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5.5.1897
 
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Gießen, Mittwoch, den 5. Mai

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h lan 9 5 i 9 8 ulgese Aude Poftztg. Nr. 3319. Postztg. Nr. 3319. erbesetz 0 Telephon⸗Nr. 112. 1* , Forthildun 5 i* 8 biährg Schülff K 0 4. 1 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. 8 Expedition: 9 I reuz p 4. 8 Preis der Anzelgen: 10 fg, für die zspaltige Petitzeile. 2 Kreuzplatz Nr. 4. Fpischen äJJ ĩðͥZtĩͥĩĩĩ inister sst ei den kin sch 2 2 N a i 5 5 f b ben. Der fee Handwerkertag in Mainz. c 5 Grund mittelalterlicher lleberkommnisse aus⸗[Bahn verlegt. Im ganzen Großherzogtum, so⸗ vom Jahre 1868, betreffend das Verbot von fürderung e ImFrankfurter Hof traten am 2. Mai auf An 10 575 We 1 0 den im Laufe der Debatte ge⸗ wie in den angrenzenden Gebietsteilen ist unsere] Lustbarkeiten am ersten Oster⸗, Pfingst⸗ und ih focht di 9 tegung der Hessischen Innungen Vertreter der Innungen Hessen n une 110 1 90 n e Rennbahn die einzige, welche Cementbelag hat Weihnachtsfeiertage aufgehoben werde. Der An⸗ N sricgemisse aus dem Großherzogthum Hessen, Baden! und Württem⸗ Baurath Noack buß weder e 10 0 ö ae und dadurch mit den erstklassigen Bahnen des trag scheint uns sehr zeitgemäß, denn was damit keiten ache, berg der Rheinpfalz und Hessen⸗Nassau zu einer Vorbe- stelle jemals eine die Regierung noch die Henkral] In⸗ und Auslandes konkurrieren kann. Eine[bei uns verboten, ist in Wetzlar, Marburg und 5 Nachfolge prechung über die Hand werkervorla I stelle jemals einer innungsfeindlichen Stimmung Ausdruck daß Tribü 105 Ke 5 0 5 it die Folge d 5 e Regierung de doc Nachmittags d lage zu- gegeben hätten. Wenn er auch nicht in der Lage sei, große Tribüne, un er we cher praktisch herge⸗[P Frankfurt erlaubt und was ist die Folge davon? 0 ˖. richtet die Erholungs⸗ und Ankleideräume für] Die zerstreuungsbedürftigen Gießener

Südwestdeutsche Handwerkertag schloß. 51 Vertreter waren

wor en sind, g aus den genannten Landestheilen erschienen. Außerdem Die Regierung waren anwesend als Vertreter der hesstischen Regierung Portugals lin Baurath Noack⸗Darmstadt, ferner der Reichstagsabgeordnete ie Grenze zu lase für Mainz, Dr. Schmidt. Baurath Noack erwiderte auf

e in lasen die Begrüßung des Vorsitzenden, Obermeister Köberich, es

gei in letzter Zeit so viel böses Blut gemacht worden, daß man wünschen müsse, es werde endlich auch einmal Gutes geschaffen. Wenn auch wohl nicht alle Wünsche der Hand⸗

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e Nec, werker befriedigt würden, so sei doch zu hoffen, daß etwas 1 ktmonnsch geschaffen werde, was alle Teile befriedige. Dr. Schmidt 5 erklärte, er sei stets für eine Organisation des Handwerks eingetreten. Vor allen Dingen müsse unter den Hand⸗ werkern eine vollständige Einmüthigkeit über alle Fragen angestrebt und erzielt werden. Redakteur Fischer⸗-Worms etstattete dann Bericht über den Berliner Handwerkertag. Man habe dort das, worauf die süddeutschen Innungen das Hauptgewicht legen, die Handwerkerkammern, nur ge⸗ an streift und das Hauptgewicht auf die Innungen gelegt. Oer Medner verlangt, daß die Handwerkerkammern nur aus 5 solrklichen Handwerkern zusammengesetzt werden. Auch bas Fünftel, das aus Sachverständigen bestehen soll, müsse wegfallen, die Kommerzienräthe und Professoren hätten fel(Bhein.) At.) bis jetzt zu viel in die Handwerkerfragen hineingeredet. 3 12 Eine Lücke in der Vorlage set der Mangel einer lokalen 5 Vertretung, der aber ausgeglichen werden kann, wenn die e 50 Pfg. Hezirke der Handwerkerkammern nicht größer wie die der

8 Handelskammern werden. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung sprach zunächst detail. ber Vorsitzende des württembergischen Handwerker⸗Landes⸗

berbandes, Ros⸗Stuttgart. Die Frage, warum es schwer halte, eine Verständigung zwischen Nord und Süd zu er belen, wurde von ihm dahin beantwortet, man habe im orden die Sache so spitz getrieben, daß es den Anschein hultte, die Innungsschwärmer wollten den anderen Theil majorisiren. In Württemberg habe man andere Lebens⸗ unnd andere Anschauungsweise wie in Norddeutschland. Man sei überhaupt mißtrauisch gegen Alles, was vom orden komme, denn alle Gesetze, die von dort herein⸗ skuthen, bringen jetzt keine Entlastung, sondern Belastung. Als Programm des von ihm vertretenen Landesverbandes

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rüne Myrten⸗ und weiße

angen⸗Braut⸗ nze, gestickte

rautschleier, sellte Redner, unter Zustimmung zu der abgeänderten ill⸗, Hut⸗ und Bundesrath⸗Vorlage, folgende Forderungen auf: 1) Jedem 1 handwerker wird gesetzlich aufgegeben, binnen einer be⸗ a i tümmten Zeit einer Fachgenossenschaft beizutreten; geschieht * 455 Glas: das nicht, so gehört er gesetzmäßig der Zwangsinnung an. u in berschied. nen e Gründung einer Handwerkerkammer, aber ohne Fnben.[desellenausschüsse die als nicht nothwendig be⸗ e Binderel von eichnet wurden, und Gründung von Innungsschiedsge⸗ kartbonketts, lüchten. Man stehe in Württemberg auf dem Boden: aten, Kreuzen das Handwerk dem Handwerke, Handel und Industrie ud Kronen. dürften es nicht beeinflussen. Man wolle keine veralteten 1 Anstitutionen zu neuem Leben erwecken, sondern wünsche

eine in freiheitlichem Geiste gesetzliche Regelung des Mandwerkes, die aber nur durch Handwerker geschehen lunn.

Die weiteren Redner erklärten, auf demselben Stand⸗ punkt wie die Württemberger zu stehen. Obermeister J. E. Falk⸗Mainz brachte die weiter unten mitgeteilte Resolution ein, bei deren Begründung er u. A. erklärt, das eine Diskussion über die Frage des Befähigungs⸗ unchweises nicht angebracht erscheine, es sei künstig ge⸗ nügend, wenn nur der sich Meister nennen dürfe, der das

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hier über die Ansichten der hessischen Regierung Mit⸗ theilungen zu machen, so glaube er doch sagen zu können, daß die Regierung den Handwerkern in dem Augenblicke, wo eine gesetzliche Grundlage gefunden ist, größeres Ent⸗ gegenkommen zeigen werde, als man bis jetzt erwartete. Die Versammlung faßte hierauf folgende Resolution: Der Handwerkertag für den Mittelrhein und Südwest⸗ Deutschland steht auf dem Standpunkt, daß das gesammte deutsche Handwerk einschließlich dem handwerksmäßigen Fabrikbetriebe auf gesetzlichem Wege zusammengefaßt werden muß und zwar mit der Gliederung als Meister, Gesellen und Lehrlinge. Denn heute bestehenden Innungen und Handwerkervereinigungen müssen ihre Rechte unver⸗ kürzt erhalten bleiben. In den Handwerkerkammern sollen nur Handwerksmeister wahlberechtigt und wählbar sein. Meister solle sich nur derjenige nennen, der sein Handwerk ordnungsmäßig erlernt hat. Beschlossen wurde sodann, im nächsten Jahre einen zweiten mittel- rheinisch⸗südwestdeutschen Handwerkertag einzuberufen.

9 5 8 4127 85 147. 1 1 11 4 dehkales und Propinzielles. * Gießen, 4. Mai. Der neue Sport⸗ platz an der Hardt geht seiner Vollendung ent⸗ gegen. Es herrscht dort eine fieberhafte Thätig⸗ keit, um all die Arbeiten möglichst frühzeitig vor dem 30. Mai, dem Tage des großen Rennens, zu beenden. Der Besucher des landschaftlich schön gelegenen Platzes erhält jetzt schon ein Bild von der Großartigkeit der ganzen Anlage. Manche Großstadt hat einen solchen Sportplatz nicht aufzuweisen. Der Hauptbestandteil desselben bildet natürlich die Rennbahn selbst, welche eine Länge von 400 Meter und eine Breite von 6 Meter hat. Auf der Zielseite allerdings, wo der heiße Endkampf sich zu entwickeln hat, ist die Bahn um 1 Meter verbreitert, sodaß hier m Breite den Fahrern zur Verfügung stehen. Der anze Unterbau dieses in sich oval verlaufenden Radfahrweges, nämlich die Erdarbeiten, sind schon im vergangenen Herbst vorgenommen, um ein Nachsinken des Erdreiches zu verhindern. Mit dem Cementbelag desselben wird jetzt rüstig vorangegangen, sodaß in spätestens einer Woche diese Arbeit beendet sein wird. Es soll dieselbe vom 15. lfd. Monats an zum trainieren benutzt werden. Die Kurven des Ringes den die Bahn beschreibt, sind nach den neuesten Erfahrungen auf ca. 3 m erhöht, sodaß der Nichtfahrer es kaum für möglich hält, diese Erhöhung mit dem Rade nehmen zu können, da es zu Fuß schon ungeheuer schwierig ist, die so schrägen Flächen zu passieren. Aber gerade durch diese Erhöhungen ist es dem Fahrer erst möglich, mit Sicherheit seine volle Kraft einzusetzen, bei niedrigen Kurven kann es dem Fahrer leicht passteren, daß, er bei der Schnelligkeit seiner Maschine über dieselben hinausschießt und dadurch von der Bahn ab⸗ kommt. Innerhalb der Cementbahn ist eine Lernbahn hergerichtet, welche es dem Anfänger

die Rennfahrer und ein Raum für eventuelle ärztliche Hilfeleistung Unterkunft gefunden, ist an der Zielseite wirkungsvoll hergerichtet, in der Aufstellung begriffen. Dieser gegenüber im Innern der Rennbahn wird die Preisrichtertri⸗ büne und der Platz für die Vertreier der Presse Raum finden. Rechts und links von der großen Tribüne sind amphitheatralisch die Sitz⸗ plätze für die Zuschauer geplant, während an der gegenüberliegenden Seite der Bahn für mehrere tausend Personen Raum als Stehplätze freibleibt. Außerdem gewährt die Terrasse einen vollständig freien Ueberblick über die Bahn und bildet so einen bequemen und angenehmen Ort, von wo man am Tage des Rennens dem Ringen um den Sieg zuschauen kann. Eine breite Treppe von der Terrasse nach dem Sportplatz angelegt, wird dazu dienen, den Verkehr von und nach den alten Wirtschaftsräumen zu ver⸗ mitteln. Aber auch inmitten der Rennbahn werden geräumige Wirtschaftshallen errichtet, in denen der edle Gerstensaft der Bichler-Brauerei an den Tagen des Festes frisch verzapft wird. Im Großen und Ganzen macht die Anlage einen freundlichen Eindruck, der sich noch erhöhen wird, wenn die Arbeiten erst sämtlich beendet und wenn während der Festtage erst Tausende von Menschen sich da draußen am Fuße der Hardt amüsieren und erholen werden. Am Sams⸗ tag und Sonntag brannten auf dem neu ange⸗ legten Wege zur Hardt das erste Mal die vom Elektrotechniker Max Weißbäcker gelieferten elek trischen Glühlampen, welche die Gegend tagshell beleuchteten. Wir erfahren übrigens, daß Herrn Weißbäcker auch die elektrischen Beleuchtungs Anlagen für den Juxplatz, fowie die erst zum Herbst einzurichtende Beleuchtung für die Renn⸗ bahn übertragen worden sind.

* Gießen, 4. Mai. Am 19. Mai, Nach⸗ mittags 4 Uhr, findet auf der Burg Gleiberg die diesjährige Generalversammlung des Gleiberg-Vere ins statt. Es wäre im Inte⸗ resse der ehrwürdigen Burg sehr zu begrüßen, wenn zu dieser Versammlung auch Nicht-Mit⸗ glieder des Vereins die aber zur Erhaltung und zum weiteren Ausbau der Burg beitragen wollen sich einfänden. Sehr zu wünschen wäre, wenn Gießens wohlhabende Bewohner sich mehr geneigt zeigten, für das alte Wahrzeigen unserer Gegend mit ihren Mitteln einzuspringen, um so mehr, da der Verein in nächster Zeit recht kost⸗ spilige Reparaturen am Dach des einen Flügels 2c. vorzunehmen gezwungen ist.

* Gießen, 4. Mai. Der Gastwirtsver⸗ ein für Gießen und Umgegend hat bei dem heute in Offenbach a. M. stattfindenden Ver- bandstag des Rhein-Main⸗Gastwirts-Ver⸗ bandes den Antrag eingebracht: Der Verband

an diesen Tagen in jene Städte und machen den Wirten dort ein gutes Geschäft, während unsere Wirte an diesen Tagen keinen Zuspruch kunden.

* Gießen, 4. Mai. Zur Konkurrenz für das Volksbad sind beim Rechtsanwalt Dr. Fuhr im ganzen 4 Entwürfe, darunter 2 von Gießen, eingegangen, von denen allerdings Eine nicht ernst zu nehmen sein soll. Die Beur⸗ teilungs-Kommission wird voraussichtlich Mitte des Monats hier zusammentreten und werden dann die Entwürfe öffentlich ausgestellt.

* Gießen, 4. Mai. Unsere Leser erinnern sich, daß unsere Rindsmetzger vor langer Zeit durch Inserat ankündigten, daß sie sich ver⸗ pflichtet haben, auch das eventuell durch sie von außerhalb bezogene Fleisch auf unserem städt. Schlachthofe tierärztlich untersuchen zu lassen. Wie ungeheuer wichtig im Interesse einer ge⸗ sunden Fleischversorgung für die Bewohner unserer Stadt die Nachkontrolle des von außer⸗ halb bezogene Fleisches ist, beweist wieder fol⸗ gender Fall: Auf Grund der eingegangenen Ver⸗ pflichtung brachte in der vergangenen Woche einer der Rindsmetzger einen von außerhalb bezogenen Hammel auf den Schlachthof zum Zweck der Untersuchung. Tierarzt Dr. Liebe erklärte das Fleisch zur menschlichen Nahrung für ungeeignet. Prof. Dr. Winkler, der ebenfalls das Fleisch untersuchte, verwies dasselbe an den Wasenmeister. Der ländliche Fleischbeschauer hatte das Fleisch für gesund erklärt. Wir hören, daß der Fall dem Kreisamt zur Kenntnisnahme mitgeteilt worden ist. Damit ist allerdings, selbst wenn der betreffende Fleischbeschauer abgesetzt und be⸗ straft wird, immer noch die Gefahr nicht be⸗ seitigt, daß von außerhalb in unsere Stadt min⸗ derwertiges, oder, wie der vorliegende Fall zeigt, gesundheitsschädliches Fleisch hineingeschafft und in den Handel gebracht wird. Dieser Fall, der doch nun nicht mehr vereinzelt dasteht, mahnt, daß die Bürgerschaft verlangen kann, daß alles von außer⸗ halb in unsere Stadt kommende Fleisch einer strengen Nachkontrolle unterworfen wird.

* Mainz, 2. Mai. Vor einigen Wochen wurde beim Bau der Straße Niedersaulheim⸗ Obersaulheim ein fränkisches Grabfeld entdeckt. Die dieser Tage in Auwesenheit des Custos des Darmstädter Museums Herrn Pro⸗ fessor Adamy und des Herrn Kreisrath Bich⸗ mann von Oppenheim vorgenommenen weiteren Ausgrabungen führten wohl zur Aufdeckung einer Reihe weiterer Grabstätten, doch waren darin nur wohlerhaltene Skelette, aber keine Waffen oder Schmuckgegenstände zu finden. Was an Töpfen u. s. w. aufgefunden wurde, wurde dem Darmstädter Museum übergeben. Der Sach⸗ verständige meint, diese Gräber seien wahrschein⸗ lich früher einmal aufgedeckt und die Werthsachen

en. kundwerk wirklich erlernt habe. Im Uebrigen sollten ermöglicht, unbelästigt das Radfahren zu üben. solle bei großh. Ministerium und bei den Stände⸗ i

r de neuen Einrichtungen auf Grund der Gewerbeordnung! Ebenso ist der Sattelplatz in das Innere der! kammern beantragen, daß die Polizeiverordnung! varaus geraubt worden.

¾q. 2 8 E unge 1 nchg seine Tiefen aufgewühlt, mißfarbene Wellen warf, Wie gebetzt lief sie die Treppen herunter, an In die Hecke hineingebaut, gegen den Garten ner Fata Morgana. ja dann 115 0 9 1 0 Weh im Herzen das der Dienerschaft vorüber, die ihr verwundert nach- zu durch ein luftiges, weinübersponnenes Gelände 5 Gießel Novelle von H. 1 verboter). Hämmern und Stechen in den Schläfen betäubt blickte.Wo kann die gnädige Frau nur so spät geschützt, lag eine verschwiegene Laube, und dort Elge gisch Fortsetzung.) und überwältigt werden. noch hingehen? Der neue Herr muß jeden Augen- darin flüsterte es.

faurat e(Fortsetzung. Sie drängte sich näher heran, unbekümmert

Nichts, nichts! Therese, die schwankend mit un Händen in die Luft gegriffen, stand wieder auf den Füßen, lehnte sich schwer gegen den runden Lisch.Ein Schwindel, der mich oft befällt, fuhr e mit schwerer Zunge langsam fort.Gehen Sie, rau Krause, wenn ich allein bin, wird mir stets sonell besser.

arten 10.Aber gnädige Frau werden doch nicht ver⸗ Uöbeln, Hang, bengen, daß ich jetzt gerade gehe. Gnädige Frau aller sonflih lmnen ja ernstlich krank werden. 8 2 Neugierig und geschäftig umtrippelte sie die

Ute, doch ein einziger Wink Theresens genügte, im das Zimmer von ihr zu räumen.

Nun war sie allein. Warum konnte sie nicht lochen, über die dreiste Lüge, die man erfunden, um se zu schrecken. Warum erschien ihr Walters Fern⸗ hieiben plötzlich in solch einem ganz anderen Licht. Benn er sie wirklich liebte, es ehrlich meinte, mußte er nicht mit ihr ausharren wie und wo es uch sei. Verraten! Betrogen! In den Staub ge

ten! schrie es gallend in ihr auf.

Sie stürzte zum Fenster, riß es auf, um nicht

I ersticken, doch die sanfte Stille des duftenden mnmiabends war nicht dazu angethan, um den turm in ihrer Seele zu sänftigen. Wenn der onner grollen wollte, wenn feurige Blitze zündend

hetzt bell 10 l.

7 0 2 5 mn, ederzuckten, wenn der See vom Nordwind bis in la lie/ ell. e ihrn U Gießen

Die gerungenen Hände fest gegen die glühende Stirn gepreßt stand sie da und rief sich jedes falsche Lächeln, jedes Liebeswort, mit dem er ihr Herz ge stohlen, in die Erinnerung zurück. Für was mochte er sie gehalten haben? Wohl für das, was man von ihr sagte; für eine leichte Beute, mit der sich eine müßige Stunde vertändeln ließ, für ein tugend loses Weib, dem man ungestraft nahen durfte.

Sie stöhnte, während sie das Gesicht verhüllte, welches der beleidigte Stolz mit dunkler Schamröte bedeckt. Sie hatte an ihn geglaubt, seine Liebe war ihr der Messias gewesen, der aus dunkler Grabes⸗ nacht sie erlöst, sie hinausgeführt zu lichten, sonnigen Höhen.

Und jenes Mädchen sollte schon lange seine Braut sein! Jenes Mädchen, das er liebte, in dessen Armen er nun Derjenigen spottete, die so schnell seinen Schwüren vertraut.

Jetzt schrie sie auf. Laut und gellend schallte es wieder in dem leeren Hause, das nur sie und den Toten umschloß.

Nur nicht hierbleiben, nur fort von hier, zu ihm, ihn Aug' in Auge fragen, ob er den unge heuern Treubruch wirklich begangen.

Verstört blickte sie um sich. Die Schatten der Abenddämmerung sanken tiefer, bald wurde es Nacht. Was zögerte sie noch.

blick eintreffen; es gehört sich doch, daß sie ihn empfängt, hörte sie hinter sich leise sagen.

Was fragte sie in diesem Augenblick danach, was sich schickte, was kümmerten sie die Menschen, die ihr doch immer Unrecht gethan.

Staub flog ihr auf der Chaussee entgegen, lagerte sich wie ekne geraume Wolke auf ihr schweres Trauerkleid, das lang und schleppend sie am schnellen Gehen hinderte.

Wie endlos sich der sonst so kurze Weg aus dehnte. Noch immer keine Stadt, keine Lichter. Noch eine kurze Galgenfrist, eine Minute schwachen Hoffens, ehe ewige Finsternis ihr entgegengähnte.

Plötzlich stockte ihr Fuß. Dicht vor der Stadt, hart an der Chaussee, von dieser durch eine stachelige Weißdornhecke getrennt, lag des Bürger meisters blumenreicher Garten, das Steckenpferd seiner Mußestunden. Noch war das Dämmerlicht hell genug, um ihn zu übersehen. In den breiten Kieswegen, die sich zwischen Rosenbeeten hindurch zogen, wandelte Mama Bürgermeister, den Strick strumpf in den Händen, wohlgefällig hin und her. Der kleinen runden Fruu im blütenweißen Häubchen und steif gestärktem Kattunkleide galt jedoch nicht Thereses starrer Blick. Eine Stimme hatte sie ge⸗ hört, deren Ton wie eine vergiftete Dolchspitze ihr ins Herz fuhr.

darum, daß die Dornen ihr Hände und Gesicht zerstachen, griff sie in die Zweige. Nun wurde ein kleiner Durchguck frei. Ein Blick hinein, und jeder Hoffnungsschimmer, an den sich ihr Herz schmeichlerisch geklammert, erlosch.

Auf der weißen Gartenbank saß er, den sie bis heute als ihr Eigen betrachtet, und auf seiner Schulter ruhte der blonde Kopf eines Mädchens, das er umfangen hielt.

Nun mußt Du aber auch vernünftig sein und mich nicht länger mit dieser thörichten Eifer⸗ sucht quälen, hörte sie ihn sagen.Ich leugne nicht, meine Fantasie war gefesselt, mein Geist ge⸗ blendet, ein kurzer Sommernachtstraum! Er seufzte, er ist vorüber.

Und nun bist Du mir auch wieder gut?

Ich war es Dir immer. Denke doch der vielen fröhlichen Stunden, die wir einander ver⸗ danken; so etwas vergißt sich nicht.

Und Du wirst mir auch jetzt nicht mehr un⸗ treu werden?

Nein, das kann ich Dir fest versprechen. Einer zweiten Therese begegne ich nimmer!

(Fortsetzung folgt.)