗ tend verhielten. Das beste Paar Fahrochsen welches am Markte war, erzielte 880 Mark, weiter wurde für 1. Qualität 800—850 Mark gezahlt, 2. Qualität wurde mit 700—780 Mark pro Paar gehandelt. Junge angelernte Fahr⸗ stiere kosteten 550-600 Mark. Fettvieh war nicht am Markt. Um 10%¼% Uhr war der Auf⸗ trieb geräumt.— Unser gestriger Bericht, daß die Fettviehpreise mit den teueren Zuchtvieh⸗ preisen nicht im Verhältnis stehen, bezog sich nicht auf Gießener Verhältnisse, sondern hatte Bezug auf die großen Fettviehhandelsplätze Mittel deutschlands wie Frankfurt, Köln usw. Uns drohte vor Kurzem ein Fleischaufschlag, weil die Landwirte der Umgegend den Metzgern für Fettvieh erhöhte Preise abverlangten, doch brachte infolgedessen ein hiesiger Händler, die Konjunktur benutzend, 1 Transport fetter Ochsen aus Ostpreußen, den er für Köln bestimmte hatte, hier bei den Metzgern zum Verkauf, Durch diese Zu⸗ fuhr wurde ein Steigen der Fleischpreise für unsere Stadt vermieten, und so hat der Zwischenhandel im Interesse der Allgemeinheit einmal wieder heilsam gewirkt, denn durch weitere Zufuhr ist der steigenden Frequenz des Fettviehs in unserer Gegend Einhalt geboten.
* Gießen, 8. Juni Der Auftrieb auf dem Schweinemarkt belief sich auf 4 bis 500 Stück, worunter wenig Ferkel sich befanden. Trotz des schlechten Wetters waren zahlreiche Käufer gekommen, sodaß die Händler hohe Preise für die Ware erzielten. Es kosteten Ferkel, 6—8 Wochen alt, 4060, ältere Ferkel bis 80 Mark, Läufer 90—130 Mark pro Paar. Fettvieh war nicht am Markt. Der Bedarf wurde nicht gedeckt, daher war der Auftrieb früh geräumt.
M. Grünberg, 7. Juli. Wie wir hören, soll unser Ort noch um eine Wirtschaft vermehrt werden, sodaß wir dann etwa an die 34 Lokale zählen, in welchen der edle Gerstensaft in Flaschen und vom Faß zu haben ist. An der Londorfer Straße, in einem von den neuerbauten Schmidt⸗ schen Häusern, beabsichtigt nämlich ein auswär⸗ tiger Herr eine Bahnhofsrestauration zu errichten. Die Sache ist mit dem Hausbesitzer bereits per⸗ fekt abgeschlossen und bedarf es nur noch der Genehmigung der Konzession, die jedenfalls erteilt
* edition: 24 Kreuzplatz Nr. 4.
werden wird, weil damit einem langgehegten Bedürfnie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Rechnung getragen wird. a
-g. Hessenbrückenhammer bei Fauerbach, 7. Juli. Heute Nachmittag fand hierorts die zweste diesjährige Religkonslehrer-⸗Kon⸗ ferenz statt. Auf der Tagesordnung stand das Referat des Herrn Pfarrer Vol p-Laubach: Die biblische Geschichte für das erste Schuljahr von Professor Klein. Von dem Verleger dieses Buches, Herrn Emil Roth in Gießen, waren der Versammlung eine Anzahl Freiexemplare zur Verfügung gestellt.
* Butzbach, 6. Juli. Gestern wurde auf dem 70 Zentner schweren Transportwagen der Brauerei C. J. Melchior hier durch die Firma J. J. Völk in Wetzlar ein 8 Meter langer und ca. 400 Zentner schwerer Dampfkessel von Wetzlar über Dutenhofen zugeführt. Zum Transport waren 22 Pferde nötig.
* Nidda, 7. Juli. Die Beerenernte ist in vollem Gange. Eine Masse von Erdbeeren werden von armen Leuten gesammelt und zum Verkaufe geboten. Die Johannes- und Stachel⸗ beeren sind zwar nicht sehr reichlich vorhanden, aber die Beeren haben bei der feuchtwarmen Witterung eine ungewöhnliche Größe erreicht. Sie werden meist zur Weinbereitung benutzt. Ende dieser Woche wird hier mit dem Schneiden des Korns begonnen werden.
* Darmstadt, 7. Juli. In Biblis wurde heute Morgen der 27jährige Bahnarbeiter Ludwig Berzel von Großrohrheim bei dem Ver⸗ such, auf den Zug 8 Uhr 20 Minuten auf⸗ zuspringen, überfahren. Er starb eine halbe Stunde darnach.
* Darmstadt, 7. Juli. Das hessische Ministerium erließ an sämtliche Justizbehörden des Landes ein Rundschreiben, wonach die Staatsanwälte und sonstigen Justizbeamten verpflichtet werden, in allen Strassachen wegen Verfehlung gegen die in den§§ 16, 1055 bis h, 106 bis 113, 115, 119 a, 120 bis 120 e, und 134a bis 139b der Gewerbeordnung enthaltenen Bestimmungen dem zuständigen Fabrikinspek⸗ tor den Inhalt der Strafbefehle oder die Ur— teilsformel nach Eintritt der Rechtskraft mit⸗ zuteilen.
* Mainz, 7. Juli. Das städtische Ar⸗ beitsamt schloß gestern den zweiten Monat seines Bestehens ab unter fortwährend steigender Tendenz. Angeboten waren im ersten Monat 397 Stellen von Arbeitgebern, es meldeten sich 459 Arbeitnehmer, vermittelt wurden 121 Stellen. Im zweiten Monat meldeten sich da⸗ gegen 665 Arbeitsuchende, während von Arbeit⸗ gebern 489 Stellen offeriert wurden. Vermittelt wurden 189 Stelleu. Mündliche Auskunft über die Auslegung der Gewerbeordnung der Kranken-, Unfall⸗, Alters⸗ und Invaliditätsgesetze ist in. 12 Fällen erfolgt.
* Worms, 7. Juli. Im April d. J. ist, wie s. Zt. von der„Frkf. Ztg.“ berichtet wurde, in dem hiesigen Versorgungshause eine geistes⸗ kranke Person von anderen Insassen des Hauses schwer mißhandelt worden. Die
Geisteskranke ist bereits 12 Stunden nach der
Ein Wrack.
(Nachdruck verboten.)
Nach den Mitteilungen eines Wiener Amerika— reisenden erzählt Ludwig Hevesi im Wiener Frem⸗ denblatt in seiner beredten und anschaulichen Weise das nachfolgende Erlebnis: Die Begegnung mit einem Wrack ist eine der aufregendsten Episoden einer Ozeanfahrt. Der Mensch erscheint da so klein und das Weltmeer so groß; aber auch umgekehrt. Der Mensch ist doch der Herr, und der Ozean, der ihn verschlingt, nur ein empörter Sklave.
Als ich Anfangs September— Anno Chicago — mit der„City of Paris“ von Newyork nach Southampton zurückfuhr, wurde mir dies ganz deutlich. Das Schiff war froh, nicht früher abge⸗ sahren zu sein, denn einige Tage vorher hatte ein furchtbarer Cyklon gewütet. Er kam nach seiner lieben Gewobnheit aus dem Golf herauf und stürzte sich vor Allem, ehe er nach Norden weiter wanderte, in die hübsche Ecke von Savannah(Georgia). Sie liegt ihm so günstig, daß er das niemals unter; läßt. Für den Hafen Savannah war dieser Besuch ungemütlich; die Unzahl Schiffe, die darin vor Anker lagen, wurden einfach ineinander geschmettert, wie man einen Haufen Nußschalen in eine Stuben⸗ icke fegt. Die Wint stärke war 12; die Beaufortsche Skala geht überhaupt nicht weiter als 12. Das bedeutet so 140 Kilemeter die Stunde; nur ein chinesischer Wind soll gelegentlich noch mehr Eile aben. Das war am 1. September. Kurz vorher war die„Majestic“, von der White Star-Linie,
unterwegs von Newyork nach Liverpool, von diesem Zephyr gestreift worden. Wie hoch damals die See ging? So hoch, daß eine überkommende See den Marsgast(Wächter) aus der Grosmars berauswusch. Er verschwaud spurlos,— aus einer Höhe von vierzig Fuß.
wei Tage vor meiner Abreise von Newyork hatte ich selbst ein Pröbchen dieser Wirtschaft ge— sehen. Ich war zu Besuch in Newport(New⸗ Jersey). Das ist wohl das vornehmste Seebad der Welt. Es ist so vornehm, daß es nicht gestattet ist, Hotels zu errichten, für arme Teufel, die sich dort keine eigene Villa bauen können. Es besteht aus lauter Prachtvillen von Millionären, und wer dort übernachten will, muß von einem dieser Geld⸗ herren eingeladen sein. Ich selbst wohnte beim Finanzminister der Vereinigten Staaten, General Fairchild, dessen Gemahlin eine Nichte des ameri⸗ kanischen Erz⸗Philosophen Ralph Waldo Emerson ist. Ein hochpatrizisches Haus, auch dem Geiste nach. Mr. Astor, millionenhaften Rufes, hatte uns zu einem„kleinen“ Diner auf seiner Pacht„Nur⸗ mahal“ geladen. Dieses Fahrzeug galt für die größte und prächtigste Yacht der Welt. Aber mit dem Diner an Bord wurde es nichts. Wir saßen eben in einem zierlichen Pavillon an einem hohen Strandpunkte des Parkes und nahmen eine Er⸗ frischung; natürlich eine erwärmende, denn frisch genug wehte es den Strand entlang. Es pfiff uns ordentlich um die Ohren. Plötzlich ein Kanonen⸗ schuß, Pfeifensignale, Kommandorufe, ein Hin⸗ und
Herdampfen von Bugsirschiffen und dazwischen ein großer Krach. Wir schauen hinab und sehen, noch im Rauch des Schusses, den sie abgegeben, die „Nurmahal“ an den Felsen geschmettert, mit ein⸗ gedrückten Rippen, ein blendendweißes, goldschim⸗ merndes Wrack. Sie wurde dann wieder seetüchtig gemacht, aber sie hatte kein Glück mehr. Ein Jahr später sank sie bei Gibraltar.
Nun wissen Sie, was das für ein Sturm war. Noch einige Tage nach unserer Abfahrt war die See rauh, eine starke Dünung hielt sie in Schwung. Sonst war das Wetter schön und wir waren mit Beaufort ganz zufrieden. Es mochte elf Uhr vor⸗ mittags sein, ich saß im Rauchsalon und sah den Pokerspielern zu. Da erscholl aus der Mars herab durch den Signalschlauch ein Hornsignal, drei oder vier Stöße.„Holla“! riefen die Spieler und warfen die Karten hin.„Notflaggen in Sicht, Backbord voran!“ Die Signale kennt ja jeder ständige Ozeangast, wie die Landratte ihr Alphabet, und so übersetzten sie das Signal sofort ins „Englisch der Königin“. Alles stürzte in die Kabinen hinab, die Ferngläser zu holen, und lehnte dann gegen die Backbord-Reeling, um Auslug zu halten. Zu sehen war einstweilen nichts, denn der Marsgast sieht weiter als ein Mann auf Deck. Erst nach einiger Zeit erschien an der Kimer(am Horizont) ein kleiner bunter Punkt. Sofort nahmen wir den Kurs darauf, im schnellsten Tempo. Bald sahen wir, daß das bunte Ding eine amerikanische Flagge war, aber verkehrt gehißt, Streifen oben,
Sterne unten. Das ist drüben die Notflagge, bei uns ist sie anders; wir binden einen Knoten hin, und das heißt dann„Flagge im Schau“. Dann sahen wir das Schiff selbst. Alle Masten über Bord, das Ruder zerschellt; die Flagge an den Topp einer abgebrochenen Spiere gebunden, diese mit Hilfe eines sogenannten Notstiches aufgestellt. Wir sahen fünf Menschen in breiten Pauamahüten und hohen Röhrenstiefeln auf Deck kauern und sich mit allen Vieren festklammern, wo sich eben ein Pflock oder Tauende fand. Das Wrack tanzte nämlich, da ihm der Gegendruck der Segel fehlte, in ganz schauerlicher Weise auf und nieder, ohne aber von der Stelle zu kommen. Dabei gingen fortwährend Seen über Bord.
Die„City of Paris“ fuhr rasch auf das Wrack los, daß wir glaubten, es müsse in den Grund ge— bohrt werden. Aber sie umfuhr es mil einer scharfen Drehung und legte sich so dicht daran, daß der Kapitän von seiner Brücke senkrecht hinab⸗ sprechen konnte. Die Schnelligkeit mit der all das vor sich ging, die Genauigkeit, mit der Alles klappte, war bewunderungs würdig. Ich hatte z. B. gar nicht bemerkt, wie es gemacht wurde, daß fast augenblicklich, nachdem das Hornsignal ertönt war, bereits ein stählernes Rettungsboot, mit 12 Mann bemaudt, an den Davits heruntergelassen, etwa zwei Meter über Wasser hing und das Weitere er⸗ wartete. Das ging Alles wie automatisch und ebenso kam das Boot dann wieder in die Höhe.
(Schluß folgt.)


