Ausgabe 
6.4.1897
 
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Gießen, Dienstag. den 6. April

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gi

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

NMedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

E

kokales und Provinzielles.

* Gießen, 5. April. Der ordentliche Pro⸗ sessor in der philosophischen Fakultät der Landes⸗

Universität Dr. Ed. Schwartz in Gießen eiten. st auf sein Nachsuchen und mit Wirkung 11 5 l. J. an aus dem Staatsdienste ent⸗ assen.

* Gießen, 5. April. Am Samstag be⸗ gannen an den höheren Lehranstalten die Oster⸗ ferien. Die Ferien für die Volsschulen be⸗

us nnen am Samstag dieser Woche. 1* Gießen, 5. April. Der Vorstand des turatoriums der Rennbahn Gießen Larktstr 1 897 und derWanderer Gießener Radfahrer⸗ ö esellschaft hatte zum Sonntag Abend nach lis Vet n Steins Saalbau nicht nur die Mitglieder seiner t bereine, sondern auch die Vorstände sämtlicher etten, gießener Vereine zu einer Versammlung ein⸗ rechen, kladen. Es handelte sich um Bildung von 960 kinzel⸗Ausschüssen, welche das Arrangement zu r dchun öl em mit der am 30. Mai zu eröffnenden Renn⸗ ahn geplanten Radfahrer⸗ und damit ver⸗

lundenem Volksfest in die Hand nehmen sollen.

ul und pre und prüct on der richtigen Erwägung ausgehend, daß

wwe gahre on ie Sache nur gelingen könne, wenn diese Aus⸗ chüsse ans allen Kreisen der Bürgerschaft ge⸗ det werden und damit allen Wünschen Rechnung 0 1 5 wird. Die Vorschläge betreffend des ale ic die doll rbeitsplanes, vom vorbereitenden Ausschuß ge⸗ ena, nacht, wurden allseitig gebilligt und die Einzel⸗

lusschüsse gebildet, sodaß nunmehr mit den borbereitungen zum glanzvollen Gelingen des ßestes begonnen werden wird.

reine einen secht

ee* Gießen, 5. April. Die Gießener i bestens, fuder⸗Gesellschaft eröffnete gestern die 1 Salson. Es hatten sich aus diesem Anlaß trotz Gyn. ee ungünstigen Wetters etwa 40 Mitglieder M Bootshause eingefunden. Gießen, 5. April. Der Verein zur L güchtung reiner Hunderassen hierselbst, opfen velcher am 15. Juli vorigen Jahres mit 50 8 Nitgliedern begründet wurde, zählt augenblick⸗

ich deren 150. Gestern fand auf derSchönen lussicht das Eröffnungsschliefen der gaison statt. Der Verein besitzt einen mit allen

inter Garantie.

el. ßinrichtungen der Neuzeit hergerichteten Schlief⸗

enk, latz, auf dem gestern eine zahlreiche Zuschauer⸗

nenge mit Interesse die einzelnen Fuchssuchen

erhessen). erfolgte. Später fand im Aussichtssaal die derbdörser Wa, onatsversammlung des Vereins statt.

f* Gießen, 5. April. Der Zitherverein

Alpenröschen feierte am Samstag bei

jut besetztem Hause sein 16. Stiftungsfest

m Saale des Café Leib. Die Zithervorträge

8 waren durchweg vorzüglich, auch die Aufführung

8 eines Theaterstückes brachte den Mitwirkenden

elephon! seichen Beifall. Unter ersteren gefiel das Solo

ür Streichzither, vorgetragen von Herrn Wölke.

f Hei der darauffolgende Ball hielt die Teilnehmer

0 i fröhlichster Stimmung bis zur späten oder

zrauereien: lesser gesagt frühen Morgenstunde beisammen.

22.....

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Wreis der Anzeigen 10 Pfg., für die Fspaltige Petitzeile.

Gießen, 5. April. Bezugnehmend auf die Lokalnotiz imGießener Anzeiger vom 4. d. M., Wohnungswechsel betreffend, wird uns mitgeteilt, daß im Monat März d. J. 90 Wohnungswechsel von Familien innerhalb der Stadt, 103 Zu- und 134 Wegzüge von Personen von und nach aus⸗

wärts stattgefunden haben. Dienstboten Gewerbsgehülfen sind hierbei nicht mit gerechnet.

* Gießen, 5. April. Eine tragikomische Straßenszene ereignete sich heute Vormittag an der Ecke Westanlage und Bahnhofstraße. Eine Bauersfrau mit einer Tracht Eier auf dem Kopfe war mit einem Radfahrer kollidiert, sodaß die Eier auf das Pflaster ftelen und hier das schönste Rührei bildeten. Der Fahrer, welcher abgestiegen war, sprach der Frau mit wahrer Leichenbittermine sein Beileid aus und drückte ihr ein Zweimarkstück in die Hand, welches seine beruhigende Wirkung nicht verfehlte. Eine des Weges kommende arme Frau nahm inzwischen die zerbrochenen Eier in einen Topf, den sie in der Nachbarschaft geborgt hatte, fein säuberlich von der Erde auf, um sich ein billiges Mahl daraus zu bereiten.

* Gießen, 5. April. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag fand am unteren Ende der Neustadt eine Schlägerei statt, wobei leider auch das Messer eine Rolle gespielt hat. Der Musiker Wienen wurde hierbei von einem Brauer mit dem Messer am Kopfe schwer verletzt.

k. Grünberg, 4. April. Wer nicht auf dem Lande aufgewachsen ist oder nicht längere Zeit im Dorfe gelebt hat, der kann sich kaum einen Begriff davon machen, welche Bedeutung noch heute in landwirtschaftlichen Bezirken die Märkte haben, und dies gilt wohl auch von unserem Ostermarkt, der am 8. April hierorts stattftndet. Der Dorfjunge jauchzt auf vor Freude, wenn er mit aufde Maad darf, und die zurück⸗ bleibenden Familienglieder harren mit sehnsüchtiger Ungeduld, bis die Marktgänger zurückkommen; was werden die alles mitbringen. Da ist niemand, der nicht mit irgend einem nützlichen Gegenstand beladen wäre, landwirtschaftliches Werkzeug und Hausgeräte aller Art usw. wandert hinaus mit ins Dorf. Der Handwerker und Geschäftsmaun im Städtchen aber ist mit seinem Gewinn zu⸗ frieden(2) In den rein oder vorwiegend bäuer⸗ lichen Gegenden, und so auch hier, ist das ganze Geschäftsleben von der Kaufkraft der Bauern⸗ bevölkerung abhängig. Gerät die Bauernschaft in Not, hat sie kein Geld, dann können Hand⸗ werker und Kaufleute einpacken; dann herrscht auch in der Geschäftswelt eine flaue Zeit, die sich an allen Enden und Ecken bemerkbar macht. Und eine Stockung des wirtschaftlichen Kreis laufes dürfte sich das erste Mal bei unserem Ostermarkte zeigen. Denn wenn bis dahin der Markt infolge der getroffenen Sperrmaßregeln

und ein⸗

bezüglich der Maul⸗ und Klauenseuche nicht für den Viehhandel freigegeben werden sollte, so

5 Expedition: 2⁰ Kreuzplatz Nr. 4.

bedeutet dies eine ganz gewaltige Rückwirkung auf unser Geschäftsleben.

b. Grünberg, 4. April. Der hiesige Turn⸗ verein unternahm heute einen Ausflug nach Göbelnrod, Beltershain, Reinhardshain, Wirrberg und von da zurück nach Grünberg. Die Beteiligung war für diesmal eine sehr rege.

* Grünberg, 3. April. Heute Abend hielt dieEintracht ihre diesjährige Generalver⸗ sammlung in der Wirtschaft des Herrn Repp ab. Auf der Tagesordnung standen Rechnungsablage, Vorstandswahl und Verschiedenes. Als erster Vorsitzender wurde gewählt Herr Heinrich Frank. Beschlossen wurde, zu Psingsten einen Ball auf der oberen Ziegelhütte abzuhalten, wozu ein Teil der Infanteriekapelle Nr. 116 die Musik stellt.

* Darmstadt, 4. April. Das Justizmini⸗ sterium hat ein Ausschreiben ergehen lassen, in dem die Gerichte aufgefordert werden, über in der Gesetzgebung zu Tage getretene Mängel bis zum 1. Mai 1898 zu berichten, damit die betr. Resultate bei Ausarbeitung der Ausführungs⸗ vorschriften zum bürgerlichen Gesetzbuch in ge eigneter Weise verwertet werden können.

* Darmstadt, 4. April. DerDarmst. Ztg. ging folgende Erklärung zu:

In verschiedenen öffentlichen Blättern wird die Behauptung aufgestellt, daß die unterzeichnete Gymnasial⸗Direktion, wenn sie zum amtlichen Bericht über das Verhalten des Lehramtsassessors Dr. Berger aufgefordert werden sollte, e andere Angaben machen würde, als solche in der Beantwortung der Interpellation des Herrn Abgeordneten Bähr und Genossen enthalten sind. Demgegenüber muß die unterzeichnete Direktion erklären, daß sie die in der Interpellationsbeant⸗ wortung gemachten Angaben in allen wesentlichen Punkten nur vollkommen bestätigen kann und die obenerwähnte Behauptung daher durchaus unbegründet ist. Noch angefügt wird, daß über das Verhalten des Lehramtsassessors Dr. Berger zwischen dem Herrn Referenten für das höhere Schulwesen und der unterzeichneten Direktion sehr häufig amtliches Benehmen stattgefunden hat.

Mainz, den 2. April 1897.

Die Direktion des großh. Gymnasiums. Weihrich.

* Mainz, 4. April. Geheimer Kommerzien⸗ rat Werner, der frühere Präsident der hessi⸗ schen Ludwigsbahn, ist gestorben.

* Mainz, 3. April. In der letzten Stadt⸗ verordnetensitzung interpellierten bekanntlich freisinnige und ultramontane Stadtverordnete den Oberbürgermeister, wie es gekommen sei, daß die Centenarfeier in der Stadthalle ausschließlich in nationalliberalem Sinne geleitet worden ist und ob er von dem allem, von Reden und Toasten, Kenntnis gehabt habe. Herr Dr. Gaßner erwiderte, die Sache gehöre zwar nicht in die Stadtverordnetensitzung, er werde aber nach Rücksprache mit dem Komitee dennoch öffent⸗ lich Rede stehen, dabei aber der Welt erzählen,

wie man in Mainz patriotische Feste feiere und inszeniere. Gestern Abend nun fand diese Sitzung des Komitees statt, man hatte aber vorgezogen, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Man einigte sich schließlich hinter verschlossenen Thüren dahin, die Presse zu verständigen, daß die Sache bei⸗ gelegt sei und in der nächsten Stadtverordneten⸗ sitzung gegenseitig genügende Erklärungen ah⸗ gegeben würden. Weiter ist zu berichten, daß Herr Stadtverordneter Heerdt anläßlich dieser Affäre aus der demokratischen Fraktion der Stadtverordnetenversammlung ausgetreten ist.

* Wetzlar, 4. April. Auf der Grube Karolus ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Bergmann Rauch von Klein⸗Altenstädten war in einem Schacht mit dem Heraufziehen von Holz beschäftigt. Als einige schwere Stücke in der Höhe schwebten, fielen dieselben plötzlich herab und dem auf der Sohle des Schachtes stehenden R. auf den Kopf, der sofort tot blieb.

Neuefte Telegramme.

Hd. Berlin, 5. April. Gestern Mittag er- schien bei Nansen die Deputation der Stadt Berlin und gab der Freude Ausdruck, den Forscher in den Mauern Berlins beherbergen zu dürfen. Nansen sprach hierfür seinen Dank aus. Um 1 Uhr wurde Nansen vom Kaiser im könig⸗ lichen Schloß empfangen. An der Frühstücks⸗ tafel nahmen noch teil, Fürst Hohenlohe, Frei⸗ herr vom Marschall, Minister Bosse, Geheimrat von Lucanus, der schwedische Gesandte. Zur Rechten des Kaisers saß Dr. Bosse. Diesem zur Rechten Professor Nansen. Abends fand in der schwedischen Gesandtschaft großer Empfang statt. Heute früh 8 Uhr 40 Minuten verließ Nansen mit seiner Gemahlin Berlin. Sie reisten direkt nach Kopenhagen.

Hd. Berlin, 5. April. Unter sehr starker Beteiligung fand gestern das Begräbnis des sozialistischen Reichstagsabgeord⸗ neten Schultze statt. Etwa 15000 Personen begleiteten den Trauerzug. Am Grabe sprachen die Abgeordneten Vogtherr und Singer.

Hd. Breslau, 5. April. Zu dem Unglück auf der Hedwigwunschgrube meldet die Bresl. Morgenzeitung, daß bei der Einfahrt statt der vorgeschriebenen Sicherheitslampen offene Grubenlampen verwandt wurden, welche die Enzündung der angehäuften Gase verursachten.

Hd. Marseille, 5. April. Als gestern sechs Knaben auf dem Augloisquai spielten, wurden drei von ihnen durch eineplötzliche Sturz⸗ welle fortgerissen. Da die See hoch ging, konnten die Leichen noch nicht gefunden werden.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.

Fata Morgana.

Novelle von H. René. (Nachdruck verboten.)

Gnädige Frau! Frau Baronin! Gnädige Frau!

Der Ruf wälzte sich vom Schlosse fort, über

zen weiten Wirtschaftshof hinweg, bis die Gerufene,

toß, schlank, dunkelhaarig in einer Stallthür schien.

Was solls? Hier bin ich! fragte sie, indem e dem kleinen, sie lustig umkreisenden Hund den chwarzen, zottigen Kopf streichelte.

Der Herr Bürgerm ister mit dem neuen Doktor eben vorgefahren, berichtete der Hofverwalter mt der Mütze in der Hand. Beide möchten der krau Baronin, wenn auch nur für eine Minute, ufwarten.

Ich komme, sagte sie, flüchtig einige Stroh⸗ helme von dem blauen Tuchkleid klopfend.Aber tas sage ich in allem Ernst, Ventzke, wenn ich teine Ponys und Ziegen noch einmal so schlecht

Vrsorgt finde, können Christian und Jochen sich zu stern einen andern Dienst suchen, Schufterle, Du Zaugenichts, kommst natürlich mit.

Als sie mit jugendlich elastischen Schritten den Schloßhof durcheilte, brummten die Knechte hinter ie her:Ja zu Ostern einen andern Dienst und her deshalb, weil man ihr Viehzeug nicht bedient de junge Prinzen. Unt das sind doch Alle nur mütze Brotfresser, der kleine schwarze Satan an

e Spitze. Ja, zu des Herrn Barons Zeiten war besser auf Soldin. Aber solch ein Weiber kgiment!

Laßt mich solche Reden nicht wieder hören, bewies der Verwalter.Unsere gnädige Frau ist

aukfurt 1.

und Gebinbe

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gerade gut, das zeigt sich am besten, wenn Eins auf dem Hofe krank ist und sie braucht.

Als die Baronin auf die Schloßrampe hinaus trat, von der rotglühenden Wintersonne wie von einer Aureole umgeben, blickte der blonde, junge Mann im Schlitten sie wie geblendet an, so daß es eines leisen Winkes seines Nachbars bedurfte, um ihn zu Gruß und Vorstellung zu bringen.

Nur im Vorüberfahren erlauben wir uns heute vorzusprechen, nahm der Bürgermeister das Wort. Den Kranken dürfen wir ja wohl nicht sehen?

Nein, Onkel Gustav, dem Baron, ver⸗ besserte sie sich,geht es gar nicht gut, nur künft⸗ liche Mittel bringen noch Schlaf. Doch da der Herr Doktor

Walter Senglin, vervollständigte dieser mit einer Verbeugung.

Uns nun seinen ärztlichen Rat und Beistand widmen will

Doktor Borrmann selbst wünscht sich zu ent lasten.

Ich weiß. Sie seufzte.Gicht, zunehmendes Alter! Onkel Adolf kann nicht mehr wie er will. Ach es ist so traurig, wenn Einen Alles verläßt was man liebt!

Nun vorläufig lebt der alte Herr noch, und darauf, daß er uns noch recht lange erhalten bleibt, wollen wir heute Abend ein volles Glas leeren, fiel der Bürgermeister jovial ein.Wir feiern heute Fräulein Minchen Borrmann's Geburtstag und haben hoffentlich den Vorzug, gnädige Frau in unserer Mitte zu sehen.

Gewiß, wenn mein Kranker nicht zu unruhig ist, komme ich auf ein Stündchen; Tante Minchen soll nicht ohne meinen persönlichen Glückwunsch sein.

Das ist ja reizend, fiel der Bürgermeister ein.Meine Frau und Tochter haben mir übrigens die angelegentlichsten Empfehlungen für Frau Baronin aufgetragen.

Mit einer flüchtigen Bewegung des dunkeln Kopfes dankte sie. Des blonden Bürgermeisterkindes erinnerte sie sich kaum, und sie war viel zu stolz, um für die ihr so wenig zugeneigte Damenwelt des Städtchens irgend welche Sympathie zu heucheln.

Nun wollen wir aber die gnädige Frau nicht länger aufhalten, vom See webt es eisig hinüber, auf die Nacht können wir leicht noch einmal Schnee bekommen. Hoffentlich also auf Wiedersehen. Sie grüßten verbindlich und der Schlitten klingelte davon..

Bei einer Biegung des Weges blickte sich der junge Doktor verstohlen um.

Beide Arme auf die Balustrade gelehnt, stand

Abend, fürchte ich, werden Sie sich etwas ab⸗ kühlen; sie ist nicht sehr liebenswürdig in Gesell⸗ schaft, etwas einsilbig und taut eigentlich nur dem alten Borrmann gegenüber auf, der sie seine Thee⸗ rose, sein altes Mädel nennt. Sonderbare Ver hältnisse in Schloß und Stadt Soldin.

Und der Baron?

Ist lange ein verlorener Mann, seit Jahren an allen Gliedern gelähmt. Ich kannte ihn nicht mehr, und mein Vorgänger, der volles Vertrauen dort genoß, war wenig mitteilsam; er mochte wohl seine guten Gründe dafür haben. Uebrigens soll der Baron ein Edelmann im schönsten Sinne des Wortes gewesen sein. Alles was jetzt im Schlosse Inkorrektes geschieht, kommt auf Rechnung der schönen Therese.

Warum?

Der Bürgermeister zuckte die Achseln.Tra⸗

sie noch immer da und blickte sinnend in den frühen Sonnenuntergang, während Schuflerle, den Kopf durch die Eisenstäbe gezwängt, lustig hinaus⸗ bellte.

Welch fremdartige Erscheinung, sagte der Doktor.Wie eine Spanierin sieht sie aus.

Ja so etwas Exotisches ist auch dabei, lachte der Bürgermeister.Ein Musikanten- oder Schau⸗ spielerkind, so recht konnte man nie dahinter kommen. Und dann diese wunderbare Heirat! Sagen Sie mal, Senglin, finden Sie sie auch so schön?

Schön, meinte dieser nachdenklich,das ist wohl nicht der richtige Ausdruck für dieses Gesicht. Anziehend, märchenhaft, hinreißend!

Lachend drohte der Bürgermeisser mit dem

dition! Man hat sich nun einmal gewöhnt, sie als etwas Fremdes, Absonderliches zu betrachten. Ihr Wesen, finster, verschlossen, trägt mohl die Haupt⸗ schuld. Außer dem alten Geschwisterpaar im Doktorhause steht ihr in der Gegend Niemand nahe.

Und ist die Freundschaft solcher Menschen nicht genügende Bürgschaft?

Man sollte es glauben, doch sie hat die öffentliche Meinung nun einmal gegen sich. Was man ihr vorwirft? Nun, keine Verbrechen gerade. Sie läuft allein Schlittschuh, geht in keine Kirche, hält sich allerlei Getier, zahme, weiße Ziegen und dergleichen. Im Mittelalter hätten diese Indizien genügt, sie öffentlich als Hexe zu verbrennen. Doch hier biegt der Weg nach der Oberförsterei ab.

Finger.Wenn Alma das hörte! Nun, nun ich plaudere nichts aus der Schule. Am heutigen

Machen Sie kein verdrießliches Gesicht, diese Be suche sind wir Ihrer Zukunft, Ihrer Praxis schuldig. Cortsetzung folgt.)