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Gießen, Sonvabend, den 8. Mai
Lokales und Provinzielles.
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falles der Nachkontrolle von außerhalb
Poflztg. Nr. 3319. s Possztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112. Telephon⸗Nr. 112. Medaktion:. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.* Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
* Gießen, 7. Mai. Ein seltenes Jubiläum begeht heute ein Eisenbahnbeamter 5 3 mit der Feier seines Geburtstages. Seit 25 Jahren raucht der Betreffende ein und dieselbe Tabaksorte, Leichter⸗Kanaster Nr. 0, von Georg Heinrich Schirmer und seit ebenso langer Zeit kauft er das edle Kraut bei der Firma L. Kohlermann II in der Neustadt. Die Firma Schirmer ließ den heutigen Tag nicht vorüber⸗ 1080 und dedizierte dem treuen Kunden ein iesenpacket der von ihm so hoch geschätzten Sorte Tabak. Wenn der selige Kapellmeister der Sänger des Gießener Tabakliedes, das erlebt hätte, er hätte wohl mit poppelter Begeisterung heute Abend dieses Lied ungestimmt.
Gießen, ꝙ Mai.(Sonntagsfahr⸗ harten.) Auf Antrag der Großh. Han— delskammer Gießen vom 16. v. Mts ist von der Königl. Eisenbahndirektion Frank—
16. Mai cr. Sonntags-Rückfahrkarten pon Gießen nach Braunfels, Wetzlar,
asse zu den einfachen Personenzugpreisen und unter den für die übrigen Sountagskarten be— tchenden Bestimmungen und Beschränkungen zur Verausgabung kommen.
Gießen, 7. Mai. Fest⸗ Programm umläßlich der am 30. Mai d. J. mit großen riternationalen Radwettfahrten zu eröffnenden sieuen Cement⸗Rennbahn an der Hardt. Sams⸗ fa den 29. Mai, Abends 8 Uhr, großer sFestcommers in Steins⸗Saalbau. Sonntag, den 30. Mai, Vormittags 6¼ Uhr, Tag⸗ tebeille, 8 Uhr Empfang der auswärtigen Sports⸗ jameraden an der Bahn, 9 Uhr pünktliche Ver⸗ scetersitzung im Hotel ⸗Restaurant Kaiserhof, 11 Uhr Bannerweihe der Wanderer G. R.⸗G. in Steins Saalbau, 11½ Uhr Frühschoppen⸗
teins Saalbau. Nachmittags 2½ Uhr, Corso⸗Auffahrt zum Sportplatz mit Preiscorso der Jundesvereine des Nordbezirks Gau IX, Ehren⸗ hreise im Werthe von 80, 40 und 20% und 3 Diplome. Um 3½ Uhr pünklich, Beginn der Wettfahrten. Abends 8 Uhr Kunstfahren, Preis⸗ bertheilung und großer Fest⸗Ball in Steins Saalbau.— Montag, den 31. Mai, Vor⸗ mittags 11 Uhr, Frühschoppen mit Musik im Restaurant Busch. Sonntag und Mon⸗ tag Nachmittags 3 Uhr: Großes Volksfest auf der Hardt⸗Terrasse. Musik der Kapelle des Inf-Reg. „Kaiser Wilhelm“(2. Großh. Hess.) Nr. 116.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Pelstzeile.
fragl. Rindsmetzger eingeführte Fleisch angehalten und Herr Professor Dr. Winkler amtlich zur Nachunter⸗ suchung polizeilich gerufen, da nur der Kreistierarzt und nicht der Schlachthofstierarzt als kompetente Be⸗ hörde laut der Fleischbeschau-Bestimmung über bereits untersuchtes Fleisch ein Endgutachten abzugeben hat. Das Gutachten des Schlachthofstierarztes war rein per⸗ sönlicher Natur und hatte demgemäß auch gar keinen Einfluß auf die Freigabe oder Verwerfung des Fleisches. Ebenso ist die Diskussion zwischen dem Schlachthaus⸗ verwalter und dem betr. Rindsmetzger bezüglich einer event. Verwertung des beanstandeten Fleisches auf der Freibank(die nur durch den Kreistierzt er- folgen konnte), rein problematischer Natur. Also die Schlachthausverwaltung und die Sanitäts⸗ polizei sind von einander vollständig unabhängige Ver⸗ waltungszweige; infolgedessen konnte auch der Schlacht— hausverwalter in Sachen der Fleischbeschau keine Aufsicht ausführen, sondern erhielt lediglich den Auf⸗ trag, das Kreisveterinäramt durch die Polizei zu requirieren, welchem Auftrag er nachgekommen ist.“ Das Publikum kann angesichts des vor— liegenden Falles mit Recht verlangen, daß nicht allein das von den vereinigten Rindsmetzgern eingeführte Fleisch einer Nachkontrolle unterzogen wird, sondern daß eine derartige Einrichtung allgemeinen Charakters Platz greift. In erster Linie wäre es Aufgabe der Fleischerinnung, der
angeregten Frage näher zu treten. Die Red. Großzen⸗Buseck, 6. Mai. Die Gesell⸗ schaft„Heiterkeit“, die sich vor einigen
Jahren aufgelöst hatte, ist am vorigen Sonntag von einer Anzahl junger Leute im Lokale des Gastwirts Brück wieder ins Leben gerufen worden.
* Grünberg, 7. Mai. Der erst kürzlich hier ins Leben getretene Verschönerungs⸗ verein, der jetzt etwa 100 Mitglieder zählt, hat schon eine rege Thätigkeit entfaltet. Zu⸗ nächst wurde der auf der Ostseite der Stadt am Rande des reizenden Brunnenthals sich hin⸗ ziehende Weg wieder in ordnungsmäßigen Zu⸗ stand gebracht und mit Kleinschlag(Abfall aus den Londorfer Basaltwerken) überdeckt. Außer⸗ dem wurde das an der Brunnenpforte befindliche Aussichtshäuschen neu hergerichtet, und an ver⸗ schiedenen hierzu geeigneten Plätzen der Um⸗ gebung der Stadt Ruhebänke aufgestellt. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die hiesige Sektion des Vogelsberger Höhenklubs einen ziemlich er⸗ heblichen Betrag zu ähnlichen Zwecken zu ver⸗ wenden.„D ts,
* Bad⸗Nauheim, 6. Mai. Auf Antrag des hiesigen„Radfahrerklubs 1892“ wurde auf dem am Sonntag abgehaltenen Gautag des Gau IX des Deutschen Radfahrerbundes be— schlossen, dieses Jahr den Herbstgautag hier
* Gießen, 7. Mai. Betreffs eines Spezial⸗
eingeführten Fleisches im hiesigen Schlacht⸗ hause, der in Nr. 104 unserer Zeitung besprochen und dem in der folgenden Nummer eine Berich⸗ tigung aus dem Leserkreise folgte, geht uns nun⸗ mehr heute die nachstehende amtliche Richtig— sellung zu:
„Auf Grund eines privaten Gutachtens des Herrn Dr. Liebe wurde das Kreis⸗Veterinäramt zur amtlichen Nachuntersuchung angerufen. Das Resultat dieser Untersuchung ging dahin, daß das Fleisch ver⸗ dorben und ekelerregend sei, zufolge dessen das⸗ selbe auf den Wasen verwiesen wurde.— Infolge eines Privat⸗Uebereinkommens der Rindsmetzger mit der Fleischbeschau, alles von außerhalb eingeführte Fleisch, gleichviel, ob untersucht oder nicht, hierorts
abzuhalten.— Eine hier im hohen Lebensalter verstorbene Rentnerin, Witwe Steeg, hat der Stadt Nauheim 600, dem städtischen Hospital 500. und der evangelischen Kirche 300. letztwillig zugewendet.
* Mainz, 7. Mai. Das städtische Ar⸗ beitsamt ist gestern dem öffentlichen Verkehr übergeben worden.
* Mainz, 6. Mai. Auf eine Eingabe verschiedener hier provisorisch angestellter Lehrer um definitive Anstellung hat die städtische Ver⸗ waltung beschlossen, in Zukunft sämtliche defini⸗ tiv zu besetzenden Lehrerstellen nach den Bestim⸗ mungen des hessischen Schulgesetzes zur Konkurrenz auszuschreiben.
Kreuzplatz Nr. 4.
Vermischtes. — Patriarchalisches Verhältnis. Wie das „patriarchalische Verhältnis“ auf dem Lande oft in der
Praxis aussieht, dafür liefert der„Niederschl. Anz.“ einen Beitrag. Der Rittergutsbesitzer John beschäftigt auf seinem Dominium in Leschkowitz polnische Arbeiter aus Rußland. In einer der vergangenen Wochen hatte er den Leuten nur den sechsten Teil des Lohnes ausgezahlt und behielt den übrigen Teil als Kaution zurück. Das wollten sich die Leute nicht gefallen lassen, doch kam es zwischen den Parteien zu einer Einigung. Nun hatte ein zu den polnischen Arbeitern gehöriges Mädchen den Ort verlassen, um sich nach einer anderen Arbeitsgelegenheit umzusehen. Es kehrte am Charfreitag gegen Abend zurück, teilte den Arbeitsgenossen mit, daß es eine neue Arbeits⸗ gelegenheit habe, und forderte sie duf, Leschkowitz zu ver⸗ lassen und mit ihr zu gehen. Ein Arbeiter teilte dies Herrn John mit, und dieser begab sich nun in Begleitung seines Inspektors Rindfleisch, seines Schafmeisters und eines großen Hundes nachts 11 Uhr nach dem Gemeinde⸗ haus, wo das Mädchen Unterkunft gefunden hatte. Es wurde vom Schafmeister ergriffen und nach dem Domi⸗ nium geschleppt; Herr John und der Inspektor folgten. Dort schlug der Gutsherr mit einem starken Rohrstock solange auf das Mädchen ein, bis dieser zer⸗
brach. Augenzeugen bekunden, daß das Mädchen grün ließ
und blau geschlagen worden war. Hierauf Herr John das Mädchen in einen unter dem Speicher befindlichen, weder der Luft noch dem Lichte zugänglichen Keller sperren, worin außerdem noch Wasser stand. Hier mußte das Mädchen die Nacht zubringen. Am Samstag vor dem Osterfest verreiste Herr John; vorher befahl er noch dem Schafmeister, das Mädchen in einen anderen Keller zu sperren, der sich unter der Stallung befand und der etwas wärmer war. In diesem Keller. dessen Fenster vernagelt wurde, ist das Mädchen vier Tage und vier Nächte gefangen gehalten worden. Seit dieser Zeit ist das Mädchen spurlos verschwunden und Niemand weiß, wohin es sich begeben hat oder was sonst mit ihm vorgegangen ist. Die zuständige Be⸗ hörde soll der Angelegenheit bereits ihre Aufmerksamkeit zuwenden.
Eine Radfahrer⸗Abteilung im 11. Armeekorps. Bei den diesjährigen größeren Truppen⸗ übungen soll das Fahrrad einem erweiterten Versuch be⸗ züglich seiner Verwendbarkeit bei einem größeren Kavallerie⸗ körper unterworfen werden. Zu diesem Zwecke wird bei der Kavalleriedivision des 11. Armeekorps eine besondere Radfahrerabteilung aufgestellt werden, die von dem Pionier⸗Detachement dieser Division in der Stärke vou einem Offizier und 60 Mann dargestellt wird. Dieses Pionier⸗Detachement ist die nach der„Ordle de Bataille“ zu jeder Kavallerie⸗Division gehörige einzige Fußtruppe, die mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, um der Kavallerie überallhin und mit gleicher Schnellig⸗ keit folgen zu können. Wenn auch im Frieden das Fort⸗ schaffen auf Wagen sich ohne weiteres ausführen läßt, so wird dies im Kriege nur in den seltesten Fällen sich er⸗ möglichen lassen; reitende Pioniere zu schaffen, ist aber bei der Kürze der Dienstzeit ausgeschlossen, und so steht zu erwarten, daß das Fahrrad in dieser Beziehung die notwendige Abhilfe gewähren wird. Leider ist das im Gebrauch befindliche Militärfährrad noch viel zu schwer, und wenn man auch nicht gleich zum leichtesten Sport⸗ rade überzugehen braucht, so könnte doch, so schreibt die „Straßburger Post“, die Bauart des Kriegsfahrrades et⸗ was erleichtert und namentlich auch die Luftgummireifen eingeführt werden, wie ihn die Franzosen ebenfalls an ihren Fahrrädern haben. Der weitere Schritt zur Ein⸗ führung des Faltrades, das sich bei den vorjährigen Manövern des zweiten französischen Armeekorps bestens bewährt hat, ist dann nur klein.
— Ein neues Fahrrad wird soeben von einer Berliner Fabrik auf den Markt gebracht, welches mit zwei verschiedenen Uebersetzungen gefahren werden kann. Durch eine einfache Kurbelbewegung kann man die große Ueber⸗ setzung, die bekanntlich auf ebener Bahn von Vorteil ist,
in eine kleine Uebersetzung, in hügelartigem Terrain um⸗
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wandeln. Der Erfinder hat elf Jahre an der Idee ge⸗ arbeitet und sein Patent für 120000& veräußert.
— Der entdeckte Tenor. Lange Zeit ging an einem der letzten Tage der in Breslau bekannte und als Beschützer der Künste geschätzte schlesische Magnat X. vor dem dortigen Monopolhotel auf und ab und lauschte ganz verzückt dem Gesange, der aus dem Fenster des
Hauses erscholl.„Eine herrliche Tenorstimme!“ sprach er vor sich hin.„So etwas giebt es kaum noch einmal! Da ist etwas zu entdecken!“ Das Selbstgespräch endete
damit, daß der Magnat in die Portierloge trat, mit allen Anzeichen fieberhafter Erregung.„Sagen Sie mir,“ rief er,„wer singt da so herrlich? Diese Stimme muß der Bühne gewonnen werden, was der Mann auch sein mag. Melden Sie mich sofort, ich will ihn fördern und unter⸗
stützen. Das ist ja ein Fund ersten Ranges. Wie heißt er denn eigentlich?“ Der Portier antwortete:
„Emil Götze
— Eine Lokomotivfahrt ohne Führer. Ein eigenartiger Unglücksfall hat sich dieser Tage auf der süd⸗nord⸗deutschen Verbindungsbahn Seidenberg⸗Reichen⸗ berg⸗Turnau ereignet. Man schreibt darüber: Bei einem Abends gegen 7 Uhr von Reichenberg abgegangenen Güterzuge riß plötzlich die Verbindung zwischen Lokomotive und Tender. Infolge des plötzlichen heftigen Rucks wurde der Lokomotivführer und der Heizer von der Loko⸗ motive hinabgeschleudert, wobei ersterer überfahren und getödtet, Letzterer sehr schwer verletzt wurde. Die von dem schweren Lastzug befreite Lokomotive raste nun führerlos mit geradezu unheimlicher Geschwindigkeit weiter, durchfuhr die Station Langenbruck mit Windeseile und prallte dann in der Nähe von der Station Reichenau auf einen entgegenkommenden Güterzug. Beide Maschinen wurden stark beschädigt, weitere Menschenleben sind jedoch glücklicherweise nicht zu beklagen. Der losgerissene Güter⸗ zug konnte trotz des starken Gefälles von den Bremsern zum Stehen gebracht werden, so daß weiteres Unglück ver⸗ mieden wurde.
— Die Barrisons. Gegen Lona Barrison hat die Direktion des Hamburger„Hansa-Theaters“ wegen Hausfriedenbruchs Strafanzeige erstattet. Die Veran⸗ lassung dazu bot eine Skandalszene bei Gelegenheit eines Besuchs, den die vielgenannte in Begleitung ihres Gatten dem erwähnten Theater abstattete. Aus unbedeutender Ursache kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen der Sängerin und dem Sekretär des Etablissements, der damit endete, daß Lona Barrison, da sie das Lokal nicht gut⸗ willig verlassen wollte, mit polizeilicher Hilfe aus dem⸗ selben entfernt wurde. Sie hat ihrerseits gegen den Sekretär die Ehrenbeleidigungsklage eingereicht und gegen das Theater auf Rückerstattung des Eintrittsgeldes geklagt. 5
— Das Corset der Radfahrerinnen. Das Radfahren der Damen hat uns die Freiheit gegeben, von Dingen ungeniert sprechen zu dürfen, die man früher nicht nennen durfte ohne ein prüdes und zurückweisendes shoking als Echo zu wecken. Eine Dame fragen, ob sie lieber Rock oder Hose trage?— Shoking!— Und gar von Corset sprechen?— Shoking!— Nun, dank der„Königin Bichelette“ ist dieser Bann gebrochen und man darf— für Sportgenossinnen wenigstens— ohne Angst auch eine delikatere Toilettefrage diskutieren, eine Frage, die viel wichtiger ist, als jene, ob Rock oder Hose. Hygiene und Medizin haben die betreffende Diskussion längst geschlossen; das Urteil laut im Allgemeinen:„Fort mit dem Corset!“ Es ist wohl unnötig, hier noch einmal die so ausführlichen und wohlerwogenen Gründe des medi⸗ zinischen Schuldspruchs gegen das Corset zu wiederholen. Es nützt nämlich nichts: im Allgemeinen wollen die Damen dieses Toilettenstück nicht aufgeben. Aber die Hygiene fügt noch ein ganz spezielles Verdauungsurteil
hinzu:„Fort mit dem Corsett beim„Radfahren!“ Wer hat da wohl das kompetenteste Urteil? Wohl eine
Dame, die Medizin studiert hat. Frau Med. Dr. Gaches⸗ Sarrante hat nun eine ganze Studie über das Korset der Radfahrerinnen geschrieben, in welcher sie auf Grund anatomischer und physiologischer Erwägungen zu dem Schlusse kommt, die Sportgenossinnen sollten das jetzige Thoraxkorset(das vornehmlich den Brustkorb einschließende
noch einmal nachuntersuchen zu lassen, wurde das vom
Fata Morgana. Novelle von H. René. (Nachdruck verboten).
(Schluß.) Hatte die alte Frau Trost und Erbauung für pre einsamen Stunden sich dort geholt? Sollte man es versuchen gleich ihr? Doch nein, jene hatte anges, reiches Leben hinter, ein beschauliches Alter zor sich. Mit den alten, abgerissenen Büchern in en zitternden Händen dankte sie wohl dem lieben Bott für genossenes Glück, betete um neues für einder und Enkel. Wofür sollte sie danken, um was bitten? Düster faltete sich ihre Stirn, und nun trat wischen den Augen dieser unheilvolle Zug, der Valter an jenem sonnigen Frühlingsmorgen so be— rürzt gemacht, mit erschreckender Deutlichkeit bervor. Viele Thränen, früher Tod“, sagte man in den Spinnstuben. Draußen spannte sich ein wolkenumhangener Derbstbimmel trübe aus, welke Blätter fielen von en verkümmerten Ahornbäumen, die ihr Fenster
—
unruhigen Herzen, mit den bittersüßen Erinnerungen, die sich nicht bannen ließen, vielleicht noch ein ganzes, langes Menschenleben hindurch das ein⸗ tönige Dasein einer müden Greisin führen. Mußte sie das? Brauchte man sie auf der Welt? War sie zu irgend eines Menschen Glückseligkeit notwendig?
Sie schüttelte den Kopf, fieberhaft erregt be— gann sie hin und her zu gehen, doch das Zimmer war so klein, bald setzten die engen Wände ihrer Wanderung ein Ziel.
Nun stand sie wieder am Fenster. Hielt vor dem Gesindehaus nicht ein Wagen? Soldiner Pferde, Soldiner Livreen. Und der junge, blonde Mann, der hinaussprang und in das Haus ging? Für die Leute war er der Doktor, der gekommen, als Gutsarzt den Totenschein auszustellen, für sie selbst das Verhängnis, das in ihr Leben getreten.
Ihre Kniee wankten, vor den Augen dunkelte es ihr, aber mit kalten, bebenden Händen hielt sie sich am Fensterbrett fest. Noch einmal mußte sie ihn sehen. Die Zeit schien ihm knapp. Nach wenig
werdunkelten, und wurden von den spielenden, halb—
vackten Kindern in den Staub des Hofes getreten.
Minuten wieder trat er schon heraus. Würde sein Blick ihr Fenster streifen, er sich
Und so unthätig sollte sie weiterleben, mit ihrem
jener Stunde erinnern, wo er hier neben ihr ge— standen, zum ersten Mal ihr tief in die Augen geschaut?
Nun sprach er mit dem armen August flüchtig, einige geschäftlichen Worte schienen es nur zu sein, dann winkte er dem Kutscher, und fort ging es.
Therese stand wieder aufrecht.„Wie er zurück⸗ eilte in sein neues, blankes Heim“, murmelte sie mit blassen Lippen,„wo diejenige ihn erwartet, der er ein Recht gegeben, ihm nahe zu sein für immer. So lange ich glaubte, daß sein Herz wirklich ein⸗ mal für mich geschlagen, versuchte ich weiter zu leben. Doch heute, heute, wie sich die Gedanken mir verwirren! Was liegt ihm, was der ganzen Welt daran, ob das Witwenhaus in Neuhof leer steht!“
Am folgenden Morgen fand man die Baronin tot in ihrem Bette. Ein Gehirnschlag glaubte man anfänglich, doch bald entdeckte man neben ihr eine leere Morphiumpulverschachtel und einen Brief, den man dem ahnungslosen Doktor Borrmann auf den Frühstückstisch legte. Sie schrieb:
„Du Lieber, Bester, der Du alles ent— schuldigst, weil Du alles verstehst, Du wirst
auch Deiner Therese verzeihen, wenn sie eine
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Last abwirft, die für ihre Schultern zu schwer geworden; diese Last war das Leben!
In der Wüste, die ich mit brennenden Füßen und wunder Seele durchwandern mußte, glaubte ich plötzlich ein grünes Raseneiland voll rieselnder Quellen und blühender Bäume zu erblicken; es war ein Trugbild, wie es oft den verschmachtenden Wanderer narrt. Ei'ne Fata Morgana, die schon Manchen in den Tod gelockt.
Die Fenster in Neuhof zeigen alle dieselbe Richtung, jene Richtung, wo er mit seinem jungen Weibe wohnt. Würdest Du wüns chen, daß ich meine Selbstqual verlängerte, indem ich täglich mit brechendem Herzen mir so ein Glück ausmalte? Schufterle liegt winselnd zu meinen Füßen. Es ist, als ob er ahne, wo⸗ hin ich gehe. Willst Du Fürbitte für ihn ein⸗ legen bei Tante Minchen? Bis zum letzten Augenblick hielt er ja bei mir aus. Vergiß mich. Mein nutzloses, freudenleeres Dasein sei auch in Deiner Erinnerung ausgelöscht. Liebe und Glück war mir versagt, nun schmachte ich nach Vergessen, und dieses liegt
in meiner Macht mir zu geben.“


