Ausgabe 
5.10.1897
 
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Gießen, Dienstag,

den 5. Oktober

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

allexei o * 00 beisen.

ssische

usgabe Gießen.

aldeszeitung.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

8

Lokales und Provinzielles.

Gießen 3. Okt. Auf den diesjährigen 5 Geflügel ⸗Ausstellungen in Soutra, srten Bewohnen bannover und Butzbach hat Herr Conrad übfamen im Ganzen 28 Preise auf seine ktober Zuchten von Nutz hühner n(Italier) und schwere n Refa iutzenten erhalten. Darunter befinden sich uralte erste, 8 zweite und 8 dritte Preise. Außerdem rhlelt Herr Rübsamen zwei Ehrenpreise, darunter ikner gestiftet vom landwirtsch. Zentral⸗Verein und die filberne Staatsmedaille für hervorragende Eeistungen in der Rouen⸗Entenzucht.

* Gießen, 4. Okt.(Stadt⸗Theater.) Bor einem zahlreichen Auditorium ging gestern bend das vieraktige LustspielWohlthätige Frauen von L Arronge in Szene. Wir sagen im Voraus, daß die Besucher einen recht genuß⸗ leichen Abend verlebten. Der Verfasser hat mit diem Stück unstreitig einen guten Griff gethan. Es bleibt immer neu. In seinem Inhalt spiegelt sich das beliebte Steckenpferdchen der heutigen sugen. besseren Gesellschaftskreise, die Wohlthätig⸗ elt im großen Stil, in den grellsten Farben ab. Diese Sorte von Wohlthätigkeit zwingt nur gur zu häufig dazu, von der komischen Seite aulgesaßt zu werden. Das mag auch der Be⸗ weggrund sein, daß L' Arronge seinem Lustspiel een Charakter verliehen, der es mehr als eiue

eidge det g u sen, dung g Beine und voll

salrageh Aufenthalt.

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Freunden und Ju aft

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Erport- Bie Posse erscheinen läßt. Das Stück erfuhr gestern 1 Abend eine mustergiltige Aufführung. An der i Spitze derwohlthätigen Frauen stand die ver⸗ ungsvoll witwete Geheimrätin Clementine v. Praß, welche entin n Frl. Her vad eine überaus würdige Ver⸗ 5 tteterin fand. Imponierend war ferner das

Auftreten des Herrn Fritzschler als Major b. Rodeck. Der etwas charakterschwache Leder⸗ händler Friedrich Möpsel, der seiner ordenssüch⸗ igen Frau zu Gefallen Mitglied desSuppen⸗ bereins werden mußte, spielte Herr Janson mit vielem Geschick, während sich Frl. Mar⸗ loff mit der Rolle derwohlthätigen Frau

untag hin

berg

ber Möpsel gut zurecht finden konnte. Das komische Flement lag ausschließlich in den Händen des Herrn Ee ume der wieder einen guten Abend alte. Er spielte mit ausgezeichneter Laune den nes ereinsdiener der Suppen⸗ und sonstigen Wohl⸗

thätigkeitsvereine und hatte die Lacher auf seiner Seste. Alles in allem, sämtliche Mitglieder ernteten für ihre Leistungen den wohlverdienten Helfall. Man kann mit Recht sagen, daß die Theaterdirektion bei Auswahl ihrer Kräfte dies⸗ mal viel Glück hatte. Heute Abend gelangt zum zweiten Mal der Blumenthalsche Schwank Zwei Wappen zur Aufführung.

Gießen, 4. Oktober.(Stadttheater). Aus dem Theaterbureau wird gemeldet, daß als nächste Novität Carl Nieman's historisches Lust⸗ spiel in 4 AktenWie die Alten sungen in Aussicht genommen ist und möglichst noch im Ja dieser Woche zur Aufführung gelangen oll.

Gießen, 4. Okt. Das gestrige Konzert unserer F inSteins Garten

Konzertstücke zur Aufführung. Flötist Herr Jonas sowie der Pistonvirtuos

großen Beifall. * Gießen, 4. Okt.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Der jugendliche Herr Schwarz ernteten durch ihre Solovorträge

Eine Versammlung

Während der Arbeitsruhe gebe es Gelegenheit genug, seine Nebenkollegen zu dem neugeschaffenen

Verein zu gewinnen. * Gießen, 4. Okt. Gestern Abend hielt der auf

Zither-Klub(Wohlthätigkeitsverein)

der städtischen Arbeiter, wohl die erste in Gießen, fand gestern Vormittag im Gasthaus Zum Riesen(Neustadt) statt. Der Einberufer, Herr Lang, eröffnete um ½12 Uhr die Ver⸗ sammlung und erteilte Herrn Dahmer, der das Referat übernommen, das Wort. Letzterer sprach über die Bedeutung und Ziele der Organisation. Auch die städtischen Arbeiter, die bis jetzt noch isoliert daständen, sollten sich gegenseitig die Hand reichen und ihre Lage dadurch zu verbessern suchen. Die mißlichen Zustände der letzten Zeit hätten zur Genüge bewiesen, daß der Einzelne nicht imstande wäre, das zu erreichen, was eine zusammengeschlossene Masse durchführen könne. Nachdem Redner geendet, wurde einstimmig beschlossen, daß eine Organisation geschaffen werden solle. 15 Mann zeichneten sich sofort in die Mitgliederliste ein. In den Vorstand wurden gewählt: Lang als 1. Vorsitzender, Schneller als Kassierer und Schmidt als Schriftführer. Ferner wurde ein vom 15. Oktober zu entrichtender Wochenbeitrag von 10 Pfennig festgesetzt. Herr Lang schilderte hierauf die Behandlung der Arbeiter seitens des städtischen Straßenmeisters. Nicht nur die unschmeichelhaften Redens⸗ arten, die Letzterer gegen die Mannschaften gebrauche, sondern auch die hohen Strafen, die in Anwendung kämen, wären die Motive, die sie zu dem heutigen Schritte bewogen hätten. Die geringste Kleinigkeit, so das kurze Verlassen der Arbeit, werde mit mindestens 1&& bestraft. Wohin dies Geld fließe, wisse Niemand. Es sei erforderlich, in einer Eingabe an den Herrn Oberbürgermeister diese Mißstände zu rügen und anzufragen, wozu die Strafgelder verwendet würden. Im Jahre 1891 sei von der Stadt⸗ verordnetenversammlung eine Lohnerhöhung von 20 Pfg. pro Tag und Arbeiter bewilligt worden. Stadtbaumeister Stief habe damals diese Lohn⸗ erhöhung von 20 Pfg. einbehalten, um(im Zeit⸗ raum vom 15. April bis 15. Oktober jeden Jahres) einen Betrag zu sammeln, der dem Arbeiter die Möglichkeit gebe, sich für den Winter den Bedarf an Holz, Kohlen, Kartoffeln usw. zu verschaffen. Dieser Betrag sei bisher Manchem, derbestraft worden sei, ganz oder teilweise vorenthalten worden. Ein älterer Arbeiter, der etwa 11 Jahre bei der Stadt be⸗ schäftigt und nur einmal während dieser Zeit mit 1 4bestraft sei, habe man nur 17,50 4. von dem ersparten Betrag, der die Höhe von 36,80 l erreichte, ausgezahlt. Auch bekämen die Arbeiter bei jedem kleinen Vergehen vom Straßenmeister zu hören,daß er es ihnen am 15. Oktober(bei 8 des ersparten Be⸗ trages) gedenken werde. Zum Schluß nimmt noch Herr Dahmer das Wort und ermahnt die Arbeiter, während der Arbeitszeit jede Agi⸗ tation zu unterlassen, damit gewissen Leuten

dem Lenzschen Felsenkeller ein Familien⸗ abend ab, welcher sehr gut besucht war.

Die Zithervorträge wurden in exakter Weise durch⸗ geführt. Die Teilnehmer blieben bis zur frühen Morgenstunde in fröhlicher Stimmung versammelt. * Gießen, 4. Oktober. Durch die am Sams⸗ tag Abend erfolgte Eröffnung des Restaurants Royal am Seltersweg ist die Stadt um ein elegant ausgestattetes Etablissement, das den Ansprüchen der Neuzeit vollkommen entspricht, reicher geworden. Man steht, daß Herr Elges keine Kosten gescheut hat, die Lokalitäten so komfortabel als möglich herrichten zu lassen. Die neuen Lokalitäten wurden gestern hauptsächlich von Familien sehr stark besucht.

Gießen, 4. Oktober. Gestern Nachmittag 4 Uhr fand auf Oswalds Garten ein Match zwischen dem Dauerläufer Gerhardt aus Han⸗ nover und einem hiesigen Radfahrer statt. Den Umkreis von 250 Meter umlief Ersterer in 60 Minuten 72 mal, während es der Radfahrer nur auf 87 Runden brachte. Eine minimale Leistung gegenüber Gerhardts. Nächsten Sonntag Nach⸗ mittag findet nochmals ein Wettlauf mit einem bekannten hiestigen Radfahrer statt.

* Gießen, 4. Okt. Vor einigen Tagen wurde bei den von dem Maurermeister Stein- bach ausgeführten Reparaturarbeiten an der Zeughauskaserne der sogen. Schlußstein entdeckt. Aus dessen Inschrift geht hervor, daß genanntes Gebäude im Jahre 1588 erbaut wurde, also bereits über 300 Jahre steht.

* Grünberg, 3. Oktober. Heute Vormittag erfolgte unter dem üblichen Cermoniell die Ueber⸗ führung der Leihe des am Freitag verstorbenen Steuerkommissars Kritzler nach seinem Heimats⸗ orte Darmstadt. Der Verstorbene, welcher in verschiedenen Heilanstalten vergebens Genesung suchte und sich zuletzt in der Gießener Klinik einer Operation unterzog, erfreute sich während seiner Amtsthätigkeit allseitiger Beliebtheit.

Schwurgericht. W. Gießen, 2. Okt.

Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Wehner, eröffnet um Uhr die Sitzung. Es wird in die Verhandlung gegen den mehrfach vorbestraften 34 Jahre alten Zim⸗ merer Ernst Thomas von Rudingshain wegen Meineids eingetreten.

Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann. Als Verteidiger ist Rechtsanwalt Weidig erschienen. Es sind 19 Zeugen zu vernehmen.

Der Angeklagte bestreitet das ihm zur Last gelegte Verbrechen begangen zu haben. Der Thatbestand der Anklage ist der folgende: Gegen Michael Neumann von Rudingshain war vom Amtsgericht Schotten Straf⸗ befehl erlassen, weil er am 24. Dezember 1896 im Forst⸗ distrikt Lappenstein, Gemarkung Rudingshain, Forstfrevel verübt habe. Als Beweismittel hierfür war der Ange⸗ klagte Thomas angegeben. Neumann erhob aber gegen den Strafbefehl Einspruch und so kam die Sache am

keine Gelegenheit zur Denunziation geboten werde.

wär gut besucht. Es gelangten mehrere neue

Eine reiche Partie.

Erzählung von Felir von Stenglin. (Nachdruck verboten). Schluß.) Puhlmanns standen in einiger Verlegenheit da. Endlich sah Röschen unter Thränen zu ihrem Oaen auf, und ein glücseliges Lächeln verklärte 4 ihr Antlitz.Ich habe Dich wieder! sprach sie doller Hingebung. Und in bestimmterem Ton setzte e iazuUnd jetzt bleibe ich bei Dir, was auch

1 komme V i 5 f 1955 et. n mag. erzeihst Du mir 5. 21 st Du so etwas

Bebien. ö Ich Dir? Röschen, wie kann ö

2 sugen! Och bin es ja, der in Deiner Schuld ist. und ich sehe auch ein, daß Dein Vertrauen zu mir

22 nicht so schnell zurückkommen kann

O doch! f

Laß, Röschen! Ich verlange es nicht heute, nicht morgen. Aber ich hoffe bestimmt, es wird

1 mit der Zeit kommen.

Es ist schon da, Geliebter!

Und nun sage,

* a

tlust wie hängt alles zusammen? Und wie kommt i80l N Es, daß Du so anders denkst? b Mel.Das muß ich Dir in Ruhe erzählen, liebes e nfroß erz. Nur soviel, daß wir mit Warnshagen im Reinen find und daß ich eine Stelle habe und Dich vai en kan

0 roh l Eine Stelle? fragte sie und lachte ihn schel⸗ 0 21 zournie N cnisch an.

latAls Inspektor in Frauensee.

ich so anders denke, das muß wohl Last von meiner Seele fort ist. so schroff und hart zu denken hier find noch mehr Leute im

Und daß kommen, weil die Da hört man auf, Aber ich glaube,

immer a 3 eundlich wandte Hellmuth sich zu den

Und fr. Eltern seiner Frau wie zu dem Onkel und drückte

ihnen die Hand.

Guten Tag, Schwiegervater! Guten Tag,

f utter! Guten Tag, Onkel Fritz. Na, ellen wie nur gleich 5 Lichter am Weih⸗ anzünden. nach r Karl Puhlmann betrachtete seinen Schwieger⸗ sohn immer noch mit Mißtrauen.

Wat war denn dat uu eijentlich, fragte er, als Hellmuth mit dem Anzünden der Lichter fertig war und Arme genommen hatte.

schon wieder sein junges Weib in die Dat Sie von de Frau

1

wegjingen, war nicht nötig. Zu leben hatten Se doch. 5 Das wohl, aber auf diese Weise wollte und i Ich hatte auf die

konnte ich nicht weiter leben. s au Anderer spekuliert, und das rächte sich schwer.

r das unbezwingbare Verlangen, mich auf 17 5 Füße zu stellen. Und ohne gute Früchte ist diese Zeit für mich nicht gewesen. Ich habe schwere, anstrengende Arbeit durchgekostet und weiß jetzt die Arbeit anderer besser zu würdigen. Auch praktisch, im Maschinenwesen, hab' ich manches profitiert, das mir in meinem Beruf als Landmann zu Gute kommen wird. Vor allen Dingen aber hab' ich

Hilfe

e Aud glacelig barg sie den Kopf an der Schulter senl des Galen. 3

50 8 b lh*

mir durch diese Zeit mein Weib erobert.

23. März 1897 zur öffentlichen Verhandlung vor das

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2 E

Forstgericht Schotten. Während hier Neumann mit aller Entschiedenheit bestritt den Frevel begangen zu haben, bekundete der unter dem Eid vornommene Angeklagte Thomas, er sei am Tage vor Weihnachten nach dem Lappenstein gegangen, habe dort gehört, daß Holz gehauen werde, er sei dem Schalle nach gegangen und habe ganz nahe dabel gestanden und gesehen, wie Michael Neumann eine Buche mit einer Axt bearbeitete. Obzwar er den Neumann bestimmt erlannt habe, sel er doch nicht an denselben herangegangen, da er befürchtet habe, sich selbst dadurch dem Verdacht der Thäterschaft auszusetzen. Auf Grund dieser Aussage wurde Neumann vom Forstgericht verurteilt, doch legte derselbe hiergegen Berufung ein. So kam diese Sache an das Landgericht Gießen. Hier machte Thomas die gleiche eidliche Aussage, die er vor dem Forstgericht abgegeben. Er setzte hinzu, daß er am frag⸗ lichen Tage zwischen 8 und 10 Uhr vormittags am Lappenstein gewesen und an jenem Tage den Neumann überhaupt nicht gesprochen habe. Die Anklage behauptet, daß die Bekundung des Angeklagten vor dem Forstgericht sowohl, als auch vor der Strafkammer Gießen, von der die Verurteilung der 1. Instanz bestätigt wurde, wissentlich falsch abgegeben sei.

Michael Neumann, als Zeuge vernommen, bestreitet ganz entschieden, den Holzfrevel begangen zu haben, er sei am gedachten Tage überhaupt nicht auf dem Lappenstein gewesen. Am 23. Dezember jeden Jahres werde in seiner Heimat die sogenannte lange Nacht gefeiert und würde am Abend des Tages tüchtig getrunken, sodaß es sehr spät werde, ehe man ins Bett komme. Aus diesem Grunde sei er am 24. Dezember, am Tage, wo der Frevel begangen sein soll, um 9 Uhr vom Lager auf⸗ gestanden, habe gemütlich Kaffee getrunken, dann das Vieh gefüttert, erst dann sei er von Hause fortgegangen um sich von Hrch. Müller eine diesem geliehene Axt zu holen, es sei dies gegen 10 Uhr gewesen. Die Ehefrau Neu⸗ manns und dessen Söhne Ludwig und Otto bestätigen unter Eid, was dieser über die Vorgänge des morgens bekundet und bemerken, daß kurz nach dem Weggange des Familienoberhauptes es vom Kirchturm 10 Uhr ge⸗ läutet habe.

Die Ehefrau des Hrch. Müllers und deren Sohn bestätigen, daß Neumann an jenem Vormittag in ihr Haus gekommen sei, um seine Axt zu holen, als der Che⸗ mann resp. der Vater dasselbe bereits verlassen, dieser sei aber um /½10 Uhr ausgegangen.

Der Zeuge Georg Hrch. Müller, ein Nachbar des An⸗ geklagten Thomas ging am fraglichen Morgen an dessen Haus vorüber, es war um diese Zeit genau 10 Uhr. Es interessierte ihn, ob Thomas seine Festesfreude von der langen Nacht schon verschlafen, er sah daher zum Fenster der Thomasschen Wohnung hinein und sah, daß dieser noch im Bett lag.

Auch die übrigen Zeugen bekunden sämtl ich, den Neu⸗ mann um die fragliche Zeit gesehen zu haben.

Die an die Jury zu richtenden Schuldfragen gehen dahin:

Ob der Angeklagte in zwei Fällen und zwar vor dem Forstgericht Schotten und vor dem Landgericht Gießen in der Strafsache gegen Neumann wegen Forstfrevel wissent⸗ lich falsch geschworen und ob sich die That des Ange⸗ klagten als eine einzige strafbare Handlung darstellt.

Staatsanwalt Zimmermann plaidiert für schuldig des Meineids, indem er eine Handlung für vorliegend hält. Die Bekundungen des Angeklagten, die dieser unter Eid gemacht, seien aus der Luft gegriffen, um einen ganz un⸗ schuldigen Menschen ins Unglück zu bringen.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Weidig gesteht zu, daß die Belastungszeugen einen sehr guten Eindruck gemacht hätten, die Geschworenen aber hätten doch die Pflicht, zu

prüfen, ob sie diesen vollen Glauben schenken könnten, BBBBr c

Hellmuth drückte Röschen an sich und sah ihr zärtlich in's Auge.

Frau Puhlmann faltete die Hände, und ob ste auch den Zusammenhang dieser Dinge nicht ganz begriff, sie war doch so dankbar für das glückliche Ende. Leise sagte sie:Ehre sei Gott in der Höhe!

Herr Pahlmann aber schüttelte mißbilligend den Kopf. Da er nicht verstand, wurde er unge⸗ halten. Breitbeinig dastehend, die Hände in den Hosentaschen, sagte er brummig:Nu kommen Se ja doch widder zu Puhlmann'n. Un helfen muß er ja doch!

Hellmuth löste sich ein wenig von Röschen und antwortete mit ernster Miene:Sie irren. Meine Frau und ich nehmen von Ihnen keinerlei Unter⸗ stützung an. Dafür, daß Sie mir meine Schulden bezahlt haben, verzichten wir jetzt auf jede Beihilfe.

Puhlmann sah seinen Schwiegesohn starr an. Er hatte wohl nicht recht gehört.Se woll'n keenen Zuschuß?

Nein.

Aber nu sind Se doch nicht so! meinte Frau Puhlmann.

Ich bitte Sie dringend, keine weiteren Ver⸗ suche zu machen. Sie haben Ihren Stolz, ich habe meinen auch.

Ff! machte Onkel Fritz. Der Bauer schüttelte den Kopf. Das hatte er

nicht für möglich gehalten. Man wies sein Geld

zurück, sein schönes, bares Geld! Und der Mann seiner einzigen Tochter that ihm das an!

Na wat soll ick denn mit dat ville Jeld? fragte er unmutig.

Hellmuth zuckte die Achseln. schon Verwendung finden.

Erstaunt wandte Frau Puhlmann sich zu ihrem Gatten.Haste denn noch so ville?

Onkel Fritz lachte laut, so daß er einen Husten⸗ anfall bekam. Als er vorüber war, hörte man aus der Ecke des Zimmers, wo der Weihnachtsbaum stand, die schwache Stimme Frau Puhlmanns herüber tönen. Sie hatte das Gesangbuch vor und sang für sich allein das Lied:Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.

Die Anderen warteten still, bis sie fertig damit war. Dann kam Onkel Fritz auf seine Schwägerin zu und faßte ihre Pand.Dat Jeld? fragte er und zeigte daun mit dem Daumen herüber nach Hellmuth und Röschen.Dat bliwt für de Enkelkinner!

Hellmuth aber ergriff mit der Rechten die Hand des Schwiegervaters, während er mit der Linken Röschen umfaßt hielt.Glauben Sie mir, sagte er zu Herrn Karl Puhlmann, und warf zwischen⸗ durch einen liebevollen Blick auf seine Frau, ich habe trotzdem eine reiche Partie gemacht!

Frau Puhlmann war zu Thränen gerührt. UndFf! meinte auch Oatel Fritz.

Noch an demseloen Abend brachte Hellmuth, wie er es seinen Eltern zugesagt hatte, die junge Frau in sein väterliches Heim.

Dafür wird sich