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Gießen, Mittwoch, den 8. September
1897.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
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Gießen.
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Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
Kreuzplatz Nr. 4..
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 7. Sept. Nach einer Bekannt⸗ machung des Ministeriums haben für die Folge alle erweiterten Volksschulen, welche die Ziele höherer Lehranstalten verfolgen, die Be⸗ zeichnung höhere Bürgerschulen zu führen.
* Gießen, 7. Sept. Nach den Ermitte⸗ lungen der großh. Centralstelle für Landes- statistik zählte das Großherzogtum Hessen am 14. Juni 1895 insgesamt 1032 147 Ein⸗ wohner. Davon waren 694 971 Cvangelische, 305897 Katholiken, 24618 Juden und 6661
sonstige Religionsangehörige. Der Kreis Gießen zählte 76 913 Einwohner, darunter 72799 Evangelische, 2291 Katholiken, 1782
Juden, 41 Dissidenten. Die Provinz Ober- hessen zählte 273 923 Einwohner, von denen 245 688 evangelisch, 20849 katholisch, 7260 jüdisch waren, 126 gehören sonstigen Glaubens⸗ genossenschaften an. „Gießen, 7. September. Ein hessischer Handwerkertag findet am Sonntag den 19. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, im„Frankfurter Hof“ in Mainz statt. Auf der Tagesordnung steht außer der Abänderung der Bezeichnung „Verband hessischer Innungen“ in pellen Handwerkerverband“, und der Statutenberatung sowie Rechnungslegung, die Stellungnahme der Handwerker zu dem neuen Handwerkergesetze und der Errichtung von Handwerkerkammern im Großherzogtum Hessen. * Gießen,. Sept. Vom Turnunter⸗ richt in Hessen. Die Militärbehörde hatte vor einiger Zeit an das Ministerium des Innern, Abt. für Schulangelegenheiten, die Mitteilung ge⸗ macht, daß eine große Anzahl der eingestellten Rekruten in der Volksschule keinen oder mangel⸗ haften Turnunterricht erhalten hätten und 1 von den einfachsten Dingen manchmal nicht le geringste Ahnung hätten. Die Schulbehörde sah sich deshalb veranlaßt, durch die Kreisschul⸗ kommifstonen Erhebungen anstellen zu lassen, die ergaben, daß in vielen Orten während der Wintermonate überhaupt kein Turnunterricht er⸗ teilt wird. Es wurde deshalb streng angeordnet, daß die auf den Stundenplänen verzeichneten Turnstunden auch im Winter abzuhalten seien, außer bei starker Kälte, Schneefall ꝛc. Auch wird der Wunsch ausgedrückt, möglichst in jeder Ge⸗ meinde einen geschlossenen heizbaren Raum für Abhaltung des Turnunterrichts zu beschaffen. * Gießen, 7. Sept. Land wirtschaftl. Vereins wesen in Hessen. Der Prästdent des Landesausschusses der land wirtschaftlichen Vereine veröffentlicht zur Zeit in den Fach⸗ blättern die gemeinsamen Satzungen der drei landwirtschaftlichen Provinzialvereine. Wir ent⸗ nehmen daraus folgendes Neue: Alle 5 Jahre mindestens findet eine Generalversammlung der drei landwirtschaftlichen Provinzialvereine des Landes statt. Dabei soll bei der Wahl des Versammlungsortes ein ständiger Wechsel unter den Provinzen stattfinden. Außerdem soll mit der genannten Hauptversammlung eine land⸗ wirtschaftliche Landesausstellung verbunden wer⸗ den, für den der
Landwirtschaftsrat mit dem
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
reis der Auzeigen: 10 Fg. für die Bspaltige Petitzelle.
betr. Provinzialverein die Anordnungen und Be⸗ stimmungen trifft.
* Gießen, 7. Sept. Seit vorigem Sonntag befindet sich auf Oswalds Garten eine sogen. Nordpol-Ausstellung, welche sich eines außerordentlichen Zuspruchs zu erfreuen hat und auch mit Recht das ihr entgegengebrachte Inter⸗ esse verdient. Herr Kapitän Röhl bietet den Besuchern seiner Ausstellung viel des Inter⸗ essanten und Belehrenden. In verschiedenen Abteilungen veranschaulicht sie die Polargegen⸗ den mit ihrem interessanten Tierleben und ihrem eigentümlichen Menschenschlage. Besonderes In— teresse erregt eine Eskimogruppe, bei der sich Nansen als Gast eingefunden hat. Sämtliche Gestalten präsentieren sich in Lebensgröße. Nicht minder interessant ist eine Lappländergruppe. Durch gut erhaltene ausgestopfte Exemplare sind allerlei Tiergruppen vertreten, von denen wir die Walroßgruppe hervorheben. Außerordentlich zahlreich ist die Ausstellung nordischer Vögel sowie b de der Fische. Mit Staunen be⸗ trachtet der Beschauer die riesigen Dimensionen eines Walsisch⸗Skeletts. Auch die Geräte für den Walfisch⸗ und Robbenfang erregen allgemeine Aufmerksamkeit. Es würde zu weit führen, wollte man jede Abteilung erwähnen. Wir empfehlen daher unseren Lesern, sich selbst von der Reichhaltigkeit und dem Wert der Ausstel⸗ lung zu überzeugen.
* Gießen, 7. Sept. Ueber den Vogels⸗ berg wird der Frankf.„Kl. Pr.“ geschrieben: Der Vogelsberg bietet herrliche Waldungen, frische Thäler und malerische Höhen und wenn ein alter Spottvers sagt:„Das Land zu Hessen hat große Berge und nichts zu essen“, so trifft das nicht zu. Der verhältnismäßig geringe Be⸗ such aus Frankfurt scheint seinen Grund darin zu haben, daß man in einem Tage 115 05 der ungünstigen Bahnverbindungen nur wenig Zeit für di Tour hat. So muß man z. B. aus Schotten schon 5.10 Uhr nachmittags abfahren, um noch an demselben Tage nach Frankfurt zu kommen. Der letzte Zug geht aus Schotten 8.20 Uhr ab und trifft 10.25 Uhr in Gießen ein. Nach Gelnhausen kann man nicht mehr kommen. Aus Gießen geht aber der letzte Zug 9.40 Uhr ab. Es wird das wohl besser werden, wenn erst die Bahnlinien Friedberg⸗Nidda und Friedberg⸗Hungen dem Verkehr übergeben sind, was am 1. Oktober geschehen soll, und noch besser, wenn erst eine direkte Bahn von Frank⸗ furt nach Stockheim geht. Wir fuhren gestern nach Gießen und von da mit der Gießen⸗Fuldaer Linie weiter. Auf einer Station der letzteren mußte ein aussteigender Ehemann von Mit⸗ reisenden darauf aufmerksam gemacht werden, daß er seine teuere Ehehälfte vergessen habe(ö), beinahe wäre die Frau weiter gefahren. Von dem aus wenigen Häusern bestehenden Mücke wanderten wir, langsam steigend, auf fast immer guter Straße teils durch Wald, an Bächen her, durch einige hübsche Dörfer, Ilsdorf, Groß⸗ Eichen, Höckersdorf und Bobenhausen, nach dem 600 Meter hoch gelegenen Ulrichstein, wo wir gerade zur Essenszeit eintrafen. Der Ackerbau tritt in dieser Gegend noch mehr, wie in anderen
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Eine reiche Partie.
Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
„Dieses Leben, das ich hier an meinem Herzen fühle,— nein, Röschen, das kann nicht vergehen, ich kann es mir nicht vorstellen.“ Hellmu“h seufzte leise.„Und doch,— vor hundert Jahren dachten und sprachen junge Menschenkinder wohl ganz dasselbe, aber übrig ist von ihrer irdischen Er— scheinung nichts mehr.“
Röschen sah zu ihm auf.„Vor allem leben wir ja noch!“ sprach sie leise und innig. ü Nachdem er leidenschaftlich seine Lippen auf die ihren gedrückt, erwiderte er:„Und wir wollen es recht auskosten, dies süße, wonnige Leben, nicht wahr, meine liebe, meine herrliche Rose?!“
„Ha, und gut zu einander sein und uns niemals
betrüben, nicht wahr?“ ihr Versprechen durch
Und sie besiegelten erneute Küsse. „Ist nicht das Küssen ein rechter Unsinn?“ meinte nach einer Weile Röschen in leichterem Ton. „Ja, Röschen, es ist ein Unsinn. Wir wollen es abschaffen.“ Und er nahm ihren Kopf und be⸗ gann nun erst recht, ihren Mund mit leidenschaft⸗ lichen Küssen zu bedecken. 5 Doch plötzlich hielt er inne und nahm eine ruhige Haltung ein, denn er hörte einen Schritt
armung bemerkt haben. Hellmuth mochte nicht auf⸗ sehen und war sehr verwirrt.
„Haben Sie Ihren Brief schon bekommen, Herr Lieutenant?“ fragte der Wirt. i
Hellmuth fuhr auf und blickte sich „Welchen Brief?“ f
„Da hat meine Frau ihn also noch nicht her⸗ ausgeschickt? Er liegt oben auf Ihrem Zimmer.“
Hellmuth erhob sich schnell.„Lassen Sie nur, ich will ihn mir selbst holen.“ 5
Und schon wandte er sich dem Hause zu.
Doch Röschen war ebenfalls aufgestanden und ging ihm nach. f
„Nimm mich doch mit.
„Aber, Herzchen, es ist
„Das ist gleichgiltig. bleiben—“ 8
„Ich bin ja gleich wieder da—
„Aber, Liebster, so laß mich doch! Was hast Du denn nur?“ a
Der Wirt war wieder in die Gaststube ge⸗ gangen. Das junge Paar stand sich im Flur ein⸗ ander gegenüber.
„Nun ja, dann komm'.“
Röschen faßte seinen Arm, während sie mit ihm weiterschritt.„Du erwartest eine unange⸗ nehme Nachricht?“ fragte sie besorgt.
„Nein, nein!“ 5
Als sie an die Treppe kamen, ging Hellmuth
um.
Es wird kalt draußen.“ erst neun Uhr—“ Ich mag nicht allein
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* Sxypeditton: E Kreuzplatz Nr. 4.
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Teilen des Gebirges vor der Viehzucht zurück, das Klima ist da oben trotz der vielen und hef—⸗ tigen Stürme, die die Wipfel der Bäume krumm biegen, gesund,„in den Gärten wachsen Bohnen und andere Pflanzen, selbst ein großer Nußbaum findet sich in dieser Höhe, doch reift die Frucht nur sehr selten“, so sagt Buchners Führer durch den Vogelsberg, der in Verbindung mit seinen trefflichen Karten uns recht gute Dienste geleistet hat. Von der Burg, die früher auf dem Schloß⸗ berge stand, sind nur noch wenige Reste da. Man hat von dort oben eine angenehme Aussicht: Dünsberg, Inselsberg, Wetterau, Feldberg, Alt⸗ könig, Rhön; an besonders klaren Tagen soll man auch Melibokus und Donnersberg sehen. Ein steiniger Weg führt am Schloßberg herunter nach der Schmiedmühle, dann geht's mäßig steigend nach Feldkrücken und dann steiler auf die Feldkrücker Höhe mit ebenfalls schöner Aus⸗ sicht, nun immer bergab nach Schotten. Starke Krümmungen der Staatsstraße, die viele hübsche Ausichtspunkte bietet, können durch Zustreckwege abgeschnitten werden. In der geschützt gelegenen Kreisstadt Schotten ist die Stadtkirche bemerkens⸗ wert. Der Vogelsberger Höhenklub sorgt für Anbringen von Wegtafeln, Bänken, Anlegung von Verbindungswegen und Wegemarkierung. Verschiedene anscheinend neu hergestellte Farb⸗ zeichen fanden wir schon zerstört; die Zerstörer sollten doch daran denken, daß ihr Beginnen den Besuch des Vogelsberges durchaus nicht fördern kann. Der Höhenklub sollte, wie es im Taunus z. B. und auch in anderen Gebirgen der Fall ist, in den Hauptorten Orientierungstafeln über die Wegemarkierungen anbringen; wir haben wenigstens keine gesehen. Die Heimfahrt von Gießen aus war wenig angenehm. Mit 20 Minuten oder etwas mehr Verspätung ging es von Gießen ab und 57 Minuten zu spät trafen wir in Frankfurt ein. An Tagen, wie dem gestrigen, wo auch viel Militär fährt, sollte die Bahnverwaltung doch besser bei der Hand sein. — So der Bericht. Auch wir sind der Ueber⸗ zeugung, daß der Vogelsberg weit mehr von Touristen besucht würde, wenn bessere Bahn— verbindungen vorhanden wären.
m. Alten⸗Buseck, 7. Sept. Die Wasser⸗ leitungsarbeiten sind der Hauptsache nach beendet. Die sogenannten Ventilbrunnen sind der Bedürfnisfrage entsprechend aufgestellt. Einzelne Einwohner im unteren Teile des Dorfes, wo das Wasser besonders starken Druck hat, lassen sich Leitungsanlagen in ihren Häusern ein⸗ richten. Soweit dürfte unser Ort der einzige in hiesiger Umgegend sein, der die Wohlthat einer der Neuzeit eutsprechenden Wasserleitung genießt. Die Qualität des Wassers ist als eine ganz vor⸗ zügliche zu bezeichnen.
k. Reiskirchen, 7. Sept. Durch die Auf⸗ merksamkeit des Maschinenführers auf dem um 12¾ Uhr hier einlaufenden Personenzug, ist gestern eine Bauersfrau von dem Tode gerettet worden. Der Zug brauste heran, als kurz vor der Haltestelle die Frau den Uebergang passferte. Der Maschinenführer gab sofort Gegendampf, wodurch ein Unglück verhütet wurde.
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Die Frau, welche das Weite suchte, wurde von der Gendarmerie verfolgt.
n. Grünberg, 6. Sept. Gestern Abend ver⸗ anstaltete der Klub„Gemütlichkeit“ im Gasthaus„Zum Rappen“ zu Ehren seiner scheidenden Mitglieder einen Abschiedsball, der recht gut besucht war und auf die schönste Weise verlief. Bis zum frühen Morgen hielten die Teilnehmer aus.
* Darmstadt, 5. September. Der Ver⸗ band deutscher Krankenpflegeanstalten vom Roten Kreuz, dessen diesjährige Jahresversammlung am 1. Oktober in Darm⸗ stadt stattfindet, wird von ungefähr zwanzig Krankenpflegeanstalten gebildet, in denen, wie im Alice-Hospital dahier, Schwestern vom Roten Kreuz ausgebildet werden. Seine erste Jahres⸗ versammlung hielt der Verband in Berlin, seine zweite im vorigen Jahr in Hannover.
* Aus Rheinhessen, 6. September. Der Ausschuß des landwirtschaftlichen Vereins hat im Interesse der Schweinezucht für die Pro- vinz Rheinhessen beschlossen, in diesem Jahre eine Anzahl Eber, Zuchtschweine und Ferkeln Meißener Rasse auf seine Kosten einzuführen und die Tiere unter den Mitgliedern des Vereins zur Verteilung zu bringen; ferner hat der Aus⸗ schuß beschlossen, die nächstjährige Ausstellung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Dresden mit Simmenthaler⸗, Glan⸗ und Donnersberger Vieh und mit Ziegen zu beschicken. Auch hier übernimmt der Verein fast sämtliche Kosten, die durch die Beschickung der Ausstellung veranlaßt werden. Eine Vorschau entscheidet über die zur Ausstellung zu sendenden Tiere.
* Mainz, 6. Sept. Vor der Ferienstraf⸗ kammer stand heute der 30 jährige Taglöhner Konrad Zimmermann aus Mainz unter der An⸗ klage, den deutschen Kaiser beleidigt und unsittliche Bilder verkauft zu haben. Er wurde für schuldig erkannt und zu 4 Monaten 1 Woche Gefängnis verurteilt.
* Mainz, 5. Sept. Gestern Nachmittag wurde durch die Polizei ein bis jetzt noch un⸗ bekannter Schwindler verhaftet, der sich für den Prior eines Cistercienserklosters in Holland ausgiebt. Er suchte sich bei Geistlichen und Laien unter allerhand Vorspiegelungen Gelder zu erschwindeln. Der Verhaftete spricht englisch, französisch und deutsch, versteht aber— als Prior eines Klosters— kein Wort lateinisch. Bei seiner Visitation wurde ein kleiner Druck⸗ apparat bei ihm gefunden; mit diesem hatte er seine gefälschten Papiere hergestellt.
* Bingen, 6. Sept. Ein merkwürdiger Selbstmordkandidat traf gestern früh auf einem Niederländer Boot mit einer von Mann⸗ heim kommenden Vergnügungsgesellschaft hier ein. Kaum gelandet, sprang er Lebensmüde in den Rhein und suchte sich zu ertränken. Sein Vorhaben gelang ihm jedoch nicht, denn er wurde bald aus den Fluten gezogen. Indessen schien das kalte Bad seine Wirkung verfehlt zu haben; der vermutlich Angetrunkene machte noch ver⸗ schiedene Male den Versuch, sich in den Strom zu stürzen, bis man ihn schließlich in den unteren Schiffsräumen internierte und streng bewachte.
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wobei mehrere Streichhölzer ihm entzwei brachen, und ergriff dann den Brief, den er hastig eröffnete und las.
Röschen war an der Thür stehen geblieben, ihn beobachtend.
Nun ließ er die Hände mit dem Brief sinken, wobei ein langer Atemzug sich seiner Brust entrang.
Dann hob er den Blick zu seiner Frau. Jetzt fiel ihm erst ein, wie auffallend er gehandelt hatte. Schon als der Wirt ihn in der Umarmung mit Röschen überrascht hatte, war er verwirrt gewesen, und nun dazu diese plötzliche Mitteilung, daß ein Brief da sei— zu einer Stunde, wo er nicht mehr darauf rechnen konnte— schließlich die Unmöglich— keit, die Ankunft des Briefes vor seiner Frau zu verbergen,— das alles hatte ihn seiner Fassung völlig beraubt. Nun blickte er sie an und wußte nicht, was er sagen sollte.
Sie sprach zuerst.„Ich will nichts wissen“, sagte sie ernst.„Nur sage mir, ob dies die Nach⸗ richt war, die Du, wie ich merkte, seit einigen Tagen erwartet hast?“
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„Und sie war unangenehm?“
„Nein, angenehm.“
Röschen lächelte und trat näher.
„Du sagst das mit solcher sauren Miene Sie blieb vor ihm stehen und sah ihn mit seit⸗ wärts geneigtem Kopf schelmisch lächelnd an. „Brauchst Du den Brief noch?“ fragte sie dann.
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gegen seine Gewohnheit als der erste hinauf. Auch
auf dem Flur. Er mußte diese stürmische Um⸗
in das Zimmer trat er zuerst, zündete ein Licht an,
„N— nein— aber ich kann ihn nicht aus
der Hand geben, liebes Kind, das geht nun einmal nicht, und ich kann Dir auch die Gründe nicht sagen—“
„Will ich ja auch garnicht wissen. Aber da Du den Brief nicht mehr brauchst, könntest Du ihn doch verbrennen, damit das unglückliche Ding aus der Welt ist und Du keine Besorgnis mehr zu haben brauchst, ich könnte ihn doch noch zu Gesicht bekommen—— Hier sind Streichhölzer.“
Mechanisch griff Hellmuth nach den Streich— hölzern, ging nach dem eisernen Ofen und ver⸗ brannte den Brief.
Und dann? Er fühlte sich so beschämt, so ge— schlagen. Er trat ans Fenster, setzte sich auf einen Stuhl und stützte den Kopf in die Hand.
Röschen setzte sich neben ihn und lehnte sich an ihn.
Da umfaßte er sie stürmisch und rief:„Ich war ein Thor, daß ich den Brief verbrannte, daß ich ihn Dir nicht zeigte! Du beschämst mich so durch Dein Vertrauen! Nun sollst Du aber auch gleich wissen—“
Röschen legte die Hand auf Hellmuths Mund. „Stillgeschwiegen, verstehst Du? Was wäre mein Vertrauen denn wert, wenn es gleich auf diese Weise belohnt würde!“ Und ihre Wange an die seine schmiegend, fuhr sie mit Hingebung fort:„Es macht mich so glücklich, Dir zu zeigen, daß mein Vertrauen zu Dir grenzenlos ist, Liebster!“
(FNortsetzung selat.)


