Ausgabe 
8.1.1897
 
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Posiztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.

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Gießen.

Vostztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Auzeigen: 10 Pfa. für die Zspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1895/96. IV. Städtische Unterrichtsanstalten.

In der vom Kaufmännischen Verein gegründeten und betriebenen Kaufmännischen Fachschule mit Lehr⸗ lingsheim wurden im Sommerkurs 45 Schüler im Schön⸗ und Rechtschreiben, im Winterkurs 115(darunter 55 Fortbildungsschulpflichtige) Schüler in 3 Klassen in Buch⸗ führung, Wechsellehre, Korrespondenz und Rechnen und in 2 Klassen in Französisch und Englisch unterrichtet; das Lehrlingsheim war abends und am Sonntag Nachmittag von durchschnittlich 16 jungen Leuten besucht. In An⸗ erkennung des Bedürfnisses und der Erfolge dieser Fach⸗ schule hat die Stadtverordneten⸗Versammlung zunächst den jährlichen städtischen Zuschuß zu derselben von 800, auf 1000& erhöht und weiterhin dem Kaufmännischen Verein zum Bau einer kaufmännischen Fachschule einen Bauplatz in der Nordanlage unter Bedingungen zur Ver⸗ fügung gestellt, welche inzwischen erfüllt die Schaffung eines eigenen Heims für den Verein und seine Schule in sichere Aussicht stellt.

Die erweiterte Handwerkerschule(Tagschule) haben besucht:

im Sommer 1895 20 Schüler gegen 32

im Winter 1895/96 88 77 80

die Sonntagszeichenschule im Sommer 1895:

i. Vorjahr;

Winter 1895/96:

a. Linearzeichnen 51 41 b. Projektionslehre 26 20 c. Fachzeichnen für Bauhand⸗ FFFCCFTT 11 25 d. desgleichen für Schreiner, Schlosser ꝛc. 33 26 e. Maschinenzeichnen. 27 21 1. Ornamentzeichnen 38 30 insgesamt 196 163 Schüler gegen 195 162

im Vorjahr. In der Aliceschule für Frauen⸗Bildung und Erwerb haben an den einzelnen Lehrgegenständen bezw. Unterrichts⸗ kursen teilgenommen: 1895/96 gegen 1894/95: Weißzeugnähen 42 1 52

Sticken 24 7 21 Kleidernähen 27 5 25 Da 17 5 15 Lehrerinnenku s. 9 2 7 Kochkurs 29 38

An dem unter Leitung des Herrn Pfarrer Dr. Grein stehenden Feierabend für Lehrlinge haben im Winter 1895/96 in den Abendstunden von 6-10 Uhr im ganzen 158 Lehrlinge teilgenommen; der stärkste Besuch an einem Abend betrug 103, der schwächste 41 Lehrlinge, im Durchschnitt kamen auf einen Abend 63 Besucher. Die Bibliothek wurde fleißig benutzt.

Die Zahl der in der Kleinkinder schule auf⸗ genommenen Kinder im Alter von6 Jahren hat betragen:

im Sommer 1895 Winter 1895/96

210 Kinder 286 5

Armenpflege. Den Vorsitz in der Armendeputation führt Beigeord⸗

neter Wolff. Der Zuschuß der Stadtkasse zur Armen⸗

kasse hat 37 064, 82 betragen, blieb somit um 6935 18 F unter dem Voranschlag.

Die mit dem städtischen Hospital verbundene Plocksche Stiftung hatte im ganzen 11 Pfründner mit zusammen 3850 Verpflegungstagen gegen einen täglichen Pfleg⸗ geldsatz von 1, 20, im Hospital und vom 1. Januar 1896 ab von 1 4 90 im eigentlichen Siechenhaus untergebracht.

Die Rechnung der Stiftung für 1895/96 schließt ab:

in Einnahme mit 8 95 803 A4 68 in Ausgabe mit also mit einem Ueberschuß von Ne e

Das verzinsliche Kapitalvermögen der Stiftung ist mit 113 510., auf seinem vorjährigen Stand verblieben.

Eine wertvolle Unterstützung in der Armen- und Krankenpflege hat die städtische Verwaltung auch in diesem Jahre wiederum seitens unserer Wohlthätigkeits-Vereine erfahren.

Der Allgemeine Verein für Armen⸗- und Krankenpflege hat in der Armenpflege 184 Personen in 677 Fällen mit zusammen 4532/ 27 J unterstützt. In der Krankenpflege des Vereins waren 6 Schwestern thätig, die in 577 Familien zusammen 505 Nachtwachen, 269 ganze Tagespflegen und 20 496 Pflegbesuche(d. h. Besuche bis zur Dauer eines halben Tages) leisteten. Sodann wurde mit einem Zuschuß von 300/ aus der Armenkasse 24 Kindern eine Sommer- und 8 Kindern eine Winterkur im Elisabethenhause zu Bad Nauheim gewährt.

Die Krippe hat im Laufe des Jahres 34 Kinder mit zusammen 4425 Pflegetagen aufgenommen.

Das Mietspatronat des Vereins in zwei eigenen, und zwei von der Stadt gemieteten Häusern hat eine weitere Ausdehnung erfahren durch den Erwerb des ehemaligen Friebelschen Hauses, Kornblumengasse Nr. 6.

Die Nähabende wurden vermehrt und in 4 Abteilungen abgehalten: 2 im Schwesternhaus für Frauen, 2 im alten Rathaus, wovon 1 für Schulkinder und 1 für er⸗ wachsene Mädchen.

Der Verein für Krankenpflege hat im Jahre 1895/96 8 Schwestern beschäftigt und für deren Unterhalt gesorgt.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 7. Januar. Wie aus Berlin berichtet wird, nahm der Kaiser vorgestern Abend den Vortrag des Professors Oncken aus Gießen entgegen, der sodann an der Abend tafel teilnahm. a

* Gießen, 6. Januar.(Besitzwechsel.) Der Ortsgerichtsmann Ferdinand Hoff mann verkaufte sein am Seltersweg Nr. 33 belegenes Haus für den Preis von 65000 l. an seinen Schwiegersohn, dem Spezereiwaren händler Ph. Herrmann.

* Gießen, 7. Januar. Der Vorstaud des Kriegervereins zu Garbenteich sendet uns eine umfangreiche Berichtigung zu. Wir entnehmen derselben folgenden Satz:

Es ist nicht wahr, daß der Kriegerverein bei Einzug in sein neues Lokal sich mit Streit oder Schlägereien noch mit blutigen Köpfen befaßt hat, sondern im Verhalten wie gewöhn lich seine Vereinsgeschäfte verrichtet hat.

Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Aus Mitleid mit den Empfindungen seiner Adoptivtochter hatte er ihr das schreckliche Ge heimnis verschweigen wellen; aber Elisabeth wußte nur zu gut, um was es sich einzig handeln konnte, wenn er in solcher Erregung von dem Andenken einer Toten sprach. Wie dunkel und unvollständig auch immer die Hindeutung in seinen Worten ge wesen sein mochte, sie glaubte dennoch, ihren düsteren Sinn begriffen zu haben, und damit brach auch ihre Hoffnung, daß es ihr gelingen werde, ihn zur Aufgabe seiner grausamen Forderung zu bewegen, Die Spannung und die Entschlossenheit verschwanden aus ihren Zügen, und während die heißen Thränen des bittersten Schmerzes unaufhaltsam über ihre Wangen rannen, fragte sie mit bebender, tonloser Stimme:

Die Schuld seines Vaters also ist es, die wir jetzt mit dem Glück unseres Lebens bezahlen sollen?

Rodewald wagte nicht mehr, sie anzusehen, denn der Anblick ihres Kummers schnitt ihm in's Herz.

Du haft es erraten! entgegnete er, finster vor sich hinstarrend.Aber ich bitte Dich, um Deiner eigenen Ruhe willen, nicht weiter in mich zu dringen. Der Schuldige hat sich seiner Be strafung entzogen und damit, daß wir sein Ge dächtnis der Verachtung der Menschen preisgeben, rufen wir keinen Toten in's Leben zurück. Begreifst Du nun, daß ich den Gedanken nicht zu fassen ver mag, dieses Mannes Sohn auch den meinigen zu nennen?

Ich begreife es, kam es leise von ihren

Aber es ist so hart, so unaussprechlich

Lippen. hart.

Minuten bedrückenden Schweigens vergingen. Dann kehrte sich Rodewald mit sichtlicher An strengung einem schweren Entschlusse folgend, der Weinenden wieder zu.

Ich habe mich für stärker gehalten,als ich es bin, sagte Rodewald,Dein Herzeleid zu sehen, geht über meine Kraft, und ich habe auch wohl nicht die Befugnis, solchen Berzicht von Dir zu fordern. Ich will nicht darauf bestehen und will meine traurige Wissenschaft mit mir ins Grab nehmen, ohne jemals einem lebenden Wesen etwas davon zu verraten. Du magst an Bernhard Milows Seite glücklich werden; ich will darum nicht auf hören, in Liebe Deiner zu gedenken, und Du wirst meine einzige Erbin sein. Eine weitere Gemein schaft aber darf hinfort nicht mehr zwischen uns bestehen. Ich hasse Deinen Verlobten nicht, denn ich weiß wohl, daß er selber völlig unschuldig ist. Aber ich kann ihn nicht wiedersehen und kann nicht mit ihm sprechen wie mit einem Freunde, weil ich den Namen nicht zu vergessen vermag, den er trägt. Wenn hier die Gefahr einer Ueberschwemmung glücklich abgewendet ist, werde ich eine große Reise nach dem Süden antreten, und während meiner Ab wesenheit mögt Ihr dann Eure Hochzeit feiern.

Als er geendet hatte, fühlte er plötzlich Elisabeths weiche Arme um seinen Nacken und ihre Wange an seiner Schulter.

Nein, mein Herzenspapa, nein! tönte ihre liebe Stimme an sein Ohr.Ich kann niemals aufhören, Bernhard zu lieben, aber ich kann ihm auch nicht angehören um diesen Preis! Du hast Dir das Bettelkind aus dem Krankenhause geholt, damit es der Trost und die Freude Deines Alters werde; wie könnte ich jemals glücklich sein mit dem

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Genügt dem Garbenteicher Kriegervereins⸗ vorstand der Abdruck dieses einen Satzes nicht, so sind wir gern bereit, die ganzeBerich ligung abzudrucken.

* Friedberg, 5. Januar. Gegenden des hiesigen Kreises grassiert die [Diphtherie gegenwärtig wieder ziemlich stark. In Södel ist eine so große Anzahl von Familien von dieser tückischen Krankheit heimgesucht, daß beide Schulen bereits seit Mitte Dezember des abgelaufenen Jahres geschlossen sind. DDarmstadt, 6. Jan. Der Landtagsab⸗ geordnete, Hofbuchhändler Arnold Berg sträßer ist heute Nacht nach längeren Leiden gestorben. Bergsträßer war Vorsitzender des Börsenvereins deutscher Buchhändler und ein hervorragendes Mitglied der nationalliberalen Partei.(Bergsträßer vertrat früher den dritten Wahlbezirk der Provinz Starkenburg; bis zum Schlusse des letzten Landtags war er Ver treter für Darmstadt.

* Mainz, 5. Jauuar. Der mittel- rheinische Fabrikantenverein hält am 14. Januar in Mainz seine Generalversammlung ab. Die Herren Dr. Reatz-Gießen und Dr. Ludwig Fuld⸗Mainz werden über das neue bürgerliche Gesetzbuch sprechen. Nach amtlichen Erhebungen erreichte das Immobilienge schäft im Jahre 1896 am hiesigen Platze einen Umsatz von 13314656. gegen 12547202 l. im Jahre 1895. Die Zahl der verkauften Ob jekte betrug 246 gegen 220 im Jahre vorher.

* Mainz, 6. Januar.(Protest gegen die Rettungsmedaille.) Der hier thätige Schornsteinfegergeselle Bernhardt hatte einen Mitarbeiter, Namens Schrön, der in einem Schornstein 24 Stunden aushalten mußte, aus diesem unheimlichen Gefängnis befreit. Es war schön, daß der Großherzog von Hessen dem mutigen Retter die Rettungsmedaille verlieh. Aber nun kommt das seltsame Nachspiel. In einer öffentlichen Erklärung der Schornstein feger-Gesellschaft von Mainz wird scharfer Pro test gegen die Verleihung der Rettungsmedaille an Bernhardt eingelegt. Wir entnehmen dem Protest folgende Ausführungen:Als nochmals nach dem Kollegen Schrön geforscht wurde ent deckte man denselben im Brauereischornstein. Bernhardt begab sich darauf erst nach Hause, um seine Kleider zu wechseln, und während dieser Zeit entfernten Angestellte der Brauerei den Ruß aus dem Schornstein, so daß für Bernhardt ab⸗ solut keine Gesahr vorhanden war. Eine Aner⸗ kennung hätte ebenso für die Angestellten der Brauerei, in erster Linie dem Herrn Direktor Thomas als Leiter der Rettungsarbeiten, zuge standen. Wo bleibt da der besonders hervorge rufene Mut und die Entschlossenheit des durch einen Orden ausgezeichneten Bernhardt? Wenn die Mainzer Schornsteinfegergesellschaft durch diesenProtest glaubt, die heldenmütige That

Bewußtsein, Dich selbstsüchtig um den Lohn Deiner hochherzigen Handlung betrogen zu haben! Ist es Dein unwiderruflicher Entschluß, Bernhard um seines Vaters willen für immer aus Deiner Nähe zu verbannen, so ist es meine Pflicht, ihm zu ent sagen und ich muß in Deiner Liebe Trost suchen für das Glück, das ich verlor!

Voll inniger Rührung und Zärtlichkeit schloß Rodewald das Mädchen in seine Arme; aber noch ehe er im Stande gewesen war, ihr ein Wort des Dankes für ihre edle Selbstaufopferung zu sagen, wurde die Thüre des Gemaches ohne vorheriges Klopfen aufgerissen und mit einer Rücksichtslosigkeit, die bei dem sonst ausnehmend ruhigen und be scheidenen Manne nur durch außergewöhnliche Er regung hervorgerufen sein konnte, stürmte Franz Burkhardt, Rodewalds Gutsinspektor, herein. Sein Anzug war durchnäßt, und seine hohen Stiefeln waren bis zu den Knieen hinauf mit Schlamm bedeckt.

Verzeihen Sie mein Eindringen, Herr Rode wald, rief er aus.Aber die Gefahr ist auf das Aeußerste gestiegen. Soeben kommt die Nachricht, daß die Schleusen von Sodargen zerstört sind und die massive Brücke von Sittenheim fortgerissen wurde. Auch andere Verheerungen muß der Fluß in seinem oberen Laufe angerichtet haben, deun er bringt Balken, Bretter und entwurzelte Bäume in großer Menge wit herab. Infolge des unauf hörlichen Anpralls sind schon große Stücke vom Deiche losgerissen, und nur ein Wunder kann den Durchbruch noch verhindern. Das Schlimmste aber ist, daß die Leute den Mut verlieren und nicht weiter arbeiten wollen. Meine Macht über sie ist zu Ende, und wenn es nicht vielleicht Ihrem Ein

fluß gelingt, sie anzufeuern, so ist Alles verloren.

In manchen

des Bernhardt verkleinern zu können, so irrt sie sehr. Warum hat kein Anderer die Rettung Schröns vollbracht?(Frkf. Ztg.)

Vermischtes.

Krieg im Frieden. Schwere Ausschreitungen sind in der Neujahrsnacht in Braunschweig zwischen Husaren des 17. Regiments und Zivilisten, namentlich Schlächtergesellen, gelegentlich des Neujahrstanzes vor⸗ gekommen. Man schreibt darüber derTgl. Rundsch.: Einer der Teilnehmer, ein Schlächtergeselle, geriet mit Husaren in Streit und griff ihn thätlich an. Das war kurz vor 1 Uhr früh. Sofort kam es zur Schlägerei; die Schlächtergesellen und andere Zivilisten warfen mit Biergläsern, die Husaren schnallten um und nun entwickelte sich ein regelrechter Kampf. Der Wirt und die Polizei waren machtlos, endlich wurde das Gas ausgedreht und es gelang, die Kämpfenden aus dem Saal zu drängen. Auf der Straße tobte der Lärm weiter und so heftig, daß die Nachbarschaft in große Aufregung kam. Schließ⸗ lich rückten die Berufsfeuerwehr, die Schloß wache und eine Abteilung Nachtwächter zur Unterstützung der bedrängten und teils angegriffenen Polizeibeamten heran; gegen 3 Uhr früh hatte man die Parteien auseinander gebracht und die Straßen gesäubert. Sanitätswache und Feuer⸗ wehr hatten nun vollauf mit dem Verbinden der Ver⸗ wundeten zu thun. Zwei Schwerverwundete, ein Kutscher und ein Schuhmacher, wurden ins Krankenhaus geschafft, auch von den Husaren sind einige schwer verletzt und ins Garnisonlazarett gebracht worden. Ein Unteroffizier wurde verhaftet, weil er seine Waffe gegen einen Polizeibeamten gezogen hatte. Von der Militärbehörde wurde Kasernen⸗ arrest verhängt. Im Konzerthause waren Tische, Stühle und Fenster zertrümmert.

Eine neue Hinrichtungsmethode. Die Todesstrafe durch Ersticken soll in Pennsyl⸗ vanien eingeführt werden. Eine Gesetzvorlage befür⸗ wortet, daß Todesstrafen in Zukunft nicht mehr auf elektrischem Wege oder durch den Strick, sondern durch Ersticken mittels gewisser Gase vollzogen werden sollen. Ein aus zahlreichen Aerzten und anderen einflußreichen Personen des Staates gebildeter Ausschuß hat sich seit längerer Zeit mit dieser Frage beschäftigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß die von ihm befürwortete Hin⸗ richtungsart allen anderen vorzuziehen sei. Würde die Vorlage angenommen, so würden fortan die zum Tode verurteilten Verbrecher in besonderen Zellen untergebracht, die durch eine geräuschlos sich senkende Decke luftdicht gemacht werden können. Dies geschieht, während der Verbrecher schläft. Zugleich entströmt einer in der Zelle mündenden Röhre das tödliche Gas, unter dessen Ein⸗ wirkung der Hinzurichtende in wenigen Minuten in die Ewigkeit hinüberschlummert. Der an der Spitze des Ausschusses stehende Gerichtsarzt giebt an, daß der Ausschuß 15 völlig geruchlose Gase kenne, die zu dem Zweck verwendet werden könnten. Auch ein Kultur⸗ fortschritt.

Sie werden nicht alle! Eine begüterte Witwe in Paris, welche sich dem Spiritismus ergab, wurde von einer angeblichen Freundin und einem Medium in merkwürdiger Weise ausgebeutete Das Medium erklärte nämlich, daß die Witwe in einerfrüheren Existenz die Königin Elisabeth von England und daß ihre Freundin Marie Stuart gewesen sei. Das Schicksal

Vor der furchtbaren Gefahr, welche der Allge meinheit drohte, mußte alles persönliche Leid ver stummen. Hier galt kein Zaudern und kein Be denken, denn der Schaden, den der Dammbruch an richten mußte, war in der That ein unberechen barer.

Ich folge Ihnen auf der Stelle, Burkhardt, sagte Rodewald, indem er sich sanft aus Elisabeths Umarmung befreite.Lassen Sie einige Körbe mit Wein und Lebensmitteln auf den Deich hinauf schaffen und sorgen Sie dafür, daß womöglich noch mehr Mannschaften aus der Umgegend aufgetrieben werden.

Als der Inspektor dann das Gemach verlassen hatte, um die erhaltenen Befehle auszuteilen, wandte er sich Abschied nehmend an Elisabeth: a Ich bitte Dich dringend, liebes Kind, das Haus in keinem Falle zu verlassen, denn felbst wenn das Aeußerste eintritt, was der Allmächtige ver hüten möge wenn wir den Durchbruch des Wassers durch den Damm nicht verhindern können, so ist das Herrenhaus von Sandhofen wegen seiner erhöbten Lage doch noch für lange Zeit außer aller Gefahr. Ich weiß nicht, wann ich selbst zurück kehren kann; aber Du sollst Dir meinetwegen keine Sorge machen, denn ich werde mich nicht ohne Not dem Verderben aussetzen. Kommen aus der Nieder ung Flüchtlinge herauf, die sich und ihre Habe hier oben bergen wollen, so nimm sie freundlich auf In der Stunde der höchsten Not müssen alle klein. lichen und engherzigen Bedenken verstummen. Zum letz'en Male küßte er Elisabeth auf den Mund; dann hüllte er sich wieder in seinen durch näßten Mantel und eilte trotz seiger weißen Haare unerschrocken hinaus in die nacptliche Finsternis und in den schauerlich heulenden Sturm.

(Fortjsetzung folgte)

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