Gießen, Freitag, den 5. Mürz
1897.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
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Posiztg. Nr. 3239— Telephou⸗Nr. 112.
Redaktion: 2
Kreuzplatz Nr. 4. ö Monate 0 5555 lt, 4 15 dahier f 8 9. el 10 0 a Lokales und Provinzielles. a 2 7 7 0 an gen Gießen, 3. März. Mit der Bitte um Wahn urbe⸗ Veröffentlichung ging uns folgender Bericht zu: lte n Ant ach Der vom Vorstand der Gießener Schlachtvieh— cbrcht. De versicherungs⸗Gesellschaft am Sonntag Nach— „ 50 Jh mittag einberufenen Versammlung hatten der Vor⸗ len, dere 0 sizende des Gießener landwirtschaftlichen Lokalvereins, Klink. Di 9 1 Herr Gutsbesitzer Schlenke, u. a. Mitglieder desselben N e Leiche Folge geleistet. Es stand auf der Tagesordnung Stel⸗
lungnahme des Vorstandes der Versicherungsgesellschaft gegen folgende seitens des Lokalvereins gegen die Gesell⸗ schaft erhobenen Vorwürfe: 1. Nichtfolgeleistung einer Einladung zur Teilnahme an fragl. Versammlung des Landw. Lokalvereins. 2. Verlangen der Vornahme von Impfungen bei Versicherungsabschlüssen. 3. Ungerecht⸗ fertigte Gewichtsabzüge. 4. Die rigorose Fleischbeschau. Zu Punkt 1 erklärt auf bezügliche Interpellation Herr Gutsbesitzer Schlenke, es sei unrichtig, daß der Vorstand der Versicherungsgesellschaft, ihre technischen Leiter, Herr Liebe und Möhl, formelle Einladungen erhalten hätten; er habe allerdings wenige Stunden vor Beginn der Ver⸗ sammlung Herrn L. und M. anheimstellen lassen, noch zu kommen. Nachdem Herr Liebe seinem Bedauern Aus⸗ druck verliehen hatte, fragl. Einladung nicht erhalten zu haben, wird diese Angelegenheit durch die Erklärung des Herrn Schlenke für erledigt erachtet. Bezüglich Punkt 2 führt der technische Beirat der Gesellschaft aus, es sei unrichtig, daß hierorts ein Impfungszwang bestehe; es würde jedes Tier, welches keine krankhaften Symptome aufweise, angenommen. Verdächtige Tiere zurückzuweisen, sel ein gutes Recht jeder Versicherung, das geschehe überall; so wurden z. B. in Leipzig(daselbst hat die Stadtbehörde die Verwaltung der Kasse in der Hand) im Jahre 1894 von 21 220 Rindern nur 19 275, von 93 778 Schweinen nur 92 971 versicherungsfähig erklärt. Sei ein Tier der Tuberkulose verdächtig oder komme es nachweislich aus einem mit dieser Krankheit verseuchten Stall und zeige es klinische Symptome, so stelle man in solchen Fällen es dem Versicherungsnehmer anheim, das Tier impfen zu lassen, je nach dem Impfresultat erfolge die Aufnahme. Auf Anfragen des Herrn Schlenke und des Herrn Brauerei⸗ hefitzer Pichler, ob man nicht auch in diesen besonderen Fällen von dem Modus der Impfung absehen wolle, denn eine solche Maßregel werde ungemein versöhnend wirken, sie erspare den betroffenen Landwirten manche unliebsame FKeonsequenzen, man könne sich ja durch erhöhte Prämien oder Nachschußzahlungen schadlos halten, erklärt Herr Liebe, der Vorstand habe bereits einen Beschluß gefaßt, tine Um⸗ und Durcharbeitung der Statuten sei erfolgt, bie Impfungen kämen in Wegfall, von einer Erhöhung der Prämien wolle man absehen, sie würden sonst für manchen unerschwinglich werden, dagegen werde in vor⸗ liegenden Fällen eine Kürzung an der Entschädigungs⸗ umme einzutreten haben, man werde damit gleichzeitig einen Einfluß auf gute Aufzucht ausüben. 3. Die un⸗ gerechtfertigten Abzüge am Gewicht, Entfernen von Fleisch⸗ ellen entpuppen sich nach eingehender sachlicher Debatte als Folgen der Bestimmungen, welche in dem Schlachthof⸗ Lokal⸗Reglement u. s. f. vorgeschrieben sind. Dieselben bilden die Richtschnur bei Vornahme der Verwiegungen, ebenso sind genaue Vorschriften erlassen, welche Teile bei dem Verwiegen zu entfernen sind. Herr Liebe und Herr Pichler weisen darauf hin, daß geflissentlich von gewisser Seite Mißtrauen gezüchtet werde. Herr Pichler bemängelt auch die Art der Honorierung der technischen Beamten der Gesellschaft. Herr Liebe entgegnet, daß allerdings die
eter, geb. Klingel⸗ u des Breefträgerz inbetgerstraßt 39. pnerstag, den 4. r vom Sterbchauft
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trauen auch ferner
Metzget, K
Einhorn.
Personen erregen könne, es werde hierin jedoch Remedur geschaffen werden. Ueberdies sei diese Angelegenheit ganz unerhört aufgebauscht worden, die Honorierung sei mit Wissen der Bürgermeisterei erfolgt. In anderen Städten, Cassel, Lübeck usw. seien ebenfalls Tierärzte Leiter von Privatgesellschaften, aber hierorts hat der Mißtrauens⸗ bazillus schon recht erbauliche Erfolge gezüchtet, vielleicht fände sich doch noch ein Mittel, die Züchter zu treffen, nicht immer schütze der§S 193. Bezüglich der„rigorosen Fleischbeschau“ teilt Herr Schlenke mit, dieses Thema habe der hiesige Obermeister Pirr angeschnitten; derselbe sei jedoch kein Mitglied des Gießener Lokal⸗Vereins und sei seines Wissens nicht geladen gewesen, vielleicht habe er sich als Gast eingefunden.— Es wurde recht eigen⸗ tümlich gefunden, daß gerade diejenigen Herren, welche so scharfe Beschwerden vorgebracht haben sollen, durch ihr Nichterscheinen glänzten.— Herr Liebe betonte, jeder Sachverständige habe sich nicht bei Vornahme von Unter⸗ suchungen von Willkür, sondern von seinem gesunden Menschenverstand, wissenschaftlicher Erfahrung und den stillschweigenden Voraussetzungen des Publikums leiten lassen. Herr Pichler bemerkte, er ersehe aus dem ganzen Verlauf der heutigen Sitzung, daß es besser gewesen wäre, wenn dieselbe schon früher stattgefunden hätte, es wären viele Differenzen erspart geblieben; er könne der Ver⸗ sicherungskasse für die prompte Schadenregulierung nur Dank zollen. Es sei wohl sehr fraglich, ob die Stadt Gießen die Kasse selbst ins Leben rufen würde entsprechend einem Antrage des Lokalvereins. Herr Liebe führt aus, es sei ihm bezüglich der Vornahme der Untersuchung gleichgiltig, wer die Kasse besitze, das Allgemeinwohl ver⸗ lange jedoch jetzt die Existenz einer solchen Kasse, und dem Gemeinwohl stelle er jeden Augenblick seine Kräfte zur Verfügung. Wird ein Versicherungszwang eingeführt, so werden gewiß die Metzger wieder lamentieren, wenn die Prämien hohe sein sollten, und resp. erst verlangt, alles Vieh, das verdächtig sein könnte, zurückzuweisen, vielleicht käme auch ein Fleischpreisaufschlag nachgehinkt, wir haben ja recht niedrige Fleischpreise. Das Errichten einer Versicherungskasse fordert immer finanzielle Opfer, so mußte 1890 die Stadtverwaltung in Leipzig allein bei Rindern 46 203,13/ Fehlbetrag decken. Nachdem der Vorsitzende nochmals erklärt, daß man gerechten Wünschen der Landwirte stets entgegenkommen würde, die neuen Statuten, sobald die Generalversammlung ihnen Rechts⸗ kraft verleiht, viele Erleichterung schaffen dürften, schließt er die Versammlung mit Worten des Dankes für die sachlichen Debatten und das beiderseitige Entgegenkommen.
* Gießen, 4. März. Das hiesige Stadt⸗
theater hat gestern Abend seine Pforten wieder eöffnet. Trotz des Aschermittwochs wurde das
zustspiel„Krieg im Frieden“ gegeben. Dasselbe gehört wohl zu den ulkigsten Schöpfungen Mosers und Schönthans. Wer
kann den„schneidigen“ Reif-Reiflingen possieren sehen, ohne herzlich aufzulachen? Gespielt wurde im Allgemeinen recht gut. Das Personal ist das alte geblieben. Lebhafter Beifall wurde nach jedem Aktschluß gespendet. Möge das Unternehmen der Herren Kruse-Helm die nötige Unterstützung finden.
* Gießen, 4. März.(Stadttheater.) Am Freitag debütiert im hiesigen Stadttheater eine junge Frankfurterin, Fräulein Hertha Jensen als„Rosa“ in„Hasemanns Töchter“. Frl. Jensen, die auf Engagement gastiert, ist
Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Aspaltige Petitzeile,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
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von dieser als ein zu großen Hoffnungen berech⸗ tigendes Talent aufs Wärmste empfohlen.— Adalbert Matkowskys Gastspiel beginnt am Sonntag, den 7. März mit Schillers „Räuber“, in welchen der große Künstler den Carl Moor spielt, eine Rolle, mit welcher er am Stadttheater in Hamburg, am Hoftheater in Dresden und vor allen Dingen am kgl. Schau⸗ spielhause in Berlin wahre Beifallsstürme her— vorrief.— Vormerkungen auf Billets für das Matkowskysche Gastspiel werden von Samstag ab bei Herrn C. Challier entgegen genommen.
* Gießen, 4. März. Ein interessanter Fall von Uebertragung der Tuberkulose wurde dieser Tage im hiesigen Schlachthause konstatiert. Bei Untersuchung des Fleisches einer Kuh, die einem Landwirt aus dem benachbarten Hausen gehörte, stellte sich hochgradige Tuberkulose heraus. Der betreffende Land— wirt lieferte einige Zeit später eine Anzahl Schweine nach hier, deren Fleisch sich bei der tierärztlichen Untersuchung ebenfalls als tuber— kulos erwies und infolgedessen der Vernichtung anheimfiel. Den näheren Umständen nach mußte angenommen werden, daß sich die Tuberku— lose von jener Kuh auf die Schweine übertragen hatte. Die Schlachtviehversicherungs— gesellschaft hat trotzdem den betr. Landwirt schadlos gehalten und die Versicherungssumme für sämtliche tuberkulöse Tiere ausgezahlt.
* Gießen, 4. März. Am Dienstag starb in Darmstadt Herr Regierungsrat i. P. Dr. Karl Muhl. Derselbe war früher national⸗ liberaler Vertreter der Stadt Gießen im Landtag.
* Gießen, 4. März. Was alles heutzutage nach lebend Gewicht gehandelt wird: Kam da gestern in der Wirtschaft des Pferdemetzgers Keßler die Rede auf den Kanarienvogelhandel. Der Meister erklärte, er würde solch Tierchen gern erwerben, wenn er nur wüßte, daß er auch einen guten Schläger erhalte. Sofort machte sich einer der Gäste auf dem Weg, um aus seiner Wohnung einen Doppel-Roller aus der vorjäh— rigen Zucht zu holen und diesen Keßler zum Verkauf anzubieten. Auf die Frage, was denn das Tierchen kosten sollte, erklärte der Verkäufer, der Reflektant solle doch sagen, was er denn für ihn wert sei, worauf Keßler 100* für den Zentner lebend Gewicht bot und auch sofort den Zuschlag für dieses Gebot erhielt. Gewissenhaft wurde der Vogel gewogen, wobei sich ein Ge— wicht von noch nicht 100 Gramm ergab. Was machte aber der Vogelhändler für ein langes Gesicht, als ihm vorgerechnet wurde, welch lächer— lich kleine Summe er für seinen Schläger zu verlangen hatte. Er versuchte zwar den Handel rückgängig zu machen, womit die andere Partei nicht einverstanden war. Die Annahme des Geldes für den Vogel wurde aber abgelehnt, um erst einen Rechtsanwalt zu befragen, ob es kein Mittel gebe, den Handel rückgängig zu machen. Das Mätzchen verblieb natürlich vorerst in dem Besitz Keßlers.
Art der Honorierung Bedenken bei etwas schwarzsehenden
Für Ditta's Brautkleid! Novelle von E. Reinhold. (Fortsetzung.) „Und wieviel wollen Sie denn für die beiden Stübchen haben?“ fuhr der Baron in seiner lässig bohlwollenden Art fort;„Fünfzig Mark? Nun ich perde Ihnen etwas sagen, gute Frau, mit den zwei Zimmern kann ich nichts anfangen. Geben Sie mir dazu den anstoßenden Salon, dann sind unsere beiderseitigen Logements von einander getrennt, wir schen und hören nichts von einander und genieren uns nicht. Dafür biete ich Ihnen hundert Mark monatlich. Sie liefern mir erstes und zweites Frühstück, dafür zahl ich Ihnen, was Sie ver⸗ lungen. Sind Sie's zufrieden?“
Marianne war gar nicht zufrieden, der alte baublütige Aristokrat mit seiner hochmütigen Sicher— heit war ihr ganz und gar zuwider, sie wollte den alten gräulichen Peter an die Luft befördern, aber se fand nicht den Mut, ihren Willen zu äußern, se schwieg. Der Baron faßte das wie erklärlich, als Zustimmung auf.
„ich ziehe heute
„Also abgemacht“, hoch ein.“
Damit ging er fort, seinen Umzug aus dem Schwarzen Schwan“ in Mariannens Haus zu hwerkstelligen.
Marianne hätte weinen mögen über sich, über re Dummheit, ihre Schwäche, wie sie selbst ligte, aber es ließ sich nicht mehr änb ern, was sie h aufgeladen. Der Baron von Kroker war nun ir Hausgenosse bis zum ersten August.
Uebrigens ging die Sache besser als Marianne glaubt hatte. Der Baron war ein ruhiger
Rotte
5 tl der Aitenbra bei be
rief er,
eine Schülerin Thessa Klinkhammers und wird
Mieter, er kam ihr wenig in den Weg und machte nicht übertriebene Ansprüche. Man merkte fast gar nicht, daß er im Hause war. In der Erfüllung seiner pekuniären Verbindlichkeiten erwies er sich sehr prompt. Er hatte gleich am ersten Tage Marianne einen Fünfhundertmarkschein übersandt mit dem Bemerken, daß er die Miete gleich für alle Monate vorausbezahlen wolle, die überschießen— den hundert Mark sollten einstweilen als Deckung der Auslagen für Frühstück usw. dienen. Marianne hätte den Fünfhunderter gern zinsbar angelegt, denn für sich brauchte sie ihn ja nicht, da Moritz ihr überreichlich Geld zurückgelassen, aber sie wußte nicht, wie sie das machen sollte, und jemanden zu fragen, genierte sie sich. So legte sie ihn vorläufig in ihre Kassete zu dem Uebrigen, und als sie ihn dort liegen sah, verlor der Gedanke, einen unange— nehmen Mitbewohner im Hause zu haben, viel von seinem Schreclen.
Auch die Sorge, daß spürende Freunde hinter Mariannens Geheimnis kommen und den Baron nicht als einen schützenden Onkel, sondern als einen ganz gewöbnlichen zahlenden Gargonmieter be— trachten und ausposaunen würden, erwies sich als überflüssig. Alle, auch der Hauswirt, glaubten an die Onkelschaft des Barons.
Trotzdem hatte Marianne manchmal ein unge⸗ mütliches Gefühl, zumal, wenn sie an ihren Gatten dachte. Sie hatte nicht gewagt, ihm etwas von ihrer Finanzoperation zu schreiben, sie wollte ihn „überraschen“, wenn er zurückkam. Sie wünschte doch sehnlichst, sie hätte diesen Moment der Ueber— raschung erst glücklich überstanden. Halb ersehnte
sie, halb fürchtete sie die Rückkunft ihres Moritz.
So war der Juli herangekommmen, der letzte Mietsmonat des Barons. Da überraschte der Letztere seine Wirtin an einem der ersten Tage des Monats durch die Mitteilung, er habe beute Ge— burtstag und für den Abend drei Freunde einge— laden; Marianne möge für ein gutes Souper und gute Weine sorgen.
Der Abend kam, und es erschienen die drei Freunde, wie der Baron, alte, aristokratisch aus— sehende Herren. Marianne hatte für ein gutes Abendbrot Sorge getragen, und aus dem von ihrem Moritz wohlversorgten Weinkeller die besten Marken heraufgeholt. Barbara, welche beim Abendbrot die Aufwartung machte, berichtete, die Herren hätten ihre volle Zufriedenheit mit Speisen und Getränken geäußert, namentlich mit den letzteren. Sie hätten sich zu einem regulären Trinkgelage— Barbara gebrauchte allerdings ein drastischeres Wort— niedergelassen.
Diese Botschaft machte Marianne besorgt. Eine wüste Kneiperei in ihrer Wohnung? Das wollte sie nicht hoffen. Aber es dauerte nicht lange, da wurde es ihr offenbar, daß es doch der Fall war. Es wurde lebhaft in des Baron's Zimmer, dann laut, schließlich sogar lärmend. Lautes Sprechen, Gejohle, Gelächter, Stühlerücken, Gläserklingen, kurz alle die lieblichen Töne eines wilden Männer— gelages wurden laut und schallten durch die Stille der Nacht. Von oben schickten die Hausgenossen zwei Mal herunter und ließen um Ruhe bitten, und von unten erschien nach Mitternacht noch der Hauswirt in eigener Person und machte Frau Marianne eine Szene des„Onkels“ wegen, daß sie beinahe einen Weinkrampf bekam. Er verlangte durchaus zu dem„Onkel“ geführt zu werden. Doch
Kreuzplatz Nr. 4.
* Grünberg, 3. März. Der Pferde⸗ zucht verein hält am Montag, den 8. März, nachmittags 5 Uhr, im Gasthaus zum Eng⸗ lischen Hof eine Wanderversammlung ab, in welcher Herr Kreisveterinärarzt Dr. Neun⸗ höffer einen Vortrag über die„Pflege des Pferdehufes“ halten wird. Interessenten sind auf dieses beachtenswerte Thema hiermit aufmerksam gemacht.
R. Grünberg, 3. März. Im Laufe des nächsten Jahres begeht die hiesige Freiwillige Feuerwehr das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Mit dieser Feier soll gleichzeitig das Bezirksfest verbunden werden. Das Vereins⸗ leben genannter Korporation war im vergangenen Rechnungsjahre ein sehr reges und von den besten Erfolgen begleitet. 1. Hauptmann unserer Feuerwehr ist z. Z. Herr Bock, der dieses ehrenvolle Amt schon eine Reihe von Jahren bekleidet. Der Ausfall der Vorstandswahl in der letzten Generalversammlung beweist zur Ge⸗ nüge, daß man sich gegenseitig das vollste Ver⸗ trauen schenkt und die Einhelligkeit unter den Mitgliedern eine ungetrübte zu sein scheint.
* Grünberg, 3. März. Mit Beginn dieses Frühjahrs scheint sich auch hier wieder rege Bauthätigkeit zu entfalten. Herr Küfer⸗ meister Möller läßt an Stelle seiner seitherigen Hofraithe einen Neubau aufführen, wozu die Vorarbeiten bereits im Gange sind. Auch die Arbeiten zum Bau der Turnhalle sind schon, ausschließlich an hiesige Geschäftsleute, vergeben worden. Anfangs September soll die Halle fertig gestellt sein und in Gebrauch genommen werden. Auch dürfte noch in diesem Jahre mit dem Bau des neuen Amtgerichtsgebäudes be⸗⸗ gonnen werden.
* Neu⸗Ulrichstein, 3. März. Die Ar⸗ beiterkolonie hatte Ende Februar 78 stellen bezw. arbeitslose Insassen, darunter 19 aus dem Großherzogtum, 7 aus dem Reg.-Bez. Cassel, 14 aus dem Reg.⸗Bez. Wiesbaden. Arbeiter waren darunter 43. Man zählte 2219 Arbeits- tage, 2543 Verpflegungstage. 38 Mann wurden entlassen. Seit der Eröffnung der Kolonie wurden 3224 Mann aufgenommen.
* Darmstadt, 3. März. Die Regierung ließ den Ständen einen Gesetzentwurf über die Fürsorge für Beamte infolge von Be⸗ triebsunfällen zugehen, der bereits mit dem 1. April d. J. in Kraft treten soll. Nach dem⸗ selben erhalten Beamte, die in reichsgesetzlich der Unfallversicherung unterliegenden Betrieben be⸗ schäftigt sind, wenn sie infolg eines im Dienste erlittenen Betriebsunfalles dauernd dienstunfähig werden, als Pension 66/ Prozent ihres jähr⸗ lichen Diensteinkommens. Bei teilweiser Er⸗ werbsunfähigkeit wird für die Dauer derselben ein Bruchteil der bezeichneten Pension berechnet, der nach dem Maße der verbliebenen Erwerbs⸗ fähigkeit bemessen wird. Die Hinterbliebenen eines infolge eines Betriebsunfalles verstorbenen Beamten erhalten als Sterbegeld den einmonat⸗ lichen Betrag des Diensteinkommens bezw. der
da verabschiedeten sich gerade die Geburtstagsgäste und trollten polternd und lachend aus dem Hause.
Marianne hatte die feste Absicht gehabt, am nächsten Morgen den Baron zur Rede zu stellen und sich eine Wiederholung derartigen störenden Lärmens ernstlich zu verbitten. Indessen, was man sich am Abend ernstlich vornimmt, sührt man nicht immer am Morgen aus. Mariannens Zorn gegen den Baron hatte sich nicht gelegt, aber sie wollte durch eine Auseinandersetzung mit ihm nicht ihren Aerger noch vermehren.
„Es sind ja nicht mehr volle vier Wochen bis zu seiner Abreise“, damit tröstete sie sich.„Und in dieser Zeit kann er ja nicht noch einmal Ge— burtstag haben. Im Uebrigen hat er sich ja immer ganz gesittet betragen.“
Nach diesem geräuschvollen Intermezzo kehrte in der That die alte friedliche Stille in Mariannens Heim zurück, ja es wurde sogar noch stiller als zu⸗ vor. Der Baron ließ gar nichts mehr von sich hören, kam gar nicht aus seinen Zimmern heraus, und Ditta, deren Ferien begonnen hatten, war zu Verwandten aufs Land geschickt worden.
Da— es fehlten nur noch sechs Tage bis zum ersten August— erhielt Marianne plötzlich früh am Morgen ein Telegramm aus Hamburg:
„Ich komme heute Abend. Moritz.“
Die Frau sank vor Schreck beinahe in die Knie. Wenn Moritz kam und fände einen Fremden in seiner Behausung! Die Szene war nicht auszu⸗ malen. Das mußte auf alle Fälle verhindert werden, da gab's keine lange Ueberlegung. Der Baron mußte'raus, sofort. Unendlich sauer wurde Marianne der Bittgang zu dem widerwärtigen Mann.(Schluß folgt.)


