Tisch zuging, auf dem Hartmann stand. Letzterer hat, ohne, daß er vom Tisch herunter kam, die Stiche erhalten. Evers hat nach Ansicht des Zeugen genau gewußt, daß es der Bürgermeister war, der auf dem Tisch gestanden. Ein Messer hat der Zeuge beim Angeklagten nicht gesehen.
Bürgermeister Hensel von Schwalheim hat mit dem Bürgermeister Hartmann zusammen gesessen. Da sei ein Bursche gekommen, der habe gesagt:„Mein Vater ist ge⸗ stochen!“ Hartmann sei sofort aufgesprungen, er sei ihm nach, doch gleich darauf habe es geheißen, der Bürger⸗ meister Hartmann habe auch einen Stich erhalten. Der Zeuge hat vor dem Ableben in Nauheim seinen Kollegen gesprochen, der ihm erzählt: Er habe dem Evers zuge⸗ rufen:„Ste haben gestochen, sie find mein Arrestant!“ Da habe jener ihm den gefährlichen Stich gegeben. Hart⸗ mann sei ein tüchtiger Mann gewesen, der seiner Familie und der Gemeinde noch gute Dienste geleistet hätte, wenn er seinen Pflichteifer nicht so frühzeitig mit dem Tode hätte büßen müssen. Erst als der Bürgermeister Hart⸗ mann verletzt gewesen, habe es den Tumult gegeben, bei dem der Evers wohl seine Prügel bekommen habe. Ob Evers ein Messer gehabt, hat der Zeuge nicht gesehen.
Vermischtes.
— Das Geheimnis der Hundeseele. Einen interessanten Beitzag zur Pfychologie der Tiere liefert ein Hund unbestimmter Rasse in der Keppelstraat zu Graven⸗ hage. Das kleine Tierchen schleppte eines Mittags einen Teil seines aus Knochen und Brot bestehenden Futters zur geschlossenen Hausthüre, an der es kratzte. Als man ihm bedeutete, daß ein gut erzogener Haushund keine solchen Eyperimente machen dürfe, fing er an zu brummen und stellte sich über den verschleppten Futtervorrat. Es war deutlich, daß er auf die Straße wollte, und man willfahrte denn auch seiner gekratzten Bitte. Fein säuber⸗ lich nahm er einen Knochen um den anderen auf und trug ihn an eine Hausecke. Darauf entfernte er sich für kurze Zeit und kam mit einem alten, blinden Hund zurück, der gierig über die Speisereste herfiel, während„Zwart“, so hieß der Hund, schweifwedelnd zu seinem Herrn hinauf⸗ schaute, der von nun an die Rationen verdoppelte. Ueber drei Wochen dauerte diese Fütterung, dann sah man den blinden Hund nicht mehr.
— Ein Massenmörder. Vor einigen Tagen ermordete in Rotterdam ein deutscher Uhrmacher seine Frau und sein Kind unter schrecklichen Umständen. An einen Polizeibeamten, der wenigstens eine Viertelstunde weit von dem Ort der Schreckensthat postiert war, trat ganz ruhig ein Mann heran, der sagte, er habe einen Mord begangen. Als der Poltzist in der Meinung, es mit einem Geisteskranken zu thun zu haben, ihm nicht glauben wollte, holte der Mann aus seiner Tasche ein abgeschnittenes noch blutendes Menschenohr, das er dem Wachmann zeigte. Der Polizist arretierte ihn darauf und brachte ihn zur Wache. Eine Untersuchung in seiner Woh⸗ nung zeigte, daß die 22jährige Frau, die acht Monate schwanger war, mit abgeschnittenem Hals leblos dalag, dem einjährigen Kindchen war der Schädel zerschmettert. Der Mörder war so ruhig, als hätte er etwas ganz Natürliches gethan. Er sagte, er müßte morden; er hätte in Deutschland seinen Vater und seine Mutter und noch drei Personen ermordet, in England habe er ebenfalls 5 Morde verübt, alle an Frauen, und in Australien habe er drei Menschen getötet. Insgesamt habe er also 16 Morde begangen. Der Mann ist 32 Jahre alt. Man erwartet mit Spannung, ob seine Geständnisse auf Wahr⸗ heit beruhen.
— Liebesbrief für Radfahrer. Geliebte Klarissa! Du Kugellager meines Herzens! Seit ich Dich kenne und Dein Herz im Renntempo erobert habe, bist Du die Achse aller meiner Gedanken und die Lenkstange meiner Richtung, die mir den Weg zu Dir zeigt. Du bist das Rad meiner Zeit, Du erscheinst mir als Laterne, als das Licht meines Zieles. Der Hauch Deiner Seele bläht meine Pneumatiks und gleich einer Oelkanne förderst Du meine Geschwindigkeit, mit der ich zu Dir eile. Du bist das Triebrad meiner Gefühle und die Kurbel meiner Bewegungen. Deine Gegenwart vernickelt mir meine Seele, während Deine Abwesenheit sie mit tiefschwarzen Email, der Farbe der Trauer überzieht. Deine Kenntnisse im Englischen, Französischen, Italienischen, sowie im Deut⸗ schen machen mich zum Sklaven Deiner Internationalität und bewahren mir den Respekt für das Ausland. Bin ich aber bei Dir, so bist Du die unzerreißbare Kette meines Daseins, die sicher wirkende Bremse meines Weggehens. In Dir erkenne ich den stabilen Rahmenbau meiner Zu⸗
Dich gleich einem Patentschraubenschlüssel umklammern und Dir ein breites Schutzblech gegen die Gefahren des Lebens sein. Unsere Liebe ist der Gummikitt, der uns auf ewig verbindet. Dein treuer Trampelmeier Franz B.
— Eine ganze Familie erstickt. In einem Hotel der Stadt New⸗York stieg dieser Tage eine elegant gekleidete, etwa 40 Jahre alte Dame ab und schrieb sich als Frau Ravinius aus Westpoint ein. In ihrer Be⸗ gleitung befanden sich ein hübscher, kräftig gebauter Junge von 15 Jahren, ein schönes Mädchen von 13, ein Knabe von 7 und ein Mädchen von 3 Jahren. Beim Abend⸗ essen waren die Kinder sehr heiter, allein der Frau merkte man es an, daß sie geweint hatte. Am anderen Morgen fand man nun die ganze Familie tot vor. Der Gas⸗ hahn war geöffnet und alle waren erstickt. Einige Kleinungsstücke aus zwei Koffern lagen im Zimmer um⸗ her oder waren dazu benutzt worden, um die Luftlöcher an den Fenstern zu verstopfen. Nach einem Berichte des Bureau Dalziel glaubt man, daß die Mutter dies gethan hat, nachdem die Kinder zu Bett gegangen waren.
— Ein Totenschiff. Aus Havanna kommend,
ist dieser Tage der Dampfer„Isla de Panoy“ in La Coruna eingetroffen. Er brachte 1007 Passagiere, darunter 324 Soldaten. In Puerto Rico mußten 50
mit dem Tode ringende Soldaten zurückgelassen werden, weil die Aerzte erklärten, daß die Schwerkranken die Ueber⸗ fahrt nach der Heimat nicht mehr ertragen würden. Während der elf Tage dauernden Ueberfahrt starben an Bord 64 Soldaten. Die Presse ist entrüstet darüber, daß die verantwortlichen Behörden in Havauna Sterbende und Schwerkranke gewissermaßen als Schiffsballast verpackten, und verlangt, daß eine strenge Untersuchung eingeleitet werde.
— Der Tod im Kelterbottich. Dem„Petit Parisien“ wird aus Clermond Ferrand gemeldet, daß dort drei Personen durch Ersticken auf eigentümliche Weise den Tod fanden. Der Winzer Courrière, der, wie es in dieser Gegend üblich ist, in einem großen Bottich die Trauben mit den Füßen zusammenstampfte, fiel plötzlich unter lauten Hilferufen um. Ein Arbeiter sprang sofort zu seiner Rettung hinzu, fiel jedoch ebenfalls bewußtlos nieder. Die Frau des Winzers, die auf ihr Rufen nach ihrem Mann keine Anwort erhielt, kletterte auf die Leiter,
kunft, die Basis meiner Bestrebungen. Deshalb will ich
die sich am Bottich befand, und sah ihren Mann neben
eren
11 dem Arbeiter liegen. Sie stieg hinab, fand jedoch ehen⸗
falls den Erstickungstod. Erst nach mehreren Stunden wurden die drei Leichen entdeckt.
—
Neyeste Telegramme. 5
Hd. Berlin, 7. Oktober. Zu den Vor⸗ lagen die nicht mehr an den Reichstag 8 gelangen, rechnet man nach den„Berl. N. Nach⸗ richten“, die Versicherungsnovelle und die Reform des Strafprozesses, da beide als aussichtslos gelten. Ueberdies nehmen die Ausführun Sge⸗ setze zum bürgerlichen Gesetzbuch die juristischen Kreise derart in Anspruch, daß an anderen Auf- gaben nicht zu denken sei.
Hd. Essen, 7. Okt. Emil Behr 0 wieder nach Lüttich gereist. Die pen* Behörde wird keinerlei Strafantrag! stellen. 9
Hd. Breslau, 7. Okt. Die hiesige Strafkan⸗ mer verurteilte den Kaufmann Max Kaplan, Ju- haber der in Konkurs befindlichen Firma Kaplan u. Co. wegen Wech selfälschungen im Betrage von 400 000 „ zu vier Jahren Zuchthaus. 413
Hd. Brüssel, 7. Oktober. Die Verhaftung der 0 Frau eines hohen Staatsbeamten, welche unten dem Verdacht steht, Mitglied einer Diebesbande zu sein, erregt hier großes Aufsehen. Die Verhaftete be⸗ sorgte den Verkauf italienischer Wertpapiere.
Hd. Athen, 7. Okt. Der Fürst Man rokordato telegraphirte aus Konslan tinopel, daß die Friedens verh an lungen in vollem Gange sind und n! die türkische Regierung sich äußerst ent gegenkommend zeigt. Die griechische 00 dier Kass Regierung beschloß deshalb die Eu, achnebersch lassung der Reserven bis auf 2 Klassen f welche zur Wiederbesetzung Thessallen notwendig sind.
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